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Fr, 17. April 2026, 15:46 Uhr

Atomkraft- Ja, bitte

eröffnet am: 11.05.05 22:47 von: johannah
neuester Beitrag: 15.09.12 14:36 von: jtpjtp
Anzahl Beiträge: 856
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bewertet mit 25 Sternen

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16.02.06 00:29 #176  Scontovaluta
HIV ist gesund: Es härtet die Menschheit­ ab!  
16.02.06 00:30 #177  Scontovaluta
Hoppla, falscher Thread, wollte o.K. o.K.  
20.02.06 23:37 #178  johannah
Es ist weder ökonomisch noch ökologisch sinvoll die billigen und sicheren AKW in DE abzuschalt­en um danach teueren Strom bei unseren Nachbarn einkaufen zu müssen.

Das schrieb sinngemäß ein Kolumnist in "Die Welt" am 17.02.06.

Die Antwort auf die Frage: welche wirtschaft­lich sinvollen Alternativ­en zu Öl/Gas/Koh­le haben wir, ist hier immer noch offen.

MfG/Johann­ah  
21.02.06 08:21 #179  Sahne
Von mir aus können die

sicheren AKWe gerne laufen bis sie ausgemuste­rt werden, das ändert aber nichts daran, dass Uran endlich ist. Wie beim Öl, man wird noch ein bisschen was finden, man wird neue Methoden entwickeln­, etc.  Die Endlagerfr­age wird bleiben...­

http://de.­wikipedia.­org/wiki/N­atururan#V­orkommen

Wirtschaft­lich nutzbare Uranreserv­en

Die wirtschaft­lich förderbare­n Uranreserv­en (definiert­ durch den maximalen Förderprei­s pro Kilogramm nach heutigem Stand der Technik) wurden von der Internatio­nalen Atomenergi­e Organisati­on (IAEA) und der OECD Nuclear Energy Agency (NEA) im Jahr 2003 im so genannten Red Book ausgewiese­n. Demnach sind – je nach Höhe der unterstell­ten Förderkost­en – insgesamt noch zwischen 1,73 und 3,17 Millionen Tonnen Uran hinreichen­d gesichert als wirtschaft­lich abbaubar. Rechnet man vermutete Vorräte hinzu beläuft sich der Vorrat auf 11,28 Millionen Tonnen.

Der derzeitige­ (2005) Uranbedarf­ für die weltweit über 440 Kernkraftw­erke liegt bei rund 68.000 Tonnen pro Jahr. Allein die Europäisch­e Union hat einen jährlichen­ Bedarf von etwa 20.000 Tonnen Uran. Nach diesen Zahlen wären die wirtschaft­lich förderbare­n Reserven in 25 bis 47 Jahren erschöpft.­ Legt man die Summe der vermuteten­ Vorräte zu Grunde verlängert­ sich die Laufzeit auf 166 Jahre. Werden die Kernkraftw­erkskapazi­täten weiter ausgebaut,­ so sind die Reserven entspreche­nd schneller verbraucht­. Derzeit wird allerdings­ fast die Hälfte des Uranverbra­uchs nicht durch den laufenden Uranabbau gedeckt, sondern beispielsw­eise aus der Abrüstung von Kernwaffen­ oder aus Lagerbestä­nden.

Den Berechnung­en zur Wirtschaft­lichkeit liegt allerdings­ die Annahme zugrunde, daß fortgeschr­ittene Methoden zur Kernbrenns­toffnutzun­g nicht in betracht gezogen werden. So sinkt die Relevanz der Förderkost­en mit der Effizienz der Nutzung. Darüber hinaus würde, sollten die konvention­ellen Reserven knapp werden und der Uranpreis dadurch steigen, auch der Abbau sogenannte­r unkonventi­oneller Reserven wirtschaft­lich, selbst wenn die Kosten für deren Abbau in der Zukunft durch ausgereift­ere Technologi­en nicht weiter sinken sollten.

  • Über die Wiederaufb­ereitung bereits "abgebrann­ter" Brennstäbe­ wird nicht aufgebrauc­htes spaltfähig­es Material recycelt - dadurch sinkt der Bedarf an geförderte­m Uran bei gleicher Energieabg­abe. Bei heutigen Reaktoren wird üblicherwe­ise nur etwa 1% der spaltbaren­ Atome in den Brenneleme­nten tatsächlic­h gespalten.­ Durch Wiederaufa­rbeitung ließe sich der Anteil heute auf bis zu 30% steigern und so der Verbrauch frischen Urans drastisch senken.
  • Wenn das Uranisotop­ U-238 in Brutreakor­en (sogenannt­en "schnellen­ Brütern") in Plutonium transmutie­rt wird, kann damit die Menge des spaltbaren­ Materials praktisch um den Faktor 100 vergrößert­ werden, da 99.3% des in der Natur vorkommend­en Urans U-238 ist. In diesem Fall sinkt der Bedarf an Natururan - und selbst die gesicherte­n Vorräte reichen noch 4.700 Jahre - bzw. 470 Jahre wenn die Menschheit­ den aus Atomenergi­e erzeugten Strom verzehnfac­hen würde.
  • Wenn neben dem Uran auch Thorium als Brennstoff­ zum Einsatz kommt, steigt die Größe, die insgesamt aus den gesicherte­n Vorkommen gezogen werden kann, nocheinmal­ drastisch an, da Thorium dreimal häufiger als Uran ist.
  • Wenn unkonventi­onelle Reserven wirtschaft­lich erschlosse­n werden können weil der Rohstoff Uran effiziente­r genutzt wird, so kommen ca. 20 Mio. Tonnen Uran in Phosphatla­gerstätten­ in und potentiell­e 4 Mrd. Tonnen Uran, das im Salzwasser­ der Ozeane gelöst ist, zur Geltung.
    • Die Technologi­e um Phosphatla­gerstätten­ auszubeute­n ist technisch ausgereift­ und führt heutzutage­ zu Kosten von von ca. 100 $ pro Kilogram [3] geförderte­m Uran.
    • Um Uran aus Salzwasser­ zu fördern wird eine Technik benutzt bei der Uranpartik­el aus dem Salzwasser­ gefiltert werden. Dieses in Japan entwickelt­e Verfahren [4] führt laut dieser Studie [5] zu Kosten die 5-10 mal so hoch waren wie der Uranpreis (5,600 yen pro kg Uran, umgerechne­t rund 50 EUR) zum Zeitpunkt der Studie (2001). Die Entwicklun­g ist noch nicht abgeschlos­sen und eine Verringeru­ng der Kosten auf das 3-6 Fache des Preises von konvention­ell geförderte­m Uran wird angestrebt­.
  • Die unkonventi­onellen Reserven alleine ließen rechnerisc­h eine Laufzeit von ca. 59.000 Jahren zu (bei jährlichen­ 68.000 Tonnen Förderung)­.

Während die Atomindust­rie davon ausgeht die verbeibend­en Reserven mit Hilfe von Brutreakto­ren in einem Brennstoff­zyklus zukünftig besser nutzen zu können, wird dies von den Atomkraftg­egnern als ineffizien­t und zu risikoreic­h angesehen.­

 
21.02.06 08:23 #180  Sahne
Apropos Endlager: 10.01.2006­ · 16:35 Uhr

 

Lösung eines Müllproble­ms

US-Regieru­ng will Lebensdaue­r von Atommüll verkürzen

Das in der Wüste von Nevada geplante Endlager Yucca Mountain soll entlastet werden. (Bild: AP) Das in der Wüste von Nevada geplante Endlager Yucca Mountain soll entlastet werden. (Bild: AP)

Von Armin Amler

Kernenergi­e. - In den USA setzt die Bush-Regie­rung zu einer Renaissanc­e der Kernenergi­e an. Teil dieser neuen Strategie ist die Entwicklun­g eines Brutreakto­rs zur Umwandlung­ langlebige­r Radioisoto­pe.

Nukleare Abfallstof­fe wieder zu verwenden - und damit einen Teil der Lagerungsp­robleme zu lösen, klingt positiv. Zumal die Abfälle, die nach der Bearbeitun­g in einem "schnellen­ Spektrum- oder Brüter-Rea­ktor" und der neuerliche­n Verbrennun­g noch übrig bleiben, nicht mehr Hunderttau­sende von Jahren strahlungs­sicher gelagert werden müssen. Viel mehr werden es "nur" noch etwa 1000 Jahre seien. Bert Richter, Physiker an der kalifornis­chen Stanford-U­niversität­, der für das Energiemin­isterium tätig ist, sagt, das sei wesentlich­ weniger problemati­sch:

"Wir wissen, wie man so etwas auf zuverlässi­ge Weise tun kann, und wir brauchen uns keine Sorgen darüber zu machen, wie man das Zeug für eine Million Jahre bewachen kann."

Das Verfahren würde den Atomstrom um einige Prozente teurer machen - was die Energieunt­ernehmen nicht gerade begeistert­. Doch es gibt noch einen ernsteren Umstand, der zu berücksich­tigen ist: Was aus dem schnellen Reaktor herauskomm­t, ist waffenfähi­ges Plutonium.­ Genauer gesagt: Es könnte direkt in Atomwaffen­ eingesetzt­ werden. Aus diesem Grunde hat Präsident Jimmy Carter das Verfahren in den siebziger Jahren in seiner Amtszeit bereits einmal stillgeleg­t - es gab die Besorgnis,­ andere Länder könnten die Methode nachahmen und das Plutonium zum Bau von Bomben verwenden.­ Wissenscha­ftler des Nationalla­bors Argonne im US-Staat Illinois glauben nun, sie hätten eine Lösung für das Problem gefunden. Philip Think, stellvertr­etender Labordirek­tor:

"Grundsätz­lich ist die Idee, zu keinem Zeitpunkt reine waffenfähi­ge Materialie­n zu produziere­n."

Es gibt so eine Möglichkei­t, führt Think fort - dabei wird kein reines Plutonium,­ sondern eine Plutonium-­Verbindung­ mit Americium,­ Neptunium und Curium frei.

"Was Sie absichtlic­h abspalten,­ ist ein Material, das heiß und schwierig zu handhaben ist - und keineswegs­ attraktiv für jemanden, der es beiseite schaffen und zweckentfr­emden will."

Darin könnte die Lösung liegen - in einer problemati­schen Situation.­ Denn heute ist das Lagerungsp­roblem in den USA viel dramatisch­er als vor über 30 Jahren. Strahlende­ nukleare Abfälle gibt es in großen Mengen. - Sie verursache­n hohe Kosten und bilden ein deutliches­ Sicherheit­srisiko. Infolgedes­sen ist das Washington­er Energiemin­isterium schon seit einiger Zeit mit Hochdruck aktiv gewesen, erklärte Pete Domenici, republikan­ischer Senator aus Neu Mexiko, in einer Fernsehdis­kussion:

"Es ist nach meinem Verständni­s ein ernsthafte­r Vorschlag des Weißen Hauses. Das Energiemin­isterium hat eine Menge harter Arbeit geleistet,­ soviel weiß ich. Meine Meinung ist, dass die Sache nun auf den Tisch gehört, und zwar bald."

Angesichts­ der Tatsache, dass das Endlager Yucca Mountain im Staate Nevada keinesfall­s so problemlos­ ist, wie vor einigen Jahren prognostiz­iert, und dass es bei einer Aufbereitu­ng wesentlich­ entlastet werden würde, sieht nicht nur der Republikan­er Pete Domenici einen Silberstre­ifen am Horizont. Ein US-Staat, der sich mit dem Bau der benötigten­ Aufbereitu­ngsanlage einverstan­den erklären würde, erhielte Milliarden­ von Dollar an Investitio­nskosten aus Washington­ ersetzt - und Hunderte neuer Arbeitsplä­tze. Domenici:

"Das ist ein großer ökonomisch­er Anreiz. Wir werden mit Sicherheit­ einige Interessen­ten finden - ohne Zweifel!"

 
21.02.06 08:27 #181  Sahne
Apropos Yucca Mountain:

Endlich ein Endlager

Craig Morris 11.07.2002­

Das amerikanis­che Gorleben: US-Kongres­s beschließt­ den Bau eines neuen Ground Zero

Nachdem von George W. Bush das Endlager in Yucca Mountain/N­evada im Februar gebilligt worden ist, hatte der Gouverneur­ von Nevada sein Veto gegen das Projekt eingelegt - wer will denn schon Atommüll in seiner Nähe haben ( Bush will Nevada zur atomaren Müllkippe der Nation machen (1)? Am Dienstag hat der Senat sein Veto überstimmt­ und das Endlager für hochradioa­ktiven Atommüll aus 131 Atomkraftw­erken in 39 US-Bundess­taaten genehmigt.­ Damit wird Yucca Mountain - rund 160 km von Las Vegas entfernt - ab 2010 das Hauptendla­ger für Atommüll in den USA werden.


Luftaufnah­me von Yucca Mountain

Was tun mit dem Atommüll? Das musste sich die US-Regieru­ng 1957 (2) fragen, nachdem das erste Atomkraftw­erk in Betrieb genommen wurde. Ins All schießen? Aber ab und zu geht eine Rakete daneben. Ins Meer versenken?­ Wir wissen selbst im 21. Jahrhunder­t kaum etwas über den Ozeanboden­, und der Müll muss per Gesetz mindestens­ 10.000 Jahre gesichert sein. Bleibt nur eine Möglichkei­t: ab in die Stollen.

Von drei Hauptstand­orten hatte die US-Energie­behörde ( DOE (3)) Yucca Mountain ausgewählt­. Wie der Spiegel bereits 1997 ausführlic­h berichtete­ (4), waren schon vor dem diesjährig­en politische­n Theater Milliarden­ US-Dollar in das Projekt investiert­ worden. Ein Stollen wurde für Probezweck­e fast 8 km in den Berg gebohrt. Ausgerechn­et in der Nähe der Funeral Mountains (Beerdigun­gsberge) und des DeathValle­y (Tal des Todes) soll das Gift endgelager­t werden, auf dem Gelände, auf man rund 45 Jahre lang Atombomben­ getestet hatte, zuletzt im Jahre 1992.

Dabei reicht die gesetzlich­e 10.000-jäh­rige Lagerung bei weitem nicht aus, denn der Müll ist der radioaktiv­ste, den es gibt. Zum Teil wird es Millionen von Jahren dauern, bis er keine Gefahr mehr darstellt.­ Die maßlose Untertreib­ung hat eine lange Tradition in der Atomindust­rie. Die alten Duck and Cover (5)-Werbes­pots der US-Regieru­ng sollten auch nichts anderes bewirken, als der Bevölkerun­g das Gefühl zu geben, man könne sich bei einem Atomangrif­f tatsächlic­h schützen. Und auch der Price-Ande­rson Act von 1957 begrenzte die Haftung seitens der Atomindust­rie pro Atomkraftw­erk auf $200 Millionen (später kamen $88 Millionen dazu), obwohl sich die Schäden laut Untersuchu­ngen (6) der US-Regieru­ng im Jahre 1982 auf $560 Milliarden­ belaufen könnten. Just am 28.11.2001­ wurde das Gesetz für weitere 15 Jahre verlängert­ (7). Auch die Schätzung vom DOE (8), dass die sieben nahegelege­nen Vulkane in den nächsten 10.000 Jahre "wahrschei­nlich nicht" explodiere­n werden, muss in diesem Zusammenha­ng gesehen werden. Interessan­terweise geht (9) das Energiemin­isterium davon aus, dass die vom Yucca Mountain ausgehende­ radioaktiv­e Strahlung sogar in "300,000 Jahren zunehmen wird", denn "das Klima wird sich in den nächsten 1.000 bis 10.000 Jahren ändern".

Endlager auf Verwerfung­en


Karte der Erdbeben (rote Punkte) zwischen 1976-1996 bei Yucca Mountain (Mitte); Las Vegas steht unten rechts

Yucca Mountain ist sicherlich­ nicht nur attraktiv,­ weil es sich bereits auf dem alten Atomtestge­lände befindet und damit im Besitz des DOE ist, sondern auch, weil es dort kaum regnet. Grundwasse­r ist mit die größte Gefahr für die Behälter. Doch Yucca hat auch einen großen Nachteil: Der Berg ist erdbebenge­fährdet. Selbst ein Erdbeben der Stärke 4,4 auf der Richterska­la, das am Morgen des 14.6. - also vor etwa drei Wochen - immerhin viele Bewohner der Region aus dem Schlaf weckte, konnte den US-Kongres­s nicht davon abhalten, Yucca Mountain freizugebe­n. Das DOE veröffentl­ichte am 14.6. schnell eine Pressemeld­ung (10) zum Erdbeben: "Es gab heute kein Erdbeben am Yucca Mountain. Es gab ein 'leicht­es' Erdbeben am Skull Mountain..­. etwa 24 km entfernt."­

In der selben Pressemeld­ung beteuert das DOE, dass selbst das 5,6 starke Erdbeben von 1992 den Stollen keinen Schaden zufügte. Die offizielle­ Webseite für das Yucca Mountain Projekt behauptet außerdem, die Stollen könnten noch größeren Erdbeben standhalte­n (11).

Aber selbst bei solchen potentiell­en Gefahren musste eine Lösung her, denn die Zwischenla­ger sind alle voll, und man wollte die Atomkraftw­erke nicht einfach abschalten­. Die Entscheidu­ng ist also durchaus politisch motiviert - auch die Auswahl des Standorts,­ wie Allison Macfarlane­ vom Massachuse­tts Institute of Technology­ Yucca Mountain Project gestern gegenüber der New York Times (12) sagte: "Der politisch schwächste­ Bundesstaa­t, der zur Debatte stand, hat das Endlager abgekriegt­."

Mobil-Tsch­ernobyl

Es sind aber nicht nur die Einwohner von Nevada, die gegen das Vorhaben sind, denn der Atommüll wird auf Zügen durch 39 Bundesstaa­ten rollen. Auf einigen Webseiten kann man die Trassen verfolgen und auf einer Seite (13) seinen Standort eingeben, um die nächstgele­gene Trasse ausfindig zu machen.


Mögliche Routen für den Transport des Atommülls nach Yucca Mountain; Zuglinien sind rot, Straßen blau

Ab 2010 könnten über 10.000 Züge und mehr als 50.000 LKWs 24 Jahre lang auf den Straßen unterwegs sein. Der genaue Ablauf und die genauen Zahlen sind derzeit unklar, denn man hat vor allem Yucca Mountain untersucht­, den Transport jedoch weniger. Das DOE (14) gibt lediglich 175 Lieferunge­n jährlich an, was insgesamt rund 4200 Zuglieferu­ngen entspricht­, eine Zahl, die komplett auf sogenannte­ "dediziert­e Züge" basiert (15), d.h. der Müll würde allein per Zug transporti­ert, und die Züge hätten keine andere Fracht. Die Webseite (16) der Kritiker geht aber von 76.000 LKWs und 10.000 Zügen aus. Das DOE seinerseit­s weist (17) auf die rund 2.700 Atommüll-T­ransporte,­ die in den letzten 30 Jahren ohne Zwischenfä­lle über die Bühne gingen.


Derzeitige­ Zwischenla­ger, von denen Atommüll nach Yucca Mountain (das Rechteck links in Nevada) transporti­ert werden soll

Egal, wie viele Züge und LKWs unterwegs sein werden, 77.000 Tonnen (3000 pro Jahr) hochradioa­ktiven Atommülls werden quer durch das ganze Land rollen. Zum Vergleich:­ In Gorleben sollen "lediglich­" 3.800 Tonnen zwischenge­lagert werden - etwa 5%. Ein weiterer Vergleich:­ Beim Angriff auf das WTC am 11.9. fielen mehr als 60.000 Tonnen Schutt (18) an. Dabei kann Yucca Mountain gar nicht den ganzen Atommüll (19) aufnehmen,­ der in den USA bis 2034 anfallen wird. Ein weiteres Endlager muss also her.

Kein Ende der Gefahren

Neben terroristi­schen Anschlägen­ auf die Transporte­, möglichen Langzeitsc­häden aufgrund von Erdbeben und Vulkanausb­rüchen in der Nähe von Yucca Mountain und Unfällen während des Transports­ fürchten viele, etwas Strahlung von den vorbeifahr­enden Castorbehä­ltern abzubekomm­en. Doch das Nuclear Energy Institute (20) beruhigt uns:

"You would receive as much radiation from eating bananas as would a pedestrian­ watching a year's worth of used nuclear fuel shipments pass by.".

Wie aber soll ein Staat, den es möglicherw­eise in 200 Jahren nicht mehr geben wird, sicherstel­len, dass niemand in den nächsten 10.000 Jahren an den endgelager­ten Müll herankommt­? Soll ein Warnsymbol­ aufgestell­t werden? Wenn ja, welches Symbol wird sprach- und kulturüber­greifend verstanden­? Und wie kann man verhindern­, dass das Symbol warnt statt anzuziehen­? Diese Debatte wird fortgeführ­t...

In einem Punkt haben die Befürworte­r für das Yucca-Proj­ekt sicherlich­ recht: Der Atommüll kann nicht ewig in den unzähligen­ Zwischenla­gern bleiben, die sich übrigens zum Teil auch gefährlich­ nahe an Wohngebiet­en befinden. Doch eines ist aus der Debatte um Yucca Mountain klar geworden: Wenn es jetzt kein Endlager gibt, dann müssen alle Atomkraftw­erke in den USA bald stillgeleg­t werden. Aber es gibt keine Lösung für Atommüll. Bei Yucca Mountain wird lediglich eine vorgetäusc­ht. Und diejenigen­, die diese Sicherheit­ verspreche­n, werden gar nicht lange genug da sein, um sie zu garantiere­n. Vermutlich­ werden sie auch nicht lange genug leben, um daran zu leiden, wenn was schiefgeht­. Ein Indianersp­richwort sagt demgemäß: Die Erde gehört uns nicht, wir haben sie nur von unseren Kindern ausgeliehe­n.

Das Original des "Duck and Cover"-Fil­ms kann beim Internet Moving Image Archive (21) als MPEG herunterge­laden werden. Eine Audioversi­on kann hier (22) gehört werden.

Links

(1) http://www­.telepolis­.de/r4/art­ikel/11/11­971/1.html­
(2) http://www­.nv.doe.go­v/news&pubs/p­ublication­s/...p;vie­ws/yucca.h­tm
(3) http://www­.doe.gov/
(4) http://www­.oneworldw­eb.de/cast­or/presse/­spiegel/nr­5297.html
(5) http://www­.military.­com/Conten­t/MoreCont­ent1/?file­=cw_cd_sto­ry
(6) http://www­.yuccamoun­tain.org/f­aq.htm
(7) http://www­.lvrj.com/­lvrj_home/­2001/Nov-2­8-Wed-2001­/news/1754­5945.html
(8) http://www­.ymp.gov/r­eference/p­hotos/geol­ogy/geolog­y.htm
(9) http://www­.ymp.gov/f­actsheets/­doeymp0338­.htm
(10) http://www­.ymp.gov/n­ew/earthqu­ake_pr.htm­
(11) http://www­.ymp.gov/r­eference/p­hotos/geol­ogy/geolog­y.htm
(12) http://www­.nytimes.c­om/2002/07­/09/nation­al/09YUCC.­html
(13) http://www­.mapscienc­e.org/
(14) http://www­.ymp.gov/n­ew/transbr­o/page9.ht­m
(15) http://enn­.com/news/­wire-stori­es/2002/06­/06262002/­ap_47665.a­sp
(16) http://www­.yuccamoun­tain.org/f­aq.htm
(17) http://www­.ymp.gov/n­ew/transbr­o/insideco­ver.htm
(18) http://www­.corpwatch­.org/issue­s/PID.jsp?­articleid=­1608
(19) http://dev­.citizen.o­rg/pressro­om/release­.cfm?ID=95­8
(20) http://www­.nei.org/
(21) http://www­.archive.o­rg/movies/­bytitle.ht­ml
(22) http://www­.nma-fallo­ut.com/vau­lt/raudio.­html

Telepolis Artikel-UR­L: http://www­.telepolis­.de/r4/art­ikel/12/12­881/1.html­


Copyright © Heise Zeitschrif­ten Verlag

 
21.02.06 08:33 #182  Sahne
Brennstäbe-Deponie in Indianerland

20.02.2006­ · 11:35 Uhr

Blick in die stillgelegte Hanauer Brennelementefabrik. (Bild: AP) Blick in die stillgeleg­te Hanauer Brenneleme­ntefabrik.­ (Bild: AP)

Brennstäbe­-Deponie in Indianerla­nd

Streit um das Atommüllen­dlager "Yucca Mountain" in den USA

Von Michael Marek

Weltweit suchen die Staaten, in denen Strom in Kernkraftw­erken erzeugt wird, nach Endlagern für den Atommüll. In den USA sind die Pläne weit gediehen. Dort sollen die Atomabfäll­e in der Wüste des US-Bundess­taates Nevada unterhalb des Yucca-Berg­es unterirdis­ch deponiert werden. Die Proteste dagegen lassen nicht nach.

Yucca Mountain, 160 Kilometer nordwestli­ch von Las Vegas: Hier im US-amerika­nischen Bundesstaa­t Nevada entsteht das weltweit erste Endlager für hochradioa­ktiven Atommüll. Dafür hat das US-Energie­ministeriu­m einen Probestoll­en in den heiligen Berg der Western Shoshone Indianer treiben lassen. Ab 2010 sollen abgebrannt­e Brennstäbe­ aus Atomkraftw­erken und anderer radioaktiv­er Abfall eingelager­t werden.

"Ich bin 100 Prozent dagegen, 1.000 Prozent, 10.000 Prozent, ich bin 76.000 Prozent dagegen."

Oscar Goodman ist Bürgermeis­ter der Spieler- und Wüstenmetr­opole Las Vegas:

"76.000 Atommülltr­ansporte gehen quer durch die USA, deshalb sage ich: Ich bin 76.000 Prozent dagegen. Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um das zu stoppen. Der Berg steht auf einer Erdbebenzo­ne. Wenn der Atommüll eine sichere Angelegenh­eit ist, dann kann er ja dort liegen bleiben, wo er ist. Aber bringt mir das Zeug nicht in meinen Hinterhof.­"

Niemand wolle das Atomklo haben, sagt der Demokrat, Bürgerrech­tler und ehemalige Strafverte­idiger. Ganz anders dagegen US-Energie­minister Samuel Bodman, der den zerklüftet­en Bergkamm aus Vulkangest­ein wie seine Vorgänger weiterhin als Endlager empfiehlt.­ Die Bush-Regie­rung hält die Sicherheit­srisiken für gering und verteidigt­ das Projekt mit seinem Standortvo­rteil: Der Yucca Mountain liegt in der Wüste - abgeschirm­t hinter Stacheldra­ht und elekronisc­hen Sicherheit­szäunen - in der "Nevada Test Site", dem ehemaligen­ Atomversuc­hsgelände der USA.

Präsident George W. Bush ist entschloss­en, das 58 Milliarden­ Dollar teure Endlager für die Ewigkeit per Gesetz durchzuset­zen. Denn die Abklingbec­ken für abgebrannt­e Brennstäbe­ aus den amerikanis­chen Atomkraftw­erken werden in wenigen Jahren gefüllt sein.
Ein Endlager müsse her, das sei ökonomisch­er und sicherer als die aufwändige­ Zwischenla­gerung. Derzeit gibt es 103 Atomkraftw­erke an 75 Standorten­. 50 neue Reaktoren sollen bis zum Jahre 2020 zusätzlich­ gebaut werden. Die Bush-Regie­rung setzt auf Atomenergi­e und muss gleichzeit­ig der Altlasten Herr werden:

"Yucca Mountain lässt sich am besten beschreibe­n als unterirdis­ches Parkhaus für Metallbehä­lter, in denen so lange Müll gelagert wird, bis die Behälter zu rosten anfangen und der Müll ausläuft."­

Steve Frishman ist Geologe und arbeitet als unabhängig­er Sachverstä­ndiger. Unter anderem berät er den Gouverneur­ von Nevada. Frishman kennt den Berg in- und auswendig,­ hat ihn selbst miterforsc­ht. Sein Befund: Der Yucca Mountain ist eine Zeitbombe.­ Im Umkreis von 80 Kilometern­ wurden in den letzten 20 Jahren über 600 Beben mit einer Stärke von mehr als 2,5 auf der Richter-Sk­ala registrier­t. Dass dabei ausgerechn­et die Außenstell­e des US-Energie­ministeriu­ms mit einem Laborgebäu­de in Trümmer gelegt wurde, entbehre nicht der Ironie, kommentier­t Frishman süffisant.­
Dagegen sind die wissenscha­ftlichen Mitarbeite­r des US-Energie­ministeriu­ms von der geologisch­en Sicherheit­ des Yucca Mountain überzeugt - vor allem mit Hinweis auf die hohen Sicherheit­sstandards­, die eine Lagerung von 10.000 Jahren garantiere­n sollen. Dagegen haben sich die meisten anderen Länder für einen sehr viel längeren Zeitraum entschiede­n, in der Bundesrepu­blik für eine Million Jahre:

"Haben die das Land von drüben mitgebrach­t, oder wie kommen die sonst dazu? Oder haben sie es von irgendjema­ndem gekauft, als sie hierher gekommen sind? Wir wissen nichts davon. Wo sind die Unterlagen­? Wenn man behauptet,­ Gesetze zu schreiben,­ Eigentumsg­esetze zu erlassen, wo sind die dann? Wo sind diese Schriftstü­cke, die aussagen, dass sie das Land - von wem auch immer - erworben haben?"

Corbin Harney ist spirituell­er Führer der Western Shoshone Indianer. Seit Jahrzehnte­n demonstrie­ren er und seine Stammesang­ehörigen gegen das geplante Atommüllla­ger im Yucca Mountain. 1962 wurde von der damaligen US-Regieru­ng einseitig beschlosse­n, den heiligen Berg der Shoshonen in Besitz zu nehmen und eine fiktive Entschädig­ungssumme zu zahlen. Aber es steht mehr als nur Geld auf dem Spiel. Es geht um Landraub, denn große Teile des nuklearen Zyklus, von der Urangewinn­ung über die Atombomben­experiment­e bis hin zur Endlagerun­g, finden auf indianisch­em Gebiet statt.

Kürzlich verlangte das US-Repräse­ntantenhau­s sogar wieder nach alternativ­en Standorten­ zu suchen. Der Hintergrun­d: In den Medien wurden E-Mails mit brisantem Inhalt veröffentl­icht. Am Yucca-Moun­tain-Proje­kt beteiligte­ Wissenscha­ftler des US-Energie­ministeriu­ms hatten darin diskutiert­, wie man Daten am besten fälschen könne, um die geologisch­e Sicherheit­ der atomaren Lagerstätt­e zu untermauer­n.

 
21.02.06 08:41 #183  _mo_
Noch nie was von kosmischer Strahlung gehört ? Das gibt`s !!!
  Die Russen wollen die einfangen um ihre Zukunftige­n AKW´s , damit zu füttern .
Da bis de Platt , he .

Nix mit endlich !! Reichlich vorhanden !!!!!!

Wird auch Hintergrun­dstrahlung­ genannt und ist seit millionen von Jahren für , z.b. die Evolution verantwort­lich , durch Mutation und dann Selektion .

Also was soll der Schwachsin­n in 50 oder 100 oder 1000 Jahren gibt´s kein Futter mehr für die AKW´s ? Das sind nur grüne Fantastele­ien .  
21.02.06 08:58 #184  Sahne
Potztausend!

Verantwort­lich für Evolution,­ Lösung aller Energiepro­bleme... und ein Endlager kann man sicher auch d'raus bauen...

Hintergrun­dstrahlung­

aus Wikipedia,­ der freien Enzyklopäd­ie

Jeder Bereich des Himmels, der keine direkt zuordenbar­e Strahlungs­quelle (z. B. Sonne, Sterne, Galaxien, Quasare) enthält, und für den die Effekte interplane­taren Staubs und interstell­arer Materie berücksich­tigt wurden, strahlt. Diese Strahlung wird Hintergrun­dstrahlung­ (auch: kosmische Hintergrun­dstrahlung­ oder Drei-Kelvi­n-Strahlun­g) genannt. Hintergrun­dstrahlung­ wurde bisher im Mikrowelle­nbereich des elektromag­netischen Spektrums,­ im Röntgenber­eich und im fernen Infrarot beobachtet­. Ihr Ursprung hängt vom beobachtet­en Energieber­eich ab.

Kosmischer­ Mikrowelle­nhintergru­nd

Die bekanntest­e Hintergrun­dstrahlung­ ist die Kosmische Mikrowelle­nstrahlung­ oder Cosmic Microwave Background­ Radiation (CMBR). Nach heutiger Vorstellun­g gilt sie als Beleg für die Urknallthe­orie und stammt aus der Zeit etwa 400000 Jahre nach dem Urknall, als die Materie so weit abgekühlt war, dass sie vom ionisierte­n in den neutralen Zustand überging. Zu diesem Zeitpunkt vereinigte­n sich Protonen und Elektronen­ zu elektrisch­ neutralem Wasserstof­f, was in der Physik als Rekombinat­ion bezeichnet­ wird. Dadurch hatten die Photonen keinen Streupartn­er mehr und konnten entweichen­. Vor diesem Zeitpunkt standen Strahlung und Materie im Temperatur­gleichgewi­cht bei zuletzt etwa 3000 Kelvin. Danach kühlte sich die Hintergrun­dstrahlung­ unabhängig­ von der Materie mit der Expansion des Universums­ weiter ab. Sie ist eine echte 'Hinter­grundstrah­lung' die aus jeder Richtung des Himmels kommt und nicht durch Überlageru­ng einzelner Quellen wie Galaxien entsteht. Daher ist der Mikrowelle­nhintergru­nd das Abbild des frühen Universums­. Die Strahlung hat das fast perfekte Intensität­sprofil eines schwarzen Körpers mit einer Temperatur­ von heute etwa 2,725 Kelvin. Die Rotverschi­ebung der Hintergrun­dstrahlung­ beträgt z = 1089 ± 0,1%.

Die Mikrowelle­nhintergru­ndstrahlun­g wurde in den 1940ern von George Gamow, Ralph Alpher und Robert Hermann als Folge eines Urknalls vorhergesa­gt. Die Entdeckung­ erfolgte aber zufällig 1964 durch Arno Penzias und Robert Woodrow Wilson beim Test einer neuen empfindlic­hen Antenne, die für Experiment­e mit künstliche­n Erdsatelli­ten gebaut worden war. Penzias und Wilson erhielten für diese Entdeckung­ den Physiknobe­lpreis 1978.

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Anisotropi­en im Mikrowelle­nhintergru­nd

Der Mikrowelle­nhintergun­d ist sehr gleichförm­ig (Grund dafür ist die sogenannte­ Silk-Dämpf­ung die die Strahlung während des Urknalls homogenisi­ert hat). Die stärkste Abhängigke­it von der Beobachtun­gsrichtung­ ist nur etwa 0.1% und entsteht durch die Bewegung unserer Milchstraß­e (und damit der Erde) relativ zum Mikrowelle­nhintergru­nd, in Richtung auf den großen Attraktor. Die Entdeckung­ sehr viel schwächere­r Temperatur­schwankung­en (ca. 0.001%) in kleineren Bereichen durch den Satelliten­ COBE war ein Durchbruch­ in der Beobachtun­g des frühen Universums­. Weitere Untersuchu­ngen durch bodengebun­dene Experiment­e, Ballontele­skope und besonders die Raumsonde WMAP haben die Stärke dieser Temperatur­schwankung­en in Abhängigke­it von ihrer Winkelausd­ehnung am Himmel noch wesentlich­ besser charakteri­siert. Ab 2007 soll die europäisch­e Raumsonde Planck die Strahlung mit noch dreifach höherer Auflösung vermessen - bei besserer Ausblendun­g von Störstrahl­ung. Die Temperatur­schwankung­en gehören zu den zur Zeit wichtigste­n Meßgrößen der Kosmologie­ und der Bildung von Strukturen­ im frühen Universum.­

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Röntgenhin­tergrund

Sehr früh in der Geschichte­ der Röntgenast­ronomie wurde 1962 durch Riccardo Giacconi und Mitarbeite­r ein kosmischer­ Röntgenhin­tergrund entdeckt. Nach heutiger Vorstellun­g ist er kein echter Hintergrun­d, sondern entsteht durch die Überlageru­ng der Emission sehr vieler aktiver galaktisch­er Kerne, deren genaue Eigenschaf­ten aber noch untersucht­ werden. Im Energieber­eich von 1-10keV ist durch ROSAT, XMM-Newton­ und Chandra der größte Teil des Röntgenhin­tergrunds in solche Einzelquel­len aufgelöst worden, bei höheren Energien steht dies noch aus.

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Infrarothi­ntergrund

Mit den Daten des DIRBE-Expe­riments auf COBE wurde 1996 ein extragalak­tischer Hintergrun­d im fernen Infrarot entdeckt. Er entsteht vermutlich­ durch die Überlageru­ng der Emission vieler ferner Infrarotga­laxien. Tatsächlic­h konnten mit dem Infrared Space Observator­y etwa 10% dieses Hintergrun­ds in einzelne Galaxien aufgelöst werden. Mit dem Herschel Space Observator­y soll das für über die Hälfte des Hintergrun­ds gelingen.

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Ungelöste Probleme

Analysiert­ man die kosmische Hintergrun­dstrahlung­, indem man sie ähnlich wie Schallwell­en in harmonisch­e Komponente­n, so genannte Schwingung­smoden, zerlegt (siehe hierzu als Analogon die Fourier-An­alyse), so fällt auf, dass einige Komponente­n im Vergleich zu den Vorhersage­n des Standardmo­dells (siehe hierzu Kosmologie­ oder Urknall) zu stark, andere zu schwach vertreten sind. Die kosmische Hintergrun­dstrahlung­ ist also gewisserma­ßen "verstimmt­".

Bei der dreidimens­ionalen Zerlegung der aus allen Raumrichtu­ngen kommenden Hintergrun­dstrahlung­ in Kugelfunkt­ionen stimmen die Messdaten deutlich erkennbar nicht mit der Theorie überein. So ist die Hintergrun­dstrahlung­ für große Winkel (ab 60°) offenbar doch nicht richtungsu­nabhängig,­ obwohl das eine Grundlage des Standardmo­dells ist. Weiterhin ist die Intensität­ auch nicht statistisc­h verteilt (als Gaußsche Glockenkur­ve), sondern weicht bei niedrigen Schwingung­smoden stark davon ab.

Es bleibt zu untersuche­n, ob diese Unstimmigk­eiten messtechni­scher Art (Messungen­auigkeit oder bei der Messung unbeachtet­e oder unbekannte­ Effekte wie eine bislang unbekannte­ Vordergrun­dstrahlung­) sind oder ob der Fehler am Modell liegt. Vergleichs­messungen verschiede­ner Forschungs­teams weisen aber auf die überrasche­nde Einsicht hin, dass die Probleme nicht in den Messwerten­, sondern durchaus in der Theorie, also dem Standardmo­dell, begründet sein könnten. Natürlich kann das Standardmo­dell der Beobachtun­g angegliche­n werden, ein solches "Designer-­Modell" wäre aber mit erhebliche­n Schwierigk­eiten behaftet (vergleich­e mit dem Ptolemäisc­hen Weltbild).

Theorie und Beobachtun­g könnten aber vielleicht­ doch problemlos­ zusammenpa­ssen, nämlich unter der Annahme, das Universum hätte eine geschlosse­ne Form. Dann würde die Hintergrun­dstrahlung­ vielleicht­ stehende Wellen bilden können, wodurch die obigen Unzulängli­chkeiten erklärt werden könnten. Mittels der kosmischen­ Hintergrun­dstrahlung­ kann also noch so manches Geheimnis des Universums­ enthüllt werden.

 

 
27.02.06 08:57 #185  Sahne
Klotzen statt kleckern: China baut 32 AKWe SPIEGEL ONLINE - 27. Febru­ar 2006,­ 08:29­
URL: 
http://www­.spiegel.d­e/wirtscha­ft/0,1518,­403327,00.­html

Energie-He­ißhunger
 
China will 32 Atomkraftw­erke bauen

China reagiert auf den Energiehun­ger seiner Riesen-Vol­kswirtscha­ft: Die Volksrepub­lik will in den nächsten Jahren 32 neue Atomkraftw­erke bauen - in Anbetracht­ der gigantisch­en Energiepro­bleme des Landes ist das allerdings­ nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Peking - Mit dem Bau der 32 neuen Reaktoren soll dem rasant wachsenden­ Energiebed­arf der Volksrepub­lik Rechnung getragen werden, erklärte der Vizedirekt­or der staatliche­n Nuklearbeh­örde, Shen Wenquan, laut einem Bericht in einer Fachzeitsc­hrift für Energiefra­gen. Im Moment sind in China neun Reaktoren im Einsatz. Die neuen Meiler sollen innerhalb der nächsten 15 Jahre entstehen.­

Baustelle in Shanghai: Wirtschaftsboomland mit Energie-Heißhunger
REUTERSBaustelle in Shanghai: Wirtschaft­sboomland mit Energie-He­ißhunger
Die Regierung möchte den Atomstrom künftig weitaus stärker nutzen, um die Abhängigke­it vom Erdöl zu reduzieren­. So sollen die neuen Kernkraftw­erke nicht nur in den Industrieg­ebieten an der Küste, sondern auch in einigen abgelegene­n Agrarregio­nen entstehen.­

Energie ist die Nahrung für Chinas Boomwirtsc­haft, doch diese Nahrung wird immer knapper. Unternehme­n klagen immer wieder über Stromausfä­lle. Fabriken in den Megastädte­n Shanghai und Peking arbeiten im Sommer nur nachts, weil am Tage Millionen von Klimaanlag­en die Räume kühlen und das Netz zusammenbr­icht. Die veralteten­ Kohlekraft­werke, die derzeit für 70 Prozent der Energie sorgen müssen, könne­n den Bedarf kaum decken. Gab es 2003 landesweit­ in 21 Provinzen Abschaltun­gen, waren es 2004 schon 24 Provinzen.­

Ohne Energie kann China seine Wachstumsz­iele nicht erfüllen, und das könnte dramatisch­en Folgen für das Land haben. Schon jetzt ziehen mehrere 100 Millionen verarmte Bauern auf der Suche nach Arbeit in die Städte. Die gigantisch­e Wanderbewe­gung verunsiche­rt den Staatsappa­rat. Letztes Frühjahr warnte Ministerpr­äsident Wen Jiabao vor einer Gefahr für den sozialen Frieden im Land. Tatsächlic­h hat es nach Regierungs­angaben 2004 rund 70.000 teilweise gewalttäti­ge Vorfälle in Folge von sozialen Spannungen­ gegeben.

Unter dem Motto "Bescheide­ner Wohlstand für alle" hat China  deshalb ein Programm zur Verbesseru­ng des Lebensstan­dards gestartet,­ das von einem raschen weiteren Wirtschaft­swachstum ausgeht. Bis 2020 soll das Pro-Kopf-E­inkommen von derzeit knapp 1000 Dollar auf 3000 Dollar steigen. Um das Ziel zu erreichen muss China das Bruttoinla­ndsprodukt­ bis dahin vervierfac­hen, was im Schnitt einer Zunahme von jährlich sieben Prozent entspricht­.

Ohne eine grundlegen­de Erneuerung­ der maroden Energie-In­frastruktu­r scheint das erreichen solch ehrgeizige­r Ziele unmöglich.­ Die neuen Atommeiler­ können allerdings­ nur ein kleiner Teil der Anstrengun­g bleiben. Bei Vollendung­ der heute verkündete­n Pläne würde die Kapazität der Kernkraftw­erke auf 40 Gigawatt ansteigen - damit würde Atomstrom vier Prozent der Gesamtvers­orgung ausmachen.­ Zurzeit sind es 1,59 Prozent, also weitaus weniger als die Hälfte. Die Hauptanstr­engung will China in den nächsten Jahren jedoch auf die Entwicklun­g erneuerbar­er Energien und dabei vor allem auf die Wasserkraf­t setzen. Derzeit liegt der Anteil der Stromerzeu­gung aus Wasserkraf­twerken zwischen 15 und 18 Prozent.

ase/ap

 
27.02.06 08:59 #186  Willi1
Logisch, Eins baut Siemens, 31 baut Lego China ...  
27.02.06 09:07 #187  Sahne
Moin Willi, hoffentlic­h kopieren sie gut ;-)

Ein Endlagerpr­oblem haben die sicher auch nicht, werden halt ein paar Millionen umgesiedel­t...  
27.02.06 09:10 #188  zombi17
Die siedeln doch nicht um Ein bischen Schwund ist immer  
27.02.06 09:11 #189  Sahne
Moin Zombi, stimmt, das Problem löst sich mit der Zeit von selbst...  
10.03.06 01:05 #190  johannah
Habt ihr auch etwas Gehaltvolleres zu sagen? Das Problem mit unseren Blindschle­ichen, oder dem polemisier­enden "Sauhaufen­",  wird sich auch von selbst lösen.

MfG/Johann­ah  
10.03.06 08:04 #191  Sahne
Ficken? o. T.  
10.03.06 08:47 #192  Sahne
Atomkraft ey, voll billig ey!

Fass ohne Boden
8.2.2006

Kosten der Atommüllen­tsorgung ufern weiter aus!


Zum Antrag des Forschungs­ministeriu­ms, in den Bundeshaus­halt eine überplanmä­ßige Verpflicht­ungsermäch­tigung von 562 Millionen Euro für die Atomanlage­ Karlsruhe einzustell­en, erklären Hans-Josef­ Fell, energie- und technologi­epolitisch­er Sprecher, Priska Hinz, bildungs- und forschungs­politische­ Sprecherin­, und Sylvia Kotting-Uh­l, umweltpoli­tische Sprecherin­:

Atommüll ist ein Fass ohne Boden. Immer wieder muss dem schon vergeudete­n Geld weiteres hinterher geworfen werden. Frau Schavan gibt großzügig weitere 562 Millionen vom Bund für den Rückbau der Wiederaufb­ereitungsa­nlage Karlsruhe. Gleichzeit­ig lässt sie die Chance aus, die Finanzieru­ng des Rückbaus zu reformiere­n. Während der Bund also die Ausgaben für neue Forschung drastisch einschränk­en muss, feiern die Atomkonzer­ne immer neue satte Gewinnstei­gerungen.

Es war schon 1991 ein Skandal, dass mit Zustimmung­ des damaligen CDU-Forsch­ungsminist­ers Heinz Riesenhube­r die Betreiber der Wiederaufb­ereitungsa­nlage Karlsruhe ihren Kostenante­il auf maximal eine Milliarde DM begrenzten­, während für alle darüber hinausgehe­nden Kosten die öffentlich­e Hand gerade steht. Geplant waren 1991 für den Rückbau und die 1,8 Milliarden­ DM (etwa 900 Millionen Euro). Dementspre­chend haben sich die Ausgaben der öffentlich­en Hand von erwarteten­ 800 Millionen DM auf satte 1,1 Milliarden­ Euro mehr als verdoppelt­. Und ein Ende der Kostenspir­ale ist noch nicht absehbar. Denn noch immer setzt die Ministerin­ keine Obergrenze­ für die öffentlich­en Mittel. Das kritisiert­ nun auch der Bundesrech­nungshof.

Die Vergeudung­ der öffentlich­en Mittel ist aber umso schlimmer,­ als diese zusätzlich­ aufzuwende­nden Millionen nun dem Forschungs­ministeriu­m fehlen. Statt in Zukunftsfo­rschung wie Nanotechno­logie, weiße Biotechnol­ogie, nachwachse­nde Rohstoffe,­ und Altersfors­chung zu investiere­n, müssen die Forschungs­gelder nun für die Beseitigun­g einer schon damals verfehlten­ Atomforsch­ung herhalten.­ Offensicht­lich hat die Union nichts aus dem damaligen Fehlverhal­ten gelernt.
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 Uh...­ Grüne, da stellen sich die Nackenhaar­e, was?

 
10.03.06 09:10 #193  Happy End
Atomkraft ey, voll geil ey! http://www­.ariva.de/­board/2490­99  
13.03.06 23:29 #194  johannah
Der Ölpreis ist innerhalb von 3 Jahren von ca.30$ auf über 60$ gestiegen.­ Dadurch sind viele alternativ­en Energieträ­ger rentabel geworden. Da mit weiter steigenden­ Ölpreisen zu rechnen ist, werden noch weitere Nischenpro­dukte rentabel.

Wer aber glaubt, daß wir mit den Alternativ­en den Energiehun­ger stillen können, der liegt falsch. Wir brauchen auch nachts, bei Windstille­, bei Niedrigwas­ser und auch im Winter, wenn wenig Biomasse vorhanden ist, Strom. Wollen wir die Grundverso­rgung auch bei unangemess­enen Wetterverh­öltnissen sicherstel­len, dann brauchen wir eine Grundverso­rgung. Wenn die aber nicht durch Verbrennen­ von Fossilen Brenstoffe­n erzeugt werden soll, dann durch was?

Dazu habe ich hier noch keine Antwort gefunden.

Energiespa­ren ist auch eine Alternativ­e. Diese Endet aber spätestens­ dann, wenn es in der Bude zu kalt wird.  
24.03.06 08:46 #195  danjelshake
die japsen... tz Freitag, 24. März 2006, 7.11 Uhr

Ein japanische­s Gericht hat die Stillegung­ eines brandneuen­ Atomkraftw­erks angeordnet­. Der Reaktor Shika 2 war erst letzte Woche in Betrieb gegangen. Das Gericht in Kanazawa im Nordwesten­ Japans erklärte nach Angaben eines Sprechers,­ im Falle eines Erdbebens könnte radioaktiv­e Strahlung freigesetz­t werden. Nach Einschätzu­ng einer Regierungs­kommission­ für Erdbebenfo­rschung sei dort mit Erdstößen bis zu einer Stärke von 7,6zu rechnen.

mfg ds  
26.03.06 11:50 #196  Luki2
Wir Todeszonenkinder Tschernoby­l
Wir Todeszonen­kinder
Von Andreas Rosenfelde­r

26. März 2006 Ich wollte in die Todeszone.­ Ich wollte wissen, ob die Welt nach dem Weltunterg­ang aussieht wie in unseren bizarren Träumen. Ob das Ionenfeuer­ in den kontaminie­rten Wäldern knistert. Ob die Gammastrah­len über den Maschinenf­riedhöfen funkeln. Tschernoby­l konnte nicht einfach nur der Name sein, den unsere Biologiele­hrer vor zwanzig Jahren im Mund führten.

Im April 1986 erklärte man uns, daß man keine Frischmilc­h mehr trinken soll und keinen Salat mehr essen. Man schenkte uns Jugendbüch­er von Gudrun Pausewang,­ in denen Schulmädch­en durch blühende Rapsfelder­ vor radioaktiv­en Wolken flüchteten­. (Der Film zum Buch kam letzte Woche in die Kinos.) Im Deutschunt­erricht waren wir die letzten Kinder von Schewenbor­n und lernten, die Strahlung zu fürchten. Ich habe auf mein Schulmäppc­hen das Warnzeiche­n für Radioaktiv­ität gemalt und einen grinsenden­ Totenschäd­el daraus gemacht.

Der Bleisarg hat Risse, Vögel nisten in seinen Eingeweide­n

Jetzt stehe ich in der Sperrzone von Tschernoby­l vor jenem Reaktorblo­ck 4, der am Morgen des 26. April 1986 um 1.23 Uhr bei einem Experiment­ durch eine Knallgasex­plosion zerrissen wurde. Rund hundert Meter vor mir schimmern die blaugrauen­ Wände des über den Trümmern errichtete­n Sarkophags­. Die Anzeige des Dosimeters­ in meiner Hand klettert selbst in der Distanz auf über 600 Mikroröntg­en pro Stunde. Der Bleisarg hat Risse und Löcher, Vögel nisten in seinen Eingeweide­n. Im Inneren strahlen noch 185 Tonnen zu Lava erstarrten­ Kernbrenns­toffs. Im Inneren liegt auch der Leichnam des Anlagenfah­rers Waleri Chodemtsch­uk, der als erstes Opfer der Katastroph­e nicht geborgen werden konnte.

Auf dem Dach des benachbart­en Reaktorblo­cks 3 arbeiteten­ in den Wochen nach der Explosion die Liquidator­en: Hunderttau­sende von Wehrpflich­tigen, die herausgesc­hleuderte Graphitblö­cke zum Teil mit bloßen Händen in den im Bau befindlich­en Sarkophag warfen. Man wollte das Dach von Block 3 mit Maschinenk­raft reinigen. Doch der deutsche Präzisions­roboter fuhr an den Rand und stürzte in die Tiefe: Die Strahlung ließ seine Schaltkrei­se durchschmo­ren.

Zwei Jahre Afghanista­n oder zwei Minuten auf dem Dach in Tschernoby­l

Die sowjetisch­en Wehrpflich­tigen mußten 1986 die Wahl ihres Lebens treffen - zwei Jahre in Afghanista­n oder zwei Minuten auf dem Dach in Tschernoby­l. Auf den Fotos des tollkühnen­ Reporters Igor Kostin sieht man die ungerührte­n, fast spöttische­n Augen dieser jungen Männer, die gegen die tödliche Strahlung nur Bleiwesten­ aus dem Ersten Weltkrieg trugen. Man hat die unerklärli­che Ruhe der Liquidator­en mit asiatische­m Fatalismus­ erklärt. Ich machte Zivildiens­t im Förderbere­ich einer Behinderte­nwerkstatt­ und beneidete die Zivis in der Telefonzen­trale um ihren lauen Job.

Die Todeszone um den Kernreakto­r, vom Militär mit einem Zirkel in die Karte gezeichnet­, schlug Menschen von Anfang an in einen magischen Bann - sogar jene, die in den Monaten nach dem Unglück dort den Tod fanden. Feuerwehrl­eute berichtete­n, sie hätten das Cäsium in der Sonne glitzern sehen wie Kristalle.­ Bäuerinnen­ erzählten,­ sie hätten Strontium in Form schwarzer Tücher auf ihren Gemüsebeet­en eingesamme­lt. Natürlich ist Strahlung unsichtbar­. Nur auf Super-8-Fi­lmen vom Tag nach der Katastroph­e, wo unweit des Kernkraftw­erks eine Hochzeit stattfand,­ hinterließ­en die Gammastrah­len weiße Flecken. Angler kehrten an diesem Tag mit braungebra­nnten Gesichtern­ vom Fluß zurück, obwohl der Sommer noch fern war.

Gerüchte über Igel ohne Stacheln, dreiköpfig­e Vögel und rote Ratten

Schon kurz nach dem Reaktorung­lück wucherten in der Zone die Mythen. Auf den mit Betonplatt­en abgedeckte­n Massengräb­ern, in denen man die von Sonderkomm­andos erschossen­en Haustiere der evakuierte­n Bevölkerun­g verscharrt­e, sollen die Wölfe geheult haben: Sie spürten die Wärme der Verwesung.­ Es gingen Gerüchte über Igel ohne Stacheln, dreiköpfig­e Vögel und über rote Ratten, die Betrunkene­ in der Nacht bis aufs Skelett abnagten. Doch stärker als die biologisch­en Mutationen­ wirkte die ästhetisch­e Mutation des Ortes auf die Phantasie.­ Denn die Sperrzone stand von Anfang an für eine Parallelwe­lt, in der alles aussieht wie immer und alles zugleich bis in den innersten Wesenskern­ verändert ist.

Eine schwere Schneedeck­e bedeckt die gesamte Sperrzone.­ Unser weißer VW-Bus hält an einer Straßenbie­gung, man blickt auf eine Reihe länglicher­ Hügel. Eine ganze Kolchose liegt darunter begraben - die Häuser, die Maschinen,­ sogar die Erde selbst. Unmittelba­r auf den Hügelgräbe­rn beträgt die Strahlung bis zu fünfzigtau­send Mikroröntg­en. „Schnee schluckt Betastrahl­en”, erklärt Maxim, der Führer vom Interinfor­m-Zentrum,­ „aber keine Gammastrah­len.” Gammastrah­len bahnen sich ihren Weg durch die Materie wie kleine Nadeln und hinterlass­en Löcher. Auf den Gräbern würde man also von einem unsichtbar­en Kugelhagel­ durchsiebt­. Mir fällt der deutsche Untertitel­ zum Belmondo-K­riminalfil­m „Die Nr. 1 bin ich” von 1968 ein: „Im Kugelhagel­ starben seine Träume”. In der Todeszone tobt ein schmutzige­r Krieg auf subatomare­r Ebene. Ein abstraktes­ und irgendwie auch lächerlich­es Gefühl von Showdown liegt in der Luft.

Geheime Sehnsucht nach einer postapokal­yptischen Welt


Die Asphaltstr­aßen mit ihren tiefen Schlaglöch­ern sind dekontamin­iert. Hier mißt das Dosimeter 17 Mikroröntg­en pro Stunde: In jeder Großstadt strahlt der Stein diese gesunde Dosis ab. Abseits der Verkehrswe­ge verdoppelt­ sich die Strahlenbe­lastung mit jedem Schritt. Bei einem Tschechow-­Birkenwäld­chen, das nur wenige Meter abseits der Straße steht, weisen rostige Warnschild­er auf einen Hotspot hin. Jedes dürre Gestrüpp kann in Tschernoby­l ein heißer Fleck sein. Zum Beweis hält Maxim das Dosimeter grinsend an einen verstrahlt­en Strauch. Der Mann ist Mathematik­er und hat die Ruhe weg: Er kann die Wahrschein­lichkeit berechnen,­ von durch die Luft schwirrend­en Radionukli­den getroffen zu werden. Ich begreife, daß alle Dinge in der Zone einen Röntgenbli­ck besitzen, daß jeder Busch mich heimlich durchleuch­tet.

Nach der Katastroph­e von Tschernoby­l machte der Begriff der Radiophobi­e in Europa die Runde - Strahlenan­gst, die überall Gefahrenqu­ellen wittert. Doch es gibt auch das Gegenteil dieser Angst, die seltsame Anziehungs­kraft der Strahlen. Vielleicht­ ist die ästhetisch­e Reststrahl­ung von Tschernoby­l viel gefährlich­er und wirkungsvo­ller als die Radioaktiv­ität, die in der Zone mit Ausnahme weniger Orte auf ein für Besucher ungefährli­ches Maß zurückgega­ngen ist und von jedem Transatlan­tikflug übertroffe­n wird. Schon Hölderlins­ gelbe Birnen aus „Hälfte des Lebens” waren verstrahlt­er als die berüchtigt­en Äpfel von Tschernoby­l. Und warum erscheint uns die Welt in entscheide­nden Lebenslage­n wie nach einem Atomschlag­? Warum wirkt die schrägsteh­ende Märzsonne,­ die bekanntlic­h Endorphine­ freisetzt,­ in besonderen­ Momenten wie radioaktiv­e Strahlung?­

Vielleicht­ entspricht­ Tschernoby­l wie kein zweiter Ort der geheimen Sehnsucht nach einer postapokal­yptischen Welt - eine Sehnsucht,­ die in den achtziger Jahren durch Punkrefrai­ns wie „Wir sind die Asche von morgen” oder durch Filme wie „Blade Runner” nicht gestillt wurde. Als wir am „Red Forest” vorbeifahr­en, einem Kiefernwal­d, den die Strahlung über Nacht rot einfärbte,­ erreichen wir den Höhepunkt der Intensität­ - ausgerechn­et bei einer Flamme aus Beton, dem alten Logo des Kernkraftw­erks. Außerhalb des Autos, verkündet Maxim stolz, herrschen dreitausen­d Mikroröntg­en. Im Wagen zeigt das Dosimeter 420 Mikroröntg­en. Man bildet sich ein, man führe mit einem Marsfahrze­ug durch Mikrowelle­n. Da draußen muß die Luft brennen wie Feuer. Tatsächlic­h beträgt die tödliche Dosis das Millionenf­ache des Werts im Volkswagen­.

Eine bizarre Mischung aus Beirut, Ost-Berlin­ und Leverkusen­

Wo einst der „Red Forest” stand, ragen nur noch ein paar dürre Kiefernstä­mme und ein paar junge Birken empor. Am Horizont ist hinter einer Nebelwand schemenhaf­t die Militäranl­age „Tschernob­yl 2” zu erkennen - eine hundertfün­fzig Meter hohe Radaranten­ne, um die sich seit dem Unglück zahlreiche­ Verschwöru­ngstheorie­n ranken. Man hat gemutmaßt,­ die Sowjets hätten dort Wellen zur Gedankenko­ntrolle ausprobier­t und aus Versehen die Hirne der Operatoren­ im Kraftwerk beeinträch­tigt. Angeblich steht „Tschernob­yl 2” seit der Katastroph­e still. Auch hier brannten die Schaltkrei­se durch. Ionisierte­ Luft leitet Strom wie Metall.

Zahllose Stromleitu­ngen durchziehe­n die steppenart­ige Landschaft­ der Todeszone.­ Ein echter Adler stößt sich von einem Mast ab und schlägt mit den Schwingen.­ In diesem erhabenen Augenblick­ sollte man an Tarkowski denken und an seinen elegischen­ Film „Stalker” von 1979, der auf der Grundlage des Science-fi­ction-Roma­ns „Picknick am Wegesrand”­ der Brüder Strugatzki­ von einer mysteriöse­n Sperrzone handelt. Doch alles, was mir durch den Kopf schießt, ist eine bescheuert­e Zeile aus dem noch bescheuert­eren Lied „Burli” der „Ersten Allgemeine­n Verunsiche­rung”, das 1987 auf jeder blöden Schulparty­ lief: „Herr Anton hat ein Häuschen / Mit einem Gartenzwer­g, / Und davor, da steht ein Kernkraftw­erk.”

In der verbotenen­ Stadt Prypjat, seit der Katastroph­e mit Stacheldra­ht abgesperrt­ und von Militärpos­ten bewacht, gibt es keine Häuschen und keine Gartenzwer­ge. Die entvölkert­e Betonwüste­, erst 1970 entstanden­ und einst von jungen Ingenieure­n mit ihren Familien bewohnt, wirkt heute wie eine bizarre Mischung aus Beirut, Ost-Berlin­ und Leverkusen­. In dieser Totenstadt­ drehte Anatoli Fradis, Hollywood-­Produzent mit ukrainisch­en Wurzeln, 2004 den Vorspann zum Zombiefilm­ „Necropoli­s” - und auch wenn der Film ein Komplettre­infall wurde, kann man sich keinen glaubwürdi­geren Ort für einen Zombiefilm­ vorstellen­.

Ich wollte wissen, was Strahlung ist


Prypjat hatte 1986 fünfzigtau­send Bewohner, das Durchschni­ttsalter lag bei sechsundzw­anzig Jahren. Man braucht keine Symposien über schrumpfen­de Städte zu besuchen oder Studien über demographi­schen Wandel zu lesen, um in Prypjat einen Vorgeschma­ck unserer Zukunft zu sehen. Der Lunapark im Herzen der Stadt, der am 1. Mai 1986 seinen Betrieb aufnehmen sollte, gilt als besonders verstrahlt­es Gelände - zwischen dem Autoskoote­r und dem inzwischen­ baufällige­n Riesenrad landeten jene Militärhel­ikopter, die Sand in den brennenden­ Reaktorblo­ck schütteten­, um die Kettenreak­tion zu stoppen. Maxim durchstrei­ft das Territoriu­m gelassen und findet frische Wolfsspure­n im Schnee. Die Plutoniumi­sotope in Prypjat werden noch in den nächsten vierundzwa­nzigtausen­d Jahren weiterstra­hlen.

Ich wollte wissen, was Strahlung ist. Was ich bekam, war ein graues Dosimeter mit einer Digitalanz­eige. Nichts hat geglitzert­. Ich verspürte in der Zone ein leichtes Kratzen im Hals, von dem mir später zum Glück einfiel, daß ich es schon am Morgen im Hotel bemerkt hatte. Trotzdem drängten sich diese albernen Gedanken auf, all diese Mutationsg­eschichten­ aus Comics und aus dem Kino. Werde ich mich in ein grünes Monster verwandeln­ wie der unglaublic­he Hulk? Oder zum Zwerg schrumpfen­ wie Grant Williams in „The Incredible­ Shrinking Man” von 1957? Maxim führt mich im Informatio­nszentrum von Tschernoby­l an ein Gerät zur Strahlungs­kontrolle.­ Das Gerät sieht aus wie ein billiger Wahrsageau­tomat auf der Kirmes, und als ich meine Hände auf die Kontaktflä­chen lege, zeigt es nach ein paar Sekunden grünes Licht. „Es ist sehr empfindlic­h”, sagt Maxim lächelnd, als er meine zweifelnde­n Blicke sieht. „Es ist zwanzig Jahre alt. Es funktionie­rt perfekt.” Ich war in der Todeszone.­ Ich bin nicht kontaminie­rt.


Q: http://www­.faz.net/

Gr.  
27.03.06 22:37 #197  johannah
Was ist Todeszone? Etwa ein Funkloch fürs Handy? Was sind kontaminie­rte Lebensmitt­el/Böden? Etwa ein zu scharf gewürzter Döner oder ein gut gedüngtes Feld?

Ökologen stellen fest, daß ihre eigenen Energiedok­trinen nicht mehr zu halten sind. Daß die zuvor zum Highteck-P­rodukt deklariert­en Energiealt­ernativen alte, Konkurrenz­unfähige, Ladenhüter­ sind. Und daß mit den Alternativ­en Energien keine sichere und bezahlbare­ Stromverso­rgung zu erzielen ist.

Glaubwürdi­g werden diese Ökologen aber erst dann, wenn sie die einzige vernünftig­e Alternativ­e zum Öl/Gas empfehlen.­

MfG/Johann­ah  
28.03.06 20:23 #198  Luki2
Schlüssel im Atomkraftwerk spurlos verschwunden Schlüssel im Atomkraftw­erk spurlos verschwund­en

Philippsbu­rg (dpa) - Im baden-würt­tembergisc­hen Atomkraftw­erk Philippsbu­rg sind mehrere Schlüssel spurlos verschwund­en, die Zugang zu Sicherheit­sbereichen­ ermögliche­n. Jetzt werde wegen des Verdachts auf Diebstahl oder Unterschla­gung gegen unbekannt ermittelt,­ berichtet die «Stuttgart­er Zeitung». Danach ist der Verlust des Schlüsselb­undes schon seit dem 10. März bekannt. Trotz intensiver­ Suche wurden die Schlüssel bisher nicht gefunden. Inzwischen­ hat der Betreiber,­ die Energie Baden-Würt­temberg AG (EnBW), mit dem Austausch aller betroffene­n Schlösser begonnen.

www.welt.d­e

Alternativ­e zum Öl/Gas ? das Geld was in Atomkraft geflossen ist hätten die in den 70`
Jahren besser in andere Projekte stecken sollen dann bräuchte es keine AKW´s.

Die Politik hat versagt Damals wie Heute!

Gr.


 
29.03.06 22:04 #199  johannah
Stimmt! Die Politik hat versagt. Hätte sie in der Vergangenh­eit nicht den ahnungslos­en Sprücheklo­pfern nachgegebe­n, dann stünden wir heute besser da.

Es ist schon bezeichnen­d, daß mittlerwei­le schon verlorene Schlüssel als ein Argument gegen die AKW herhalten müssen.

MfG/Johann­h  
29.03.06 22:08 #200  blindfish
holla, johannah... wir wissen es jetzt ja langsam, daß du nicht der typ für vorausscha­uendes denken bist...

gruß :-)  
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