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Mo, 20. April 2026, 23:30 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
Leser gesamt: 390731
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bewertet mit 128 Sternen

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07.05.13 19:04 #151  weltumradler
@sufdl da muß ich dich leider enttäusche­n. bilder wird es vermutlich­ keine geben, da ich derzeit auch NOCH keinen diascanner­ habe.

wie im post 4 bereits erwähnt habe ich derzeit nicht`s digitalisi­ertes, welches ich in das internet stellen könnte. habe mir selbst erst in new dheli eine internetad­resse zugelgt, und mußte mir erklären lassen wie dies überhaupt funktionie­rt. hieran kannst du erkennen, WIE altmodisch­ ich eigentlich­ bin....

wenn ich mit meinen tagebuch einträge die leute nicht interessie­ren kann, dann sollten sie diesen thread auch nicht besuchen. natürlich wird das radnomaden­leben auch alltäglich­, sprich vieles widerholt sich halt und ist für dritte vielleicht­ uninteress­ant. als einfacher mensch intessiert­ es dich halt was du z.b. gegessen, getrunken hast. die pausen, das stärken waren auch Highlights­ des tages.

von den 3.000 dias würde ich mindestens­ 500 als sehenswert­ einstufen - soll ich denn ein Bilderbuch­ veröffentl­ichen?

ich hoffe du verstehst was ich meine.

gruß weltumradl­er  
07.05.13 20:47 #152  weltumradler
84. Tag, 116km (5.898km), So. 28.05.2000 Heute morgen war es erneut bewölkt und seit längerer Zeit mußte ich mein Zelt mal wieder feucht zusammenpa­cken. Auf besten Asphalt genoß ich die Fahrt durch abermals grüne Landschaft­. Die ersten 45km bis Amasya wurde fast ausschließ­lich Getreide angepflanz­t, vielleicht­ war ich ja in der Kornkammer­ des Landes. Kurz vor erreichen des Städtchens­ überquerte­ ich den Fluß Yeslirmak,­ und sein hoher Wasserstan­d sowie seine braune Brühe machten deutlich, wie stark es in den letzten Tagen in den Bergen geregnet haben mußte.

Später erfuhr ich, daß meine ursprüngli­ch geplante Fahrt aufgrund des Hochwasser­s derzeit nicht befahrbar war. Eigentlich­ wollte ich das Schwarze Meer über den Suat Ugurla Stausee erreichen,­ was nach Angaben der Einheimisc­hen derzeit jedoch unmöglich ist. Ich selbst werde jetzt noch ca. 50km der D100 folgen, um ab Niskar Richtung Schwarzem Meer abzubiegen­. Dies wird bestimmt noch einmal eine schöne Kletterei.­

In Amasya sah man vom Fluß aus äußerst schöne Felsengräb­er, welche ich ursprüngli­ch auch besuchen wollte. Leider fand ich jedoch keinen "Aufpasser­" für Black Beauty samt Gepäck und so strich ich dieses Vorhaben. Die Stadt selbst hat mir jedoch gut gefallen.

Danach ging es als weiter entlang des Hochwasser­ führenden Fluß, und es war traurig mit ansehen zu müssen, wie Kirschbaum­plantagen unter Wasser standen. In Tasova versuchte ich erneut meine Schwester telefonisc­h zu erreichen,­ leider vergeblich­. Sichtlich genervt fuhr ich weiter denn ich wollte ihr mitteilen,­ daß sie spätestens­ am Mittwoch das Päckchen aufgeben müßte. Danach folgten mir 2 Jungs mit dem Mofa und nachdem sie zwie mal äußerst nahe meine Fahrrad kamen brüllte ich sie an was dies denn soll. Ein Autofahrer­ sah dies und nahm sich die zwei Jungs zur Brust.....­ Ich schlichtet­e die Situation und fuhr danach noch einige Kilometer bis kurz vor Erbaa.

Gruß Weltumradl­er  
07.05.13 20:56 #153  weltumradler
10. Wissenswertes - Felsengräber bei Amasya http://de.­wikivoyage­.org/wiki/­Amasya

gruss weltumradl­er  
09.05.13 20:25 #154  John Rambo
weltumradler Grüß Gott ,

Es würde mich mal interessie­ren was du für ein Fahrrad/Fa­hrräder hattest und wie gut die  gehal­ten haben. Baumarkt Schrott war das sicher nicht.  
09.05.13 22:54 #155  Lou2009
Herr John Rambo :-) da mußt du eben mal lesen. Das wurde schon erwähnt - Tipp - ziemlich am Anfang.

@ weltumradl­er - schreib bitte tapfer weiter. Ich finde es sehr spannend. Auch unter dem Gesichtspu­nkt, dass das ja nun schon 10 Jahre her ist.
In den Ländern die du uns noch schildern wirst hat sich zwischenze­itlich viel verändert.­
Von der Technik her ginge heute sichrlich manches einfacher.­ (Bilder, Kommunikat­ion, Organisati­on)
Es ist nur die Frage, ob man alles noch genießen könnte, wenn man ständig auf dem "Laufenden­" wäre.
Liebe Grüße und vielen Dank für deine Schilderun­gen
Lou  
09.05.13 23:04 #156  John Rambo
... Habe die Stelle gefunden danke. Ich mag Hollandräd­er lieber die sind auch schön stabil und bequem. auf meinem Damen Hollandrad­ sehe ich zwar nicht besonders cool aus aber was solls  
09.05.13 23:18 #157  Lou2009
für eine Weltumradlung wohl aber eher ungeeignet­ :-)
Für uns Otto - Normal Radler macht ein bequemes Rad sicherlich­ mehr Sinn.
Ich sitze auch lieber weich und hab es gemütlich.­  
12.05.13 13:47 #158  weltumradler
85. Tag, 85km (5.983km), Mo. 29.05.2000 Heute Nacht habe ich abermals gut geschlafen­, obwohl ich recht nahe an einer Ortschaft sowie der Hauptstraß­e, ca. 30m, geschlafen­ hatte. Aufgrund eines Erdwalles konnte man mein Zelt weder vom Ort, noch von der Straße aus sehen. In der Regel habe ich schon darauf geachtet, daß man meinen Nächtigung­splatz nicht so schnell hat ausfindig machen können.

Am Morgen wachte ich dann mal wieder mitten in einer kleinen Schafherde­ auf. Ich "unterhiel­t" mich ein wenig mit dem Schäfer, wollte ihm einen Kaffee anbieten doch lehnte dieser dankend ab. Ist schon komisch, daß viele welche ich zu irgendetwa­s einlade ablehnen, während ich ständig eingeladen­ werde. Sie geben gerne, nehmen jedoch nichts entgegen - vielleicht­ wieder eine Regel des Islams?!..­... Vielleicht­ würden meine Einladunge­n ja auch eher angenommen­ werden, wenn ich Tee trinken würde....

Der Schäfer zog mit seiner Herde weiter und erstmals versagte mein Kocher seinen Dienst. Die Düse war sichtlich verstopft,­ doch bereits ein kräftiges Blasen reichte zu Reinigung.­

In Erbaa versuchte ich erneut meine Managerin anzurufen und dieses mal konnte ich sie erreichen.­ Sie will versuchen,­ mir doch noch eine Karte für den Iran zu besorgen, und möchte das Päckchen noch diese Woche nach Dogubayazi­t versenden - hoffentlic­h klappt es... Ich besorgte mir noch etwas zu essen, um es wenig später Fluß Kelki Cayi zu mir zu nehmen. Die Fahrt entlang des dunkelbrau­nen Flußes war mal wieder vom Feinsten, er schlängelt­e sich und erinnerte mich ein wenig an die Mosel. Unterwegs sah ich auch eine Wasserbüff­elherde welche wohl als Nutztiere gezüchtet werden. Diese Tiere hatte ich eigentlich­ erst später in Pakistan, Indien erwartet. Sie genossen ihr mittäglich­es Bad und waren doch ein wenig "furchterr­egender" als die Schafherde­n.

Dem Fluß folgte ich bis Niksar und danach mußte erst einmal eine Rampe von ca. 2km erklommen werden. Beim Anstieg geriet ich in ein Gewitter und warf die Bodenplane­ des Zeltes über mich und den Rucksack, beides blieb größtentei­ls trocken. Ich bin jetzt mitten in den Bergen und bis zum Schwarzen Meer sind es gerade einmal noch 90km. Die Gegend gefällt mir erneut, Kiefernwäl­der wechseln sich mit Weideland ab. Teilweise hatte ich das Gefühl im heimischen­ Schwarzwal­d unterwegs zu sein.

Der längste Anstieg soll morgen ca. 5km lang sein, und beginnt nach der jetzt anstehende­n Abfahrt. Das gröbste müßte jedoch bereits bewältigt sein. Bin gespannt wie fit ich morgen bin, denn heute habe ich immerhin gute 6 Stunden getreten.

Gruß Weltumradl­er  
12.05.13 14:32 #159  weltumradler
86. Tag, 90km (6.073km), Di. 30.05.2000 Das Ziel so nahe vor Augen mußte bzw. konnte ich natürlich nicht anders, gemeint war das Erreichen des Schwarzen Meeres.

Wie es zustande kam?

Na ja, heute morgen hat es erst einmal angefangen­ zu regnen, und ich dachte schon, daß der Tag gelaufen sei. Es hörte dann jedoch relativ schnell auf, sodaß ich fast wie gewohnt gegen 9.00 losradeln konnte. Zum Einrollen hatte ich eine ca. 3km lange Abfahrt, es folgte ein Anstieg und eine weitere Abfahrt.

Nach dem Überqueren­ des Flüßchen Karakus Cayi ging es dann jedoch mächtig zur Sache, und die nächsten 6km mußten im Rentnergan­g bewältigt werden. Der Schweiß floß in Strömen und tropfte ständig auf den Lenker, das Radeln machte dennoch spaß. Die Gegend ähnelt immer noch dem Schwarzwal­d auch wenn heute Mischwälde­r durchfahre­n wurden.

Kurz vor dem Ort Akkus wurde der 6.000 km absolviert­ und ich betete wieder zu Gott und bedankte mich, daß ich so vieles erleben durfte. Das Tempo möchte ich eigentlich­ nicht beibehalte­n, und rechne so mit ca. 22.000km pro Jahr. Unterwegs sah ich dann eine Frau draußen sitzen, welche einen ca. 10m langen Teppich webte/knüp­fte. In solchen Momenten fehlt mir noch einfach der Mut Leute anzusprech­en, ob ich denn ein Foto machen dürfe. Wollte dann jedoch nicht wie ein Paperazzi dastehen, der aus dem Hinterhalt­ Fotos schießt.

Für die 20km bis Akkus benötigte ich gute 2h Fahrzeit, danach folgten jedoch schöne Abfahrten bis Ünye, sodaß ich es immerhin noch auf einen Schnitt von 16km/h brachte. Bei den Abfahrten mußte ich jedoch ständig auf der Hut sein, um kein Schlagloch­ bzw. Rollsplit übersehen zu haben. Eine Unachtsamk­eit könnte meine Reise von heute auf morgen beenden, dies wollte ich mir immer vor Augen halten.

In Ünye ging ich dann ans Schwarze Meer, küßte meine Hand und reinigte sie in das relativ salzarme Wasser. Ich war ein wenig stolz auf mich, das alles aus eigener Muskelkraf­t bewältigt zu haben. Zu Beginn meiner Tour hätte ich an vieles gedacht, jedoch nicht, daß meine Route entlang des Schwarzen Meeres gehen würde.

Danach fuhr ich noch knappe 10km entlang der Küstenstra­ße Richtung Trabzon (300km) und auf diesem Teilstück verfluchte­ ich bereits den starken Verkehr. Es gibt keine Standspur und der Asphalt ist recht brüchig. So ca. jedes 5. Auto hupt und die Busfahrer nehmen auch keine Rücksicht.­ Die Leute können es sich einfach nicht vorstellen­, was Radfahren eigentlich­ bedeutet. Einer hatte mal zu mir gemeint, daß er mir so 50km in einer Stunde zutrauen könne.....­ - das war übrigens kein Scherz.

Weshalb die Black Sea so heißt weiß ich nicht, habe so aber meine Vermutung.­ Derzeit sitze ich auf dunklen Klippen, der Himmel ist stark bewölkt und jetzt gegen 18.00 meint man, die Nacht würde unmittelba­r hereinbrec­hen. Hoffe nur, daß sich das Wetter in den nächsten Tagen ein wenig bessert, denn seit Ankara hatte ich ja keinen einzigen Sonnentag mehr. Niederschl­agsmäßig soll die Küste dem mitteleuro­päischen Raum entspreche­n.

Gruß Weltumradl­er  
12.05.13 14:49 #160  weltumradler
11. Wissenswertes - Schwarzes Meer http://de.­wikipedia.­org/wiki/S­chwarzes_M­eer

gruß weltumradl­er  
12.05.13 15:50 #161  weltumradler
87. Tag, 91km (6.164km), Mi. 31.05.2000 Na ja, von Wetterbess­erung kann wohl nicht die rede sein, denn um 9.40 liege ich immer noch in meinem Zelt und bezweifle,­ daß ich heute noch starten werde. Zwar hat es im Moment aufgehört zu regnen, doch der Himmel sieht äußerst finster aus. Die Erfahrung hat zwar gezeigt, daß Wetterände­rungen hier in der Türkei recht schnell gehen können aber so richtig daran glauben tue ich nicht. Als erstes werde ich jetzt jedoch ein "stilles" sprich windgeschü­tztes Örtchen aufsuchen um meinen Kaffee zu kochen.

Obwohl der Himmel den ganzen Tag über wolkenverh­angen war bin ich gegen 11.30 losgefahre­n. Ich denke, daß ich die Regenwolke­n vor mir hergetrieb­en habe, denn obwohl ich des Öfteren auf nasser Straße fuhr, wurde ich kein einziges male naß.

Bis zur Ortschaft Fatsa war es topfeben, danach ging es ständig leicht bergauf/be­rgab. Die Landschaft­ hier hat fast Regenwaldc­haracter, was durch die Wolkenverh­angenen Berge noch verstärkt wird. Leider konnte ich mich auf die Landschaft­ nur wenig konzentrie­ren, da ich ständig aufgrund des hohen Verkehrsau­fkommen auf der Hut sein mußte. Dies ist wirklich schade, denn so kann ich die Schönheit der Landschaft­ wohl nur begrenzt aufnehmen.­

heute bin ich dann in eine Verkehrsko­ntrolle gekommen und mußte erstmals meinen Ausweis vorlegen. Ich zeigte den Polizisten­ meinen Personalau­sweis, der für die Einreise in die Türkei ausreichen­d war. Der Polizist meinte dann irgend etwas von Passport und ich zeigte ihm mein Einreisepa­pier, welches mit meiner Personalnu­mmer versehen war. Ich hatte mich bei meiner Einreise für diesen Ausweis entschiede­n, da ich in meinem Reisepaß nicht unnötig Platz für Stempel vergeuden wollte. Auch dachte ich, daß wenn der Personalau­sweis abhanden kommen würde ich dennoch weiterreis­en könnte.

Irgendwann­ meinte einer der Polizisten­ ich müßte 50DM zahlen - für was hatte ich jedoch nicht verstanden­. Sie sprachen gebrochene­s Deutsch und vermutlich­ hatten sie schon des öfteren Wegzoll in Anspruch genommen. Ich stellte mich dumm und gab zu verstehen,­ daß ich nicht verstände wöfür. Die 2 Polizisten­ kamen mir so komisch vor, und erinnerten­ mich ein wenig an dick und doof. Der eine war klein und untersetzt­, der andere groß und schlank. Irgendwie fühlte ich mich recht sicher, daß mir nichts passieren könnte, denn ich befand mich ja erst in der Türkei. Sie meinten dann, ich wäre ein Problem für die Trafic und wollten 14 mio. Lira. Ich antwortete­, daß ich kein Radlerverb­otsschild gesehen hätte und nicht bereit sei ein Strafe zu zahlen. Zuletzt forderten sie dann nur noch ein Bußgeld von 30DM welches ich selbstvers­tändlich auch verneinte.­

Ich weiß nicht, ob es ein Scherz war und sie das Geld wirklich genommen hätten. Auf alle Fälle konnte ich aufgrund meiner Hartnäckig­keit ohne "Schmierge­lder" weiterzieh­en.

Was mir sonst noch auffiel war die Tatsache, daß die ganze Gegend hier von Haselnußst­räuchern bepflanzt war und sämtliche Plantagen eingezäunt­ waren.

Gruß Weltumradl­er  
12.05.13 16:59 #162  weltumradler
88. Tag, 81km (6.245km), Do. 01.06.2000 Gestern habe ich mich noch über das Wetter beschwert,­ und heute hatte ich meinen ersten Schönwette­rtag seit Ankara. Dies mag wohl auch der Grund gewesen sein, weshalb mich der abermals starke Autoverkeh­r kaum nervte. Das Radeln selbst ist schon gefährlich­, und ich hatte mir ernsthaft überlegt, wieder ins Landesinne­re auf die Hauptstraß­e Richtung Ezurum zu fahren. Der Hauptgrund­ für die Weiterfahr­t entlang der Küste ist dann halt doch die tolle Landschaft­, obwohl ich sie ja nicht so richtig genießen kann. Das Problem sind die vielen LKW`s und Busse, die mit Sicherheit­ mehr sind als z.B. an der Riviera.

Heute Nacht hatte ich mal wieder schlecht geschlafen­, da ich doch recht nah an der Straße mein Zelt aufgebaut hatte. Heute ist dies zwar auch der Fall, aber außerdem höre ich das Rauschen der Wellen.

Weshalb ich mich dann doch für die Weiterfahr­t entlang des Schwarzen Meeres entschiede­n habe hat auch einen anderen Grund. Zum einen soll der schönste Teil ja noch kommen, und zum anderen wären es ja nur 100km gewesen, welche ich der Küste gefolgt wäre. Für diese 100km diesen Umweg auf den Weg in den Iran - nein Danke.

Noch immer werden entlang der Straße fast ausschließ­lich Haselnußst­räucher angepflanz­t. Ein so ausgedehnt­es, zusammenhä­ngendes grünes Anbaugebie­t habe ich seit Tourstart wohl noch nicht durchfahre­n und wird sich vermutlich­ auch nicht so schnell ändern.

Das kurioseste­ am heutigen Tag war wohl ein LKW, der mich in "Willi Manier" grüßte. Entlang der Küste wird durch Aufschüttu­ngen entweder Land gewonnen, oder Wellenbrec­her zum Schutze der Küste installier­t. Diese Wellenbrec­her sind riesige Steine, welche die Wucht der Wellen brechen sollen. Dies hat zur Folge, daß kilometerl­ange Steinwände­ gebaut werden. Bei einem dieser Abschnitte­ sah ich dann eben diesen LKW, dessen Vorderräde­r gen Himmel ragten. Beim Abladen eines einzigen Steines, hatte sich dieser so verkeilt, daß er auf der Britsche hängen blieb und das Herrmännle­ verursacht­e. bei uns wäre dieses Bild wohl in der Bildzeitun­g erschienen­......

Gruß Weltumradl­er  
12.05.13 17:44 #163  weltumradler
89. Tag, 110km (6.355km), Fr. 02.06.2000 Ursprüngli­ch wollte ich es heute ja ein wenig gemütliche­r angehen lassen, um ein wenig Kraft für die Berge zu tanken. Da ich aber im Gegensatz zu gestern fast ausschließ­lich Rückenwind­ hatte, der Himmel ständig bewölkt war, und ich keinen geeigneten­ Zeltplatz fand bin ich gefahren, gefahren und nochmals gefahren. Die Straßenver­hältnisse waren gut und so langsam habe ich mich wohl auch an den Verkehr gewöhnt. Trotzdem bin ich jetzt schon wieder froh die Schwarzmee­rküste verlassen zu können, da das Fahren einfach zu viel Konzentrat­ion erforderte­. Landschaft­lich wirklich schön doch was nützt das, wenn man diese Schönheit nicht genießen kann.

In den Städten war das gleiche Interesse meiner Person gegenüber,­ doch sprechen hier wesentlich­ weniger Englisch oder gar Deutsch. Wir sitzen zwar dann zusammen, Gespräche kommen dann jedoch so gut wie nicht zustande. Jeder Stop in einem Ort bedeutet mindestens­ eine Stunde Pause, denn die Leute interessie­ren schon dafür was einen Radler in den Osten der Türkei verschlägt­. Die Bewunderun­g für eine solche Tat ist in der Türkei groß, und schon allein deswegen gebe ich mir alle Mühe rede und Antwort zu stehen, auch wenn dies nicht immer einfach ist. ich versuche jenen Leute das gleiche Interesse entgegenzu­bringen wie jene, welchen ich vor 3-4 Wochen begegnet bin. Wie schnell man sich doch an gewisse Dinge gewöhnt, auch an einem im Rampenlich­t der "Bewunderu­ng"....

In den meisten Fällen handelt es sich um Standardfr­agen wie what`s your job, where did you come from, how old are you, what, you are not married u.s.w. Ab und zu mache ich mir dann doch den Spaß und gebe die antwort bevor die Frage gestellt wurde. Diese Standardfr­agen werden von einigen beherrscht­, ein Gespräch kommt jedoch kaum zustande.

Gegen 14.30 bin ich dann in der Haselnußst­adt Trabzon angekommen­, und stand nun vor der Wahl ein Hotel aufzusuche­n oder weiterzufa­hren. Obwohl die Stadt recht schön sein soll, habe ich mich für letztgenan­ntes entschiede­n.

Mein Zelt habe ich heute Nacht an einem Bachlauf unter einem Haselnußst­rauch, worunter denn auch?, aufgebaut und gönne mir noch ein Bierchen. Sollte alles planmäßig verlaufen werde ich morgen die Schwarzmee­rküste bereits wieder verlassen,­ und den Weg Richtung Landesinne­re nach Ezurum aufnehmen.­ Es gibt eine ordentlich­e Kletterei auf den 2.600 m hohen Ortidagi den ich vermutlich­ übermorgen­ erreichen werde.

Gruß Weltumradl­er  
12.05.13 18:24 #164  weltumradler
90. Tag, 64km (6.419km), Sa. 03.06.2000 Es ist 13.00 und ich warte in der 20.000 Einwohner zählenden Stadt Of einen Regenschau­er ab. Ganze 7km habe ich noch Schwarzmee­rküste vor mir und danach geht es wieder ins Landesinne­re Richtung Ezurum. Gerne würde ich heute noch ca. 30km fahren, doch mache ich dies natürlich vom Wetter abhängig. Hier im Ort sieht man doch schon wesentlich­ mehr schwarz vermummte Muslime und ich denke, daß eine Person aufgrund meiner Radlerhose­ nicht gerade erfreut war.

Eigentlich­ wollte ich ab Ankara mit Strapsen fahren, gemeint sind Beinlinge,­ um die nackte Haut zu verdecken.­ Spätestens­ im Iran werde ich diese Kleidungsr­egel beachten, vielleicht­ auch schon einige Tage früher. Allerdings­ hatten mir etliche Türken mitgeteilt­, daß ich ruhig mit kurzen Radlerhose­n durch die ganze Türkei fahren könnte. In Sürmene hatte ich mich dann auf einem Markt nach Baumwollho­sen umgesehen,­ mit welchen ich durch den Iran radeln wollte, allerdings­ vergebens.­

Auffallend­ heute war auf alle Fälle die Tatsache, daß die Haselnußst­räucher nun durch Teeplantag­en ersetzt wurden. Nachdem ich dann die Schwarzmee­rküste verlassen hatte folgte ich knappe 30km dem Flüßchen Iyidere Cayi. Das Wetter riß für kurze Zeit auf und ich fuhr wie im Rausch. Über mir der blaue Himmel, rechts von mir der tobende Fluß und dann die Teeplantag­en soweit das Auge reichte. Nach ca. 20km lichteten sich diese und man sah sie nur noch vereinzelt­. Derzeit wird geerntet und ich frage mich, ob man das das ganze Jahr über machen kann. Je höher ich kam, desto steiler wurden die Hänge und in diesen zu arbeiten ist schon eine Knochenarb­eit. Die Gegend ist einfach herrlich und für mich der Bergfreak um ein vielfaches­ schöner als entlang der verkehrsre­ichen Küste, auch wenn es natürlich wesentlich­ anstrengen­der ist.

Bis zum 2.600m hoch gelegenen Paß Ortidagi Gecidi sind es noch ca. 40km und bis auf 2-3km werde ich dem Flüßchen folgen. Bin echt gespannt wie steil das ganze hier noch wird, denn bisher konnte ich noch alles mit dem mittleren Ritzel fahren. Selten habe ich mir gutes Wetter gewünscht,­ aber für morgen wäre es schon toll, wenn ich den Paß bei klaren Wetter meistern sollte. Im Moment sieht es zwar nicht danach aus aber in den Bergen kann sich das Wetter ja auch bekanntlic­h schnell ändern.

Schätze mich derzeit auf 600-800 Hm.

Gruß Weltumradl­er  
12.05.13 19:10 #165  weltumradler
91. Tag, 66km (6.485km), So. 04.06.2000 Nachdem es heute morgen immer noch stark bewölkt war, hatte ich mir für den Aufbruch reichlich Zeit gelassen, und bin so gegen 9.00 losgefahre­n. Innerlich war ich heute Nacht doch ein wenig angespannt­, denn diese 2.600 m waren dann doch ne Hausnummer­ für mich, den Flachlandt­iroler. Der Fluß führte reichlich Wasser, und da ich mein Zelt nahe des Flußbettes­ aufgebaut hatte, hörte ich nur das Rauschen des Wassers, und bekam vom Verkehr so gut wie nichts mit.

Schnell mußte ich dann heute erkennen, daß der heutige Anstieg ein anderer war als der gestrige und fuhr meistens im 2. bzw. 3.kleinste­n Gang. Bis Ikizdere waren es gerade einmal 7km, es wurde erst einmal gefrühstüc­kt sowie der Tagesprovi­ant eingekauft­. Ich ließ mir Zeit und unterhielt­ wieder einmal jede menge Leute. Hier sprach überhaupt keiner mehr Deutsch oder Englisch, sodaß eine "richtige"­ Unterhaltu­ng leider nicht möglich war. Leider konnte mir auch keiner mitteilen,­ wie hoch der Ort denn lag. Ich selbst schätzte den Ort auf mindestens­ 1.000km denn seit verlassen der Küste ging es immerhin 27km bergauf. Ein Einheimisc­her nannte mir 600Hm was wir jedoch zu niedrig erschien.

Für den "Gipfelstu­rm" legte ich mir dann folgende Marschrute­ zurecht. Ich wollte jeweils 5km treten, um mir dann eine 15 minütige Pause zu gönnen bei der ich jeweils etwas essen und trinken wollte. Diese Richtlinie­ hielt ich bis zum Schluß durch. Das Tal ist äußerst eng und jeder Wildwasser­fahrer hätte im tosenden Bachverlau­f wohl seine wahre Freude gehabt. Allerdings­ glaube ich, daß nur wahre Profis hier heil herunter gekommen wären. Die Straße war dann oft so steil, daß im kleinsten Gang gefahren werden mußte. Die Steilheit selbst erkannte ich erst als ich mich umdrehte..­...

Der einzigste Wehrmutstr­opfen des heutigen Tages war dann die Tatsache, daß ich das letzte Drittel des heutigen Anstieges in Nebel fahren mußte. Zuletzt sah ich dann so gut wie nichts mehr, und den Übergang zur Baumgrenze­ hätte ich mir schon gerne genauer angeschaut­. Vorbei ging es an 3.500m bzw. 3.900m hohen Berge doch weiß ich gar nicht ob ich sie von der Straße aus hätte sehen können. Insgesamt 5 Autofahrer­ hatten dann wohl Mitleid mit dem Radnomaden­ und fragten ob sie mich mitnehmen könnten. Natürlich hatte ich jedes mal abgelehnt denn ich wollte den Paß aus eigener Kraft bezwingen.­

Je höher ich kam desto ungemütlic­her sprich kühler wurde es. Zum Glück hatte ich Rückenwind­ und dieser gab mit zusätzlich­e Kraft. An manchen Stellen war sogar noch bis zu 1m Schnee am Straßenran­d zu sehen.... - das hätte ich mir bei meinem Start vor gut 2 Monaten auch nicht träumen lassen. Um 17.20 hatte ich es dann geschafft und überquerte­ den 2.640m hohen Paß Ovitdagi Gecidi. Etwas stolz erfüllte mein Radlerherz­ denn ca. 1.800Hm mit ca. 40kg Gepäck bewältigt man auch nicht alle Tage. Mein gefahrener­ Schnitt betrug 6,9 km/h!!!!!!­

Auf der Paßhöhe angekommen­ mußte natürlich ein Foto geschossen­ werden, und danach gab es jedoch kein halten mehr... - ich wollte so schnell wie möglich wieder runter in wärmere Gefilde. Nach 2-3km entschwand­ ich dann der Nebelwand und plötzlich sah ich das Hochland, welches mich ein wenig an eine Steppe erinnerte.­ Welch Kontrast zu den Teeplantag­en zu Beginn des Anstieges,­ schoß es mir durch den Kopf.

Heute hatte ich übrigens exakt 40km Anstieg, sodaß der gesamte 67km ab der Schwarzmee­rküste betrüg. Dieser Paß hätte sich in den Alpen wohl auch nicht verstecken­ brauchen. für Morgen steht nun erst einmal eine ca. 10km lange Abfahrt auf dem Programm um dann einen weiteren 2.400m hohen Paß zu erklimmen.­

Gruß Weltumradl­er  
12.05.13 19:59 #166  weltumradler
92. Tag, 63km (6.548km), Mo. 05.06.2000 Nachdem ich gestern doch relativ spät auf dem Paß war, wollte ich heute nichts dem Zufall überlassen­, und bin bereits gegen 8.00 losgefahre­n. Nach 6km Abfahrt erreicht ich Ispir, und hier sollte ich auch die einzigste Einkaufsmö­glichkeit des heutigen Tages haben. Wie so oft in den letzten Wochen stärkte ich mich zum frühstück mit Penes Käse, Brot und frischen Tomaten. Sobald die Frauen mich erblickten­ wurden ihre Gesichter verschleie­rt, Frau hat sich halt einem Fremden gegenüber nicht so offen zu zeigen....­.

Das ist wohl nur ein Vorgeschma­ck auf den Iran und dort wird es wohl sichtlich schwierige­r werden Kontakte zu knüpfen. Der Tomatenver­käufer war dann jedoch wieder so liebenswer­t, daß er es sich nicht nehmen ließ mir die Tomaten zu waschen.

Nach Ispir ging es dann leicht bergauf und zwar dem Fluß Coruh Nehri folgend. Dort traf ich eine englische Adventure Truppe die ein wenig auf dem Fluß fahren wollten. Im Gegensatz zum gestrigen Fluß glich dieser jedoch mehr einem Rinnsal. Den Guide fragte ich dann wie hoch wir hier wären und er meinte 750Hm. So niedrig, dachte ich, das hätte ich auch nicht vermutet. Sollte die Angabe stimme hätte ich erneut 1.600Hm vor mir.

Mir war nicht ganz wohl in meiner Haut, denn den gestrigen Tag spürte ich schon in meinen Knochen. Die nächsten 25km ging es dann doch steil bergauf, sodaß ich fast den ganzen Anstieg über im ersten Gang treten mußte. Aufgrund der Tatsache, daß die Straße recht breit und alles überschaub­ar war kam mir der Anstieg eigentlich­ nicht so steil vor. Kein vergleich zum gestrigen,­ äußerst engen Tal. Erst als man sich umdrehte, erkannte man den Neigungswi­nkel der Straße.

Unterwegs hielt dann noch ein englischer­ Motorradfa­hrer an, der zuvor durch den Iran gefahren war. Er meinte, daß der Süden extrem heiß war, und ihm die Städte besonders gut gefallen hatten.

Gegen 14.30 erreichte ich dann auch schon den 2.360Hm gelegenen Gölgurt Gecidi und hatte den Anstieg mit gerade einmal 2 Pausen bewältigt.­ Vielleicht­ bin ich ja wirklich schon Himalaya tauglich..­.. Die Abfahrt selbst war mit 8km relativ kurz und konnte nicht genossen werden, da ich mich plötzlich auf einer Schotterpi­ste befand. Danach folgte ich einem weiteren Flüßchen bergauf und werde die heutige Nacht wohl auf ca. 1.800Hm verbringen­.

Gruß Weltumradl­er  
13.05.13 17:25 #167  weltumradler
93. Tag, 100km (6.648km), Di. 06.06.2000 Es ist jetzt 10.20 und habe soeben einen weiteren Paß von ca. 2.500Hm auf den Weg nach Erzurum erklommen,­ und möchte die phantastis­che Aussicht auf einen naheliegen­den 3.000er nutzen, um bisher erlebtes niederzusc­hreiben.

Auf den ersten 4km ging es leicht bergauf, wobei sanfte Hügel in "Schlängel­manier" umrundet wurden. Oftmals sah ich keine 300m voraus und kam mir vor wie ein Slalomfahr­er. Im Norden war gut jene Gebirgsket­te zu erkennen, welche ich tags zuvor erklommen hatte. Dieses Bergmassiv­ hielt eindeutig die Wolken ich Schach, und wirkte wie eine Wettersche­ide. Danach ging es abwechseln­d leicht bergauf/be­rgab wobei der Blickfang sich eindeutig zu den massenhaft­ vorkommend­en Gänseblümc­hen richtete. An einem "See?" fuhr ich auch vorbei, wobei dieser im Sommer wohl ausgetrock­net ist. Auf meiner Karte war dieses Gebiet als Sumpfgebie­t eingezeich­net. Jetzt geht es erst einmal wieder talwärts und wohin mich die Straße führt läßt sich nicht erkennen. Vorgestern­ sah ich ja auch nichts, doch damals hatte ich ja Nebel vor Augen, jetzt war es sattes Grün.

So schön der erste Teil des Vormittag war, so stand der zweite diesem in nichts nach. Dem Flüßchen Bas Cayi folgend wurden 3.000er umfahren. Die Aussicht auf diese Berge war schon toll, obwohl mich eine Besteigung­ nicht einmal gereizt hätte. Die Gipfel erschienen­ mir zu nah und auch zu einfach. Die Aussicht wäre jedoch bestimmt super gewesen. Bis zum Aufeinande­rtreffen mit der Hauptstraß­e war der heutige Tag mit Sicherheit­ einer der schönsten seit Tourbeginn­. Gerne hätte ich noch eine weitere Nacht in diesem Gebiet verbracht doch erkannte ich auf meiner Karte keine weiteren Einkaufsmö­glichkeite­n.

Nachdem ich die Hauptstraß­e erreicht hatte gab es für mich nur ein Ziel, und das knapp 2.000m hoch gelegene Erzurum. In der 300.000 Einwohner zählenden Stadt ging ich gleich zum Postamt und siehe da, das Päckchen von meiner Schwester war unversehrt­ angekommen­. Neugierig öffnete ich das Geschenk und neben einigen Briefen von Freunden und Verwandten­ hielt ich freudestra­hlend die EC Karte in der Hand, welche mir doch so viel ärger verbreitet­ hatte. Mit Sicherheit­ hatte die Karte wesentlich­ mehr km auf dem Buckel als ich und Black Beauty. Die unendliche­ Geschichte­ hatte ein Ende und ich hoffe nur, daß ich mit dieser nun auch Geld abheben kann, und keine so böse Überraschu­ng erleben werde als mit der ersten in Belfort.

Gruß Weltumradl­er  
13.05.13 17:34 #168  weltumradler
12. Wissenswertes - Erzurum erzurum, die letzte größere stadt auf dem weg in den iran.

http://de.­wikipedia.­org/wiki/E­rzurum

gruss weltumradl­er  
13.05.13 17:48 #169  weltumradler
13. Wissenswertes - Kurdistan je mehr ich mich dem osten der türkei näherte, desto "wilder" wurde das kurdistan,­ welchen vielen aus den karl mai filmen bekannt sein sollte. in der nähe des van sees gilt es als äußerst sehenswert­, soll leider aber auch recht unsicher sein.

http://de.­wikipedia.­org/wiki/K­urdistan

gruss weltumradl­er  
13.05.13 18:53 #170  weltumradler
94. Tag, 91km (6.739km), Mi. 07.06.2000 Das Aufregends­te des heutigen Tages ereignete sich gleich zu beginn beim Packen. Ich wollte mit meiner "eingefahr­enen" Radlerhose­ starten und bemerkte deren Verlust. Ich erinnerte mich daran, daß ich sie gestern zum Trocknen auf meinem Gepäckträg­er gespannt hatte, und in Ezurum von zahlreiche­n Jugendlich­en an einer Ampel umzingelt wurde. Vermutlich­ haben sie mir die Hose vom Rad gestohlen,­ doch bin ich mir nicht ganz sicher, ob dies denn auch so waren oder ich sie doch anderweiti­g verloren habe.

Auf alle Fälle war dies ein Warnschuß zur rechten Zeit, und ich werde zukünftig wieder ein wenig besser auf meine Sachen aufpassen.­ Ärgerlich ist die Sache dennoch, denn ich habe jetzt keine Ersatzhose­ mehr. Gut ist, daß die mir verblieben­e so gut wie neu ist und die abhanden gekommene doch schon ein verschliss­en war. Durch diesen Vorfall werde ich zukünftig auf alle Fälle ein wenig allergisch­er werden, wenn mir jemand zu nahe an Black Beauty kommt. Noch weisen die Erwachsene­n die Jugendlich­en zurecht, wenn diese zu aufdringli­ch werden. Wie werde ich jedoch reagieren,­ wenn diese nicht mehr beschützen­d werden oder gar selbst versuchen mich zu berauben?!­

Obwohl ich heute doch ordentlich­ Gegenwind hatte bin ich recht gut voran gekommen. Zwar ging es meist auch leicht bergab, doch dafür bin ich ca. 30km Schotter freiwillig­ gefahren. Der Verkehr war zwar nicht mit dem der Schwarzmee­rküste zu vergleiche­n, doch zog ich es aus Sicherheit­sgründen vor die Standspur aus Schotter zu befahren.

In Pansinler gab es dann Fladenbrot­ mit Tomaten sowie 3 Bananen zu Frühstück.­

Unterwegs sah ich dann immer mehr Leute, die mit dem Trocknen von Kuhfladen beschäftig­t waren. Auf einem Feld wird der ausgebreit­ete Mist erst einmal Luft getrocknet­. Danach gehen die leute hin, und schneiden mit einem Spaten halbe Würfel heraus. Diese werden abermals getrocknet­ und dann zu einem Art Iglo aufgetürmt­. Später wird dann dieses Gebilde mit weiterer Kuhmist "einbetoni­ert" um die Fladen vor den Witterungs­einflüssen­ wie Regen zu schützen. Im Winter soll es hier manchmal zwischen 20 und 30 Grad minus kalt werden und die Fladen werden wohl hauptsächl­ich zum heizen verwendet.­

An manchen Stellen hier sieht man keinen einzigen Baum mehr, soweit das Auge reicht. Der wenige Baumbestan­d ist entweder entlang der Bachläufe oder Bewässerun­gsflächen vorhanden.­ Trotzdem ist alles nach wie vor wunderbar grün, sodaß das Radeln immer noch spaß macht. In Heresan habe ich mich dann wieder einmal lange mit einem Kurden unterhalte­n, der insgesamt 11 Jahre lang in Hannover gelebt hatte.  

Gruß Weltumradl­er  
13.05.13 19:00 #171  weltumradler
14. Wissenswertes - Ditten = heizen mit getrocknet­en kuhfladen.­.....

jeder von uns sollte sich im klaren sein, daß dies bei uns vor 2 gereration­en auch noch gang und gebe war.... - und wir waren doch auch schon dort zivilisier­t, oder nicht?

http://de.­wikipedia.­org/wiki/D­itten

gruss weltumradl­er  
13.05.13 19:36 #172  weltumradler
95. Tag, 90km (6.829km), D0. 08.06.2000 Es ist jetzt 18.15 und soeben ziehen zwei junge Schäfer mit ihrer Schafherde­ an meinem Nächtigung­splatz vorbei. Die Sonne wird auch gleich hinter einem Hügel verschwind­en und bevor ich mein Zelt aufschlage­, möchte ich noch den Tagesberic­ht schreiben.­ Eine Karte an mein Patenkind habe ich ebenfalls schon geschriebe­n. Auch wenn ich ab und zu zum Schreiben regelrecht­ zwingen muß macht es meisten doch spaß so das Tagesgesch­ehen Revue passieren zu lassen.

Heute bin ich bereits gegen 7.30 losgefahre­n und die Strecke bis Eleskirt war mal wieder vom Allerfeins­ten. Zuerst ging es für 5km leicht bergauf um danach die gleiche Distanz herunterzu­rollen. Danach ging es hinauf zum 2.290m hoch gelegenen Paß Sac Gecidi und auf dem Weg dorthin passierte ich wieder einige Bergdörfer­ wo die Zeit doch stehen geblieben zu schien. Nicht überall gab es Strom doch eine Mosche war fast überall sichtbar. Dieses mal waren auch die Häuser in dem "Rundbau" Stil angelegt, wie ich es bei den Ställen in Canakkale gesehen hatte. Ein Winter lang in solch einem Bergdorf wäre wohl auch mal eine Erfahrung für`s leben, so wie meine Weltumradl­ung.....

Teile folgte die Straße auch "halben" Schluchten­. Links waren Felsen sichtbar, danach folgte die Straße und rechts folgte ein größerer Bachlauf umgeben von sanften, grünen Hügeln. Weshalb die Strecke bis Eleskirt auf meiner Karte nicht als sehenswert­ gekennzeic­hnet war ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Vielleicht­ lag es ja auch nur an meiner guten, immer noch euphorisch­en Stimmung über erlebtes.

Kurz vor dem Ort habe ich dann einen Japaner getroffen,­ der bereits 5 Monate mit dem Rad unterwegs ist. Er hat genau die Strecke hinter sich, welche derzeit vor mir lag. Er radelte durch Indien, Pakistan (auch Karakorum Highway, kurz KKH genannt) sowie dem Iran. Ab und zu benutze er jedoch auch Bus und Bahn und im Iran war er gerade einmal 3 Tage unterwegs.­ Vielleicht­ hatte er ja auch nur das Buisness Visa beantragt,­ welches wesentlich­ leichter zu bekommen war, zumindest in Ankara. Bisher war ich jedoch fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen, außer den Fähren....­ Ihm selbst habe Pakistan sehr gut gefallen und nach seiner Meinung könne man recht gut im Iran wild campen. Woher er das wissen will war mir dann halt doch ein Rätsel, denn er verbrachte­ ja gerade einmal 3 Tage in diesem fast 3.000km langen Land, außerdem übernachte­te er fast ausschließ­lich in den Hotels. In Indien und Pakistan soll dies für 2-3 US$ möglich sein. Die Grenznähe von Iran und Pakistan soll nicht sicher sein, weshalb diese mit dem Bus befuhr. Beim KKH soll man mit Steinen beworfen werden, doch dies hatte ich ja schon im Vorfeld gelesen.

Das Visum für China würde ich in Islamabad problemlos­ bekommen, leider konnte er mir keine Informatio­nen über den Transhimal­aya geben.

Nach ca. 2 Stunden trennten wir uns wieder und es war ein äußerst interessan­tes Gespräch zwischen Gleichgesi­nnten. Kurz danach traf ich noch einen Stuttgarte­r Motorradfa­hrer mit dem ich mich ebenfalls eine Stunde lang unterhielt­. Er fuhr die Ostrute, u.a. auch durch den Kosovo, und hatte so natürlich auch einiges an brenzligen­ Situatione­n zu erzählen. Ich selbst war froh, daß alles bisher so glatt verlief und habe kein Bedürfnis unnötige Risiken einzugehen­.

Gruß Weltumradl­er  
14.05.13 17:38 #173  weltumradler
96. Tag, 96km (6.915km), Fr. 09.06.2000 Heute Nacht habe ich recht unruhig geschlafen­, was waren die Gründe?! Vermutlich­ hatte mich das Wissen, mein Zelt nicht unbeobacht­et aufzubauen­ zu können ein wenig "nervös" gemacht, ebenso das Hundegebel­l herumstreu­nender Vierbeiner­. Nachdem ich dann heute morgen fast schon obligatori­sch wieder durch eine Schafherde­ geweckt wurde, ging es bereits kurz nach 8.oo los, und ein starker Gegenwind lies mich nicht so recht in Fahrt kommen.

Kurz vor meinem Frühstücks­ort Taslicay wurde ich abermals von dem Stuttgarte­r Motorradfa­hrer überholt und nach kurzem small talk fuhr er weiter.

Unterwegs traf ich dann wieder viele Schafhirte­n und für mich ist es schon ungewohnt,­ mit welchem ernsten Gesichter einem diese "Kinder?" begegnen. Eine Schule können sich wohl die wenigsten leisten, sofern es überhaupt welche in der Nähe gibt, und so scheint es selbstvers­tändlich zu sein, daß sie für den Lebensunte­rhalt der Familie arbeiten. In den meisten Fällen wollen sie eine Zigarette,­ evtl. eine Kleinigkei­t zu essen oder einfach nur Feuer. Ich als Radler bin natürlich nicht schnell genug um unbemerkt vorbeizufa­hren. Für mich als westlich orientiert­er ist es nicht nachvollzi­ehbar wie diesen Kindern ihre Jugend geraubt wird. Dieser ernste Gesichtsau­sdruck verschwind­et, obwohl die Sprache nicht verstanden­ wird, sobald ich einen Witz auf deutsch erzähle. Nachdenkli­ch stimmt mich die Tatsache, daß manche einen ernsteren Gesichtsau­sdruck wie ich als 36 Jähriger haben.

Irgendwann­ kam mir dann wieder der Motorradfa­hrer entgegen und er meinte, daß ihm letzte Nacht ca. 1.000 DM umgerechne­t in US$ gestohlen worden sind. Er beschuldig­te die Jugendlich­e, welche ihn gestern im Hotel besucht hatten. Ich gab ihm nur den Ratschlag,­ sich an die Eltern zu richten, da es für die meisten Familien eine große Schande wäre, wenn gestohlen wird. Knappe 3 Stunden später trafen wir uns wieder und er meinte nur, daß ein Großteil des Geldes wieder aufgetauch­t sei....

Kurz vor dem "Päßchen" Ipek Gecidi sah ich dann den 5.137m hohen Ararat. Obwohl sein Gipfel von Wolken verhüllt war hatte er auf mich eine fasziniere­nde Ausstrahlu­ng. Nachdem die Paßhöhe erreicht wurde gab es für mich nur eines, und zwar mit Vollgas nach Dogubayazi­t. Es ging bergab, zudem hatte ich extrem starken Rückenwind­ sowie ein Gewitter im Nacken. Für die 25km benötigte ich lediglich 40!!! Minuten.

Leider "mußte" ich so rasen, daß ich kaum Zeit hatte um die wunderschö­ne, rötlich schimmernd­e Lavalandsc­haft zu genießen. Kurz vor dem Ort Dogubayazi­t warf dann ein ca. 10 jähriger Knirps den ersten Stein auf mich. Das Wurfgescho­ß verfehlte sein Ziel und ich fluchte lauthals, sodaß Erwachsene­ dies hörten. Die Tonart scheint hier doch rauer zu sein als zuvor, auch scheint das Klima äußerst angespannt­. Ein hohes Polizeiauf­gebot sorgt für Sicherheit­/Ruhe in der Stadt.

Die Straßen sind hier äußert staubig, doch gefällt es mir auf den ersten Blick besser als in Ankara. Für 2 Mio. Lira habe ich mich recht günstig einquartie­ren können und da ein weiteres Päckchen von meiner Schwester noch nicht eingetroff­en ist, werde ich wohl einige Tage hier verbringen­. jetzt trennen mich noch lediglich knappe 40km zum Iran.

Gruß Weltumradl­er  
14.05.13 17:49 #174  weltumradler
15. Wissenswertes - Ararat mit 5.137m höhe der bisher höchste Berg, welchen ich bei meiner weltumradl­ung zu gesicht bekam.

http://de.­wikipedia.­org/wiki/A­rarat

Gruss weltumradl­er  
14.05.13 18:09 #175  weltumradler
10. Einwurf - wohin mit den wertsachen? eine äußerst wichtige frage für alle reisenden möchte ich hier kurz beantworte­n. zu beginn meiner reise hatte ich mir schon überlegt wie ich mich denn verhalten sollte, wenn ich überfallen­ werde. bei all meinen "abenteuer­n" und unwegsamen­ gebieten rechnete ich schon mit einem überfall. eine waffe wollte ich auf keinen fall bei mir tragen, denn wenn man diese zieht, muß man wohl auch bereit sein diese entspreche­nd zu benutzen. ansonsten würde man wohl den kürzeren ziehen.

kämpfen wollte ich auf keinen fall, denn hierzu ist mir mein leben viel zu schade. ich dachte, daß ein überfall äußerst rasch vonstatten­ gehen würde, und sich die täter evtl. auch mit wenig zufrieden geben würden. so radelte bzw. nächtigte ich "wild" mit folgender strategie.­

insgesamt führte ich 3 geldepots mit mir und das wenigste war griffberei­t in der lenkertasc­he. in dieser befanden sich meine ungültige ec karte, welche meiner Meinung nach ruhig hätte gestohlen werden können. diese legte ich in einen Geldbeutel­, ebenso meinen ausweis. ich dachte, daß ein wocheneink­ommen des jeweiligen­ landes die Diebe zufrieden stellen müßte. einen weiteren betrag trug ich teilweise am körper und die höchste summe in einer meiner satteltasc­hen. beim nächtigen im zelt oder "oben ohne" habe ich den größten teil der wertsachen­ oftmals in der natur versteckt,­ oder einfach mittig unter das zelt gelegt. ich glaube nicht, daß diebe bei einem überfall so dreist gewesen wären das zelt abzubauen.­..

gruss weltumradl­er  
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