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Das Eigenleben des Goldmarktes


20.03.24 09:25
Stephan Heibel

Das Eigenleben des Goldmarktes




Als Volkswirt bin ich immer darauf aus, die Vorgänge an den Finanzmärkten zu erklären. Beim Goldmarkt gelang mir das in den vergangenen Jahren nicht immer. Insbesondere in den vergangenen Monaten, seit ich einen imminenten Goldpreisausbruch nach oben erwarte, passen viele Erklärungsansätze, die in den vergangenen 20 Jahren passten, nicht mehr.

Nun ist der Goldpreis auf ein Allzeithoch geklettert. Doch von Euphorie ist nichts zu sehen. Im Gegenteil, ich höre eigentlich nur Klagen, dass der Goldpreis mit dem Bitcoin nicht im geringsten mithalten kann.

In den vergangenen 20 Jahren waren ETFs einer der Haupttreiber des Goldpreises. Die Vermögen von Anlegern strömten in Gold-ETFs und diese kauften Goldbarren, um ihren ETF entsprechend zu unterfüttern. Diese Käufe haben für einen Goldpreisanstieg gesorgt.

In den vergangenen Jahren war auch häufig das Gegenteil der Fall: Anleger zogen Ihre Gelder aus den Gold-ETFs ab und entsprechend fiel der Goldpreis.

Aktuell ist dieser Zusammenhang jedoch aufgehoben: Derzeit ziehen Anleger Geld von Gold-ETFs ab, dennoch steigt der Goldpreis.

Ende 2020 verfügten Gold-ETFs weltweit über 111 Mio. Unzen. Im Rahmen der Coronakrise und dem Helikoptergeld der Regierungen vieler Länder schoben Anleger ihr Vermögen aus Angst vor der unweigerlich folgenden Inflation in Gold-ETFs. Der Goldpreis kletterte auf 2.000 USD/Uz, erreichte jedoch sein damalige Allzeithoch bereits im Sommer 2020, obwohl die Rekord-Zuflüsse in Gold-ETFs noch bis zum Jahresende anhielten.

In den folgenden drei Jahren pendelte der Goldpreis zwischen 1.600 und 2.000 USD/Uz. Nicht einmal der Einmarsch der Russen in die Ukraine sorgte für einen erneuten Run auf das Gold. Das Volumen der Gold-ETFs ging seither auf inzwischen nur noch 85 Mio. Unzen zurück, -23%.

Wenn also die Gold-ETF-Nachfrage nicht mehr den Goldpreis bewegt, was bewegt ihn dann?

Eine mögliche Antwort liefert der Blick in die Exportstatistik der Schweiz: Monatlich werden 20.000 bis 60.000 kg Gold in die Schweiz exportiert. In der zweiten Jahreshälfte 2023 waren es zwischen 25.000 und 45.000 kg. Im Januar 2024 jedoch sprang der Export plötzlich auf 122.000 kg Gold, also etwa das Dreifache eines durchschnittlichen Monatsvolumens der vorangegangenen Monate.

In China läuft die Konjunktur derzeit nicht rund. Insbesondere der Immobiliensektor macht Probleme, dort wird derzeit „die Luft rausgelassen“. Die überschwängliche Baulust ist beendet, bei vielen Projekten steht der Bau still, Immobilienwerte korrigieren heftig nach unten. Da ist es durchaus nachvollziehbar, dass einige Chinesen ihr Immobilienvermögen in Gold umtauschen.

Weitere Einflussfaktoren für den Goldpreis sind die Inflation und das Zinsniveau. Hohe Inflation bei niedrigen Zinsen sollte den Goldpreis in die Höhe treiben. Die Inflation sprang nach Corona sprunghaft an, doch die Notenbanken hoben das Zinsniveau nur zögerlich an. Dennoch hielt sich der Goldpreisanstieg damals in Grenzen.

Heute ist die Inflation stark rückläufig, das Zinsniveau ist jedoch noch immer hoch. Eigentlich sollte der Goldpreis in einem solchen Umfeld einbrechen, denn eine Anlage in risikofreie, festverzinsliche Anleihen ist derzeit lukrativ. Doch ausgerechnet jetzt überspringt der Goldpreis ein Allzeithoch nach dem anderen.

Merkwürdig, oder? Zusammenhänge, die ich über Jahre gelernt habe, gelten nicht mehr.

Und jetzt kommt Barrick Gold, unsere Spekulation auf einen steigenden Goldpreis: Die Aktie kommt nicht aus dem Quark. Mehr dazu im aktuellen Heibel-Ticker Update über Barrick Gold.


Wheaton Precious aus unserem Heibel-Ticker Portfolio bleibt grundsätzlich eine solide Aktie. Kurstreiber könnte in meinen Augen der Silberpreis werden, der erfahrungsgemäß, wenn er denn irgendwann mal zu steigen beginnt, überproportional stark zum Goldpreis ansteigt.









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