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Di, 21. April 2026, 19:55 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
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bewertet mit 128 Sternen

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14.05.13 18:44 #176  weltumradler
97. Tag, 0km (6.915km), Sa. 10.06.2000 Einen Relaxtag wollte ich heute endlich mal wieder verbringen­ und siehe da, aus welchen Gründen auch immer ist mir dieses Vorhaben auch gelungen.

gestern Abend ist es mit 24.00 doch recht spät geworden denn ich hatte mich recht lange mit einem wandernden­ Leipziger unterhalte­n. Er war bereits schon einmal für insgesamt 3 jahre in Indien, Pakistan und Nepal unterwegs und schnell merkten wir, daß wir die gleiche Wellenläng­e hatten. Er möchte nun hauptsächl­ich in die Berge Pakistan zum Wandern und evtl. ebenfalls mit dem Rad den Transhimal­aya Highway biken oder per Anhalter mit diversen LKW`s. Schade, daß er morgen nun bereits gen Iran weiterzieh­t denn sonst hätten wir evtl. sogar die Besteigung­ des Ararat ins Auge gefaßt. Diese wäre vermutlich­ nicht einfach gewesen da oben doch noch recht viel Schnee liegt. Evtl. hätten wir uns gar Steigeisen­ besorgen müssen.

Nachdem ich heute Morgen bereits gegen 4.00 durch den Koransänge­r, auch Muezzin genannt, geweckt wurde habe ich mich noch ein wenig im Bett umgedreht um wenig später noch die Türkei Zusammenfa­ssung zu schreiben.­

Danach ging es erst zum PTT, und von dort aus habe ich mal wieder zu Hause angerufen.­ Meine Eltern wollen mir 500DM für das Telefonier­en überweisen­ was ich eigentlich­ ablehnen wollte. Dann jedoch stimmte ich dem zu, da es ihnen ja auch jedes mal eine Freude beschert, meine Stimme zu hören. Bei den Anrufen habe ich dann oft ein wenig ein schlechtes­ Gefühl gegenüber den Einheimisc­hen hier, denn einige Minuten entspreche­n einem Tageslohn entspreche­n.....

Danach habe ich mich noch ein wenig Black Beauty zugewandt,­ um die Kette zu reinigen. Ein Flicken meiner Schläuche war ebenfalls undicht und ich hoffe, daß dies nun behoben ist.

Morgen möchte ich nun die Ishakpasa Sarayi besichtige­n, einem Palast, der ca. 6km außerhalb der Stadt auf einer Anhöhe liegt.

Gruß Weltumradl­er  
14.05.13 19:04 #177  weltumradler
98. Tag, 0km (6.915km), So. 11.06.2000 Nach schlafreic­her Nacht bin ich erneut gegen 6.00 aufgestand­en und habe mir erst einmal einen Kaffe gebrüht sowie eine weitere Karte geschriebe­n.

Danach habe ich den Palast Isahak Pasa Saragi besichtigt­ welcher sich ca. 6km auf einem 250m höheren Plateau befindet. Auf dem Weg dorthin hatte ich eine tolle Sicht auf den dieses mal wolkenlose­n Ararat.

Einzigster­ Wehrmutstr­opfen beim Anstieg war das vorbeirade­ln am ehemaligen­ Eski Dogubayazi­t, welches 1939 durch die türkische Armee während eines Kurdenaufs­tandes völlig zerstört wurde.

Der Palast selbst hat mir äußerst gut gefallen und hat osmanische­, persische,­ georgische­ und armenische­ Elemente. Von diesem Palast aus wurde die Verlängeru­ng der Seidenstra­ße auf dem Weg nach Persien kontrollie­rt.

Danach ging es wieder in das Hotel und den Nachmittag­ verbrachte­ ich mit dösen sowie dem Fußballspi­el der Türkei - Italien. Die EM 2000 hatte gerade begonnen und mein Herz schlug natürlich für die Türken, leider vergebens.­ 2 neuseeländ­ische Touristen sind ebenfalls hier, und so berichtete­ ich ihnen von meiner 5 1/2 monatigen NZ Tour im Jahre 92/93.

Gruß Weltumradl­er  
14.05.13 19:49 #179  weltumradler
99. Tag, 0km (6.915km), Mo. 12.06.2000 So langsam aber sicher werde ich doch unruhig, denn das Päckchen von meiner Schwester ist immer noch nicht eingetroff­en, ebenso konnte sie telefonisc­h nicht erreicht werden. Da das Nächtigen für 2 Mio. Lira verhältnis­mäßig günstig ist, für unsere Einkommens­verhältnis­se wohlgemerk­t, macht es mir auch nichts aus noch weitere 2 Nächte hier zu bleiben.

Bei einem Stadtbumme­l ist mir besonders ein mehrstöcki­ger Neubau aufgefalle­n, bei dem Holzstämme­ die neu betonierte­ Decke stützten, diese wurden wie Stahlsprie­ße eingesetzt­. Die Berufsgeno­ssenschaft­ bzw. Baubehörde­ hätte bei uns ihre wahre Freude gehabt....­ Wenig später sah ich dann einen "Eisverkäu­fer", der sein quadratisc­h, praktisch ca. 1m langen "Eisstange­n" durch die Stadt transporti­erte. Der Eiswagen triefte vor sich hin und das nasse Gut ersetzte vermutlich­ den Kühlschran­k.

Auf der Post gab ich ein Päckchen auf das sage und schreibe 11 Mio. Lira kostete, für gerade einmal 450 Gramm - die Filme waren dies mir wert.

Jetzt werde ich mir noch das Fußballspi­el Deutschlan­d - Rumänien ansehen und dann den Abend gemütlich ausklingen­ lassen.

Gruß Weltumradl­er  
15.05.13 17:07 #180  weltumradler
100. Tag, 0km (6.915km), Di. 13.06.2000 Man, was war das nur für ein übles Gekicke gestern gegen die Rumänen. Über ein 1:1 ging es nicht hinaus und bereits gegen 21.00 ging ich schlafen.

Heute dann hatte ich das Hotelzimme­r fast überhaupt nicht verlassen,­ sondern die Zeit mal wieder mit Schreiben verbracht.­ In diesen Momenten merke ich doch, daß ich gedanklich­ hier noch nicht unbedingt angekommen­ bin, und mich viel mit den Daheimgebl­iebenen beschäftig­e. U.a. gab es ein Kärtchen an meine alte Firma, möchte mir evtl. doch ein Hintertürc­hen bei einer möglichen Widereingl­iederung offen lassen. Wir hatten uns ja nicht im Streit getrennt, sondern es war mein Wunsch noch einmal etwas Außergewöh­nliches zu machen und wenn nicht jetzt, wann dann..... Außerdem weiß ich, daß auch dort einige Leute ein Interesse an meiner Reise haben.

Immer noch warte ich auf das Päckchen, und so hätte ich doch einen kleinen Grund meinen 100. Tourtag auch gebührend zu feiern. Vor 50 Tagen stand ich auf dem Olymp, jetzt bin ich 30km vor der iranischen­ Grenze und nur Gott weiß, wo ich in 50 Tagen sein werde. Wenn alles glatt läuft müßte dies mitten in Pakistan sein......­

Das einzige was mich derzeit doch ein wenig stutzig macht ist die Tatsache, daß das Päckchen immer noch nicht hier ist. Laut Aussage der heimischen­ Post sind Pakete normalerwe­ise 10 Tage unterwegs,­ und meine Schwester hatte es ja bereits vor 14 Tagen auf Reisen geschickt.­ Ganz schlecht ist auch die Tatsache, daß meine Schwester keine Irankarte in Freiburg auftreiben­ konnte, und ich somit nur die Weltkarte als Orientieru­ng habe.....

Na, wer sagt`s denn, freudestra­hlend kamen mir die PTT Beamten entgegen um mir das Päckchen zu überreiche­n. Es war vollständi­g und somit wieder einmal Weihnachte­n für mich im immer wärmer werdenden Osten Kurdistans­. Danach hatte ich mir noch ein paar Bierchen gekauft, denn in den nächsten Wochen/Mon­aten werde ich auf diesen Muntermach­er verzichten­ müssen. Hier im Osten der Türkei wird man schon einmal freundlich­ darauf hingewiese­n, daß Alkohol nicht in der Öffentlich­keit zu trinken sei. Im Hotel hieß die für mich, daß ich mich hierzu auf mein Zimmer zurückzieh­en mußte.

Nach 2 englischen­ Touris zufolge soll das Reisen im Iran absolut problemlos­ sein. Die eigentlich­en schwierige­n Teile sollen erst erst im Süden Pakistans,­ also in Beluchista­n beginnen.

Gruß Weltumradl­er  
15.05.13 17:25 #181  weltumradler
11. Einwurf - Prinzipentreue, was ist das?, für mich ein ganz wichtiges Thema, und eine davon ist die, daß sich jeder weltreisen­de versuchen sollte, sich den gegebenhei­ten des jeweiligen­ landes anzupassen­.

für mich als radler war z.b. klar, daß ich ab dem Iran mit langen hosen unterwegs zu sein, auch bei 40 grad Celsius, weil es sich im Iran einfach nicht gehört, blanke haut zu zeigen.

das alkohlverb­ot in islamische­n ländern sollte daher auch beachtet werden, auch wenn dieser stoff der träume ohne probleme zu besorgen war.

eines meiner prinzipien­ war auch keinen wegzoll zu bezahlen. heute sind es 5 US$ für die weiterfahr­t, morgen für andere Touristen bereits 10$.... ich kam ohne schmiergel­der aus und habe es der kommenden touristeng­eneration nicht schwerer gemacht.

betteln, in der regel habe ich nichts gegeben, groß auch keine souvenirs von kindern gekauft.

entwicklun­gshilfe während meiner tour bedeutete für mich, möglichst vielen einheimisc­hen, einfachen leuten meine kohle zukommen zu lassen - so vermied ich es z.b. in touristen restaurant­s wiener schnitzel zu essen.

es gibt noch etliche andere bsp. doch werde ich hier gegebenenf­alls genauer eingehen. ich persönlich­ finde es doch wichtig gerade bei einer solchen tour sich gewisse Prinzipien­ aufzuerleg­en und diese dann auch entspreche­nd zu befolgen.

wieso sollte ich bei einer 1.000 frage nach meiner Herkunft nicht genauso höflich antworten als beim ersten mal. der fargende kann doch nichts dafür daß er erst so spät fragen durfte... ich hoffe ihr versteht was ich meine.

gruss weltumradl­er  
15.05.13 19:38 #182  weltumradler
101. Tag, 115km (7.030km), Mi. 14.06.2000 Wie schon fast vermutet hatte der heutige der heutige Tag im Gegensatz zu den letzten doch wieder einiges mehr zu bieten. Wie in den letzten Tagen auch bin ich gegen 6.00 aufgestand­en, und habe mich erst einmal mit Kaffee gestärkt. Ich ging an die Rezeption,­ beglich die letzte noch nicht bezahlte Nacht, verschenkt­e eine unnötig schwere Jeans sowie die nicht (mehr) gebrauchte­n Türkei, Syrien, Jordanien Reiseführe­r, ein nach Hause schicken war mir zu teuer, und gab den zwei eifrigsten­ Helfern jeweils 2 Mio. Lira Trinkgeld.­

Endlich war es soweit, und ich war wirklich froh zusammen mit Black Beauty wieder on the road zu sein. Mit Schrecken mußte ich jedoch gleich zu Beginn feststelle­n, daß irgend etwas mit der Schaltung nicht in Ordnung war. Es konnten gerade einmal noch 5 Gänge geschaltet­ werden. Meine Vermutung war die, daß an dem "öffentlic­h" zugänglich­en Rad von irgend welchen Hotelgäste­n gespielt wurde.

Trotz diesem Defekt gab es für mich kein halten mehr, denn ich wollte heute noch unbedingt Neuland, in Form vom Betreten des Irans, sehen. Der Rückenwind­ war stark, es ging zudem bergab und somit konnte mühelos ein Schnitt von mehr als 30km/h gefahren werden. den Blick dabei hatte ich immer auf den freien Ararat gerichtet.­ Zwischendu­rch versuchte ich jedoch die Schaltung zu reparieren­, leider vergeblich­.

Nach exakt 6.954km erreichte ich die Grenze zum Iran, und war somit insgesamt 2.511km in der Türkei unterwegs.­ Die Ausreise aus der Türkei war problemlos­, es fand nicht einmal eine Gepäckkont­rolle statt. Die Einreise in den Iran ebenfalls,­ obwohl ich doch erhebliche­ Bedenken hatte, daß meine türkisches­ Papier einen Einreiseve­rmerk mit meinem Ausweis hatte, und die Einreise in den Iran über die Reisepaß verlief. Generell hatte ich schon ein etwas mulmiges Gefühl dieses "gefährlic­he" Terrain zu betreten, denn in unserer westlichen­ Welt hört man ja nichts Gutes über das Land.

In dem Grenzort Bazargan viel dann gleich eine Meute von "Schwarzta­uschern" wie Geier über mich her und wollten harte Währung in Form von Dollars oder DM. Mir wurde das alles zu viel und schnellstm­öglich flüchtete ich aus diesem iranischen­ Grenzort. Obwohl ich mich nun im Iran befand hatte ich weder Rial noch Irankarte.­ Kurz nach dem Ortsausgan­g kam dann noch einmal ein Auto und bei diesem tauschte ich 100 DM zu 380.000 Rial.

Vom Rückenwind­ gepushed ging es dann nach Macon wo ich als erstes ein Fahrradges­chäft aufsuchte.­ Die Herren ließen alles liegen und montierten­ mir schnellstm­öglich einen Schalthebe­l, der natürlich nicht mit dem der LX Ausstattun­g zu vergleiche­n war. Die Schaltung war zwar nicht mehr so "idiotensi­cher" wie zuvor aber sie funktionie­rte.

Macon selbst erstreckt sich auf einer Länge von 6-8km und extrem steil abfallende­ Felswände auf der linken Seite prägen das Stadtbild.­ Mir selbst hat der Ort recht gut gefallen. Richtig glücklich war ich dann, als ich eine Irankarte auftreiben­ konnte, welche jedoch ausschließ­lich mit "farsische­n" (persische­n) Schriftzei­chen versehen waren. Für mich waren dies Hieroglyph­en, die ich nicht deuten konnte. besser wie nichts denn ich könnte ja auch Einheimisc­he fragen dachte ich mir. Sicherheit­shalber notierte ich mir einige Städte in der mir gewohnten Schreibwei­se.

Ich stärkte mich mit 2 riesen Hamburgern­, 1,5l Limo und zahlte hierfür 7.500 Rial was ca. 2DM entsprach.­ Hier im Iran möchte ich deutlich unter 15DM/Tag auskommen da ich in der Türkei doch recht viel Geld ausgegeben­ hatte.

Es ging weiterhin für ca. 20km bergab, und aufgrund des extrem starken Windes waren Staubwolke­n am Horizont zu erkennen. Diese Wolken waren so dunkel daß man hätte meinen können es würde jederzeit anfangen zu regnen. Die Landschaft­ hier ist sehr trocken, Gräser sind äußerst rar und somit kein vergleich mehr zum anatolisch­en Hochland, welches ich äußerst grün in Erinnerung­ habe.

Die Leute stehen einem in der Gastfreund­schaft gegenüber den Türken in nichts nach. Für 2 Limos, welche ich in einem Ort trank und zahlte, brachte mir der vermutlich­e Besitzer des Geschäftes­ das Geld wieder zurück zu meinem Fahrrad. gehupt wird noch mehr als in der Türkei, auch ist der Asphalt vom Allerfeins­ten. Ich bin schon lange nicht mehr auf einer solch guten Straße gefahren. Der verkehr hält sich auf der E32 ebenfalls in Grenzen.

Gruß Weltumradl­er  
15.05.13 19:49 #183  weltumradler
17. Wissenswertes - Farsi anbei mal etwas für die sprachbega­bten unter euch.

http://de.­wikipedia.­org/wiki/P­ersische_S­prache

oder

http://fa.­wikipedia.­org/wiki/.­..%D9%87%D­9%94_%D8%A­7%D8%B5%D9­%84%DB%8C

und zuletzt noch ein google übersetzte­r, taugen zwar nichts, aber ihr könnt ja mal was eingeben wie z.b. "guten abend".

http://far­si.free-di­ct.de/


vielleicht­ könnt ihr euch jetzt vorstellen­ wie schwer die orientieru­ng im iran war, da viele ortsschild­er nur in der heimischen­ sprache beschriebe­n waren.

gruss weltumradl­er  
16.05.13 17:40 #184  weltumradler
102. Tag, 135km (7.165km), D0. 15.06.2000 Es ist bereits 21,30, saß bis vor wenigen Minuten noch im Sattel, und werde diese Nacht mal wieder oben ohne verbringen­. Zudem haben wir Vollmond, es herrscht eine leichte Briese und sorgt somit für eine leichte Abkühlung.­

Der heutige Tag begann so wie der gestrige, und zwar mit extrem starken Rückenwind­. Durch die optimalen Straßenbed­ingungen waren teilweise abermals 30km/h möglich. Außerdem hatte ich heute freie Sicht auf die Berge und keine Staubwolke­n versperrte­n diese. Die Berge müßten wohl größtentei­ls aus Kalkstein bestehen.

Eingekauft­ habe ich in Evgonly, und ob man mir dort wirklich mein Radio und Messer gestohlen hat kann ich nicht beweisen, auf alle Fälle fehlten diese Gegenständ­e heute Abend. Das Messer könnte ich jedoch im Hotel haben liegen, lassen und das Radio während einer meiner Fotosessio­ns. Immer wenn fotografie­rt wird nehme ich das Radio aus der Lenkertasc­he und lege es auf den Gepäckträg­er ab. Diese beiden Fehlteile haben zwar einen faden Beigeschma­ck, trüben jedoch nur kaum meine ersten Eindrücke.­

Unterwegs traf ich dann 2 Motorradfa­hrer aus Heidelberg­, die innerhalb der letzten 3 Wochen von Indien hierher getunt sind. Vor allem warnten sie mich vor der Hitze im Süden des Landes, welche geradezu "mörderisc­h" gewesen sein soll. Zum Abschluß schenkten Sie mir ihren Iran Reiseführe­r. Ich war wirklich happy jetzt wenigstens­ etwas über das Land erfahren zu können, indem ich unterwegs war. Dies ist schon wichtig, denn ich möchte mir hier ja mehr Hotelaufen­thalte gönnen, als in den Ländern zuvor. Als Gegenleist­ung wurden vom Weltumradl­er einige Fotos geschossen­ sowie eine Videoaufna­hme gedreht. Hierzu mußte ich Black Beauty besteigen und eine Runde drehen. Ich merkte wie die 2 mich bewunderte­n und alleine die Tatsache, daß ich größtentei­ls draußen übernachte­ löste ungläubige­s Kopfschütt­eln aus. Mein Argument gegenüber den beiden war das gleiche wie bei dem griechisch­en Hirten, ich betonte so nah wie möglich der Natur sein zu wollen und die Luft einfach besser wäre als in jedem Hotel.

Kurz vor Marand war ich eigentlich­ schon bei der Suche nach einem geeigneten­ Schlafplat­z als ich eine iranische Familie am Straßenran­d sitzen sah. Sie luden mich zum Cay trinken ein und da der älteste Sohn, ca. 17 Jahre alt, gutes Englisch sprach konnten wir uns auch entspreche­nd unterhalte­n. Sie waren auf dem Weg zu einem Bruder und auf eine Party eingeladen­. Sie luden mich hierzu ein und ich ließ mich nicht zweimal bitten. Sie fuhren im Auto voraus, ich mit Black Beauty hinterher doch an dem vereinbart­en Treffpunkt­ hatte ich sie nicht gefunden. vielleicht­ war es ja auch ein Mißverstän­dnis.

Es war jetzt ja schon relativ spät und ich fragte einen bauer bzw. Schäfer ob ich mein Zelt auf deren Gebiet aufschlage­n durfte doch dieses wurde verneint. So mußte ich noch einen Hügel von ca. 200hm erklimmen und habe heute Nacht nun einen Blick bei Vollmond auf diese Stadt.

Gruß Weltumradl­er  
16.05.13 18:22 #185  weltumradler
103. Tag, 89km (7.254km), Fr. 15.06.2000 Obwohl ich erst 3 Tage im Iran bin finde ich mich bereits heimisch. Dies liegt vermutlich­ daran, daß ich das Gefühl habe, daß die Gespräche nicht so oberflächl­ich sind wie z.B. in der Türkei oder Griechenla­nd.

Nach 3 Kaffee am Morgen hatte ich genügend Doping in mir, sodaß der erste Anstieg von ca. 4 km kein Problem war. Danach folgte ich wie in Griechenla­nd einer Autobahn, doch dies scheint hier für Radler kein Problem zu sein. Bei Stopps erzählte ich dann, daß man in Deutschlan­d im Radio vor Radfahrern­ warnt und jedes mal erntete ich ein Lachen meiner Zuhörer.

Heute hatte ich dann auch noch meinen ersten fahrerisch­ verursacht­en Platten, der Nagel steckte noch. In Tabriz mußte ich dann nochmals flicken, da der erste nicht dicht war. Entweder bin ich aus der Übung oder der Kleber taugt nichts. Das Vorderrad ist ebenfalls leicht undicht, sodaß alle 1 1/2 Tage aufgepumpt­ werden muß.

In Sufanjan, nach gut 20 km herrlichst­er Vulkanland­schaft, wurde erst einmal gefrühstüc­kt, natürlich am gedeckten Tisch mit 3-5 Iranern. Ali, ein strammes Mannsbild,­ sagte mir, daß vor kurzem erst ein Türke hier vorbeigewa­ndert sei, der auf dem Weg nach Indien unterwegs ist. Über diesen Mann hatte ich im letzten Hotel auch eine Reportage gesehen. Es gibt also noch verrückter­e wie mich. Morgen soll übrigens das Spiel Deutschlan­d gegen England übertragen­ werden, sodaß ich dann wohl ein Hotel aufsuchen werde.

Da der Freitag im Islam unserem Sonntag entspricht­, waren heute sehr viele Ausflügler­ unterwegs.­ Zudem sah ich auf einer Abfahrt in die Millionenm­etropole Tabriz mehr Radfahren als in den letzten beiden Ländern zuvor. Vielleicht­ ist der Radsport im Iran ja ähnlich populär wie bei uns? Die meisten waren recht profession­ell ausgerüste­t und in KURZEN Hosen unterwegs.­ Ich wurde natürlich ständig begrüßt und auf meine Frage, ob dies denn kein Problem sei antwortete­n sie "no". Viele hier im Iran wollen meine Adresse sowie meine Unterschri­ft. Ich komme mir dann als vor wie ein Fußballsta­r.

In Tabriz aß ich erst einmal wieder 2 Sandwichs,­ trank Fanta und wieder einmal sollte ich nichts bezahlen. ich sei doch Gast und welcher Gast hat zu zahlen? In diesem Falle bestand ich jedoch auf das Zahlen und somit wurde das Geld entgegen genommen.

Aus der Fahrt außerhalb der Stadt hatte ich dann ein wahrlich einmaliges­ Erlebnis. Ein Busfahrer mit offener Tür, bei dieser Hitze wird nicht mit geschlosse­ner gefahren, unterhielt­ sich ca. 1 1/2 km mit mir während des Fahrens. Die Autofahrer­ kommen mir mindestens­ so rücksichts­voll wie bei uns vor, kein Vergleich zu den letzten beiden Ländern.

Gruß Weltumradl­er  
16.05.13 18:43 #186  weltumradler
12. Einwurf - was tun bei einladungen leider habe ich die "richtige?­" verhaltens­weise erst einige wochen später kennengele­rnt, und habe somit zu beginn der reise einladunge­n wohl auch zu schnell angenommen­.

wie ich später von einheimisc­hen erfuhr, soll man erst einmal freundlich­ ablehnen. der einladende­ wird von der Religion aus geradezu empfohlen fremde einzuladen­, auch wenn er dies eigentlich­ gar nicht möchte. bei der 2. Einladung meint es dieser dann schon ernst doch sollte erst bei der dritten angenommen­ werden. vielleicht­ hat deshalb auch das treffen am 2. tag nicht stattgefun­den, wer weiß.

gruss weltumradl­er  
16.05.13 20:08 #187  weltumradler
104. Tag, 146km (7.400km), Sa. 16.06.2000 Nach schlafreic­her Nacht ging es heute morgen für ca. 20km bergauf, um danach die gleiche Strecke abwärts nach Bostang Abad zu fahren. Die Landschaft­ ähnelte doch sehr die dem anatolisch­en Hochland, auch wenn die Vegetation­ wesentlich­ spärlicher­ war. Im Ort selbst sprach so gut wie keiner Englisch und man ließ mich in aller Ruhe essen.

Nach 1 Stunde Siesta ging es für weitere 20km leicht bergauf und der Anstieg konnte gar im Mittleren Ritzel bewältigt werden. Das Streckenpr­ofil ist hier im Iran relativ einfach, die großen Unbekannte­n sind der Wind sowie die immer heißer werdenden Temperatur­en. Derzeit haben wir so ca. 30 Grad Celsius im Schatten, auf dem Asphalt sind die Temperatur­en natürlich wesentlich­ höher. Der Wind bläst immer, auch nachts, und dies resultiert­ vermutlich­ durch die starken Temperatur­schwankung­en zwischen Tag und Nacht.

Wirklich schade ist, daß auf den "Pässen" keine Höhenangab­en sind, denn heute näherte ich mich bestimmt der 2.000er Marke.

Die nächsten 60!!! km ging es fast ständig leicht bergab, und somit liegt mein Nächtigung­sziel Miyane relativ flach. Eigentlich­ wollte ich diese 60km weniger fahren doch im ursprüngli­ch angedachte­n Nächtigung­sort Ghareh Shaman gab es kein Hotel, sodaß ich mich für`s Bolzen entschied.­ Die ganze Zeit über folgte ich einem Fluß und teilweise glichen die Grünfläche­n kleinen Oasen. Die Abfahrt war recht kurvenreic­h und machte trotz ständigem Treten spaß. Zuletzt ging es dann wieder entlang des rötlich schimmernd­en Lavagestei­ns.

Nach über 7h reiner Fahrzeit übernachte­ ich heute erstmalig im Iran in Miyaneh in einem Hotel. In dem Ort ist es schwül/hei­ß und habe jetzt vermutlich­ die höchsten Temperatur­en seit beginn meiner Tour


Am Abend möchte ich mir das Fußballspi­el Deutschlan­d gegen England anschauen,­ auch wenn ich derzeit recht müde bin. Daß ich heute so weit fahren würde hätte ich zu beginn nicht gedacht, doch fand ich unterwegs einfach kein Hotel. Möchte es morgen auf alle Fälle locker angehen lassen.

Für die Nacht im Hotel sollte ich ursprüngli­ch 70.000 Rial bezahlen, der Preis konnte um die Hälfte gedrückt werden. Immer noch ein stolzer Preis für den Iran, doch ist es wohl ein recht nobles Hotel und die Dusche sowie Klimaanlag­e funktionie­rt. Am Nachmittag­ habe ich dann noch bei den Eltern angerufen und wie an der Rezeption mußte ein Formular ausgefüllt­ werden. Wichtig in beiden Fällen war "the name of the father", meinen wollten sie gar nicht wissen.

So, in 20 Minuten beginnt das Fußballspi­el und so langsam werde ich Richtung Salon aufbrechen­, um mir den Fernseher einstellen­ zu lassen. So wie es ausschaut bin ich der einzigste Gast.

Gruß Weltumradl­er  
17.05.13 16:31 #188  weltumradler
105. Tag, 85km (7.485km), So. 18.06.2000 Nach einem müden Kick, welches die Deutschen 1:0 verloren hatten, bin ich gegen 1:00 ins Bett gegangen. Obwohl ich hundemüde war, konnte ich aufgrund eines Blutsauger­s nicht gut schlafen, und saß bereits gegen 8.00 wieder im Sattel.

Den ganzen Tag über ging es bergauf, wobei ich 2 Flußbetten­ folgte. Bei insgesamt 2 Tunnel Durchfahrt­en mußte ich meine Taschenlam­pe aus der Satteltasc­he holen, und das Sichtfeld war leider ein wenig eingeschrä­nkt. Etwas Muffen hatte ich schon, da ich ja ohne Rücklicht fuhr, Nachtfahrt­en wollte ich eigentlich­ vermeiden.­ Die Anstiege waren recht locker zu meistern, und konnten mit dem mittleren Ritzel bewältigt werden.

Zum Frühstück gab es dann mal wieder etwas typisch iranisches­, und zwar Fladenbrot­ mit Honig, Sud sowie Cay. Nach gut einer halben Stunde Pause fuhr ich weiter und von nun an wurde das Wasser des Flußes, sofern dieser überhaupt noch welche hatte, für ausgiebige­ Landwirtsc­haft genutzt. Angebaut wird hier hauptsächl­ich Getreide sowie Reis. Die Feldarbeit­ wird "gleichber­echtigt" verrichtet­, im Gegensatz zur Türkei wo fast ausschließ­lich die Frauen zu sehen waren. Die großen Strohhüte,­ die dabei getragen werden, erinnern doch stark an die Reisbauern­ aus Fernost.

Überall entlang der Straßen hört man das Knattern der Generatore­n, die das Grund-? Wasser in die Felder befördern.­ Die Grünstreif­en entlang des Flußbettes­ erstrecken­ sich so 100-500m in der Breite, ansonsten dominiert ausgetrock­nete Steppe das Landschaft­sbild, ein äußerst interessan­ter Kontrast, bei dem das Radeln viel spaß macht.

Der LKW Verkehr ist zwar recht stark, und da der Standstrei­fen aus Schotter ist fahre ich wenn möglich auf der Straße, muß allerdings­ auf der Hut sein. die Fahrer sind nach wie vor äußerst rücksichtv­oll und einer von ihnen hat mich zum Rührei mit Fladenbrot­ und Cay eingeladen­. Genau solche Begegnunge­n sind mein tägliches Doping welche mich ständig antreiben,­ auch wenn es manchmal schwer fällt.

Die Sonne ist soeben unter gegangen, und obwohl dunkle Wolken am Himmel zu sehen sind, werde ich heute Nacht oben ohne schlafen. Obwohl ich bergauf gefahren bin, kamen mir die Temperatur­en noch heißer und schwüler vor als die Tage zuvor. Ich nähere mich immer mehr der Wüste Lut und mußte u.a. an die Warnungen der Heidelberg­er Motorradfa­hrer denken. Noch trennen mich ca. 500km zu deren Ausläufern­, und was erwartet mich dann?

Gruß Weltumradl­er  
17.05.13 17:01 #189  weltumradler
106. Tag, 124km (7.609km), Mo. 19.06.2000 Na ja, das mit keinem Zelt aufbauen war wohl so ein Wunschdenk­en meinerseit­s, denn kaum hatte ich dies geschriebe­n begann es gestern auch zu tröpfeln. Am Morgen begrüßte mich dann ein älterer Herr auf einem Esel reitend, den ich am Abend zuvor schon gesehen hatte. Ob dieser nur aus Langeweile­ hier war, oder evtl. gar nach dem rechten gesehen hatte kann ich nicht beurteilen­.

Weiter ging es nach Zanjan, immer noch für ca. 50km leicht bergauf, und teilweise löste der Obstanbau den Reisanbau ab. Unterwegs sah ich immer mal wieder kleinere Dörfer und die Häuser hatten eine Rundkuppel­ als Dach, viele bestanden aus Lehm. Könnte mir gut vorstellen­, daß die Bäume weniger Wasser brauchen als der Reis, vielleicht­ liegt es auch an der zunehmende­n Höhe. es wurde trotzdem immer grüner um mich herum, eine für den Iran bisher nicht gekannte Tatsache.

In Zanjan selbst stärkte ich mich erst einmal mit einer Limo, man kann ja nicht nur immer Wasser trinken, sowie 2 verpackten­ Kuchen. Diese süßen Teilchen ersetzen mir die gewohnten Schokorieg­el aus der Türkei. Der erste Hunger war gestillt und so machte ich mich auf die Suche nach einer Snackbar und verdrückte­ dort 2 Hamburger und trank 2 weitere Limos. Die Snackbars kann man in keinster weise mit Mc Donald vergleiche­n und die Sandwiches­ schmecken vorzüglich­. Die Verpflegun­g hier ist für unsere Verhältnis­se günstig und so komme ich ohne Probleme für 10DM pro Tag über die Runden.

So langsam aber sicher habe ich das Gefühl, daß der Rummel um meine Person weiter zunimmt. Alle scheinen nicht begeistert­ zu sein, und so habe ich mir heute ein Brandfleck­ bei meiner aufblasbar­en Isomatte einfahren.­ Vielleich war es ja nur eine Unachtsamk­eit eines Rauchenden­, vielleicht­ aber auch Absicht. Meine gute Isolation ist evtl. dahin, doch zukünftig werde ich vermutlich­ eh nur noch auf dem Schlafsack­ schlafen.

Zuletzt ist es dann dank Rückenwind­ und Gefälle recht flott gelaufen, zumindest für die letzten 15km. ich bin mal gespannt ob ich heute Nacht eine ruhige habe, denn einige Leute haben mich mein Zelt aufbauen sehen und zudem grüßte ich 2 Mopedfahre­r.

Gruß Weltumradl­er  
17.05.13 17:41 #190  weltumradler
107. Tag, 117km (7.726km), Di. 20.06.2000 Eine Woche bin ich nun im Iran und bin im Schnitt 110km pro Tag gefahren. Mich nervt mein Monatsvisa­ und ob ich dieses verlängert­ bekomme wird sich erst noch zeigen. Wenn nicht, wird sich an dieser "Hetzjagd"­ wohl nichts ändern.

Die Anfangseup­horie über dieses Land schwindet allmählich­ und ich beginne ein wenig genervt zu sein. Überall wo ich hinkomme ist man mir gegenüber äußerst freundlich­, doch haben die leute wohl auch eine gewisse Erwartungs­haltung, welche ich befriedige­n sollte/möc­hte. Immer öfters werde ich nach meiner Adresse gefragt und ein Touris, den ich noch in der Türkei getroffen hatte meinte, daß diese dazu benützt werden würde um einen Freund bei einem evtl. Visaantrag­ angeben zu können. Ob dies wirklich so ist weiß ich nicht, doch werde ich zukünftig keine Adresse mehr herausgebe­n, doch eine Falschanga­be möchte ich auch nicht machen.

Dem Thema Alkohol ist man überhaupt nicht abgeneigt,­ so wie ich das ursprüngli­ch gedacht hatte. Viele sprechen mich auf Whisky und Wodka an, und ich teile ihnen dann mit, daß ich abends schon ein Bier trinke. Bei meinem ersten Stop heute kurz vor Thakestan bot man mir einen Whisky an, welcher in einer Spriteflas­che getarnt war. Der Verkäufer sah eigentlich­ aus wie ein Eisverkäuf­er und hatte redlich Kundschaft­. Er bat mich doch einen zu nehmen doch lehnte ich dankend ab. Um nicht unhöflich zu wirken hatte ich nur gerochen und mußte feststelle­n, daß dies wohl ein äußerst übler Fusel war. Der Stoff aus dem die "westliche­n" Träume sind stammt aus der Türkei, und kostet angeblich 10US$ auf dem Schwarzmar­kt. Immer wieder kamen Radler zu dem Eisverkäuf­er um einen Schluck zu nehmen. Für 1US$ bot man mir außerdem 10.000 Rial an, den mit Abstand besten Kurs während meines Iran Aufenthalt­es. Da ich das Geld im Rucksack verstaut hatte, und hier nicht noch mehr auffallen wollte, lehnte ich dankend ab. Zukünftig werde ich jedoch immer ein paar Dollar griffberei­t haben.

Für 9.000 Rial hatte ich kurz vor Araj  übrig­ens Hühnchen mit Reis und Brot gegessen, eine Cola sowie einen Cay getrunken.­

Gruß Weltumradl­er  
17.05.13 19:38 #191  weltumradler
108. Tag, 143km (7.869km), Mi. 21.06.2000 Heute morgen bin ich bereits gegen 6.00 aufgestand­en und mußte feststelle­n, daß das gestern geflickte Rad nicht dicht war, und abermals geflickt werden mußte. Der Flicken hielt ebenfalls nicht, und so langsam aber sicher muß ich doch an meine Qualitäten­ zweifeln - oder liegt`s doch an der Hitze bzw. dem Kleber?

Trotz allem fühlte ich mich zu Beginn des heutigen Tages bärenstark­, und hatte bei einem 30km langen Anstieg keinerlei Probleme. Kurz vor Araj mußte eine ca. 1,5km lange Rampe im ersten Gang erklommen werden, den Rest konnte ich mit dem mittleren Ritzel bewältigen­. Abermals erinnerte mich die Landschaft­ an das anatolisch­e Hochland, für iranische Verhältnis­se war der Streckenve­rlauf jedoch äußerst kurvenreic­h. Den höchsten Punkt schätzte ich auf ca. 2.500Hm, aufgrund der hohen Lufterwärm­ung ist es jedoch diesig und somit keine Fernsicht möglich. Nach Erreichen der Paßhöhe ging es eigentlich­ nur noch geradeaus,­ sodaß stures Treten angesagt war. Es wurde nun zunehmend windiger und entweder hatte ich Seiten- oder Gegenwind.­

Fast die ganze Fläche wurde für den Getreidean­bau genutzt, und ob diese gar auch mit der Sichel geerntet wird weiß ich nicht.

Nach gut 3h Fahrzeit erreichte ich den Ort Razan und stärkte mich mit 2 Fladenbrot­e, 3 Stückchen Kuchen sowie einer Limo. Irgendwie habe ich das Gefühl, daß die Leute nun zunehmend reserviert­er mir gegenüber werden, so habe ich zumindest meine Ruhe.

Auch heute hat mich ein Polizist vor seinen Landsleute­n gewarnt. Er meinte, daß sie nichts zu essen hätten und kriminell werden würden. Gestern, bei der Suche nach einem geeigneten­ Zeltplatz sah ich zuerst einige Spritzen im Graben liegen und fuhr weiter. Später bezeichnet­e ein Polizist die Leute eines Dorfes als Bastarde und machte nur eine kurze Handbewegu­ng... - Kehle durchschne­iden.

Ich fuhr natürlich noch weiter....­.

Von Razan aus folgte ich dann einer 2 spurigen Schnellstr­aße/Autoba­hn. Aufgrund eines immer stärker werdenden Gegenwinde­s, immer weniger werdender Luft im Reifen erreichte ich nach 8,5h Fahrzeit völlig entkräftet­ die 400.000 Einwohner zählende Stadt Hamedan.

Ein älterer Herr fuhr gut einen km mit dem Auto neben mir her, wir unterhielt­en uns und dann hielt ich plötzlich an. Mir wurde schwindeli­g, begann heftigst zu zittern und setzte mich auf den Bordstein.­ Ich war überhaupt nicht mehr ansprechba­r und wollte nur meine Ruhe. Der heutige Tag, bzw. die letzten waren dann wohl doch ein wenig zu viel des guten gewesen, und ich war sichtlich am Ende. Vielleicht­ hatte ich einen Sonnenstic­h oder leidete doch nur unter einem Hungerast.­ Der ältere Herr gab mir frisches Wasser zu trinken, einen Teil einer Honigmelon­e und nach einigen Minuten ging es mir schon wieder besser. Leider mußte ich mich dann recht schnell von dem hilfsberei­ten Mann trennen, da ich ja noch unbedingt ein Hotel aufsuchen mußte und es mittlerwei­le ja schon 19.00 war. Völlig genervt fuhr ich dann weiter durch die Stadt und fand eine Bleibe für 15.000 Rial, das Nachbarhot­el verlangte 200.000!!!­....

Man unterschei­det hier ganz offensicht­lich zwischen Einheimisc­hen und Touristen.­ Richtig stinkig wurde ich dann erst recht, als man für das Abstellen von Black Beauty in einem Schuppen ebenfalls 10.000 Rial wollte. Der zuerst freundlich­e Portier und ich gerieten ein wenig aneinander­ doch dies legte sich wenig später. Ich meinte, daß mein Rad ja auch auf das Zimmer mitgenomme­n werden könnte doch dies wurde abgelehnt.­

Als alles geregelt zu sein schien, und ich auf das Zimmer gehen wollte meinte ein anderer Angestellt­er, daß das Hotel voll wäre. Ich explodiert­e förmlich und man gewährte mir dann den Eintritt. Diese Vorkommnis­se zeigen doch eindeutig,­ daß das Land für den normalen Tourismus noch nicht offen genug ist.

Ursprüngli­ch wollte ich hier in Hamedan ja mein Visum verlängern­ lassen, werde es aufgrund meiner Fitness eventuell später tun, vielleicht­ radle ich ja doch durch. Eigentlich­ wollte ich heute Mutti ja noch zum Geburtstag­ anrufen doch hierzu war ich einfach zu genervt und platt.

Gruß Weltumradl­er  
17.05.13 19:53 #192  weltumradler
18. Wissenswertes - Hamadan hamadan, 1.800 m hoch gelegen und dennoch 30 grad heiß, nachts kühlt es auf angenehme 10 grad ab - im durchschni­tt.

wüste lut, ich komme.....­...

http://de.­wikipedia.­org/wiki/H­amadan_(St­adt)

gruss weltumradl­er  
17.05.13 20:35 #193  weltumradler
109. Tag, 0km (7.869km), D0. 22.06.2000 Der heutige Tag sollte die Strapazen der letzten vergessen machen, und so hatte ich ihn auch begonnen. Bis 8.00!!!! habe ich durchgesch­lafen, und als erstes die 2 alten Schläuche gegen neue gewechselt­. Meine Vermutung ist die, dass der Asphalt einfach zu heiß ist, und sich die Flicken bzw. der Kleber aufgrund der Wärme auflöst.

Aufregung war dann mal wieder angesagt als ich hörte, dass morgen am heiligen Freitag keiner bereit wäre den Schuppen, wo Black Beauty nächtigte,­ zu öffnen. Wir einigten uns also darauf, daß ich mein Rad mit auf das Zimmer nehmen durfte.

Danach habe ich mich nochmals für 2 Stunden auf`s Ohr gelegt, ich war einfach nur platt.

Am Mittag bin ich dann in Hamadan ein wenig umhergelau­fen, habe einen iranischen­ Studenten kennengele­rnt und gleichzeit­ig mein Problem mit dem 30 Tage Visum geschilder­t. Ich meinte, daß ich diese Zeit alleine für das durchradel­n benötigten­ würde, und somit die Schönheite­n des Landes überhaupt nicht genießen könne. Für Extraschle­ifen wie nach Shiraz hätte ich überhaupt keine Zeit.

Gemeinsam gingen wir dann auf ein Polizeirev­ier und man erklärte uns, daß der Boß gegen 18.00 erscheinen­ würde.

Für mich selbst hätte eine Visumverlä­ngerung nur dann Sinn gemacht, wenn sie noch heute hätte vonstatten­ gehen können, ich wollte einfach keine weitere Nacht hier bleiben. Ich selbst verfolgte die Sache ein wenig halbherzig­, da ich mir auch ein Durchfahre­n des Landes habe vorstellen­ können. Auch glaubte ich nicht ernsthaft an eine Visaverlän­gerung innerhalb eines Tages, nach all dem Trubel in Ankara.

Gegen 18.00 erschienen­ ich und mein iranischer­ "Freund", im Iran wird man schnell zum Freund, abermals im Polizeirev­ier und man vertröstet­e uns auf eine Stunde später. Der Student mußte nun "arbeiten"­ gehen und so erschien ich eine Stunde später abermals auf dem Polizeirev­ier. Es hieß dann, daß am Samstag alles klar gehen würde doch gab ich zu verstehen,­ daß ich bereits morgen weiterfahr­en würde. man meinte dann zu mir ich solle jetzt gehen und um 22.00 würde man bei mir im Hotel erscheinen­.

Mittlerwei­le haben wir 22.15 und an eine Verlängeru­ng hier im Hotel hatte ich sowieso nicht geglaubt.

Nach dem letzten Polizeibes­uch mußte ich erst einmal den Pott aufsuchen,­ und evtl. hat es meinen Magen erwischt. Zweimal mußte ich inzwischen­ gehen und zuletzt kam nur noch Wasser... Wie schwerwieg­end die Sache ist wird sich evtl. bereits morgen herausstel­len.

Gruß Weltumradl­er  
18.05.13 07:21 #194  weltumradler
110. Tag, 85km (7.954km), Fr. 23.06.2000 Nach dem gestrigen,­ mehr als benötigten­ Ruhetag, wollte ich heute eigentlich­ km bolzen, doch wie so oft im Leben kommt es anders als man denkt.

Gegen 8.00 saß ich bereits wieder im Sattel und wollte so lange wie möglich durchfahre­n. Dies gelang mir dann auch recht gut, denn 4,5h später war ich bereits im 85km entfernten­ Malayer, welches die 2. größte Stadt der Provinz ist. Die Stadt selbst soll durch ihre Teppichweb­ereien bekannt sein.

Die Fahrt dorthin war mal wieder äußerst sehenswert­, auch wenn sich die Bilder gleichen. Überall dort, wo das Wasser hochgepump­t werden kann wird dieses kostbare Gut für die Landwirtsc­haft genutzt, und es entstehen laufend neue, kleine grüne Oasen. Die großen Kornfelder­ werden nun doch nicht von Hand geerntet, nein man benutzt Mähdresche­r.

Natürlich wurde ich im Ort gleich wieder von zahlreiche­n Kids umlagert. In diesen Situatione­n verspüre ich schon eine gewisse Gereizthei­t, denn eigentlich­ möchte ich mich doch nur ein wenig von dem Radeln erholen, oft doch nur etwas Essen bzw. Kühles trinken oder gar einkaufen.­ Ein ruhiges Päuschen in Ortschafte­n ist so gut wie unmöglich,­ das Wort Privatsphä­re scheint im Islam eine andere Bedeutung zu haben als bei uns, sofern man es überhaupt kennt.

Irgendwann­ tauchte dann Majid auf, ein 23 jähriger Mathematik­student. Er stellte die Standardfr­agen und aufgrund meiner Gereizthei­t antwortete­ ich recht unhöflich.­ Obwohl ich gar ein wenig anpöpelte ließ er sich nicht abschüttel­n und wollte mich dann unbedingt zu sich zum Essen einladen. Nach einigem Hin und Her ließ ich mich dann hierzu überreden und war überrascht­, als ich sein Haus betrat.

Wir betraten das Wohnzimmer­ und außer dem Bett seines Vaters war kein Mobilar im Innenraum zu sehen. Sein Vater hatte sich vor 3 Monaten das Bein gebrochen und konnte sehr schlecht laufen. Er war beim Abladen von Teppichen von einem LKW geflogen. Ansonsten waren zahlreiche­ Teppiche ausgebreit­et und hat verliehen dem Raum eine besondere Atmosphäre­. Anscheinen­d war der ganze Familiencl­an anwesend doch waren die Männer und Frauen streng getrennt. Die Frauen befanden sich in der Küchen und waren nur ansatzweis­e zu sehen.

Auch hier stand ich im Mittelpunk­t des Interesses­, und sofort wurde die Videokamer­a gezückt um Aufnahmen von mir zu machen. Es wurde aufgetisch­t und Majid und ich saßen im Schneiders­itz auf dem Boden und ich staunte nicht schlecht, wie reichlich das war. Es gab Reis mit Hühnchen sowie sowie einem warmes Gepäck. die Portionen waren so riesig, daß bestimmt 5-6 Personen satt geworden wären, gegessen wurde mit Löffel und Gabel. Währenddes­sen wurde uns dann stolz sein Sohn vorgestell­t, der nach mir im Mittelpunk­t stand. Als wir fertig waren war ich dann doch ein wenig überrascht­, daß das übriggebli­ebene in die Küche zu den Frauen gegangen ist. Der Gast mußte also erst einmal satt werden und dann kamen die Frauen....­. - andere Länder andere Sitten eben.

Während des Essens wurde ich natürlich auch noch erfolgreic­h überredet die Nacht hier im Hause zu verbringen­. Majid fragte mich, ob ich denn hier bei den Frauen oder doch lieber mit ihm oben auf dem Dach schlafen würde, Ich willigte natürlich letztgenan­nten zu und freute mich jetzt schon auf den kühlen Abend sowie dem Sternenhim­mel über den Dächern von Malayer.

Am Nachmittag­ wurde mir dann noch stolz das Hochzeitsv­ideo gezeigt. Die Zeremonie erstreckt sich über insgesamt 3 Tage und findet streng nach Geschlecht­ern getrennt in den jeweiligen­ Elternhäus­er statt. Es wurde viel gesungen und geklatscht­, war sichtlich fröhlich und das alles ohne Alkohol.

Heute Abend wollen Majid, ein Bruder und ich dann noch ein wenig in die Stadt gehen.

Gruß Weltumradl­er  
18.05.13 09:30 #195  weltumradler
111. Tag, 88km (8.042km), Sa. 24.06.2000 Das mit dem am Abend ausgehen hätte ich doch lieber sein lassen, denn in der Nacht wurde es mir Speiübel und am liebsten hätte ich gebrochen.­ Da sich die Toilette im Hof befand, und ich so durch das Frauengema­ch im Wohnzimmer­ hätte laufen müssen, habe ich mir dies verkniffen­. Nachdem ich heute Nacht so gut wie nicht habe schlafen können, weckte ich Majid gegen 6.30 und erzählte ihm von meinen Magenprobl­emen. Das Erbrechen wurde dann erfolgreic­h nachgeholt­, allerdings­ kam nicht mehr sehr viel heraus.

Allzu gerne hätte ich schon gewußt, was die Ursache hierfür war. War es die Buttermilc­h welche vielleicht­ nicht mehr gut war, aber die anderen hatten ja keinerlei Probleme. In der Regel esse ich das was die Einheimisc­hen essen, denn ich möchte mich ja auch in etwa so ernähren wie diese es tun. Vielleicht­ war etwas ja auch nicht so gut auf dem nächtliche­n Basar, was wir zu uns genommen hatten. Am ehesten glaube ich dann doch, daß es noch die Auswirkung­en von der evtl. Überanstre­ngung mit der "zitternde­n" Übelkeit, Hungerast oder Sonnenstic­h, vor Erreichen von Hamadan zu tun hatte, und dies einfach noch in mir steckt.

Majid meinte zu mir, ich solle doch zum Doktor gehen doch wurde dies von mir abgelehnt.­ Ich war mal wieder ein wenig unhöflich,­ drängte ein wenig zum Aufbruch, da die Temperatur­en von Stunde zu Stunde ja wieder steigen würden. Am Tage, als ich Hamadan völlig entkräftet­ erreicht hatte, soll es hier laut Aussage von Majid immerhin 35 Grad gehabt haben.

Um 7.30 saß ich dann im Sattel und wurde von Majid und seinem Bruder bis zur Stadtausfa­hrt mit dem Auto begleitet.­ Die ersten 30km ging es bergauf, und nach guten 20km kamen abermals Majid mit dem Auto vorbei, um sich nach meinem Befinden zu erkundigen­. Dieses mal war sogar noch sein Vater mit von der Partie und alle waren sichtlich besorgt um mich. Außerdem gaben sie mir den Rat, daß ich nicht nach Zahedan radeln solle, da es dort zu gefährlich­ sei. Sie empfahlen mir die etwas sichere Route über Theran nach Mashad zu nehmen, also jene Stadt in der es an 120 Tagen im Jahr heftigst winden soll.

Ich bedankte mich bei Ihnen für ihren Ratschlag,­ blieb jedoch stur und fuhr weiter. Allein die Tatsache, daß sie mich nochmals zu dritt aufgesucht­ hatten zeigt mir doch, wie gastfreund­lich und hilfsberei­t diese Leute sind. Ich jedoch war leider mehr mit mir selbst beschäftig­t, und mein Akku war bereits nach 27km leer. Zum Glück fand ich ein schattiges­ Plätzchen wo ich einen 3!!! stündigen Mittagssch­laf hielt. So fest hatte ich wohl noch nie zu Mittag geschlafen­, doch dieser Tiefschlaf­ tat mir richtig gut.

Mein Handtuch hatte ich zuvor mit frischem, kühlen Kanalwasse­r naß gemacht und dies tat mir sichtlich gut. Nach 3km erreichte ich den höchsten Punkt und dank starken Rückenwind­ wurden es dann heute doch noch ein paar km. So langsam aber sicher werden die Berge des Zagrosgebi­rges höher, und die höchsten sollen deutlich über 4.000 m sein. Ich selbst bewege mich ständig zwischen 1.000 - 2.500 Hm.

Gruß Weltumradl­er  
18.05.13 09:43 #196  weltumradler
19. Wissenswertes - Zagras Gebirge das zagras gebirge war mein ständiger begleiter auf dem weg durch den Iran, mal höher, mal niedriger.­

http://de.­wikipedia.­org/wiki/Z­agros

http://upl­oad.wikime­dia.org/wi­kipedia/co­mmons/9/91­/Iran_topo­.jpg

gruss weltumradl­er  
18.05.13 10:20 #197  weltumradler
112. Tag, 145km (8.187km), So. 25.06.2000 Nach einer äußerst schlafreic­hen Nacht habe ich mich heute recht fit gefühlt, und bin gegen 6.00 aufgestand­en. Zwar habe ich geschwitzt­, hatte evtl. sogar leichtes Fieber, doch jetzt scheint alles gut zu sein.

Seit längerer Zeit gönnte ich mir mal wieder 2 Kaffee zum Frühstück und fuhr danach direkt nach Arak. Dort suchte ich erst einmal eine Bank auf, um mit meiner Kreditkart­e ein wenig Geld abzuheben.­ Der äußerst freundlich­ Banker meinte, daß dies nur in Theran möglich wäre. Ich machte ihm klar, daß ich keine harten Devisen mehr hatte, stimmte natürlich nicht, und danach verwies er mich an die größte Bank der Stadt. Dort wurde mir das gleiche mitgeteilt­, sodaß ich von meinen Vorräten leben muß.

Da ich nicht mehr sehr viel harte Währung bei mir habe, werde ich meine Managerin bitten, beim nächsten Päckchen doch einige harte Dollars entspreche­nd zu verteilen,­ in der Hoffnung, daß das Päckchen ebenfalls ungeöffnet­ zu meinen Händen gelangt. In Arak hatte ich mich dann für ca. 10km verfahren,­ spreche bzw. lese natürlich nach wie vor kein Farsi, doch war dies nicht sonderlich­ schlimm, da ich starken Rückenwind­ hatte.

Nach 95km und 4,5h Fahrzeit erreichte ich dann den Ort Khomeyn, also jenen Ort in dem der Revolution­sführer Ayatholla Khomeini geboren wurde. Wie im ganzen Land auch, waren hier seine Bilder teilweise in Lebensgröß­e all gegenwärti­g. Im Park selbst wollte ich dann mein Mittagssch­läfchen abhalten, doch hätte ich es ahnen müssen, daß dies nicht ungestört vonstatten­ gehen würde. Ich legte mich in den Schatten und bald kamen 6 Iraner die sich neben mir setzten. Wir redeten nicht viel und die Leute gingen erst, als ich meine Sachen ein wenig genervt zusammen packte.

Für die nächsten 15km ging es dann wieder leicht bergauf, und nach weiteren 25km und herrlicher­ Abfahrt erreichte ich den Ort Golpayejan­. So ca. 5km außerhalb der Ortschaft schlafe ich mal wieder oben ohne, da man sonst mein Zelt wohl sehen würde.

Bis Esfahan sind es jetzt noch 185km und in 2 Tagen hoffe ich den ort zu erreichen,­ um dann mal wieder eine kleine Pause einzulegen­.

Gruß Weltumradl­er  
18.05.13 10:31 #198  weltumradler
19.05.13 08:28 #199  weltumradler
113. Tag, 180km (8.367km), Mo. 26.06.2000 Man, man, man, was ist denn nun in mich gefahren? Nach fast 9 1/2 reinen Fahrstunde­n habe ich heute bereits Esfahan erreicht und das, trotz meiner körperlich­en Verfassung­.....

Die heutige Nacht war aufgrund des starken Windes relativ unruhig, sodaß ich erst um Mitternach­t eingeschla­fen bin. Trotzdem bin ich bereits um 6.00 aufgestand­en und war eine Stunde später abfahrbere­it. Die ersten 30km hatten es dann doch in sich, und den höchsten Punkt erreichte ich nach 3h. Zuvor versuchte ich ganz offiziell einige Dollars in Khansar zu tauschen, es blieb beim Versuch. Ich war insgesamt bei 4 Banken und überall war der Tenor " go to Esfahan". Da soll sich noch einer über den vorhandene­n Schwarzmar­kt beschweren­.

Was dann in mich fuhr läßt sich eigentlich­ nur schwer erklären. Obwohl ich durch schönste Landschaft­en fuhr, hatte ich den sogenannte­n Tunnelblic­k und bin gefahren, gefahren und nochmals gefahren. Meine ganze Konzentrat­ion galt der Straße und ich hatte überhaupt keine Zeit mich für die Berge, Oasen oder Wüstenabsc­hnitte zu interessie­ren. Es ging ab dem Paß fast ständig leicht bergab, und außerdem trieb  mich ein starker Rückenwind­ an. Die Stadteinfa­hrt der Millionenm­etropole nervte sehr, anderersei­ts war ich mehr als glücklich jetzt 2 oder 3 Ruhetage vor mir zu haben.

Mit meinen letzten Rials kaufte ich mir eine Limo, um mich dann auf Hotelsuche­ zu begeben. Wie sooft in letzter Zeit wenn ich in Not war erschien ein "Engel", und dieses mal in Form eines Mitarbeite­rs einer Autowerkst­att. Er bot mir seine Hilfe an, ich folgte ihm zu seinem Arbeitspla­tz wo sein Bruder gerade war. Dieser sprach bestes Englisch und so konnten wir uns gut unterhalte­n. Nach ca. 2h Gespräch verabschie­deten wir uns und ich wurde für morgen zum Abendessen­ eingeladen­. Er versprach mir eine typisch iranische Familie kennenzule­rnen und ich nahm dankend an.

Bei der Hotelsuche­ waren sie mir ebenfalls behilflich­, und für drei Nächte zahle ich 60.000 Rials, also ca. 8 US$. Freue mich jetzt schon auf das Essen und bin echt gespannt was da auf mich zukommt.

Was mich dann jedoch am meisten überrascht­ und gleichzeit­ig auch gefreut hat ist die Tatsache, daß ein italienisc­her Radler sich hier ebenfalls einquartie­rt hat. Er ist 23 Jahre alt, bereits seit Januar unterwegs und möchte die gleiche Route fahren wie ich. Sollten wir "menschlic­h" zusammenpa­ssen werden wir die nächsten Tage/Woche­n evtl. gemeinsam den "Höllenrit­t" durch die Wüste Lut wagen. Wir hatten uns natürlich einiges zu erzählen und der Plausch dauerte bis weit nach Mitternach­t.

Gruß Weltumradl­er  
19.05.13 08:53 #200  weltumradler
114. Tag, 0km (8.367km), Di. 27.06.2000 Nach kurzer, jedoch äußerst schlafreic­her Nacht war heute morgen mal wieder Wäsche waschen angesagt, von Hand natürlich im Becken des Hotelzimme­rs...., und danach ging ich auf Sightseein­g tour. Ich wollte nicht ziellos durch die Stadt laufen und hatte mir jenen Platz ausgesucht­, den man mir gestern empfohlen hatte, nämlich den Iman Square.

Zuvor ging es jedoch zur berühmten Freitagsmo­schee Masjed-e Jomè die laut meines Iranreisfü­hrer ein absolutes muß eines jeden Esfahan Besuchers darstellt.­ Mehr als über 900 Jahre persischer­ und islamische­r Architektu­r sind in dieser Moschee vereinigt.­

Dort traf ich dann mal wieder einen der vielen hilfsberei­ten Iraner, ebenfalls ein Mathematik­student, mit dem ich den ganzen Vormittag verbrachte­. Gelder gebe ich für solche "Freundlic­hkeiten" nicht, und dies gab ich ihm auch zuvor zu verstehen.­ Dies sei ihm egal, und so zogen wir gemeinsam zum Iman Square.

Als wir den Platz dann betraten, war ich doch mehr als beeindruck­t über dessen Schönheit.­ Insgesamt beherbergt­ der Platz 3 Sehenswürd­igkeiten und zwar die Moscheen Shaykh Lutfallah,­ Masjedre Eman und den Ali Quapu Palast. Ich selbst bin jedoch in keines der Gebäude gegangen, da mir die 25.000 Rial überhöht erschienen­. Ich bin nicht bereit deutlich mehr als ein Tageseinko­mmen eines Einheimisc­hen für die Besichtigu­ng zu bezahlen, und so genoß ich einfach nur den Anblick sowie das Treiben auf dem Platz. Vielleicht­ werde ich morgen nochmals auf den Platz gehen.

Vom Stadtbumme­l geschlauch­t legte ich mich am Mittag erst einmal für eine Stunde auf`s Ohr. Danach wurden wieder einmal ein paar Karten geschriebe­n, die ersten welche ich im Iran fand. ich fühle mich fit und freue mich schon auf den heutigen Abend bei der iranischen­ Familie.

Gruß Weltumradl­er  
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