NVIDIA ist das neue IBM
26.03.24 12:21
Stephan Heibel

Immer wieder wird Nvidia als die neue Intel beschrieben. Doch je
besser ich die vielen Aktivitäten des Konzerns verstehe, desto
mehr komme ich zu dem Schluss, dass ein Vergleich mit IBM viel
besser passt. Intel hat die IBM-Technologie dezentralisiert, in
die Wohnzimmer gebracht. Aber IBM war es, die durch die
Kombination von leistungsfähiger Hardware und entsprechender
Software neue Anwendungen ermöglichte.
Nvidia als Innovationstreiber in der IT-Infrastruktur
Nvidia hat eine komplett neue IT-Infrastruktur geschaffen. Das
sequentielle Abarbeiten von Aufgaben, bei der ein herkömmlicher
Prozessor sich 95% der Zeit langweilt, wird durch die parallele
Bearbeitung komplexer Aufgaben abgelöst. Effizienzsteigerungen in
der IT-Entwicklung wie vor 50 Jahren sind die Folge. Letzte Woche
stellte Huang den neuen Prozessor namens Blackwell vor, der
weniger eine Graphikkarte als vielmehr eine IT-Plattform
darstellt. Die Rechenleistung seines Vorgängers, der H100, wird
verfünffacht (je nach Anwendungsfall), der Energieverbrauch wird
verringert. Die Kosten von 30-40T€ seien geringer als die Kosten
für allein die Verkabelung, die notwendig sei, die bisher
leistungsstärksten Chips für eine vergleichbare Leistung zu
verknüpfen.
Es gibt eine kritische Masse an Daten, die erforderlich ist, um
eine KI zu trainieren, damit die Large Language Models (LLMs)
sinnvolle Antworten geben können. Möchte man derzeit ein LLM
trainieren und stellt die dafür erforderlichen Daten zur
Verfügung, brauchen die heutigen Rechner ca. 6-9 Monate, um mit
genügend Iterationen ein Lernniveau erreicht zu haben, das
Chat-GPT 4 entspricht. Mit Blackwell kann diese Zeit auf 6-8
Wochen reduziert werden. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch
Stromkosten.
Einsatz von KI und Partnerschaften zur Förderung der Industrie
Abschließend nennt Huang eine Reihe von Partnern, mit denen er
gerne und gut zusammenarbeite. Allen voran wurde Michael Dell
gleich zweimal genannt und einmal schwenkte sogar die Kamera auf
ihn, denn er saß im Publikum. Dell hat sich voll auf die
Ausstattung von Rechenzentren mit Nvidia-Technologie konzentriert.
Aber auch zwei deutsche Unternehmen wurden prominent vorgestellt:
SAP und Siemens.
SAP verfüge über den größten Datenschatz unserer Wirtschaft
weltweit, da SAP-Software quasi der Standard bei
Unternehmenssoftware sei. Mit Hilfe von SAP kann die KI
dahingehend trainiert werden, komplexe Zusammenhänge zu erkennen.
SAP kann als Partner von Nvidia die entsprechende KI anbieten, mit
der Unternehmen, also SAP-Kunden, bessere Analysen erstellen
können.
Für Siemens hat CEO Dr. Roland Busch einen Bericht mit typisch
deutschem Akzent vertont und auf Genglich erklärt, wie ein
digitaler Zwilling eines im Bau befindlichen Containerschiffs
frühzeitig auf Probleme hinweisen kann, die von den betroffenen
Abteilungen frühzeitig und gemeinschaftlich bearbeitet werden.
Reibungsverluste zwischen verschiedenen Abteilungen, Zeitverluste
und andere Ineffizienzen gehören damit der Vergangenheit an.
Bei der Pharmaforschung kann die KI helfen, die Funktion einzelner
Proteine besser zu verstehen und ggfls. neue Proteine gezielt zu
entwickeln. Dadurch kann die Forschungszeit deutlich verringert
werden.
Bei der Chipentwicklung, auch dieses Beispiel ließ sich Huang
nicht nehmen, nutze man die KI intensiv, um eine Fertigungsanlage
bereits während der Chip-Entwicklung zu konzipieren und als
digitalen Zwilling (siehe Siemens) herzustellen. Die Bauzeit für
eine neue Chipfabrik kann dadurch halbiert werden.
All dies gipfelte eigentlich in zwei Roboter, die Star Wars
entsprungen zu sein schienen und plötzlich über die Bühne
wackelten. Sie befolgten umgehend die Wünsche von Huang: Komm zu
mir, geh mal darüber, komm, lass und die Bühne verlassen...
Eingabemedien wie Tastatur und Maus würden schon bald der
Vergangenheit angehören, so Huang. Sie seien eine vorübergehende
Erscheinung der Evolution. Schon heute sind Schreibmaschinen nur
noch in Antiquitätengeschäften verfügbar. Künftig werde man
einfach mit der KI sprechen.
Zukünftige Marktentwicklungen und Investmentchancen
Ich sehe dies als Vorgeschmack dafür, was uns die kommenden Monate erwartet: Die Welt wird sich ein wenig schneller drehen, Gewissheiten werden negiert, neue Möglichkeiten werden aufkommen und neue Geschäftsmodelle werden kreiert.
Ich höre übrigens, dass rund 50 KI-Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von jeweils mehreren hundert Mio. USD auf ihren Börsengang warten. Insofern gibt es vielleicht ein paar Parallelen zur Internetblase 2000. Aber warten wir mal ab. Noch befinden wir uns dieser Analogie zufolge noch im Jahr 1998, haben also noch ein wenig Zeit, an einem möglichen Börsenhype zu partizipieren.
Ich werde in meinem Heibel-Ticker Börsenbrief weiterhin über Entwicklungen und Investmentchancen für gute Einstiegskurse und auch Ausstiegskurse zur Realisierung von Gewinnen berichten.
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