KOMMT GOLD ALS INFLATIONSSCHUTZ AUS DER MODE?
16.10.21 08:12
Benjamin Summa
Seit vielen Jahren warnen Ökonomen und Finanzjournalisten vor einer unkontrollierten Entwicklung der Inflation. Und ebenso lange empfehlen Edelmetallhändler, das Vermögen mit und abzusichern, weil der optimale Schutz vor Inflation sei. Inzwischen ist das Inflationsgespenst mit voller Wucht zurückgekehrt. Die erste Vorhersage ist eingetreten. Doch beim Blick auf die Kursentwicklung von in diesem Jahr stellen sich auch eingefleischte -Fans die Frage: Ist Gold noch immer ein exzellenter Inflationsschutz? Oder haben sich die Zeiten geändert und damit auch die Daseinsberechtigung von ?
Zuerst ein Blick auf die Entwicklung der Inflation: Bis Dezember 2020 lag die Teuerungsrate in Deutschland im negativen Bereich. Im Januar 2021 sprang der Verbraucherpreisindex aus dem Stand über die Marke von einem Prozent. Nur vier Monate später wurde der Zielwert der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent erreicht. Doch danach war keinesfalls das Ende der Fahnenstange erreicht – von Juni bis Juli 2021 stieg die Inflation von 2,3 auf 3,8 Prozent und im November 2021 auf 4,1 Prozent. Doch wer glaubt, dass hier nunmehr der Horizont erreicht sei, sollte in die Vereinigten Staaten von Amerika schauen: Dort liegt die Teuerungsrate längst bei über vier Prozent.
Die genannten Zahlen sind jedoch nur ein Teil der Wahrheit: Der Warenkorb, aus dem die Kerninflation berechnet wird, setzt sich aus Hunderten von Einzelprodukten zusammen. Und hier sind bei vielen Produkten noch deutlich höhere Teuerungsraten zu beobachten. Man denke nur an die Energiekosten oder an Preissteigerungen bei Wohnimmobilien. Zudem sind die Negativzinsen in das Gesamtbild einzuberechnen, denn die meisten Deutschen bleiben dem Sparbuch treu, obwohl ihnen dort Monat für Monat zusätzliches Geld abgezogen wird.
Dass der vor diesem Hintergrund noch nicht den Turbo eingelegt hat, mag auf den ersten Blick verwunderlich sein, doch tatsächlich ist die Inflation nicht der einzige Einflussfaktor. Dem macht aktuell vor allem die Entwicklung des Euro gegenüber dem US-Dollar zu schaffen: Während man noch im Januar 2021 etwa 1,23 US-Dollar für einen Euro bekam, sind es im November 2021 „nur“ noch 1,16 US-Dollar. Im Klartext: Der Euro schwächelt, der Dollar erstarkt. Und weil an den Weltmärkten in Dollar gehandelt wird, wird für die meisten Anleger teurer und dadurch weniger attraktiv.
Der Blick auf das Wechselkursverhältnis zwischen Euro und Dollar macht ganz nebenbei jedoch deutlich, dass weiterhin ein optimaler Vermögensschutz ist. Bei einem Weltmarktpreis von 1.800 US-Dollar pro und einem Wechselkurs von 1,23 US-Dollar für einen Euro mussten auf dem Weltmarkt rund 1.460 Euro für die Feinunze bezahlt werden, bei einem Wechselkurs von aktuell 1,16 Dollar pro Euro sind es rund 1.550 Euro, also 90 Euro mehr. Oder mit anderen Worten: Der Euro hat an Wert verloren, die Feinunze hat aber keinesfalls ihr Gewicht geändert.
Die Wechselkurse sind jedoch nicht der einzige Einflussfaktor: Am Markt macht sich zunehmend die Sorge vor Zinserhöhungen breit. Denn wenn die Inflation auf fünf Prozent steigt, so die Theorie, müssten die Notenbanken sich schneller als geplant von den Nullzinsen verabschieden. Doch hierbei handelt es sich lediglich um eine theoretische Überlegung. Die Notenbanken können es sich gar nicht erlauben, die Leitzinsen nennenswert ansteigen zu lassen. Ein kleiner Zinsschritt ist denkbar, er wäre jedoch nichts weiter als Symbolpolitik. Es bleiben die hohe Inflation und das niedrige Zinsniveau – und damit ein Anlagenotstand, wie wir ihn lange nicht mehr hatten.
Wenn die Inflation mehr als nur ein „vorübergehendes Phänomen“ ist – auch wenn die Notenbanken nicht müde werden, genau dies zu behaupten – und die Zinsen weiterhin auf dem Nullpunkt bleiben, werden sich langfristig orientierte Anleger nach Alternativen umsehen. Sie werden ihr Geld vom Sparbuch holen und vor den rekordhohen Preisen an der Börse und dem Immobilienmarkt zurückschrecken und sowieso einen großen Bogen um Anleihen machen. Es bleibt eine Anlageklasse übrig, die auf eine mehr als 5.000-jährige Geschichte zurückblickt: .
Bildquelle: iStockphoto.com / BrianAJackson (ID: 813062006)
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