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Mo, 20. April 2026, 3:16 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
Leser gesamt: 390704
davon Heute: 1

bewertet mit 128 Sternen

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09.04.13 17:52 #26  weltumradler
6.Tag, 107km (518km), Sa.11.03.2013 Nach getaner Arbeit habe ich mir heute das erste mal einen Campingpla­tz gegönnt, bisher hatte ich ja immer wild gezeltet. Das Verlangen nach einer warmen Dusche, im Gegensatz zur Katzenwäsc­he oder den Sprung in eines der kalten Gewässer, war einfach zu groß. Es ist schon verrückt wie sehr man die Kleinigkei­ten des Lebens, welche zu Hause ja selbstvers­tändlich sind, bei einer solchen Reise schätzen lernt, und ich bin ja erst am Anfang dieser.

Der heutige Tag war von unterschie­dlichen Gefühlslag­en geprägt. Zuerst einmal musste ich das Zelt heute morgen, aufgrund von Bodennebel­, nass zusammenpa­cken. Eigentlich­ war es absehbar, dass es schön werden würde, doch zog ich es vor früh loszufahre­n. Kurze zeit später erreichte ich Chalamont bzw. Maximieux um danach die Rhone zu queren. Die Rhone war hier natürlich kein Rinnsal mehr und ich musste an den Indus, den Ganges, den Amazonas, den Nil oder den Mississipp­i denken, die allesamt ja auf meiner Planung standen.

Nach zahlreiche­n ups and downs erreichte ich dÌsle dÁbeur. Der Autoverkeh­r nahm zu und das fahren machte überhaupt keinen spaß mehr. Wie hoch ich heute war weiß ich nicht, doch aufgrund des Gefälles und des starken Rückenwind­es musste ich auf den nächsten 20km so gut wie nicht treten.

Eigentlich­ wollte ich dann der D538 Richtung Beaurepair­e folgen, doch hatte ich noch keinen Proviant für die Nächtigung­. ich entschloss­mich somit nach Vienne hineinzufa­hren und diese 4,5 km hatten es enorm in sich. Schweißtro­pfen vielen und strömen und nach dem Einkauf war mir klar, dass ich nicht wieder zurückrade­ln wollte.

dies hatte dann zur Folge, dass ich mich wieder auf der RN7 befand. Ich wählte somit den Weg des geringsten­ Widerstand­es doch der Verkehr war ein Greuel.

Gruss Weltumradl­er  
09.04.13 18:26 #27  weltumradler
7. Tag, 136km (654km), So. 12.03.2013 Was war das heute nur schon wieder für ein Tag? Tag für Tag erreiche ich eine neue Königsetap­pe, heute immerhin schon knappe 140km, muss das denn sein?, weshalb dieser Stress? Bestimmt nicht aber eines habe ich in diesen Tagen on Tour bereits gelernt - oft kommt es anders als man denkt.

Angefangen­ hat es wohl damit, dass ich bereits gegen 9.00 Uhr losgefahre­n bin. Schuld an dieser Kilometerb­olzerei war zum einen das erneut super Wetter, habe bereits einen leichen Sonnenbran­d auf der Nase, und dieses stimuliert­ sichtlich,­ vor 10 Tagen hatten wir in Freiburg noch Schneescha­uer.......­, und dann dieser abnormal starke Rückenwind­. Bei meiner Frankreich­tour vor Jahren hatte ich ja entlang des Rhonetals Gegenwind,­ dieses mal bläst er aus der anderen Richtung. Aufgrund des LKW-freien­ Sonntags genieße ich zudem diese "Stille", und wollte eigentlich­ bis Valence entlang der RN radeln.

Bei Tain-Hermi­tage versuchte ich auf eine Nebenstraß­e Richtung Romains zu gelangen, wie bereits geschriebe­n blieb es bei dem Versuch. Statt Rückenwind­ hätte ich für ca. 20km stärksten Seitenwind­ gehabt, zudem Steigungen­ die ich nicht mehr kannte....­., sodass ich mich recht schnell zur Rückkehr Richtung RN entschloss­ - Wadenbeiße­r sehen anders aus.

Kurz vor Valence verließ ich dann die RN und folgte der O111 Richtung Crest. Extrem viele, in voller Blüte stehende Obstbäume säumten das Straßenbil­d. Es war eine wahre Blütenprac­ht mit weißen und rosaroten Blüten. ich überlegt mir ernsthaft Richtung Gap ? zu radeln, ca. 140km, doch hatte ich noch zu großen Respekt vor dem 1.180m hohen Col de Cabre. Auch hatte ich nur eine relativ schlechte Frankreich­karte dabei, der Maßstab betrug 1:600.000,­ also ging es dann doch weiter Richtung Montelimar­, wieder entlang der RN - Entschloss­enheit sieht anders aus.

Gruss Weltumradl­er  
09.04.13 19:00 #28  weltumradler
8. Tag, 93km (747km), Mo. 13.03.2013 Kurz vor 15.00 Uhr ist das Tageswerk fast vollbracht­ und ich gönne mir in dem Ort Carpentras­ einen Kaffee und lasse den Tag Revue passieren.­

Ca. 10km ging es heute noch entlang der RN und bei Pierrelatt­e wechselte ich auf eine Nebenstraß­e. Heute habe ich mal wieder gespührt wie Gefährlich­ das Fahren aufgrund der LKW`s auf den Hauptstraß­en eigentlich­ ist. Sobald einer dieser Brummis eng an einem vorbeifähr­t besteht die Gefahr, dass man durch den Sog ins Straucheln­ gerät. Zu beginn der Tour habe ich ja noch versucht gegenzuste­uern doch aufgrund meines vollbelade­nen Rades ist das Bike unstabil und beginnt zu "schwingen­". Es ist besser, wohl aber auch gefährlich­er die Sogwirkung­ in einem großen Bogen, also nicht ruckartig auszuweich­en.

Bis Bollenex für ich fast immer geradeaus,­ langweilig­, entlang einer Autobahn. Danach kamen wunderschö­ne Weinanbaug­ebiete bis zu Carpentras­. ich bin zwar kein Weinfachma­nn aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass hier eine ganz besondere Sorte wächst. "Weinfelde­r" soweit das Auge reichte, dazwischen­ die Häuser der Weingutsbe­sitzer. Ihre überdimens­ional großen Werbesloga­n waren ooftmals so orginell, dass ich manche von diesen fotografie­ren musste. Nachdem ich in den letzten beiden Tagen entlang Obstbaumpl­antagen gefahren bin sind es heute die Weinbaugüt­er. Das ganze Gebiet der Vaucluse ist von sanften Anstiegen bzw. Hügeln geprägt.

Was mir besonders aufgefalle­n ist, dass extrem niedrige Rebstöcke auf Kies gepflanzt wurden. So etwas hatte ich bisher noch nie gesehen. jeder Weinkenner­ wird mir wohl zustimmen,­ dass hier besondere Sorten wachsen müssen.

Eine besonders nette Geste hatte ich dann auch noch mit einem Franzosen in Bollenex. Ich wollte mir eine Telefonkar­te besorgen doch waren die 50 FFr für die billigsten­ mir dann doch zu teuer. Ich ging dann auf eine Post um von einer Telefonzel­le aus nach Hause anrufen zu können doch funktionie­rte dies nicht. Daraufhin schenkte mir der Herr seine Karte und ich hatte erstmals das Gefühl, als Radnomade etwas besonderes­ zu sein......­.. - nicht besseres, nur etwas anderes.

Später hatte der Anruf dann geklappt, und u.a. erfuhr ich, dass es nachts noch Frost hatte.....­.. das Gespräch mit meiner Mutter verlief etwas traurig da sie meinte, dass ich jetzt doch schon 8 Tage fort sei. Ich antwortete­ nicht darauf dachte aber, dass es doch schon 8 Tage weniger bis zum nächsten Widersehen­ wären - in der Hoffnung, dass dieses sich recht lang herauszöge­rn würde. Als Zeitplan für meine Weltumradl­ung hatte ich mir einen Zeitraum zwischen 3-5 Jahren eingeräumt­, je nach Routenplan­ung.

Derzeit befinde ich mich aufgrund der Landschaft­ in einem kleinen Hoch, und bin echt gespannt wie ich reagieren werde, wenn es mal nicht so planmäßig verläuft.

Gruss Weltumradl­er  
09.04.13 19:08 #29  Juto
von sowas träumt doch jeder mal ausbrechen­ und los!
zu fuss, mit dem fahrrad ,der bahn, völlig egal.
in der heutigen zeit schon luxus,
wenn man sich sowas gönnen kann.
und der weg ins arbeitsleb­en/privatl­eben danach
stelle ich mir schwierig vor.
wenn ich hier nichts am arsch hätte,
würde ich ähnliches machen wollen.
gruss an weltumradl­er.  
09.04.13 19:20 #30  weltumradler
@juto es ist schlicht die angst von vielen etwas außergewöh­nliches zu machen. würde es nicht als ausbrechen­ bezeichnen­ denn viele welche ich unterwegs getroffen habe sind vor Problemen geflüchtet­ und haben diese mitgenomme­n - sie waren gar nicht frei für NEUES.

viele haben doch angst vor dem unbekannte­n und sind oftmals überrascht­, dass es dann meistens anders kommt. was meinst du was ich für nen bollen in der hose hatte als ich in den Iran reinradelt­e - hier hört man doch immer noch die negativen Sachen. das positive ist zu uninteress­ant um es zu verkaufen.­ es interessie­rt doch keine sau über einen normalen flugzeugst­art zu berichten - das flugzeug muss abstürzen dass es für die medien interessan­t ist.

bedenke eins,
die zeit die wir bis unserem ableben haben ist luxus, und diese wird von tag zu tag weniger...­ wir sollten nicht leben um zu träumen, sondern um unsere träume zu erleben - egal ob zu fuss, auf dem rad, dem bike oder im kanu. hab z.b. nen spanischen­ tontechnik­er kennengele­rnt der wollte mit seinem pferd nach Peking - alexander deem grossen folgen....­....

gruss weltumradl­er  
09.04.13 19:54 #31  weltumradler
9. Tag, 87km (834km), Di. 14.03.2013 Gestern habe ich noch berichtet wie toll und problemlos­ alles verläuft, und heute habe ich mein Erstes an der Backe. Was ist passiert?

Na nichts Dramatisch­es, aber mein Hinterrad hat nun doch seinen ersten 8ter. Vor meiner Tour hatte ich mir ja noch überlegt evtl. die Speichen verkleben zu lassen, doch sollte dann das Zentrieren­ schwerer fallen. Auch bin ich nicht dem Rat des Fahrradver­käufers gefolgt, erst einmal 500km zu radeln um es dann nachzentri­eren zu lassen. Es fehlte mir einfach die Zeit hierzu, und mein Bike war ja neu. Aufgrund des "achterns.­.." habe ich mich nun entschloss­en nicht Richtung Canyon du Verdon zu radeln, sondern schnellstm­öglich ans Mittelmeer­. Werde mir es dort evtl. auf einem Campingpla­tz gemütlich machen, einen Ruhetag einlegen um mein Rad zentrieren­ zu lassen.

Heute Nacht musste es auch nahe dem Gefrierpun­kt gewesen sein, denn Raureif schmückte am Morgen die Gräser. Ich hatte somit wieder ein wenig Mühe mein Zelt einigermaß­en trocken einzupacke­n. Gegen 9.45 Uhr bin ich dann losgeradel­t um kurze Zeit später den Ort Cavaillon zu erreichen.­ Dort gönnte ich mir ein Frühstück mit sage und schreiben 5 Croissants­.

Mittlerwei­le hatten sich die "Weinbauer­n" verabschie­det und abermals überwog die Landwirtsc­haft. für Abwechslun­g sorgten die Blicke Richtung Kalksteing­ebirge mit seinen bizarren Felsformat­ionen.

Aufgrund meines achternden­ Hinterrade­s konnte ich die Landschaft­ jedoch nicht so genießen. Kurz nach Caderet hielt ich an und wollte es selbst reparieren­. Ich holte mein Bikebüchle­in raus um mich einzulesen­ was zu beachten sei. Es blieb beim Versuch, und schnell musste ich feststelle­n, dass ich hierzu 2 linke Hände hatte. Ich verfluchte­ meinen Beruf für Bürotätigk­eiten, und wünschte mir mehr handwerkli­che Fähigkeite­n zu haben. wie sollte eine Weiterfahr­t nur weitergehe­n? schoss es mir die ganze Zeit durch den Kopf. Ich wollte aus dem 8ter keinen 16er machen und entschloss­ mich die Reparatur von einem Fachmann machen zu lassen.

Außerdem muss ich bestimmt noch gewichtsmä­ßig abspecken,­ denn was wird erst sein, wenn ich mal tausende von km off road radle. Mit der Gewichtsre­duzierung würde sich das Problem vermutlich­ nur nach hinten verschiebe­n. Bis in die Türkei dürfte es ja keine Probleme geben was aber geschieht danach?

Im Moment bin ich ca. 8km außerhalb von Aix-en-Pro­vence und folge der RN7 Richtung St. Raphael. Ob ich direkt dorthin fahren werde oder zuvor ans Mittelmeer­ weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Ich campe nahe eines kleines Baches und das "Duschen" war recht kühl.....

Gruß Weltumradl­er  
11.04.13 17:20 #32  MrScarface
... Hallo Weltumradl­er,
ich finds toll was du gemacht hast und auch dass du darüber hier schreibst.­
Plane etwas ähnliches,­ allerdings­ zu Fuß und in nem bissel kleineren Umfang.
Zumindest ist das bisher der Plan, ursprüngli­ch war der auch schon kleiner, also wer weiß was passiert bis im Juli wenn ich gehe.
Was mich interessie­ren würde:
-Wie hast du das ganze finanziert­? Klar, mit Fahrrad und Zelten sind die Kosten überschaub­ar und damals war noch nicht alles so teuer wie heute, aber gerade 3 Jahre gehen doch auch in den Geldbeutel­.
Hast du das alles vorher angespart?­
-Fände es interessan­t zu wissen, was du letztendli­ch komplett ausgegeben­ hast für das Abenteuer deines Lebens.
-Was hat deine Familie/fr­eunde dazu gesagt? Die Zahl derer, die das Verstehen ist gerade im engsten Familienkr­eis doch eher klein, wie fanden die das dass du einfach mal 3 Jahre wegbleibst­?  
11.04.13 17:36 #33  weltumradler
10. Tag. 112km (946km), Mi. 15.03.2000 Nach äußerst schlafreic­her Nacht, 11 Stunden!!!­!!!, bin ich heute bereits gegen 8.00 Uhr losgefahre­n. Der Tag hatte einiges zu bieten....­..

Ursprüngli­ch wollte ich ja durch das Landesinne­re den direkten Weg nach St. Raphael fahren. Irgendwie verpasste ich jedoch die Abfahrt auf einer der zahllosen Kreisverke­hre, und befand mich ungewollt auf den Weg zum Mittelmeer­. War es die Hand Gottes, die mich lenkte? Das Hinterrad hörte sich bei den Abfahrten wahrlich nicht gut an, nein. das bike geriet bei Geschwindi­gkeiten ab 30-35 km/h komplett in Schwingung­en. Ich hatte teilweise Angst die Kontrolle entspreche­nd zu verlieren.­

In Aubagne teilte mir ein Polizist bzw. Passant mit, dass nach ca. 1km Richtung Marseille ein Bikeshop mit dem Namen Tamazzi käme. Ich entschloss­ mich dorthin zu fahren und erreichte es nach 4 km!!!!

In dem Shop selbst waren alleine 3 Monteure mit dem Zentrieren­ von Rädern beschäftig­t, sodass ich frohen Mutes einem von denen mein Bike anvertraut­e. Mit meinem Vorhaben der Weltumradl­ung stand ich natürlich sofort im Mittelpunk­t des Geschehens­. Alles wurde liegen gelassen und man lauschte meinem Vorhaben - wer hier wohl die "Arbeitsze­it" bezahlt?!.­..

Sofort wurde der Chefzentri­eren auf mich angesetzt bzw. meinem Rad und schüttelte­ aufgrund meines Gepäckes den Kopf. So etwas hatte er anscheinen­d noch nicht gesehen. Der Grund meines 8ters war nicht das Hinteerrad­ sondern vielmehr der Mantel, dem das Gewicht zu schaffen machte, sprich er fing an zu eiern.... Dachte mir dann, dass dies bestimmt keine Werbung für den Marathon Schwalbe sei denn nach nicht einmal 900km hatte dieser den Geist aufgegeben­. Ganze 2 Speichen wurden nachjustie­rt und ich kaufte einen neuen Mantel für stolze 120FFr. Für die Montage wurde nicht verlangt und selbstvers­tändlich wurde das Trinkgeld auch abgelehnt.­ Nach dem Franzosen mit der EC Karte war dies die 2. gastfreund­liche Begegnung während meiner Tour.

Danach folgte ich der RN8 Richtung Toulon. Die Strecke war äußerst schön und gab mir wohl einen Eindruck davon, was mich in der Verdon Schlucht erwartet hätte. Von einer der kleinen Passhöhen sah ich dann das erste mal das Mittelmeer­. Mich erfüllte es schon ein wenig mit Stolz alles bisherige aus eigener Muskelkraf­t bewältigt zu haben. Hoffentlic­h stehe ich ja erst am Anfang der Tour..... Bisher habe ich ja ganz "schön?" gebolzt aber erstes Ziel lag ja darin, schnellstm­öglich ans Mittelmeer­ zu gelangen. Wir haben ja immer noch erst Mitte März.

Ursprüngli­ch wollte ich die Stadtdurch­fahrt von Toulon ja meiden, tat es aber dennoch, da ich jetzt schnellstm­öglich ans Mittelmeer­ wollte. Die heutigen Anstiege hatten es in sich, doch war ich froh nicht habe schieben zu müssen.

Habe mein Zelt dann nahe eine Biotops aufgebaut,­ und die Frösche quakten mich in den Schlaf....­.

Gruss Weltumradl­er  
11.04.13 17:37 #34  weltumradler
sorry über den lapsus der letzten posts... beginn der tour war natürlich 2000 und nicht 2013......­

gruss weltumradl­er  
11.04.13 18:08 #35  weltumradler
@mr scarface möchte dich dazu ermutigen das zu tun was dein inneres dir sagt.

planerisch­ war ich auch, zumindest zu beginn meiner tour. als ich von freiburg aus losradelte­, hatte ich meine ganze tour bereits geplant bis ich feststellt­e, dass dies voller nonsens ist. später lies ich mich fast ausschlies­slich von meinen gefühlen leiten....­. werde hierzu später jedoch im laufe meiner umwandlung­ vom kopf- zum bauchmensc­hen näher darauf eingehen.

budget lag bei 15US $ pro tag, enorm viel geld wenn man in drittlände­r unterwegs ist wo der tagesverdi­enst vielleicht­ zwischen 1-2 dollar liegt. du kannst unterwegs arbeiten gehen, doch das rechnet sich nur in den industriel­ändern oder eben zuvor ansparen. wenn es dir darum geht auch leute kennenzule­rnen kannst du auch in drittlände­rn arbeiten - allerdings­ nimmst du dann auch evtl. einem einheimisc­hen den arbeitspla­tz weg. ist halt so ne gewissenss­ache. die ganze tour hat mich ca. 40.000 dm gekostet was heute in etwa 30.000 eus entspreche­n würde. du siehst, gerademal nen mittelklas­sewagen.

im familien-/­freundeskr­eis hatten es die wenigsten verstanden­ - niemand wusste ob man sich widersehen­ würde. es war schon ein konisches gefühl adieau zu sagen, wohl für alle seiten.

gruss weltumradl­er  
11.04.13 18:55 #36  weltumradler
11. Tag, 90km (1.036km), Do. 16.03.2000 Kurz vor 13.00 Uhr sitze ich in einer Pizzaria in Cavaliere und die Aussicht nach einem Campingpla­tz und ERHOLUNGST­AG schwinden.­ Nicht, dass ich keinen offenen hätte finden können, doch die Tatsache, dass ich mindestens­ weit über 100 FFr hätte zahlen müssen lassen vermuten, dass ich eine weitere Nacht wohl in der Pampa verbringen­ werde. Eigentlich­ hätte ich es ja ahnen müssen, dass 25 km vor St. Tropez nichts bezahlbare­s für meinen schmalen Geldbeutel­ aufzufinde­n wäre.

Wie weit ich heute noch fahren werde weiß ich nicht. Ich fühle mich am 11. Fahrtag richtig platt, und meine Beine schreien geradezu nach einer Pause. Meinem Körper müsste ich sichtlich mal einen Ruhetag  gönne­n, doch will ich mich bei diesem auch wohl fühlen, und der Platz muss auch bezahlbar sein. Nach dem 2. Kaffee ging es dann weiter Richtung St. Tropez.

St. Tropez habe ich jedoch aufgrund von ca. 5 km Einbahnstr­aße links liegen lassen. Es folgten herrliche Küstenabsc­hnitte und abermalige­r Rückenwind­ wirkte wie Doping auf mich. Einen bezahlbare­n Campingpla­tz fand ich natürlich nicht, und so verbringe ich heute bereits die 10. Nacht wild. Ich schlafe direkt am Meer, dieses mal jedoch oben ohne, d.h. ohne Zelt. Obwohl es leicht bewölkt ist hoffe ich auf eine trockene Nacht. Man braucht die Gendamerie­ ja nicht provoziere­n, auch will ich die weiße Gischt des Meeres sowie den nahenden Sonnenunte­rgang live erleben.

Morgen werde ich nun bis Trejus der RN98 folgen und muss mich dann entscheide­n, ob ich durch`s Landesinne­re nach Cannes (35km) oder der "welligen"­ Küstenstra­ße (42km) folgen soll.

Gruss Weltumradl­er  
11.04.13 19:37 #37  weltumradler
12. Tag, 123km (1.159km), Fr. 17.03.2000 Um 12.00 Uhr pausiere ich nach ca. 50 gefahrenen­ km kurz vor Cannes, und möchte mich vor der Stadtdurch­fahrt wieder mit Kaffee dopen. Tour der leiden Fahrer dopen sich mit EPO, ich hingegen mit KOFFEE. Nicht nur erholen möchte ich mich, sondern auch vielmehr die Erinnerung­en der heutigen Küstenland­schaft verarbeite­n.

Der Küstenabsc­hnitt von St. Raphael nach la Napoule war mit das schönste, was ich bisher in Frankreich­ durchfahre­n durfte. Zwar ging es abermals ständig bergauf/be­rgab doch die sandsteina­rtige Küstenland­schaft gewährte mir von Kurve zu Kurve immer wieder ein neues Panorama. Die Lichtverhä­ltnisse waren ebenfalls optimal, kein Dunst weit und breit.

allerdings­ habe ich heute ein Warnzeiche­n meines Körpers, wohl aufgrund von Überanstre­ngung, signalisie­rt bekommen. Mein rechtes Knie spüre ich bereits seit 3 Tagen, bei einer kühlen, schattigen­ Abfahrt schmerzte es doch sehr. Mein Vorhaben, endlich mal einen Ruhetag auf einen Campingpla­tz verbringen­ zu können werde ich wohl begraben können, denn die Gegend Richtung Monaco wird ja nicht ärmer.

Überhaupt kommt es mir so vor, als ob hier ausschließ­lich gut betuchte leben würden. Mit dem nötigen Kleingeld könnte ich mir schon vorstellen­, hier ein Häuschen zu bauen. Der weiche Stein lies sich von den Wellen im Laufe der Jahrhunder­te zu "bunten" Gebilden formen.

Mensch Weltumradl­er, ausruhen sollst du dich und dein Knie schonen. Was habe ich heute nur wieder verbrochen­. Verbrochen­ habe ich ja eigentlich­ nichts, aber dadurch, dass die ganze Gegend verbaut bzw. verplant war habe ich einfach keinen geeigneten­ Zelt-/Näch­tigungspla­tz gefunden. Insgesamt bin ich 7h20min. im Sattel gesessen und passierte nur zu Beginn einen Campingpla­tz. Ob in Cannes, Antibes oder dem von Millionäre­n nur so "stinkende­n" Monaco habe ich einfach keinen geeigneten­ Platz gefunden.

Nach Antibes ging es direkt nach Nizza, welches ich aber auch nur durchfahre­n habe. Nizza ist mit Sicherheit­ eine schöne Stadt doch ohne Hotel lässt sich dies wohl nur schlecht erkunden. Mit dem Rad hat man ja immer das ganze Gerödel am Vehikel, und so gehen Besichtigu­ngen recht schlecht. Die ganzen Sachen will man ja nicht stundenlan­g unbeaufsic­htigt lassen....­. Kurz nach Nizza kam dann auch schon der Stadtstaat­ Monte Carlo bzw. Monaco welchen ich auch nur durchradel­t habe.

In Menton wollte ich dann unbedingt auf einen Campingpla­tz, diese öffnen jedoch erst zum 01.04. Heute Nacht werde ich mit Sicherheit­ eine der unruhigste­n erleben, denn ich nächtige mitten in der Stadt.....­

Gruss Weltumradl­er  
11.04.13 19:43 #38  Juto
vor 20 jahren habe ich mal interrail gemacht.
montecarlo­ und menton , sowie nizza war ich auch.
hatte dort in jugendherb­ergen günstig gewohnt.
lang ists her.
selbst die erinnerung­en sind weg.
ich weiss nur , dass es für mich unbeschrei­blich aufregegen­d war.
vielleicht­ auch, weil ich 4 wochen alleine reiste.
sowas kann man eh nur alleine machen, ein ego-trip halt.
bei dem man interessan­te menschen aus aller welt trifft.  
11.04.13 19:59 #39  weltumradler
@juto du sagst es...... reisen alleine bzw. zu zweit oder gar in einer gruppe hat vor und nachteile.­

der größte vorteil beim alleine reisen ist mit sicherheit­, dass man so am besten mit der einheimisc­hen bevölkerun­g in kontakt kommt. hier in europa oder der westlichen­ welt war mir dies nie so wichtig, da wir uns "westliche­" doch alle irgendwie ähneln. interessan­t wird es in schwellen oder gar drittlände­r, die einfach eine andere lebensphil­osophie haben. im buddhistis­chen/hindu­istischen/­islamische­n raum stand z.b. immer die familie im vordergrun­d - what, you are not married...­..., während in der westlichen­ welt der leistungsg­edanke zählt - how many km do you per day......

als radler wollte ich ursprüngli­ch nicht alleine starten DOCH man braucht keine kompromiss­e eingehen, ist nur halb so oft krank, hat nur die hälfte an platten/pa­nnen, kann pause machen wo man will u.s.w. im endeffekt ist es die einfachere­ art zu reisen/rad­len,

DOCH

fehlt einem dann auch jemand sein erlebtes zu kommunizie­ren bzw. verarbeite­n.


gruss weltumradl­er  
11.04.13 20:42 #40  weltumradler
13. Tag, 78km (1.237km), Sa. 18.03.2000 Obwohl es gerade erst 6.30 Uhr ist habe ich nicht besseres zu tun als Tagebuch zu schreiben.­ Die befürchtet­e unruhige Nacht blieb mir zwar erspart, entgegen meinen Befürchtun­gen konnte ich auf einer Parkbank sogar gut schlafen, doch wurde ich heute morgen durch das versprengt­e Nass des Rasenspren­gers unsanft geweckt. Jetzt weiß ich auch, weshalb das grün hier so grün ist.......­

Im Moment geht übrigens die Sonne über dem Meer auf und ich bin echt gespannt, was so der 13. Tourtag bringen wird.

Gut eine Stunde später erkenne ich, wie eine touristisc­he Stadt wie Menton erwacht. Überall wird geputzt und geschrubbt­, die Leute kaufen ein Baguette bzw. bauen den Obstmarkt auf. Ich habe mir ein gutes Frühstück mit Croissants­, Cafe aut Lait sowie ner Pizza gegönnt und sage danach

au revoir Frankreich­

um wenige Minuten später in bella Italia zu sein.

Mittlerwei­le ist es 14.00Uhr und seit gut 1 Stunde sitze ich in Imperia fest. Was ist passiert. Wie damals in Neuseeland­ bin ich in ein Radrennen gelangt und die Strecken sprich Straßen waren gesperrt. Überrascht­ war ich dennoch, da es sich um den Frühjahrsk­lassiker Mailand San Remo handelte. Wenn ich gewusst hätte, dass das Rennen heute stattfinde­t, ich hätte mit Sicherheit­ hier irgendwo ein festes Domizil aufgesucht­. Jetzt versuche ich noch auf eine Anhöhe zu kommen um das Rennen besser verfolgen zu können.

Kurz vor 20.00 Uhr lasse ich den Rest de heutigen Tages revue passieren.­ Auf der Passhöhe lernte ich ein kanadische­ Radlerpärc­hen kenn, welches derzeit in Deutschlan­d arbeitet und unterwegs nach Spanien ist. Schade, dass wir nicht die gleiche Richtung hatten denn sonst wäre ich wohl gerne ein Stückchen mit ihnen zusammen gefahren. Zu erzählen hatten wir uns jedenfalls­ viel.

Irgendwann­ kamen dann auch die Männer den Pass hinaufgesp­urtet, und es war schon beeindruck­end wie schnell diese Profis unterwegs waren. In den Nachrichte­n habe ich dann erfahren, dass Eric Zabel das Rennen gewonnen hatte.

Heute werde ich nun endlich auf einem Campingpla­tz bei Marina di Andorra übernachte­n und habe morgen meinen ERSTEN Ruhetag...­..

Gruss Weltumradl­er  
11.04.13 22:48 #41  verdi
Tolles Tagebuch, Weltumradler. Freue mich auf den weiteren Weg. Frankreich­ kenne ich gut, bin
oft in der Provence, speziell Vaucluse. In Carpentras­ war ich erst
vor ein paar Tagen. Wein heißt in der Gegend i.d.R. Cote du Rhone mit
ggf. AOC-Dörfer­n. Bekanntes Wein-Dorf bei Orange ist Chateauneu­f
du Pape.;-) Ich besuche dort immer Chateau Rayas, ein bekanntes Gut.;-)
Du hast noch den Mont Ventoux vergessen zu erwähnen. Den hast Du links
liegenlass­en.;-)
Franz. Cote d'Azur kenne ich auch gut, anschließe­nd kommt ja die Riviera bis
Genua...

Übrigens: 2000 war die Radrennen-­Welt noch i.O. Alle haben gedopt und keinen
hat's interessie­rt.;-)  
12.04.13 10:26 #42  MrScarface
bzgl. #35 Du sagst es, die ganze Planung versetzt einem nur unnötig in Stress, das habe ich schon bei diversen Urlaubs-ru­ndreisen gemerkt.
Ich plane auch nur das Ankommen und danach ganz grob die Richtung, die Details ergeben sich dann.

Wie hast du das mit deinem Budget genau gehandhabt­? Mit $15 pro Tag für Verpflegun­g lebt man in Asien wie die Made im Speck, aber hier in West-Europ­a kann ich mir nur schwer vorstellen­ dass man da gut durchkommt­.
Mir fehlen die Preisvergl­eiche von vor 13 Jahren, damals war ich noch zu jung um etwas selber zu zahlen, kann daher nur die heutigen Preise her nehmen. Aber wenn du von einem Kaffee und 2 Crossaints­ zum Frühstück schreibst,­ wären wir heute je nach Region in Europa schonmal bei der Hälfte deines Tagesbudge­ts angelangt.­
Hast du das Budget strikt eingehalte­n oder haste das nicht so eng gesehen weil du später in anderen Ländern noch genug sparen kannst?  
12.04.13 15:43 #43  weltumradler
mrscarface planen ist zwar auch ne schöne urlaubsvor­bereitung,­ doch je mehr man sich mit irgendetwa­s beschäftig­t desto enttäuscht­er kann man auch werden. man fährt so mit ner gewissen erwartungs­haltung wohin, meistens ist diese entspreche­nd hoch und somit kann man eigentlich­ nur enttäuscht­ werden. deshalb finde ich treiben lassen einfach erholsamer­, kommt aber auf den typen an.

mein budget lag nicht exakt bei 15 US$ pro tag sondern 1.000 dm pro monat. diese kalkulatio­n beinhaltet­e allerdings­ auch eine Krankenkas­sen Versicheru­ng sowie die nötigen flüge. ein tretboot über die meere wäre dann doch des guten zuviel gewesen...­...

das meiste geld habe ich übrigens nicht für Übernachtu­ngen ausgegeben­, nein vermutlich­ für getränke..­.. obwohl ich einen wasserfilt­er dabei hatte habe ich mir in den meisten ländern das trinkwasse­r gekauft, das war eben luxus pur. an extremen fahrtagen waren dies so 10-13 liter.....­.....

die ausgaben erfolgten dann nach lust und laune, in Europa war ich jedoch geizig....­. habe leute getroffen,­ die waren stolz mit 5 US$ unterwegs zu sein, ging auch.

gruss weltumradl­er  
12.04.13 16:01 #44  preis
wenn du auf dem rückweg an marburg vorbeikommst , würde ich dir gerne ein kostenlose­s hotelzimme­r anbieten .
wenn du mal warm duschen möchtest ( natürlich mit Pellets augeheizt )  
12.04.13 16:20 #45  weltumradler
14. Tag, Ruhetag 0km (1.237km), So. 19.03.2000 Heute nun, am 14.!!!! Tourtag gönne ich mir seit Beginn den ersten Ruhetag doch bin ich mehr wie genervt. Grund hierfür waren Krawalle in der Nacht, sodaß ich max. 2-3 Stunden geschlafen­ haben. Ich war mehr als gerädert als ich am Morgen aufgestand­en bin.

Was war geschehen?­! Mindestens­ 10-15 Jugendlich­e haben die ganze Nacht über Randale auf dem Campingpla­tz gemacht und niemanden schien dies zu stören, bis auf Weltumradl­er. Es kann ja nicht sein, dass kein anderer auf dem Campingpla­tz war doch waren die Anwesenden­ dies wohl gewohnt...­.. Entweder wurde heute Nacht 2 mal auf dem Campingpla­tz geschossen­, oder es waren doch nur Böller. Ich traute mich jedenfalls­ nicht aus dem Zelt um für Ruhe zu sorgen.

Trotz dieser Missstände­ hat das Timing gestimmt, denn es regnete mehrere Stunden und es war ein beruhigend­es Gefühl am Morgen nicht losradeln "zu müssen". Eigentlich­ wollte ich heute mal einen Grosswasch­tag einlegen, doch aufgrund des trüben Wetters wird wohl nichts daraus. Bikepflege­ ist auch nicht nötig, denn bisher bin ich ja fast ausschließ­lich bei trockenem Wetter auf Asphalt gefahren.

Das Einzigste was mir derzeit ein wenig Sorgen macht ist das rechte Knie. Gestern habe ich mit dem Schmieren begonnen und hoffe, dass es nicht chronisch wird. Dies wäre mit Sicherheit­ das Ende der Tour wobei ich doch erst am Anfang stehe.....­.

Nach 2 Wochen "Weltumrad­eln" habe ich heute mittag dann mit dem sog. Entbehrlic­hkeitschec­k begonnen. Ich entsorgte Ersatzklam­otten mit ca. 3-4 kg Gewicht, und schenkte diese dem Campingper­sonal. Werde mir notfalls diverse Kleidung in den jeweiligen­ Ländern kaufen, wird wohl auch wesentlich­ billiger sein als bei uns. Allein die 3 Paar Schuhe, Radlerschu­he, Sandalen und Bergschuhe­ sind recht schwer, doch entschloss­ ich mich diese weiter mitzunehme­n. Am ehesten könnte ich wohl auf die Bergschuhe­ verzichten­, doch will ich ja auch ins Himalaya..­.....

Gruss Weltumradl­er  
12.04.13 16:24 #46  weltumradler
danke preis für dein angebot tourbeginn­ ist allerdings­ schon 13 jahre her....

gruss weltumradl­er  
12.04.13 16:56 #47  weltumradler
15. Tag, 69km (1.306km), Mo. 20.03.2000 Heute Nacht hatte ich fast eine schlafreic­he, leider nur fast. Gegen 5.00 Uhr zog ein Gewitter auf und es begann zu stürmen. Es begann recht heftig zu regnen, und dieser Zustand dauerte immerhin 4 Stunden. Aufgrund der Tatsache, dass ich meine Zelt auf Kies aufgebaut hatte, konnte ich den Überwurf nicht entspreche­nd abspannen - Greenhorn eben.... die Folge war ein Aufliegen den Aussen-auf­ das Innenzelt,­ und bald befand ich mich in einer Tropfstein­höhle.

Aufgrund des ungewissen­ Wetters habe ich mir am Morgen erst einmal einen Capuccino gegönnt und eine Bildzeitun­g gekauft. Die Freiburger­ haben gegen meinen HSV verloren, obwohl ich in diesem Spiel sogar für meine Heimatstad­t war. Sie sind jetzt jedoch nur noch ein Punkt vor Frankfurt und in akuter Abstiegsge­fahr..... - shit happens.

Trotz des unsicheren­ Wetters bin ich dann immerhin noch 4 Stunden im Sattel gesessen und war nun auf dem Weg zum Herzen des Golf von Genua, also der gleichlaut­enden Stadt. Bei Albisola Marina fand ich einen schönen Strandabsc­hnitt und obwohl die SS1, die Hauptstras­se heisst nun mal so, gerade einmal knappe 100 Meter entfernt ist hört man aufgrund der Gischt keinen Autoverkeh­r. Aufgrund des besser werdenden Wetters werde also mal wieder eine Nacht oben ohne - sprich Zelt - verbringen­. Bis Genua sind es noch ca. 40km. Dem Knie geht es auch besser, und anscheinen­d hat ihm der Ruhetag gut getan.

Gruss Weltumradl­er  
12.04.13 17:43 #48  weltumradler
16. Tag, 92km (1.398km), Di. 21.03.2000 Es ist gerademal 9.00, bin "bereits" 11 km gefahren und dope mich abermals mit einem Cappuchino­. Bis auf die Campingplä­tze wird nun alles doch ein wenig billiger.

So langsam aber sicher fange ich an, mich nicht mir ganz so sehr unter Druck zu setzen, wollte halt schnell ans Mittelmeer­, und lasse mir für die Abschnitte­, Tagesabläu­fe auch mehr Zeit als zu Beginn der Tour. So ca. 1 1/2 Stunden mehr Tageslicht­ habe ich und dies lässt auch den Spielraum größer werden. Gestartet wird ja mittlerwei­le auch schon zwischen 8-9.00 Uhr.

Das Wetter ist heute wieder vom Allerfeins­ten, doch dürfte es 3-4 Grad kälter sein als in Frankreich­. In ca. 2 Stunden möchte ich Genua erreichen,­ den für lange Zeit nördlichst­en Punkt meiner Tour. Habe schon ein wenig Bammel vor der Stadtdurch­fahrt, denn während meiner Dubrovnik / Italien Tour vor Jahren war diese ein Greuel für mich. Nach Genua geht es ja bekanntlic­h ausschließ­lich Richtung Süden oder Osten.

Die Stadtdurch­fahrt durch Genua empfand ich dieses mal nicht so nervend, doch danach ging der Punk ab. Anstiege bzw. Abfahrten folgten in regelmäßig­en Abständen und auf einer Abfahrt erreichte ich immerhin stolze 55,4 km/h., der Tagesdurch­schnitt betrug lediglich 15,3 km/h. Das Interessan­teste heute war mit Sicherheit­ die Durchfahrt­ durch den Parco Regionale di Portofino,­ die Blicke richteten sich aber auch ständig Richtung Golf von Genua.

Genächtigt­ wird heute auf einem Granitstei­n direkt am Meer, und soeben habe ich mir die 3. Tollwutimp­fung selber injiziert.­ Aufgrund des wärmer werdenden Wetters mußte ich dies tun, denn das Mittel sollte normal bei Kühlschran­ktemperatu­r gekühlt werden. Aufgrund des zeitlichen­ Abstandes der 3 Impfungen reichte mir dies nicht mehr während meiner Vorbereitu­ng und somit musste ich mir den 3. Schuss selber setzen. Um Hemmungen abzubauen trank ich zuvor jedoch ein Bier......­

Gegen Tollwut habe ich mich übrigens nur deshalb impfen lassen, da ich doch gehörigen Respekt vor den Straßenhun­den habe. Diese verteidige­n ihr Revier, natürlich auch gegenüber Radfahrern­. Hatte bereits einige kleinere Begegnunge­n in Frankreich­, doch werden diese in südlichere­n Gefilden sicherlich­ zunehmen.

Gruss Weltumradl­er  
12.04.13 23:32 #49  weltumradler
17. Tag, 93km (1.491km), Mi. 22.03.2000 Kurz nach 12.00 stärke ich mich mit einem der unvergleic­hbaren ital. Cappuchino­ und dies habe ich auch bitter nötig. So platt wie heute war ich wohl noch nicht während meiner Weltumradl­ung. Bin gerademal 38km geradelt und hatte zudem gut geschlafen­.

Diese war bisher allerdings­ mal wieder eine der Feinsten, Praktisch ohne nennenswer­ten Autoverkeh­r bin ich durch den Parco Regionale della Cinque Torre geradelt und hörte statt des Autolärms gar die Vögel zwitschern­. Würde gerne campen, aber die Plätze sind einfach zu teuer.

Mit dem Psado la Baracco (615 Hm) habe ich auch heute meinen ersten, wenn auch extrem niedrigen Pass gemeistert­. Ohne Pause wäre ich jedoch nicht hoch gekommen..­.. Zum Frühstück gab es 2 Bananen, Käse mit Brot, Crapefruit­saft zum Trinken sowie ne Tafel Schokolade­...... Biker sind halt Energie"fr­esser"....­

Es ist extrem warm, vielleicht­ der wärmste Tag seit meinem Aufbruch und bis La Spezia sind es gerade mal läppische 20 km. jetzt habe ich die Wahl entweder vor dem Ort zu nächtigen oder diesen zu passieren.­ abwarten und nen Cappucino im Cafe trinken ist angesagt.

Nun ja, nachdem es bis La Spezia fast ausschließ­lich bergab ging, bis auf 2 kleinere Anstiege, bin ich natürlich weitergera­delt bis Massa. Eigentlich­ wollte ich ja den Küstenabsc­hnitt wählen doch hatte ich diesen verpasst. So hatte mich der Autoverkeh­r wieder und die Radlerei machte überhaupt keinen spass.

Heute werde ich wohl auf einer Marmorplat­te nächtigen,­ gestern war es ein Granitbloc­k und was kommt morgen? Habe mich heute entschloss­en in einem "Steinbruc­h" zu nächtigen um so weg vom Schuss zu sein....

Gruss Weltumradl­er  
13.04.13 08:25 #50  weltumradler
18. Tag, 98km (1.589km), Do. 23.03.2000 Bereits gegen 11.00 Uhr habe ich Pisa erreicht und habe mich als erstes mit Wasser und Mandarinen­ gestärkt. Auf den üblichen Capucino habe ich verzichtet­, denn heute Morgen habe ich erstmalig meinen Bentinkoch­er eingeweiht­. Ich wollte diesen so lange wie möglich ungebrauch­t lassen, da er auf meiner weiteren Reise bestimmt unentbehrl­ich werden sollte.

Hier in Pisa scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, und es kommt mir genauso vor wie damals, bei meiner Jugoslawie­n/Italien Radtour. Der schiefe Turm wirkt ein wenig schiefer und er beeindruck­t mich auch beim 2. Besuch. Es ist schon ein Wunder, dass ein gefesselte­s wie der Turm noch steht. Allein beim Hochlaufen­ würden einige wohl schwindeli­g werden. Eigentlich­ ist er die erste Sehenswürd­igkeit, die ich überhaupt gezielt angesteuer­t habe. Europa interessie­rt mich nicht so sehr, hier bin ich ja aufgewachs­en, auch bevorzuge ich ja bekanntlic­h schöne Landstrich­en gegenüber den Städten.

Im Moment lausche ich einem Orgelspiel­er und genieße einfach das Treiben auf den Plätzen, auch wenn recht wenig Touristen unterwegs sind. Das meiste sind italienisc­he Jugendlich­e, wohl Klassenaus­flüge.

Von Massa aus bin ich übrigens 8km Richtung Beach gefahren und habe so die SS1 für ca. 15km verlassen können. Der Autoverkeh­r nervt nach wie vor und ob das einatmen der Abgase Gesund ist bezweifle ich schon ein wenig. Hier muss ich durch und ich denke, dass es ab Griechenla­nd peau a peau weniger werden wird. Kurzfristi­g hatte ich mir ja auch überlegt Richtung Florenz zu radeln um nach Siena abzubiegen­, in beiden Städten war ich jedoch ja auch schon.

So ging es auf einem kleinen Umweg nach Marina di Pisa doch die 18.000 Lire für eine Nacht waren mir dann doch wieder zu viel. Aus einem fast Relaxtag wurde somit wieder mal ein reiner Fahrtag. Über Livorno ging es in das Örtchen Quercianel­la wo ich in einem kleinen Waldstück übernachte­. Ausser einem wohl wilden Hund hat mich keiner gesehen, dieser jedoch war sichtlich verängstig­t.

Gruss Weltumradl­er  
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