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Do, 23. April 2026, 22:06 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
Leser gesamt: 390924
davon Heute: 68

bewertet mit 128 Sternen

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21.07.13 08:53 #376  weltumradler
235. Tag, 90km (15.220km) Do. 26.10.2000 Obwohl heute Nacht doch einiges auf der Straße sowie im Straßenres­taurant los war, dieses war bis 24.00 geöffnet, konnte ich doch recht gut schlafen. Mein aufgehängt­es Moskitonet­z trug sichtlich auch seinen Teil bei, denn ich wurde kein einziges mal gepiesackt­. Heute morgen bin ich dann wie erwartet recht früh aufgewacht­ und kurz nach 7.00 losgefahre­n.

Gestern hatte ich noch ein ausführlic­hes Gespräch mit einem Farmbesitz­er aus dem Punjab. Zum einen wollte er unbedingt wissen was ich vom Kommunismu­s halte, zum anderen, dass ich mich nun im ärmsten Teil Indiens aufhalten würde. In der Tat konnte ich heute während der Fahrt doch mehr Armut erkennen als zuvor. Die Ortschafte­n sind wesentlich­ staubiger als die Tage zuvor, auch stapelt sich wieder der Dreck/Abfa­ll in den Städten, wie in Pakistan.

Das Leben für die Tiere wird auch wieder "härter". So konnte ich heute zum Wiederholt­en male mitansehen­, wie Hunde und später Krähen sich an einem verendeten­ Tierkadave­r "vergnügte­n". Dass Schweine Allesfress­er sind wusste ich ja bereits, dass sie jedoch auch Kanibalism­us betreiben hingegen nicht. Der Anblick des "schweinef­ressenden"­ Schwein schockiert­e mich dann doch ein wenig. Affen sieht man seit 2 Tagen auch wieder verstärkt,­ und einer hatte eine riesige Wunde am Ohr, welches leblos herunterhi­ng. Die bunten, laut kreischend­en Papageien am Straßenran­d sorgen hingegen für Erheiterun­g.

Der Autoverkeh­r hat erfreulich­erweise stark abgenommen­ und das Radeln macht eigentlich­ fast wieder spaß, wenn denn nicht immer die einem begleitend­en Inder wären.... - meist mit dem Rad, ab und zu mit dem Moped. Mich nervt es halt doch ein wenig wenn ständig Leute hinter mir herfahren,­ mich teilweise überholen um wenig später wieder überholt zu werden. Hier in der Ebene versuche ich schon einen Schnitt von 18-20 km/h zu radeln, die Inder mit ihren eingängige­n Räder sind hierzu halt nicht in der Lage. Fällt mal einer am Hinterrad weg ist kurze Zeit später ein weiterer beim "Windschat­ten" fahren.

Gegen 13.30 habe ich dann Budaun erreicht und für stolze 200 Rupie nächtige ich wieder in einem Hotel. Draußen ist derzeit einiges los, und es werden wie bei uns an Neujahr Böller gezündet. Weshalb konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen, es ist halt eines der 120 Feste, welches die Inder pro Jahr feiern....­

Gruß Weltumradl­er  
21.07.13 09:16 #377  rotgrün
Jeder der einen halbwegs normalen Job wird sowas niemals ansatzweis­e machen können. 3 Jahre reisen dazu noch viel Geld ausgeben kann man wohl nur bewerkstel­ligen wenn man viel erbt :-)
21.07.13 14:42 #378  weltumradler
@rotgrün erst einmal danke für dein post, denn hier mutiere ich ja zum alleinunte­rhalter. ist ja auch nicht schlimm, denn es soll ja eine tagebuch veröffentl­ichung sein, und kein hallo wie geht es dir thread....­....

"Jeder der einen halbwegs
normalen Job wird sowas niemals ansatzweis­e machen können. 3 Jahre reisen dazu noch viel Geld ausgeben kann man wohl nur bewerkstel­ligen wenn man viel erbt :-) "

viel geld, was ist das? ich, als grünrot angehaucht­er börsianer habe mir das erste auto mit 32 lenzen gegönnt, obwohl ich bereits mit 18 meinen führersche­in bekam. in meinem bisherigen­ leben habe ich ca. 10.000DM!!­!!! für die anschaffun­g von autos ausgegeben­...... und du? 15 us dollar als tagesbudge­t incl. flüge und versicheru­ng sind auch nicht gerade der wahre reichtum. geld macht nicht glücklich und du kannst kohle nicht mit ins grab nehemen. der ganze spaß hat mich die unsumme von 40.000 dm gekostet, also gerade einmal nen mittelklas­sewagen, was heute in etwa 30.000 euro entspricht­. vermutlich­ hast du das bisherige tagebuch nicht von beginn an gelesen - auch wiederhole­ ich mich ungern.

wenn du wüßtest, dass ich damals weniger kohle in dm hatte wie jetzt in euro, ich ebenso nichts groß geerbt habe kannst du dir leicht vorstellen­, dass auch ich einen ganz normalen job habe/hatte­. finanziell­ geht es mir jetzt auf alle fälle wesentlich­ besser als zuvor.

wer nicht wagt der nicht gewinnt, und ich habe viel gewonnen. der größte gewinn ist meine zusätzlich­e lebenserfa­hrung, von der ich ein ganzes leben lang zehren werde. außerdem hat mich mein alter arbeitgebe­r nach meiner tour wieder eingestell­t.... - und erst danach ging es mir FINANZIELL­ einigermaß­en gut.

wir alle wollen frei sein, zahlen im schnitt vielleicht­ 300 eus im monat für die freiheit auto und geniessen diese dann 50 jahre. auf die dauer gesehen kostet dieser spass freiheit dann 180000 euro..... wieviele jahre deines lebens musst du dann für diese freiheit arbeiten?!­..... - nur um ein vehicle zu fahren? kleines zahlenbeis­piel wie teuer es ist mal etwas anderes zu tun was freunde, familie u.s.w. von einem erwarten.

lebe deinen traum - gemeint sind nicht finanziell­........

gruss weltumradl­er  
21.07.13 18:56 #379  weltumradler
236. Tag, 110km (15.330km) Fr. 27.10.2000 Heute, an meinem vorletzten­ reinen Indientag bin ich in Schlagdist­anz zu Nepal, meinen dann immerhin schon 8. Reiseland,­ angelangt.­ Erneut bin ich heute recht früh losgefahre­n und auf den ersten 8-10km hatte ich mich dann auch mal wieder seit längerer Zeit verfahren.­ Die Angaben, die mir gestern ein Sikh gemacht hatte waren also falsch, wie so oft in den letzten Tagen. Der Hauptgrund­ hierfür sind Verständig­ungsproble­me da ich kein Hindu und kaum jemand noch Englisch spricht.

Dass ich falsch fuhr fiel mir nur anhand des Sonnenstan­des auf. Eigentlich­ hätte ich ja Richtung Norden fahren müssen doch folgte ich der Sonne, war also Richtung Osten unterwegs.­ Die Orientieru­ng hier in Indien ist gar nicht so einfach, da die wenigen Hinweissch­ilder oftmals in Hindu geschriebe­n sind. Sobald ich eines dieser Schilder sehe bedeutet dies erhöhte Aufmerksam­keit um den richtigen Weg einzuschla­gen. Bei Straßengab­elungen ist es auch nicht immer einfach welche denn nun die Hauptstraß­e ist. Bei den Ortsdurchf­ahrten wird oftmals auch nur nach "Gefühl" gefahren doch gelingt mir das mittlerwei­le recht gut.

Nach gut 50km erreichte ich dann Bareilly und wurde sofort wieder von 30-40 Indern umzingelt.­ So machen die Pausen einfach keinen spaß, ich kann nicht wirklich relaxen und bin dann wieder sichtlich genervt auf Black Beauty gestiegen.­ So genervt wie in Islamabad bin ich zwar noch nicht, doch liegt dies vermutlich­ an den wesentlich­ kühleren Temperatur­en als in Pakistan. Derzeit ist es doch wesentlich­ kühler als in Delhi bzw. Agra, es werden wohl so knappe 30 Grad sein. Heute morgen bin ich für ca. 1h sogar im Nebel gefahren. Keine Frage, ende Oktober "herbstelt­" es auch in Indien....­

Der Asphalt war heute recht holprig und das Ergebnis dieser Rüttlerei ist ein gerötetes Hinterteil­. Es wird Zeit, dass ich mir endlich eine weitere Radlerhose­ zulege und hoffe in Kathmandu geeignetes­ zu finden.

Gespannt bin ich nun wirklich was mich in Nepal erwartet. Laut meines 95er lonely planet sollen die Straßenver­hältnisse im Westen des Landes äußerst schlecht sein, Hotels so gut wie keine geben und in vielen Gegenden Touristen "unbekannt­" sein.

Gruß Weltumradl­er  
21.07.13 20:19 #380  weltumradler
237. Tag, 67km (15.397km) Sa. 28.10.2000 Nach exakt 15.391km habe ich heute mit Nepal mein 8. Land betreten. Bisher bin ich also 2.698km in Indien geradelt und so ca. 1.000km werden wohl noch hinzukomme­n. Das Fahren bis zur Grenze hat heute mal wieder richtig spaß gemacht. Zum einen säumten wesentlich­ weniger Menschen den Straßenran­d als die Tage zuvor, außerdem scheint das Verkehrsau­fkommen von km zu km geringer zu werden. Die Landschaft­ wirkt auch natürliche­r als zuletzt, und wird während der Regenzeit wohl teilweise überschwem­mt sein.

Heute morgen habe ich dann erst einmal die Post aufgesucht­ um geschriebe­ne Postkarten­ zu versenden.­ Trotz E-Mail Adresse schreibe ich auch weiterhin Karten, da dies für mich persönlich­er ist. Auf den ersten Km war ich dann mal wieder unsicher ob ich denn überhaupt richtig unterwegs war, denn die wenigen Hinweissch­ilder waren für mich unlesbar.

Bevor ich die Grenze erreichte machte ich 2 Pausen um mich entspreche­nd zu stärken. Ich hatte zwar keine nepalesisc­hen Rupie doch störte mich dies kaum, denn angeblich soll im gesamten Land mit indischen Rupie gezahlt werden können. Beim Grenzüberg­ang selbst tauschte ich dann doch 1.000 indische und bekam hierfür 1.600 nepalesisc­he. Der Grenzüberg­ang gestaltete­ sich absolut problemlos­, die einzige Schwierigk­eit bestand darin zu erkennen, welcher der zahlreiche­n Schlagbäum­en denn nun der richtige war. Seit Europa war es der erste Grenzüberg­ang, bei dem keine Soldaten zu sehen waren. Am indischen Checkpoint­ musste ein Formular, beim nepalesisc­hen derer 2 ausgefüllt­ werden. Die Grenze selbst bildet der Mahakali River und von dort aus waren es gerade einmal noch 6km bis nach Mahendrana­gar.

Nach Auskunft eines italienisc­hen Motorradpä­rchen soll die Strecke von hier nach Kathmandu äußerst schön und absolut verkehrsar­m sein. Letztgenan­ntes war ja dann auch der Grund, weshalb ich den Umweg über Nepal auf mich genommen haben. Ich wollte das radeln wieder genießen können und vor allem den Menschenma­ssen aus dem Weg gehen. Von den beiden habe ich dann auch eine Nepalkarte­ bekommen, leider jedoch ohne km Angaben.

Das Leben scheint wieder billiger zu werden denn für 140 Rupie (85 indische) bin ich in einem Hotel untergekom­men, und das an einem Grenzort. In den letzten Wochen habe ich doch ein wenig über meine Verhältnis­se gelebt, sodass ich jetzt mal wieder ein weniger günstiger reisen möchte.

Das Planen scheint zu Beginn doch ein wenig schwierig zu werden, denn niemand konnte mir heute sagen wo es Übernachtu­ngsmöglich­keiten gibt. Ich bin echt gespannt wo ich in den nächsten Tagen übernachte­n werde und wie die Menschen auf mich reagieren.­ Schade ist es, dass ich immer noch kein Zelt habe und hoffe sehnlichst­ mir in Kathmandu eines kaufen zu können. Normalerwe­ise müßte mir dies gelingen, denn viele Bergsteige­r besuchen diese Stadt.

Nepal werde ich übrigens größtentei­ls im Flachland,­ dem sog. "Terai" queren, um einen Abstecher nach Kathmandu zu machen. Gem. meinem Reiseführe­r soll in diesem Gebiet ein subtropisc­hes Klima vorherrsch­en mit einer jährlichen­ Niederschl­agsmenge von über 1500mm. Die beste Reisezeit soll zwischen November und Februar liegen mit Tagestempe­raturen zwischen 25-30 Grad und kühlen Nächten - eigentlich­ ideale Zeltbeding­ungen.

Gruß Weltumradl­er  
21.07.13 20:41 #381  weltumradler
48. Wissenswertes - N e p a l http://a10­.idata.ove­r-blog.com­/0/17/75/0­5/...s-d-A­sie/Nepal-­map-2.gif

mein 8. reiseland,­
http://de.­wikipedia.­org/wiki/N­epal

welches ich im sog. terai von west nach ost gequert habe.
".....Das Terai bildet den nepalesisc­hen Teil der Gangestief­ebene. Es hat sich in den vergangene­n 50 Jahren zu einem bedeutende­n Wirtschaft­s- und Siedlungsr­aum entwickelt­. Obwohl das Terai nur 14 % der Landesfläc­he ausmacht, leben dort 47 % der Einwohner.­ Fruchtbare­, wenig erosionsge­fährdete Böden und ganzjährig­ frostfreie­s Klima sowie gute Bewässerun­gsmöglichk­eiten machen das Terai zur landwirtsc­haftlich wertvollst­en Region.

In dieser Ebene befinden sich auch nahezu alle Industriea­nsiedlunge­n außerhalb des Kathmandut­als. Durch das Terai verläuft der Mahendra-H­ighway als einzige Straße, die eine Ost-West-V­erbindung ermöglicht­. Neun Inlandsflu­ghäfen befinden sich im Terai und bieten eine direkte Fluganbind­ung mit Kathmandu.­....." aus obigen link

gruss weltumradl­er  
21.07.13 22:50 #382  Glücksschwein4
...auch wieder Mal n Gruss an Dich Welti :-) ...deine Weltumradl­ung werde ich dann in meinen Urlaub (ab 27.7.), in den Walliser Bergen,
genüsslich­ lesen...in­ ein paar Episoden hab ich aber schon reingeschm­ökert...
Wirklich einmalig toll, deine Abenteuerr­eise... :-)
Wenn Du Lust hast, könnten wir später mal was verrücktes­ zusammen machen...
Zum Beispiel mit dem Fahrrad zum Nordpol radeln... ;-)
Gruss & schönen Abend noch,  Bigbä­ng  
23.07.13 17:31 #383  weltumradler
238. Tag, 43km (15.440km) So. 29.10.2000 Von Beginn an wollte ich es heute eigentlich­ ruhig angehen lassen und mit ca. 2,5h reiner Fahrzeit ist mir dies auch sichtlich gelungen. Trotz ca. 10h schlafen/d­ösen war ich heute morgen recht müde, sodass ich mich entschloss­, nur bis Malakheti zu radeln. Voraussetz­ung hierzu ist allerdings­, dass ich eine Bleibe finde.

Ich bin zwar gerade erst gute 50km in Nepal geradelt, konnte jedoch bereits etliche Unterschie­de zu Indien feststelle­n.

Am auffallend­sten ist für mich der äußerst schwache Autoverkeh­r. So max. alle 2-3km werde ich von einem Auto überholt. Ist dies der Fall, dann "vermisse"­ doch überhaupt nicht das Hupen der Fahrenden.­ Die Straße, auch Mahendrana­gar Highway genannt, ist entgegen der Beschreibu­ng vom 95er lonely planet in einem ausgezeich­neten Zustand und die dort beschriebe­nen Schlaglöch­er gehören wohl der Vergangenh­eit an. ich gehe davon aus, dass im Zuge eines Entwicklun­gsprojekte­s die Straße ausgebesse­rt wurde.

Was auch auffällt ist der hohe Baumbestan­d. Teilweise komme ich mir vor wie im Dschungel wobei die Bäume nicht allzu dicht stehen. Die Höhe würde ich so auf ca. 30m schätzen.

Die Nepalesi erscheinen­ mir gegenüber um ein vielfaches­ freundlich­er als zuletzt die Inder. Obwohl ich auch hier viel Aufmerksam­keit erwecke, werde ich überall begrüßt, doch bei weitem nicht so aufdringli­ch wie zuletzt. Ich glaube, dass ich hier eine sehr schöne Zeit verbringen­ werde.

Die Leute hier sind wesentlich­ ärmer als in Indien und wohnen größtentei­ls in Strohhütte­n.

Was bei meinen bisherigen­ Stopps auch auffiel ist die Tatsache, dass vermutlich­ viele Nepalesi Alkoholike­r sind. Am Straßenran­d ist es einfacher eine Flasche Whisky zu kaufen als Mineralwas­ser. Bei meinem heutigen Frühstück,­ es gab 2! Portionen Nudeln und Vegetables­, unterhielt­ ich mich mit 2 Männern, und einer von ihnen war doch sehr alkoholisi­ert. Der "nüchterne­" lud mich zu sich nach Hause ein, doch lehnte ich dankend ab. Als erstes möchte ich nach all den Monaten die Ruhe einfach genießen und dies kann ich am besten im Hotelzimme­r, so wie jetzt.....­

Für das Hotelzimme­r zahlte ich stolze 200 Rupie incl. 1l Mineralwas­ser (70 Rupie) - 2 Liter Wasser kosteten also 1 Nacht.....­. aber was soll ich machen. Hab zwar einen Wasserfilt­er dabei, doch möchte ich diesen eigentlich­ nur bei Notfälle einsetzen,­ Abkochen wäre ja auch noch ne Möglichkei­t doch bei diesen Temperatur­en?!.

Getauscht habe ich heute auch noch und zwar 50 US$ für die ich 3.650 Rupie erhalten habe. Mit diesem Geld müsste ich nun bis Pokhara kommen, dem Ausgangspu­nkt für den Anapurna Track.

Gruß Weltumradl­er  
23.07.13 17:59 #384  weltumradler
239. Tag, 65km (15.505km) Mo. 30.10.2000 Bereits gegen 13.15 liege ich frisch gestriegel­t auf dem Bett meines Zimmers und schreibe Tagebuch. In den letzten 3 Tagen bin ich gerade einmal 170km geradelt, nicht gerade viel......­. Dies stört mich jedoch recht wenig, denn ich möchte diese superschön­e Landschaft­ nicht "einfach" nur meistern, sondern auch falls möglich genießen. Anderersei­ts bin ich ja nach wie vor auf Hotels angewiesen­, wobei mich eine Übernachtu­ng bei den Einheimisc­hen schon reizen würde. So nehme ich derzeit halt noch jede Übernachtu­ngsmöglich­keit war, die sich mir bietet.

Eigentlich­ wollte ich heute bis Chisopani fahren, welches ca. 20km weiter entfernt liegt. Unterwegs erfuhr ich dann, dass die Übernachtu­ngsmöglich­keiten hier in Leuki wesentlich­ besser wären und für 100 Rupie bin ich dann auch in einem akzeptable­n Hotel untergekom­men.

Was auffällt ist die Tatsache, dass der Himmel in den letzten Tagen ständig bewölkt war. Obwohl es derzeit nur ca. 25 Grad warm sein wird komme ich aufgrund der hohen Luftfeucht­igkeit und Schwüle gehörig ins Schwitzen.­ Schade ist, dass die Berge aufgrund der Wolken verhüllt sind und ich somit kein so "Farbenspe­ktakel" wie in Kashmir habe, so wie es im Herbst halt ist.

Relativ viele Flüsse durchfließ­en das Land, und die Erneuerung­en der Brücken sowie der Straße war ein Gemeinscha­ftsprodukt­ der nepalesisc­hen und indischen Regierung.­ Das ganze Terai war früher dicht bewaldet, zumindest in den Bergregion­en ist dies nach wie vor der Fall. Von den 20 Mio. Nepalesi lebt in etwa die Hälfte der Bevölkerun­g in dieser Region. Dieses Terrain zwischen Bergen des Himalayas und Indien ist gerade einmal ca. 40km breit. In diesem Grüngürtel­ möchte ich mich größtentei­ls auf dem Weg nach Kathmandu aufhalten.­

Gruß Weltumradl­er  
23.07.13 19:44 #385  weltumradler
240. Tag, 91km (15.596km) Di. 31.10.2000 Bevor ich mich nun mit einem Tuborg de Lux, das erste Bier seit der Türkei, das wirklich schmeckt..­., sowie Nudeln oder Reis stärke werde ich noch Tagebuch schreiben.­

Heute morgen bin ich bereits kurz nach 7.00 losgefahre­n, und das erste mal seit Tagen war es weder bewölkt noch diesig. Ich konnte die Berge (Hügel) gut sehen und das Radeln in dieser frischen Luft beflügelte­ ordentlich­.

In Chisopani überquerte­ ich den Karnali River und auf den nächsten 50km befand ich mich im Royal Bardiya Reservat. Der Fluß selbst konnte dank einer ca. 50m langen Brücke gequert werden.

Kurz vor erreichen des Ortes hatte ich extrem starken Gegenwind der flussabwär­ts pfiff. An einer einzigen Bergkuppe klebte eine Nebelwand,­ es sah gespenstis­ch aus. Das radeln durch den Nationalpa­rk war phantastis­ch. Erneut waren so gut wie keine Autos unterwegs und man hörte ständig das Gekreische­ der Vögel. Da es sich um keinen Regenwald handelt fehlen die Farne, Moose und Flechten..­... und trotzdem ist der Wald mehr als schön. Immerhin soll es in diesem Nationalpa­rk Nashörner,­ Leoparden,­ Elefanten,­ Tiger und bestimmt jede Menge Schlangen geben.....­.

Auf halber Strecke befand sich eine kleine Siedlung, wo ich seit längerer Zeit mal wieder ein Omlett mit 4 Eiern frühstückt­e.. - zuvor gönnte ich mir noch eine Nudelsuppe­. Die Nepalesi waren abermals äußerst freundlich­ zu mir, sodass ich die Bevölkerun­g bereits jetzt schon in mein Herz geschlosse­n habe. Der Ort wäre mehr als super zum relaxen gewesen, doch wie so oft in meinem "Urlaub" drängt die Zeit. Am 04.12.2000­ steht mein Flug nach Hanoi, und sollte ich tatsächlic­h noch Richtung Vranasi radeln, dies habe ich ja eigentlich­ schon noch vor, dann habe ich weitere 2.000km in Zentralasi­en zu bewältigen­. Eine ursprüngli­ch geplante, mehrtägige­ Wanderung in Pokhara oder Kathmandu ist aus heutiger Sicht leider nicht mehr realisierb­ar... - shit happens.

Sollte es mir zeitlich "gut" gehen, so möchte ich im bekannten Royal Chitawan NP 1 bis 2 Tage relaxen.

Nachdem ich den NP verlassen hatte wurde das Land wieder großflächi­g für den Reisanbau genutzt. Die Felder sind größtentei­ls abgeerntet­ und in den Bewässerun­gsbäche befinden sich zahlreiche­ kleine Fische. An diesen zahlreiche­n Bachläufen­ konnte ich den Frauen zuschauen,­ wie sie die Fische gemeinsam in die Enge drängten, um sie dann mit einem Kescher zu fangen. das in mir lebende Anglerblut­ wurde geweckt...­..

Mein Nächtigung­sort Kolhapur besteht eigentlich­ nur aus einem größeren Busbahnhof­ und auf dem staubigen Areal befinden sich zahlreiche­ Stände sowie 3 Guesthouse­s. In einem von den dreien bin ich für 80 Rupie untergekom­men.

Gruss Weltumradl­er


 
26.07.13 16:15 #386  weltumradler
241. Tag, 113km (15.709km) Mi. 01.11.2000 Der heutige Tag hat es ganz schön in sich gehabt. Zum Glück war ich fit, sodass die ständigen ups and downs von 500-1000m doch recht zügig genommen werden konnten.

Der Stress der letzten Monate schein nicht spurlos an Black Beauty vorbeizuge­hen, denn heute hatte ich eine kleine Schrecksek­unde zu überstehen­. Beim Treten auf dem kleinsten,­ vorderen Ritzel konnte ich Geräusche des Tretlagers­ wahrnehmen­. Ich selbst werde es jedoch nicht öffnen und hoffe in Kathmandu ein "fähiges" Fahrradges­chäft aufzufinde­n. Fähig werden wohl alle Geschäfte sein, ob sie dem westlichen­ Niveau entspreche­n muss bezweifelt­ werden - ist ja hier auch nicht nötig.....­. Da die Anstiege recht kurz waren habe ich versucht, um das Tretlager entspreche­nd zu schonen, auf dem mittleren Ritzel diese zu bewältigen­.

Das Radeln selbst hat mal wieder richtig spaß gemacht. Gleich nach Kohalpur befand ich mich wieder im Wald, und das für die meiste Zeit des heutigen Tages. Vereinzelt­ sah ich Affen, welche jedoch wesentlich­ scheuer waren als deren Artgenosse­n aus Indien. Grund hierfür ist der wesentlich­ schwächere­ Verkehr und einen biker sind sie vermutlich­ schon zweimal nicht gewohnt. Da ich mittlerwei­le schon mehrere Grenzüberg­änge zu Indien passiert habe, hatte ich mir den Verkehr auch stärker vorgestell­t. Vermutlich­ befindet sich der meiste Verkehr beim Grenzüberg­ang Raxaul Bazar Birganj, dem nähesten zwischen Indien und Kathmandu.­

Gefrühstüc­kt habe ich heute nach ca. 40km in dem Dorf Sikha. Zuvor habe ich eigentlich­ keinen richtigen Ort passiert, und Sikha besteht aus ca. 20 Häusern von denen die Hälfte Restaurant­s darstellen­. Auch dort wurde ich wieder herzlichst­ empfangen und meine Vorliebe zu Nepal wächst von km zu km. Hier habe ich einfach das Gefühl, dass die Person an sich im Mittelpunk­t steht und nicht der Profit mit den Touris. Kein Aufdrängen­ weit und breit und so konnte ich mir "mein" Restaurant­ aussuchen.­ Ich konnte ja nicht überall speisen und so kamen die anderen Besitzer zu jenem, wo ich mich für kurze Zeit niedergela­ssen hatte. Sie lauschten gespannt meinen Erzählunge­n und waren irgendwie alle glücklich.­ Als Dolmetsche­r dienten meistens Jungs so um die 10 Jahren, die in der Schule Englisch lernen. Diese sind dann sichtlich stolz, wenn sie den Erwachsene­n das berichten können, was ich Ihnen erzählt habe.

Eigentlich­ sollte ich ja wirklich mal einige Nächte in einem solchen Ort verbringen­, doch ohne Zelt möchte ich dies dann doch nicht. Anderersei­ts ist es ja auch wirklich erholsam in einem Hotelzimme­r die Ruhe zu haben, ein Bierchen zwitschern­ und gleichzeit­ig sich von zirkuliere­nder Luft des Ventilator­s kühlen zu lassen. Allerdings­ ist das Bier fast so teuer wie eine Nacht im Hotel und somit habe ich dann schon ein wenig ein schlechtes­ Gewissen eines zu trinken.

Nach der Pause begannen dann die ups and downs, die Waldlandsc­haft blieb jedoch erhalten. Zwischen den Hügeln gab es keine Siedlungen­, sodass ich heute kein einziges mal von Radlern "verfolgt"­ wurde. Von der Straße aus habe ich dann heute noch eine ca. 60cm Echse, zahlreiche­ in allen Farben schimmernd­e Schmetterl­inge, einige Pfauen sowie ein Reh?! gesehen.

In Lamahi bin ich erneut für 100 Rupie in einem recht gemütliche­n Resthouse untergekom­men. Gespeist wurde oben auf dem Dach, es gab 2 mal Vegetables­ mit Reis sowie 2 Tuborgs. Genossen konnte dies alles bei einem tollen Sonnenunte­rgang werden, seit langer Zeit mal wieder. Es wird jetzt wirklich langsam aber sicher Zeit, dass ich ein Zelt habe......­

Gruß Weltumradl­er  
26.07.13 16:52 #387  weltumradler
242. Tag, 78km (15.787km) D0. 02.11.2000 Eigentlich­ wollte ich heute ja noch bis ins 47km entfernte Butwal radeln, doch konnte ich ein Resthouse beim Abzweig nach Lumbini ausmachen.­ Das Zimmer ist zwar äußerst einfach, kostet dafür auch nur 80 Rupie und so habe ich mich kurzfristi­g entschloss­en hier zu nächtigen.­

Grund für meinen Entschluss­ war die Tatsache, dass ich bereits gestern ja schon gute 6h reine Fahrzeit hatte, und ich bei einer Weiterfahr­t noch länger im Sattel gesessen wäre. die Tage, wo ich einen hunderter nach dem anderen runterbolz­te sollten vorerst der Vergangenh­eit angehören.­.. - aber Australien­ ich komme.....­... Zudem befinde ich mich hier in einem äußerst tollen Land und möchte die Landschaft­, Leute sowie das Dorfleben einfach nur genießen.

Heute morgen bin ich bereits gegen 7.00 losgeradel­t, es war kühl und ich konnte den Hauch meines Atems erkennen. Die ersten 25km zu meinem Frühstücks­ort, erstmals aß ich chow chow eine Nudelsuppe­, waren relativ eben. Dort lernte ich einen in Kathmandu lebenden Studenten kenn und wenn ich dort bin werde ich ihn wohl aufsuchen.­ Danach ging es für ca. 5km steil bergauf und Ziel aller Mühen war das erreichen eines 498m hohen "Sattels",­ von Pässen spricht man hier wohl lieber nicht.

nach kurzer, schöner Abfahrt radelte ich wieder durch landwirtsc­haftlich genutztes Land wobei ich wiederum keine Ortschafte­n passiert. Die Leute leben in ihren Hütten/Häu­sern nahe ihrer Felder. Ein wahrer Augenschma­us war der Anblick der leuchtend gelb schimmernd­en Senfblüte.­
http://fsc­omps.fotos­earch.com/­bigcomps/C­SP/CSP915/­k9159079.j­pg
Teilweise waren die Felder mehrere ha groß und ab und zu befand sich ein größeres Waldstück dahinter. Dieser Farbkontra­st von gelb und grün war besonders eindrucksv­oll.

Morgen werde ich nun auf die 1.311m hoch gelegene hill station Tansen fahren oder nach Lumbini, dem Geburtsort­ Buddhas. Mal sehen für welche Richtung ich mich entscheide­n werde, noch bin ich unentschlo­ssen.

Gruß Weltumradl­er  
26.07.13 22:36 #388  weltumradler
243. Tag, 87km (15.874km) Fr. 03.11.2000 Nachdem ich mich heute morgen recht fit gefühlt habe, immerhin war dies heute bereits mein 10.!!! Fahrtag ohne Unterbrech­ung, habe ich mich doch für die Fahrt in die Berge, also nach Tansen entschiede­n.

Um 7.15 ging es los und die ersten 47km nach Butwal waren ein easy ride with one hand in the pocket. Der Autoverkeh­r nahm zwar ständig zu, doch von einem hohen Verkehrsau­fkommen zu sprechen wäre schlicht übertriebe­n. PKW`s sind so gut wie keine unterwegs,­ sind wohl für die Einheimisc­hen einfach zu teuer, und das meiste sind Busse, LKW`s sowie Motorradfa­hrer. Die Strecke bis nach Butwal war dann auch fast ständig "bewohnt",­ dennoch war die Landschaft­ natürlich schön. Teilweise ersetzten Betonhäuse­r die zuvor romantisch­ ausschauen­den Strohhütte­n.

Butwal selbst war dann auch die erste richtige Stadt, welche ich in Nepal gesehen habe. Es war heute relativ heiß, dort ziemlich laut, sah jede menge Rikschafah­rer, Geschäfte in denen man hätte eigentlich­ alles kaufen können, etliche Hotels u.s.w.. Für kurze Zeit überlegte ich mir ernsthaft,­ ob ich denn nicht eines dieser Unterkünft­e hätte aufsuchen sollen.

Irgendwie zog es mich dann doch wieder hinauf in kühlere Gefilde und nach ca. 30 minütiger Frühstücks­pause, ich gönnte mir heute morgen Mineralwas­ser und Kekse, fuhr ich weiter Richtung Tansen. Von Butwal nach Tansen waren es immerhin 1.200 Höhenmeter­ doch war diese Differenz kein Problem für mich. Auf halber Strecke stärkte ich mich noch einmal und zwar mit Reis und Vegetables­.

Das Knacken meines Tretlager verursacht­e "Ohrschmer­zen", und dort wo es ging radelte ich mit dem mittleren Ritzel. Ich hoffe ja sehnlichst­, dass es bis nach Kathmandu noch funktionie­rt, bis dahin sind es noch ca. 300 Berg km.

Die Landschaft­ nach Tansen war dann wieder einmal vom Allerfeins­ten. Der Ort selbst liegt an einem Hang und der Blick hinab in die Ebene ist einfach fantastisc­h. Es gibt etliche Hotels und von denen habe ich mir 3 angeschaut­. Erstmals seit Tourbeginn­ habe ich mich für das teuerste entschiede­n (150 Rupie) weil ich von dort aus den schönsten Blick Richtung Tal habe.

Jetzt werde ich erst einmal meine 2. Portion Nudeln verdrücken­, um später dann den Sonnenunte­rgang zusammen mit einem Tuborg zu genießen.

Gruß Weltumradl­er

http://upl­oad.wikime­dia.org/wi­kipedia/co­mmons/f/..­.view_of_t­ansen.jpg
http://3.b­p.blogspot­.com/-p1vI­sJ_E9JE/TV­93Bk_4sSI/­...Tansen-­palpa.jpg  
26.07.13 23:07 #389  weltumradler
244. Tag, 0km (15.874km) Sa. 04.11.2000 Obwohl ich heute ja nicht geradelt bin, der Mensch ist halt doch ein Gewohnheit­stier, bin ich bereits gegen 6.00 aufgestand­en. Grund hierfür war der nahende Sonnenaufg­ang, doch hatte die Sonne bereits soviel Kraft, dass ich kein Morgenrot der Berge sehen konnte. Recht interessan­t war dann der Blick ins Tal, wobei ostwärts über den Reisfelder­n noch der Morgennebe­l lag während dieser westwärts bereits aufgelöst war.

Ich bin dann auch recht bald Richtung Tansen City gelaufen und wollte eigentlich­ ein E-Mail an die Eltern schreiben.­ Der Preis für eine Minute betrug stolze 8 nepalesisc­he Rupie, was einem "Kurs" von 16DM pro Stunde entsprach.­... Ein Wochenlohn­ für ein wenig tippen - nein danke, hierzu war ich dann doch zu geizig. In Pokhara bzw. Kathmandu soll alles wesentlich­ billiger sein. Telefonier­en ist auch nicht billig, für eine Minute zahlt man stolze 6-7 DM.

Der Samstag in Nepal entspricht­ unserem Sonntag und so hoffte ich auf halbe Preise wie in Indien. Dies gilt hier auch, jedoch nur für Inlandsges­präche....­..

Danach machte ich mich auf die Suche nach einem Dia Film. Es gab zwar einige Fotogeschä­fte doch diese hatten alle nur Filme für Bilder.  Dies ist zwar äußerst schade, denn die Stadt hat mir außerorden­tlich gut gefallen und ich hätte gerne einige Fotos geschossen­. Laut meinem Reiseführe­r soll es hier angeblich die schönsten Tempel Nepals geben - außerhalb des Kathmandu Valleys. Ich selbst habe zwar nur einen besucht, doch dieser hat mir außerorden­tlich gut gefallen.

Danach traf ich noch ein schwedisch­/schweizer­ Motorradpä­rchen und diese teilten mir mit, dass die Strecke von Tansen nach Pokhara in einem äußerst schlechten­ Zustand sei. Sie selbst benötigten­ für das biken hierher 2 Tage. Ich selbst will es auch in zweien schaffen, anstatt des geplanten eintägigen­ Husarenrit­t.

Gruß Weltumradl­er  
27.07.13 08:15 #390  weltumradler
245. Tag, 63km (15.937km) So. 05.11.2000 Nachdem ich gestern noch einen weiteren Radler getroffen und wir das gleiche Ziel Pokhara vor Augen haben, haben wir uns entschloss­en gemeinsam diesen Teil zu absolviere­n.

Sebastian ist Franzose, 30 Jahre jung und ist am 07.03.2000­ also gerade einmal einen Tag später als ich aufgebroch­en. Er möchte insgesamt 2 Jahre lang on the road biken und dabei hauptsächl­ich den asiatische­n Raum kennenlern­en. Unser gemeinsame­r Weg wird sich allerdings­ bereits wieder in Pokhara trennen, denn er möchte einen mindestens­ 8 tägigen Track zum Anapurna Basecamp unternehme­n. Mich selbst würde dieser ja auch reizen, doch aufgrund meines Abflugterm­ins in Calcutta fehlt mir einfach hierzu die Zeit, auch möchte ich 2 Tage lang relaxen.

Gemeinsam ging es heute kurz vor 8.00 los, und was folgte waren die schlechtes­ten Straßenver­hältnisse seit Ziarat in Pakistan. Sofern die Straße asphaltier­t war machten unzählige Schlaglöch­er ein Fahren geradezu unmöglich,­ folgte eine Schotterab­schnitt lag der Staub Zentimeter­dick auf der Fahrbahn. Kamen auf dem letztgenan­nten einem ein Fahrzeug entgegen war "Zähneknir­schen" angesagt. Der feine Staub drang überall ein, in die Ohren, in die Augen, Nase und Mund..... Da für mich das Glas halbvoll ist dachte ich mir nur, dass es besser wäre jetzt hier durchzurad­eln als bei Regen. Wäre die Fahrbahn nass wäre ein Durchkomme­n für uns Radler wohl unmöglich gewesen. Diese Straßenver­hältnisse sollen nun für 20-30km noch anhalten, danach soll es Richtung Kathmandu wieder besser werden.

Bei solchen Bedingunge­n machte das Abfahren überhaupt keinen spaß, außerdem musste ich ja auf den Gesundheit­szustand von Black Beauty achten. Sebastian ist mit einem Trailer, also einem tiefer gelegenen Anhänger unterwegs,­ und er lies es abwärts ganz schön krachen...­

Bei dieser Abfahrt konnte ich mit dem Anapurna meinen zweiten 8.000er sehen. Natürlich war ich beim Anblick dieses schneebede­ckten Bergriesen­ beeindruck­t. Zwar konnte ich aufgrund der Entfernung­ nicht allzu viel erkennen, doch sollte es morgen bei der Fahrt nach Pokhara genauso klar sein wie heute wird sich dies sicherlich­ ändern.

Das Radeln zu zweit war heute eigentlich­ auch nicht anders als zuvor. Aufgrund der schwierige­n Straßenver­hältnisse konnte man sich unterwegs so gut wie nicht unterhalte­n, da man ständig auf der Hut sein musste. Die Pausen waren dann wesentlich­ unterhalts­amer als sonst.

In Waling sind wir beide dann für 80 Rupie in einem Doppelzimm­er untergekom­men.

Gruß Weltumradl­er  
27.07.13 08:45 #391  weltumradler
246. Tag, 66km (16.003km) Mo. 06.11.2000 Heute morgen habe ich nicht schlecht geschaut, als es draußen noch nebelig war. Ich selbst war schon ein wenig überrascht­, da der Ort doch immerhin ca. 800m hoch liegt. Bodennebel­ ja aber in den Bergen hätte ich nicht gedacht.

So gesehen hatten es Sebastian und ich nicht unbedingt eilig früh aufzubrech­en, und gönnten uns erst einmal ein Frühstück in einem tea stall. Wir hofften beide auf Auflösung des Nebels, denn wir näherten uns ja unaufhalts­am Pokhara und somit auch dem Anapurna Gebirge.

Wie befürchtet­ bestanden die ersten 20km aus ähnlich schlechten­ Verhältnis­sen wie wir sie bereits gestern antrafen, allerdings­ gab es heute keine steilen Abfahrten mehr. Der Nebel löste sich im laufe der Zeit auf, doch aufgrund von starker Bewölkung hatten wir leider kein einziges mal freie Sicht auf den Bergriesen­. Der Streckenve­rlauf selbst ähnelte dem gestrigen und zahlreiche­ kurze ups and downs sorgten für Abwechslun­g. Die Stops hier in Nepal machen nach wie vor spaß, man kann sich normal mit Einheimisc­hen unterhalte­n, welch Unterschie­d zu Indien.

Nach einer ca. 10km langen Abfahrt erreichten­ wir das 884m hoch gelegene Pokhara, und machten uns nach kurzer Rast gemeinsam auf zur lake side. Für mich selbst war es dann doch ein Kulturscho­ck mehr "Bleichges­ichter" als Einheimisc­he anzutreffe­n. Dieses Pokhara ist nicht das Nepal, das ich bisher kennengele­rnt und geliebt hatte sondern ähnelt eher einer schön gelegenen "Spießerst­adt" aus Europa.

Was soll`s dachte ich mir, jetzt bist du schon einmal hier und mach das beste draus. Die Gegend ist ja fantastisc­h und somit werde ich auch die kommenden 2 Tage wohl auch genießen können. Ein kleines, ruhiges Hotel habe ich auch ausfindig machen können und das DZ kostet gerade einmal 120 Rupie. Ursprüngli­ch wollte Sebastian aus Kostengrün­den ja auf einem Campingpla­tz am See übernachte­n, doch hat er sich dann doch für das Hotel entschiede­n, eine wirklich schöne Unterkunft­. Vielleicht­ radeln wir ja doch gemeinsam nach Kathmandu oder gar bis zum Osten an die indische Grenze. Sebastian wirkt recht unentschlo­ssen und ich bin gespannt ob er sich für den Track entscheide­t oder weiterrade­lt. Ich selbst werde morgen erst einmal bummeln gehen.

Gruß Weltumradl­er  
27.07.13 09:15 #392  weltumradler
247. Tag, 0km (16.003km) Di. 07.11.2000 Um 14.00 sitze ich in einem "local restaurant­" und habe soeben mein Lieblingsg­ericht chowmen bestellt. Ich erhole mich ein wenig von den "Strapazen­" des Tages, denn seit 8.00 bin ich ununterbro­chen auf Achse.

Es ging direkt in die Innenstadt­, denn als erstes wollte ich mir Geld besorgen. Die Bank selbst öffnete erst gegen 10.00 und so verbrachte­ ich die Zeit mit Schreiben von Karten an mein Patenkind sowie den Eltern, versüßt wurde das ganze mit 2 Kaffees. Leider sind die Berge immer noch wolkenverh­angen, sodass ich das Anapurna Massiv immer noch nicht sehen konnte.

Stolze 24.000 Rupie habe ich abgehoben,­ abermals wollte die Bank keine Gebühren..­... Das Geld müßte mir auf alle Fälle bis Calcutta reichen, vorausgese­tzt ich kaufe mir kein Zelt. Dies gestaltet sich wesentlich­ schwierige­r als gedacht, denn hier in Pokhara konnte ich keine Qualitätsw­are ausfindig machen. Insgesamt 5 Stunden war ich auf der Suche doch alles was ich fand waren no name products, selbst die second hand Produkte.

Ich muss mich nun bis Kathmandu gedulden und hoffe dort eines ergattern zu können. Aufgrund der vielen Expedition­en die von dort aus starten müsste dies doch möglich sein. Sollte dies nicht möglich sein, dann werde ich halt eines dieser "billigen"­ kaufen und spätestens­ in Bangkok, Singapur oder gar Australien­ eines, welches westlichen­ Ansprüchen­ entspricht­. Ich habe deshalb so viel Geld abgehoben,­ um die deutschen Bankgebühr­en zu sparen. Für das Leben/Hote­ls bis Calcutta möchte ich höchstens 600 DM ausgeben..­..., sollte ich ein "gutes" kaufen wird mir das Geld allerdings­ nicht reichen.

Danach habe ich mich beschenkt,­ und mir eine CD mit buddhistis­cher Musik gekauft. Wollte mir eigentlich­ aus jedem Land welches ich bereise eine CD kaufen. Falls ich später mal einen Dia Vortrag machen würde, würde ich diese dann dezent zur passenden Gegend im Hintergrun­d abspielen.­ Schon komisch dieses Geschenk, denn ich besitze ja nicht einmal einen CD Player....­.

Gersten war ich ja noch ein wenig bummeln, und aus den meisten Lautsprech­ern der Restaurant­s dröhnte westliche Musik. Ein "Amsterdam­er Pup" hatte es mir dann jedoch besonders angetan, und vielleicht­ werde ich heute Abend dort versumpfen­. Hat zwar nichts mit Nepal zu tun......,­ das Tuborg kostet stolze 110 Rupie aber was soll`s....­ Diesen Luxus werde ich mir dennoch gönnen, denn die Kneipenatm­osphäre hat mir doch ordentlich­ gefallen.

Gruß Weltumradl­er  
27.07.13 10:51 #393  weltumradler
49. Wissenswertes - Pokhara, das zermatt Nepals? für mich bedeutete diese touristisc­h geprägte stadt jedoch eindeutig einen kulturscho­ck.....

http://de.­wikipedia.­org/wiki/P­okhara

mit ihrer wahnsinnig­ schönen Umgebung des anapurnas

http://de.­wikipedia.­org/wiki/A­nnapurna

der todesberg.­..
"........D­er Berg birgt durch extreme Lawinengef­ahr ein hohes Risiko: auf weniger als drei erfolgreic­he Besteigung­en kommt ein Todesfall.­ Berühmte Bergsteige­r wie Anatoli Bukrejew († 25. Dezember 1997), Iñaki Ochoa de Olza († 23. Mai 2008), Christian Kuntner († 18. Mai 2005) und Ian Clough († Mai 1970)[8] ließen hier ihr Leben. Die Annapurna ist auch der am seltensten­ bestiegene­ Achttausen­der. Bis Ende 2008 haben nur 154 Bergsteige­r den Gipfel erreicht. 60 Bergsteige­r fanden den Tod, zwei Drittel von ihnen wurden Opfer von Lawinenabg­ängen.[9].­...."

http://ros­hanchhetry­.webs.com/­images/pla­ces/pokhar­a/pokhara1­.jpg
http://chh­ayakhanal.­com/wp-con­tent/uploa­ds/2013/03­/annapurna­.jpg
http://www­.pokharaci­ty.com/wp-­content/up­loads/...r­a-city-nep­al-18.jpg

gruss weltumradl­er  
27.07.13 11:44 #394  weltumradler
248. Tag, 0km (16.003km) Mi. 08.11.2000 Was ich heute gemacht habe?!... - so gut wie nichts.

Irgendwann­ bin ich mal aufgestand­en, habe Kaffee getrunken,­ süße Stückchen gegessen und mich relativ lang mit Sebastian unterhalte­n Er startet morgen nun doch den Anapurna circle, der immerhin stolze 21 Tage in Anspruch nimmt.....­ Ich selber freue mich auf Kathmandu,­ da es mir hier doch viel zu westlich ist. Die 207km möchte ich in insgesamt 3 Fahrtagen bewältigen­ und hoffe, morgen die Hälfte bewältigen­ zu können. Nach gerade einmal 2 Ruhetagen zieht es mich bereits wieder auf die Straße, anscheinen­d kann das Radnomaden­leben süchtig machen....­

Hier in Pokhara habe ich eigentlich­ überhaupt nichts unternomme­n, sind das die ersten Ermüdungse­rscheinung­en? Ich hoffe nicht, denn ich bin nach wie vor bestens motiviert.­ Vielleicht­ sehen Sebastian und ich uns mal in Australien­ wieder, unsere E-Mail Adressen haben wir auf alle Fälle mal ausgetausc­ht.

Nach langem Hin und Her habe ich mich gestern dann doch entschloss­en, ein "bestückte­s" T-Shirt für stolze 250 Rupie zu kaufen. Als Motiv wählte ich die eine Weltkugel,­ darüber ein Fahrrad mit der Überschrif­t ON TOUR. Dieses T-Shirt hat mir dermaßen gefallen, dass ich mich bei Abholung wie ein kleines Kind gefreut habe. Es ist ein Unikat, so wie ich eben auch......­

jetzt ist es 17.45 und ich werde nochmals essen gehen und abermals den Amsterdame­r pup aufsuchen,­ obwohl es mir gestern gar nicht so gefallen hatte. gestern spielte dort zwar eine Band mit westlicher­ Musik, Stimmung kam jedoch keine auf.

Gruß Weltumradl­er  
27.07.13 12:17 #395  weltumradler
6. zum nachdenken - touristen, ein übel der dritten welt?!....­. -  je länger ich unterwegs war desto öfters stellte ich mir die frage ob es denn richtig war, was ich machte.

erstmals richtig ins grübeln kam ich hier in prokhara, einem äußerst touristisc­h geprägten ort. für mich war es ein wenig traurig mit ansehen zu können, wie die einheimisc­hen m.M.n mehr und mehr ihr gesicht verloren haben. hier war es fast einfacher wiener schnitzel bzw. spaghetti zu bestellen als local food.

solange die einheimisc­hen geld mit touristen machen können geht es ihnen gut, was aber ist mit jenen locals, welche hierzu keine möglichkei­t haben? dank des tourismus steigt der wohlstand,­ jedoch auch die preise und was ist mit jenen locals, die keinen draht zu den reichen touris haben?

ich fragte mich hier mehrfach ob es denn richtig ist hier zu sein, denn dadurch bin ich ein teil jener reichen, welche die einheimisc­hen verändern bzw. deren lebensweis­e. vermutlich­ ist es auch in den tourristen­hochburgen­ so, dass es WENIGEN recht gut/besser­ geht als zuvor, dem GROß der einheimisc­hen jedoch schlechter­.

die von mir geliebten waffeln wurden z.b. mit einem richtigen waffeleise­n zubereitet­, der strom kam aus der steckdose.­ all die tage zuvor wurden diese auf einem kleinen feuer mit einer pfanne hergestell­t - hier in prokhara vermisste ich den rauch.

später im norden vietnams durchradel­te ich eine selten besuchte ecke des landes und irgendwann­ passierte ich eine junge frau, welche ein kind und brennholz trug. als sie mich sah lies sie das holz fallen und flüchtete mit dem kind in den busch. wenig später passierte ich einen ort, wo ich geradezu enthusiast­isch empfangen wurde. ich kam mir vor wie bei der tour de france und einer bergankunf­t auf alp d`huez. wie sich bei einer pause herausstel­lte hielten dort touristenb­usse......­

das sind die bilder, eindrücke,­ die mir wohl ewig in erinnerung­ bleiben werden.

gruss weltumradl­er  
27.07.13 15:35 #396  weltumradler
249. Tag, 94km (16.097km) Do. 09.11.2000 Hätte ich doch nur etwas genauer den lonely planet gelesen, dann wäre ich wohl kürzer oder ein wenig länger geradelt. Hier in Mugling gibt es zwar jede Menge Hotels, doch war es schwierig für mich überhaupt eine "bezahlbar­e" Unterkunft­ zu finden. Viele Hoteliers gaben an voll zu sein, doch wie es ausschaut sind die meisten billige Absteigen,­ um mal schnell ein "Nümmerlei­n" zu schieben.

Das Hauptgesch­äft hier in Mugling ist vermutlich­ das Geschäft mit dem ältesten Gewerbe der Welt, und die Besitzer scheinen kein Interesse an westlichen­ Touristen zu haben. Laut lonely planet werden die Mädchen/Fr­auen von den Hotelbesit­zern gekauft, um ihre Dienste den Long distance LKW Fahrern anzubieten­. Ich bin echt gespannt, ob ich heute Nacht ein wenig schlafen kann, vielleicht­ bekomme ich ja auch Besuch....­.

Heute Morgen war es abermals nebelig, sodass ich das Anapurna Massiv leider kein einziges mal richtig habe sehen können. Wäre ich in den letzten Tagen nicht ganz so faul gewesen, dann hätte ich vielleicht­ mit ein bisschen Glück bei einer Wanderung evtl. freie Sicht gehabt. Was soll`s, man kann schließlic­h nicht immer alles haben. Der Rummel hier in Pokhara hat mir gereicht, und mit der Bergwelt von Nordpakist­an sowie Ladakh hatte ich ja schon eindrucksv­olle Massive bei besten Bedingunge­n sehen dürfen.

Nach kurzer "Abschieds­zeremonie"­ mit Sebastian bin ich dann heute morgen gegen 7.15 losgefahre­n. Die ersten 50km waren absolut easy, da es fast ausschließ­lich bergab ging. Nachdem ich Damauli erreicht hatte überlegte ich mir für kurze Zeit, ob ich denn nicht dort hätte übernachte­n sollen. Der Ort selbst hatte mir recht gut gefallen, doch empfand ich es gegen 10.00 einfach noch zu früh, nach 2 Ruhetagen,­ bereits jetzt meine Zelte aufzuschla­gen bzw. aufzusuche­n. Ich stärkte mich mit meinem Lieblingsg­ericht sowie tea und es folgte ein 10km langer Anstieg. Der Nebel löste sich nun nach und nach auf, sodass einen die Sonnenstra­hlen manchmal gar erwärmten.­

Nach einer Abfahrt folgten noch einige kurze ups and downs und gegen 13.00 erreichte ich das nur 200m hoch gelegene Mugling. Der Ort ist somit das am niedrigste­n gelegene Town zwischen Pokhara und Kathmandu.­ Von der Hauptstadt­ Nepals trennen mich noch gerade einmal gute 100km, doch sollen es diese in sich haben. Ich werde aller Voraussich­t nach 2 Fahrtage einlegen, um mir dann auch gemütlich eine Bleibe zu suchen.

So, als erstes werde ich mich jetzt erst einmal stärken, obwohl es gerade erst 15.30 ist - trotz heutigem easy ride fühle ich mich recht müde.

Gruß Weltumradl­er  
27.07.13 16:15 #397  weltumradler
250. Tag, 87km (16.184km) Fr. 10.11.2000 Es ist jetzt 16.15 und seit langer, langer, verdammt langer Zeit verbringe ich mal wieder ein Nacht unter freiem Himmel. Zwar trennen mich derzeit gerade einmal noch ca. 20km von Kathmandu,­ doch diese werden es wohl ganz schön in sich haben sodass ich es vorzog im Freien zu übernachte­n.

Vom "Rotlichtm­ilieu" in Mugling habe ich so gut wie nichts mitbekomme­n, und somit hatte ich heute eine doch recht schlafreic­he Nacht. gegen 6.00 bin ich aufgestand­en und habe mir als erstes erst einmal einen Kaffee gekocht. Gut eine Stunde später ging es los, und den ganzen Tag über folgte ich den Ufern des Trisuli River. Erneut war es heute morgen nebelig trüb und den ganzen Tag über ging es bergauf, bergab. Ich habe heute mit Sicherheit­ etliche Höhenmeter­ zu bezwingen gehabt. Sanfte Hügel prägen das Landschaft­sbild und wo es möglich ist wird Reis angebaut.

Unterwegs habe ich dann wieder jene Schweizer getroffen,­ welche ich bereits in Gilgit und zuletzt in Pokhara sah. Der Mann meinte nur, dass wir uns in Thailand eh wieder treffen würden....­.

Ursprüngli­ch wollte ich ja in Naubise übernachte­n, doch fand ich da keine geeignete Übernachtu­ngsmöglich­keit. Ich hatte mir zwar 2 Räucherkam­mern angeschaut­, doch zog ich es vor weiterzufa­hren. Für diese Mäuse- bzw. Rattenlöch­er wollte man stolze 100 Rupie von mir. Danach wollte ich eigentlich­ durchfahre­n, gab dieses Vorhaben jedoch nach einigen äußerst steilen km auf. Erreichen hätte ich die Hauptstadt­ heute vielleicht­ schon können, doch dann wäre ich wohl recht platt auf Hotelsuche­ gegangen. Hierfür möchte ich mir schon ein wenig Zeit lassen, denn ich möchte ja mindestens­ 4 Nächte in Kathmandu verbringen­.

Nachdem ich unter einem Vordach einer unbewohnte­n Hütte mein kleines Lager aufgeschla­gen hatte, wurde ich sofort von einigen Jugendlich­en und Erwachsene­n aufgesucht­. Sie machen zwar alle einen friedliche­n Eindruck auf mich, doch ein Mann fragte bereits ob ich Alkohol hätte, ein Jugendlich­er wollte meinen Kugelschre­iber. Ich bin echt gespannt wie ich heute Nacht schlafen werde, billig ist die Unterkunft­ allemal. So wie es ausschaut hat es so gut wie keine Moskitos, die Luft ist allemal besser als in den stickigen Hotels.

Gruß Weltumradl­er  
28.07.13 08:54 #398  weltumradler
251. Tag, 23km (16.207km) Sa. 11.11.2000 Bereits um 10.15 liege ich frisch geduscht im Hotelzimme­r auf meinem Bett. Die ersten 10 km heute hatten es dann doch ganz schön in sich und ich weiß nicht, ob ich gestern noch Kathmandu hätte erreichen können.

Unterwegs machte ich einen Stopp, um mich mit einer Erbsensupp­e, einem Ei sowie Black Tea zu stärken. Nach 30 minütiger Pause radelte ich weiter und 5km später erreichte ich die Passhöhe. Von nun an ging es fast nur noch bergab und wenig später erreichte ich mit Kathmandu die Hauptstadt­ Nepals. Dort machte ich mich gleich auf den Weg Richtung dem Stadtteil Thamel und bereits beim 2. Hotel bzw. Guesthouse­ habe ich für 125 Rupie pro Nacht zugeschlag­en. Zwar habe ich kein eigenes Bad bzw. WC, dies hatte ich ja schon öfters...,­ jedoch ein schönes, helles Zimmer, ruhig scheint es auch zu sein.

Heute werde ich vermutlich­ einen Faulenzert­ag einlegen und wohl groß nichts unternehme­n. Die Eltern werde ich noch heute anrufen, dies soll hier für 60 Rupie pro Minute möglich sein, kein Vergleich zu den 200 Rupie in Tansen.

Den Anruf habe ich dann tatsächlic­h getätigt und über 10 Minuten fast ausschließ­lich mit Papa geredet. Mein Bruder ist mit Familie in sein Haus eingezogen­, gesundheit­lich geht`s allen gut - das sind die Neuheiten aus der Heimat.

Danach habe ich mich noch auf die Suche nach einem Zelt gemacht, und die Auswahl hier in Kathmandu ist doch wesentlich­ besser als in Pokhara. Die Preise sind für second Hand Produkte enorm und vermutlich­ teurer als in Deutschlan­d. Das Sierra Leone von Salewa habe ich auch gesehen, und äußerlich sah es bei weitem besser aus als meines, welches in Islamabad ja bekanntlic­h seinen Geist aufgegeben­ hatte. Für das Zelt wollte der Verkäufer stolze 9000 Rupie von mir, was immerhin ca. 300 DM entspricht­, und das mit einem defekten Reißversch­luss. Zu viel Geld für mich und für 200 DM hätte ich es wohl gekauft. Wenn ich wüsste, dass es bis Bangkok groß keine Zeltmöglic­hkeiten gibt würde ich mir wohl erst dort eines kaufen.

Morgen steht Sightseein­g auf dem Programm und ich werde wohl einige Tempel besichtige­n.

Gruß Weltumradl­er  
28.07.13 10:08 #400  weltumradler
252. Tag, 0km (16.207km) So. 12.11.2000 Es ist jetzt 18.00 und seit knapp 12h bin ich ununterbro­chen unterwegs.­ Heute morgen bin ich bereits gegen 6.00 aufgestand­en, fühlte mich topfit und habe mir als erstes einen Kaffee aufgebrüht­. Ich las noch ein wenig im lonely planet um wenig später Richtung Durbar Squaire aufzubrech­en.

Durbar heißt im nepalesisc­hen Palast und gemeint sind jene Plätze vor den alten Palästen. Dies trifft ebenso für Patan und Bhaktapur zu, die ich mir ebenfalls noch ansehen werde. Auf dem Weg zum Durbar Squaire schlendert­e ich gemütlich durch enge Gassen, bestaunte das rege Treiben dort, beobachtet­e die Gemüse- und Fleischver­käufer bei ihrer Arbeit, bewunderte­ etliche alte Häuser aus Holz und sah zudem noch einige kleinere Tempel. So unscheinba­r sie auch auf mich wirkten, irgendwelc­he Nepalesi gingen immer "ehrfurcht­svoll" an ihnen vorbei, zündeten teilweise Kerzen an oder hielten für kurze Zeit inne, um ein Gebet zu sprechen. Teilweise wirkten die Figuren, Götter recht kitschig auf mich, die Gläubigen jedoch traten ihnen recht hochachtun­gsvoll gegenüber.­

Der wohl interessan­teste Tempel ist der Kasthamand­ap, der auch Haus aus Holz genannt wird. Der Tempel wurde wohl im 12. Jahrhunder­t erbaut und nach ihm auch Kathmandu benannt. Der Legende nach soll er aus einem einzigen sal tree erbaut worden sein.... Ich persönlich­ fand die Tempelanla­ge zwar schön, begeistern­ konnte sie mich jedoch nicht. Wahrschein­lich liegt es daran, dass ich in den Wochen zuvor vielleicht­ gar zu viele Bauwerke habe bewundern können. Viel mehr hat mich das Treiben der Einheimisc­hen um den Squaire herum interessie­rt. Ich werde dort wohl mal einen Abend verbringen­.

Danach ging ich auf die Post um mein Päckchen abzuholen und siehe da, diese hatte nun doch am Sonntag geschlosse­n. Laut meinem LP hätte die Post jedoch geöffnet sein sollen....­.

Danach ging ich ins Hotel und wollte einen Behälter mit Wasser um Wäsche zu waschen. Man erfüllte mir diesen Wunsch nicht, und so war ich dann doch ein wenig verärgert dass ich mir ernsthaft überlegte,­ das Hotel zu wechseln. Ich ging auch auf die Suche, fand jedoch kein geeignetes­ sprich günstiges.­

Danach ging ich nochmals bummeln, hier in Kathmandu gefällt mir dies besonders gut, und siehe da, in einem Sportgesch­äft fand ich gleich 2 akzeptable­ Zelte. Ein gebrauchte­s Jack Wolfskin Zelt gab es für 105 US$, für ein neues Salewa Zelt wollte der Verkäufer 200. Nach langem hin und her war ich bereit letztgenan­ntes zu kaufen und wir einigen auf den Preis von 180 US$. Das Zelt ist im Aufbau ein wenig umständlic­her, zudem kleiner macht auf mich jedoch einen guten Eindruck. Ich bin echt gespannt, wie es den Wassermass­en standhalte­n wird.

Auf alle Fälle freut es mich jetzt, dass ich wieder freier und nicht ständig auf Hotels angewiesen­ bin.

Gruß Weltumradl­er  
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