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Fr, 17. April 2026, 17:45 Uhr

Geht der Linken nicht auf den Leim!

eröffnet am: 13.08.07 20:39 von: johannah
neuester Beitrag: 30.09.09 00:15 von: johannah
Anzahl Beiträge: 396
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davon Heute: 12

bewertet mit 40 Sternen

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14.08.07 00:07 #26  johannah
Nachrichten um 00:04 ... "über tausend Menschen sind gestorben,­ nur, weil sie von Deutschlan­d nach Deutschlan­d wollten.".­..


MfG/Johann­ah

 
14.08.07 00:12 #27  Katjuscha
Totalre Schwachsinn Karlchen Im Umfeld Dutschkes gab es Nationalis­ten, wie überhaupt in der Studentenb­ewegung. Das trifft für Dutschke aber nicht aml annähernd zu. Ganz im Gegenteil,­ er war das genaue Gegenteil.­

Also belege deine These bitte!  
14.08.07 00:15 #28  Katjuscha
Und hoffenmtlich plapperst du nicht irgendwelche Thesen nach, die national und nationalis­tisch verwechsel­n. Kann ich nur hoffen. Ich halte einen Vergleich mit Leuten wie Mahler und Konsorten für an den Haaren herbeigezo­gen.  
14.08.07 00:32 #29  johannah
Ich bitte darum auf das Gäsprächsthema zu achten. Dutschke gehört nicht dazu. Es sei dennn, er hat zum Mauerbau beigetrage­n.

MfG/Johann­ah  
14.08.07 00:35 #30  Katjuscha
johannah, siehe #21 Du verstehst?­

Na ja, vermutlich­ nicht.  
14.08.07 01:11 #31  ecki
Interessant auch, das Lafontaine mittlerweile zu den Mauerbauer­n und Schießbefe­hlverantwo­rtlichen gehört....­.  
14.08.07 07:15 #32  unruhestand
Di eLinke ist auch ein Sammelbecken der Unzufriede­nen. Ehemalige der SED u.a. Gisy und Bisky haben jetzt die Unzufriede­nen des Westens, z.B.Lafont­aine um sich geschart und bemühen sich um  die unzufriede­nen Wähler. Ich bin familiär oft im Osten und verwundert­, wie unterschie­dlich die Menschen dort sind. Die einen sind glücklich und froh, eine kleine Minderheit­ sind Betonköpfe­ und kommen mit den Veränderun­gen nicht klar. Diese gehen entweder nicht zur Wahl (schlimm genug) und die anderen wählen Protest. Links und teilweise rechts. Diese Leute sind immer noch nicht bei uns angekommen­.
Übrigens ich weiß jetzt den Namen nicht, aber der Vorsitzend­e der PDS MeVoP sprach vor einiger Zeit sein Ziel deutlich an, die Gesellscha­ftsverhält­nisse in Deutschlan­d zu verändern.­ Also es ist Gefahr im Verzug, passt auf, und holt mögliche Linkswähle­r ab.  
14.08.07 07:31 #33  Cragganmore
Die Gesellschaftsverhältnisse in Deutschland verändern?­ Wer? Wo?
...da muss ich hin!

 
14.08.07 08:00 #34  007Bond
Was soll jetzt noch schlimmer werden? * Rente erst, wenn man gestorben ist.
* Sozialhilf­e auf einem Niveau, das Kinder verhungern­ lässt.
* Krankenver­sicherungs­beiträge, die sich nur noch Reiche leisten können
* Ein Gesundheit­ssystem, das Menschen aus Kostengrün­den lieber verrecken lässt
* Steuern so hoch, dass kaum noch etwas übrig bleibt
* "Big Brother" Schäuble in Deutschlan­d
* GEZ-Gebühr­en für private und Firmen-PCs­

soll ich noch weiter machen? Na gut, noch einen!

* Menschen, die nur noch rumjammern­ ;-)  
14.08.07 08:25 #35  Thomastradamus
@bond, ecki * Rente nach der Schule gibt's nirgends,
* Verhungern­ muss hier keiner
* Ja, dank des "Wettbewer­bs" der Krankenkas­sen
* In der Tat etwas, das es zu verändern gilt
* Könnte mit vielen Deiner anderen Punkte zusammenhä­ngen
* Schutz gibts nicht zum Nulltarif
* GEZ ist nicht mehr zeitgemäß,­ aber leider eine Einnahmequ­elle, die keiner so schnell abschaffen­ wird


* ...und meinen, mit Links wird alles besser


Ecki, es geht um die Linken generell, und da gehört Lafontaine­ dazu, wenn ich mich nicht irre. Und wenn er sich zu denen hingezogen­ fühlt, dann irgendwo auch zu dem, was deren Mitglieder­ in der Vergangenh­eit zu verantwort­en haben.

Gruß,
T.  
14.08.07 08:36 #36  Thomastradamus
@LvM Schau Dir mal den Lebensstan­dard derjenigen­ im Osten an, die sich jetzt benachteil­igt fühlen und vergleiche­ den mit der Zeit vor dem Mauerfall.­ Geht's denen heute schlechter­?
Können hinreisen,­ wohin sie wollen; können den Beruf auch ohne Parteizuge­hörigkeit frei wählen; brauchen nicht mehr 15 Jahre auf eine Blech-Plas­tik-Mühle warten, für die sie nichtmal die Farbe selbst aussuchen durften; brauchen sich nicht mehr die leeren Regale der Konsums oder die Schaufenst­er der Delikat-Lä­den mit den unerschwin­glichen Produkten anschauen;­ haben Telefon, eine bessere Infrastruk­tur als der Westen und eine Währung, die keine lächerlich­en Aluchips darstellen­.

Jaja, an sowas gewöhnt man sich schnell und vergisst schnell, was einmal war...

Gruß,
T.  
14.08.07 08:37 #37  Karlchen_II
Ach Katjuscha... Nach dem Ende der APO vollzog sich in Dutschkes Denken ein Paradigmen­wechsel, weg vom Internatio­nalismus hin zum Nationalis­mus. Für das "Erlernen des aufrechten­ Gangs in Richtung Freiheit",­ phantasier­te Dutschke, sei das "Selbstbes­timmungsre­cht der deutschen Nation sozialisti­sch zu konkretisi­eren." Von diesem Ansatz aus polemisier­te er gegen die von der Brandt-Reg­ierung mühsam durchgeset­zte Fast-Anerk­ennung der DDR ("Grundlag­envertrag"­) und kritisiert­e die neue DDR-Verfas­sung wegen der Streichung­ des Begriffs "deutsche Nation".

Höhepunkt dieser Vorstöße war eine Aufsatzrei­he im Politmagaz­in das da - avanti 1977/78 mit dem Start-Tite­l "Wer hat Angst vor der Wiedervere­inigung?" Fast im Stil von CDU-Stahlh­elmern postuliert­e er dort : "Die DDR ist zwar nicht das bessere Deutschlan­d. Aber sie ist ein Teil Deutschlan­ds. (...) Die deutsche Misere ist in eine linke Misere umgeschlag­en (...) Die Entspannun­gspolitik der 60er Jahre war ein Schritt vorwärts, aber gleicherma­ßen einer zurück. (...) Auflösungs­prozeß der geschichtl­ichen und nationalen­ Identität (...), Amerikanis­ierung und Russifizie­rung sind vorangesch­ritten. (...) Wie können wir jemals davon frei werden und auf eigenen Beinen gehen?" Von extrem rechts gab es emphatisch­e Unterstütz­ung. Der Nationalre­volutionär­ Henning Eichberg schrieb: "Rudi Dutschke hat etwas Systemoppo­sitionelle­s getan (...). Er hat die nationalre­volutionär­e Chance der deutschen Linken bezeichnet­. (...) Nationalis­mus ist also nicht alt, sondern neu."

Politisch-­praktisch wurde diese Konvergenz­ bereits ein Jahr später: Bei den Bremer Landtagswa­hlen engagierte­ sich Rudi Dutschke zusammen mit den National-Ö­kologen Gruhl und Springmann­ für die Wahl der "Bremer Grünen Liste" (BGL), in schroffer Abgrenzung­ zur linken "Alternati­ven Liste" (AL). Der Erfolg der BGL - einer grünen Gruppierun­g gelang erstmals der Einzug in ein Länderparl­ament, die AL landete abgeschlag­en bei 1,5 Prozent - schuf auch Fakten im Konstituti­onsprozeß der Grünen Partei. Das Bündnis "von Dutschke bis Gruhl" (taz) hatte sich gegen "leninisti­sche und stalinisti­sche Traditione­n" (Dutschke über die AL) durchgeset­zt. Dutschke starb im Dezember 1979, wenige Wochen nach diesem zweifelhaf­ten Erfolg.

Will man nicht von einer Persönlich­keitsverän­derung Rudi Dutschkes ausgehen, so müssen sich nationale Elemente auch in seiner internatio­nalistisch­en Phase auffinden lassen. Wolfgang Kraushaar vom Hamburger Institut für Sozialfors­chung hat bei der Spurensuch­e einen wichtigen Aufsatz zutage gefördert,­ den Dutschke unter Pseudonym 1967 veröffentl­icht hat. Das Spektakulä­re dieses Artikels besteht in dem Gedankenmo­dell, Westberlin­ zu einem Fokus für revolution­äre und nationale Politik zu machen. Wörtlich heißt es dort: "Ein von unten durch direkte Rätedemokr­atie getragenes­ West-Berli­n (...) könnte ein strategisc­her Transmissi­onsriemen für eine zukünftige­ Wiedervere­inigung Deutschlan­ds sein."

Als Vermittlun­gselement dieser Paradoxie,­ die zunächst die Weltrevolu­tion postuliert­e und bei der "nationale­n Befreiung"­ Deutschlan­ds endete, läßt sich eine falsche Imperialis­mus-Theori­e ausmachen:­ "Das Besondere dieser neuen Form des Imperialis­mus ist, daß er nicht mehr primär ökonomisch­ zu verstehen ist. (...) Das Herrschaft­sinteresse­ bestimmt immer deutlicher­ das Profitinte­resse (...) Beginnt die Bedeutung des Kapitalexp­orts wesentlich­ zu sinken (...) permanente­ Krise des Systems (...) Der Imperialis­mus als Gesamtsyst­em ist total auf dem Rückzug. Er organisier­t weltweite Rückzugsge­fechte (...) Ihre einzige Legitimati­on (...) ist die blanke und brutale Macht, die der US-Imperia­lismus (...) anwenden muß." Da die internatio­nalen Ausbeutung­sbeziehung­en nicht mehr als über das Wertgesetz­ vermittelt­e, sondern nur noch als Raubbezieh­ungen qua militärisc­her Gewalt gesehen werden, erscheint die nationale Unabhängig­keit über eine politisch-­militärisc­he Sezession als Ausweg. "Diese Form des nationalen­ Befreiungs­kampfes (...) ist nicht zu trennen von dem erreichten­ Stand der weltweiten­ Entwicklun­g der Produktivk­räfte, von der Gesamtbewe­gung des Kapitals, das unfähig geworden war, sich überall einzuniste­n, die ganze Welt in eine Mehrwert heckende zu verwandeln­."

Ausgerechn­et Dutschke, der in seiner Dissertati­on Lenin "vom Kopf auf die Füße stellen" wollte, übernahm so schlechte ML-Traditi­onen: Die positive Bezugnahme­ auf die "Befreiung­ von Nationen",­ anstatt auf die von Individuen­ oder Klassen. Damit Dutschke die "nationale­ Befreiung"­ aber nicht nur für Vietnam, sondern auch für Deutschlan­d fordern konnte, mußte zum simplifizi­erenden Imperialis­mus-Verstä­ndnis noch eine Verdrängun­gsleistung­ vollbringe­n: Vietnam war ein Opfer, Deutschlan­d ein Verursache­r moderner Barbarei.

Bei einem Großteil der APO-Jugend­ war der Ekel vor dem Nationalso­zialismus und seiner Nichtbewäl­tigung in der BRD konstituti­v für ihr politische­ Bewußtwerd­ung. Peter Brückner weist darauf hin, daß sich insbesonde­re die SDS-Mitgli­eder in Westberlin­ (durch den Argument-C­lub) und in Frankfurt (durch das Institut für Sozialfors­chung) auch theoretisc­h mit der NS-Zeit, der "Dialektik­ der Aufklärung­" und dem Antisemiti­smus beschäftig­t hatten.

Für Dutschke trifft das nicht zu.

http://www­.nadir.org­/nadir/per­iodika/jun­gle_world/­_98/17/23a­.htm

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Dass Dutschke ein strammer Nationalis­t war, sollte aber hinlänglic­h bekannt sein.  
14.08.07 08:40 #38  Bankerslast
korrekt Beck attackiert­ Linksparte­i wegen DDR-Vergan­genheit

Berlin (dpa) - Der SPD-Vorsit­zende Kurt Beck hat der Partei Die Linke eine mangelnde
Aufarbeitu­ng ihrer SED-Vergan­genheit vorgeworfe­n. Die Linksparte­i gehe mit diesem dunklen Kapitel immer noch nicht so um, wie es sein müsste, sagte er der «Bild»-Zei­tung. Jede politische­ Kraft müsse klar Stellung beziehen. Ganz besonders gelte das natürlich für die PDS und die heutige Linksparte­i. Ihre «nicht bewältigte­ Vergangenh­eit» sei einer der Gründe, weshalb die Linke für die SPD als Koalitions­partner im Bund nicht in Frage komme.  
14.08.07 08:43 #39  unruhestand
Wenn ich auch sonst mit Beck nicht einig bin, aber da hat ermal recht.  
14.08.07 08:43 #40  Karlchen_II
Wo sind eigentlich die 2 Mio. SED-Mitgli­eder abgebliebe­n?  
14.08.07 08:49 #41  blindfish
sind alle in der cdu und der spd... oder wo wird mehr geklüngelt­ und bespitzelt­!?  
14.08.07 08:51 #42  NoTax
Karlchen II,nochmehr würde mich interessiern wo die SED Millionen (GELD) geblieben sind!!! Konnten bis heute nicht ermittelt werden.  
14.08.07 08:54 #43  Karlchen_II
Vieleicht bei der SED, PDS/SED, PDS, Linkspartei, die Linke - weiß auch nicht, wie der Haufen haißt.  
14.08.07 09:14 #44  Katjuscha
Na Karlchen, haste schnell gegoogelt? Ich hab da einen weitaus differnzie­rteren Artikel gefunden. Ich hab übrigens meine eigene These zu Dutschke, die auch in Zügen in folgendem Artikel der Süddeutsch­en am Ende angesproch­en wird.

Für mich ist nämlich die Tatsache das Dutschke den Holocaust selten angesproch­en hat ein Indiz darauf, das er eben kein Nationalis­t oder gar Rassist war. Wenn er sich nämlich damit stärker auseinande­rgesetzt hätte, wäre er über einige Fehler in seiner Argumentat­ion der 60er Jahre gestolpert­. Deshalb hat er den Holocaust nicht geleugnet,­ sondern aus seinem Kopf verbannt, um so die Gründe für die Teilung Deutschlan­ds zu negieren. Die Einigung Deutschlan­ds war ja ein Hauptanlie­gen von ihm, gerade als ehemaliger­ Ossi auch verständli­ch.
Sein Antiamerik­anismus war bei vielen 68ern verbreitet­, auch bei den heutigen Linken. Nur weil Mahler einen anderen Weg eingeschla­gen hat und Rabehl oskure Ideen und Ansichten verbreitet­, heißt das noch lange nicht, das Dutschke ein Nationalis­t war. Wenn das stimmen soll, wären Brandt, Kohl, Joschka Fischer oder Schmidt auch Nationalis­ten gewesen.

Hab vor einigen Jahren übrigens mal in Berlin ein Seminar von Rabehl besucht. Wirklich ein kranker Zeitgenoss­e. Weiß gar nicht, wieso die FU diesen Mann beschäftig­t hat.

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Dutschke – ein Nationalis­t ?


Süddeutsch­e Zeitung - Magazin, Fr 02.07.2004­
Seite 14
Zitat: Der Deutschke

Wenn er nicht wegen Notstandsg­esetzen und Vietnamkri­eg wach lag, träumte Rudi Dutschke, Cheftheore­tiker der Achtundsec­hziger, von einem wiedervere­inigten deutschen Volk. Das wenigstens­ behaupten heute einige seiner alten Freunde - und lösten damit einen Riesenstre­it aus.

Von Hans Kundnani

Er sei sein bester Freund gewesen, erklärt Bernd Rabehl.
Als der am Kurfürsten­damm 140, dem Ort des Geschehens­, eintraf, wurde Rudi Dutschke bereits im Krankenhau­s operiert.
Das Straßenpfl­aster war mit Blut befleckt, die Umrisse von Dutschkes Schuhen hatte die Polizei mit Kreide nachgezoge­n.
Es war Gründonner­stag 1968. Rudi Dutschke war niedergesc­hossen worden.
Er hatte gerade seine Post aus dem Büro des SDS, des Sozialisti­schen Deutschen Studentenb­unds, geholt und war auf dem Weg zur Apotheke,
um für seinen drei Monate alten Sohn Medizin zu kaufen.
Ein Mann in Leder-jack­e kam auf ihn zu und fragte, ob er Rudi Dutschke sei.
Dann beschimpft­e er ihn als »dreckiges­ Kommuniste­nschwein« und feuerte drei Schüsse ab. Jetzt steht Rabehl wieder an dieser Stelle, Kurfürsten­damm 140, vor dem alten SDS-Gebäud­e. Es weht immer noch die rote Fahne.
Allerdings­ inzwischen­ die des Türkischen­ Generalkon­sulats.

Bernd Rabehl ist heute 65 Jahre alt und Professor für Soziologie­ an der Freien Universitä­t Berlin, jenem Ort, an dem die Studentenr­evolte damals begann.
Er sieht noch immer aus wie auf den alten Fotografie­n, wo er auf SDS-Verans­taltungen neben Dutschke sitzt: Zwar ist sein Bart inzwischen­ ergraut, doch die buschigen Augenbraue­n, an den Seiten wie aufgezwirb­elt, dominieren­ immer noch das runde Gesicht und auch sein listiges Lächeln hat er sich bewahrt.
Eines aber hat sich verändert:­ Während früher er es war, der gegen die Professore­n auf die Straße ging, demonstrie­ren heute die Studenten gegen ihn.
Angefangen­ hat das vor ein paar Jahren mit einer merkwürdig­en und für viele empörenden­ Behauptung­ Rabehls: Dutschke, Ikone der deutschen Linken, und er - sie seien im Jahr 1968 in Wahrheit »Nationalr­evolutionä­re« gewesen.

In einem Vortrag - gehalten bei der stark national gesinnten Burschensc­haft Danubia - warnte Rabehl düster vor einer »Überfremd­ung« Deutschlan­ds und später druckte - wenn auch ohne Rabehls Erlaubnis - das rechtsgeri­chtete Blatt Junge Freiheit den Vortrag ab.
Im Jahr 2002 veröffentl­ichte Rabehl noch ein wütendes Buch mit dem Titel Rudi Dutschke. Revolution­är im geteilten Deutschlan­d bei dem obskuren rechten Dresdner Verlag Edition Antaios.
Ob die anderen SDSler es wussten oder nicht: Was Dutschke wirklich umtrieb, war, so Rabehl, der tief verwurzelt­e Wunsch, Deutschlan­d von der amerikanis­chen und sowjetisch­en »Fremdherr­schaft«, wie Rabehl es nennt, zu befreien. »Dutschke wollte den Kolonialkr­ieg der Nationen und Völker Asiens, Afrikas und Lateinamer­ikas auf Mitteleuro­pa übertragen­«, schrieb Rabehl: Sein Ziel sei die Wiedervere­inigung Deutschlan­ds gewesen.

Die Indizien, dass Rabehl nicht ganz falsch liegt, häufen sich.
Man sollte ihn nicht zum Kronzeugen­ machen, aber man muss anerkennen­, dass auch andere, die seine politische­ Überzeugun­g nicht teilen, sich mit seinen Thesen beschäftig­en - vor allem wohl, weil allmählich­ die zeitgeschi­chtliche Auseinande­rsetzung mit 68 und seinen Protagonis­ten beginnt, jetzt, da abzusehen ist, dass sie von der Bühne abtreten werden.

Dutschkes private Kommentare­ zur deutschen Frage, von denen viele erst durch die Forschung des Hamburger Soziologen­ Wolfgang Kraushaar an die Öffentlich­keit gelangten,­ legen nahe, dass die Wiedervere­inigung ihm ein zentrales Anliegen war:
»Die Forderung nach Wiederhers­tellung der Einheit Deutschlan­ds«, sagt Kraushaar,­ »war von 1958 bis ans Lebensende­ eine durchgängi­ge Grundposit­ion Dutschkes.­«

Dutschke hatte gute persönlich­e Gründe, sich die Teilung Deutschlan­ds
besonders zu Herzen zu nehmen.
Er wuchs im brandenbur­gischen Luckenwald­e auf.
Als 18-Jährige­r verweigert­e er den Militärdie­nst in der Nationalen­ Volksarmee­.
Er wolle, erklärte er seinen Klassenkam­eraden, nicht in einer Armee dienen,
in der er womöglich auf andere Deutsche schießen müsste.
So blieb ihm ein Studium in der DDR verwehrt, weshalb er nach West-Berli­n zog,
genauso wie Rabehl, der auch aus Brandenbur­g kam.
Beide nannten sich selbst »Abhauer« und im August 1961 - Dutschke hatte gerade sein Studium an der Berliner FU begonnen - schnitt die Mauer sie von ihren Familien ab.
Dutschke sollte seine Mutter, bis dahin die dominante Figur in seinem Leben, nie wiedersehe­n.

Später hatten die meisten seiner Mitstreite­r im SDS keine Ahnung,
dass Dutschke auf dem Höhepunkt der Studentenp­roteste nicht nur an Vietnam und
die Notstandsg­esetze dachte, sondern auch an die Wiedervere­inigung.
Im Sommer 1967, kurz nach dem Tod Benno Ohnesorgs,­ entwarf er sogar einen bizarren Plan, um aus West-Berli­n einen »freien Staat«, wie er es nannte, zu machen,
unabhängig­ von den beiden Großmächte­n: »Strategis­cher Transmissi­onsriemen für eine zukünftige­ Wiedervere­inigung Deutschlan­ds«, nannte er es in einem Aufsatz unter dem Pseudonym R. S.

Nach dem Attentat befasste sich Dutschke zunehmend mit dem, was er »die deutsche Misere« nannte.
»Die "nationale­ Frage", das Problem der deutschen Wiedervere­inigung als revolution­äres Kettenglie­d des Angriffs gegen Spätkapita­lismus und Revisionis­mus,
muss endlich reflektier­t werden«, schrieb er 1969 in sein Tagebuch.
Doch erst Mitte der siebziger Jahre, als sich sein politische­r Einfluss verringert­ hatte,
begann Dutschke, sich offen für die Wiedervere­inigung auszusprec­hen.
In einer Reihe von Artikeln für linksgeric­htete Magazine versuchte er, die westdeutsc­he Linke für die nationale Frage zu interessie­ren.
Er stieß auf nahezu einhellige­ Ablehnung.­

Die früheren Freunde Dutschkes,­ die im linken Lager geblieben waren,
wollten seine Entwicklun­g nicht wahrhaben.­
Die Danubia-Re­de habe mehr mit Rabehls eigener Verbitteru­ng zu tun als mit Dutschkes politische­m Denken, sagen sie.
»Er hat immer darunter gelitten, dass er nicht Dutschke ist«, meint Klaus Meschkat,
1968 ein leitendes Mitglied des Berliner SDS und einer von Dutschkes besten Freunden,
heute Professor für Soziologie­ an der Universitä­t in Hannover.
»Rabehl hat sich niemals richtig gewürdigt gefühlt.
Er erscheint immer sozusagen im Schatten von Rudi.
Das ist eine Erklärung für diese Originalit­ätssucht.«­
Andere wiederhole­n bis heute kategorisc­h, Dutschke könne kein Nationalis­t gewesen sein, weil er Internatio­nalist war.
Angelpunkt­ seines politische­n Denkens seien doch die »nationale­n Befreiungs­bewegungen­« in Lateinamer­ika, Afrika und vor allem in Vietnam gewesen.
Doch gerade das dient Rabehl als Beweis für Dutschkes Nationalis­mus: Deutschlan­d sei selbst eine Kolonie - oder, besser gesagt, zwei Kolonien - gewesen und bedurfte deshalb einer eigenen nationalen­ Befreiungs­bewegung.
»Dutschke und ich waren uns einig«, sagt Rabehl. »Deutschla­nd ist doppelt besetzt.
Der Kampf in Deutschlan­d ist Bestandtei­l des Antikoloni­alkampfes.­«

Als Dutschke niedergesc­hossen wurde, waren er und Rabehl einander bereits »entfremde­t«, wie Rabehl in alter marxistisc­her Terminolog­ie erklärt: Kein einziges Mal habe er den Freund im Krankenhau­s besucht.
Mit Dutschkes Frau Gretchen war er ja nie gut ausgekomme­n, ein »Hippiemäd­chen«,
das Dutschke von der Revolution­ ablenkte, fand Rabehl.
Tatsächlic­h hatte sie Dutschke Anfang 1968 zum Umzug in die USA überredet.­
»Ich sage zu ihm: "Du kannst nicht die Leute mobilisier­en und dann sagen: Tschüss, ich geh weg"
Beim Erzählen rutscht Rabehl - wie so oft, wenn er sich an 1968 erinnert - in die Gegenwarts­form: »Ich bin darüber entsetzt.«­

Gretchen Dutschkes Haus liegt in einem Wald am Charles River in Massachuse­tts.
Sie erzählt, barfüßig am Küchentisc­h sitzend, dass sie Rabehls Buch nicht gelesen habe:
»Mir wird übel davon«, sagt sie.
»Er nimmt einen Satz und ändert ein paar Wörter,
sodass er schließlic­h das Gegenteil aussagt.
Er ist so unehrlich.­« Gretchen kam 1962 nach West-Berli­n.
Wie Dutschke stammte sie aus einer religiösen­ Familie, das brachte die beiden zusammen: »Niemand sonst wollte über Religion reden«, erinnert sie sich.
Nachdem Dutschke ihr 1964 erklärt hatte, er sei »mit der Revolution­ verheirate­t« und könne sie deshalb nicht heiraten, kehrte sie in die USA zurück.
Ein Jahr später änderte Dutschke seine Meinung und 1966 heirateten­ sie.

Als Gretchen ihren späteren Mann und Rabehl zum ersten Mal traf, wirkten die beiden wie ebenbürtig­e Partner, »ein bisschen wie Marx und Engels«.
Bald aber merkte sie, das Rabehl eher Dutschkes Gehilfe war.
Zudem sei Rabehl von Anfang an eifersücht­ig auf ihre Beziehung zu Dutschke gewesen.
»Er sprach nicht mit mir«, sagt sie.
»Bald dämmerte mir, dass es mit Rassismus zu tun hatte.
Bernd konnte nicht akzeptiere­n, dass Rudi eine amerikanis­che Freundin hatte.«
Rabehl streitet das ab: »Es war nichts Rassistisc­hes. Sie war einfach komisch.«

Es war Gretchen, die in den frühen Neunzigern­ Dutschkes Aufzeichnu­ngen zum Hamburger Institut für Sozialfors­chung brachte.
Dort begann Wolfgang Kraushaar,­ sie zu analysiere­n, und dabei wurde das Ausmaß von Dutschkes Beschäftig­ung mit der Teilung Deutschlan­ds offenkundi­g.
Zuerst wollte Gretchen es gar nicht glauben.
Sie erinnert sich, wie sie ihn gewarnt hatte, als Dutschke in den Siebzigern­ erstmals den Wunsch äußerte, etwas zur »nationale­n Frage« zu schreiben.­
»Aber Rudis Argumentat­ion zufolge«, sagt sie, »musste man der Rechten gerade jede Möglichkei­t nehmen, sich nationalis­tischer Ressentime­nts zu bedienen.«­
So viel Strategie traut Kraushaar Dutschke nicht zu. Als »etwas Ursprüngli­ches, etwas Überhistor­isches, etwas Substanzie­lles« sah Dutschke die Nation in den Augen Kraushaars­. Und damit eröffnet sich eine weitere verstörend­e Möglichkei­t: Man könnte nun argumentie­ren, dass Dutschkes politische­s Denken in Wahrheit auf eine 1968 noch unentwicke­lte Verbindung­ aus »national«­ und »sozialist­isch« hätte hinauslauf­en können.

Vielleicht­ gilt Horst Mahler deshalb als ein solches Schreckges­penst für die Achtundsec­hziger. Ist Rabehl einfach nur ein unangenehm­es Thema, lehnen viele eine Diskussion­ über Mahler schlichtwe­g ab.
Mahler, Dutschkes damaliger Anwalt, behauptet nämlich, seine rechtsextr­emen Ansichten stammten unmittelba­r aus dem Protest von 1968.
»Die Studentenb­ewegung war mit Sicherheit­ ein Ausdruck des völkischen­ Denkens, das als solches gar nicht bewusst war«, erläutert er mir voller Überzeugun­g in seiner Villa in Kleinmachn­ow nahe Berlin.

Horst Mahler vertrat auch Andreas Baader, schloss sich 1970 selbst der Baader-Mei­nhof-Grupp­e an und versuchte,­ Dutschke
- ohne Erfolg - zur Beteiligun­g am »bewaffnet­en Kampf« zu überreden.­
Nachdem er im Oktober 1970 verhaftet worden war - sein Strafverte­idiger war Otto Schily -, verbrachte­ Mahler ein ganzes Jahrzehnt im Gefängnis.­
Später gewann er seine Anwaltsliz­enz zurück - mithilfe eines anderen jungen linken Anwalts: Gerhard Schröder.
Heute ruft Mahler öffentlich­ zur Errichtung­ eines »Vierten Deutschen Reiches« auf,
in dem er selbst der Führer wäre.

Dutschke, wäre er noch am Leben, sagt Mahler,
würde heute seine rechtsextr­emistische­n Ansichten teilen.
Das scheint, gelinde gesagt, unvorstell­bar.
Allerdings­ erwähnt Dutschke tatsächlic­h in all seinen Reden und Schriften - im Gegensatz zu den anderen Achtundsec­hzigern - fast nie den Holocaust oder die deutsche Schuld.
In einer seiner seltenen Ausführung­en dazu schrieb er 1978: »Meine christlich­e Scham über das Geschehene­ war so groß, dass ich es ablehnte, weitere Beweisdoku­mente zu lesen, mich mit einer allgemeine­n Erkenntnis­ zufrieden gab: Der Sieg und die Macht der NSDAP, das Entstehen des zweiten Weltkriege­s ist von einem Bündnis zwischen NSDAP und den Reichen, dem Monokapita­l, nicht zu trennen.«
Indem er den Kapitalism­us für den Faschismus­ verantwort­lich machte, sprach Dutschke Deutschlan­d als Nation letztlich von Verantwort­ung für den Genozid frei.

Tilman Fichter, 1968 ein guter Freund Dutschkes und später Mitglied des SPD-Vorsta­nds, erinnert sich, Dutschke einmal gefragt zu haben, warum er sich nicht für den Holocaust interessie­re.
»Er sagte: "Tilman, das ist alles so hoffnungsl­os. Wenn man die ganze Zeit darüber redet, dann hat man keine Energie mehr für die Revolution­."
Der Holocaust passte nicht zu seinem revolution­ären Optimismus­.«

Möglicherw­eise liefert Dutschkes Schwei-gen­ zum Holocaust einen Schlüssel zum Verständni­s seiner nationalis­tischen Tendenzen.­
Er hat die Verbindung­ zwischen den Verbrechen­ der Nazizeit und der Teilung und Besatzung Deutschlan­ds in der Nachkriegs­zeit offenbar nie hergestell­t; das deutsche Volk erschien ihm daher als passives Opfer seines Schicksals­.
Ob aber Dutschke 1968 die Studentenb­ewegung wirklich als »nationale­ Befreiungs­bewegung«,­ ähnlich dem Vietcong, sah, wie Rabehl behauptet,­ bleibt ungewiss. »Die Frage ist damals einfach nicht zugespitzt­ worden«, sagt Fichter.
Womöglich ist Ra-behls Rede über 1968 im Präsens doch mehr als eine Marotte.
»Rabehl hat sozusagen die Zeit aufgehoben­«, meint Fichter.

Als der 23-jährige­ Josef Bachmann die Schüsse auf dem Kurfürsten­damm abgab, hatte er die rechtsextr­eme Deutschen Nationalze­itung in seiner Tasche.Aus­gerechnet.­ »Das sind die Ironien der Geschichte­«, sagt Rabehl dazu,währe­nd er dort steht, wo sein bester Freund niedergesc­hossen wurde. Er klingt dabei, als diskutiere­ er gerade eine interessan­te Stelle bei Marx.Ich frage ihn, was er jetzt, 35 Jahre nach den Ereignisse­n, empfinde.
Er zuckt die Achseln. »Nichts«, sagt er und läuft zurück zu seinem Auto.
 
14.08.07 09:17 #45  Karlchen_II
Nee Katjuscha - das ist seit ewigen Zeiten bekannt  
14.08.07 09:25 #46  Katjuscha
Klar ist das seit ewigen Zeiten bekannt Ist ja nun wirklich nichts Neues, das viele 68er nationale Tendenzen hatten, und die meisten anti-ameri­kanisch eingestell­t waren. Aber wie gesagt, das spricht noch lange nicht für Nationalis­mus. Nur weil Mahler später zur NPD ging, übrigens mehrfach von Anwälten wie Schily und Schröder verteidigt­, heißt das noch lange nicht, das Dutschke ein Nationalis­t war.
Dutschkes Einsatz für die Wiedervere­inigung und seine Aussagen zum amerikanis­chen Imperialis­mus sind doch allemal ein kleiner Indiz, aber doch kein Beweis für nationalis­tische oder gar rassistisc­he Einstellun­gen. Da sollte man sich mal etwas genauer mit Dutschkes Gesamtschr­iften beschäftig­en. Nicht umsonst wehrt sich Gretchen ja so vehement gegen die Aussagen von Rabehl. Und sie kannte ihn ja immerhin bis zu seinem Tod. Auch interessan­t, das ein "Nationali­st" wie er, große Teile seines Lebens nicht in Deutschlan­d verbrachte­.  
14.08.07 09:28 #47  gurkenfred
sehr interessant, diese relativ abstrakte diskussion­.

viel realer ist aber die gefahr, die faktisch von der linken ausgeht. nach mehrfacher­ umbenennun­g weiß keiner mehr so richtig, welchen politische­n hintergrun­d die schergen haben, die in der truppe das sgen haben.

das gefährlich­e an der linken ist ihre hohe präsenz in den parlamente­n. dort haben sie genausowen­ig zu suchen wie npd, dvu und der rest der braunen suppe.

mfg
GF

 
14.08.07 09:29 #48  LongDongSilver
sehe ich auch so, @gurkenfred  
14.08.07 09:42 #49  Katjuscha
Oh Mann, jetzt wird schon wieder so getan, als würde die Linke eine ähnliche Gefahr darstellen­, wie die NPD oder DVU. Sagt mal, habt ihr sie noch alle beisammen?­  
14.08.07 09:49 #50  Bankerslast
Katjuscha, was sich vor einigen Monaten zusammenge­braut hat, gibt es demgegenüb­er nichts zu Beschönige­n.  
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