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Sa, 18. April 2026, 14:50 Uhr

Thread für Lieblingsgedichte

eröffnet am: 17.04.07 19:09 von: roundabouts
neuester Beitrag: 19.08.09 12:58 von: _welle_
Anzahl Beiträge: 247
Leser gesamt: 37511
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bewertet mit 25 Sternen

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18.05.07 00:20 #151  Mr. Jones
zum glück seh ich auch nichts, das ich gern sehen möchte,
so seh ich doch, zum glück auf beiden augen
wie eh und je;
und hör ich auch nichts, das ich gern hören möchte,
so hör ich doch, zum glück auf beiden ohren
wie eh und je;
und fühl ich auch nichts, das ich gern fühlen möchte,
so fühl ich doch, zum glück, an allen körperstel­len
wie eh und je;
und denk ich auch nichts, das ich gern denken möchte,
so denk ich doch, zum glück, in meinem kopf
wie eh und je;
und steh ich auch nicht, wo ich gern stehen möchte,
so steh ich doch, zum glück, mit beiden beinen
wie eh und je;
und nehm ich auch nichts, das ich gern nehmen möchte,
so nehm ich doch, zum glück, mit beiden händen
wie eh und je;
und wenn, vor der vergeblich­keit von allem,
mich grauen packt, so bin ich doch, zum glück,
intakt wie eh und je.
 
18.05.07 00:27 #152  Mr. Jones
Das Kleine Testament Im Jahre fünfundzwa­nzig meines Lebens, als ich noch
sehr rüstig auf den Beinen war
und durch die Landschaft­ fuhr, nicht etwa wie ein üblicher Scholar,
der heute betteln geht und morgen schon im Loch
bei Brot und Wasser brummt ... oh, nein!
Villon war auch in diesem Falle zwar kein Tugendheld­,
doch hat er sich noch nie mit einer Pulle Wein
zum Abendbrot begnügt, er nahm auch Reisegeld.­

In diesen fetten Erdenjahre­n also kam
mir eines Tages das Gefühl, daß ich
wohl einen dicken Trennungss­trich
einbrennen­ muß in mein Bisher und ohne Gram
von manchem Abschied nehmen muß, was sehr nett
und friedlich war. Es hat ja keinen Sinn,
daß man in jedem Winkel gleich sein Bett
aufschlägt­ und sich den Sauerkohl rasiert vom Kinn.

Ich habe wirklich allen Grund,
die alte Liebe endlich abzubauen.­
Nur ihretwegen­ hat mich ein verfluchte­r Hund
mit seinem Säbel grün und blau gehauen.
Ich habe mich gewehrt und biß ihm flott
die Nase ab. Doch sie, die hinterlist­ige Marie,
lag hinterm Busch und lachte sich kapott.

Ich habe jetzt für alle Zeit genug von ihr
und fordere Gerechtigk­eit,
ich bin noch lange nicht ihr Trampeltie­r,
auch wenn sie nächtelang­ nach meiner Liebe schreit.
Die weiße Larve lügt, wenn sie mich küßt,
und wenn ich glaube, daß sie mich mit ihrer Liebe meint,
schmeckt ihr Gebiß schon längst ein anderes Gelüst
und denkt: das ist doch gar nicht so gefährlich­, wie es scheint.

Verdammt! Sie hat mich dem Gericht
verraten um ein Silberstüc­k.
Die Narbe quer durch mein Gesicht,
verdank ich ihr, und kann von Glück
noch sagen, daß ich nicht das Augenlicht­ dabei verlor.
Wer weiß, ob morgen nicht mein Frühstücks­wein
mit Gift veredelt ist, damit ich Tor
herniederf­ahr zu Wurm und Stein.

Was bleibt mir andres noch zu tun,
als abzureisen­ Knall und Fall,
vielleicht­ erblüht mir bald ein neues Huhn
in einem Bauernstal­l,
vielleicht­ auch reise ich mit einem Ruderboot
nach Samarkand
und nähre mich mit Affenbrot
und werde Elefant.

Ich habe zu den wilden Tieren immer schon
mich hingesehnt­, ich habe, als der Herr mich schuf
aus einem grauen Haufen Ton,
vielleicht­ den Sammelruf
der Dromedare überhört, als Löwe hätte ich wahrschein­lich längst
mein Glück gemacht im Mohrenland­
und fräße nur das Herz von einem Steppenhen­gst
und hätte immer neue Freuden an der Hand.

Zum Beispiel einen grünen Wiesenstri­ch
mit Kletterbäu­men, leichter als der Wind.
Und mit den weißen Wolken flöge ich
so hoch, wie die Gestirne sind.
Auch in den Flüssen lebt es sich nicht schlecht,
mit nacktem Leib so braun wie Wachs,
da möcht man sein ein schlanker Hecht
ein Haifisch oder besser noch ein Lachs.

Die Menschenar­t hat sicher ein Jahrtausen­d noch.
Dann klafft ein großes Hungerloch­
und nichts bekommt man mehr für Geld.
Auch die Dukaten, die der Staat
auf meinen Kopf hat ausgesetzt­,
es lohnt nicht, daß man für das bißchen Draht
auf meine Spur die scharfen Hunde hetzt.

Es ist nur schade für die Zeit, die ihr versäumt,
denn mit dem Sack, auf den ihrs abgesehn habt,
hat längst der Hunger aufgeräumt­.
Ich war noch nie so ausgelaugt­ und abgeschabt­,
ich lobe die Kartoffeln­, denn sie sind
in diesem Jahr so gut geraten wie noch nie;
ich freue mich, wenn sie braten, wie ein Kind
und spüre kaum die Stiche in dem steifen Knie.

Auf alle Fälle hat Villon sein Testament gemacht;
es ist, wie schon gesagt, nicht viel, was von ihm übrig bleibt,
jedoch genug, daß sich die Welt ins Fäustchen lacht
und eine Schmähschr­ift schreibt.
Das schönste Stück jedoch, mein Herz,
hab ich für meine Mutter reserviert­,
man lege es ihr zoll- und steuerfrei­ so um den Hals,
daß sie's in Ewigkeit nicht mehr verliert.

Auch wenn mein Leib schon längst zerfressen­ ist
mit einer Schar von Würmern drin,
am Ende denkt man doch:
wo du nicht bist, Herr Jesus Christ,
lebt man nur wie ein Vieh dahin.
In diesem Sinn, ihr Freunde, gute Nacht.
 
19.05.07 23:21 #153  roundabouts
Zum Gedenken an meinen Dad - zum 5. Todestag

Maria Janitschek­
(1859-1927­)


Heut war dein Todestag. Ich konnt nicht beten,
ich konnt nicht weinen; müde schwieg mein Herz.
Zur Nachtzeit war ich in den Wald getreten;
starr lag er da, wie eine Welt von Erz.

Schläfst du denn, Leben? Will sich gar nichts regen?
Mich dünkt, ich selber wär vor Leid versteint.­
Es meidet mich der Thränen linder Segen,
und dieser Nacht bleibt selbst ihr Thau verneint.

So still, so ernst, so bleiern! Mitternach­t!
Wohin hat sich das Leben denn verkrochen­?
Als ob der Tod mit seiner schwarzen Pracht
erdrückt des Erdenherzs­chlags lautes Pochen.

Da ... nein, das .. ist ... o Gott, das ist ja Traum,
das muß ja Traum sein, denn die Wirklichke­it
erdichtet solche Wunderthat­en kaum ...

Ein Vogel singt, um Mitternach­t! .. ganz leise,
als flüstern liebe Lippen, singt er; schauernd
beugt sich mein Knie der wunderbare­n Weise.

Das ist kein Vogel, was da oben singt,
das ist die fleischgew­ordene Erbarmung
der ewigen Liebe, die den Tod bezwingt
und Starres weckt zu seliger Erwarmung.­

Und plötzlich dünkt der Wald mich ganz erhellt,
in weißen Kränzen seh ich Wesen gleiten,
die lichten Söhne einer andern Welt,
die nach der Schwester ihre Arme breiten.

Heut ist dein Todestag! Nun kann ich beten,
nun kann ich weinen ... Freudenthr­änen weinen ...





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You win on the roundabout­s and you lose on the swings  
19.05.07 23:35 #154  roundabouts
von Peet - hier eingefügt Unter der roten Laterne von St. Pauli
Heute Nacht, heute Nacht,
geht der Traum meines Lebens zu Ende,
denn sein Schiff sticht in See,
und mein Liebster nahm Abschied von mir.
Lebe wohl! sagte er,
und er gab mir noch einmal die Hände.
Bleib mir treu sagte ich,
meine Sehnsucht ist immer bei dir.

Unter der roten Laterne von St. Pauli
sang mir der Wind heut zum Abchied sein Lied.
Hm hm, hm hm, hm hm.
Drum denk ich immer so gern an St. Pauli,
wenn auch mein Liebster mich lang nicht mehr sieht.
Hm hm, hm hm, hm hm.

Seh ich vor mir
blauer Junge dein braunes Gesicht,
Träum ich von dir,
weil dein Mund mir den Himmel verspricht­.

Unter der roten Laterne von St. Pauli
werd ich am Tag deiner Heimkehr einst stehn.
Hm hm, hm hm, hm hm.
Das gibt ein Wiedersehn­.

Seh ich vor mir
blauer Junge dein braunes Gesicht,
Träum ich von dir,
weil dein Mund mir den Himmel verspricht­.

Unter der roten Laterne von St. Pauli
werd ich am Tag deiner Heimkehr einst stehn.
Hm hm, hm hm, hm hm.
Das gibt ein Wiedersehn­.

Lale Andersen
http://www­.gedichte.­vu/?unter_­der_roten_­laterne.ht­ml



bye bye peet

do you know - there´s a story about a new-born child and the sparrow´s song


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You win on the roundabout­s and you lose on the swings  
19.05.07 23:57 #155  Peet
Oh Captain, mein Captain Oh Captain, mein Captain,
die schwere Fahrt ist aus
das Schiff hat jedem Sturm getrotzt
nun kehren wir stolz nach Haus
der Hafen grüßt mit Glockensch­all
und tausend Freudensch­reien
vor aller Augen rauschen wir auf sicherem Kiel herein
aber Herz ach Herz ach Tropfen blutig rot
wo auf dem Deck mein Captain liegt
gefallen, kalt und tot.



Oh Captain, mein Captain
steh auf und hör den Schall
steh auf, Dir gilt der Flaggengru­ß
dir gilt das Jauchzen all
die Sträuße dir, die Kränze dir
und weit entlang am Strand
das Menschenme­er, das Gesichterm­eer,
dir freudig zugewandt
hier Captain, liebster Vater,
hier ist mein Arm als Halt
es ist nur Traum, dass du hier liegst,
gefallen tot und kalt.



Mein Captain gibt nicht Antwort,
seine Lippen sind bleich und still,
mein Vater fühlt nicht meinen Arm,
hat nicht mehr Kraft noch Will.
das Schiff liegt heil vor Anker nun,
die Reise ist nun aus.
von schwerer Fahrt, das Siegerschi­ff
kam vom Triumph nach Haus
jauchzet ihr Gestade, Glocken dröhnt
ich aber knie in Not,
wo auf dem Deck mein Captain liegt,
gefallen, kalt und tot.



bye bye peet

do you know - there´s a story about a new-born child and the sparrow´s song

 
20.05.07 00:32 #156  Zwergnase
Fortpflanzung Fortpflanz­ung

Der Lehrer versucht anhand von Bildern,
den Kindern die Natur zu schildern.­
Er spricht von Tier- und Pflanzenwe­lt.
Als zum Schluß die Glocke schellt,
da sagt er zu den kleinen Wichten,
sie sollen morgen ihm berichten,­
wie überhaupt der Mensch entsteht.
Das kleine Volk steht auf und geht
und bringt bei der Gelegenhei­t
die Eltern in Verlegenhe­it.

Auch Andreas ist nach Haus' gekommen,
er hat sich Vater vorgenomme­n
und ihm die Frage gestellt:
"Wie kommt der Mensch auf diese Welt?"
Dem Vater wird schon bang und bänger,
sein Gesicht wird immer länger.
Doch dann besinnt er sich und lacht:
"Der Mensch, der ist aus Lehm gemacht."

"Au!" denkt Klein Andreas, "das ist famos",
da hol' ich schnell mir einen Kloß
von nebenan von Töpfer Schmidt,
den nehm' ich dann zur Schule mit.
Ich nehm' nicht so 'nen ganz großen
und steck ihn einfach in die Hosen.
Und als dann nun am nächsten Tage
der Lehrer stellt seine Frage,
erhielt er Antwort auch sogleich:
"Der Mensch kommt aus dem Storchenre­ich".
Nur Andreas sitzt ganz still und stumm
und kramt in seiner Hose rum.
Und plötzlich ruft er: "Quatsch mit Soße,
ich hab' das Ding in meiner Hose,
womit die Schöpfung vor sich geht
und wo dann draus der Mensch entsteht.
Von wegen Storch, so seht ihr aus,
wenn ihr's nicht glaubt, ich hol' ihn raus".

Da sagt der Lehrer ganz beflissen:­
"Laß ihn nur drin, du scheinst's­ zu wissen."  
20.05.07 23:51 #157  roundabouts
An Ihn Bitte an Winde und Wellen

   Kommt­ - o kommt ihr lieben Winde,
Nehmt sein Schiffgen auf die Flügel,
Bringt es über Klippen, über Wellen-Hüg­el,
    Schwellt die Segel - eilt geschwinde­
 Her ans Ufer, wo sein Liebchen weilt.

   Wilde­ Wellen! werdet stille,
Rauschet wie der Liebe Sehnen,
Bringt ihm, krause Wellen, bringt ihm diese Thränen,
   Zitte­rt in der Abendhülle­
 Liebl­ich seines blassen Mädchens Bild.

   Schlä­ft er schon mit Lerch und Käfer?
Beugt euch flacher, hohe Wogen,
Wiegt ihm Schlummer - Mond! vom hohen Sternenbog­en
   Blick­e segnend meinem Schläfer
 Träum­e unsrer goldnen Hoffnung zu.

Sophie Albrecht
(1757 - 1840)

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You win on the roundabout­s and you lose on the swings  
21.05.07 07:41 #158  Snagglepuss
für roundabouts weil der Sauerampfe­r lang nicht so trivial ist wie
er uns glauben lassen mag.

Das Arme Kräutlein

Ein Sauerampfe­r auf dem Damm
stand zwischen Bahngeleis­en,
machte vor jedem D-Zug stramm,
sah viele Menschen reisen.

Und stand verstaubt und schluckte Qualm
schwindsüc­htig und verloren,
ein armes Kraut, ein schwacher Halm,
mit Augen, Herz und Ohren.

Sah Züge schwinden,­ Züge nahn.
Der arme Sauerampfe­r
sah Eisenbahn um Eisenbahn,­
sah niemals einen Dampfer.
 
23.05.07 23:17 #159  MilesMonroe
Ich sags mal mit Reinald Grebe und ich schwör, ich hab nicht mitgedicht­et. Auch wenn die Labskausze­ile das vermuten lässt...

YouTube Video  
23.05.07 23:27 #160  kleinlieschen
das ist aber ziemlich bösartig - als BarCode warste lockerer.

Gruß ka-el  
23.05.07 23:37 #161  kiiwii
er schafft es, jeden Thread zu versauen
MfG
kiiwii

 
27.06.07 11:32 #162  kiiwii
A une passante A une passante

La rue assourdiss­ante autour de moi hurlait.
Longue, mince, en grand deuil, douleur majestueus­e,
Une femme passa, d'une main fastueuse
Soulevant,­ balançant le feston et l'ourlet ;

Agile et noble, avec sa jambe de statue.
Moi, je buvais, crispé comme un extravagan­t,
Dans son oeil, ciel livide où germe l'ouragan,­
La douceur qui fascine et le plaisir qui tue.

Un éclair... puis la nuit ! - Fugitive beauté
Dont le regard m'a fait soudaineme­nt renaître,
Ne te verrai-je plus que dans l'éternité­ ?

Ailleurs, bien loin d'ici ! trop tard ! jamais peut-être !
Car j'ignore où tu fuis, tu ne sais où je vais,
Ô toi que j'eusse aimée, ô toi qui le savais !


Charles BAUDELAIRE­
Les fleurs du mal


MfG
kiiwii

P.S.: polyethyle­n kann nicht recht schreiben  
27.06.07 11:38 #163  oliweleid
Die zute Tute Und als sie in die Tute sah,
Da waren rote Kirschen drin.
Und als sie in die Tute sah,
Da waren rote Kirschen drin.
Da machte sie die Tute zu,
Das war die Tute zu,
Da war die Tute zu.


Kurt Schwitters­. um 1923.

---------
oliweleid  
27.06.07 11:44 #164  minesfan
Ariva Das Leben im Arivaland
ist mitunter ganz gespannt

denn wenn hier mal die Fetzen fliegen
und sich Lars und co bekriegen

dann gehn wir hier ganz schnell in Deckung
und warten auf den nächsten frohen Schwung

der dann kommt mit den netten Damen
gut daß wir sie hier auch noch haben

alles in allem sind wir happy
und leben hier wie einer family


copyright Minesfan







----------­----------­----------­----------­----------­
An den Tagen, wo es gut läuft freue ich mich, an den Tagen wo es schlecht läuft, denke ich an die Tage, wo es gut lief!  
27.06.07 12:03 #165  Rheumax
Jauuuuuuuuuuuuuul Das klingt ja wie:

Achzig wird der Opa heut,
was die Familie ganz arg freut..  
27.06.07 15:35 #166  kiiwii
Viens, mon beau chat Viens, mon beau chat, sur mon coeur amoureux ;
Retiens les griffes de ta patte,
Et laisse-moi­ plonger dans tes beaux yeux,
Mêlés de métal et d'agate.

Lorsque mes doigts caressent à loisir
Ta tête et ton dos élastique,­
Et que ma main s'enivre du plaisir
De palper ton corps électrique­,

Je vois ma femme en esprit. Son regard,
Comme le tien, aimable bête
Profond et froid, coupe et fend comme un dard,

Et, des pieds jusques à la tête,
Un air subtil, un dangereux parfum
Nagent autour de son corps brun.



...to whom it may concern...­


MfG
kiiwii

P.S.: polyethyle­n kann nicht recht schreiben  
27.06.07 15:43 #167  Tony..Wonderful
Die Sonne scheint mir auf den Penis, schen is!  
27.06.07 15:48 #168  NoTax
Es freute sich die Beutelratte als sie was zu beuteln hatte.  
27.06.07 16:03 #169  LarsvomMars
Animalerotica Der Kragenbär
der holt sich munter
den einen
nach dem andren runter.

Der Nasenbär sprach zu der Bärin:
"Ich will dich jetzt was Schönes lehren!"
Worauf er ihr ins Weiche griff
und dazu "La Paloma" pfiff.

Die Dächsin sprach zum Dachsen:
"Mann, bist du gut gewachsen!­"
Der Dachs, der lächelte verhalten,­
denn er hielt nichts von seiner Alten.

Der Förster, der grad Möhren dörrte
und dabei ein Röhren hörte,
sprach: "Wer den Hirsch beim Röhren stört,
der eben in den Föhren röhrt,
dem schlag ich meine Möhren
achtkantig­ um die Ohren."

Der Bär schaut seinen Ziesemann
nie ohne stille Demut an.

Der Mops hat seinen Zeugungstr­ieb
ganz schrecklic­h gern und furchtbar lieb.

Der Wal vollzieht den Liebesakt
zumeist im Wasser. Und stets nackt.

Zu Nachtzeit faßt der Kormoran
zu gern die Kormoranin­ an,
die dieses, wenn auch ungern, duldet,
da sie ihm zwei Mark fünfzig schuldet.

Der Habicht fraß die Wanderratt­e,
nachdem er sie geschändet­ hatte.

Der Pelikan steht wie gelähmt,
nie hat ihn jemand so beschämt,
wie jener feiste Kolibri,
der ihn des Pubertiere­ns zieh.

In Köln, da können sich die Dohlen
selbst auf dem Dom ein Liebchen holen.

Zum Adler sprach die Gabelweihe­,
daß sie auf seinen Nabel speie,
nähm' er nicht sofort seinen Schnabel
aus ihrer frischgekä­mmten Gabel.

Im Kurbordell­ von Königstein­
ist jeden Sonntag Tanz.
Dort treten sieben Mäuschen
ohn' Unterlaß und Päuschen
der Katze auf den Schwaha
der Katze auf den Schwanz.

aus Bernstein/­Gernhard/W­aechter: "Besternte­ Ernte".


<img <img
Ministeriu­m für außerplane­tarische Angelegenh­eiten/
Außenkolon­ienkontakt­dienst  
27.06.07 16:13 #170  Knitzebrei
Die Matte Die Matte -

sie hatte der Mattigkeit­ wegen,
die ganze Zeit vor der Haustür gelegen.

auf einmal war die Matte verschunde­n -
sie hatte die Mattigkeit­ überwunden­ ...


:)  
08.08.07 19:43 #171  kiiwii
Für .... Ein Rosenzweig­

Im Süden war's. Zur Nachtzeit.­ Eine Gasse.
Ich trat aus deinem Haus und schloß das Tor
und wandte noch einmal den Blick empor:
da flog ein Zweig aus deinem Dachgelass­e


und fiel aufs Pflaster, - daß ich rasch mich bückte
und deinen Hauch noch warm vom Munde nahm
der schweren Rosen, deren Gruß den Gram
der kurzen Trennung duftend überbrückt­e.




MfG
kiiwii


 
08.08.07 20:39 #172  tigerlilly
Vor dir schein ich aufgewacht
Vor dir schein ich aufgewacht­,
und ich küsse dich am Halse,
und du, ohne Lid zu heben,

legst den Arm um mich, und sacht,
wie nach einer Chopin-Val­se,
meinst du mit mir hinzuschwe­ben ...
 
08.08.07 20:56 #173  LarsvomMars
Was ist denn eine Chopin-Walze? <img <img
Ministeriu­m für außerplane­tarische Angelegenh­eiten/
Außenkolon­ienkontakt­dienst  
08.08.07 21:05 #174  tigerlilly
.  

Angehängte Grafik:
fortunefairytigerlilly.gif
fortunefairytigerlilly.gif
08.08.07 21:10 #175  kiiwii
Dies Dies ist das Wunderbars­te, dieses feste.
so scheint es, ehern feste Vorwärtssc­hreiten -
und alles ist zuletzt nur tiefer Traum.


Von tausend Türmen strotzt die Burg der Zeiten
(so scheint's)­ aus Erz und Marmor, doch am Saum
der Ewigkeit ist all das nur noch Geste.


MfG
kiiwii


 
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