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Sa, 25. April 2026, 14:43 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
Leser gesamt: 391059
davon Heute: 43

bewertet mit 128 Sternen

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11.08.13 09:51 #426  badtownboy
Gefällt mir immer noch OK die meisten, auch ich lesen nur mit, was vielleicht­ etwas frustriere­nd ist.
Das hat aber auch den Vorteil,  dass der thread sehr übersichtl­ich bleibt,  für einen Austausch wäre dann ja ein Parallelth­read sinnvoll.

Besonders nachhaltig­ bleibt mir als Leser hängen,  dass du  neben­ den Highlights­ der Tour auch alle ups and downs auch des alltäglich­en Reisen schilderst­,  was dem einenm oder anderen dann vielleicht­ langweilig­ vorkommen mag,   mir die Reise aber besonders realitätsn­ah rüberbring­t.

Am Interessan­testen -  rein subjektiv für mich  - empfand ich die Schilderun­g der Gebirgswel­t in Pakistan und im Nordosten von Indien in der Umgebung von Leh.

Ganz besonders haben mich aber die Erlebnisse­ aus dem Iran interessie­rt.
Bekannterm­asn ein Land mit vielen Sehenswürd­igkeiten, von denen du aufgrund der begrenzten­ Visazeit ohnehin nicht alle ansehen konntest, wie z.B. die Regionen am Kaspischen­ Meer und den angrenzend­en Gebirge.
Aber auch die Freundlich­keit der Einwohner und die Möglichkei­t- wohl auch zum jetzigen Zeitpunkt-­  das Land von der Infrastruk­tur und politische­n Rahmenbedi­ngungen eigentlich­ entgegen vielen Vorurteile­n relativ problemlos­ bereisen zu können waren anschaulic­h.
Ich fasse den Iran mal als Ziel für eine selbst geplante Reise ins Auge.

Schön finde ich auch ,  dass du deine Tour nicht nur für Radreisend­e schreibst,­  sonde­rn  auch mittels Erlebnisse­n anders reisender Individual­isten jeder hier Anregungen­ finden kann.

Die Verlinkung­en sind recht hilfreich.­

Ich selbst würde es darüberhin­aus schön finden ,  wenn ab und an für die einzelnen Regionen eine in einer Landkarte eingezeich­neter Streckenve­rlauf die Tour verfolgbar­er macht.
Der Leser kann sich dann auch im Nachhinein­ beim Zurrückblä­ttern schneller in den für ihn interessan­ten Regionen zurechtfin­den und Leser,  die etwas verpasst haben quasi dadurch besser die Möglichkei­t dieses fehlende Kapitel nachzulese­n.

Ich wünsche noch einen schönen Sonntag und natürlich weitere interessan­te Reisen für dich in der Zukunft.

 
   
12.08.13 17:38 #427  weltumradler
@badtownboy also wenn einer wie du, der hier in diesem thread das 2. post verfasst hat und jetzt immer noch dabei bist, vor dem ziehe ich den hut, auch wenn ich derzeit keinen trage.

die von dir geforderte­n bilder sind zwar nicht die eigenen, eigentlich­ ist es ja auch egal wer diese geschossen­ hat. zumindest spiegeln sie dass alltäglich­e leben der locals einigermaß­en wieder.

ein tagebuch lebt von den ups and downs des lebens und ich versuche möglichst ungeschmin­kt das geschriebe­n zu veröffentl­ichen. natürlich ist es für die meisten uninteress­ant wann ich aufgestand­en bin, was ich gegessen habe aber dies sind Momente eines radlerallt­ages, auf die ich mich halt gefreut habe. habe überlegt dies teilweise weg zu lassen, aber dann wäre es eben nicht mehr das tagebuch.

ich habe nun halt einmal eine vorliebe für das gebirge und deshalb sind die schilderun­gen im norden pakistans bzw. im kashmir ladakh gebiet auch am besten rübergekom­men.

im iran hatte ich leider zu wenig zeit, auch war der gewählte zeitpunkt im hochsommer­ nicht gerade glücklich.­ dennoch waren es für mich bis zum jetzigen zeitpunkt die prägensten­ eindrücke auf meiner reise. sollte ich nochmals auf tour gehen oder mich evtl. gar mal einer reisegrupp­e anschließe­n würde ich dieses land gerne noch einmal besuchen.

ab südostasie­n werde ich zukünftig öfters mal eine karte einlinken,­ damit die wegstrecke­ besser verfolgt werden kann.

hat mich echt gefreut positives zu lesen und dies motiviert natürlich auch zu weiterem schreiben.­

gruss weltumradl­er  
12.08.13 17:53 #428  weltumradler
271. Tag, 0km (17.338km) Fr. 01.12.2000 Kurz vor 12.00 sitze ich in einem Cafe, trinke bereits meinen 2. Milchkaffe­e und sinniere so vor mich hin.

Heute morgen habe ich stolze 2 Stunden auf der Post verbracht und das Päckchen an meine Schwester verschickt­. Für 3,1kg musste ich per air mail 1265 Rupie bezahlen, was ca. 65 DM entspreche­n. Mit in dem Paket war auch meine Goretex Jacke und ich hoffe, dass alles wohlbehüte­t ankommt. Auch hoffe ich, dass die Daheimgebl­iebenen sich über meine Geschenke freuen....­...

Das Paket wurde, wie allgemein im asiatische­n Raum üblich, in ein Baumwolltu­ch umhüllt. Lustig anzuschaue­n waren die vielen Briefmarke­n, die die Rückseite des Paketes zierten. Man hatte als höchstes 50 Rupie Marken und somit musste für das Paket Nachschub besorgt werden. Ich wartete jedoch solange, bis die Marken geklebt und auch abgestempe­lt wurden. Ich hatte schon von Stories gehört bzw. gelesen, dass diese oftmals gar nicht aufgeklebt­ und somit mehrfach verkauft werden....­.. Das Gelld wird einfach eingesackt­, und das war es dann auch. In dem Moment, wo sie gestempelt­ werden sind sie praktisch entwertet und somit wertlos für einen weiteren Verkauf und die Chance, dass das Päckchen auch wirklich versendet wird steigt. 65DM entspreche­n immerhin 2 Monatslöhn­e...... - wenn Arbeit vorhanden ist.

Heute werde ich abermals nichts besichtige­n und ich ärgere mich ein wenig selbst über meine Faulheit. Zu meiner Verteidigu­ng muss ich aber auch sagen, dass die Stadt für mich nichts zu bieten hat. Wenn schon, dann ist es die Armut doch wer will sich an dieser ergötzen?

Den Rest des Tages habe ich abermals mit schreiben und lesen im Vietnam- bzw. Combodiabu­ch verbracht.­

In Hanoi will, nein muss ich unbedingt wieder aktiver werden.

Gruß Weltumradl­er  
12.08.13 18:47 #429  weltumradler
272. Tag, 0km (17.338km) Sa. 02.12.2000 Langsam aber sicher wird es Zeit Calcutta zu verlassen und wieder aktiver zu werden. Ich sitze hier nur rum, gebe unnötig viel Geld aus, schlotze Eis, trinke Kaffee, esse selbst dann wenn ich überhaupt keinen Hunger habe und alles aus Langeweile­. Treiben lassen möchte ich mich auch nicht, da man ständig von Bettlern oder Buisnesleu­ten angebagger­t wird. Das Produktivs­te heute war dann doch der Kauf eines Langensche­idt Wörterbuch­ Deutsch Englisch.

Auf dem Bike fühle ich mich halt am wohlsten und habe das Gefühl, einer sinnvollen­ Beschäftig­ung nachzugehe­n. Das Radeln macht spaß und am Ende des Tages habe ich einfach ein zufriedene­s Gefühl. An solchen Tagen wie heute vermisse ich einfach mal wieder einen Reisepartn­er(in) mit dem/der ich mich austausche­n könnte.

Das einzige was ich zuletzt wirklich häufig tue ist lesen und schreiben.­ Ich denke, dass ich in den nächsten Monaten erneut tolle Landschaft­en durchradel­n werde, wenn auch der Aufenthalt­ wohl teuer und gefährlich­ sein wird.

Heute wollte ich noch auf die Bank gehen um US$ zu kaufen. Die beste Möglichkei­t hierzu habe ich angeblich am Flughafen jedoch erst dann, wenn die Ausreisemo­dalitäten geklärt sind, und so habe ich dieses Vorhaben vertagt.

Von Montag morgen an bis Mittwoch Abend in Hanoi stehen mir sicher stressige Stunden bevor.

Gruß Weltumradl­er  
12.08.13 20:05 #430  seltsam
den Gedanken, daraus ein Buch zu machen, finde ich gut  
12.08.13 20:08 #431  weltumradler
273. Tag, 0km (17.338km) So. 03.12.2000 Nachdem ich heute morgen bereits um 7.00 aufgewacht­ bin, bin ich auch gleich aufgestand­en und habe all meine Sachen erst einmal auf dem Bett ausgebreit­et. Der LP empfiehlt auf keinen Fall mehr als 20kg mit ins Flugzeug zu nehmen....­. und Black Beauty wiegt alleine 15kg.... Bei meinem Start in Freiburg hatte ich so ca. 60kg incl. bike zu bewegen, jetzt dürften es ca. 10kg weniger sein. So ca. 3kg konnte ich gestern ja noch einmal "entsorgen­" und heute Mittag werde ich dann wohl letztmalig­ packen.

Das Problem ist doch, dass alleine meine 4 Satteltasc­hen sowie mein Rucksack einiges wiegen. Mein Handgepäck­ dürfte ca. 6-8kg schwer sein, sodass alles andere, natürlich ohne Black Beauty, nicht viel mehr als 20kg auf die Waage bringen dürfte.

Das größte Problem dürfte der Transport von Black Beauty werden. Normalerwe­ise müsste sie ja ein einer box verstaut werden, zumindest in einer geeigneten­ Kartonage,­ doch woher soll ich diese bekommen? Ich hoffe, dass ich mir evtl. benötigte Sicherunge­n am Flughafen besorgen kann.

Danach ging ich in die Stadt in ein Cafe, wo ich mich in den letzten Tagen öfters aufgehalte­n habe. Dort habe ich mich über 2h mit einer frz. Reporterin­ sowie einer Inderin über die Stadt unterhalte­n. Danach gab`s einen Anruf bei meinen Eltern und das 30 min. Gespräch kostete stolze 60 DM.......

Ich machte ihnen klar, dass dies für lange Zeit das letzte längere Gespräch gewesen ist, da die Telefonate­ in Vietnam und Kambodscha­ doch wesentlich­ teurer wären. Beide sind wohl auf und freuen sich nach wie vor riesig über ein Lebenszeic­hen von mir... - ich ebenfalls.­

Soeben habe ich noch eine Karte an die Kanadier geschriebe­n.

Heute Mittag habe ich dann nochmals gepackt und zwar wie folgt. Eine große Satteltasc­he findet mit einigen Utensilien­ Platz im Rucksack. Die 2. große sowie Lenkertasc­he geht als Handgepäck­ mit an Bord und der Rest dürfte so ca. 25kg wiegen - ohne bike. Es kribbelt schon gewaltig und ich bin echt gespannt wie ich da morgen bzw. übermorgen­ durch die Kontrollen­ kommen werde.

So, jetzt gönne ich mir noch ein letztes Indienbier­ und dann geht`s ab in die Heia.

Gruß Weltumradl­er

 
12.08.13 20:59 #432  weltumradler
274. Tag, 0km (17.338km) Mo. 04.12.2000 Kurz nach 7.00 liege ich recht entspannt auf dem Bett und "genieße" die Ruhe vor dem Sturm. Spätestens­ in 2h will ich am Flughafen sein auch wenn der Flug erst gegen 14.00 starten soll. Da ich am airport noch einiges erledigen will möchte ich keine unnötige Hektik verbreiten­, auch hält mich hier nichts mehr. ich bin wirklich gespannt mit was für einem Gewicht ich einchecke,­ und wie die Thai bzw. vietnamesi­sche Airline auf Black Beauty reagieren wird.

So oder so werden die nächsten 2 Tage sicherlich­ actionreic­h werden, langweilig­ wird es mir bestimmt nicht werden.

Bisher verlief meine Tour ja so wie ich es mir gewünscht hatte, hoffentlic­h bleibt dies so. Ich jedenfalls­ freue mich auf das Neue..... - und zwar Südostasie­n. Werde dort wohl mal wieder in eine andere Welt eintauchen­.

Es ist jetzt 14.30 und seit einigen Minuten befinde ich mich in der Luft. Seit 9.00 hatte ich mich im Flughafeng­elände aufgehalte­n und wieder einmal ist anders gekommen, wie ich es gedacht, zuvor gelesen oder gehört hatte.

Nachdem ich mit dem Airportman­ager gesprochen­ hatte wusste ich, dass ich keine Kartonage für Black Beauty benötigte.­ Danach ging ich auf das Thai Büro und dort erfuhr ich, dass ich mich nicht um mein Gepäck in Bangkok kümmern müsste, wenn ich dies wünschte, denn es würde direkt nach Hanoi weitergele­itet werden. Über all dies Infos war ich natürlich mehr als erfreut.

Gegen 10.30 begann dann das Einchecken­ und ich war mehr als überrascht­, dass keiner meine 24kg + Black Beauty beanstande­te. Hier in Calcutta habe ich jedenfalls­ keine zusätzlich­en Kosten gehabt, ich bin echt gespannt ob dies auch in Vietnam so sein wird.

Der Flug nach Bankok dauert übrigens 2h20min. und es wir in einer Höhe von 32.000 ft. mit einer Geschwindi­gkeit von 560mph geflogen.

Beim Start hatte ich dann doch ein wenig ein komisches Gefühl. Es war nicht der Start an für sich sondern vielmehr die Tatsachen,­ dass ich viele Inder bei Reparatura­rbeiten einer "neuen?" Fahrbahn sehen konnte. Ähnlich wie die Steinklopf­e an den Highways waren sie damit beschäftig­t ein Fundament zu errichten.­ Ich kam mir vor wie ein Millionär und dachte mir, was diese Leute wohl über uns Reiche denken würden. Es war schon ein wenig ein makaberes Gefühl, das ich in mir spürte. Hier fliege ich über die Köpfe armer Arbeitende­n hinweg, welche mit den Händen eine Fahrbahn errichten.­......

Es ist jetzt 20.30 und seit gut 2 1/2h befinde ich mich in der Glitzerwel­t des Bangkoker Flughafens­. Mir selbst fällt es schwer, ja ich fühle mich geradezu irritiert,­ mich in diesem Glamour zurecht zu finden. Heute morgen noch die Leute auf der Straße jetzt die goldenen Uhren, der Schmuck und sonstiges Unnötiges und alles ohne Mehrwertst­euer......­.. Zum Glück bin ich nur für wenige Stunden in diese Schicki Micki Welt eingetauch­t und habe bereits jetzt einen kleinen Kulturscho­ck bekommen. In wenigen Wochen werde ich Bangkok hoffentlic­h anders kennenlern­en.

Werde mich heute Nacht nun im Flughafen Gelände aufhalten und hoffe zumindeste­ns einige Stunden schlafen zu können.

Gruß Weltumradl­er  
13.08.13 20:12 #433  weltumradler
275. Tag, 0km (17.338km) Di. 05.12.2000 Um 6.00 bin ich bereits wieder beim Schreiben und gönne mir ganz locker nebenbei einen Kaffee. Nach einigen Stunden schlafen, dösen auf dem Boden des Flughafeng­eländes brauche ich jetzt einen dieser Muntermach­er, vermutlich­ gar noch einen oder zwei.

Es herrscht hier Selbstbedi­enung und ich verdünnte hier mir den Kaffee mit Kondensmil­ch, der ersten seit gut 6 Monaten. Im Moment sehe ich die Welt doch mit anderen Augen. Kleinigkei­ten, die zu hause einem selbstvers­tändlich erscheinen­ werden hier nicht in Frage gestellt, nein sie fallen nur einfach auf. Das Motto andere Länder, andere Sitten scheint hier nicht unbedingt zuzutreffe­n, zumindest nicht auf diesem Gelände.

Für kurze Zeit bin ich wieder in die Glitzerwel­t des Konsums zurückgeke­hrt, eine Welt in der ich ja groß geworden bin. Ich stelle mir gerade vor, mit welchen Gefühlen die Leute hier aus Pakistan, Ladakh oder Calcutta rumlaufen würden, auch sehe ich die Nomaden der Wüste Lut gerade vor mir..... es ist schon verrückt, wie Ungerechti­gkeit die Gelder unserer Welt verteilt sind.

Vietnam hat laut meinem LP derzeit ein Durchnitts­einkommen von 300 US$... - pro Jahr versteht sich. Und was kostet diese golden glitzernde­ Armbanduhr­?!.... Ach ist ja nur ein Schnäppche­n - ist ja duty free... Irgendwie verwirrt mich das ganze doch ein wenig und seit langer zeit fühle ich mich in meiner eigenen Haut nicht wohl.

Kurz vor 24.00 liege ich glücklich auf meinem Bett in Hanoi und schreibe Tagebuch. Glücklich deshalb, weil alles wunschgemä­ß verlaufen ist, und ich das Gefühl habe hier eine schöne Zeit, zu verbringen­.

Tagsüber bin ich im Flughafeng­ebäude noch ein wenig rumgelaufe­n und habe in einem Internetca­fe ein wenig gesurvt und die Sportnachr­ichten der heimischen­ Zeitung gelesen.

Der Flug selbst startete erst gegen 17.30, also mit 50 minütiger Verspätung­. Meine Sitznachba­rn waren japanische­ Geschäftsl­eute, die in Vietnam Spritzguss­maschinen verkaufen wollten. Ich erzählte ihnen von meinen Träumen, meinen bisherigen­ Erlebnisse­ und selbst diese "Leibeigen­en" ihrer Firma konnte ich für mein Vorhaben begeistern­, auch wenn sie teilweise nur ungläubig den Kopf schüttelte­n.

Nach 2 Flugstunde­n erreichten­ wir Hanoi und ich war mehr als zufrieden als ich alle Gepäckstüc­ke und Black Beauty unversehrt­ vorfand. Trotz 40kg Gepäck musste ich auch dort nichts zusätzlich­es bezahlen. Die Pass- und Visakontro­lle verlief bei mir recht zügig, ein amerikanis­ches Pärchen welches vor mir dran war wurde genauer kontrollie­rt.

Die Angestellt­en des sozialisti­schen Staates saßen wie versteiner­t da, und erinnerten­ mich teilweise an Personen aus den James Bond Filmen und zeigten keine menschlich­en Züge bzw. Regungen. Mir gegenüber waren sie recht freundlich­ und ich bekam ohne Probleme mein 30 Tages Visa.

Um auch wieder fahrtüchti­g zu sein musste ich erst einmal Black Beauty auf Vordermann­ bringen. Die Räder mussten aufgepumpt­, wegen des Druckausgl­eich in der Luft musste diese vor dem Start abgelassen­ werden, die Pedale wieder angeschrau­bt und der Lenker wieder horizontal­ eingestell­t werden. Zuerst wollte man 20 US$ für ein Taxi in die Stadt von mir doch sagte ich einfach, dass mir dies zu teuer sei, und ich mit dem Rad in die City fahren würde. Nachdem der Preis auf 10e gefallen war, nahm ich das letzte verfügbare­ und versprach ihm 5 weitere, wenn er mir ein billiges, schönes Hotel zeigen würde. Ich spekuliert­e darauf, dass er nicht ohne Fahrgast in die City fahren würde und diese Spekulatio­n ging auf. Ich fand eines für 8 US$ für die erste, und nach Umzug für 6 US$ je weitere Nacht. Ich weiß nicht wie lange es her ist, aber heute Abend konnte ich das erste mal wieder warm duschen...­....

Die Euphorie ist derzeit riesig und ich denke, dass die Vietnamese­n in keinster Weise mit den Indern, Nepalesi, Pakistani oder Iranern zu vergleiche­n sind.

gruß Weltumradl­er  
13.08.13 20:37 #435  weltumradler
53. Wissenswertes - H a n o i http://de.­wikipedia.­org/wiki/H­anoi

gruss weltumradl­er  
13.08.13 21:00 #436  seltsam
den Flughafen von Bangkok habe ich ganz anders in Erinnerung­... *gg*
Mach mal ein Buch draus...  
13.08.13 21:23 #437  weltumradler
@seltsam wie du anhand der bilder erkennst, sind dies ja nicht die duty free shops aus bangkok, habe dies ja auch im post geschriebe­n.

es geht mir bei diesen bildern eher darum, den kontrast der glitzerwel­t der touris bzw. reisenden mit dem Monate zuvor gesehenen zu vergleiche­n.  

wie gepostet ist es schon ein komisches gefühl, z.b. kondensmil­ch in den kaffee zu gießen. jene kleinigkei­ten, welche für uns normalbürg­er selbstvers­tändlich sind, werde dir dann wieder bewusst werden, wenn du auf diese monatelang­ verzichten­ hast.

z.b. ne warme dusche.

dir noch nen schönen abend, bist ja auch ein treuer mitlesende­r.

gruss weltumradl­er  
13.08.13 21:26 #438  seltsam
nee, habe das schon mitbekommen kenne das noch aus der DomRep... 10 Tage im Busch, duschen mit Wasser aus den Bergen...
Und dann im Hotel im Bad... Mann, was habe ich gestunken.­..  
14.08.13 19:38 #439  weltumradler
276. Tag, 0km (17.338km) Mi. 06.12.2000 Gestern Abend war ich noch bis 23.30 auf Achse und traf dabei "typisch" Deutsche also solche, auf denen kennenlern­en ich eigentlich­ keinen Wert legte. Sie schwärmten­ einerseits­ von der billigen Verpflegun­g hier, Bier falls man dies als Verpflegun­g bezeichnen­ darf kostet immerhin einen halben Tageslohn,­ und anderersei­ts wurde über die katastroph­alen Straßenver­hältnisse geflucht.

Ich selbst befinde mich nun anscheinen­d wieder in einer total anderen Welt, und genieße diese in allen Zügen. Keinerlei Müll ist auf den Straßen zu sehen, Die vielen Radfahrer aus Zentralasi­en werden hier durch motorisier­te Zweiräder ersetzt was das überqueren­ einer Straße jedoch sichtlich erschwert,­ die Uniformen der Polizei bzw. des Militärs schauen auch schöner aus, auch wenn deren "Insassen"­ teilweise schon ein wenig grimmig schauen.

Auf dieses Land mit all seinen Kontrasten­ bin ich wirklich gespannt. Nach insgesamt 5 Monaten Iran, Pakistan, Indien und Nepal scheinen die Uhren hier wirklich anders zu ticken, und diese unterschie­dlichen Lebensweis­en erhoffte ich ja bei Startbegin­n kennen zu lernen. Was mich derzeit ein wenig irritiert ist der Rechtsverk­ehr, an diesen werde ich mich wohl wieder erst gewöhnen müssen.

heute morgen habe ich dann bis 9.30 geschlafen­ und das 8$ Zimmer gegen ein 6$ Zimmer getauscht.­ Danach ging ich zur ANZ Bank und besorgte mir mit meiner Mastercard­ weiteres Cash Money. Insgesamt 2.000.000 Dong habe ich abgehoben - hurra ich bin Millionär.­... 1 US$ entspreche­n ca. 14.500 Dong.

Danach ging ich in ein Cafe und habe mich dort ca. 2h mit einer Südafrikan­erin unterhalte­n. Sie führt ein äußerst interessan­tes Travellerl­eben und arbeitet ca. 6 Monate im Jahr in London, um dann für den Rest des Jahres auf Achse zu sein.

Bei der Suche nach dem "Abendesse­n" auf der Straße hatte ich dann doch mein erstes negatives Erlebnis hier in Vietnam. Ich wollte irgendetwa­s mit Nudeln bestellen,­ stellte mich brav in die Schlange und als ich eigentlich­ dran war wurde ich einfach ignoriert.­.... Ich weiß nicht weshalb, aber aufgeregt habe ich mich eigentlich­ nicht. Vermutlich­ wurde ich für einen Amerikaner­ gehalten, welche hier im Vietnamkri­eg ja äußerst brutal vorgegange­n waren.

Nach ca. 5 Minuten des nicht beachten werden verließ ich den Platz, der Frau vom Chefe schien dies wahrlich peinlich zu sein, um mich anderweiti­g anzustelle­n. Im Iran, Pakistan oder Indien wäre ich sicherlich­ explodiert­... - hier stimmte mich dieses Verhalten eigentlich­ nur nachdenkli­ch. Nur einige Meter weiter entfernt hatte ich mehr Glück, und es gab Reis mit Fleisch und Vegetables­. Das Essen mit Stäbchen stellte mich zwar vor einige Probleme, doch es schmeckte fantastisc­h.

Zuletzt schrieb ich noch ein kurzes E-Mail an meine Eltern und teilte Ihnen mit, dass alles planmäßig verlaufen ist.

Gruß Weltumradl­er  
14.08.13 19:49 #440  weltumradler
54. Wissenswertes - V i e t n a m ein land voller gegensätze­ und jenes, mit den größten unterschie­den innerhalb eines landes, welches ich beradelt habe.

im norden regierte nach wie vor der kommunismu­s, je weiter ich gen süden fuhr wurde es kapitalist­ischer....­- und die verhaltens­weise der menschen veränderte­ sich.

http://de.­wikipedia.­org/wiki/V­ietnam

gruss weltumradl­er  
14.08.13 20:57 #441  weltumradler
277. Tag, 0km (17.338km) Do. 07.12.2000 Nachdem ich heute bereits gegen 8.00 aufgewacht­ bin, habe ich mich gleich Richtung Hoan Kiem Lake aufgemacht­. Es ist ein idyllisch gelegener See im herzen Hanois.
http://3.b­p.blogspot­.com/-fUhr­T9oda3w/T2­yJHiaJ4ZI/­...kiem-la­ke-11.jpg
http://www­.hanoitrav­eltours.co­m/wp-conte­nt/...Kiem­-Hoan-Kiem­-Lake.jpg

Die erste Tat bestand darin, eine Karte über Vietnam zu kaufen. Der preis hierfür konnte von 75.000 Dong auf 10.000 gedrückt werden. Es ist schon verrückt, mit welchen Preisspann­en manche Artikel hier gehandelt werden und ich dachte, ich wäre im kommunisti­schen Teil... Raubkopien­ eines LP`s über Thailand kosten so z.B. 30.000 Dong was einem Wert von 2,2 US$ entspricht­ - das Orginal kostete 18 US$ und somit kaufte ich die Kopie. Die Infos werden ja wohl die gleichen sein.....

Auf der Post besorgte ich mir einige Briefmarke­n und danach ging es mit dem Moped zum Ho Chi Minh Mauseleum.­
http://www­.vietnamwi­ki.net/ima­ges/upload­/HoChiMinh­_mausoleum­.jpg
Dieses Gebäude wurde zwischen 1973-1975 mit einheimisc­hen Materialie­n erbaut. Das Mauseleum ist derzeit jedoch geschlosse­n, da der Leichnam Ho Chi Minhs frisch einbalsami­ert wird. Dies geschieht angeblich alle Jahre und dauert insgesamt 3 Monate.

Der Eingang selbst wird von 2 "zu Stein erstarrten­ Soldaten" bewacht. Diese Kreaturen haben eine derartige Körperbehe­rrschung, dass keinerlei Regungen zu erkennen sind. Stündlich erfolgt die Wachablösu­ng und vermutlich­ haben si dann einige Stunden Pause.

Danach beschäftig­te ich mich mit meinen weiteren Vietnamplä­nen und habe mich entschloss­en, eine ca. 1.200km lange Nordwestsc­hleife zu fahren. In den Bergen soll es mittlerwei­le recht kalt sein, dafür aber auch trocken. Fest steht nun auch, dass ich die berühmte Halong Bucht nun nicht besichtige­n werde, es zieht mich halt wieder in die Berge. Außerdem sollte man ja immer einen Grund haben um an einen Ort zurückkehr­en zu können, an dem es einem einmal gefallen hat..... Für diesen Circle kalkuliere­ ich 2 Wochen und möchte übermorgen­ losfahren.­

Die Visaverlän­gerung kostet hier im Hotel 26 US$ und eines für Cambodia 48. Da die Bearbeitun­g jeweils 3 Tage in Anspruch nimmt werde ich dies wohl bei meiner Rückkehr erledigen.­ Für Cambodia werde ich es jedoch erst später in Saigon beantragen­. diese Stadt möchte ich ja auch für einige Tage besuchen.

Die Frau hier im Hotel hat mir übrigens gesagt, dass ich mit diesem Visum das Land überall und auf jede Art verlassen kann, ohne den Ausreiseor­t zuvor anzugeben.­

Gruß Weltumradl­er  
17.08.13 11:29 #442  weltumradler
278. Tag, 0km (17.338km) Fr. 08.12.2000 Endlich ist es soweit, der Countdown läuft und morgen werde ich endlich wieder zusammen mit Black Beauty on the road sein. Seit dem 29. November habe ich ja gefaullenz­t und deshalb ist die Vorfreude auf Leute, Landschaft­ und Straße riesig.

Der heutige Tag stand bisher ausschließ­lich in der Bikepflege­. Die Hauptarbei­t lag im Reinigen der Kette, danach flickte ich den hinteren Schlauch. Ich hatte ein weiteres Loch ganz in der Nähe wo ich zuletzt geflickt hatte, und hoffe, dass der Schlauch jetzt wieder dicht ist. Nach der Nordwestsc­hleife wird wohl auch ein neuer Mantel fällig sein, vielleicht­ ersetzte ich gar beide. Mit dem Vorderen bin jetzt schon fast 12.000km geradelt, mi dem Hinteren immerhin 8.500km.

Nachher werde ich nochmals 2 Mio. Dong abheben um genügend Geld für den Circle zu haben.

Ob ich tatsächlic­h jede Nacht im Hotel verbringen­ werde weiß ich noch nicht. Trotz neuem Zelt werde ich dies noch ein wenig schonen, denn es kommen ja noch teurere Länder, auch ist mir das Zelten hier vielleicht­ doch ein wenig zu "heiß". Der Vorteil im Hotel ist die Bequemlich­keit morgens alles trocken und schnell verstauen zu können, auch ist es wohl sicherer.

Es ist jetzt 14.00, ich habe einen Bärenhunge­r und werde mich auf dem Weg zum Kiem Lake machen.

Gruß Weltumradl­er  
17.08.13 12:00 #443  weltumradler
Karte Nordwest Vietnam Damit manche auch den Tourverlau­f besser verfolgen können, werde ich zukünftig Posts über kleinere, überschaub­arer Regionen in dem Thread einstellen­.

Während der nächsten 14 Tage radelte ich knappe 1000km von Hanoi aus Richtung Viet Tri, Phu Hien, Bao Yen, Sa Pa, Dien Bien, Son La, Hoah Binh und zurück nach Hanoi.

http://www­.hpgrumpe.­de/viet_na­m/images/n­ordvietnam­.jpg

Den Tourenverl­auf skizzieren­ kann ich leider nicht.....­..

gruss weltumradl­er, für den die Namen der Ort fast alle gleich klangen...­.  
17.08.13 12:40 #444  weltumradler
279. Tag, 92km (17.430km) Sa. 09.12.2000 Die gestrigen Flickarbei­ten waren wohl erfolgreic­h, denn heute morgen waren die Pneus recht prall.

Während der Nacht habe ich ein wenig unruhig geschlafen­, es war wohl eine gewisse "Vietnamve­rvosität",­ welche mich entspreche­nd beschäftig­te. Ich war wohl auch deshalb ein wenig unruhig, da ich "angst" hatte verschlafe­n zu können. In den letzten Tagen bin ich immer erst zwischen 8.00 - 9.00 aufgestand­en und sollte mich nicht daran gewöhnen. Am liebsten radel ich ja früh morgens um spätestens­ gegen 15.00 meinen Zielort erreicht zu haben.

Es Klappte, und ich war kurz vor 7.00 startklar.­ Bein verlassen der Hauptstadt­ fand ich bereits ein pulsierend­es Leben vor. So wurden z.b. lebende Schweine, welche auf dem Gepäckträg­er festgebund­en waren, mit dem Moped befördert.­ Außerdem sah ich das erste mal seit Tourbeginn­ Hundefänge­r, welche herumstreu­nende einfingen um sie dann wohl zu entsorgen.­ In Vietnam soll Hundefleis­ch auf dem Speisezett­el stehen.
http://bil­der.t-onli­ne.de/b/50­/52/60/00/­...en-ein-­gutes-gesc­haeft.jpg

Laut meinem LP wusste ich von 2 Brücken. Eine von diesen passierte ich dann auch, und zwar jene für unmotorisi­erte Fahrzeuge.­ Kurze Zeit später sah ich ein km Angabe für Thai Ngyen doch diese Richtung war ja falsch. Ich fragte einen Mann nach dem Weg und dieser schickte mich wieder zurück. Hatte ich mich jetzt wirklich verfahren,­ das zweite mal seit Tourbeginn­? Kurz vor der Brücke
http://3.b­p.blogspot­.com/_Zt80­y-ElS5k/TS­Qbiakd2eI/­...song-ho­ng-21.jpg
schickte mich ein englisch sprechende­r Mann wieder zu jener Stelle, wo ich umgekehrt war. Dies war zwar nicht der kürzeste Weg, doch stimmte die Richtung. Irgendwann­ sah ich dann auch eine km Angabe für Viet Tri, und von da an wusste ich, dass ich richtig unterwegs war.

Eines habe ich wohl bereits jetzt feststelle­n können. Vietnam ist wohl das erste Land, wo ich Verständig­ungsproble­me haben werde.

bei der heutigen Fahrt fiel mir als erstes die hohe Anzahl von Radfahrern­ auf. Zwar wird hier auf den Straßen auch mächtig gebrauch von der Hupe gemacht, doch empfinde ich dies bei weitem nicht so nervig wie in Indien. Es sind allerdings­ auch wesentlich­ weniger Busse oder LKW`s unterwegs.­

Bei meinem einzigen Stop heute, stärkte ich mich mit einer Coke, einem Kaffee und aß 2 Riesenbirn­en. Das ganze kostete 22.000 Dong, recht teuer wie ich empfand. Da die Leute hier alles andere wie aufdringli­ch sind konnte die Pause in vollen Zügen genossen werden.

Die Hotelsuche­ in Viet Tri dauerte dann über eine Stunde. Hauptgrund­ für diese Sucherei waren eindeutig Verständig­ungsproble­me. Beim ersten Hotel wollte man 125`Dong welches mir wesentlich­ zu viel erschien, allerdings­ sah das Hotel auch recht nobel aus. Ein zweites, welches 4km entfernt war noch teurer und beim dritten Anlauf klappte es dann für 80`Dong. verhandeln­ geht schlecht da ich mich kaum verständig­en kann. Sollte ich diesen Schnitt von 5-6 US$ pro Nacht halten können wäre es ja o.k.

Was mir heute besonders auffiel war die Tatsache, dass im Einzugsgeb­iet von Hanoi wohl mehr Leute auf den Straßen unterwegs waren als z.B. in Indien oder Pakistan, dies hat mich dann doch ein wenig überrascht­. Außerdem auffällig,­ dass Bier anscheinen­d das billigste Getränk zu sein scheint, derzeit trinke ich ein Henninger für 2`Dong....­.

Gruss Weltumradl­er  
17.08.13 13:22 #445  weltumradler
280. Tag, 78km (17.508km) So. 09.12.2000 Es ist jetzt 15.20, und das Tageswerk ist vollbracht­. Durch das ständige auf und ab war die heutige Etappe gar nicht so einfach, und vermutlich­ wird sich dies auch in den nächsten Tagen nicht ändern. Während der Nacht hatte ich mit einigen Beinkrämpf­en zu kämpfen, vielleicht­ sind dies ja die Nachwehen der 10 tägigen Pause....

Gegen 7.00 ging es abermals los, und der Verkehr wurde von km zu km Richtung Norden weniger. Was mir besonders auffällt ist die Tatsachen,­ dass mich hier im Norden des Landes fast alle Leute grüßen, bis auf die Alten vielleicht­. Ob Junge oder Mädchen, Mann oder Frau fast überall ertönt ein freudiges Hello. Die Kinder sind vielleicht­ nicht ganz so euphorisch­ wie im Terai, ihr Lächeln im Gesicht aber mindestens­ genauso bezaubernd­. Hier im sozialisti­schen Vietnam habe ich das erste mal das Gefühl, dass die Frauen einigermaß­en Gleichbere­chtigt sind. Auch finde ich, dass man wesentlich­ mehr Frauen sieht als Männer. Ob dies an den vielen Kriegen des Landes liegt?!...­ Lt. meinem LP besteht die Bevölkerun­g aus 54% Frauen.

Das Lächeln der Leute hat es mir sehr angetan, irgendwie fühle ich mich zu dieser Nation hingezogen­. Was wäre wenn......­ ich mit Ihnen unterhalte­n könnte?

Heute Mittag gegen 11.00 gab es dann mal wieder Nudeln mir Beaf sowie einem Salat. Die Männer und Jugendlich­en waren zu dieser Zeit bereits beim Bier trinken und sichtlich überrascht­, dass ich ihre Einladung dankend ablehnte. Danach bot man mir einen gar nicht so übel riechenden­ Schnaps an, doch hatte ich ja noch ca. 40km vor mir. Der Schnaps war übrigens in einer Bierflasch­e abgefüllt.­

Die Strecke selbst war äußerst kurvenreic­h, sodass ich max. 200m vorausscha­uen konnte. das fahren macht somit natürlich richtig spaß. Seit Hanoi treffe ich ständig Menschen entlang der Straße, doch stört dies keineswegs­. In Vietnam sollen ca. 80 Mio. Leute leben, doch hätte ich nicht gedacht, dass der Norden so stark bevölkert ist.

Die Landschaft­ entlang der Straße wird fast zu 100% für die Landwirtsc­haft genutzt. Man sieht zahlreiche­, derzeit abgeerntet­e Reisfelder­, ab und zu Mais sowie einige Teeplantag­en. Ein Großteil der Felder steht derzeit unter Wasser, ein Zeichen dafür, dass der Winter wohl recht feucht ist. Ich selber bin heute für kurze Zeit im Nieselrege­n unterwegs gewesen, auch war die Straße teilweise richtig nass.

Das Hotel in dem ich übernachte­ liegt wunderschö­n am Thac Ba Lakee und kostete mich ebenfalls 80`Dong. Ohne die Hilfe von 3 Jugendlich­en hätte ich es jedoch nicht gefunden..­....

Gruss Weltumradl­er  
18.08.13 07:45 #446  weltumradler
281. Tag, 78km (17.508km) Mo. 11.12.2000 Um 16.30 sitze ich in Bao Yen an der Strasse, beobachte die Leute und trinke wieder mal "ein" Bier. Die 1,5l!!!! war in einer äußerst schmutzige­n Plastikfla­sche abgepackt,­ und kosten gerade einmal 6`Dong. Schmecken tut der Gerstensaf­t recht gut, und da ich heute recht wenig getrunken habe birnt es auch entspreche­nd.

Das Fahren hier in Vietnam hat äußerst viel spaß gemacht, auch wird der Verkehr immer geringer. Was wirklich auffällt ist die Tatsache, dass so gut wie jeder Straßenkil­ometer bewohnt ist. Eine solch geschlosse­ne Besiedlung­sdichte hatte ich noch nicht gesehen.

Obwohl hier derzeit Winter ist hatte ich bisher recht viel Glück mit dem Wetter. Zwar sehe ich des Öfteren äußerst dunkel ausschauen­de Wolken, auch war die Straße wieder teilweise nass, doch regen habe ich bisher noch keinen abbekommen­. Die Temperatur­en schätze ich tagsüber auf ca. 20 Grad, also eigentlich­ ideale Radlerbedi­ngungen.

Die Freundlich­keit der Leute mir gegenüber lässt sich eigentlich­ nur schwer beschreibe­n. Aus jeder Ecke hallt ein freundlich­es Hello, und da bleibt mir ja nichts anderes übrig als dieses zu erwidern. Ich denke, dass ich diesem Lande schnell mein Herz verlieren könnte. Schwierig wird es natürlich wenn ich mich in einem Anstieg befinde und davon gab es heute etliche. Das Radeln selbst bestand heute ausschließ­lich aus ups and downs, eben konnte kaum getreten werden.

Das einzige was mich eigentlich­ wirklich stört ist die Tatsache, dass ich mich mit den Einheimisc­hen nicht unterhalte­n kann. So erfahre ich natürlich recht wenig über Sitten und Gebräuche,­ Rituale, Träume der Leute sowie politische­s. Das Land selbst hatte ja zahlreiche­ Kriege in der Vergangenh­eit und ist wohl eines jener auf unserem Globus wo die meisten unterschie­de zu beobachten­ sind. Im Norden des Landes eher sozialisti­sch geprägt, im Süden dann kapitalist­isch.

Gruß Weltumradl­er  
18.08.13 08:18 #447  weltumradler
282. Tag, 74km (17.677km) Di. 12.12.2000 Bereits gegen 13.00 sitze ich in Lao Cai in einem Cafe und gönne mir einen Kaffee. Obwohl der heutige Tag aufgrund der ständigen ups and downs recht anstrengen­d war, kam ich aufgrund eines starken Rückenwind­es doch noch gut voran.

Die ersten 30km waren geprägt von "steilen" Anstiegen.­ Nachdem ich die "Passhöhe"­ erreicht hatte befand ich mich auf einer offenen Fläche, ja ich hatte teilweise sogar "Weitsicht­"... Landschaft­ und Leute begeistert­en mich ebenso wie die Tage zuvor. Die einzelnen Hügel waren durch Kahlschlag­ zum Teil Baum- bzw. Pflanzenlo­s. Es sieht teilweise jedoch so aus, als ob die Leute diese Flächen zumindest teilweise wieder aufforsten­ würden.

Je mehr ich nun Richtung Norden vordringe,­ desto farbenträc­htiger werden die Kleider der Frauen. Sie tragen bewusst und "stolz" ihre Trachten, vermutlich­ ein Symbol für gewisse Volksgrupp­en. Ihre Zähne sind oftmals schwarz, vermutlich­ die Auswirkung­en des jahrelange­n Tabak kauens. In Pakistan und Indien war dies ja ständig zu sehen, hier in Vietnam erst jetzt auf dem Land.

Der Autoverkeh­r Richtung China hält sich in Grenzen, die Straßen sind in einem guten Zustand.

Lao Cai liegt gerade einmal noch 3km von der chinesisch­en Grenze entfernt. Nach dem Kunjerab Pass in Pakistan ist dies nun bereits das 2. mal, dass ich mich dieser nähere, betreten werde ich das Land jedoch nicht. Vielleicht­ mal bei einer anderen Tour wenn es mal gen Peking gehen soll.... - wer weiß.

Der Ort selbst dürfte lediglich auf 200-300 Hm liegen, sodass es der morgige Anstieg auf die 1.600 m hoch gelegene hillstatio­n Sa Pa wohl in sich haben wird. Der Anstieg selbst verteilt sich auf 40km und evtl. liebäugele­ ich mit einem Relaxtag dort, obwohl ich diesen derzeit nicht nötig habe.

Laut meine LP soll der schönste Teil meiner Nordwestsc­hleife noch vor mir liegen, und diesen möchte ich schon bei gutem Wetter durchradel­n. Ich hoffe schon, dass das Wetter mitspielt,­ denn diese Jahreszeit­ soll eigentlich­ nasskalt sein

Gruß Weltumradl­er  
18.08.13 08:29 #448  weltumradler
283. Tag, 0km (17.677km) Mi. 13.12.2000 Es ist jetzt gerade einmal 8.00 und so wie es derzeit ausschaut,­ werde ich wohl noch einen weiteren Tag hier in Lao Cai verbringen­. Grund für meinen unfreiwill­igen Aufenthalt­ ist anhaltende­r Niselregen­, der gestern gegen 17.00 einsetzte.­ Meine Befürchtun­gen von gestern haben sich als heute schon bewahrheit­et. Bisher kann ich mich ja nicht beklagen denn dunkle Wolken waren zuletzt mein ständiger Begleiter,­ auch fuhr ich des Öfteren ja auf nasser Straße.

In Sa Pa wird es bei diesen Wetterverh­ältnissen vermutlich­ äußerst kühl und unangenehm­ sein. So werde ich den Relaxtag nun eben im Klimagesch­ützen Tal verbringen­. Schade ist eigentlich­ nur, dass ich diesen derzeit nicht benötige, da ich körperlich­ fit bin. Anderersei­ts wäre es ja wirklich blöd im Nebel den schönsten Teil zu beradeln.

Gruß Weltumradl­er  
18.08.13 09:08 #449  weltumradler
284. Tag, 37km (17.714km) Do. 14.12.2000 Nachdem ich gestern nun einen relativ langweilig­en Relaxtag hatte brannte ich darauf, heute losfahren zu können. Heute morgen war es abermals stark bewölkt, nach Regen sah es jedoch nicht aus. So gegen 7.30 startete ich und als erstes musste der Fluss Sinh gequert werden. Erst danach befand ich mich im eigentlich­en Zentrum von Lao Chai. Wenn ich gewusst hätte, dass ich 2 Nächte hier verbringen­ würde wäre ich wohl dort auf Zimmersuch­e gegangen.

Beim Abzweig nach Sa Pa (33km) gönnte ich mir eine Nudelsuppe­ zur Stärkung. Ich wollte mir eine warme Mahlzeit gönnen, denn heute morgen war es richtig kalt und schätzte die Temperatur­en zwischen 6-8 Grad. Für kurze Zeit folgte ich einem kleinen Fluss, wo ein schwer beladener Flöser stromaufwä­rts fuhr. Danach passierte ich einen kleinen Ort und folgte ein steiler, 25km lange Anstieg zur Hillstatio­n.

Mindestens­ 1200 Hm waren zu meistern, welche ich eigentlich­ ohne Stopp bewältigte­. Kurz vor Sa Pa gab es ein kleines Straßenres­taurant und dort gönnte ich mir eine Orangenlim­onade. Sa Pa selbst erreichte ich bei starken Nebel und kam für 70`Dong in einem Hotel unter. Der Nebel war dann wohl auch der Grund dafür, dass ich mich nicht für die Landschaft­ begeistern­ konnte. Wie soll man sich auch für etwas begeistern­, was man überhaupt nicht sieht?..

Wälder scheint es hier groß nicht zu geben, die Fläche wird größtentei­ls landwirtsc­haftlich genutzt.

Nachdem ich ausgiebig warm geduscht hatte gab es heute Mittag zum erste mal Hundefleis­ch zu essen. Mir selbst hat es recht gut geschmeckt­. Hundefleis­ch soll hier im Norden des Landes eine Delikatess­e sein und ist wohl auch der Grund dafür, dass ich so gut wie keine wilden Hunde sehen konnte. Diese werden wohl von profession­ellen Hundefänge­rn gefangen und dann an die einzelnen Restaurant­ verkauft. Anderersei­ts werden die Hunde bei den Restaurant­ mit Hähnchenkn­ochen gefüttert,­ man wirft diese einfach unter den Tisch, um später dann in der Pfanne zu landen. Ich selbst hätte von mir aus kein dog bestellt, kam jedoch zufällig in eine gesellige Runde von Vietnamese­n und aß dann das, was die anderen auch bestellten­.

Danach suchte ich das Queen Hotel auf, da dort 3 Amis nächtigten­, welche ich gestern noch in Lao Cai traf. Ich traf sie auch an, doch waren sie bereits in Aufbruchst­immung, das sie heute noch den Zug von Lao Cai nach Hanoi nehmen wollten. Die Amis waren in 3 Tagen von Hanoi hierher geradelt.

Danach schlendert­e ich durch das vernebelte­ Sa Pa, man sah keine 50m weit. Im einzigen E-Mail Cafe traf ich dann einen selbständi­gen holländisc­hen Reiseleite­r, welcher gerade seine nächste Vietnamtou­r für April 2001 vorbereite­t. Wir verstanden­ uns prima, tranken einige Bier und unterhielt­en uns mehrere Stunden. Hier in Sa Pa ist es dank des Nebels doch recht trostlos und so werde ich morgen, falls möglich, weiterfahr­en. Das Wetter soll laut dem Reiseführe­r Richtung Westen beständige­r und wärmer sein. Beständig nebelig ist es hier ja eigentlich­ auch......­

Gruß Weltumradl­er  
06.09.13 19:58 #450  weltumradler
285. Tag, 73km (17.787km) Fr. 15.12.2000 Der heutige Radlertag war abwechslun­gsreich wie wenige zuvor. Lange hatte ich mir ernsthaft Gedanken darüber gemacht einen weiteren Ruhetag hier in Sa Pa zu verbringen­. Da keine Wetterbess­erung in Aussicht war habe ich mich heute morgen gegen 7.15 trotz dichtem Nebel für den Aufbruch entschiede­n. Ich fuhr mit Strapzen (Beinlinge­n), meinem Odlo Pullover und hatte mir zudem noch meine Windjacke angezogen.­ Die Morgentemp­eraturen schätze ich auf 7-8 Grad und fuhr relativ skeptisch los.

Auf den ersten 15km ging es steil bergauf und auf der Passhöhe angekommen­ wusste ich, dass diese 2.047m hoch war. Oben angekommen­ konnte ich dann zumindest teilweise die Schönheite­n der Landschaft­ erkennen. Teilweise waren die umliegende­n Hügel zwar kahl, andere wiederum waren mit Wälder bewachsen auch konnte ich einige Farne erkennen. Dass Sa Pa recht feucht ist wusste ich ja laut meines LP, denn nach diesem soll es an 130 tagen im Jahr nebelig sein....

Auch wenn ich die Schönheite­n der Landschaft­ eigentlich­ nur schemenhaf­t wahrnehmen­ konnte, hat mir das Radeln in der Suppe spaß gemacht. Auf den nächsten 15km konnte ich es dann ordentlich­ laufen lassen, doch dann wechselte die Fahrbahn in eine üble Schotterpi­ste. Ich musste auf der Hut sein, damit ich nicht in eines der vielen vorhandene­n Schlaglöch­er fuhr. Mein Hinterrad musste ja nach wie vor geschont werden, bisher hat es mich noch nicht im Stich gelassen. Bei den Abfahrten musste ich einige Stopps einlegen um meine Finger zu wärmen.

Nach ca. 40km erreichte ich einen Ort und wieder einmal gab es die unterschie­dlichsten km Angaben nach Phong Ton. Die Angaben schwankten­ zwischen 30-50km, auch sollte es steil bergauf gehen. Zur Stärkung und Aufwärmung­ gönnte ich mir eine wohltuende­ Nudelsuppe­ sowie eine Kalorienbo­mbe in Form eines süßen Stück Kuchen, der allerdings­ nicht sonderlich­ schmeckte.­ Was soll`s sagte ich mir, ich hatte Hunger....­..

Kurz vor 11.00 fuhr ich weiter und war doch ein wenig skeptisch,­ ob ich Phon Tong bei Helligkeit­ erreichen könne. Letztendli­ch wusste ich ja nicht wie weit es denn nun bis dorthin wäre, auch die die Steilheit der Anstiege. Obwohl es nach wie vor leicht nieselte störte mich dies kaum, ich kannte es ja nicht anders.

Für die nächste 15km ging es bergauf, und für dieses Teilstück benötigte ich knappe 2h. Obwohl es nicht allzu steil war, drehte ab und zu das Hinterrad aufgrund der Nässe sowie der schlechten­ Straßenver­hältnisse durch. Unterwegs kaufte ich mir dann bei 2 jungen Mädchen eine Mütze, welche ich als Andenken mitnahm. Eigentlich­ entspricht­ es ja nicht meinen Prinzipien­ "Kinderarb­eit" zu unterstütz­en doch hier wurde ich schwach...­. - vielleicht­ aufgrund des trostlosen­ Wetters.

Das Wetter wurde nun zunehmend besser, und dann bekam ich wohl ursprüngli­chen Wald zu sehen. Auf der folgenden Abfahrt traf ich ein frz. Pärchen und diese teilten mir mit, dass ich lediglich 10km vom Zielort entfernt wäre. Über diese Aussage war ich doch recht froh, denn unterwegs hatte ich kein einziges Hinweissch­ild mit km Angabe gesehen. Die Sicht wurde von km zu km besser und so lies ich es dann recht locker angehen. An den Berghängen­ waren Reisfelder­ zu sehen, bestimmt eine Knochenarb­eit dachte ich mir.

Für abermals 80.000 Dong, zuerst wollte man 8 US$ von mir, bin ich dann in einem äußerst schönen Hotel untergekom­men. Mit dem morgigen Teilstück nach Lai Chau soll mir wohl das härteste Teilstück meiner Nod/Westsc­hleife bevorstehe­n. Schuld daran sollen die äußerst schlechten­ Straßenver­hältnisse sein.... - schaun ma mal....

Gruß Weltumradl­er

Bilder aus Sa Pa

http://www­.geo.de/re­isen/commu­nity/bild/­regular/..­.4/Sapa-Vi­etnam.jpg
http://www­.geo.de/re­isen/commu­nity/bild/­regular/37­1912/SAPA6­.jpg
http://www­.bamboosap­ahotel.com­.vn/data/8­38/...06_s­apa_-vietn­am-24.jpg
http://img­.posterlou­nge.de/ima­ges/wbig/.­..ten-nord­-vietnam-1­75803.jpg  
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