2020er Dekade des „short tech, long commodities“
07.03.22 08:17
GoldGeldWelt
Das ist mal ein Statement: Der Rockefeller
Analyst Ruchir Sharma sieht in den 2020ern eine Dekade, in der
Anleger Technologiewerte shorten und Rohstoffe kaufen sollten. Er
führt dafür Superzyklen an, die nun für Rohstoffe sprächen.
In den vergangenen Jahren war die Marschrichtung an den Märkten
klar: Technologiewerte sind die Zukunft versprechen die höchsten
Renditen. Nun könnte ein neues Zeitalter vor uns liegen. Davon ist
jedenfalls der Rockefeller Chair Ruchir Sharma überzeugt.
Sharma weist einen Beitrag für die Financial Times darauf hin,
dass Technologiewerte im noch jungen Jahr 2022 mit am
schlechtesten abgeschnitten hätten. Am besten hätten sich dagegen
„altmodische“ physische Rohstoffe wie Metall und Energie
entwickelt.
Sharma wer sich nicht der Vielzahl der Ökonomen anschließen, die
diese Entwicklung mit einem steigenden Zinsniveau begründen. Zwar
schade ein steigendes Zinsniveau Wachstumswerten tendenziell. Auch
trage der Krieg in der Ukraine zu einem Anstieg der Rohstoffpreise
bei. Die Ursachen sieht er jedoch woanders.
Technologie und Rohstoffe folgen entgegengesetzten Zyklen
Sharma weist auf ein Zyklusmuster hin, das sich
über sehr lange Zeiträume erstrecke. Seiner Auffassung nach folgen
Technologie und Rohstoffe entgegengesetzten Zyklen. Boomen
Rohstoffe für Jahre oder Jahrzehnte, entwickeln sich
Technologiewerte im selben Zeitraum schlecht et vice versa. 2001
habe die letzte Wende stattgefunden.
Sharma verweist auf langfristige Daten bis zurück in die 1920er
Jahre. Diesen Daten zufolge entwickelten sich Rohstoffaktien in
den 1950er und 1970er Jahren ausgesprochen gut. 1980 hätten diese
Aktien etwa 60 % der gesamten Marktkapitalisierung des US
Aktienmarktes ausgemacht. Technologiewerte lagen damals bei etwa
20 %.
Nach 1980 kam es zu einer Trendwende. Im Jahr 2000 lag der Anteil
von Technologieaktien an Marktkapitalisierung bei 50 %.
Rohstoffaktien machten lediglich noch 10 % aus.
Zur Jahrtausendwende ereignete sich Sharma zufolge die nächste
zyklische Trendwende. Zunächst kam es durch den Zusammenbruch der
Dotcomblase zu einem deutlichen Rückgang der Marktkapitalisierung
im Technologiebereich. Aktuell machen Aktien aus diesem Sektor
jedoch bereits wieder 40 % aus. Der Rohstoffsektor mache dagegen
derzeit gerade einmal 5 % der US Marktkapitalisierung aus – ein
Rekordtief und in der Lesart von Sharma der Hinweis auf
erhebliches Potenzial nach oben.
Marktkapitalisierung bei Rohstoffen historisch niedrig – bei
Technologie historisch hoch
Der Analyst sieht eine „Tech Manie“. Diese
verliere an Fahrt, sobald bei Investoren die dämmere, Geld in
unrentable Bereiche investiert zu haben. Sharma beziffert die
Marktkapitalisierung unrentabler Unternehmen auf 2,6 Billionen
USD. 85 % davon sind seiner Analyse nach auf den
Technologiebereich zurückzuführen.
Gewissermaßen als Kronzeugen für die Tech Manie führt Sharma den
Begriff Metaversum (der die zukünftige Version des Internets
beschreibt) an. Bis Mitte 2021 hätten Unternehmen das Wort
einhundertmal in Berichten verwendet – rund zehnmal so häufig wie
ein Jahr zuvor.
Facebook habe sich nicht zuletzt in Metaverse umbenannt, um davon
zu profitieren. Die Metaverse Aktie erlitt im vergangenen Monat
bekanntlich einen erheblichen Rückschlag. Auch bei anderen
Technologieaktien habe bereits ein Rückgang der Kurse eingesetzt.
Im Gegenzug seien Preise für physische Dinge wie Häuser, Autos,
Energie, Baumaterialien etc. deutlich gestiegen.
Sharma bringt seine Vermutung von einer überbewerteten Entwicklung
hin zu Technologie und Digitalisierung auf den Punkt: Auch die
Generation der „Digital Natives“ benötige eine physische
Unterkunft und wolle anders als oft angenommen nicht nur für
Erlebnisse, sondern auch für greifbare Gegenstände leben.
In diesem Kontext erlaubt sich Sharma dann einen Seitenhieb auf
die Politik. Deren oft grüne Ausrichtung habe es geradezu
unzeitgemäß erscheinen lassen, in neue Ölfelder, Minen oder
Aluminiumhütten zu investieren.
Im vergangenen Jahrzehnt seien die Investitionen in die
Rohstoffproduktion ausgesprochen schwach gewesen. So hätten
Energieunternehmen zum ersten Mal seit 1988 mehr Kapazitäten
abgeschrieben als neu aufgebaut. Gleichzeitig verstärke der
politisch gewollte Umbau der Wirtschaft die Nachfrage nach
bestimmten Metallen wie Kupfer und Aluminium.
Der Rockefeller Chair merkt an, dass es im vergangenen Jahr
kurzzeitig eine Besonderheit gegeben habe. Damals seien Rohstoff-
und Technologie Aktien gleichzeitig gestiegen. Diese Entwicklung
endete im November: Rohstoffaktien entwickelten sich gut,
Technologieaktien brachen ein.
Das Fazit des Analysten: Die Welt investiert zu wenig in Rohstoffe
und zu viel in Technologie. Das über 100 Jahre zu beobachtende
Zyklusmuster setze sich nun wieder durch.
Disclaimer
Hinweis auf mögliche Interessenskonflikte
Die hier angebotene Berichterstattung von https://www.goldgeldwelt.de/ stellt keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlung von Wertpapieren dar und ist weder explizit noch implizit als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die Munsch International LTD und ihre Autoren schließen jede Haftung diesbezüglich aus. Die Berichterstattung dient ausschließlich der Leserinformation und stellt zu keinem Zeitpunkt eine Handlungsaufforderung dar. Zwischen der Munsch International LTD und den Lesern der von ihr veröffentlichten Artikel entsteht keinerlei Beratungsverhältnis. Die Berichterstattung bezieht sich lediglich auf die jeweils genannten Unternehmen, nicht aber auf eine individuelle Anlageentscheidung. Laut §34b WpHG möchten wir darauf hinweisen, dass Partner, Autoren, Mitarbeiter und sonstige Bekannte der Munsch International LTD Wertpapiere der jeweils angesprochenen Unternehmen halten können und den Handel mit diesen Wertpapieren beabsichtigen, wodurch ein Interessenskonflikt bestehen kann. Ferner kann zwischen den hier erwähnten Unternehmen und der Munsch International LTD ein Beratungs- oder sonstiger Dienstleistungsvertrag bestehen oder bestanden haben, womit ebenfalls ein Interessenkonflikt besteht. Da wir zu keinem Zeitpunkt ausschließen können, dass auch andere, Medien, Research- und Börseninformationsdienste die von uns erwähnten Werte im gleichen Zeitraum besprechen, kann es zu einer symmetrischen Informations- und Meinungsgenerierung kommen. Eine Veränderung, Verwendung oder Reproduktion dieser Publikation ohne eine vorherige schriftliche Zustimmung von der Munsch International LTD ist untersagt. Bitte lesen Sie auch unsere vollständigen AGB und Disclaimer: https://www.goldgeldwelt.de/agb-disclaimer.
In den USA wurde eine Börse genehmigt, die Handel bald 23/5 anbieten will. Ob das Angebot für Privatanleger ...
Die Börsen machen 2024 zu einem Erfolgsjahr für Investoren. Europa, Japan und USA brillieren mit festen Kapitalmärkten ...
Trump hat Zölle angekündigt. Will er die globale Handelspolitik neu ordnen oder nur Deals aushandeln? Welche ...
Der Druck der Kartellwächter auf Alphabet wächst: Womöglich ordnet ein Richter den Verkauf von Chrome ...
Mit der Leitzinssenkung im September begannen die Zinsen am Bondmarkt zu steigen. Positive Konjunkturerwartungen, Sorgen ...
Die Zuversicht regiert, dass der Iran-Krieg bald zu Ende ist. Die durch Inflationssorgen entstandenen Renditehochs sind ...
Die meistgehandelten Anleihen an der Börse Stuttgart WKN Emittent Laufzeit Kupon % Währung Rendite ...
Die Deutsche Börse-Aktie (ISIN: DE0005810055) konnte sich in den vergangenen Monaten eindrucksvoll von ihren Tiefständen ...


