Die Fed lässt die Börsen beben
31.01.22 12:51
GoldGeldWelt
Die vergangenen Börsenwochen darf man getrost als
turbulent bezeichnen. Bei der Pressekonferenz nach der Sitzung der
Federal Reserve (Fed) Mitte Dezember gestand Notenbankchef Powell
ein, dass die frühere Annahme der Fed, der Inflationsschub sei nur
ein vorübergehendes Phänomen, nicht mehr zu halten sei. Bis zu
drei Zinserhöhungen erwarteten Anleger für 2022. Zunächst wolle
man aber die Anleihenkäufe doppelt so schnell zurückfahren wie
bisher.
Während seines Pflichttermins zum Antritt seiner
zweiten Amtszeit am 11. Januar vor dem Bankenausschuss des Senats
bekräftigte der als pragmatischer Problemlösern geltende Powell
dann nochmal seine Kampfansage an den Wertverfall des Geldes: „Die
US-Notenbank werde alle Instrumente nutzen, um die Wirtschaft und
einen starken Arbeitsmarkt zu stützen und um zu verhindern, dass
sich die Inflation festsetzt.“ Nach der Sitzung am vergangenen
Mittwoch sorgte die Fed dann für das nächste Ausrufezeichen.
Zwar wird es vor März zu keiner Zinserhöhung
kommen, doch auf Nachfrage schloss Powell nicht aus, dass die Fed
bei jeder der zukünftigen sieben Sitzungen in diesem Jahr an der
Zinsschraube drehen könnte. Auch eine stärkere Anhebung um jeweils
0,5 satt der üblichen 0,25 Prozentpunkte sei eine Option. Die
Aussagen sorgten weltweit für ein Beben an den Börsen.
USA – die Bullen leisten Widerstand
Nach dem die Kurse des Dow, des S&P 500 und
des NASDAQ am Mittwochvormittag noch Gewinne verzeichnen konnten,
wurden diese egalisiert nach dem die FED an die Öffentlichkeit
trat. Insgesamt zeigte sich der Markt jedoch stabiler als vielfach
befürchtet. „„Alles, was die Fed heute formell und offiziell
kommuniziert hat, war bereits erwartet und in den Kursen
eingepreist“, begründete Portfoliomanager Thomas Altmann vom
Vermögensberater QC Partners die Gelassenheit. Im Vergleich zum
Vortag gab der Dow 0,38% nach, der S&P 500 0,2% und der NASDAQ
schloss sogar nahezu unverändert.
Zu Handelsbeginn am Donnerstag schienen die Fed-Aussagen bereits
verdaut und Anleger konnten zwischenzeitlich sogar Gewinne
einfahren, ehe die Nervosität über eine baldige Zinswende doch
noch den Bären den Markt überließ. Der Dow schloss 0,2
Prozentpunkte im Minus, der S&P 500 verlor 0,5 Prozentpunkte
und der NASDAQ - am Mittwoch noch völlig unbeeindruckt - gab sogar
um 1,12 Prozentpunkte nach.
Am Freitag schlugen dann die Bullen zurück. Die Anleger trotzten
den Zinssorgen und sowohl der Dow (+1,65 %) als auch der S&P
(+2,4%) konnte ihre Verluste der Vortage mehr als wett machen. Der
NASDAQ konnte sogar 3,2 % zulegen und geht nun gestärkt in die
nächste Handelswoche.
Vor allem die Big-Tech-Unternehmen zeigten sich Resistent
gegenüber den Zinsängsten. Apple, Microsoft, Alphabet und Amazon
konnten allesamt Gewinne einstreichen und unterstützten so die New
Yorker Technologiebörse. Die großen Verlierer der Woche hingegen
waren die Elektromobilhersteller. Bei der Veröffentlichung der
Quartalszahlen sprach Elon Musk Probleme bei der Lieferkette an,
weswegen die Aktie diese Woche 10,33 % nachgab. Noch härter traf
es das Start-up Lucid, welches im Sog der Aussagen des Tesla-Chefs
28,07 % einbüßte.
Asien – chinesische Märkte auf Talfahrt
Weniger resistent reagierten die asiatischen
Märkte auf die Äußerungen der US-Notenbank. Gleich zu Beginn des
Handelstags am Donnerstag stürzten der japanische Leitindex Nikkei
(-2,44%) der chinesische Leitindex CSI-300 (-1,94%) sowie der Hang
Seng (-2,58%) in Hong Kong in die Tiefe. Der Nikkei konnte sich im
weiteren Wochenverlauf etwas erholen und schloss am Freitag mit
0,92 Prozentpunkten weniger gegenüber Mittwoch. CSI-300 und Hang
Seng konnten zwar im weiteren Verlauf des Donnerstags wieder Boden
gut machen, doch am Freitag setzte sich die Talfahrt fort. Immer
mehr Omikron-Fälle in China schürten die Angst der Anleger vor
harten Lockdown-Maßnahmen der Regierung. Der CSI-300 büßte im
Vergleich zu Mittwoch 3,52 Prozentpunkte ein. Der Hang Seng
beendete die Handelswoche 3,33 Prozent niedriger als am Mittwoch
und musste demgegenüber zwischenzeitlich sogar einen Verlust von
4,16 Prozentpunkte verkraften. Das Jahr des Tigers beginnt mit
einem Bärenmarkt.
Neben Omikron und dem Notenbankchef Powell drückten auch die
Aussagen des Tesla-Chefs die Kurse der asiatischen Märkte nach
unten. Die Autobauer Geely (-11,65%) und BYD (-13,42%) gehören zu
den größten Verlierern am chinesischen Markt und auch Japans
wertvollstes Unternehmen Toyota fiel um 3,33 Prozent.
DAX – Achterbahnfahrt der Kurse
Am Donnerstagmorgen schien der deutsche Leitindex
zunächst asiatische Vorbilder nachzuahmen und gab 1,62 % nach. Die
Anleger schienen die Statements aus Washington jedoch schnell zu
verarbeiten, sodass der DAX sogar mit einem Gewinn von 0,42
schloss. Am Freitag ging der Dax dann doch auf Talfahrt und büßte
zwischenzeitlich 2,1 Prozent gegenüber Mittwoch ein. Eine Marke,
die sich bis zum Handelsschluss auf -0,91 % erholte.
Betrachtet man die Einzelwerte im Dax genauer, stellt man ein
Umschichten des Kapitals von Wachstums- in Valuewerte fest. Den
größten Verlust im Wochenverlauf musste entsprechend das
Wertpapier von Delivery Hero (-14,93%) hinnehmen. Aber auch SAP
(-10,74%) und Infineon (-4,18) verloren deutlich. Auf der
Gewinnerseite stehen mit RWE (+4,30) und E.ON (+1,44) zwei
Gewinner der anhaltenden Energiekrise und mit der Münchener Rück
(+4,88), der Deutschen Bank (+3,78) und der Allianz (+2,75) drei
Unternehmen, die von steigenden Zinsen profitieren würden.
US-Dollar – Aussicht auf Zinserhebungen stärkt die Währung
War der Dollar am Dienstag noch 0,8849 Euro wert,
schoss der Kurs nach den Aussagen Powells in die Höhe und schloss
am Mittwoch bei 0,8896 Euro. Am Donnerstag stieg er weiter auf
0,8975, ehe er am Freitag bei 0,899 an der 90-Cent-Marke kratzte.
Er schloss die Woche beim Stand vom 0,8971 Euro, was einem
Wochenplus von 1,74% entspricht.
Ausblick
Das Corona-Virus bleibt weiterhin ein großer
Unsicherheitsfaktor. Neben der Hoffnung auf den Übergang in eine
endemische Phase, könnten Lockdowns in China der dortigen
Wirtschaft und den abhängigen Lieferketten schaden. Zudem sorgen
die Energiekrise und die anhaltende Inflation weiterhin für
Anspannung bei allen Akteuren am Finanzmarkt. Zuletzt gibt es mit
der Ukraine-Krise mitten in Europa noch einen Konflikt, der
bestehende Probleme vergrößern könnte. „Eine gewaltsame
Grenzverschiebung würde sowohl politisch als auch an den
Aktienmärkten starke Reaktionen hervorrufen“, erläutert Frank
Wohlgemuth, Analyst von der National-Bank in Essen.
„Wirtschaftlich wäre mit einem weiteren deutlichen Anstieg der
Energiepreise zu rechnen, was eine erhöhende Wirkung auf die
Inflationsdaten nach sich ziehen würde.“ So dürften es auch in den
kommenden Wochen weiterhin turbulent zugehen.
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