IPO-Erfolge als Warnsignal (CoreWeave, Figma, Circle)
08.08.25 10:37
Stephan Heibel
Euphorie um Neubörsianer – solide Werte werden verkauft
Die jüngsten IPO-Erfolge von CoreWeave, Circle, Figma und Ambiq befeuern derzeit eine gefährliche Stimmung am Markt, bei der solide Technologie-Schwergewichte wie Apple, Amazon oder Tesla zugunsten spekulativer Neubörsianer abgestoßen werden, obwohl diese kaum Gewinne vorweisen und auf absurd hohen Umsatzmultiplikatoren gehandelt werden. Für ruhigere Anleger eröffnet dieses Rotationsverhalten erste Chancen auf Schnäppchen bei Qualitätswerten. Wie, das zeige ich nachfolgend. Doch das Timing ist, wie immer, nicht ganz einfach.
Extreme Kursgewinne bei CoreWeave, Circle und Figma
Seit dem Börsengang am 28. März stieg die Aktie von CoreWeave um 185 % an. Seit dem 5. Juni legte die Aktie von Circle um 492 % zu. Und Anfang August ging Figma an die Börse – die Aktie sprang in den ersten beiden Handelstagen um 250 % nach oben.
Qualitätswerte vorübergehend aus der Mode
Während IPO-Neulinge Kursgewinne in dreistelliger Höhe verzeichneten, gerieten etablierte Technologiewerte wie Apple, Amazon, Visa und Tesla unter Druck. Im Vergleich zur Euphorie um CoreWeave, Figma & Co. wirkten sie geradezu aus der Mode – obwohl fundamental nichts gegen diese Aktien spricht.
CoreWeave: Beeindruckende Dynamik – aber riskante Bewertung
Ich mag CoreWeave. Das Unternehmen verzeichnet einen Neuauftrag nach dem anderen für den Bau weiterer KI-Rechenzentren, besorgt sich über den Markt das benötigte Investitionskapital und sichert sich mit rasender Geschwindigkeit einen führenden Platz bei den Rechenzentrenbetreibern der nächsten Generation. Erst kürzlich haben Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta ihre KI-Investitionspläne in Höhe von durchschnittlich 100 Mrd. USD je Unternehmen bekräftigt – das sind 400 Mrd. USD von nur vier Unternehmen.
Ein Unternehmen wie CoreWeave, das seinen Wert binnen vier Monaten verdreifacht, kann als erfolgreich bezeichnet werden. Doch ein Umsatz-Multipel von 12 auf Basis der Erwartung für 2025 bei einem nicht messbaren KGV (da noch nicht profitabel, übrigens auch 2026 noch nicht), erscheint mir dann doch etwas abenteuerlich hoch.
Circle: Spannendes Modell, schwer bewertbar
Auch Circle haben wir hier im Heibel-Ticker ausführlich besprochen, und auch Circles Geschäftsmodell finde ich überaus attraktiv. Der Stablecoin USDC wird zu einer tragenden Säule der US-Verschuldungsfinanzierung. Doch auch bei Circle fällt mir eine fundamentale Bewertung schwer. Das KUV liegt bei 15, der Gewinn ist stark schwankend, häufig auch negativ (=Verlust).
Figma: Nützliches Tool, aber absurde Bewertung
Und nun Figma: Wir arbeiten hier beim Heibel-Ticker seit drei Jahren mit Figma. Es ist ein tolles Kollaborations-Tool, das die Team-Arbeit strukturiert und übersichtlich hält. Im laufenden Jahr möchte Figma 1 Mrd. USD umsetzen und einen kleinen Gewinn ausweisen. Dies wird mit einer Marktkapitalisierung von 59 Mrd. USD bewertet – ein KUV von abenteuerlichen 59! Das KGV 2025e liegt bei 339. 2026 soll der Gewinn um 36 % ansteigen.
Sie wissen ja, ich bin bereit, bis zu dem Zweifachen des Gewinnwachstums für herausragend positionierte Unternehmen zu zahlen, also in diesem Fall 36 × 2 = 72. Für ein KGV von 339 fehlt mir jedoch die Phantasie.
Ambiq, FOMO und das typische Muster von Story-Aktien
Es sind Story-Aktien. Sowas kommt periodisch immer wieder an den Börsen vor. Doch drei Story-IPOs in so kurzer Zeit, das macht mich vorsichtig. Vielleicht zählen wir sogar noch den IPO von Ambiq hinzu, der ebenfalls Anfang August erfolgte: Die Aktie sprang zunächst um 97 % an, gab das Meiste davon aber inzwischen schon wieder ab. Ambiq bietet KI-Chips mit „ultra-low“ Stromverbrauch für tragbare Endgeräte (Smartphones).
Diese Börsengänge erzeugen eine FOMO-Stimmung unter Anlegern – „fear of missing out“, die Angst, den nächsten Hype zu verpassen. Also werden vermeintlich langweilige Aktien wie Apple, Amazon, Visa und Tesla verkauft, um das Geld in diese neuen High-Flyer zu stecken.
Ausverkauf bei Tech – Einstiegschancen für Geduldige
Das heißt: Die Quartalszahlen der Hyperscaler konnten kaum gut genug sein, um weitere Kursgewinne zu erzeugen. Anleger hatten ihren Fokus ohnehin schon auf die neuen IPOs gelegt, denn dort spielt jetzt die Musik – dort lassen sich die dicken Gewinne einfahren.
Für uns etwas ruhigere Anleger bieten sich aus diesem Verhalten Chancen. Doch es sind vermutlich nur erste Chancen, vielleicht bekommen wir noch bessere Kaufkurse. Okay, das ist eine schöne Formulierung für: Achtung, es könnte noch schlimmer kommen. Aber mit unserem üppigen Cash-Polster freue ich mich auf den laufenden Ausverkauf.
Wann die Highflyer fallen – und wer zuerst wieder steigt
Idealtypisch würden die IPO-Highflyer irgendwann an ihre Decke stoßen und zu einem Ausverkauf führen. Ein solcher Ausverkauf würde dann nur in der ersten Welle unsere Technologieaktien mit in den Abgrund reißen, doch während die abenteuerlich bewerteten IPO-Highflyer kräftig Federn lassen dürften, sollten unsere Technik-Aktien viel früher einen Boden finden.
Zurück im Büro bleibe ich für Sie am Ball :-)
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