Die Plastikkrise: Wie Investierende nachhaltige Lösungen vorantreiben können
24.04.24 15:27
Inyova
Zürich (www.aktiencheck.de) - Weltweit werden jede Minute eine Million Plastikflaschen gekauft, so Andreas von Angerer, Head of Impact bei Inyova Impact Investing.
Seit den 1970er Jahren sei die Produktion von Kunststoffen schneller gewachsen als die jedes anderen Materials. Wenn sich dieser Wachstumstrend fortsetze, werde die weltweite Produktion von Primärkunststoff bis 2050 voraussichtlich 1.100 Millionen Tonnen erreichen.
Insgesamt sei die Hälfte aller produzierten Kunststoffe für den einmaligen Gebrauch bestimmt, was bedeute, dass sie nur einmal verwendet und dann weggeworfen würden. Von den 7 Milliarden Tonnen Kunststoffabfall, die bisher weltweit produziert worden seien, würden weniger als 10% recycelt. Millionen Tonnen Kunststoffabfälle würden in der Umwelt verloren gehen oder würden manchmal Tausende von Kilometern weit transportiert, wo sie meist verbrannt oder deponiert würden.
Plastik ist zu einem der drängendsten Probleme unserer Zeit geworden, da es unserer Umwelt, unserer Gesundheit und unseren Ozeanen massiv schadet, so die Experten von Inyova. Die Weltmeere würden derzeit schätzungsweise 75 bis 199 Millionen Tonnen Plastik enthalten, und die jährliche Menge von 9 bis 14 Millionen Tonnen pro Jahr (2016) könnte sich auf voraussichtlich 23 bis 37 Millionen Tonnen pro Jahr im Jahr 2040 fast verdreifachen.
Nahezu alle Einwegplastikprodukte (98%) würden aus fossilen Brennstoffen, also Primärrohstoffen, hergestellt. Die Ölindustrie investiere Milliarden in die Petrochemie, in der Annahme, dass Kunststoffe die Hauptquelle der künftigen Ölnachfrage sein würden. Es werde erwartet, dass sie bis zur Mitte des Jahrhunderts fast die Hälfte des Wachstums der Ölnachfrage ausmachen würden. Gleichzeitig würden die Treibhausgasemissionen, die mit der Herstellung, Verwendung und Entsorgung von Plastik aus fossilen Brennstoffen verbunden seien, Prognosen zufolge bis 2040 auf fast 20% des globalen Kohlenstoffhaushalts ansteigen.
Diese alarmierenden Fakten zeigen, dass wir uns inmitten einer Krise befinden, die sich rapide verschärft, so die Experten von Inyova. Doch die Einstellung zu Plastik ändere sich allmählich und Kunststoffe seien für Unternehmen keine verlässliche Wachstumsquelle mehr. Der Markt entwickele sich in Richtung Wiederverwendung und Mehrweg. Eine entsprechende Regulierung nehme weltweit zu und auch die öffentliche Meinung wende sich, wie eine Ipsos-Umfrage zeige, bei der 71% der Befragten weltweit ein Verbot von Einwegplastik befürworten würden. Dies führe bereits dazu, dass erste große Unternehmen wie Unilever und Amazon den Einsatz von Kunststoffen schrittweise reduzieren würden. Es sei jedoch unerlässlich, dass mehr Unternehmen transparenter würden und auf umweltfreundlichere Praktiken umstellen würden, um langfristige Nachhaltigkeit und finanzielle Stabilität zu gewährleisten.
Nicht nur die Unternehmen, auch die Politik müsse stärker in die Pflicht genommen werden, um klare Richtlinien zu setzen. Es gebe vielversprechende Gesetzgebungspläne auf europäischer und internationaler Ebene, wie die EU-Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) und den Global Plastics Treaty. Sie stünden jedoch unter starkem Einfluss des Lobbyismus, insbesondere von Seiten der Petro-Staaten, denen der Verlust einer ihrer Haupteinnahmequellen drohe, sowie von Unternehmen, die lieber weiter auf Einweg und Recycling setzen würden statt auf Reduktion und Pfandsysteme.
Um den Druck auf Politik und Industrie zu erhöhen, würden global koordinierte Initiativen und Organisationen wie As You Sow oder die Dutch Association of Investors for Sustainable Development (Vereniging van Beleggers voor Duurzame Ontwikkeling - VBDO) mittlerweile eine entscheidende Rolle spielen. Sie würden unter anderem den Druck von Investierenden mobilisieren, um sich aktiv für die Reduzierung von Plastik und nachhaltigere Praktiken einzusetzen.
Die US-amerikanische NGO As You Sow veröffentliche beispielsweise die "Corporate Plastic Pollution Scorecard", in der die Maßnahmen von 50 großen US-Konsumunternehmen zur Reduzierung der Plastikverschmutzung bewertet würden. Über Aktionärsbeschlüsse würden die Nachzügler in die Pflicht genommen. Kraft Heinz und andere Unternehmen hätten sich dazu verpflichtet, ihren Plastikverbrauch zu reduzieren. As You Sow habe auch Aktionärsanträge bei Amazon eingereicht, um die Verpackungspraktiken des Unternehmens zu verbessern. Amazon habe im Jahr 2022 85.916 Tonnen Einwegplastik für den Versand verwendet, ein Rückgang von 11,6 Prozent im Vergleich zu 2021. Amazon plane außerdem, Kunststoffversandverpackungen abzuschaffen.
Die niederländische VBDO habe ein Statement verfasst, das von mehr als 180 Investoren, die ein verwaltetes Vermögen von 10 Billionen Dollar repräsentieren würden, unterzeichnet worden sei. Darin würden Unternehmen aufgefordert, dringend Maßnahmen zur Reduzierung von Plastik zu ergreifen. Sie fordere Unterstützung für ein starkes internationales Abkommen über Plastik und rechtsverbindliche Maßnahmen, um die Produktion und Verwendung von Plastik zu reduzieren.
Darüber hinaus würden Unternehmen aufgefordert, klare Pläne zur Reduzierung von Einwegplastik vorzulegen, gefährliche Chemikalien zu eliminieren und Informationen über ihren Plastikverbrauch transparent zu machen. Inyova leite im Rahmen der Initiative den Engagement-Prozess mit Beiersdorf. Darüber hinaus seien Briefe an EU-Abgeordnete und die Mitglieder der High Ambition Coalition, die den Global Plastics Treaty verhandele, geschrieben worden, um ihre Unterstützung für ambitionierte und robuste Plastikregulierung zu gewinnen.
Diese Bemühungen würden zeigen, wie NGOs und Investierende erfolgreich zusammenarbeiten könnten, um Unternehmen und Politik in die Pflicht zu nehmen und den Wandel hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft voranzutreiben. Denn die Lösung des Plastikproblems erfordere eine koordinierte globale Anstrengung aller Beteiligten. (24.04.2024/ac/a/m)
Seit den 1970er Jahren sei die Produktion von Kunststoffen schneller gewachsen als die jedes anderen Materials. Wenn sich dieser Wachstumstrend fortsetze, werde die weltweite Produktion von Primärkunststoff bis 2050 voraussichtlich 1.100 Millionen Tonnen erreichen.
Insgesamt sei die Hälfte aller produzierten Kunststoffe für den einmaligen Gebrauch bestimmt, was bedeute, dass sie nur einmal verwendet und dann weggeworfen würden. Von den 7 Milliarden Tonnen Kunststoffabfall, die bisher weltweit produziert worden seien, würden weniger als 10% recycelt. Millionen Tonnen Kunststoffabfälle würden in der Umwelt verloren gehen oder würden manchmal Tausende von Kilometern weit transportiert, wo sie meist verbrannt oder deponiert würden.
Plastik ist zu einem der drängendsten Probleme unserer Zeit geworden, da es unserer Umwelt, unserer Gesundheit und unseren Ozeanen massiv schadet, so die Experten von Inyova. Die Weltmeere würden derzeit schätzungsweise 75 bis 199 Millionen Tonnen Plastik enthalten, und die jährliche Menge von 9 bis 14 Millionen Tonnen pro Jahr (2016) könnte sich auf voraussichtlich 23 bis 37 Millionen Tonnen pro Jahr im Jahr 2040 fast verdreifachen.
Nahezu alle Einwegplastikprodukte (98%) würden aus fossilen Brennstoffen, also Primärrohstoffen, hergestellt. Die Ölindustrie investiere Milliarden in die Petrochemie, in der Annahme, dass Kunststoffe die Hauptquelle der künftigen Ölnachfrage sein würden. Es werde erwartet, dass sie bis zur Mitte des Jahrhunderts fast die Hälfte des Wachstums der Ölnachfrage ausmachen würden. Gleichzeitig würden die Treibhausgasemissionen, die mit der Herstellung, Verwendung und Entsorgung von Plastik aus fossilen Brennstoffen verbunden seien, Prognosen zufolge bis 2040 auf fast 20% des globalen Kohlenstoffhaushalts ansteigen.
Nicht nur die Unternehmen, auch die Politik müsse stärker in die Pflicht genommen werden, um klare Richtlinien zu setzen. Es gebe vielversprechende Gesetzgebungspläne auf europäischer und internationaler Ebene, wie die EU-Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) und den Global Plastics Treaty. Sie stünden jedoch unter starkem Einfluss des Lobbyismus, insbesondere von Seiten der Petro-Staaten, denen der Verlust einer ihrer Haupteinnahmequellen drohe, sowie von Unternehmen, die lieber weiter auf Einweg und Recycling setzen würden statt auf Reduktion und Pfandsysteme.
Um den Druck auf Politik und Industrie zu erhöhen, würden global koordinierte Initiativen und Organisationen wie As You Sow oder die Dutch Association of Investors for Sustainable Development (Vereniging van Beleggers voor Duurzame Ontwikkeling - VBDO) mittlerweile eine entscheidende Rolle spielen. Sie würden unter anderem den Druck von Investierenden mobilisieren, um sich aktiv für die Reduzierung von Plastik und nachhaltigere Praktiken einzusetzen.
Die US-amerikanische NGO As You Sow veröffentliche beispielsweise die "Corporate Plastic Pollution Scorecard", in der die Maßnahmen von 50 großen US-Konsumunternehmen zur Reduzierung der Plastikverschmutzung bewertet würden. Über Aktionärsbeschlüsse würden die Nachzügler in die Pflicht genommen. Kraft Heinz und andere Unternehmen hätten sich dazu verpflichtet, ihren Plastikverbrauch zu reduzieren. As You Sow habe auch Aktionärsanträge bei Amazon eingereicht, um die Verpackungspraktiken des Unternehmens zu verbessern. Amazon habe im Jahr 2022 85.916 Tonnen Einwegplastik für den Versand verwendet, ein Rückgang von 11,6 Prozent im Vergleich zu 2021. Amazon plane außerdem, Kunststoffversandverpackungen abzuschaffen.
Die niederländische VBDO habe ein Statement verfasst, das von mehr als 180 Investoren, die ein verwaltetes Vermögen von 10 Billionen Dollar repräsentieren würden, unterzeichnet worden sei. Darin würden Unternehmen aufgefordert, dringend Maßnahmen zur Reduzierung von Plastik zu ergreifen. Sie fordere Unterstützung für ein starkes internationales Abkommen über Plastik und rechtsverbindliche Maßnahmen, um die Produktion und Verwendung von Plastik zu reduzieren.
Darüber hinaus würden Unternehmen aufgefordert, klare Pläne zur Reduzierung von Einwegplastik vorzulegen, gefährliche Chemikalien zu eliminieren und Informationen über ihren Plastikverbrauch transparent zu machen. Inyova leite im Rahmen der Initiative den Engagement-Prozess mit Beiersdorf. Darüber hinaus seien Briefe an EU-Abgeordnete und die Mitglieder der High Ambition Coalition, die den Global Plastics Treaty verhandele, geschrieben worden, um ihre Unterstützung für ambitionierte und robuste Plastikregulierung zu gewinnen.
Diese Bemühungen würden zeigen, wie NGOs und Investierende erfolgreich zusammenarbeiten könnten, um Unternehmen und Politik in die Pflicht zu nehmen und den Wandel hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft voranzutreiben. Denn die Lösung des Plastikproblems erfordere eine koordinierte globale Anstrengung aller Beteiligten. (24.04.2024/ac/a/m)
Werte im Artikel
16.04.26
, Börse Global
Unilever Aktie: Radikaler Schnitt!Der Konsumgüterriese baut sein Imperium massiv um. Die Abspaltung des Lebensmittelgeschäfts soll das Wachstum ...
15.04.26
, JPMORGAN
JPMorgan belässt Unilever auf 'Overweight' - Ziel [...]NEW YORK (dpa-AFX Analyser) - Die US-Bank JPMorgan hat die Einstufung für Unilever nach einem Unternehmenskontakt ...
15.04.26
, JEFFERIES
Jefferies belässt Unilever auf 'Underperform'NEW YORK (dpa-AFX Analyser) - Das Analysehaus Jefferies hat die Einstufung für Unilever auf "Underperform" ...


