Das Dilemma mit dem DAX
16.09.20 13:30
Merck Finck Privatbankiers
München (www.aktiencheck.de) - Der Wirecard-Skandal scheint endlich Bewegung in die deutsche Indexlandschaft zu bringen, so Marc Decker, Head of Asset Management bei der Merck Finck Privatbankiers AG.
Jenseits der nun anstehenden vierteljährlichen Überprüfung der DAX-Zusammensetzung (21. September) denke die Börse jetzt über eine grundsätzliche Überarbeitung des renommierten deutschen Börsenbarometers nach. Das sei gut so. Denn in den über 30 Jahren seines Bestehens habe sich zwar der Indexstand zum Positiven entwickelt - von damals 1.000 Punkten auf heute über 13.000 Punkte. Strukturell sei aber wenig passiert. Der DAX sei kein repräsentatives Abbild der Leistungsstärke der deutschen Wirtschaft. Die alleinige Ausrichtung an Marktkapitalisierung und Börsenumsatz sei ein zentraler Kritikpunkt. Auch die Begrenzung auf 30 Unternehmen werde zu Recht hinterfragt.
Die Abbildung der Leistungsträger der deutschen Wirtschaft in einem Leitindex sei allerdings keine triviale Angelegenheit. Gerade Deutschland mit seiner starken Mittelstandsorientierung stehe vor der Herausforderung, dass viele innovative Firmen und Hidden Champions gar nicht börsennotiert seien. Tatsächlich sei die Zahl der börsennotierten Unternehmen hierzulande überschaubar. Nach den Regeln des Prime Standard der Deutschen Börse kämen gerade einmal 310 Notierungen infrage; manche Unternehmen seien mit zwei Gattungen vertreten. Hinzu komme, dass immer weniger Unternehmen den Gang an die Börse wagen würden. Andere würden sogar den Rückzug antreten, weil sie zum Beispiel den mit der Börsennotierung verbundenen Aufwand würden loswerden wollen.
Die Scheu vor dem Kapitalmarkt sei in Deutschland zudem ein grundlegendes kulturelles Thema, das sich nicht nur über Indexreformen lösen lasse. Und wo nicht mehr Unternehmen zur Auswahl stünden, könne auch nicht über Druck eine Veränderung stattfinden. Und doch gebe es zumindest Ansatzpunkte, die man verfolgen sollte: Ein erster Schritt zur Auffrischung des DAX wäre dessen zahlenmäßige Erweiterung. Beim DAX 50 ESG sei die Deutsche Börse diesen Weg bereits gegangen. Eine entsprechende Ausweitung könnte beim traditionellen DAX dazu führen, dass dort nicht mehr nur die Tanker der Old Economy zu finden seien. Aus Anlegersicht wäre ein solcher Schritt zu begrüßen.
Eine weitere Möglichkeit wäre, den DAX stärker über die Qualität der Governance zu positionieren und strengere sowie genauere Anforderungen an die Governance der enthaltenen Unternehmen zu formulieren. Wenig würden die Experten von pauschalen Aussagen wie zum Beispiel, der DAX müsse stärker auf Wachstumsaktien getrimmt werden, halten. Ein weltweit relevanter Börsenindex sollte nicht den schwankenden Präferenzen von Investoren hinterherlaufen. (16.09.2020/ac/a/m)
Jenseits der nun anstehenden vierteljährlichen Überprüfung der DAX-Zusammensetzung (21. September) denke die Börse jetzt über eine grundsätzliche Überarbeitung des renommierten deutschen Börsenbarometers nach. Das sei gut so. Denn in den über 30 Jahren seines Bestehens habe sich zwar der Indexstand zum Positiven entwickelt - von damals 1.000 Punkten auf heute über 13.000 Punkte. Strukturell sei aber wenig passiert. Der DAX sei kein repräsentatives Abbild der Leistungsstärke der deutschen Wirtschaft. Die alleinige Ausrichtung an Marktkapitalisierung und Börsenumsatz sei ein zentraler Kritikpunkt. Auch die Begrenzung auf 30 Unternehmen werde zu Recht hinterfragt.
Die Scheu vor dem Kapitalmarkt sei in Deutschland zudem ein grundlegendes kulturelles Thema, das sich nicht nur über Indexreformen lösen lasse. Und wo nicht mehr Unternehmen zur Auswahl stünden, könne auch nicht über Druck eine Veränderung stattfinden. Und doch gebe es zumindest Ansatzpunkte, die man verfolgen sollte: Ein erster Schritt zur Auffrischung des DAX wäre dessen zahlenmäßige Erweiterung. Beim DAX 50 ESG sei die Deutsche Börse diesen Weg bereits gegangen. Eine entsprechende Ausweitung könnte beim traditionellen DAX dazu führen, dass dort nicht mehr nur die Tanker der Old Economy zu finden seien. Aus Anlegersicht wäre ein solcher Schritt zu begrüßen.
Eine weitere Möglichkeit wäre, den DAX stärker über die Qualität der Governance zu positionieren und strengere sowie genauere Anforderungen an die Governance der enthaltenen Unternehmen zu formulieren. Wenig würden die Experten von pauschalen Aussagen wie zum Beispiel, der DAX müsse stärker auf Wachstumsaktien getrimmt werden, halten. Ein weltweit relevanter Börsenindex sollte nicht den schwankenden Präferenzen von Investoren hinterherlaufen. (16.09.2020/ac/a/m)
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