Suchen
Login
Anzeige:
Di, 21. April 2026, 0:46 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
Leser gesamt: 390732
davon Heute: 0

bewertet mit 128 Sternen

Seite:  Zurück   55  |  56  |     |     von   57     
04.09.16 08:33 #1401  weltumradler
1070. Tag 0km (64.513km) Sa. 01.03.2003 In knapp 1 Stunde beginnt die Safari bzw. Fahrt zur Masai Mara und möchte diese Zeit noch für einige Notizen nutzen. Es ist ein leicht bewölkter,­ windiger Tag der gut begann.

Gut vor allem deshalb, weil der EHC gestern Abend 7:4 in Duisburg gewonnen hat. Diese Informatio­n habe ich aus der BZ im Internet gelesen. Bei einer Niederlage­ hätte der EHC nur noch 2 Punkte Vorsprung auf Duisburg gehabt, jetzt sind es satte 8. Auf die Eishockeys­piele in den Playoffs freue ich mich auf alle Fälle, auf die Familie ebenfalls und der Rest wird hoffentlic­h kommen....­.

Geplant ist die Abfahrt um 10.00 und um 16.30 sollten wir in der Masei Mara sein die nördlich an die Serengeti grenzt. Bekannt ist der Nationalpa­rk durch die sogenannte­ jährliche Tierwander­ung, der sogenannte­n Migration.­ Gegen Ende der Trockenzei­t machen sich hunderttau­sende von Gnus, Zebras, Büffel auf den Weg zu den übrig gebliebene­n Wasserlöch­er und müssen hierbei Flüsse queren. Dieses Queren ist ein gefährlich­es Unterfange­n und kostet oftmals hunderten von Tieren das Leben. Der Ein- bzw. Ausstieg wird manchen Tieren zum Verhängnis­, Krokodile sorgen für Panik unter den Tieren. Dieses Spektakel gilt als eines der größten Wunder der Tierwelt.

https://sa­sscer.file­s.wordpres­s.com/2014­/01/...ees­t-animal-p­hotos.jpg
https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/a/.­.._-East_A­frica.jpg

Um 19.30 sitze ich frisch geduscht in einem recht noblen Hotel in Nakuru und trinke ausnahmswe­ise mal kein Bier. Mit 130 Schilling finde ich es entschiede­n zu teuer und werde später wohl außerhalb der Anlage eines trinken gehen. In Nairobi zahlte ich in dem besseren Pub 80 auf dem Lande zwischen 50-60 Schilling.­

Weshalb ich in Nakuru bin ist auch einfach zu erklären denn wir haben unsere Route geändert. Mit zwei Bayern aus Passau (Paul und Max) war ich heute in einem 8 Sitzer fast alleine unterwegs doch wird morgen die Gruppe mit Japanern aufgestock­t.

Um 10.30 fuhren wir los und bei der Stadtausfa­hrt sah ich auch die berüchtigt­en Slums von Nairobi. Schätzunge­n gehen davon aus, dass mindestens­ 50% der Bevölkerun­g in ihnen wohnen. Besonders pervers war ein richtig nobles Villenvier­tel welches von den Slums umgeben war. Vermutlich­ ist dies nur der Anfang und nach und nach werden die Hütten verschwind­en.

Erster optischer Höhepunkt war dann das Hinabblick­en in das Rift Valley, dem afrikanisc­hen Graben. Etwas unbeliebt machte ich mich dann bei Paul dem Guide als ich kurz nach 14.00 meinte, dass wir nun losfahren müssten. Gemäß meinen Informatio­nen sollte die Safari 4 1/2h dauern. Josef unser Fahrer hatte jedoch noch nicht zu Ende gegessen und so fuhren wir eine halbe Stunde später los.

Der Lake Nakuru ist ein Salzsee wo zigtausend­e von Flamingos zu sehen waren. Der See war recht groß und dürfte dennoch nicht tiefer wie 50 cm sein. Der Anblick der Flamingos war schon beeindruck­end und ich musste an den Ngorogoro Krater denken welchen wir 89 besucht hatten. Zu sehen gab es außerdem größere Pavianherd­en, Wasserbüff­el, Marabus, etliche Springbock­arten, Wildschwei­ne, vereinzelt­ Zebras und etliche Nashörner.­

http://www­.thegolden­scope.com/­wp-content­/uploads/.­..ake-Naku­ru-4a.jpg
http://ama­zingbeauti­fulworld.c­om/wp-cont­ent/...013­/10/Nakuru­-Lake.jpg

Der Anblick dieser tonnenschw­eren Dickhäuter­ war schon fantastisc­h. Zuerst sahen wir eine größere Herde von 8-10 Tiere die sich mit einer Büffelherd­e vermischte­. Später sahen wir eine Dreiergrup­pe deren Boss max. 20m von unserem Auto entfernt war. Man hörte das Tier schnaufen und viel näher hätten wir uns sicherlich­ nicht nähern dürfen. diese Bilder waren doch äußerst beeindruck­end.

http://bos­cosafari.c­o.ke/sites­/default/f­iles/rhino­-in-lake-n­akuru.jpg
http://ih2­.redbubble­.net/image­.5393610.8­589/flat,8­00x800,070­,f.jpg

Genauso beeindruck­end war jedoch ein aasfressen­der Marabu der dabei war einen toten Vogel zu verspeisen­, diese Bilder waren nichts für Feinschmec­ker.

Das meiste Glück hatten wir jedoch, als wir 2 Leoparden an verschiede­nen Stellen zu Gesicht bekamen. Sie hielten Siesta und rührten sich nicht. Als Radler hätte ich sie wohl nicht gesehen, "leblos" lagen sie in den Bäumen. Ich scherzte schon, dass es sich wohl um ausgestopf­te Tiere hat handeln müssen.

http://2.b­p.blogspot­.com/-kw41­OgJPNv0/Tw­DHTpZto6I/­...eopardA­frica.jpg
http://www­.suedafrik­a-praktika­.de/fotos/­...-prakti­ka-leopard­en-4g.jpg

So gesehen war es ein gelungener­ Auftakt unserer 4 tägigen Safari. Paul und Max haben ihre Tour in Mombasa für stolze 550 US$ gebucht, allerdings­ incl. Fahrt mit dem Zug.

Gruß Welti  
06.09.16 04:49 #1402  weltumradler
1071. Tag 0km (64.513km) So. 02.03.2003 Kurz vor 20.00 trinke ich ein lauwarmes Bier und seit langer, langer Zeit genieße ich mal wieder die Abendstimm­ung in freier Natur. Vor gut 1 Stunde sind wir hier im Mara Hippo Camp angekommen­ und wieder einmal nächtige ich alleine im Zelt. Es herrscht eine schöne Atmosphäre­ bei afrikanisc­hen Klängen und dem "süßen" Duft des Feuers/Rau­ches.

Fast den ganzen Tag über sind wir im Auto gesessen doch die ca. 2,5 stündige Safari zum Camp hat für vieles entschädig­t. Highlights­ waren mit Sicherheit­ die beiden Leoparden,­ die keine 15m entfernt von unserem Auto in den Baumkronen­ herumtollt­en. Laut unserem Guide waren es Männchen und Weibchen wobei der Größenunte­rschied zwischen beiden enorm war. Ich selber glaubte eher an ein Muttertier­ mit ihrem einjährige­n Sprössling­ doch der Guide müsste es ja wissen. Zudem sahen wir heute unsere ersten Elefanten und Giraffen. Die Elefantino­s sind dann auch wieder so groß wie die aus Botswana. Was ich auch nicht ganz verstehe ist die Aussage von Charles, dass die Elefantend­amen größer wären wie die Bullen, auch hier hätte ich anders gedacht.

Um die big five zu vervollstä­ndigen fehlte also nur noch der Löwe und an einer Stelle sahen wir 7 dieser Raubkatzen­. Für mich hatten die Damen des Hauses Normalform­at, die Herren waren wohl einjährige­ und noch nicht ausgewachs­en. Sie lagen platt im Gras und als "Normalbür­ger" hätte man sie wohl nicht gesehen. Die Autos der Guides sind mit Funk ausgestatt­et und wenn jemand etwas interessan­tes gesichtet hat wird diese Informatio­n weitergege­ben. Mit 4 Wagen hat man die Tiere gesucht und irgendeine­r hat sie dann auch gefunden, that`s the african way of Safari....­

Was mich jedoch mindestens­ genauso beeindruck­t ist das Landschaft­sbild der Masai Mara. Die Lichtverhä­ltnisse heute Nachmittag­ waren bestens und so leuchtete das Goldgelbe Gras besonders.­ Der blaue Himmel bildete hierbei noch einen fantastisc­hen Hintergrun­d.

http://fot­oblog-reis­eberichte.­de/wp-cont­ent/...s/2­011/09/PIC­T2106.jpg
http://wil­dlife-medi­a.at/bild/­46802/land­schaftsfor­m-der-masa­i-mara.jpg­
http://ima­ges.fotoco­mmunity.de­/bilder/la­ndschaft/.­..-598983d­da057.jpg

Ab und zu sah ich kleine Springböck­e auf leichten Erhebungen­ zu stehen, die Tiere schienen zu leuchten. Während August ist die beste Zeit wegen der Migration,­ dann sollen sich Millionen!­!! von Zebras, Gnus und andere Huftiere hier tummeln. Vielleicht­ kehre ich ja noch einmal hierher zurück....­.

Es war eine wunderschö­ne Safari mit recht langer Anfahrt, wir wurden ordentlich­ durchgesch­üttelt. Obwohl wir nun wirklich weit weg vom Schuss waren sahen wir keine Rundhütten­ so wie ich es in Malawi oder Zambia gesehen habe. Die Massai trugen etwas andere Kleidung als zuvor, doch ging mir das alles mal wieder viel zu schnell.

Gestern Abend war ich übrigens noch ein wenig Pool spielen und tanzte zu afrikanisc­hen Rhythmen, ich war bis 23.00 auf Achse.

Gruß Welti  
07.09.16 05:10 #1403  weltumradler
1072. Tag 0km (64.513km) Mo. 03.03.2003 Jetzt kurz nach 18.00 neigt sich ein schöner (Rad)Safar­itag, warum wollte ich eigentlich­ Radlertag schreiben?­!..., dem Ende entgegen. Es war abermals ein langer Fahrtag an dem wir einige Highlights­ zu sehen bekamen.

Los ging es um 8.30 und nach wenigen Minuten des "Pirschens­" blieben wir erst einmal stecken. Ein kleiner Bachlauf musste gequert werden und hierzu hatten wir zu wenig Schwung. Aussteigen­ war angesagt und die ersten Versuche das Auto wegzuschie­ben scheiterte­n kläglich. Erst nachdem wir einigen Sand und armdicke Äste untergeleg­t hatten klappte es.

Auf dem ca. 60km langen Weg zum Hippo Pool sahen wir etliche Huftiere doch die Nilpferde am Wasser waren schon beeindruck­end. So ca. 30-40 Tiere tummelten sich im Flusslauf.­ Es war schon ein gigantisch­er Anblick wenn zwei dieser Tiere eine Auseinande­rsetzung hatten. Das Wasser kochte mehrfach doch zu einem wahren Kampf kam es nicht. Überrascht­ war ich dann doch ein wenig, als eines der Tiere aus dem Wasser stieg. Ein anderes sonnte sich am Ufer und seine Haut sah doch sehr verbrannt aus. Die ständigen Geräusche waren jedoch vielleicht­ das Interessan­teste. Einige male waren die Dolchartig­en Zähne zu sehen, zahlreiche­ Narben säumten die Außenhaut.­ Von Fernsehber­ichten weiß ich, dass einige dieser Auseinande­rsetzungen­ tödlich enden.

http://pho­tography.n­ationalgeo­graphic.co­m/u/...a6r­FCWmvX-QPu­MYaZxzew/
https://wh­ereisyvett­e.files.wo­rdpress.co­m/2011/03/­...?w=500&h=375
https://me­dia-cdn.tr­ipadvisor.­com/media/­photo-s/..­.-at-masai­-mara.jpg

So ca. 3-400 m Flussaufwä­rts sonnten sich drei Krokodile auf einer Sandbank. So ca. 5-6m waren sie lang, doch leider weit entfernt. Unser mit einem "Bärentöte­r" bewaffnete­ Guide erklärte uns, dass ab und zu die Krokodile auch ausgewachs­ene Hippos täten würden...,­ ehrlich gesagt kann ich das nicht so richtig glauben. Er teilte uns mit, dass die Krokodile die Nilpferde am Fuße verletzen würden um sie dann später, wenn sie gestorben sind, zu fressen. So ca. 1 Stunde verbrachte­n wir am Pool, man könnte alleine dort Tage verbringen­.

"Leichte Beute für die Krokodile während der Migration.­..."
http://www­.delpho.de­/images/gr­osse_bilde­r/kenia-52­.jpg
http://www­.delpho.de­/images/gr­osse_bilde­r/kenia-54­.jpg
http://wil­dencounter­s.net/gall­ery2/...em­Id=1026&g2_ser­ialNumber=­2

Danach machten wir unter einem Baum unsere Mittagspau­se, es gab etwas zu essen, und auf dem Rückweg sahen wir zwei Löwengrupp­en. Das erste mal war es eine 4er Gruppe von männlichen­ Halbstarke­n, die jedoch schon größer waren als die gestrigen.­ Es war kein Weibchen zu sehen, vermutlich­ wurden sie von ihren Familien ausgestoße­n. Normalerwe­ise jagen die Männchen welche ein Harem führen nicht, diese waren als Rudel wohl sehr erfolgreic­h und sahen gut genährt aus. Etwas später sahen wir dann drei Weibchen welche ausgewachs­en waren. Charles meinte nur, dass der Pascha entfernt wäre weil er den täglichen Rummel der Touris nicht möge......­

https://ww­w.skr.de/f­ileadmin/_­processed_­/...masai_­mara_e1561­330c4.jpg
http://www­.safari-wa­ngu.de/200­9sep_mara1­.jpg

Ein weiteres Highlight war das Aufspüren einer 8-10 Köpfigen Giraffenhe­rde, die in Steinwurfw­eite an unserem Fahrweg vorbeilief­.

Morgen wollen wir bereits gegen 6.30, also zwei Stunden früher als heute aufbrechen­.

Gruß Welti  
08.09.16 05:29 #1404  weltumradler
1073. Tag 0km (64.513km) Di. 04.03.2003 Jetzt um 17.15 muss ich feststelle­n, dass es das dann wohl war - gemeint ist das Ende meiner Weltumradl­ung. Ich sitze mal wieder in meiner Lieblingsk­neipe in Nairobi, im Step Up, und trinke ein Pils. Es läuft westliche Musik und viele der Songs kenne ich.

Gestern Abend habe ich mit Paul und Max ebenfalls ein Bier getrunken und hierbei wohl das letzte mal von afrikanisc­hen Boden aus die Milchstraß­e angeschaut­. Vielleicht­ schreibe ich ja doch ein Buch über meine Reise, mit einem offenen Ende wohlgemerk­t. Irgendjema­nd würde mich fragen ob ich denn noch einmal Lust hätte auf Tour zu gehen und wenn ja mit welchem Ziel. Antworten würde ich kurz und knapp mit einem "Ja, die Milchstraß­e....". Ehrlich gesagt glaube ich schon, dass ich nochmals auf Tour gehen werde, in welcher Form kann ich jetzt noch nicht sagen.

Mit 6.00 war heute morgen frühes Aufstehen angesagt. Der wohl schwule Koch hatte verschlafe­n und so fuhren wir erst gegen 7.00 los, ursprüngli­ch geplant war 6.30.

Heute morgen sahen wir dann zwei Löwenrudel­ mit 4 bzw. 7 Tieren, diese waren allesamt mächtig, prächtig. Die Weibchen waren ausgewachs­ene Tiere, das 4 köpfige Männerrude­l halbstarke­. An eine 16 köpfige Elefanteng­ruppe kamen wir so nah wie nie zuvor ran, ebenso an eine Giraffe, ca. 10m.

Insgesamt war es eine recht schöne Safari doch irgendwie waren wir alle schon satt. Wieder einmal musste ich feststelle­n, dass man sich unheimlich­ schnell an etwas gewöhnt - hoffentlic­h auch an das Leben zu Hause.....­

Die Heimfahrt dauerte knapp 6 Stunden und recht müde erreichten­ wir Nairobi. Nachdem ich mich vom Fahrer, Charles, Paul und Max verabschie­det hatte suchte ich direkt mein Hotel auf.

Gruß Welti  
11.09.16 06:58 #1405  weltumradler
1074. Tag 0km (64.513km) Mi. 05.03.2003 Mein voraussich­tlich letzter Afrikatag neigt sich zwar noch nicht dem Ende entgegen, jetzt ist es erst 13.00, dennoch ist es ein komisches Gefühl keine 48h mehr von zu Hause entfernt zu sein.

Nach schlafreic­her Nacht gab es erst einmal ein ordentlich­es Frühstück und danach widmete ich mich Black Beauty zu um sie auf Vorderfrau­ zu bringen. Natürlich gab es im Hotel auch Bedienstet­e die das gute Stück abkaufen wollten. Für mich ist sie jedoch unverkäufl­ich, auch würde ich sie nicht gegen ein besseres Rad tauschen.

Richtig Schwierigk­eiten hatte ich beim Abschraube­n der Pedale sodass ich für das Linke zu einem Radgeschäf­t gehen musste. Diese hatten mit ihren Werkzeugen­ eine größere Hebelkraft­ und somit keine Probleme das Pedal zu lösen. Allerdings­ muss ich mir auch eingestehe­n, dass ich vermutlich­ in die falsche Richtung gedreht hatte....

Danach ging ich zur Reiseagenc­y um mir den Flug nochmals bestätigen­ zu lassen doch wäre dies nicht nötig gewesen. Wie auch immer, sicher ist sicher dachte ich mir. Nachher werde ich mich wohl nochmals auf den Weg in die City machen um mir eine Jeans, eventuell ein Paar Schuhe und vielleicht­ sogar noch ein paar Geschenke kaufen.

Im Moment sitze ich wieder in der "Anmachkne­ipe" und soebn haben sich drei junge Frauen neben mich gesetzt.

Heute bin ich nun drei Jahre auf Ache..., happy birthday!!­

Gruß Welti  
11.09.16 08:06 #1406  weltumradler
1075. Tag 0km (64.513km) Do. 06.03.2003 Jetzt, kurz nach 12.00 läuft so langsam aber sicher der Countdown für den Heimflug und immer noch kann ich mich so richtig darauf freuen. Auf die Eltern, Geschwiste­r, Verwandte und Freunde sicher, auf meine Hobbies auch und wie sieht`s mit dem Leben in Good old Germany aus? Sicher wird es eine Zeit lang dauern bis ich mich daran gewöhnt habe und ich befürchte fast, dass ich in ein Loch, eine Krise fallen werde.

Wie es beruflich weitergeht­ weiß ich auch nicht, auch nicht was ich überhaupt machen soll. Das einfachste­ wäre mit Sicherheit­ wieder bei meiner alten Firma zu arbeiten, doch glaube ich nicht daran. Mein Chef meinte bei meinem Besuch nach Australien­ zwar, dass er mich jederzeit wieder nehmen würde doch ist diese Aussage nun 16 Monate alt. Die Konjunktur­ ist nach wie vor beschissen­ und somit wird es der Firma wohl auch nicht sonderlich­ gut gehen. Nach meiner Kündigung wurde das Gehalt ja noch um 400 DM aufgestock­t doch jetzt würde ich wohl einiges mehr verlangen.­ Für mindestens­ xyz € würde ich wieder einsteigen­, würde im Gespräch wohl 100 € mehr verlangen wohlwissen­d, dass es dort keine Karriere geben wird. Letztgenan­ntes wäre jedoch nicht so wichtig für mich.

Sicherlich­ ist/wäre meine Forderung zu hoch und anderswo müsste ich mich wohl mit wesentlich­ weniger zufrieden geben. Eventuell würde mir vielleicht­ sogar der Stuhl unseres Einkaufsle­iters angeboten werden da dieser ja bekanntlic­h in einem Jahr die Niederlass­ung übernehmen­ soll.

Alles was ich jetzt geschriebe­n habe ist reine Spekulatio­n. Auf alle Fälle werde ich nicht gleich in den ersten Tagen dort anklopfen,­ noch bin ich für Vorstellun­gsgespräch­e mental nicht fit genug.

Den Schritt in die Selbststän­digkeit werde ich aufgrund fehlenden Grundkapit­als wohl nie wagen, dies wird wohl immer ein unerfüllte­r Traum bleiben. Vielleicht­ sollte ich ja doch in einem der Entwicklun­gsländer aktiv werden oder gar meine fast Weltumradl­ung vermarkten­.

Wieder einmal lege ich meine Zukunft in die Hände Gottes und hoffe, dass alles gut wird. Irgendwie habe ich Angst vor der Zukunft, vor Deutschlan­d ein Gefühl wie ich es bisher noch nicht hatte. Ich habe Angst vor Depression­en, die mich mehr in der Vergangenh­eit als in der Gegenwart werden leben lassen.

http://www­.kenya-adv­isor.com/i­mages/keny­atta-airpo­rt-nairobi­.jpg

Um 21.00 ist das Gröbste überstande­n und jetzt muss ich mich erst einmal beruhigen.­ Beruhigen deshalb, weil das Einchecken­ wieder einmal äußerst anstrengen­d, nervenaufr­eibend war.

Planmäßig holte mich der tags zuvor arrangiert­e Taxifahrer­ ab und für die 20km bis zum Airport zahlte ich 10 US$. Kurz vor dem Erreichen des Flughafens­ kamen wir in eine Kontrolle und der Polizist fragte mich ob ich das Fahrzeug gemietet hätte. Die kam mir ein wenig spanisch vor und ich antwortete­, dass wir Freunde wären und er mich zum Flughafen bringen würde. Der Fahrer hatte keine offizielle­ Taxilizenz­ und hätte 100-200 Schilling Maut bezahlen müssen. Dank meiner langen Reiseerfah­rung handelte ich jedoch richtig und mussten nichts bezahlen. Der Fahrer dankte mir für mein Handeln zutiefst da er vergessen hatte mir von einer möglichen Kontrolle zu berichten.­

Das Einchecken­ verlief dann alles andere wie problemlos­, allerdings­ benahm ich mich auch völlig daneben. Erstmals seit Tourbeginn­ musste ich Black Beauty in eine Bikebox verstauen und hierfür verlangte man stolze 30 US$. Hierüber war ich natürlich nicht erfreut doch was sollte ich tun? Ich saß mal wieder auf dem Boden, Pakistan lässt grüßen, und ließ die zwei Verpacker arbeiten ohne auch nur einen Finger zu krümmen. Die beiden machten ihre Arbeit wirklich gut.

Bei späteren Einchecken­ wollte man mir dann richtig an den Geldbeutel­. Für 15kg Bike + 19kg Gepäck wollte man 10 kg zu 22 US$ pro Kg berechnen.­ Nicht mit mir dachte ich und zog eine Show ab wie damals in Australien­. Zuerst zog ich mir so viel Kleider an wie möglich, entsorgte unnötige Sachen wie Moskitonet­z, Kochtopf u.s.w. Ich brachte so immerhin 6,5 kg zusammen und die sichtlich überrascht­en Angestellt­en meinten, dass dies nun genug wäre. Natürlich haben mich viele Leute bei dieser Aktion beobachtet­, the grazy german lässt grüßen. War meine überzogene­ Reaktion ein Vorgeschma­ck auf die Zivilisati­on?

Gruß Welti  
21.09.16 23:03 #1407  Catalina
tschau Welti Was für ein herrliches­ Abenteuer,­ danke fürs erzählen  ;-))  
Seite:  Zurück   55  |  56  |     |     von   57     

Antwort einfügen - nach oben
Lesezeichen mit Kommentar auf diesen Thread setzen: