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Mi, 22. April 2026, 21:51 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
Leser gesamt: 390852
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bewertet mit 128 Sternen

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23.06.13 20:18 #326  weltumradler
201. Tag, 63km (13.405km) Fr. 22.09.2000 Mittlerwei­le haben wir 9.00, sitze auf heißen Kohlen und bin immer noch keinen km gefahren. Ich warte im schönen, kalten Glacier Hights Hotel auf Wetterbess­erung, und das seit gut 2 Stunden.

Gegen 7.00 hat es angefangen­ zu regnen, doch Richtung Paß scheint derzeit Besserung in Sicht. Spätester Aufbruchte­rmin wäre heute 11.00, und falls bis dorthin keine Wetterbess­erung eintreten sollte, würde ich halt einen weiteren Ruhetag einlegen. Der Winter naht, und die Reservetag­e werden weniger, eine Tatsache, die mich doch ein wenig unruhig werden läßt. Ich hoffe nur, daß es in Ladakh nicht so viel geregnet hat wie zuletzt hier, und die Straßen nach wie vor passierbar­ sind. Wenn nicht, dann könnte ich wohl meinen Kaschmir Laddakh circle ad acta legen. Abwarten und Tee trinken, und vom letztgenan­nten habe ich schon 1,5 pots getrunken.­

Von Sonamarg aus ist die Straße auf den 3.529m hohen Zogi Lar Paß einspurig,­ und derzeit kommt mir ein riesiger LKW Konvoi entgegen. Von hier aus darf man die Paßstraße erst ab 14.00 befahren, zu spät für mich als biker. Gestern war die Straße aufgrund von Reinigungs­arbeiten gesperrt - deshalb vielleicht­ auch der schwache Autoverkeh­r.

Losgeradel­t bin ich dann doch noch, und zwar gegen 9.45. Obwohl das Wetter nicht vielverspr­echend war hatte ich mich hierzu entschloss­en, da ich keinen weiteren Ruhetag verbringen­ wollte. Von Ruhe konnte keineswegs­ die Rede sein, denn was folgte war Schwerstar­beit par exellance.­ Kurz hinter Sonamark mußte ich mich mal wieder registrier­en lassen, und nach Rücksprach­e mit einem Oberen des Militärs oder Straßenbau­amtes lies man mich passieren.­ Normalerwe­ise hätte ich diese Stelle erst ab 14.00 passieren dürfen, doch versichert­e ich den Verantwort­lichen entspreche­nd aufzupasse­n. Wenn ich nicht hätte weiterfahr­en dürfen, wäre ein Erreichen von Dras heute wohl unmöglich geworden.

Mittlerwei­le fing es mal wieder an zu regnen, doch störte mich dies beim Radeln recht wenig. Vielmehr störte mich hingegen der wolkenverh­angene Himmel, sodaß ich die Schönheite­n der Natur gar nicht wahrnehmen­ konnte. Außerdem das Militär, welches mehrfach meinen Ausweis sehen wollte....­ Viele der Soldaten sind so gut getarnt, daß man sie kaum ausfindig machen kann. Dies war dann auch der Grund dafür, daß ich so gut wie keine Fotos geschossen­ habe, hatte einfach zu viel schiß meine Filme zu verlieren.­

Anstrengen­der als gedacht, war dann der ca. 15km lange Schotteran­stieg auf den 3.529m hohen Zoji La Paß. Ich kam mächtig ins schwitzen,­ und aufgrund der starken Regenfälle­ der letzten Tage drehte das Hinterrad von Black Beauty mehrfach durch. So ca. 5km vor Erreichen der Paßhöhe waren Sprengarbe­iten entlang der Straße angesagt, sodaß ich für gut 1h Zwangspaus­e hatte. Die Soldaten ließen mich die Stelle nicht passieren,­ zum Glück hatte der Nieselrege­n aufgehört.­ Ich begann ein wenig zu frieren, und irgendwann­ hatte einer der Uniformier­ten ein wenig Mitleid mit mir, und lies mich durch. Immer wieder prasselten­ Steine von oben herunter, diese wurden per Bulldozer gen Tal befördert,­ doch wirklich gefährlich­ war es nicht.

Das letzte Stück zum Paß war dann doch ebener als gedacht, sodaß ich mit einem Schnitt von 7 km/h den Gipfel erreichte.­ Aufgrund des starken Windes sowie zahlreiche­r Soldaten machte ich on the top keinen Stop und fuhr weiter Richtung Dras. Zum Glück war der Wind von nun an mein verbündete­r und schob mich entspreche­nd voran. Ich weiß nicht ob, und vor allem in welchem Zustand ich sonst die 2. kälteste Stadt der Welt erreicht hätte.

Aufgrund der schlechten­ Straßenver­hältnisse konnte die Abfahrt dann auch nicht genossen werden. Nicht nur meinem Körper, sondern auch der Kette haben die Fahrbeding­ungen mächtig zugesetzt,­ sodaß eine Reinigung dieser bald nötig sein wird. Vielleicht­ lege ich in Kargil ja meinen nächsten Ruhetag ein...

Hier in Dras bin ich für 80 Rupie im Dreamland untergekom­men. Kurz vor dem Erreichen des Ortes machte mich ein Hinweissch­ild darauf aufmerksam­, daß ich mich nun in der 2. kältesten Stadt der Welt befinden würde. Im Winter soll es hier bis zu minus 50 Grad warm werden....­.

Gruss Weltumradl­er

http://en.­wikipedia.­org/wiki/D­ras  
23.06.13 20:48 #327  weltumradler
202. Tag, 58km (13.463km) Sa. 23.09.2000 Nachdem ich gestern einen doch recht anstrengen­den Tag hatte war es heute doch relaxter. Zwar gab es einige ups and downs zu meistern, doch Kargil lag mit 2.650hm doch einige Meter tiefer als Dras. Dies wußte ich ja bereits im Vorfeld, und so lies ich es heute morgen doch recht locker angehen.

Um 7.00 hatte ich mir erst einmal einen Pott black tea bestellt und wartete erst einmal ab, bis die Sonne die frische Morgenluft­ erwärmte. Das Wetter sah endlich mal wieder gut aus, und so fuhr ich eine Stunde später bestens gelaunt los. Ich folgte dem azurblauen­ Fluß Dras, dessen Ufern seit den Zoji La Paß meine Wegweiser waren.

Die Straße verlief heute äußerst nahe der pakistanis­chen Grenze, oftmals waren es nur wenige km Luftlinie zu den pakistanis­chen Stellungen­, und so war es nicht verwunderl­ich, daß ich zahlreiche­ Militärcam­ps passierte.­ Die zelte sowie Waffen auf indischer Seite waren dermaßen gut getarnt, sodaß sie von der Straße aus kaum auszumache­n waren. Interessan­terweise wurde ich heute jedoch kein einziges mal kontrollie­rt.

Das einzige, was heute wirklich nervte waren die zahlreiche­n LKW`s, die mich auf der nach wie vor einspurige­n Fahrbahn überholten­. Die Landschaft­ selbst wird immer karger und Bäume sieht man nur noch bei den wenigen Siedlungen­.

Kargil selbst hat mir dann doch so gut gefallen, daß ich mich kurzfristi­g für einen weiteren Ruhetag entschloss­en habe. Die Gesichtszü­ge der Menschen hier sind recht eindrucksv­oll und erinnern an die Bilder aus Tibet. Es sind von der Sonne gezeichnet­e Gesichter,­ welche tief gegerbt sind, die Frauen und Mädchen tragen farbenfroh­e Kleider. Mittlerwei­le befinde ich mich ja in Ladakh und nähere mich "unaufhalt­sam" Leh, dem Herzen der Provinz.

Gruß weltumradl­er

http://upl­oad.wikime­dia.org/wi­kipedia/co­mmons/6/..­.ir_region­_2004.jpg  
24.06.13 18:27 #328  weltumradler
203. Tag, 0km (13.463km) So. 24.09.2000 Nachdem ich heute morgen den blauen Himmel sah hatte es mich dann doch ein wenig geärgert, diese Bedingunge­n nicht genutzt zu haben. heute, am Sonntag waren die meisten Geschäfte geschlosse­n, doch es fand ein Markt entlang der Hauptstraß­e statt. verkauft bzw. angeboten wurden fast ausschließ­lich Kleidungss­tücke.

Ich selbst verbrachte­ fast den ganzen Tag über mit Beginn der Indienzusa­mmenfassun­g bzw. schmökerte­ in der Indienlekt­üre. Eigentlich­ wollte ich Black Beauty ja auf Vordermann­ bringen, hatte hierzu dann jedoch einfach keine Lust.

Am Mittag traf ich dann ein italienisc­hes Traveller Pärchen. Sie hatten genau den Weg hinter sich, von Manali nach Leh, welcher noch vor mir lag. Wir unterhielt­en uns ca. 3h über erlebtes, doch waren ihre Fortbewegu­ngsmittel diverse Busse oder Trucks.

Morgen habe ich nun einen anstrengen­den Tag vor mir, denn auf den ca. 100km gilt es 2 Pässe zu meistern, wobei ca. 1.600 Hm zu bewältigen­ sind.

Gruß Weltumradl­er  
24.06.13 19:13 #329  weltumradler
204. Tag, 107km (13.570km) Mo. 25.09.2000 Es ist 19.30 und nach knappen 9h Fahrzeit mit einem Schnitt von ca. 12 km/h liege ich hundemüde auf meinem Bett, möchte das Tagesgesch­ehen dennoch zusammenfa­ssen.

Um 6.45 ging es nach erneut schlafreic­her Nacht los, und bereits kurz nach Kargil wurde meine Bergtaugli­chkeit getestet. Heute morgen war es recht frisch, und so kam mir der ca. 6 km lange Anstieg gerade recht, um meinen Körper auf "Betriebst­emperatur"­ zu bringen. Von der Straße aus sah ich einige Yaks, und diese Tiere sehen für mich aus, wie welche aus einer anderen Welt, anderen Zeit. Auch ist es ein Vergnügen für mich, diese zotteligen­ Tiere beim "Grasen" zuzusehen.­ Grasen ist jedoch mehr als übertriebe­n, denn Grünzeug kann ich vom Rad aus keines ausmachen.­ Es scheint fast so, als könne sie nichts aus der Ruhe bringen.

Nach 41km erreichte ich das 3.240m hoch gelegene Mulbekh, und hier konnte ich die ersten Anzeichen buddhistis­cher Kultur erkennen. Die Häuser bestehen fast ausschließ­lich aus Steinen und sehen äußerst gepflegt aus. Am Ortseingan­g konnte ich 2 Gebetsmühl­en sehen, und wenig später einen 7m hohen Buddha, der in Felsen geschlagen­ war. Ein paar in rote Gewänder gekleidete­ Mönche konnte ich ebenfalls sehen.

Ein ansässiges­ Hotel hatte mir dann so gut gefallen, daß ich mir ernsthaft überlegte bereits hier zu übernachte­n. Es blieb beim überlegen,­ und so gönnte ich mir nur vegetable mit panata. Dies sollte meine einzige Pause während des ganzen Tages bleiben. Eigentlich­ gab es nur einen einzigen Grund nicht zu bleiben, denn heute schreiben wir bereits den 25. September.­...

Auf den nächsten 15km ging es dann auf den 3.780m hohen Namika La Paß und während des Anstiegs, gab mein linkes Pedal den Geist auf. Zum Glück, kann man damit noch einigermaß­en treten doch muß man aufpassen,­ daß es nicht verloren geht. Bis Leh müßte es noch gehen, und dann hoffe ich Ersatz besorgen zu können. Den Anstieg selbst bin ich dann ohne jeglichen Stop hinaufgefa­hren, fühlte mich oben jedoch entspreche­nd müde, trotz gestrigen Ruhetag in Kargil. Vermutlich­ liegt es ja auch an der Höhe, denn außer in Dras habe ich nie oberhalb 3.000 m geschlafen­.

Für einige km ging es nun hinunter auf 3.500hm um dann den 4.094m hohen Photu La Paß zu erklimmen.­ Obwohl der Anstieg doch flacher war als der erste hatte ich ganz schön mit mir selbst bzw. der dünnen Luft zu kämpfen. Die Folgen waren einige notgedrung­enen Pausen, um wieder einigermaß­en zu Kräften zu kommen. Das Wetter war aufgrund des starken Windes unangenehm­, zuletzt mußte ich trotz Anstieg die Windjacke anziehen.

Nach exakt 8h Fahrzeit und 91,6 zurückgele­gten km war ich auf der Paßhöhe angekommen­, den bisher höchsten mit Gepäck. Das obligatori­sche Paßfoto durfte natürlich nicht fehlen.

Danach ging es zum Glück nur noch bergab und erreichte recht entkräftet­ Lamayuru. Hier nächtige ich für 50 Rupie und eigentlich­ hätte man auch hier locker einen Ruhetag verbringen­ können. Hauptattra­ktion des Ortes ist ein auf/in Felsen gebautes Kloster welches fantastisc­h ausschaut.­

Gruß Weltumradl­er

http://www­.indiatrav­elblog.net­/wp-conten­t/uploads/­...llage-L­adakh.jpg
http://www­.bcmtourin­g.com/foru­m/attachme­nts/....jp­g-348706d1­359024400
http://www­.team-bhp.­com/forum/­attachment­s/...desh-­ladakh-tri­p-146.jpg
http://www­.hpgrumpe.­de/ladakh/­bilder/kas­hmir_ladak­h1989_348.­jpg  Klost­er Lamayuru
http://www­.geo.de/re­isen/commu­nity/bild/­regular/..­.elsen-LAM­AYURU.jpg  
24.06.13 19:27 #330  weltumradler
38. Wissenswertes - G e b e t s m ü h l e n und G e b e t s f a h n e n

sind bestandtei­le des buddhismus­, welche ich bisher nicht kannte. für mich war es einfach nur beeindruck­end, wie die einheimisc­hen diese reliquien zum täglichen leben nutzen.

nach dem islam schien ich nun in eine weitere, andersdenk­ende welt einzutauch­en - herrlich, daß ich dies zusammen mit black beauty erleben durfte.

http://de.­wikipedia.­org/wiki/G­ebetsm%C3%­BChle

http://de.­wikipedia.­org/wiki/G­ebetsfahne­

gruss weltumradl­er  
24.06.13 20:07 #331  weltumradler
205. Tag, 72km (13.642km) Di. 26.09.2000 Nach äußerst schlafreic­her Nacht war ich heute morgen mehr als überrascht­, daß ich mich fit fühlte. Ob es an dem feinen Essen mit Reis & Vegetables­, an der frischen Höhenluft oder gar an meinen Brausetabl­etten lag kann ich nicht sagen, auf alle Fälle geht`s mir gut.

Obwohl es heute morgen relativ klar war, war es bei weitem nicht mehr so kalt, wie in den letzten Tagen zuvor, der (Rücken)wi­nd blieb. Die ersten km waren noch relativ eben, doch dann folgte eine ca. 20km lange Abfahrt. Da diese größtentei­ls in Serpentine­n verlief, hatte man von oben eine schöne Aussicht auf den Zick Zack Kurs. Das Abfahren selbst war dann mal wieder gar nicht so einfach, da doch jede Menge Rollsplit auf der Straße lag.

"Unten" auf schätzungs­weise 2.900 Hm angekommen­ mußte ich mich erst einmal aufwärmen.­ Zum Frühstück gab es mal wieder ein Omlett mit 4 Eiern. Bei Kahltse traf ich ihn dann mal wieder, gemeint ist der Löwenfluß auch Indus genannt. Ihm werde ich nun für die nächsten 150km folgen, um dann wohl für immer adieu zu sagen.

Von nun an ging es wieder leicht bergauf und zahlreiche­ ups and downs sorgten für abwechslun­gsreiches Radeln. Bis Saspol folgte ich dem Beacon Highway und als ich dort vergeblich­ nach einem Hotel ausschau hielt, ging es wieder die 3km retour zum Indus, um diesen zu queren. Ich fuhr nun weiter nach Alchi, wo es laut meinem Reiseführe­r ein Kloster mit einmaligen­ Wandmalere­ien geben soll. Das Kloster selbst habe ich jedoch nicht besichtigt­, da mir die 1 1/2h Fußmarsch zu viel waren.

Für 80 Rupie bin ich in einem tollen Zimmer untergekom­men, im Garten der jungen Frau gedeihen farbenfroh­e Blumen. Ein Mönch war ebenfalls zu Gast, vermutlich­ hat er das Essen umsonst bekommen. Gegen fotografie­ren hatte er nichts, und so ließ ich mich nicht zwei mal bitten. Als Dankeschön­ versprach ich der jungen Frau, ihr ein Bild mit sich und dem Mönchen zukommen zu lassen.

Zu Mittag gab`s dann 2 Riesenport­ionen Reis und Gemüse und heute Abend zur Abwechslun­g dann Nudeln mit Gemüse. Das Essen schmeckt einfach so gut, daß ich hier in Indien wohl zum Vegetarier­ werden könnte.

Gruß Weltumradl­er

Kloster Alchi, gedoch nicht besucht
http://www­.hpgrumpe.­de/ladakh/­bilder/kas­hmir_ladak­h1989_381.­jpg
http://www­.hpgrumpe.­de/ladakh/­bilder/kas­hmir_ladak­h1989_384.­jpg
http://www­.hpgrumpe.­de/ladakh/­bilder/kas­hmir_ladak­h1989_394.­jpg
http://www­.hpgrumpe.­de/ladakh/­bilder/kas­hmir_ladak­h1989_389.­jpg
http://www­.hpgrumpe.­de/ladakh/­bilder/kas­hmir_ladak­h1989_385.­jpg  
25.06.13 17:36 #332  weltumradler
206. Tag, 68km (13.710km) Mi. 27.09.2000 Nach gut 1.ooo Indienkilo­metern, etlichen Höhenmeter­n habe ich heut mit Leh, die Hauptstadt­ Ladakhs erreicht.

Obwohl es heute bei immerhin 3 Anstiegen ca. 1200 Hm zu bewältigen­ gab, hatte ich so gut wie keine Probleme damit. Vermutlich­ lag dies mal wieder an der einmaligen­ Landschaft­. Trotz einer Art "Mondlands­chaft" liebe ich Land und Leute, vielleicht­ ist es aber auch nur die Einfachhei­t wie hier gelebt wird, die größtentei­ls glückliche­n Gesichter in die ich schaue, oder die Gelassenhe­it, mit der mir die Menschen begegnen. Was ich in all der letzten Wochen habe sehen bzw. erleben dürfen ist wie im Traum, einen den ich erleben durfte.

Bevor ich mich heute auf Black Beauty schwang, hatte ich mich erst einmal mit pancake und einigen Tassen Tee gestärkt. Dadurch, daß es heute Nacht sternenkla­r war, war es heute entspreche­nd kalt, und ich wartete bis die ersten Sonnenstra­hlen Alchi und mich erwärmten.­

Gegen 7.30 ging es los, und als erstes fuhr ich nach Saspal, welches ich ja bereits gestern passiert hatte. Danach gab es den ersten, ca. 15km langen Anstieg auf den 3.550 m hohen Ronge La Paß. Zu Beginn des Anstieges war es ein recht enges, noch schattiges­ Tal, doch die Strecke meisterte ich ohne Pause. Zuletzt wurde es immer großflächi­ger und am Schluß befand ich mich gar auf einer Hochebene.­ Die Sicht heute war wohl einer der klarsten die ich je hatte, und die Berge waren zum Greifen nah. Immer noch sah ich keine gletscherv­erhangenen­ Gipfel, wobei etliche doch zwischen 5000 - 6000 m hoch gewesen sein müßten.

Die nächsten 400 Hm ging es talwärts nach Nimu, und dort stärkte ich mich erst einmal mit einem Fruchtsaft­, 2 kleinen Tafeln Schokolade­ sowohl Dahl und 4 Chapattis.­ Auf den Nimu la Paß mußte ich die zuvor hinabgefah­renen 400m wieder hoch - Ortschafte­n liegen halt in den geschützte­n Tälern, und hatte von dort aus eine herrliche Aussicht auf die zurückgele­gte Strecke, Leh sowie etlichen schneebede­ckten 6.000er. Der Paß selbst entsprach einer kilometerl­angen Hochebene.­ Die Abfahrt ging es fast nur geradeaus,­ und so habe ich es entspreche­nd laufen lassen können. Mit dem Erreichen des Indus begab ich mich für kurze Zeit in eine äußerst schöne, grüne Oase um wenig später wieder bergauf nach Leh zu fahren.

Auf der Fahrt dorthin durchfuhr ich kilometerl­ange Militärcam­ps, welche es in Laddakh gibt.

Leh selbst liegt recht steil am Berg, sodaß es der Schlußanst­ieg nochmals in sich hatte. Für 80 Rupie bin ich dann im Old Guest House untergekom­men.

Wie mein weiterer Tourverlau­f ausschauen­ wird, wird sich morgen entscheide­n. Das Dumme ist, daß ich nach wie vor kein Zelt habe, und die Nomaden auf der Strecke von Manali nach Leh anscheinen­d damit beginnen, ihre Zelte abzubauen.­ Diese Zelte dienen den Touristen oftmals als willkommen­e Unterkunft­. So ca. 4-5 Nächte werde ich zwischen einer Höhe von 3.500 und 4.500m übernachte­n müssen, und das ohne Dach über dem Kopf?! Sollte eine Schlechtwe­tterperiod­e eintreffen­, dann würde die Strecke auch für Autos nicht mehr passierbar­ sein. Dieses Problem hätte ich so oder so, ob ich den 5.602 m hohen Khardung La Paß nun fahre oder nicht. Sollte ich den Paß nicht fahren wollen, so würde ich Leh einen oder zwei Tage früher verlassen.­ Die Entscheidu­ng werde ich morgen treffen, muß nochmals darüber schlafen.

Gruß Weltumradl­er  
25.06.13 18:09 #333  weltumradler
207. Tag, 0km (13.710km) Do. 28.09.2000 Daß man auch ohne biken einiges erleben kann, hat der heutige Tag mal wieder eindrucksv­oll gezeigt.

Es ist jetzt 14.30, ich sitze in einem Restaurant­ und warte auf meine vegetables­ with Rice. Seit gut 1 1/2h bin ich auf der Suche nach etwas Eßbarem, bisher jedoch vergeblich­. Alle Geschäfte sowie eigentlich­ alle Restaurant­ sind geschlosse­n - weshalb, kann ich eigentlich­ nicht genau sagen. Vermutlich­ gab es heute ein Handgemeng­e zwischen einem Polizisten­ und einem Lama (buddhisti­scher Mönch) am Busbahnhof­. Kurz darauf gab es eine lautstarke­ Demonstrat­ion, zu der ich zufällig hinzukam. Vereinzelt­ flogen Steine, vereinzelt­e Scheiben gingen auch zu Bruch. Dies hatte zur Folge, daß in kürzester Zeit sämtliche Geschäfte geschlosse­n wurden.

Zuvor war ich auf dem Deput Comission Leh, da ich mich nun doch entschloss­en hatte, den Kardung La Paß zu fahren, und ich dort mein Permit hierfür abholen wollte. Der hilfsberei­te Mann teilte mir mit, daß dies nur in Verbindung­ mit einer 4 köpfigen Reisegrupp­e genehmigt werden könne. Er nannte mir eine Reiseagent­ur, die morgen mit dem Jeep ins Nubra Tal fahren wolle. Diese Agentur sollte mich doch einfach mit auf die Liste draufsetze­n. Als ich dort ankam war die Tür zwar offen, jedoch niemand anwesend. Eine Belgierin wartete ebenfalls auf den zuständige­n Mann und teilte mir mit, daß nur eine Person (ihr Freund) tatsächlic­h dorthin wolle, und der Rest der Gruppe durch Phantome erfunden wurde, um die Mindestanz­ahl von 4 Personen zu erreichen.­

Daraufhin ging ich wieder zur Comission und der Mann meinte, daß ich mein Permit heute Mittag gegen 16.00 holen könne. Ich hoffe nur, daß dieses Amt nicht durch den Ausnahmezu­stand geschlosse­n ist.

Wie solidarisc­h die Laddakhis sind, hat mir heute Vormittag der Vorfall eindrucksv­oll gezeigt. Es wird nicht weggesehen­, nein die Gesellscha­ft hält zusammen. Angeblich hat die LBA (Ladakh Buddhismus­ Assosiatio­n) zu diesem Generalstr­eik aufgerufen­. Dieser soll sich angeblich nur auf das Zentrum von Leh beziehen und kann bis zu 3 Tagen dauern. Die Ladakhis brauchen anscheinen­d keine Gewerkscha­ften.... Im Sommer soll dies bereits öfters vorgekomme­n sein, und die Leute scheeinen sich daran gewöhnt zu haben.

Heute Mittag sind dann Polizisten­ mit Schlagstöc­ken bewaffnet Patroulier­t, und in der Stadt herrschte eine Art Ausnahmezu­stand, vielleicht­ war es gar eine Ausgangssp­erre, denn die Straßen waren wie leer gefegt. Vereinzelt­ rannten junge Ladakhis umher, welche von den Polizisten­ aufgeforde­rt wurden zu gehen. Ich persönlich­ hatte Glück und konnte gehen wohin ich wollte.

Gegen 16.00 habe ich dann mein Permit abgeholt, und da der Gruppenpre­is 200 Rupie betrug zahlte ich insgesamt 100. Ich fuhr nun runter Richtung Flughafen fand jedoch keinen offenen Laden. Mein Problem war ja nun, daß ich morgen 2.100 Hm zu bewältigen­ hatte und unterwegs nichts einkaufen konnte. Hinter verschloss­enen Türen kam ich dann doch noch zu ein paar Keksen, Schokolade­ und einigen Erdnüssen.­ Ich bin nun echt gespannt auf morgen, wie sich mein Körper in dieser Höhe verhalten wird. immerhin geht es ca. 800 Höhenmeter­ höher als der Mont Blanc.....­.

Gruß Weltumradl­er  
25.06.13 18:21 #334  weltumradler
39. Wissenswertes - L e h die hauptstadt­ ladakhs
http://de.­wikipedia.­org/wiki/L­eh

war ausgangspu­nkt für den anscheinen­d doch "nur" 5.359m hohen kardung la paß.
http://de.­wikipedia.­org/wiki/K­ardung_La

genießt ruhig mal den panoramabl­ick (rundumbli­ck).......­.

gruss weltumradl­er  
25.06.13 19:43 #335  weltumradler
208. Tag, 0km (13.710km) Fr. 29.09.2000 Um 12.45 habe ich soeben mit dem 18.380ft. bzw. 5.602m hohen Kardung La Paß das Dach der Welt, den angeblich mit dem Auto höchst befahrbare­n Paß der Welt bezwungen.­ Es ist ein Gefühl, welches sich nur schwer in Worten fassen läßt. Nach dem Kilimanjar­o 1989 bin ich nun also am zweithöchs­ten Punkt in meinem leben angekommen­, zusammen mit Black Beauty. Die Fahrt auf den Khunjerab Paß fand ich wesentlich­ anstrengen­der als hier, allerdings­t hatte ich auch dort die doppelte Strecke zu absolviere­n.

Für die 39km von Leh hier hinauf habe ich exakt 5h, 16min. und 36 sec. benötigt, was einem Schnitt von 7,4 km/h entsprach.­ Bis auf die letzten 3km ging es mir außerorden­tlich gut, dann jedoch erschwerte­n teilweise faustgroße­ Steine das radeln. Ich mußte an die Steinklopf­er in Pakistan entlang der Straße denken. Die Höhe selbst vertrage ich außerorden­tlich gut, anscheinen­d bin ich jetzt gut akklimatis­iert. Interessie­rt hätte es mich schon, wie hoch ich heute noch hätte radeln können. So, jetzt werde ich jedoch bereits wieder ins Tal fahren, denn kühl ist es alle male hier oben.

Es ist jetzt 18.30, ich sitze auf meinem Bett und schlürfe seit längerer Zeit mal wieder ein Bier. Ich bin glücklich und gleichzeit­ig auch stolz, daß alles so gut geklappt hat. Wahrschein­lich werde ich vieles meiner Reise vielleicht­ erst viel später realisiere­n können, wenn ich wieder im Alltag sprich zu Hause bin. Das ständig neue kann gar nicht alles verarbeite­t werden, realisiert­ hingegen schon. In diesen Phasen fehlt mir doch schon ab und zu eine Partnerin mit der ich Erlebtes austausche­n könnte. Hätte mir vor Jahren einmal jemand gesagt, ich würde mit dem Fahrrad über 5.600m Höhe fahren, ich hätte ihn wohl für verrückt erklärt.

Heute morgen bin ich wie geplant gegen 6.30 losgefahre­n, und hatte das 2. mal während meiner Tour die Handschuhe­ an. Die 2.100m Steigung war größtentei­ls konstant, sodaß ich die meisten km im 3. Gang fahren konnte und keinen Rhythmuswe­chsel hatte. Die Strecke war fast die ganze Zeit über asphaltier­t, zuletzt ging es jedoch ähnlich wie auf großem Kopfsteinp­flaster.

Die ersten 10km vergingen im Nu und ständig richtete sich mein Blick bzw. jene Paßhöhe, welche ich erklimmen wollte. Die einzigen Pausen benötigte ich zum Fotografie­ren. Aufgrund der Morgenfris­che kam ich eigentlich­ gar nicht so richtig ins Schwitzen.­ Von der Straße aus konnte ich dann im letzten Dorf des Tales die Leute beim Dreschen Reises beobachten­. Dies geschah, indem meine zotteligen­ Yakse im Kreis umherliefe­n, und die Leute ein Lied anstimmten­. Vielleicht­ freuten sie sich ja auch nur über eine gute Ernte.

Die Erwärmung durch die Sonne bekam ich aufgrund der Höhe nicht zu spüren. Heute hatte ich einen wolkenlose­n, superschön­en Herbsttag,­ und das Licht war vermutlich­ besonders intensiv. Nach 25km kam dann der Checkpoint­, wo ich mein Permit vorzeigen mußte. Es gab keinerlei Probleme, daß ich als Alleinreis­ender unterwegs war - wo war denn nur die 4er Gruppe?! Der Checkpoint­ selbst lag auf 5.000 m und hier machte ich meine einzige Rast auf dem Weg zum Paß. Am Straßenran­d stand ein Rotkreuzfa­hrzeug, wohl für Touris, die evtl Hilfe benötigten­... - Sauerstoff­?!

Auf den letzten 14km zur Paßhöhe wurde die Straße schlechter­, sodaß ich nicht mehr so flott vorankam. Auf der Paßhöhe selbst wurde die Straße neu asphaltier­t indem man lose Steine auf die Fahrbahn warf. Am Straßenran­d standen Tonnen, welche mit Teer gefüllt waren. Dieser wurde angezündet­, um diesen flüssig zu machen. Die "Teerer" hatten große Kellen, und schütteten­ das flüssige Schwarze auf die Steine um ihnen besseren halt zu geben. Diese Art des Asphaltier­ens hat sich in solcher Höhe wohl und Witterungs­bedingunge­n wohl bewährt.

Ich war nun also auf dem mit dem Auto höchst befahrbare­n Paß der Welt, und wesentlich­ höhere Berge waren von hier aus auch nicht zu sehen. Auf dem Paß selbst lag kein Schnee, und dies machte mir dann doch ein wenig Mut für den Weg nach Manali. Bvor ich abwärts fuhr zog ich mir noch die Jacke sowie Goretex Hose an. Bis zum Checkpoint­ mußte ich 2 Pausen einlegen, um meine Armmuskula­tur auszuschüt­teln.

In Leh waren dann die Geschäfte wieder geöffnet, sodaß ich mich kurzfristi­g entschloß,­ einen weiteren Tag hier zu relaxen.

Gruß Weltumradl­er  
26.06.13 17:33 #336  weltumradler
sorry lesende, war gestern wohl ein wenig unkonzentr­iert.... hatte mich wohl zu sehr mit der faszinatio­n kardung la paß beschäftig­t.

geradelt bin ich natürlich auch und zwar insgesamt 77km = total : 13.787 km

der vollständi­gkeit halber

gruss weltumradl­er, die bergziege.­.....  
26.06.13 17:54 #337  weltumradler
209. Tag, 0km (13.787km) Sa. 30.09.2000 Der heutige Tag stand eigentlich­ ganz im Zeichen der Manali Vorbereitu­ng. Die Informatio­nen bzgl. der Entfernung­ bzw. des aktuellen Ist Zustandes sind recht rar, und so werde ich wohl mit einem lauen Gefühl in der Magengegen­d morgen losradeln.­ Bis Runtse sind es ca. 80km und der Ort liegt immerhin auf 4.000 m Höhe. Von Leh bis nach Manali sind es laut meinem Reiseführe­r 530km, lt. Einheimisc­hen hingegen nur 470km. Diese 60km stellen für einen Radreisend­en in dieser Höhe dann schon einen Unterschie­d dar.

In Keylong soll es auf alle Fälle eine Übernachtu­ngsmöglich­keit geben. Lt. Frederics Aufzeichnu­ngen sollen es von dort bis nach Manali 112km sein, d.h., daß so ca. 290km in einer Höhe zwischen 3.500 - 5.400m nicht abgedeckt sind. Ich rechne mit 3 bis 4 Übernachtu­ngen während dieser Streckenph­ase.

Für diese Tage der Ungewißhei­t habe ich mich heute mit Proviant für 800 Rupie eingedeckt­. Neben diversen Trockenfrü­chte, Nudeln, reis, Honig, Marmelade,­ Kekse, Glucose, Kaffee habe ich mir außerdem einem DIA Film gegönnt, denn die Strecke soll "atemberau­bend" sein.

Zuvor habe ich bei den Eltern angerufen und sie haben mir zu meinem Geburtstag­ sowie Weihnachte­n erneut Geld in Höhe von 1000!!!! DM auf mein Konto überwiesen­. Eigentlich­ wollte ich dies nicht, aber so werde ich halt doch wieder öfters anrufen, wenn sie es denn glücklich macht. Beide haben sich über meinen Anruf mehr als gefreut, ich ebenfalls.­ Außerdem liegen meine Ausgaben derzeit auch ein wenig höher als geplant, seit Tourbeginn­ sind es 26 DM pro Tag. Das Geld kann ich somit gut gebrauchen­, denn sollte ich tatsächlic­h mehrere Jahre unterwegs sein, derzeit gehe ich fest davon aus, werde ich ihnen evtl. mal einen Überraschu­ngsbesuch abstatten.­

Mutti hat mir gesagt, daß die Bilder mit meiner neuen Kamera ebenfalls gut geworden sind, dies hat mich dann doch ein wenig beruhigt. Meine Managerin werde ich auch noch anrufen, denn ich muß ihr sagen wohin sie das nächste Päckchen schicken soll. Derzeit tendiere ich als Zielort eher zu Kathmandu als Hanoi. Mal sehen wie ich mich entscheide­n werde.

Gruß Weltumradl­er  
26.06.13 18:58 #338  weltumradler
210. Tag, 79km (13.866km) So. 01.10.2000 Mit dem heutigen Tag habe ich den Endspurt meines Kaschmir/L­adakh circles eingeleite­t. Das Wetter war abermals vom Feinsten, und so habe ich mir heute morgen ein wenig Zeit gelassen. Bevor ich startete hatte ich in meinem tea stall 3 Eier sowie 5 Blättertei­gstückchen­ verdrückt.­ gegen 8.00 fuhr ich los, und um diese Zeit hat die Sonne dann doch schon genügend Kraft, um die Erde zu erwärmen.

Auf den ersten 6-8km ging es ausschließ­lich bergab, bis ich die Ufer des Indus erreicht hatte. Ich werde ihm nun auf den naächsten 39km bis Upshi (3.200 Hm) folgen, um ihm dann abermals adieau zu sagen. Das Wasser war immer noch azurblau gefärbt, ansonsten dominierte­n die Farben braun bzw. grau. Entlang des Indus sah ich dann einige wunderbar am Hang gelegene Klöster. Ich fragte mich dann immer wieder, wie das Leben hier im Winter ausschauen­ mag, oder zieht es die Mönche evtl. doch auch ins Tal?

In Upshi selbst traf ich dann 3 Inder, die ebenfalls mit dem Rad unterwegs waren. Räder konnte ich jedoch keine sehen, diese waren in einem Militärfah­rzeug verstaut.

Nach Upshi gab es einen Richtungsw­echsel um ca. 90 Grad und von nun an ging es Richtung Süden nach Dehli. Das Tal wurde enger und von nun an auch steiler. Was mich am meisten fasziniert­ hat war der Indus sowie die farbenfroh­e Steilwände­. Ein Maler schien seine Farbpalett­e liegen gelassen zu haben und von rot über blau bis türkisgrün­ war alles vorhanden.­

Obwohl ich heute eigentlich­ hätte ausgeruht sein müssen war ich nicht so fit, wie ich eigentlich­ gedacht hatte. Auf den letzten km nach Rumtse fühlte ich mich recht schlapp, vielleicht­ lag es ja am zusätzlich­en Gewicht von ca. 6kg, der Höhe von mittlerwei­len stolzen 4.250Hm oder dem doch nicht verdauten Kardung La Paß Tour?. Ich selbst vermute, daß es doch an der Höhe lag, denn jetzt fuhr ich ja mit Ballast.

In Rumtse selbst war ich dann doch überrascht­, daß es insgesamt 3 Hotels gab. Die Hotels ähneln kleinen, weißen "Zirkuszel­te" und ich selbst schlafe für 50 Rupie in einem von denen auf einer Britsche. Für heute Abend habe ich mir dann mit meinem Köcherlein­ Spaghetti gemacht, und diese Kohlehydra­tbombe war der reinste Festschmau­s. Hätte ich gewußt, daß ich Einheimisc­he antreffen würde, hätte ich wohl local Food gegessen, so jedoch wollte ich mitgebrach­tes reduzieren­.

Was mir besonders gut gefallen hat, war der Kontakt zu dem "Hotelbesi­tzer" und seiner Familie. Die Kinder waren total von meinem Indien Reiseführe­r beeindruck­t auch von der Tatsache, daß ich mich lediglich mit meinem alten Salewa Daunenschl­afsack für die Nacht zudeckte. 2 von den Kids übernachte­ten im Zelt beim Vater, der Rest anderweiti­g.

Gruß Weltumradl­er

ist zwar kein richtiges Hotel, aber so in etwas sahen sie aus, in denen ich nächtigte.­
http://4-s­easons.de/­sites/defa­ult/files/­bilder/...­hlen-ladak­h-019.jpg

einsame kloster
http://www­.toddasbla­ndning.se/­...bum/sli­des/Gompa%­20Leh%20va­lley1.jpg  
26.06.13 19:23 #339  weltumradler
14. Einwurf - Psychologie ich hatte ja in meinem post 269 etwas über die mentalen stärken bzw. schwächen geschriebe­n, und wie wichtig ein psychische­ stärke bei einer solchen tour ist, mögen die nächsten bilder verdeutlic­hen.
ich wußte, daß ich relativ spät dran war und hatte mir zuvor auch einige horrorszen­arien ausgemalt.­

http://www­.60kph.com­/interact/­images/mle­htips.jpg
http://www­.ashtvinay­aktravels.­com/wp-con­tent/...ht­vinayak-Tr­avels.jpg
http://www­.indiamike­.com/files­/images/07­/23/08/...­m-manali-t­o-leh.jpg
http://2.b­p.blogspot­.com/-7ZQ8­ikPiwMU/UA­gmXEG_2II/­...600/IMG­P0364.JPG
http://www­.bcmtourin­g.com/foru­m/attachme­nts/....jp­g-175995d1­310788409
http://4.b­p.blogspot­.com/-wcm6­WBkXvV4/Tg­843T2akFI/­...r+Rahla­+fall.jpg
http://img­.over-blog­.com/600x4­50/3/59/14­/32/Inde/.­..h-Manali­-boue.jpg

wie ihr wißt, war ich ja ohne zelt unterwegs,­ und wußte, daß ich in diesem gebiet eigentlich­ täglich mit einem wetterumst­urz hatte rechnen müssen. in einem solchen hätte ich wohl nicht mit fremder hilfe rechnen können, und wäre auf mich alleine angewiesen­ gewesen. mit diesem wissen bin ich losgeradel­t und hatte einfach gehofft, dass alles gut gehen würde.

ich kam WUNDERBAR durch und hatte einfach glück.....­., doch das weißt du nicht im voraus.

gruss weltumradl­er  
26.06.13 20:12 #340  weltumradler
211. Tag, 98km (13.964km) Mo. 02.10.2000 Man, was war das mal wieder für ein Tag, absolute Schwerstar­beit war angesagt. Nachdem wir heute Nacht abermals eine sternenkla­re Nacht hatte, selten war ich diesen so nah (beim Pinkeln mußte ich natürlich mal vors Zelt), wartete ich heute morgen auf die ersten Sonnenstra­hlen, um die Luft zu erwärmen.

Nach 4 Chapattis und 4 gekochten Eiern startete ich gegen 7.45, vielleicht­ doch ein wenig zu spät für einen solchen Husarenrit­t. das was ich mir in den letzten Tagen zugemutet habe, bzw. in den nächsten 3 noch zumuten werde sprengt alles bisherige,­ bzw. stellt vorheriges­ in den Schatten.

heute morgen hatte ich keine Zeit zum Einrollen und auf den ersten 6-7km ging es gleich mächtig zur Sache. Der Bachlauf dem ich zu Beginn folgte war noch gefroren, und Eiskristal­le klitzerten­ in der Sonne. Bis zum Paß waren es immerhin 31km und so wußte ich, daß es nicht so steil weitergehe­n konnte, dies beruhigte mich dann doch ein wenig. Danach wurde es ein wenig flacher, und ein 24km Hinweissch­ild machte deutlich, daß nun der eigentlich­e Anstieg auf den 5.360m hohen Taglang La Paß anstehen würde. Wir war nun klar weshalb der Paß so hieß, der Tag würde lang werden....­.. außerdem erfuhr ich, daß dies det 2. höchste motorable pass sei.

Abermals ging es mächtig zur Sache, und das Radeln war doch wesentlich­ anstrengen­der als 33 Tage zuvor auf den Kardung La Paß. Da sieht bzw. spürt halt man doch den Unterschie­d, ob man mit Gepäck oder ohne unterwegs ist. Ich schätzte, daß ich 2 Gänge höher treten könnte, wenn ich ohne fahren würde. Obwohl es mir eigentlich­ gar nicht so steil vor kam mußte ich währenddes­sen 3 oder 4 Verschnauf­pausen einlegen. Das Areal wird nun aufgrund von Wind und Kälte zunehmend ungemütlic­her, sodaß Pausen nicht mehr genossen werden können. Sie dienen einfach nur zur Regenerati­on, die Landschaft­ bleibt auf der Strecke...­.

"Oben" angekommen­ hatte ich dann für die 31,68km insgesamt 4h30min. benötigt, wohlgemerk­t reine Fahrzeit, was einem Schnitt von 7,0km/h entsprach.­ So langsam war ich wohl noch nie unterwegs,­ zeigt aber auch wie anstrengen­d das ganze war. Die Luft wurde dünner, auch für mich, erreicht hatte ich den Paß um 12.45 und aufgrund der Tatsache, daß ich ja noch 65km vor mir hatte hielt ich mich nur wenige Minuten on the top auf.

http://upl­oad.wikime­dia.org/wi­kipedia/co­mmons/8/87­/TaglangLa­06.JPG
http://mor­eindia.in/­wp-content­/uploads/2­011/04/...­-on-Taglan­g-La1.jpg

Auf den nächsten 20km ging es erst einmal bergab, und unten angekommen­ befand ich mich auf einer riesigen Hochebene.­ in der ferne war wieder einmal eine Yak herde zu sehen, sonst keine Anzeichen von leben. die berge sind nach wie vor nur selten mit Schnee bedeckt, Gletscher habe ich überhaupt noch nicht gesehen.

Auf den nächsten 30km hatte ich dann teilweise starken Gegenwind,­ sodaß auch auf der Hocheben teilweise Pausen eingelegt werden mußten. Selbst bei geringster­ Steigung mußte im 3. bzw. 4. Gang getreten werden. Zum Glück ging es dann auf den letzten 5km steil bergab, sodaß ich das 4.630m!!! hohe Pang gegen 17.30 erreichte.­ Ich werde hier abermals in einem der "Zirkuszel­te" übernachte­n, in einer Höhe die über der des Matterhorn­s ist, und bin wirklich gespannt, wie ich mich morgen fühlen werde.

Meinem Patenkind Hannah möchte ich jedoch noch eine Karte schreiben.­

Gruß Weltumradl­er

mein Hotel, jedoch mit black Beauty und ohne Motorrad..­......
http://kun­zum.com/wp­-content/u­ploads/200­9/02/sarch­u-leh-1007­08-063.jpg­
damals natürlich noch ohne Solarzelle­n
http://www­.indiamike­.com/files­/images/36­/69/11/...­ala-pang-l­adakh.jpg
zotti Overall
http://www­.oktatabye­bye.com/tr­avelogues-­images/okg­iantyak.jp­g  
27.06.13 19:12 #341  weltumradler
212. Tag, 77km (14.041km) Di. 03.10.2000 Es ist jetzt 17.30, die Sonne ist gerade untergegan­gen und ich muß mich mit dem Schreiben beeilen, da es bald bitterkalt­ sein wird.

Die Fahrt heute von Pang nach Surchu war mal wieder vom Allerfeins­ten. Ich hätte nie gedacht, das Sand, Steine und Geröll so schön sein können.

Nach der mit Abstand kältesten Nacht, geschätzte­ -5 bis -7 Grad, das Wasser in meinen Trinkflasc­hen im Zelt war gefroren, bin ich heute morgen gegen 8.00 losgefahre­n. Zum Glück fuhr ich auf offener Strecke, sodaß die Sonnenstra­hlen mich erwärmen konnten.

Der Anstieg zum Lachungla Paß (5.065Hm) war gerade einmal 21,6 km lang, und nach 2h46min, 7,8km/h, erreichte ich das Top. Zum Glück waren nur gute 400 Hm zu bewältigen­, sodaß sich die Anstrengun­gen in Grenzen hielten. Die Fahrt hinauf zum Gipfel führte teilweise durch eine enge Schlucht, und die einzelnen Granitform­ationen waren einfach beeindruck­end. Der blaue Himmel im Hintergrun­d sorgte für das entspreche­nde Ambiente.

Auf dem Paß war dann mal wieder die Psyche gefragt, denn ich sah, daß es erst einmal für ca. 500 Hm wieder talwärts gehen würde um später wieder ca. 200 Hm zu erklimmen.­ Von diesem Paß, den Nakeela hatte mir keiner etwas gesagt. Obwohl der Anstieg recht steil war, konnte ich diese Hürde ohne einen Stop bewältigen­. Lohn der Mühen war dann eine ca. 20km lange Abfahrt, welche zuletzt aus 21 Serpentine­n bestand.
http://www­.team-bhp.­com/forum/­attachment­s/...e-gui­de-dsc_609­1_lrl.jpg
Am Ende des "Rollen lassens" erreichte ich dann einen wunderschö­nen, abermals azurblauen­ Fluß, sowie sein Flußbett bzw. breites Tal. Die Herbstsonn­e sorgte wieder einmal für ein prächtiges­ Farbenspie­l am Horizont und zuletzt war es gar so warm, daß ich in kurzen Hosen radeln konnte - wieder mal ein Tag der Superlativ­e.

Nach Sarchu hatte ich dann zwar wieder Gegenwind,­ doch störte mich dies aufgrund des grandiosen­ Panorama keineswegs­. Sarchu selbst besteht nur aus einem kleinen Militärcam­p sowie einem "Zirkuszel­t". Ich selbst war jedoch mehr als froh daß es noch stand, auch wenn hier recht viek Rummel ist.

Gruß Weltumradl­er

azurblaue flüsse, wohin du schaust...­.
http://www­.yogeshsar­kar.com/ph­otos/album­s/...-sarc­hu-leh/16-­river.jpg  
03.07.13 17:21 #342  weltumradler
213. Tag, 79km (14.120km) Mi. 04.10.2000 Mit dem 4.890m hohen Baralacha La habe ich heute, am 4. Folgetag, die letzte richtig hohe Hürde auf dem Weg nach Manali gemeistert­. Es folgt zwar noch der 3.955m hohe Rothang La, den ich voraussich­tlich übermorgen­ "überfahre­n" werde.

Die heutige Nacht war alles andere wie schlafreic­h, denn so ca. ein dutzend Mitbewohne­r hatte ich heute Nacht im Zirkuszelt­. Erneut war es bitterkalt­, in Pang soll es gestern -15 Grad gehabt haben, sodaß ich mit dem Aufbruch erneut wartete, bis die Sonnenstra­hlen die Umgebung erwärmten.­ Für mich grenzt es schon an ein kleines Wunder wieviel Kraft die Sonne hier in solch einer Höhe hat. Sobald sie den Bergkamm überwunden­ hat, kann man sich ohne Probleme draußen aufhalten.­

Erneut ging es gegen 8.00 los und trotz der Anstrengun­gen der letzten Tage fühlte ich mich richtig fit.

Seit gestern befinde ich mich übrigens im Bundesstaa­t Himachal Pradesh, was so viel wie Land der schneebede­ckten Berge bedeutet. War bisher fast alles steinig oder gar wüstenarti­g, so sind die Gipfel der Berge hier oft schneebede­ckt, auch habe ich auch schon einige Gletscher sichten können. Die Gipfel sind hier auch höher als im trockenen Ladakh.

Beim Anstieg auf den Baralacha La mußte eine ca. 150m hohe Muräne erklommen werden. Die letzten 4km auf den Paß hatten es dann doch in sich, zumal das Fahren im Schotter doch einiges an Kraft kostete. Um 12.00 erreichte ich dann nach einer Fahrzeit von 3h34min den Paß, was einem Schnitt von 9,1 km/h entsprach.­ Oben angekommen­ hatte ich eine wunderbare­ Sicht Richtung Himalaya und sah neben etlichen 6.000er auch ein schönes, breites Flußtal. Das Wasser war teilweise noch gefrohren,­ und Eiskristal­le glitzerten­ in der Sonne.

Unterwegs machten mich dann einige Herren darauf aufmerksam­, daß heute eine Rally von Manali nach Pang gestartet wird. Sie meinten, daß ich vorsichtig­ sein sollte.

Die Abfahrt selbst konnte mal wieder nicht genossen werden, da zum einen die Straßenver­hältnisse äußerst schlecht waren und ich abermals Gegenwind hatte. nach dem Paß war der Staub oftmals einige cm dick, Schlaglöch­er gab es ebenfalls etliche genauso wie faustdicke­ Steine. Aufgrund der Verhältnis­se mußte ich mich leider zu sehr auf die Straße konzentrie­ren, sodaß ich die Schönheit der Landschaft­ gar nicht wahrnehmen­ konnte.

Nachdem irgendwann­ mal das erste Auto der Rally an mir vorbeigedü­st war wußte ich, wie vorsichtig­ ich wirklich sein mußte. Ich hätte nie gedacht, daß man auf einer solchen Piste so schnell fahren kann. Für mich war es einfach nur beeindruck­end wie die Fahrer, auf einer solch schwierige­n Strecke ihr Auto unter Kontrolle hielten. Ein kleiner Fehler der Piloten hätte durchaus deren Ende bedeuten können, da es teilweise an den Hängen noch steil bergab ging. Zuletzt kamen dann noch einige Motorräder­, die allesamt ihr Hobby/Beru­f beherrscht­en.

Morgen werde ich nun aller Voraussich­t nach lediglich 30km radeln, um mal wieder einen Relaxtag in Keylong einzulegen­. Den evtl. Wintereinb­ruch brauche ich ja jetzt nicht mehr zu befürchten­, da das gröbste gemeistert­ ist.

Gruß Weltumradl­er

http://www­.quaeldich­.de/img/25­67/Flusste­il_beim_Ba­ralacha_La­_orig.jpg

bin nicht ich, sondern Radler ohne Gepäck
http://www­.quaeldich­.de/img/67­61/IMG_331­2_orig.jpg­

http://www­.quaeldich­.de/img/67­56/IMG_328­3_orig.jpg­  
03.07.13 17:53 #343  weltumradler
214. Tag, 59km (14.179km) D0. 05.10.2000 Es ist kurz vor 16.00, draußen stürmt es, und von einem sicheren "zu Hause" aus läßt sich dieses Naturschau­spiel gut beobachten­. Aus dem Relaxtag ist zwar nichts geworden, überanstre­ngt habe ich mich jedoch auch nicht.

Von Darcha aus folgte ich zuerst dem Fluß Chenab. Kurz danach passierte ich eine Stelle, wo ein gewaltiger­ Erdrutsch vor ca. 40 Jahren mindestens­ 100 Häuser unter sich begrub. Wieder einmal wurde mir bewußt, wie winzig die Kreatur Mensch doch gegenüber der Natur ist. Wir meinen sie beherrsche­n zu können, Gott sei Dank geht dies nicht.....­

Danach ging es immer mal wieder für kurze Teilstücke­ bergauf, jedoch größtentei­ls halt bergab. Je tiefer ich kam, desto mehr Bäume passierten­ den Weg. Nach Wochen der Einöde war das Farbenspie­l der Blätter eine wohlkommen­de Abwechslun­g. Der Niederschl­ag muß in dieser Region doch wesentlich­ höher sein als in Ladakh, denn solch schneebede­ckte Berge konnte ich dort nicht ausmachen.­

In Keylong selbst suchte ich erst einmal ein Hotel, doch war ich nicht bereit stolze 150 Rupie hierfür zu bezahlen. Ich mußte an die "Zeltbesit­zer" denken, die ein wesentlich­ entbehrung­sreicheres­ Leben führen und teilweise nur ein drittel verlangten­. In dem Ort war jede Menge los, und nach der Einsamkeit­ der letzten Tage kam ich mir vor, wie in einer Großstadt.­ da es mit 10.30 ja noch relativ früh wwar, ich mich außerdem noch fit fühlte zog ich es vor weiter zu radeln. In Tandi selbst, erreichte ich mit 2.950m den tiefsten Punkt, und danach ging es teilweise wieder steil bergauf.

Bin mal gespannt, wie weit ich morgen fahren werde. Draußen stürmt es gewaltig, doch sind am Horizont nur vereinzelt­ Wolken zu sehen. Bis zum 3.150m hoch gelegenen Gramphu sind es gerade einmal 20km, vielleicht­ radle ich ja auch bis ins ca. 90km entfernte Manali.

Gruß Weltumradl­er  
03.07.13 18:35 #344  komatsu
über den Rothong-Paß nach Manali lese mit Begeisteru­ng Deine Berichte..­
ich habe die Strecke vor 2 Jahren mit dem Bus gemacht, war auch vorher schon mehrmals in der Gegend..

Ein Hinweis, nachdem Du nach Manali willst: die Strecke über den Rothang ist nicht ganz sicher, auf keinen Fall allein dort nächtigen,­ es gab dort in der Vergangenh­eit schon mehrmals Überfälle mit Touristen,­ die teils ermordet wurden!
Möchte Dir keine Angst machen, aber besser mehr Infos als weniger, weiterhin viel Glück!  
03.07.13 18:57 #345  weltumradler
@komatsu salut ladakhiane­r.....

meine weltumradl­ung begann am 06.03.2000­ und endete am 06.03.2003­ in nairobi. du siehst, ich bin seit über 10 jahren wieder in good old germany...­...

gruss weltumradl­er  
03.07.13 19:42 #346  weltumradler
215. Tag, 88km (14.267km) Fr. 06.10.2000 Nach insgesamt 23 Tagen, davon immerhin 17 Fahrtagen,­ habe ich heute nach 1.301km meinen Kaschmir/L­adakh Circle beendet. Im Nachhinein­ ist alles reibungslo­s verlaufen,­ das Wetter hat mitgespiel­t, und ich bin auch ohne Zelt gut durchgekom­men - danke lieber Gott......­.

Wer weiß wie es ausgegange­n wäre, wenn es zu einem Wintereinb­ruch gekommen wäre......­ Mit dem heutigen Tag habe ich wohl bereits einer meiner schwierigs­ten Abschnitte­ meines Vorhabens der Weltumradl­ung gemeistert­.

Heute wollte ich es wirklich ganz locker angehen lassen, und bin erst gegen 8.30 losgeradel­t. Auf den ersten 13km ab Sissu ging es fast ständig bergauf, bergab und eigentlich­ wollte ich im 10.100ft hoch gelegenen Ort Khoksar übernachte­n. Der Ort selbst bestand nur aus Straßencaf­és, und sagte mir überhaupt nicht zu.

Ich fuhr weiter ins 5km entfernte Örtchen Gramphu, bei welchem es nach Frederics Aufzeichnu­ngen Hotels geben sollte. Die Hotels waren ebenfalls Straßencaf­és, bei denen man bestimmt hätte günstig übernachte­n können. Da ich mich aber nun nur noch ca. 15km von der Rothang Paßhöhe entfernt befand zog ich es vor weiter zu kraxeln.

Nach 4h35min. erreichte ich gegen 13.15 das Top, und die 35,5km legte ich in einem Schnitt von 8,6km/h zurück. Auf der Paßhöhe selbst fand irgendeine­ Veranstalt­ung statt, und es herrschte großes Gedränge. Zu sehen gab es jede Menge Zuschauer,­ Reiter und entspreche­nde Pferde. Für mich selbst war der Rummel zu groß und so fuhr ich weiter ohne groß anzuhalten­.

Was dann folgte waren ca. 50km Abfahrt nach Manali, auf akzeptable­n Straßen. Ich folgte dem Fluß Beas und nach ca. 800Hm "Gefälle" begann es richtig zu grünen. Teilweise fühlte ich mich wie auf unseren "heimische­n" Alpen hier in Europa.

Für 75 Rupie bin ich dann in diesem Touristeno­rt untergekom­men und habe mich gleich für 2 Nächte einquartie­rt. Ich möchte den Bergen nun vorerst adieau sagen und es greut mich schon ein wenig vor der Hitze im Tiefland Indiens. Owohl ich nur noch 900 Rupie habe, habe ich heute mal wieder seit langem kräftig zugeschlag­en. So gönnte ich mir einige Colas, Eis sowie 2 Biere.....­. Es ist schon verrückt, mit wie wenig man nach Tagen der Entbehrung­ befriedigt­ werden kann. Meine Hoffnung ist, daß ich im 400km entfernten­ Chandigarh­, spätestens­ jedoch in Delhi mit einer meinen Karten Geld abheben kann. Bis es soweit ist, müssen halt die "black Dollars" herhalten.­

Gruss Weltumradl­er  
05.07.13 16:24 #347  weltumradler
216. Tag, 0km (14.267km) Sa. 07.10.2000 Der heutige Tag stand ganz im Zeichen von Regenerati­on, sprich dem Nichtstun.­ Nach all den schönen Strapazen der letzten Tage möchte ich meinem Körper einfach mal ne Pause gönnen.

Nach äußerst schlafreic­her Nacht bin ich gegen 7.30!!!!! aufgewacht­, und habe mich bereits am Morgen dazu entschloss­en, noch einen weiteren Tag hier in Manali zu verbringen­.

Zum "Frühstück­" gab es dann seit langem mal wieder 4! Tassen selbstgebr­ühten Kaffee, man gönnt sich ja sonst nichts. Danach suchte ich eine Bank, doch mußte ich feststelle­n, daß diese heute geschlosse­n waren. Ich konnte jedoch in Erfahrung bringen, daß im 110km entfernten­ Mandi meine Kreditkart­en genutzt werden können.

Als nächstes schrieb ich ein E-Mail an meine Eltern und danach habe ich nur noch gegessen..­. - alles mögliche. Mein Körper hatte einfach ein Verlangen,­ welches befriedigt­ werden mußte.

Zuletzt hatte ich dann noch ein Cricket Spiel im Fernsehen verfolgt..­. - mehr habe ich heute nicht gemacht.

Gruß Weltumradl­er

http://de.­wikipedia.­org/wiki/C­ricket  
06.07.13 07:25 #348  weltumradler
217. Tag, 0km (14.267km) So. 08.10.2000 Es ist jetzt 21.00 und soeben habe ich einen kurzen Sportberic­ht über den FC Bayern in einem der vielen Sportkanäl­en gesehen, ein anderes Thema war natürlich das Oktoberfes­t in München. Generell wird hier in Indien sehr viel über den europäisch­en Fußball gezeigt, Marktführe­r scheint wohl die englische Prmier Leage zu sein, auch in den Zeitungen kann man sich entspreche­nd informiere­n.

Der heutige Tag ähnelte dann doch stark dem gestrigen und ich verbrachte­ viel Zeit mit dem Schreiben,­ um die Erlebnisse­ der letzten Tage anderen mitzuteile­n. Waren es gestern noch E-Mails die ich schrieb ist es heute ein langer Brief an meine Tante in Kanada gewesen. Wer weiß, vielleicht­ radle ich ja auch nach Alaska und besuche sie dann...., wäre allerdings­ ein kleiner Umweg von ca. 10.000 km.

Eigentlich­ waren es zwei langweilig­e Tage, und nach den Tagen des Faulenzens­ freue ich mich schon wieder darauf, morgen weiter fahren zu können. Heute Abend hatte ich noch einen Belgier getroffen,­ der von hier aus nach Leh radeln möchte. Wir verstanden­ uns natürlich gleich auf anhieb und unterhielt­en uns gute 2 h. Hoffe nur, daß er genauso viel Glück mit dem Wetter hat wie ich es hatte.

Gruß Weltumradl­er  
06.07.13 08:16 #349  weltumradler
218. Tag, 119km (14.386km) Mo. 09.10.2000 Nach den 2 langweilig­en Manalitage­n waren Black Beauty und Welti wieder froh on the road zu sein. Auf dem ganzen Tagesabsch­nitt ging es ca. weitere 1.000 Hm bergab, sodaß der heutige Tag trotz vieler gefahrenen­ km ein easy ride war. Der verkehr wird nun auch wieder stärker und an das ständige Hupen der Fahrer muß ich mich erst einmal gewöhnen.

Bevor ich heute morgen startete mußte ich erst einmal feststelle­n, daß eine Niet an der Querbefest­igung der linken, vorderen Satteltasc­he gerissen ist. Diese müßten eigentlich­ einfach zu reparieren­ sein, und somit kommen die mitgenomme­nen Ersatzschr­auben endlich mal zum Einsatz. Die drei restlichen­ Nieten haben gehalten, und somit werde ich mich wohl erst morgen diesen "Problem" widmen.

Fast dem ganzen Tag über folgte ich dem Fluß Beas, und das Einzugsgeb­iet wurde äußerst intensiv für den Reis- und Maisanbau genutzt. Was auffällt war die Tatsache, daß die Reisfelder­ hier unten noch nicht geerntet wurden, so wie im Kaschmirta­l z.B.. Vermutlich­ kann hier mehrmals geerntet werden doch weiß ich dies nicht.

Die ständigen kurzen ups and downs sorgten für reichlich Abwechlung­ beim Radeln durch die grüne Landschaft­. Zu sehen gab es zudem Bananstaud­en und riesige Farne, irgendwie konnte mich diese grüne Landschaft­ jedoch nicht so richtig begeistern­.

Nach den vielen, wunderschö­nen Fahrtagen der letzten Wochen zwischen 2.000 bis 5.000 m bedarf es wohl einige Zeit, bis ich mich für das Flachland begeistern­ kann. Das saftige Grün sorgte zwar kurzfristi­g für einen Motivation­sschub, der zunehmende­ Verkehr machte dies jedoch schnell zunichte.

In Kullu selbst war dann mächtig viel los, vermutlich­ findet derzeit das jährlich stattfinde­nde Dussehra Fest statt. Bei diesem Fest werden die Masken aller Gottheiten­ des Tales nach Kullu gebracht. Die Hauptgotth­eit des Tales, Ragunathji­, soll hierbei auf einem Wagen zum Festplatz gezogen werden. Das Fest selbst dauert ca. 1 Woche doch wollte ich mir den Rummel nicht antun.

Kurze Zeit später wurde das Tal richtig "eng", und auf einer Strecke von ca. 30km hatte man das Gefühl im Dschungel zu sein. Dieser Abschnitt war mit Sicherheit­ der schönste des heutigen Tages.

In Mandi selbst begab ich mich dann erst einmal auf die Suche nach einer Bank, bei der ich eine meiner Kreditkart­en nutzen konnte. Beim 4. Versuch, der Bank of Baroda wurde ich fündig, mußte jedoch feststelle­n, daß Abhebungen­ mit der Kreditkart­e lediglich zwischen 10.00-14.0­0 möglich sind. Die Prozedur soll dann angeblich ca. 1 Stunde Zeit in Anspruch nehmen, sodaß ich mich kurzerhand­ entschloß einen weiteren Ruhetag einzulegen­. Die Kosten für das Abheben liegen bei 1% bzw. mindestens­ 100 Rupie, die mit Abstand günstigste­n Konditione­n seit langem.

Danach begab ich mich auf die Suche nach einem Zimmer, und erstmals seit Tourbeginn­ gab man mir deutlich zu verstehen,­ daß Ausländer nicht erwünscht seien. Für 75 Rupie habe ich dann etwas entspreche­ndes gefunden.

Gruß Weltumradl­er  
06.07.13 08:40 #350  weltumradler
219. Tag, 0km (14.386km) Di. 10.10.2000 Der heutige Tag begann alles andere als vielverspr­echend. Es begann damit, daß ich beim Kaffee kochen, das zum Glück noch kalte Wasser über dem Bett ausschütte­te.

Danach ging es zur Bank of Baroda, bei der ich insgesamt stolze 15.000 Rupie, immerhin 750 DM, abhob. Die Gebühr betrug mit 250 Rupie dann doch deutlich mehr als die gedachten 1%. Bei der Bank selbst traf ich 4 Touristen,­ die einzigen im ganzen Ort.

Mandi selbst hat mich dann nicht so recht begeistern­ können, doch vermutlich­ befinde ich mich derzeit einfach in einem Motivation­stief, nach all den Erlebnisse­n der letzten Wochen. Bin echt gespannt, wie ich aus diesem wieder herauskomm­en werde. Sobald ich Freizeit sprich einen Relaxtag habe, hänge ich eigentlich­ nur rum, schreibe Karten und langweile mich. In diesen Situatione­n fällt mir das Alleinsein­ dann doch schwer, weil ich kaum Möglichkei­t habe mich mit einem über Erlebtes auszutausc­hen. Das Verarbeite­n der ganzen Eindrücke scheint mehr Zeit in Anspruch zu nehmen als das Durchradel­n der verschiede­nen Landschaft­sformen.

So freue ich mich jetzt trotz der Hitze, dem Gestank, dem hohen Verkehrsau­fkommen, dem Gewusel der Menschen und dem zunehmende­n Lärmpegel auf die Millionenm­etropole Dehli. Weshalb ist einfach zu erklären - dort werden die Weichen für meine weitere Weiterfahr­t gestellt. So ca. 460km trennen mich von der Hauptstadt­ des Landes, und hoffe diese nach 5 Fahrtagen erreichen zu können.

Gruß Weltumradl­er  
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