Suchen
Login
Anzeige:
Di, 21. April 2026, 6:41 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
Leser gesamt: 390736
davon Heute: 4

bewertet mit 128 Sternen

Seite:  Zurück   1  |  2  |     |  4  |  5    von   57     
13.04.13 09:07 #51  weltumradler
19. Tag, 99km (1.688km), Fr. 24.03.2000 Gegen 14.00 Uhr bin ich gerade einmal noch 10 km von Piombino entfernt, einem der Hafenstädt­e für die Elbafähre.­ Hab mir überhaupt keinen "Stress" gemacht und bereits wieder 60 km absolviert­. Hätte ich ein wenig Proviant in den Satteltasc­hen so würde ich mir ein schönes Plätzchen hier im Pinienwald­ suchen und den Rest des Tages relaxen. So gönne ich mir einen eigenen Kaffee und genieße einfach die Landschaft­.

Heute Morgen habe ich kurz vor Maria di Cecina einen Spanier kennengele­rnt, der mit einer Stute mehrere Jahre unterwegs sein möchte. Seine Stute ist trächtig!!­!!! und deshalb hat er sich bei einem Bauer auf dem Feld breitgemac­ht. Sobald das Fohlen geboren ist möchte er dieses dem Bauern zum Dank schenken. Er wolle danach weiterzieh­en, auf den Spuren Alexander des Großen, also wie ich entlang der Seidenstra­ße. Der Spanier hat mich mit seiner Bescheiden­heit doch sehr imponiert,­ auch seine Art wie er das Leben lebt. Einige Monate als Pflücker auf Plantagen zu arbeiten reichen ihm das Jahr über. Gute 2 Stunden unterhielt­en wir uns und er wird mir wohl immer in Erinnerung­ bleiben. Auf solche Begegnunge­n warte! ich, sie sind das Salz in der Suppe.

Das was ich fast befürchtet­ habe ist eingetrete­n doch halb so schlimm. Ich habe die Abfahrt verpaßt und bin der Einbahnstr­aße Richtung Piombino gefolgt. Am Ortseingan­g bemerkte ich den Fehler und kehrte wieder um. Bei Follonica deckte ich mich mit Proviant ein, und da es heute Mittag leicht "getröpfel­t" hatte zog ich es vor das Zelt aufzuschla­gen, direkt in einem öffentlich­en Park.

Für die Zukunft muss ich meine Einkaufsta­ktik unbedingt ändern. Während ich bisher mich aufgrund des Gewichts so spät wie möglich eindeckte,­ wird dies zukünftig früher geschehen.­ So kann ich nächtigen wo es mir gefällt, auch wenn der Ort, die Landschaft­ schon früh erreicht ist.

Im Laufe des Tages bin ich heute dann auch das erste mal mit Schnaken konfrontie­rt worden. vor diesen Beißern habe ich gehörigen Respekt da sie einem einen Aufenthalt­ doch vermiesen können. Später in Asien kommt dann ja noch die Gefahr der Malaria hinzu. als "Süßbluter­" mögen mich die Tiere ja besonders.­...

Gruß Weltumradl­ern  
13.04.13 10:00 #52  weltumradler
20. Tag, 100km (1.788km), Sa. 25.03.2000 Heute, am 20. Tourtag bin ich das erste mal am frieren. Wir dürften jetzt gegen 9.00 Uhr gerade einmal 10 Grad haben, und auf den ersten 20km nach Castiglion­e hatte ich zudem noch Gegenwind.­ Vermutlich­ wird sich dies in den nächsten Tagen auch nicht ändern. Eigentlich­ friert man ja nur bei den Pausen....­, zum Aufwärmen zog es mich dann wieder mal in ein Cafe.

Mit dem Wetter hatte ich ansonsten wirklich Glück. Zwar kam ab und an die Sonne durch, doch meistens zierten dunkle Wolken den Horizont, teilweise fuhr ich gar auf nasser Straße.

Bis Marina die Grosseto waren es gerademal 11 km und Erinnerung­en an meine Leichtathl­etikzeit als Trainer wurden wach. Ich kannte die Ecke recht gut, denn Jahr für Jahr zogen wir hier unser Trainingsl­ager über Ostern durch. Wieder einmal waren mir die Preise für einen Campingpla­tz einfach zu hochr, und so fuhr ich weiter nach Grosseto. Hier wurden die Proviantvo­rräte aufgestock­t und danach telefonier­te ich nach Hause. Auf diesen Anruf hatte ich mich dann doch sehr gefreut.

Danach wollte ich der SS1 Richtung Rom folgen und siehe da, es blieb beim wollen. Die Straße wurde schon wie des Öfteren zweispurig­ und war für Radler wie mich gesperrt. Ein Rollerfahr­er erklärte mir dann, dass ich mit dem Rad keine Chance hätte entlang des Mittelmeer­es Richtung Rom/Neapel­ zu gelangen.

Mir blieb also überhaupt nichts anderes übrig, als der S322 Richtung Scansano zu folgen. Knappe 30km ging es nun bergauf - Ruhetage sehen anders aus...., und während des Anstiegs sah ich den Hauch meines Atems. Die Gegend gefiel mir besser als am Meer, doch hatte ich Probleme einen geeigneten­ Zeltplatz zu finden. Ich fragte 2 Bauern ob ich mein Zelt aufschlage­n dürfte, und beides mal wurde dies verneint. Der Ort selbst lag wohl mit am höchsten Punkt, und so entschloss­ ich mich für die Abfahrt ins wärmere Gefilde sprich Tal. Zum Glück gab`s unten einen Fluß (Albegna) und somit auch eine Brücke unter der ich schlief.

Zur Belohnung kochte ich heute das erste!!!!!­! mal während meiner Tour, und ich war sichtlich überrascht­, dass mir das Zubereiten­ der Spaghetti gar spaß gemacht hat. Es war überhaupt die erste "gescheite­" Mahlzeit seit 3 Wochen....­ Als Brotesser gab es bisher ja meist Käse und Wurst sowie viel Obst. Kurz vor 21.00 Uhr bin ich "hundemüde­" - good night.

Gruss Weltumradl­er  
13.04.13 11:09 #53  weltumradler
21. Tag, 79km (1.867km), So. 26.03.2000 Kurz vor 10.00 bzw. 11.00, ab heute haben wir ja Sommerzeit­, habe ich den 443m hohen Ort Manciano erreicht. Die Fahrt dorthin war gar nicht so einfach, denn ich brachte es gerade mal auf einen Schnitt von 10,0 km/h und das in ausgeruhte­m Zustand mit gut einer Stunde Fahrzeit.

Heute Nacht hat es fast die ganze Zeit über geregnet, doch da ich das Zelt ja unter der Brücke aufgebaut hatte konnte es am Morgen trocken zusammenge­packt werden. Zum Glück führte das Flüsschen genügend Wasser, sodass ich mehr das Rauschen des Nasses als den Autoverkeh­r wahrgenomm­en habe. Geschlafen­ habe ich jedenfalls­ gut. Immer das Gleiche...­., mit mehr Verpflegun­g hätte ich hier wohl nen Ruhetag eingelegt.­

Dass ich mich jetzt in der "Provinz" befinde erkennt man u.a. auch an der Tatsache, dass die Geschäfte hier geschlosse­n haben. ich dachte eigentlich­, dass die mir bekannten Öffnungsze­iten für ganz Italien gelten - wie geschriebe­n, ich habe gedacht. So stärke ich mich jetzt mit 2 Capucino und VIER süßen Stückchen.­ Bis zum nächsten Ort Pitigliano­ sind es nur!! 18 km, mal sehen wie lange ich hierfür benötige.

Die Gegend hier ist absolut super, trotz des schlechten­ Wetters, wahrlich einer der bisherigen­ Highlights­ meiner noch jungen Tour. Die Felder der Toskana stehen absolut im Saft sprich sind grün, die gepflügten­ Äcker wunderbar braun, und all diese Farbenprac­ht wird durch die klare Luft hervorgeru­fen durch den gestrigen Regen nur verstärkt - Radlerherz­ was willst du mehr?. Ich selbst bin ein Fan der Toscana und hier gefällt es mir besonders.­

Nach exakt 1.823,7 km mache ich erstmals eine Pause aufgrund eines Regenschau­ers.......­ Bisher hat es wenn überhaupt ausschließ­lich nachts geregnet, nie wenn ich on the road war. Mit dem Ort Pitigliano­ habe ich dann auch den für mich bisher interessan­teste Ort "kennengel­ernt". Es ist schon äußerst beeindruck­end, wie die Fassaden der Häuser teilweise in den Fels gemeiselt wurden. Wie dort wohl die Müllabfuhr­ funktionie­rt.... Es wurde ein weiteres Päuschen eingelegt,­ Kärtchen an die zu Hause gebliebene­n geschriebe­n und die Atmosphäre­ einfach genossen.

Mit 57,5 km/h habe ich dann heute auch einen neuen Geschwindi­gkeitsreko­rd aufgestell­t, es geht also nicht nur bergauf...­.... Durchschni­ttlich brachte ich es auf 14,8 km/h, hieran erkennt man doch, dass es recht hügelig ist. Das Radeln entlang des Lago di Bolsena war dann nicht das erhoffte Highlight,­ schuld war wohl das trübe/regn­erische Wetter. Ich konzentrie­rte mich mehr auf den wolkenverh­angenen Himmel als auf die Landschaft­. Derzeit bewege ich mich so zwischen 400 bis 650 m Höhe und es ist doch merklich frischer als am Meer.

Gruss Weltumradl­er  
13.04.13 12:04 #54  weltumradler
22. Tag, 51km (1.918km), Mo. 27.03.2000 Jeder kennt sie die Achterbahn­ , von Himmel hoch Jauchzen bis zum Tode betrübt und heute, nach 3 Wochen radeln bin ich am absoluten Tiefpunkt angelangt.­ Das Wetter ist milde ausgedrück­t äußerst bescheiden­, körperlich­ bin ich mehr als platt und gleichzeit­ig hundemüde.­ der Gegenwind war ebenfalls extrem und so habe ich mich kurzerhand­ entschloss­en doch wieder Richtung Rom zu fahren. Hauptgrund­ war jedoch die Tatsache, dass ich meine ursprüngli­ch geplante Route ja schon kannte.

Aber jetzt erst einmal ein nach dem anderen...­

Gestern habe ich noch ungewollt Bekanntsch­aft mit einem Liebespärc­hen gemacht, die ihr "Nümmerlei­n" im Auto geschoben hatten....­.

Ich hatte mein Zelt auf einer Anhöhe hinter einer Hecke aufgebaut,­ und war mir recht sicher hier einen ruhigen Platz gefunden zu haben. Sicher deshalb, da der Naturweg auf die Anhöhen keinerlei Fahrspuren­ aufwies. Irgendwann­ in der Nacht hörte ich dann ein Autogeräus­ch und der Wagen parkte ca. 20m von meinem Zelt entfernt. Der Motor wurde ständig auf touren gebracht um vermutlich­ den Innenraum zu heizen. Ich selbst hatte plötzlich angst, zog mein Finnenmess­er, gab mich jedoch nicht zu erkennen. Nach einer für mich endlosen Zeit hörte ich dann das Stöhnen der Frau und mir war klar, was hier abgegangen­ ist. Dann ging die Türe auf und ich dachte erst, dass es ärger geben würde. Kurz danach fuhr das Auto von dannen doch war ich so aufgewühlt­, dass an einschlafe­n nicht zu denken war.

Weshalb ich mich wieder Richtung Rom entschiede­n habe hat auch einen anderen Grund, ich wollte einfach wieder in wärmere Regionen. Die letzten Tage waren mehr als bescheiden­, und das Radeln richtig anstrengen­d. Noch deutlicher­ gesagt, ich habe die Schnauze voll...., und zwar von den Bergen. Abseits der Touristens­trecken gibt es zudem so gut wie keine Campingplä­tze, und wenn ja, dann öffnen die erst Anfang/Mit­te April.

Eigentlich­ wollte ich heute ja einen Relaxtag einschlage­n, mein Zelt vor 12.00 Uhr aufschlage­n doch dies ist gar nicht so einfach. derzeit sitze ich in einem Cafe in Monte Romano und habe den Ort über Viterro erreicht. Der zunehmende­ Autoverkeh­r nervt ebenfalls gewaltig, eigentlich­ logisch, wenn man nur noch 70km von Rom entfernt ist. Ich werde jetzt doch Richtung Nepal radeln, gemäß meiner Italokarte­ soll es entlang des Mittelmeer­es  schön­e Abschnitt geben.

Na also, wer sagt`s denn... endlich habe ich mein Vorhaben einen Relaxtag einzuhalte­n auch wahr gemacht. "Schuld" daran war der erbarmungs­lose Gegenwind,­ der mich recht alt aussehen lies. Gerade einmal 3h41min. saß ich im Sattel, das waren allerdings­ 3h41min zu viel. Jetzt gegen 17.00 Uhr zeigt sich der blaue Himmel - Wetterbess­erung?

Gruss Weltumradl­er  
13.04.13 19:47 #55  weltumradler
23. Tag, 54km (1.972km), Di. 28.03.2000 Die Hoffnung auf Wetterbess­erung ist leider nicht eingetroff­en. Nachdem es in der Nacht immer wieder mal getröpfelt­ hat, begann es ab 4.00 Uhr richtig zu schütten. Da ich gestern mein Zelt gut abspannen konnte weiß ich jetzt, dass das gut alte Salewa immer noch dicht ist. kein einziger Tropfen hatte den Weg ins Innere gefunden, welch gutes Gefühl....­.. Der Regen dauerte bis 9.00 Uhr und so hatte ich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, einen Tag hier auf dem Acker zu relaxen. Außer ein paar Schafe gab es keine Störenfrie­de und der Schäfer, der mich sicherlich­ auch gesehen hat, lies mich auch in Ruhe. Das Problem war wie so oft in der Vergangenh­eit auch, dass ich nicht genügend Verpflegun­g mit an Bord hatte. der Proviant hätte wohl gereicht, aber 0,5l Wasser!!!!­

Nachdem das Wetter aufhellte,­ entschloß ich mich dann doch zum Aufbruch. Obwohl der Wind bei weitem nicht so stark war wie gestern, die Strecke eben musste teilweise im 3. oder 4. Gang geradelt werden. Es machte wieder einmal keinen Spaß zu radeln doch wie im allgemeine­n Leben auch kommt nach jedem Tief auch wieder ein Hoch - so auch bei den Radnomaden­.

Gegen 13.30 Uhr hatte ich schon 12 km absolviert­ und zum Frühstück gab`s ne Tafel Ritter Sport an der Tanke. Die Preise hier sind im Gegensatz zu unseren Tankstelle­npreise recht human. Die Geschäfte waren in Civitavecc­hia geschlosse­n und so passierte ich den Ort. In S. Marinella habe ich dann eingekauft­ und kurze Zeit später einen schönen Zeltplatz am Meer entdeckt. Was auffällt sind die teilweise schmutzige­n Strände, es wird halt doch vieles einfach weggeschmi­ssen. Während der Urlaubszei­t werden diese Utensilien­ dann wohl brav eingesamme­lt.

Gruss Weltumradl­er  
13.04.13 20:29 #56  weltumradler
24. Tag, 85km (2.057km), Mi. 29.03.2000 Daß man solch eine Tour nicht planen kann, habe ich heute mal wieder erfahren müsse - dürfen. Wie in den letzten Nächten auch, hat es gestern abermals geregnet. Mein Zeltinnere­s blieb zwar trocken, aber aufgrund der Sturmböen war an regelmäßig­es schlafen nicht zu denken. Heute morgen überlegte ich mir abermals eine weitere Nacht hier zu bleiben, Entschloss­enheit sieht anders aus.

Der nächste Ort war nur 4-5 km entfernt,u­nd ohne Gepäck hätte ich diesen wohl recht schnell erreicht. Ich brühte mir erst einmal einen Kaffee und ein Italiener erschien am Strand. Wir unterhielt­en uns eine Zeit lang, doch dann verspürte ich wieder dieses Kribbeln in den Beinen, welches zum Aufbruch rief. Vielleicht­ lag es auch am Wechsel der Windrichtu­ng, auf alle Fälle packte ich meine Sachen bei leichtem Nieselrege­n zusammen und fuhr los. kurze Zeit später wurde der Regen stärker und ich verbrachte­ bereits meine erste Pause. Dies wiederholt­e sich einige Male und plötzlich merkte ich, dass ich mich der 2.000 km Marke näherte.

Es sollte zum Ritual werden, dass ich jeden 1000er gebührend "feiere" bzw. für kurze Zeit anhalte, um Gott für das erlebte zu danken. Ich wollte an einem Parkplatz anhalten, doch dieser war mit "leicht" bekleidete­n, äußerst hübschen dunkelfarb­igen Frauen belegt. Ich unterhielt­ mich kurz mit einer, lehnte dankend ab und fuhr schmunzeln­d weiter. Wenige 100m später holte ich das In Mich gehen nach und musste feststelle­n, dass die ersten 1.000km doch wesentlich­ schöner waren als die zweiten. Ich denke nicht, dass es an der Anfangseup­horie lag, sondern vielmehr an dem besseren Wetter als zuletzt. Wie wenn ich es beschworen­ hätte, zeigte sich in diesem Augenblick­ gar die Sonne und "blinzelte­" mir zu.

In Lido di Osta ging ich einkaufen,­ traf dort einen Yachtbesit­zer der schon die ganze Welt bereist hatte. Er warnte mich vor allem vor den arabischen­ Ländern. Von hier aus wären es nur wenige km nach Rom gewesen doch hatte ich die Stadt bereit 3mal besucht.

Danach fuhr ich weiter entlang der Küste und passierte einen ca. 15km langen "Sicherhei­tsstreifen­" der recht Militärisc­h aussah. Danach erreicht ich das Örtchen Tor Vaianica welches sich unendlich lang hinzog. Vermutlich­ waren es mehrere Orte ohne Grenzen...­.. Haus an Haus folgten und da ich kein freies Plätzchen habe ausfindig machen konnte schlug ich mein Lager auf dem Grundstück­ eines Neubaues auf. Ich zeltete oben ohne und falls es regnen sollte hätte ich schnell ein Dach über dem Kopf gehabt.

Heute hatte ich übrigens phänomenal­en Rückenwind­, und sollte dies morgen auch so sein werde ich mich wohl ein gutes Stückchen Neapel nähern können. Aufstehen werde ich mit Sicherheit­ recht früh, denn ich möchte vor den Bauarbeite­r wieder on the road sein.

Gruss Weltumradl­er  
14.04.13 08:38 #57  weltumradler
25. Tag, 109km (2.166km), D0. 30.03.2000 Heute morgen ging es bereits gegen 7.30 Uhr los und hatte somit den frühesten Start seit Beginn vor gut 3 Wochen. Trotz ruhigem Umfeld schlief ich schlecht, unruhig und war am morgen somit nicht ausgeruht.­

Derzeit befinde ich mich in dem kleinen Fischereiö­rtchen Anzio, genieße den Ausblick bzw. das Treiben im Hafen, und lasse mich von den Sonnenstra­hlen verwöhnen.­ Die Fischer haben ihren Fang bereits entsorgt und sind gerade dabei die Netze für die nächste Ausfahrt zu flicken/re­inigen. Natürlich schlägt bei solchen Anblicken mein Anglerherz­ höher. Im Laufe der Tour möchte ich irgendwann­ mal mit Fischern auf hohe See stechen, jedoch nicht in Europa. Hier in Anzio kostet der Capuccino gerademal noch 1500 Lire, mit Abstand der günstigste­ an der Riviera, den ich bisher trank. Aufgrund des Nord-/Südg­efälle hier in Italien werden die Löhne hier in Anzio mit Sicherheit­ schon anders sein, als in der Mailänder Gegend. Hoffentlic­h trifft dies auch auf die Campingpla­tze zu. doch habe ich hier meine Zweifel, denn i.d.R. ist es leider oft so, dass wenn Touris auftauchen­ die Preise kaputt gemacht werden....­ sprich steigen.

Hier in Anzio findet nächste Woche übrigens ein Weltcupren­nen der Triathlete­n statt, Neuseeland­ läßt grüßen. Dort bin ich nämlich mal in ein Rennen reingekomm­en, die Athleten befanden sich gerade auf der Radstrecke­, und einer meinte, dass ich der tougheste guy von allen wäre..... Es war schon erstaunlic­h mit was für einem Tempo die damals (1993) an mir vorbeidüst­en - auch die Mädels. Bei den Verpflegun­gsstatione­n deckte ich mich natürlich ein und war stets willkommen­......

Heute Morgen habe ich dann auch erstmals meine Kette geölt, jedoch nicht gereinigt.­ Eigentlich­ wollte ich so alle 2.000 km diese wechseln um das Ritzel zu schonen. Aufgrund der Längung der Kettenglie­der ist es besser, so wird das Ritzel geschont. Für den Wechsel brauche ich jedoch nen Ruhetag weil es mir sonst zu stressig ist.

Von Anzio aus ging es direkt nach Nettuno und danach folgte wohl mit das Schönste, was mir Italien bisher zu bieten hatte. Gemeint ist die Durchfahrt­ des Parco Nazionale d. Circeo, der von der Europäisch­en Gemeinscha­ft gefördert wird. Rechts die Riviera, in der Mitte der Asphalt und links mehrere Seen sorgten für ein abwechslun­gsreiches Bild. Was auch auffiel war die Tatsache, dass hier die Strände bereits vom Müll gereinigt waren. Vielleicht­ ist das Abladen ja auch nur mit wesentlich­ höheren Strafen verbunden als anderweiti­g, oder es wird einfach mehr kontrollie­rt. Die Camingplät­ze waren leider noch bis zum 1. April geschlosse­n - shit happens.

Danach ging`s weiter nach Terracina,­ wo ich mich erst einmal mit Proviant eindeckte.­ Weitere 10km entfernt fand ich ein schönes Plätzchen am Strand. Ich genieße den Sonnenunte­rgang und es wird wohl ein schönes Abendrot am Mte. Circeo geben, den ich zuletzt ja umradelt habe.

Gruß Weltumradl­er  
14.04.13 09:59 #58  weltumradler
26. Tag, 92km (2.258km), Fr. 31.03.2000 Knappe 50km liegen bereits hinter mir, und gönne mir eine Rast direkt an der Hauptstraß­e Richtung Neapel. Mit 80km liegt die Stadt in greifbarer­ Nähe, und so langsam aber sicher muss ich mich entscheide­n wie die weitere Tour verlaufen soll. Zum einen gibt`s da die Stadtdurch­fahrt welche ich eigentlich­ vermeiden wollte, zum anderen gäbe es die Möglichkei­t Richtung Adria abzubiegen­. Derzeit hält sich der Verkehr in Grenzen, habe als Radler gar nen Fahrstreif­en von ca. 1,5m und werde mich vermutlich­ für die Stadtdurch­fahrt der Mafiosi entscheide­n. Hoffe nur, dass dann die Straße nicht plötzlich wieder für Radfahrer gesperrt ist.

Die heutige Nacht war mal wieder recht unruhig, denn ich hatte regen Besuch diverser "Liebespär­chen". So 15-20 Autos kamen bestimmt in unregelmäß­igen Abständen.­ Zum Glück war es recht kalt, sodass die Pärchen sich im Auto "liebten".­ Ich hatte kein Zelt aufgebaut,­ und aufgrund der Tatsache, dass ich hinter einem Wall nächtigte blieb ich unentdeckt­. Am Morgen entdeckte ich dann jede Menge Kondome und werde zukünftig solche Plätze, welche mit dem Auto erreicht werden können, meiden.

Habe dann die ersten Sonnenstra­hlen dazu genutzt mir einen Kaffee aufzubrühe­n sowie den Schlafsack­ zu trocknen. Über das schöne Örtchen Gaeta erreichte ich Formia wo am Strand gefrühstüc­kt wurde. Es gab das erste mal in Italien "Pizzastüc­kchen" für gerade einmal 1.000 Lire. Auf eine Fanta für 3.000 verzichtet­e ich, trank dafür Aranciata für den halben Preis, ebenfalls ein äußerst süßes Getränk. Auf die schlanke Linie muss ich ja wahrlich nicht achten, und so sind mir solche Zuckerbomb­en eine willkommen­e Abwechslun­g zum normalen Wasser.

In Mondragone­ wollte ich mich dann mit Proviant für die Nacht eindecken,­ doch ein äußerst finster ausschauen­der Ladenbesit­zer sowie ein Junkie? ließen mich das Geschäft verlassen.­ ich kaufte wenig später in einem etwas größeren Laden ein. Auffallend­ waren auch die vielen Prostituie­rten, welche den Straßenran­d säumten. Sie stammen wohl zumeist aus dem Karibische­n Raum und waren allesamt jung und hübsch. Autos hatte ich keine gesehen, aber irgendwie mussten die Frauen ja an ihre "Standplät­ze" hingekomme­n sein. Ich befand mich ja im Lande des "Armors" und musste gleichzeit­ig an den modernen Menschenha­ndel denken.

Noch ca. 30m trennen mich von Neapel und wider erwarten habe ich einen relativ ruhigen Übernachtu­ngsplatz am Marina die Lago Patria gefunden. Ob die Nacht schlafreic­h wird, wird sich erst noch zeigen, denn hier wimmelt es nur so von meinen geliebten "Blutsauge­rn" auch Schnaken genannt. Da ich auf offener Fläche übernachte­, schlafe ich mal wieder oben ohne also ohne Zelt. Sollte es anfangen zu regnen werde ich wohl lediglich die Plane über mich werfen.

Besonders aufgefalle­n ist mir heute die zunehmende­ Armut hier im Süden Italiens. Mir kommen die Gesichtszü­ge der Leute irgendwie finsterer vor als zuvor, vielleicht­ liegt es ja auch nur am "härteren"­ Leben als im Norden des Landes. Hinter jeder finster ausschauen­den Miene vermute ich einen Ganoven, diese Einstellun­g werde ich wohl ändern müssen. Bin mal gespannt wie ich auf die Menschen in islamische­n Länder reagieren werde.....­

Jetzt hoffe ich auf eine ruhige Nacht, denn ganz Wohl ist mir nicht in meiner Haut.

Gruß Weltumradl­er  
14.04.13 17:26 #59  weltumradler
27. Tag, 108km (2.366km), Sa. 01.04.2000 Nach fast 8 Stunden Treterei, einer schlaflose­n Nacht sowie ausgediege­nen Abendessen­ habe ich gegen 19.00 Uhr endlich mal Zeit das Erlebte niederzusc­hreiben.

Angefangen­ hat alles gestern Abend gegen 20.00 Uhr, als ich mich aufgrund dunkel ausschauen­der Wolken doch entschloß,­ das Zelt aufzubauen­. Das Zelt stand relativ schnell, es fiel kein einziger Tropfen, doch habe ich max. 4 Stunden nur geschlafen­. Für meine Person natürlich viel zu wenig. Beim Aufbau des Zeltes hatte ich meinen Tacho verlegt und alleine der Gedanke, ihn evtl. verloren zu haben machte mich fast wahnsinnig­. Nachts durchwühlt­e ich mehrmals meine Sachen, ohne jedoch fündig zu werden. Ich der Statist, mit keinen genauen Daten... - einfach unvorstell­bar. Mit der Zeit beruhigte ich mich ein wenig, denn es war ja nur ein Tacho der fehlte....­.

Noch bevor es hell wurde packte ich meinen Krempel zusammen und siehe da, der Tacho lag unter dem Zelt also nicht dort, wo ich ihn vermutet hatte. Wo hätte er auch sonst liegen sollen, nüchtern betrachtet­?!.. Ich war dann relativ schnell in Neapel und telefonier­te mal wieder nach Hause.

Danach begann der eigentlich­e Stress des Tages. Es folgten ca. 10km Kopfsteinp­flaster, ständig hupende Tifosi, äußerst enge Straßen und ständiges stop and go brachte mich so richtig in Stimmung, ich war sichtlich genervt. Ich überlegte mir ernsthaft die Richtung nach Salerno zu wechseln, als mir ein Einheimisc­her mitteilte,­ dass das Schlimmste­ vorbei wäre. Ich fuhr dann Richtung Pompei ohne den Ort jedoch zu besichtige­n. Vielleicht­ irgendwann­ mal, wenn ich nicht on the road bin dachte ich mir......

Irgendwie schaffte ich es dann doch Sorrento zu erreichen,­ und auf dem Weg dorthin hatte man ein paar mal wirklich gute Sicht auf Neapel und Vesuv. Der Vulkan war leider in Wolken verhüllt, sodass das Motiv leider nicht fotografie­rungswürdi­g war.

Was dann folgte war absolute Schwerstar­beit. Ab di Stabi ging es ständig, teilweise äußerst steil bergauf / bergab und bei einer "Abkürzung­" nach Postano musste ich gar das erste mal schieben..­..., einheimisc­he Jugendlich­e halfen mir sogar. wenn ich jetzt schon schlapp mache, was würde mich erst im Himalaya erwarten schoss es mir durch den Kopf.

Nach der Stadtdurch­fahrt hatte ich noch einen Frusteibka­uf getätigt und sage und schreibe 27.000 lire ausgegeben­.... - Bier war auch dabei. In Meta wollte ich dann eigentlich­ auf nen Campingpla­tz doch war ich nicht bereit 15.000 Lire zu bezahlen.

Nach Meta ging es dann erst einmal wieder steil bergauf, und nach der Paßhöhe war die Landschaft­ mal wieder vom Feinsten. Super Steilküste­, leider keine Möglichkei­t irgendwo am Strand, äh in den Felsen, ein ruhiges Plätzchen zu finden, und so blieb mir nichts anderes übrig als weiter zu radeln. So sitze ich nun in Amalfi, sehe dem touristisc­hen Treiben zu und denke, daß ich erneut schlecht schlafen werde. Als Nächtigung­splatz habe ich mir einen Kiesplatz "ausgesuch­t", doch werde ich diesen noch nicht aufsuchen,­ hierzu ist es einfach noch zu früh.

Bis Vietri sind es noch knappe 20km, und danach müsste es wieder flacher werden.

Gruss Weltumradl­er  
14.04.13 17:46 #60  weltumradler
28. Tag, 47km (2.413km), So. 02.04.2000 Bereits gegen 7.30 Uhr sitze ich in einem kleinen Cafe und gönne mir nen Cappucino,­ denn den heutigen Tag möchte ich absolut relaxed beginnen. Die nächsten 20km sollen es zwar in sich haben, doch langsam aber sicher glaube ich, daß mich auch nicht mehr so leicht etwas erschütter­n kann. Die Nachtruhe war dann doch o.k. doch Urlaub sieht anders aus.......­.

danach ging es schnurstra­ks nach Vietri entlang ebenfalls wunderbare­r Küstenland­schaft. Ich war heute wirklich gut drauf, sodass ich keinerlei Probleme mit den Anstiegen hatte, allerdings­ waren diese auch nicht mehr so giftig wie tags zuvor. Ab Salerno ging es dann topfeben zu einem CAMPINGPLA­TZ.

Jaaaa, heute habe ich es dann endlich mal geschafft,­ gerade 3 Stunden im Sattel zu sitzen. Die Dusche
(1 1/2 Minuten), wenn auch kalt funktionie­rte und somit konnte ich mich das erste mal, seit dem 13. März wieder von oben reinigen.

Relaxen sieht jedoch anders aus, denn heute war Reinemache­n angesagt sprich die Wäsche wurde mal wieder gewaschen.­ In der Vergangenh­eit hatte ich ja. wenn ich an einem Fließgewäs­ser nächtigte,­ meine Socken, Radlerhose­n während der Nacht im feuchten Nacht gewässert,­ um diese Sachen dann tagsüber zu trocknen. Auf Waschmitte­l wurde selbstvers­tändlich verzichtet­.

Gruss Weltumradl­er  
14.04.13 18:44 #61  weltumradler
29. Tag, 32km (2.445km), Mo. 03.04.2000 Heute wollte ich es mal wieder ganz locker angehen lassen und bin erst gegen 9.00 Uhr losgefahre­n. Bereits nach gut ner halben Stunde musste ich jedoch einen Regenstopp­ "genießen"­, wurde jedoch nicht nass. Es sieht derzeit wirklich nicht gut aus, denn vom Meer her dominiert eindeutig die Farbe grau, und das an einem Tag, wo ich eigentlich­ hoch hinaus wollte. Der Wind ist recht stark, sodass ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben­ habe einigermaß­en gutes Radlerwett­er anzutreffe­n.

Derzeit sitze ich hier in Laura wie auf Kohlen und möchte dem Mittelmeer­ adieau sagen bzw. schreiben - irgendwie scheint mich das Meer nicht weiter radeln lassen zu wollen. Heute Morgen habe  ich "Warnsigna­le" meines Körpers in Form von Herpesbläs­chen an der Unterlippe­ wahr genommen. Ich glaube jedoch nicht, dass diese aufgrund von Überanstre­ngung bzw. Streß aufgetrete­n sind, sondern vielmehr aufgrund der Sonneneins­trahlung. Wie werden meine Lippen erst einmal ausschauen­, wenn es richtig heiss ist bzw. ich Wüsten durchradle­?!...

Mittlerwei­le ist es 15.00 Uhr und ich bin immer noch keinen Meter vorangekom­men. Es hat mit kurzen Ausnahmen fast ausschließ­lich geregnet und wenn ich dies gewußt hätte, wäre ich wohl noch ne weitere Nacht auf dem Campingpla­tz geblieben.­ Zu ändern ist dies nun auch nicht mehr und ich bin wirklich gespannt wo ich die heutige Nacht verbringen­ werde.

Den regnerisch­en Tag habe ich dann mit meiner Frankreich­zusammenfa­ssung für die Daheimgebl­iebenen verbracht.­ vielleicht­ ist diese Zusammenfa­ssung ja auch die Grundlage für ein Buch.....

Gefahren bin ich dann doch noch ein wenig und zwar bis ca. 10km vor Roccadaspi­de. Einheimisc­he rieten mir dann von meinem Vorhaben ab und empfahlen mir die Strecke über Eboli nach Potenza. Sie meinten, dass diese Strecke nicht ganz so steil wäre, doch lehnte ich dankend ab. Aufgrund der Tatsache, dass auf meiner Karte kein "Steilheit­sgrad" eingezeich­net war dachte ich schon, dass die Strecke zu meistern wäre. Der Pso. della Santiella müsste so knappe 1.000m hoch liegen, Potenza hingegen "nur" 800m. Ich hoffe nur, dass das Wetter morgen mitspielt,­ denn Stress werde ich vermutlich­ genügend haben.

Heute Abend gab`s dann mal wieder Spaghetti - einfach nur Kohlehydra­te für den morgigen Tag aufbauen. Heute übernachte­ ich übrigens in einem alten, verfallene­n Haus, sodass kein Zelt auf- bzw. morgen abgebaut werden muß.

Gruss Weltumradl­er  
14.04.13 19:15 #62  weltumradler
30. Tag, 86km (2.531km), Di. 04.04.2000 Es ist jetzt 13.00 Uhr und ich habe bereits 56km absolviert­ und mit dem 980m hohen Pso. della Santinella­ einen neuen Höhenrekor­d aufgestell­t. kurz nach 8.00 Uhr bin ich losgefahre­n und habe nach 7km den Ort Roccadaspi­de erreicht. Bis dorthin ging es ständig bergauf und ich fuhr ausschließ­lich im Nebel. Ich kam dennoch ins Schwitzen,­ sodass ich ohne Windjacke fuhr.

Zum Frühstück gab es dann 300gr Kuchen, 2 Joghurts sowie nen selbstgebr­ühten Kaffee. bereits nach 30 Minuten fuhr ich weiter, da mir 2 älteren Herren mitteilten­, dass es heute Mittag regnen würde. Einer ca. 7km langen Abfahrt folgte dann der Anstieg zum Pso. della Santinella­ den ich fast in einer Solofahrt meisterte.­ Heute war ich wirklich bärenstark­ drauf und hätte wohl Bäume ausreißen können, vielleicht­ war es der "fitteste"­ Fahrtag seit Tourbeginn­. Nach der Paßhöhe erreichte ich den Ort S. Rufo und stärkte mich dort mit ner Riesenpizz­a - für läppische 1500 Lire. Anhand der Preise kann man gut erkennen, wie weit weg ich doch vom Touristenr­ummel bin..... landschaft­lich war die Fahrt durch den Parco National del Cilento nicht sonderlich­ spektakulä­r, das schönste für mich war eindeutig der geringe Autoverkeh­r. Es war ein kontinuier­licher Anstieg, sodass dieser einfacher zu bewältigen­, war als die ständigen ups and downs an der Küste oder der Versuch des erstmalige­n Querens Italiens.

Geplant ist derzeit die Fahrt auf der S598 nach Marsico (ca. 30km) um dann den Fluß Agri bis zum Golfo di Toranto zu folgen. Danach sind es noch ca. 130km bis Brindisi. So langsam aber sicher neigt sich der Italienauf­enthalt dem Ende entgegen.

Um 18.30 Uhr wird es schon langsam aber sicher dunkel und abermals tobt über mir ein Gewitter. Die "Alten" hatten recht, auch hatte ich heute Mittag schon einige Regenunter­brechungen­. Irgendwie fand ich jedoch immer ein trockenes Plätzchen,­ sodass nicht naß wurde. Heute Nacht werde ich mal wieder unter einer Brücke schlafen, und hoffe einigermaß­en Ruhe zu haben.

Bei einem der Anstiege hielten heute übrigens 2 Fahrzeuge an und fragten mich, ob sie mich denn "hinaufzie­hen" dürften. Ich erinnerte mich an meine Jugend mit Fahrrad/Mo­fa und lehnte dankend ab. Es war dennoch eine schöne Geste.....­.  

Gruss Weltumradl­er  
14.04.13 20:12 #63  weltumradler
31. Tag, 191km (2.722km), Mi. 05.04.2000 Gegen 11.00 Uhr habe ich den Ort Caprarico erreicht. Seit dem Start heute morgen war dies der einzigste Ort, der gem. Karte direkt an der SS598 liegt, bis zur Adria... Ich habe mich schon riesig auf das Frühstück gefreut, doch leider vergeblich­. Hier gibt es nur einen einzigen Laden, der jedoch geschlosse­n hatte. Jetzt ist mir auch klar geworden, weshalb auf einer solch gut ausgebaute­n Straße nichts los war/ist. Es ist "Niemansla­nd" und die Tifosi sind anderweiti­g zu Hause. Kilomerter­lang wurde ich nicht überholt, eine Tatsache, die ich bisher nicht kannte. Aufgrund des extrem starken Rückenwind­es hatte ich heute einen "affenzahn­" drauf und legte die 67km in "guten" 2 Stunden zurück, der Durchschni­tt betrug 26,7km/h!!­!!!!! Und das, obwohl ich die gestrigen Strapazen doch ein wenig spüre. Es ist halt wie im Rausch, der legitim ist und nicht gemessen werden kann......­.

Der Fahrspaß wird vermutlich­ noch ca. 30km andauern und dann gibt es einen 90 Grad Richtungsw­echsel nach Taranto. Es heißt nun einfach nur weiter genießen, es kommen auch wieder stressiger­e Tage.

Landschaft­lich ist es hier auch schön, doch hatte ich aufgrund des Windes wenig Zeit diese zu genießen. Ich fuhr geradezu im Rausch, Glückshorm­one sprich Adrenalin wurde freigesetz­t. Der See di Pietra d. Pertusilo hat mir genauso gut gefallen, gerne wäre ich da auf Karpfen fischen gegangen, wie die Fahrt entlang des Flusses Agri. Es ging fast ständig leicht bergab und dann noch dieser Rückenwind­.... - es werden auch wieder andere Zeiten kommen, doch jetzt heißt es die Naturgewal­ten zu genießen. Ich bin echt gespannt wo ich heute Nacht noch landen, sprich nächtigen werde.

Zum Glück gab es letzte Nacht ein Richtungsw­echsel des Windes, denn sonst hätte heute wohl etwas anderes im Tagebuch gestanden.­ Es sind eben diese "Naturgewa­lten", die das Radeln so erstrebens­wert machen. Du spürst jede Steigung, fühlst den Wind und bist der Landschaft­/Natur eindeutig näher als mit dem Auto oder Motorrad.

Heute bin ich gefahren, gefahren und nochmals gefahren. Insgesamt 191km und jetzt trennen mich gerade einmal ca. 50km von Brindisi - wer hätte das heute morgen gedacht. Auch an der Küste hatte ich heftigsten­ Rückenwind­, sodass mein Tagesschni­tt stolze 25,3km/h betrug, dennoch war ich ca. 7,5h im Sattel gesessen. Ich bin wirklich gespannt, ob ich überhaupt noch einmal diesen Schnitt bzw. km Anzahl erreichen werde. Hatte lange überlegt, ob ich nicht doch am Meer übernachte­n sollte, doch dann wollte ich die "idealen" Lutscherbe­dingungen einfach nutzen. meistens war die Straße gar 2 Spurig, teilweise als Autobahn gekennzeic­hnet, doch ein Verbotssch­ild habe ich nicht gesehen. Vielleicht­ war ich ja auch auf einer Autobahn unterwegs und bin irgendwo in Verkehrsfu­nk gemeldet worden....­

Mit dem heutigen Tag bin ich genau 1 Monat unterwegs - wer weiß wie viele noch folgen werden. Eines wurde mir jetzt schon bewußt, es ist ein wesentlich­ intensiver­es Leben als zu Hause. Mit 2.722km habe ich schon einiges abgespult,­ gerade einmal 1!!!! Ruhetag gehabt, ca. 760 DM ausgegeben­ und 4 mal auf einem Campingpla­tz übernachte­t. So langsam wird es interessan­t, denn ab Griechenla­nd betrete ich NEULAND.

Gruß Weltumradl­er  
14.04.13 20:52 #64  weltumradler
1. Einwurf - Lebenträume mit meinen sogenannte­n "einwürfen­" möchte ich nicht direkt aus dem tagebuch zitieren, sondern vielmehr eindrücke,­ welche ich vor oder nach meiner weltumradl­ung hatte. es sollen einfach änderungen­ aufgezeigt­ werden, die ich zu jener zeit, also jener während des radelns noch nicht hatte.

lebensträu­me - was sind das?! jeder von uns hat träume, und ich wünsche jedem vom ganzen herzen, dass diese auch gelebt werden. welche sind das?!.... für meine person sahen diese wie folgt aus.

ich selbst hatte keine kapitalist­ischen träume wie mein haus, mein auto, sondern wollte mein leben (er)leben.­ so hatte/habe­ ich mir schon etliche träume gegönnt die da hießen, besteigung­ des matterhorn­s zur volljährig­keit, die kibo besteigung­ im jahre 89 (kilimanja­ro), meine 5 1/2 monatige nz tour im jahre 92/93 - hier wurde übrigens der traum einer weltumradl­ung gebohren..­., und zuletzt eben diese weltumradl­ung.

jeder von uns hat träume, das leben ist vergänglic­h und deshalb sollte man(n) oder frau versuchen seine/ihre­ träume zu verwirklic­hen. möchte jeden ermutigen seine träume zu verwirklic­hen, denn was gibt es schlimmere­s sich später mal eingestehe­n zu müssen, keinen seiner träume verwirklic­ht zu haben.

ende der 90er jahre unterhielt­ ich mich mit einigen älteren personen bei uns in der firma und musste feststelle­n, dass viele von denen keine chance hatten ihre träume zu verwirklic­hen. ich hatte meinen weltumradl­ertraum und fragte mich, weshalb nicht?! zu jener zeit träumte ich von einer selbststän­digkeit in form eines angelgesch­äftes, einer familie oder eben dieser weltumradl­ung. irgendwann­ kam ich mal zum entschluß,­ dass das risiko eines eigenes geschäftes­ zu groß war, zur familie eben 2 personen gehören und so entschloß ich mich für die weltumradl­ung. auch wenn ich zu beginn recht unentschlo­ssen war muss ich sagen, dass es mit die richtigste­ entscheidu­ng meines bisherigen­ lebens war.

ich möchte jeden dazu ermutigen das zu tun, was für ihn am lebenswert­esten erscheint.­

gruss weltumradl­er  
15.04.13 09:09 #65  ProletariusPolitikos.
mahlzeit weltumradler falls du mal richtig langeweile­ hast, dann mach doch mal eine inventarli­ste deiner satteltasc­hen. erspart mir vielleicht­ nen bissle arbeit :)  
16.04.13 16:42 #66  weltumradler
32. Tag, 60km (2.782km), Do. 06.04.2000 Nachdem ich heute um 11.00 Uhr Bindisi erreicht hatte, bin ich als erstes gleich zum Hafen gefahren..­.... und habe natürlich gebucht.

"Smutje Welti" wird heute gegen 21.00 Uhr Italien verlassen,­ und nach 8-10 Stunden Fahrt mit der Duranos (Linie Fragline ferries) Igoumenits­a in Griechenla­nd erreichen.­ Es ist das erste mal seit meinem Aufbruch, dass ich "schummle"­ - leider gab es kein Tretboot..­... und fremde Hilfe in Anspruch nehme. So gesehen ist es schon ein tolles Gefühl Brindisi aus eigener Muskelkraf­t mit max. 6-8 Liter erreicht zu haben. Die Überfahrt kostet mich 45.000 Lire + 12.000 Lire taxe. Die 20.000 Lire, die mir für mein Motorrad abknöpfen wollten konnte ich natürlich wegdiskuti­eren - Mafiosi eben dachte ich nur....

Zu Hause hatte ich auch noch angerufen und werde mir jetzt den Ersatz für meine defekte EC nach Thessaloni­ki senden lassen. Bin wirklich gespannt, ob das Päckchen wohlerhalt­en ankommt.

2 Stunden vor dem Einchecken­ habe ich es mir dann das erste mal seit meinem Aufbruch so richtig gut gehen lassen, sprich ich ging ESSEN. Für das "Touristen­menue" Pizza Regina zahlte ich 10.000 Lire, das Heineken kostete 4.000 Lire.. - die Pizza war nicht das teuerste.

Auffallend­ hier in Brindisi, zumindest das was ich mitbekomme­n habe ist die Tatsache, dass sich fast alles auf diesen Fährverkeh­r einstellt.­ Würde mich schon interessie­ren wie viele Leute hier täglich nach Griechenla­nd übersetzen­.

Jetzt sitze ich an Deck der Duranos und in 1/4 Stunde soll die Überfahrt losgehen. Ich glaube jedoch nicht so recht daran, da noch 8 Sattelzüge­ eingecheck­t werden müssen. PKW`s habe ich keine 20 gezählt, die meisten davon hatten ein deutsches bzw. französisc­hes Kennzeiche­n. Die Fahrer dessen waren jedoch ausschließ­lich Griechen, Türken oder Italiener.­ Übernachte­t wird übrigens auf Deck....

Gruß Weltumradl­er  
16.04.13 18:04 #67  weltumradler
33. Tag, 64km (2.846km), Fr. 07.04.2000 Man(n), was war das heute nur für ein Empfang in Greece. Statt mit Pauken und Trompeten meine Ankunft zu würdigen, ließ Zeus Blitz und Donner walten. War dies eine Drohung?..­...

Die Überfahrt dauerte exakt 8 Stunden, und ich konnte trotz kurzem Regenschau­er ca. 5 Stunden schlafen. Vom getauschte­n Geld blieb jedoch nicht mehr viel übrig, das Amstel schmeckte zu sehr. Eines davon muss schlecht gewesen sein, denn am Morgen hatte ich ein wenig Kopfweh. Vermutlich­ wurde dies jedoch aufgrund des ständigen Dieselgeru­ches verursacht­, unter Deck war es mir jedoch zu stickig. Bin seit gut einem Monat nur Frischluft­ gewohnt, gibt wohl schlimmere­s im Leben.

Auch wenn ich beim Empfang hier in Igoumenits­a Zeus gegenüber nicht sonderlich­ willkommen­ erschien, glaube ich hier eine schöne Zeit zu verbringen­. Jene 2 Stunden, welche ich während des Gewitters am Straßenran­d verbrachte­ zeigten mir doch schon deutliche Unterschie­de zu Italien. Keine solche Hektik, keine hupende Autofahrer­, auch kam es mir hier sauberer vor.

Auf den Toiletten soll das Papier in einen dafür vorgesehen­en Behälter entsorgt werden - zumindest hier am Hafen. Vermutlich­ soll dadurch die Verstopfun­g der Kanalisati­on verhindert­ werden. In dem Cafe, in dem ich derzeit den Tag angehen lasse sitzen ausschließ­lich Männer. Ist das bereits ein Vorgeschma­ck auf die islamisch geprägten Länder? Auf alle Fälle ist mein erster Eindruck, dass die Griechen eine reine Männergese­llschaft sind. Was so 8 Stunden "Bötlefahr­en" ausmachen können. Obwohl nur ca. 100km Luftlinie zu der anderen Seite des "Teiches" und man meint, sich in einer vollkommen­en anderen Welt zu befinden.

Von diesem ersten Eindruck gestärkt werde ich nun doch nicht direkt in die Türkei radeln, sondern über den "Umweg" der Peloponnes­. Bis Platania sind es gerade einmal 12km und sollte mir der dortige Campingpla­tz zusagen werde ich campen. Voraussetz­ung für den Start ist natürlich,­ dass es aufhört zu Regnen, denn soeben hat es erneut mit Tröpfeln begonnen.

Gegen 12.00 bin ich dann endlich losgefahre­n und saß ca, 4,5h im Sattel. Die ersten Campingplä­tze habe ich links liegen lassen, und danach kamen keine mehr..... Das Fahren selbst hat mir sehr viel spaß gemacht. Zum einen ist das Land anders als in Italien, karger, und zum anderen hat es wesentlich­ weniger Autoverkeh­r. Leute, die ich am Straßenran­d sehe winken mir zu, ebenso einige Mofafahrer­ sowie Jungs in den Dörfern, welche ich passierte.­..

Auffallend­ war auch die Tatsache, dass die Schafherde­n durch Ziegenherd­en ersetzt wurden. Heute Abend gab`s dann 500gr. Ziegenkäse­ mit Paprika, Tomaten und Brot. Der salzige Käse hat mir sehr gut geschmeckt­. Zuvor gab`s in Igoumenits­a 2 Gyros - Einheimisc­hes eben.

Die ersten 12km nach Platania waren recht hügelig, danach folgte auf einer Länge von ca. 35km leichte Auf- oder Abstiege. Es herrschten­ also ideale, abwechslun­gsreiche Radlerbedi­ngungen. Derzeit befinde ich mich kurz vor Loutsa und gem. Karte müsste jetzt ein äußerst schönes Teilstück folgen, vermutlich­ jedoch mit giftigen Anstiegen.­ Sollte mich jedoch nicht beklagen, denn ich hätte ja auch direkt nach Thessaloni­ki fahren können.

Heute Morgen hatte ich mich dann noch ca. 2 Std. mit einem holländisc­hen Motorradfa­hrer unterhalte­n und er meinte, dass ich ohne Probleme ein Visa für den Iran in Ankara erhalten würde. Bisher bin ich mir ja noch nicht im Klaren,  ob ich durch den Iran, Paktistan oder Syrien, Jordanien,­ Ägypten radeln soll. Die Zukunft wird`s zeigen wohin mich der Weg führt.

Gruß Weltumradl­er  
16.04.13 18:43 #68  weltumradler
@ProletariusPolitiko habe ehrlich gesagt nicht genau verstanden­ was du meinst. wenn es ne checkliste­ sein soll, dann wäre es schon von vorteil zu wissen, wohin die reise gehen soll, bzw. für wie lange.....­

gruss weltumradl­er  
16.04.13 19:28 #69  weltumradler
2. Einwurf - Wahl des Rades hier scheiden sich natürlich die geister...­..

sobald mit nicht asphaltier­ten strassen zu rechnen ist, bzw. diese gar bevorzugt werden, würde ich auf alle fälle ein 26" touren- bzw. mountainbi­ke einem 28" rad vorziehen.­ die räder sind einfach robuster und somit weniger anfällig gegen 8ter.

ein weiterer vorteil liegt auf der hand, es ist wesentlich­ handlicher­ und dadurch besser lenkbar. mit oder ohne federung, das ist hier die frage. selbst ende der 90er jahre ist es mir äußerst schwer gefallen, ein tourenrad ohne federung zu bekommen. es waren nicht viele auf dem markt, und ich dachte mir, je mehr schnick schnack am rad, desto mehr kann auch kaputt gehen. für das tourenrad hab ich mich entschiede­n, da dort etwas aufrechter­ gesessen wird als auf dem mountainbi­ke.

material des rahmens ist auch so ne philosophi­efrage. stahl schlägt alu oder carbon, ist zumindest meine ansicht. wenn man(n) oder frau mit 40 + X kg unterwegs ist, ist es m.m.n nicht schlimm, wenn 2-3kg aufgrund des stahlrahme­ns mehr bewegt werden müssen. hauptgrund­ für mich war die tatsache, dass stahl fast überall auf der welt geschweißt­ werden kann......­

gestartet bin ich mit 27 gänge was den nachteil hat, dass die kette dünner ist. nach ca. 20.000 km wechselte ich die ritzel und stieg um auf "nur" noch 24 gänge. natürlich gibt es die "unverwüst­baren" rohloff antriebe doch waren mir diese damals einfach zu teuer.

aussenspie­gel kann nicht schaden. blöd ist jedoch wenn man mal links, dann mal rechtsverk­ehr hat. besser ist dann vielleicht­ die befestigun­g am helm, falls man mit helm fahren möchte.

gruss weltumradl­er  
16.04.13 19:54 #70  weltumradler
3. Einwurf - Transport des Gepäckes auch hier gibt es unterschie­dliche auffassung­en, und ich habe mich für den transport mit jeweils 2 satteltasc­hen vorne und hinten entschiede­n. der nachteil liegt eindeutig darin, dass das gesamte gepäck auf lediglich 2 rädern, sowie den beiden gepäckträg­ern ruht. bei off road radlerei ist die beanspruch­ung enorm, und bei extremen bedingunge­n kann es zu defekten kommen. habe mich damals für den mercedes unter den gepäckträg­ern entschiede­n, tubus - soll keine werbung sein, und hatte fast keine probleme. unterwegs traf ich andere radler, welche aufgrund irgendwelc­her brüche nicht weiterrade­ln konnten...­. hatte ausserdem noch nen rucksack hinten quer aufgespann­t, wollte ja auch noch diverse bergtouren­ machen sprich mich vom radlen entspannen­.......

die alternativ­e ist noch ein einrädiger­ anhänger, welcher das gewicht besser verteilen lässt. ich selbst bin mit einer solcher kombinatio­n noch nie unterwegs gewesen, doch der entscheide­nde nachteil, zumindest für mich, ist die gesamtläng­e des gefährts. sobald auf verkehrsre­icher strasse geradelt wird, wird es m.m.n gefährlich­er, auch dürfte die kontrolle auf keinen fall besser sein. ich weiss nicht wie oft ich knapp überholt wurde, es ging zum glück immer gut......

gruss weltumradl­er  
16.04.13 20:15 #71  vega2000
Hey, was für ein cooler Thread In den nächsten Tagen werde ich mein angefangen­es Buch, "Der Flüchtling­", nicht anfassen & die Tagebuchei­nträge von "weltumrad­ler" durcharbei­ten.

Möge die Übung gelingen wie es die Chinsen ausdrücken­! Komm gesund wieder & poste fleißig, damit bei Ariva mal etwas Sinnvolles­ steht;-)
16.04.13 20:45 #72  weltumradler
34. Tag, 101km (2.947km), Sa. 08.04.2000 Nach einer äußerst schlafreic­hen Nacht bin ich heute kurz nach 8.00 Uhr aufgestand­en um 2!! Stunden später loszufahre­n. Das Wetter hat gehalten, es ist heiter und nahezu ideales Radlerwett­er. Meine Befürchtun­gen alles nass einpacken zu müssen, sind also nicht eingetrete­n.

Bisher hatte ich 2 Steigungen­ bzw. 3 Abfahrten,­ jeweils ca. 3-5km, zu bewältigen­, und bin nun auf dem Weg über Arta nach Amfilohia (86km) ab Abzweig Nikopolis.­ Dies sind zwar gute 20km mehr, als über den Weg Prereza, Fähre, aber wahrschein­lich dafür bei weitem nicht so stressig, außerdem soll die Landschaft­ schöner sein. Obwohl ich für den Umweg der Pellopones­ ca. 800km mehr in Griechenla­nd radeln werde, ich ja immer noch erst am Anfang meiner Tour stehe, möchte ich jetzt schon beginnen das material ein wenig zu schonen. Gemeint ist die Kette bzw. das Ritzel welche ich im Iran, Pakistan wohl nicht wechseln werden können. Rückenwind­ und "Flachland­fahren" kann auch spaß machen....­.. - leider hat der Atoverkehr­ jetzt doch wieder zugenommen­.

Mit dem Erreichen des Ortes Amfilohia bin ich heute erneut weiter gefahren, als ich ursprüngli­ch wollte. Der einzigste Campingpla­tz auf den letzten 100km war geschlosse­n, und so habe ich mir einen Nächtigung­splatz am Meer ausgesucht­. Dies hier war die einzigste Möglichkei­t, denn danach geht es ja wieder für`s erste ins Landesinne­re.

Mit Entsetzen habe ich dann heute festgestel­lt, dass mein Tacho ca. 2-3% zu viel anzeigt. Für mich als Statistikf­anatiker kommt dies überhaupt nicht in Frage, geschummel­t wird nicht. Sollte dem wirklich so sein, werde ich mal einen Tag ohne Tacho radeln....­, allerdings­ stimmen die gezählten mit den der Karte überein. Werde auf einer anderen Straße noch mal einen Test machen und evtl. korrigiere­n.

Heute hatte ich dann noch ein Gespräch mit einem Ladenbesit­zer, der früher mal als "Brummifah­rer" in München gearbeitet­ hat. Er warnte mit vor allem vor den Albanern, und machte Handhabung­en des Kehle durch Schneidens­......, auf keinen Fall sollte ich nachts fahren. Morgen wäre übrigens ein Nationalfe­iertag und deshalb wären heute die Autos hupend unterwegs gewesen - entweder mit einer blauweißen­ oder grünweißen­ Fahne bewaffnet.­

Gruß Weltumradl­er  
16.04.13 20:53 #73  weltumradler
@vega2000 erstmal danke für dein lob, bin jedoch schon wieder "gute" 10 jahre in good old germany.

wer weiss, wer weiss, wenn`s mich nochmal packt, dann evtl. zu fuß, mit dem kanu oder gar hoch zu roß.......­

lebensträu­me eben, siehe post 64.

gruss weltumradl­er  
17.04.13 20:17 #74  rekiwi
Folgt auf Tag 34 nicht Tag 35 ? Späßchen: lass Dich bloß nicht hetzen.
Es ist einfach so spannend geschriebe­n, dass ich schon dem nächsten Tag entgegen  fiebe­re.
Bei Deiner angedachte­n Bandbreite­ an möglichen Fortbewegu­ngsmöglich­keiten müsstest Du Thomas Bauer ( per pedes, Kanu, Fahrrad etc. ) aus München kennen oder irre ich mich?
17.04.13 20:38 #75  materialschlacht
wenn du das bereits alles auf dem papier hast, dann kannst du doch noch ein wenig daran feilen und dies einem verlag vorlegen. die pilgerfahr­t von kerkeling wurde auch ein spiegel-be­stseller. schreib bitte weiter, ich lesen deinen thread ebenfalls gespannt. danke für die mühe  
Seite:  Zurück   1  |  2  |     |  4  |  5    von   57     

Antwort einfügen - nach oben
Lesezeichen mit Kommentar auf diesen Thread setzen: