War's das mit der Inflation?
23.08.22 09:03
Stephan Heibel

Ich habe mir mal angeschaut, wer die Haupttreiber der Inflation
sind.
1. Immobilien sind derzeit die Hauptverursacher der
Inflation: Häuserpreise und Wohnungsmieten fließen dort hinein.
Seit Jahren, Jahrzehnten herrscht ein Wohnungsmangel in den
meisten Großstädten Deutschlands. Der Zustrom von Flüchtlingen hat
die Situation am unteren Ende der Preiskategorien verschärft.
Mietpreisdeckel, Konjunktursorgen und steigende Inflationsraten
sorgen dafür, dass die Bautätigkeit deutlich zurückgeht. Aktuell
beträgt die Inflationsrate in diesem Bereich 17,7%. Eine wirkliche
Entlastung ist an diesem Markt nicht in Sicht.
2. Der Transportsektor ist aktuell mit 12,7% der
zweitgrößte Inflationstreiber: Autos, Flüge, Schiffe und
Bahntickets. Insbesondere die Verkaufspreise für Neuwagen sind
angesprungen. Das hat zwei Gründe: Zum einen haben die Autobauer
aufgrund der Chipknappheit eher die großen als die kleinen Autos
gebaut. Dort ist die Gewinnmarge größer und die Kunden sind nicht
so preissensitiv. Zum anderen sorgte das dadurch verknappte
Angebot dafür, dass kaum noch Preisnachlässe gegeben werden
mussten, um die wenigen produzierten Autos verkaufen zu können.
Wenngleich immer neue Lockdowns in China die Automobilbranche
immer wieder vor neue Herausforderungen stellt, so hat man sich
doch langsam auf die neue Situation eingestellt, Lagerbestände
erhöht und alternative Lieferanten gefunden. Zumindest bei
Neuwagen mit Verbrennermotoren dürfte die Knappheit ein Ende
haben. Bei Elektrofahrzeugen hingegen sind Batterien der
Flaschenhals, der den Preis weiter in die Höhe treiben könnte.
3. Der Ölpreis geht in so ziemlich alle Branchen unserer
Gesellschaft ein. Vor einem Jahr notierte der Ölpreis noch bei 60
USD/Fass. Ende 2021 begann der Preisanstieg, der im März seinen
Höhepunkt bei 131 USD/Fass fand. Mit aktuell 89 USD/Fass scheinen
wir das Schlimmste vorerst überstanden zu haben. Doch günstig ist
das Öl noch nicht, immerhin notiert der Preis noch immer um 50%
höher als vor einem Jahr.
4. Nahrungsmittel waren im Preis stark angestiegen. An
den Nahrungsmittelbörsen sind die Preise für Getreide und Fleisch
jedoch bereits wieder stark zurück gekommen. Lebensmittelhändler
haben ihre Preise erhöht und es ist fraglich, ob die notorisch
unter hauchdünnen Margen leidende Branche die Preiserhöhungen
einfach wieder zurück nehmen wird. Aktuell liegt die
Inflationsrate in diesem Bereich bei 11,5%.
5. Löhne und Gehälter sind nicht Bestandteil des
Warenkorbs und haben daher keinen direkten, sondern nur einen
indirekten Einfluss auf die Inflation. Wenn Löhne und Gehälter
steigen, haben die Menschen mehr Geld im Portemonnaie und können
höhere Preise verkraften. Bislang gab es noch keine nennenswerten
Lohnabschlüsse, auf dem Arbeitsmarkt sind jedoch bereits für
Neueinstellungen ordentliche Steigerungen zu sehen. Löhne und
Gehälter sind nicht der Ursprung der Inflation, können aber zu
einem wesentlichen Treiber und Verstärker werden.
6. Lieferkettenprobleme habe ich weiter oben schon
angesprochen, sie treffen aber nicht nur die Automobilindustrie,
sondern auch viele andere produzierende Branchen bis hin zu
Endprodukten. Die Knappheit vieler Güter führt dazu, dass
Preisnachlässe in unserer Gesellschaft derzeit kaum mehr zu sehen
sind. Vielmehr kauft man derzeit eher früher, als eine
Preiserhöhung zu riskieren. Hier ist das Hauptproblem in China und
der dortigen Null-Covid-Politik zu sehen. Immer neue Lockdowns
verhindern das Einschwingen der Lieferketten, die durch die
Corona-Pandemie gestört wurden.
Wie an dieser Stelle bereits häufiger betont: Die meisten
Preistreiber dürften sich kurzfristig abkühlen. Die nächsten
Tarifverhandlungen könnten dann jedoch für einen weiteren
Inflationsschub sorgen, der nach einer mehrmonatigen
Abkühlungsphase dann eintreten würde. Mehr dazu in meinem Artikel
über den Bullwhip-Effekt: https://www.heibel-unplugged.de/wie-die-inflation-mit-dem-peitscheneffekt-angetrieben-wird/
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