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So, 19. April 2026, 6:18 Uhr

Die Fed lässt die Börsen beben


31.01.22 12:51
GoldGeldWelt

Die vergangenen Börsenwochen darf man getrost als turbulent bezeichnen. Bei der Pressekonferenz nach der Sitzung der Federal Reserve (Fed) Mitte Dezember gestand Notenbankchef Powell ein, dass die frühere Annahme der Fed, der Inflationsschub sei nur ein vorübergehendes Phänomen, nicht mehr zu halten sei. Bis zu drei Zinserhöhungen erwarteten Anleger für 2022. Zunächst wolle man aber die Anleihenkäufe doppelt so schnell zurückfahren wie bisher.


Während seines Pflichttermins zum Antritt seiner zweiten Amtszeit am 11. Januar vor dem Bankenausschuss des Senats bekräftigte der als pragmatischer Problemlösern geltende Powell dann nochmal seine Kampfansage an den Wertverfall des Geldes: „Die US-Notenbank werde alle Instrumente nutzen, um die Wirtschaft und einen starken Arbeitsmarkt zu stützen und um zu verhindern, dass sich die Inflation festsetzt.“ Nach der Sitzung am vergangenen Mittwoch sorgte die Fed dann für das nächste Ausrufezeichen.


Zwar wird es vor März zu keiner Zinserhöhung kommen, doch auf Nachfrage schloss Powell nicht aus, dass die Fed bei jeder der zukünftigen sieben Sitzungen in diesem Jahr an der Zinsschraube drehen könnte. Auch eine stärkere Anhebung um jeweils 0,5 satt der üblichen 0,25 Prozentpunkte sei eine Option. Die Aussagen sorgten weltweit für ein Beben an den Börsen.

USA – die Bullen leisten Widerstand


Nach dem die Kurse des Dow, des S&P 500 und des NASDAQ am Mittwochvormittag noch Gewinne verzeichnen konnten, wurden diese egalisiert nach dem die FED an die Öffentlichkeit trat. Insgesamt zeigte sich der Markt jedoch stabiler als vielfach befürchtet. „„Alles, was die Fed heute formell und offiziell kommuniziert hat, war bereits erwartet und in den Kursen eingepreist“, begründete Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners die Gelassenheit. Im Vergleich zum Vortag gab der Dow 0,38% nach, der S&P 500 0,2% und der NASDAQ schloss sogar nahezu unverändert.

Zu Handelsbeginn am Donnerstag schienen die Fed-Aussagen bereits verdaut und Anleger konnten zwischenzeitlich sogar Gewinne einfahren, ehe die Nervosität über eine baldige Zinswende doch noch den Bären den Markt überließ. Der Dow schloss 0,2 Prozentpunkte im Minus, der S&P 500 verlor 0,5 Prozentpunkte und der NASDAQ - am Mittwoch noch völlig unbeeindruckt - gab sogar um 1,12 Prozentpunkte nach.

Am Freitag schlugen dann die Bullen zurück. Die Anleger trotzten den Zinssorgen und sowohl der Dow (+1,65 %) als auch der S&P (+2,4%) konnte ihre Verluste der Vortage mehr als wett machen. Der NASDAQ konnte sogar 3,2 % zulegen und geht nun gestärkt in die nächste Handelswoche.

Vor allem die Big-Tech-Unternehmen zeigten sich Resistent gegenüber den Zinsängsten. Apple, Microsoft, Alphabet und Amazon konnten allesamt Gewinne einstreichen und unterstützten so die New Yorker Technologiebörse. Die großen Verlierer der Woche hingegen waren die Elektromobilhersteller. Bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen sprach Elon Musk Probleme bei der Lieferkette an, weswegen die Aktie diese Woche 10,33 % nachgab. Noch härter traf es das Start-up Lucid, welches im Sog der Aussagen des Tesla-Chefs 28,07 % einbüßte.

Asien – chinesische Märkte auf Talfahrt


Weniger resistent reagierten die asiatischen Märkte auf die Äußerungen der US-Notenbank. Gleich zu Beginn des Handelstags am Donnerstag stürzten der japanische Leitindex Nikkei (-2,44%) der chinesische Leitindex CSI-300 (-1,94%) sowie der Hang Seng (-2,58%) in Hong Kong in die Tiefe. Der Nikkei konnte sich im weiteren Wochenverlauf etwas erholen und schloss am Freitag mit 0,92 Prozentpunkten weniger gegenüber Mittwoch. CSI-300 und Hang Seng konnten zwar im weiteren Verlauf des Donnerstags wieder Boden gut machen, doch am Freitag setzte sich die Talfahrt fort. Immer mehr Omikron-Fälle in China schürten die Angst der Anleger vor harten Lockdown-Maßnahmen der Regierung. Der CSI-300 büßte im Vergleich zu Mittwoch 3,52 Prozentpunkte ein. Der Hang Seng beendete die Handelswoche 3,33 Prozent niedriger als am Mittwoch und musste demgegenüber zwischenzeitlich sogar einen Verlust von 4,16 Prozentpunkte verkraften. Das Jahr des Tigers beginnt mit einem Bärenmarkt.

Neben Omikron und dem Notenbankchef Powell drückten auch die Aussagen des Tesla-Chefs die Kurse der asiatischen Märkte nach unten. Die Autobauer Geely (-11,65%) und BYD (-13,42%) gehören zu den größten Verlierern am chinesischen Markt und auch Japans wertvollstes Unternehmen Toyota fiel um 3,33 Prozent.

DAX – Achterbahnfahrt der Kurse


Am Donnerstagmorgen schien der deutsche Leitindex zunächst asiatische Vorbilder nachzuahmen und gab 1,62 % nach. Die Anleger schienen die Statements aus Washington jedoch schnell zu verarbeiten, sodass der DAX sogar mit einem Gewinn von 0,42 schloss. Am Freitag ging der Dax dann doch auf Talfahrt und büßte zwischenzeitlich 2,1 Prozent gegenüber Mittwoch ein. Eine Marke, die sich bis zum Handelsschluss auf -0,91 % erholte.

Betrachtet man die Einzelwerte im Dax genauer, stellt man ein Umschichten des Kapitals von Wachstums- in Valuewerte fest. Den größten Verlust im Wochenverlauf musste entsprechend das Wertpapier von Delivery Hero (-14,93%) hinnehmen. Aber auch SAP (-10,74%) und Infineon (-4,18) verloren deutlich. Auf der Gewinnerseite stehen mit RWE (+4,30) und E.ON (+1,44) zwei Gewinner der anhaltenden Energiekrise und mit der Münchener Rück (+4,88), der Deutschen Bank (+3,78) und der Allianz (+2,75) drei Unternehmen, die von steigenden Zinsen profitieren würden.

US-Dollar – Aussicht auf Zinserhebungen stärkt die Währung


War der Dollar am Dienstag noch 0,8849 Euro wert, schoss der Kurs nach den Aussagen Powells in die Höhe und schloss am Mittwoch bei 0,8896 Euro. Am Donnerstag stieg er weiter auf 0,8975, ehe er am Freitag bei 0,899 an der 90-Cent-Marke kratzte. Er schloss die Woche beim Stand vom 0,8971 Euro, was einem Wochenplus von 1,74% entspricht.

Ausblick


Das Corona-Virus bleibt weiterhin ein großer Unsicherheitsfaktor. Neben der Hoffnung auf den Übergang in eine endemische Phase, könnten Lockdowns in China der dortigen Wirtschaft und den abhängigen Lieferketten schaden. Zudem sorgen die Energiekrise und die anhaltende Inflation weiterhin für Anspannung bei allen Akteuren am Finanzmarkt. Zuletzt gibt es mit der Ukraine-Krise mitten in Europa noch einen Konflikt, der bestehende Probleme vergrößern könnte. „Eine gewaltsame Grenzverschiebung würde sowohl politisch als auch an den Aktienmärkten starke Reaktionen hervorrufen“, erläutert Frank Wohlgemuth, Analyst von der National-Bank in Essen. „Wirtschaftlich wäre mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Energiepreise zu rechnen, was eine erhöhende Wirkung auf die Inflationsdaten nach sich ziehen würde.“ So dürften es auch in den kommenden Wochen weiterhin turbulent zugehen.




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