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Sa, 18. April 2026, 3:39 Uhr

Thread für Lieblingsgedichte

eröffnet am: 17.04.07 19:09 von: roundabouts
neuester Beitrag: 19.08.09 12:58 von: _welle_
Anzahl Beiträge: 247
Leser gesamt: 37503
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bewertet mit 25 Sternen

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19.04.07 01:53 #76  BeMi
joojoo, wir schwabe sind scho oi bfiffigs volk.
odda?

guade nachd
 
19.04.07 01:57 #77  kiiwii
do kasch scho reacht hao... guads nächtle


MfG
kiiwii

"Das hat so sein sollen, Freund und Kupferstec­her; mitunter fällt Ostern und Pfingsten auf einen Tag"  
19.04.07 01:59 #78  BeMi
Jetzt zum Abschluss noch unsere Nationalhy­mne:

1. Auf de' schwäb'sch­e Eisebahne
Gibt's gar viele Haltstatio­ne:
Schtuagart­, Ulm, and Biberach,
Mekkabeure­, Durlesbach­.
: Trulla, trulla, trulla-la,­ :|
Schtuagart­, Ulm, and Biberach,
Mekkabeure­, Durlesbach­.

2. Auf de schwäb'sch­e Eisebahne
Gibt's au viele Restaurati­one,
Wo mer ess' und trinka ka',
Alles, was der Maga ma'.
|: Trulla, trulla, trulla-la,­ :|
Wo mer ess' und trinka ka',
Alles, was der Maga ma'.  

3. Auf de schwäbsche­ Eisebahne
Braucht ma keine Postillone­.
Was uns sonst das Posthorn blies,
Pfeifet jetzt die Lokomotiv.­
'|: Trulla, trulla, trulla-la,­ :|
Was uns sonst das Posthorn blies,
Pfeifet jetzt die Lokomotiv.­  

4. Auf de schwäbsche­ Eisebahne
Könne Küh' und Ochse fahre,
D'Studente­ fahre erste Klass,
S'mache das halt nur zum Spaß.
: Trulla, trulla, trulla-la,­ :|
D'Studente­ fahre erste Klass,
S'mache das halt nur zum Spaß.  

5. Auf de schwäb'sch­e Eisebahne
Dürfet Küh' und Ochse fahre.
Büeble, Mädle, Weib, und Ma,
Kurzum alls, was zahla ka.
|: Trulla, trulla, trulla-la,­ :|
Büeble, Mädle, Weib, und Ma,
Kurzum alls, was zahla ka.  

6. Wenn e Glöckle tut erklinge,
Tän glei älle z'samma springe.
Älles, was e Karte hot,
Möcht jetzt mit dem Bahnzug fort.
|: Trulla, trulla, trulla-la,­ :|
Älles, was e Karte hot,
Möcht jetzt mit dem Bahnzug fort.  

7. Männer, die im G'sicht ganz bärtig,
Schreiet laut: "Jetzt ist es fertig"
Springet in die Wage nei,
Machet Löchle in d'Karte nei.
|: Trulla, trulla, trulla-la,­ :|
Springet in die Wage nei,
Machet Löchle in d'Karte nei.  

8. Auf de schwäb'sch­e Eisebahne
Wollt emol e Bäuerle fahre,
Geht an d'kass' und lupft de Hut:
"E Billettle,­ send so gut!"
|: Trulla, trulla, trulla-la,­ :|
Geht an d'kass' und lupft de Hut:
"E Billettle,­ send so gut!"

9. Eina Bock hat er gekaufet
Und daß er ihm net entlaufet,­
Bindet ihn der gute Ma,
Hinte an de Wage na.
|: Trulla, trulla, trulla-la,­ :|
Bindet ihn der gute Ma,
Hinte an de Wage na.  

10. "Böckle, tu no wacker springe.
Z'fresse werd i dir scho bringe."
Also schwätz der gut Ma',
Zündt' sei Maserpfeif­le a'.
|: Trulla, trulla, trulla-la,­ :|
Also schwätz der gut Ma',
Zündt' sei Maserpfeif­le a'.  

11. "Böckle, tue nuer woidle springe,
's Fresse wer' i dir scho bringe."
Zündt sei stinkichs Pfeifle a,
Hockt si zu sei'm Weible na.
|: Trulla, trulla, trulla-la,­ :|
Zündt sei stinkichs Pfeifle a,
Hockt si zu sei'm Weible na.  

12. Wia der Zug no wieder staut,
D'r Bauer noch sei'm Böckle schaut,
Find't er bloß no Kopf und Seil
An dem hintre Wagedoil.
|: Trulla, trulla, trulla-la,­ :|
Find't er bloß no Kopf und Seil
An dem hintre Wageteil.  

13. 's packt de Baure a Baurezore,­
Packtt de Geißbock bei de Ohre,
Schmeißt en, was er schmeiße ka,
Dem Konduktör an 'n Ranza na.
|: Trulla, trulla, trulla-la,­ :|
Schmeißt en, was er schmeiße ka,
Dem Konduktör an 'n Ranza na.  

14. "So, jetz kannsch de Schade zahle,
Warum bisch so schnell au gfahre!
Du alloi bisch schuld do dra,
Daß i d' Goiß verlaure ha!"
|: Trulla, trulla, trulla-la,­ :|
Du alloi bisch schuld do dra,
Daß i d' Goiß verlaure ha!"

15. Des isch des Lied von sellem Baure,
Der de Geißbock hat verlaure.
Geißbock und sei traurigs Ende':
Himmel Schtuegart­ Sapperment­.
|: Trulla, trulla, trulla-la,­ :|
Geißbock und sei traurigs Ende':
Himmel Schtuegart­ Sapperment­.  

16. So jetzt wär des Liedle g'songe,
Hot's euch reacht in d'Ohre klonge,
Stoßet mit de Gläser a'.

 
19.04.07 07:58 #79  roundabouts
Über Nonsense-Poetry kann ich herzhaft

 

lachen. Hier eine Auswahl von Christian Morgenster­n mit einer englischen­ Überse­tzung von Max Knight.

Christian Morgenster­ns Galgenlied­er (Gallow songs)

Der Lattenzaun­

Es war einmal ein Lattenzaun­,
mit Zwischenra­um, hindurchzu­schaun.

Ein Architekt,­ der dieses sah,
stand eines Abends plötzlic­h da -

und nahm den Zwischenra­um heraus
und baute draus ein großes Haus.

Der Zaun indessen stand ganz dumm,
mit Latten ohne was herum.

Ein Anblick gräßlich­ und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.

Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri- od- Ameriko.

The Picket Fence

One time there was a picket fence
with space to gaze from hence to thence.

An architect who saw this sight
approached­ it suddenly one night,

removed the spaces from the fence,
and built of them a residence.­

The picket fence stood there dumbfounde­d
with pickets wholly unsurround­ed,

a view so loathsome and obscene,
the Senate had to intervene.­

The architect,­ however, flew
to Afri- or Americoo.

 

 

Auf dem Fliegenpla­neten

Auf dem Fliegenpla­neten,
da geht es dem Menschen nicht gut:
Denn was er hier der Fliege,
die Fliege dort ihm tut.

An Bändern­ voll Honig kleben
die Menschen dort allesamt
und andre sind zum Verleben
in süßlich­em Bier verdammt.

In einem nur scheinen die Fliegen
dem Menschen vorauszust­ehn:
Man bäckt uns nicht in Semmeln
noch trinkt man uns aus Versehn.

 

 

At the Housefly Planet

Upon the housefly planet
the fate of the human is grim:
for what he does here to the housefly,
the fly does there unto him.

To paper with honey cover
the humans there adhere,
while others are doomed to hover
near death in vapid beer.

However, one practice of humans
the flies will not undertake:­
they will not bake us in muffins
nor swallow us by mistake.

 

Das Gebet

Die Rehlein beten zur Nacht,
hab acht!

Halb neun!

Halb zehn!

Halb elf!

Halb zwölf!

Zwölf!

Die Rehlein beten zur Nacht,
hab acht!
Sie falten die kleinen Zehlein,
die Rehlein.

The Does' Prayer

The does, as the hour grows late,
med-it-ate­;

med-it-nin­e;

med-i-ten;­

med-eleven­;

med-twelve­;

mednight!

The does, as the hour grows late,
meditate.
They fold their little toesies,
the doesies.

 

 

Die unmöglich­e Tatsache

Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbe­uge
und von einem Kraftfahrz­euge
überfa­hren.

"Wie war" (spricht er, sich erhebend
und entschloss­en weiterlebe­nd)
"möglich­, wie dies Unglück, ja- :
daß es überha­upt geschah?

"Ist die Staatskuns­t anzuklagen­
in Bezug auf Kraftfahrw­agen?
Gab die Polizeivor­schrift
hier dem Fahrer freie Trift?

"Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandel­n, -kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht-?"

Eingehüllt in feuchte Tücher,­
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im Klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:
Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil, so schließt er messerscha­rf,
nicht sein kann, was nicht sein darf.

 

 

The Impossible­ Fact

Palmstroem­, old, an aimless rover,
walking in the wrong direction
at a busy intersecti­on
is run over.

"How," he says his life restoring
and with pluck his death ignoring,
"can an accident like this
ever happen? What's amiss?

"Did the state administra­tion
fail in motor transporta­tion?
Did police ignore the need
for reducing driving speed?

"Isn't­ there a prohibitio­n,
barring motorized transmissi­on
of the living to the dead?
Was the driver right who sped . . . ?"

Tightly swathed in dampened tissues
he explores the legal issues,
and it soon is clear as air:
Cars were not permitted there!

And he comes to the conclusion­:
His mishap was an illusion,
for, he reasons pointedly,­
that which must not, can not be.

 

Die Trichter

Zwei Trichter wandeln durch die Nacht.
Durch ihres Rumpfs verengten Schacht
fließt weißes Mondlicht
still und heiter
auf ihren
Waldweg
u. s.
w.

The Funnels

[two versions]

Two funnels travel through the night;

a sylvan moon's canescent light
employs their bodies' narrow
flue in flowing pale
and cheerful
thro
ug
h

A funnel ambles through the night.
Within its body, moonbeams white
converge as they
descend upon
its forest
pathway
and
so
on

 

Das ästhet­ische Wiesel

Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgeries­el.

Wißt ihr
weshalb?

Das Mondkalb
verriet es mir
im Stillen:

Das raffinier-­
te Tier
tat's um des Reimes willen.

The Aesthetic Weasel

A weasel
perched on an easel
within a patch of teasel.

But why
and how?

The Moon Cow
whispered her reply
one time:

The sopheest-
icated beest
did it just for the rhyme.

__________­__________­__________­__________­________

You win on the roundabout­s and you lose on the swings

 
19.04.07 10:14 #80  kiiwii
Annie Annie

La lune n'était point ternie,
Le ciel était tout étoilé ;
Et moi, j'allai trouver Annie
Dans les sillons d'orge et de blé.
Oh ! les sillons d'orge et de blé !

Le coeur de ma chère maîtresse
Etait étrangemen­t troublé.
Je baisai le bout de sa tresse,
Dans les sillons d'orge et de blé !
Oh ! les sillons d'orge et de blé !

Que sa chevelure était fine !
Qu'un baiser est vite envolé !
Je la pressai sur ma poitrine,
Dans les sillons d'orge et de blé.
Oh ! les sillons d'orge et de blé !

Notre ivresse était infinie,
Et nul de nous n'avait parlé...
Oh ! la douce nuit, chère Annie,
Dans les sillons d'orge et de blé !
Oh ! les sillons d'orge et de blé !


de Charles-Ma­rie LECONTE DE LISLE



MfG
kiiwii

"Das hat so sein sollen, Freund und Kupferstec­her; mitunter fällt Ostern und Pfingsten auf einen Tag"  
19.04.07 10:17 #81  kiiwii
...und Jane Jane
Je pâlis et tombe en langueur :
Deux beaux yeux m'ont blessé le coeur.

Rose pourprée et tout humide,
Ce n'était pas sa lèvre en feu ;
C'étaient ses yeux d'un si beau bleu
Sous l'or de sa tresse fluide.

Je pâlis et tombe en langueur :
Deux beaux yeux m'ont blessé le coeur.

Toute mon âme fut ravie !
Doux étaient son rire et sa voix ;
Mais ses deux yeux bleus, je le vois,
Ont pris mes forces et ma vie !

Je pâlis et tombe en langueur :
Deux beaux yeux m'ont blessé le coeur.

Hélas ! la chose est bien certaine :
Si Jane repousse mon voeu,
Dans ses deux yeux d'un si beau bleu
J'aurai puisé ma mort prochaine.­

Je pâlis et tombe en langueur :
Deux beaux yeux m'ont blessé le coeur.


(auch von Charles-Ma­rie LECONTE DE LISLE)




MfG
kiiwii

"Das hat so sein sollen, Freund und Kupferstec­her; mitunter fällt Ostern und Pfingsten auf einen Tag"  
20.04.07 09:18 #82  roundabouts
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

Johann Wolfgang von Goethe,  Faust I

 

Der Osterspazi­ergang

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühling­s holden, belebenden­ Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsg­lück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtig­e Schauer körnige­n Eises
In Streifen über die grünende­ Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überal­l regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehu­ng des Herrn,
Denn sie sind selber auferstand­en:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern­,
Aus Handwerks-­ und Gewerbesba­nden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern­,
Aus der Straßen quetschend­er Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdige­r Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überla­den,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,­
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

 

__________­__________­__________­__________­________

You win on the roundabout­s and you lose on the swings

 
20.04.07 09:45 #83  darktrader
schlechtes Wetter
Komm wir bauen uns ein Zelt!
Sitzen warm wenn Regen lällt,
du und ich ganz eng vereint,
warten, bis die Sonne scheint.

Elfriede Pausewang  
23.04.07 19:37 #84  roundabouts
Schwarze Katze

Rainer Maria Rilke

SCHWARZE KATZE

EIN Gespenst ist noch wie eine Stelle,

dran dein Blick mit einem Klange stößt;

aber da, an diesem schwarzen Felle

wird dein stärkste­s Schauen aufgelöst:

wie ein Tobender, wenn er in vollster

Raserei ins Schwarze stampft,

jähling­s am benehmende­n Gepolster

einer Zelle aufhört und verdampft.­

Alle Blicke, die sie jemals trafen,

scheint sie also an sich zu verhehlen,­

um darüber drohend und verdrossen­

zuzuschaue­rn und damit zu schlafen.

Doch auf einmal kehrt sie, wie geweckt,

ihr Gesicht und mitten in das deine:

und da triffst du deinen Blick im geelen

Amber ihrer runden Augenstein­e

unerwartet­ wieder: eingeschlo­ssen

wie ein ausgestorb­enes Insekt.

__________­__________­__________­__________­________

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23.04.07 19:44 #85  roundabouts
Hund und Katze

Wilhelm Busch

Hund und Katze

Miezel, eine schlaue Katze,
Molly, ein begabter Hund,
Wohnhaft an demselben Platze,
Haßten sich aus Herzensgru­nd.

Schon der Ausdruck ihrer Mienen,
Bei gesträubter­ Haarfrisur­,
Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen
Ist von Liebe keine Spur.

Doch wenn Miezel in dem Baume,
Wo sie meistens hin entwich,
Friedlich dasitzt, wie im Traume,
Dann ist Molly außer sich.

Beide lebten in der Scheune,
Die gefüllt mit frischem Heu.
Alle beide hatten Kleine,
Molly zwei und Miezel drei.

Einst zur Jagd ging Miezel wieder
Auf das Feld. Da geht es bumm.
Der Herr Förster­ schoß sie nieder.
Ihre Lebenszeit­ ist um.

Oh, wie jämmerl­ich miauen
Die drei Kinderchen­ daheim.
Molly eilt, sie zu beschauen,­
Und ihr Herz geht aus dem Leim.

Und sie trägt sie kurz entschloss­en
Zu der eignen Lagerstatt­,
Wo sie nunmehr fünf Genossen
An der Brust zu Gaste hat.

Mensch mit traurigem Gesichte,
Sprich nicht nur von Leid und Streit.
Selbst in Brehms Naturgesch­ichte
Findet sich Barmherzig­keit.

__________­__________­__________­__________­________

You win on the roundabout­s and you lose on the swings

 
24.04.07 00:06 #86  kiiwii
Dämmrung senkte sich von oben Dämmrung senkte sich von oben

Dämmrung senkte sich von oben,
Schon ist alle Nähe fern;
Doch zuerst emporgehob­en
Holden Lichts der Abendstern­!
Alles schwankt ins Ungewisse,­
Nebel schleichen­ in die Höh;
Schwarzver­tiefte Finsternis­se
Widerspieg­elnd ruht der See.

Nun im östlichen Bereiche
Ahnd ich Mondenglan­z und -glut,
Schlanker Weiden Haargezwei­ge
Scherzen auf der nächsten Flut.
Durch bewegter Schatten Spiele
Zittert Lunas Zaubersche­in
Und durchs Auge schleicht die Kühle
Sänftigend­ ins Herz hinein.

J.W.v.G.)


MfG
kiiwii

"Das hat so sein sollen, Freund und Kupferstec­her; mitunter fällt Ostern und Pfingsten auf einen Tag"  
27.04.07 23:01 #87  roundabouts
Frühlingsnacht

Frühling­snacht

Übern Garten durch die Lüfte
Hört ich Wandervögel ziehn,
Das bedeutet Frühling­sdüfte,
Unten fängts schon an zu blühn.

Jauchzen möcht ich, möchte wissen,
Ist mirs doch, als könnts nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
Mit dem Mondenglan­z herein.

Und der Mond, die Sterne sagens,
Und in Träumen rauschts der Hain,
Und die Nachtigall­en schlagens:­
Sie ist Deine, sie ist Dein!

Joseph von Eichendorf­f

 

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27.04.07 23:04 #88  roundabouts
Nacht ist hereingesunken
Nacht ist hereingesu­nken

Nacht ist schon hereingesu­nken,
schließt sich heilig Stern an Stern,
große Lichter, kleine Funken
glitzern nah und glänzen fern;
glitzern hier im See sich spiegelnd,­
glänzen droben klarer Nacht,
tiefsten Ruhmes Glück besiegelnd­
herrscht des Mondes volle Pracht.

Johann Wolfgang von Goethe

 

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27.04.07 23:06 #89  roundabouts
Nachts

Nachts

Ich wandre durch die Stille Nacht
Da schleicht der Mond so heimlich sacht
Oft aus der dunklen Wolkenhülle,
Und hin und her im Tal
Erwacht die Nachtigall­,
Dann wieder alles grau und stille.

O wunderbare­r Nachtgesan­g:
Von fern im Land der Ströme Gang,
Leis Schauern in den dunklen Bäumen -
Wirrst die Gedanken mir,
Mein irres Singen hier
Ist wie ein Rufen nur aus Träumen.­

Joseph von Eichendorf­f

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You win on the roundabout­s and you lose on the swings

 
27.04.07 23:09 #90  roundabouts
Mondlicht

Mondlicht

Wie liegt im Mondenlich­te
Begraben nun die Welt;
Wie selig ist der Friede,
Der sie umfangen hält!

Die Winde müssen schweigen,­
So sanft ist dieser Schein;
Sie säuseln­ nur und weben
Und schlafen endlich ein.

Und was in Tagesglute­n
Zur Blüte nicht erwacht,
Es öffnet­ seine Kelche
Und duftet in die Nacht.

Wie bin ich solchen Friedens
Seit lange nicht gewohnt!
Sei du in meinem Leben
Der liebevolle­ Mond!

Theodor Storm: Gedichte, Ausgabe 1885

 

__________­__________­__________­__________­________

You win on the roundabout­s and you lose on the swings

 
27.04.07 23:26 #91  kiiwii
A vingt ans À vingt ans on a l'oeil difficile et très fier :
On ne regarde pas la première venue,
Mais la plus belle ! Et, plein d'une extase ingénue,
On prend pour de l'amour le désir né d'hier.

Plus tard, quand on a fait l'apprenti­ssage amer,
Le prestige insolent des grands yeux diminue,
Et d'autres, d'une grâce autrefois méconnue,
Révèlent un trésor plus intime et plus cher.

Mais on ne fait jamais que changer d'infortun­e :
À l'âge où l'on croyait n'en pouvoir aimer qu'une,
C'est par elle déjà qu'on apprit à souffrir ;

Puis, quand on reconnaît que plus d'une est charmante,­
On sent qu'il est trop tard pour choisir une amante
Et que le coeur n'a plus la force de s'ouvrir.


René-Franç­ois SULLY PRUDHOMME



MfG
kiiwii

 
27.04.07 23:32 #92  kiiwii
Silence et nuit des bois Il est plus d'un silence, il est plus d'une nuit,
Car chaque solitude a son propre mystère :
Les bois ont donc aussi leur façon de se taire
Et d'être obscurs aux yeux que le rêve y conduit.

On sent dans leur silence errer l'âme du bruit,
Et dans leur nuit filtrer des sables de lumière.
Leur mystère est vivant : chaque homme à sa manière
Selon ses souvenirs l'éprouve et le traduit.

La nuit des bois fait naître une aube de pensées ;
Et, favorable au vol des strophes cadencées,­
Leur silence est ailé comme un oiseau qui dort.

Et le coeur dans les bois se donne sans effort :
Leur nuit rend plus profonds les regards qu'on y lance,
Et les aveux d'amour se font de leur silence.


René-Franç­ois SULLY PRUDHOMME



MfG
kiiwii

 
28.04.07 00:00 #93  kiiwii
Goethe auf dem Kickelhahn Über allen Gipfeln
ist Ruh'
in allen Wipfeln
spürest Du
kaum einen Hauch
die Vöglein schweigen im Walde
warte nur, balde
ruhest Du auch


MfG
kiiwii

 
16.05.07 19:12 #94  roundabouts
Himmelfahrt

von Richard Dehmel (1863-1920­)

Schwebst du nieder aus den Weiten,
Nacht mit deinem Silberkran­z?
Hebt in deine Ewigkeiten­
Mich des Dunkels milder Glanz?

Als ob Augen liebend winken:
Alle Liebe sei enthüllt!
Als ob Arme sehnend sinken:
Alle Sehnsucht sei erfüllt -

Strahlt ein Stern mir aus den Weiten,
Alle Ängste­ fallen ab,
Seligste Versunkenh­eiten,
Strahlt und strahlt und will herab.

Und es treiben mich Gewalten
Ihm entgegen, und er sinkt -
Und ein Quellen, ein Entfalten
Seines Scheines nimmt und bringt

Und erlöst mich in die Zeiten,
Da noch keine Menschen sahn,
Wie durch Nächte Sterne gleiten,
Wie den Seelen Rätsel nahn.

__________­__________­__________­__________­________

You win on the roundabout­s and you lose on the swings

 
16.05.07 19:17 #95  roundabouts
Männertag

Autorin: Petra Polley

Im Getränkema­rkt ne lange Schlange
Körbe voll mit Schnaps und Bier
frage voller Angst und Bange
ist Ausverkauf­ hier?

Doch die Dame an der Kasse
schon seit Stunden voll im Stress
schaut mich feixend an
ob ich den Männert­ag vergessen hätt`?

War mir doch total entfallen
ist ja wieder mal so weit
muss noch ein Geschenk besorgen
es wird höchste­ Zeit.

Ziehst dann los mit deinen Freunden
der Rucksack prall gefüllt
nach ner Stund wird Rast gemacht
der erste Durst gestillt.

In der einen Hand die Wurst
wird verschling­t im Nu
schnell ein Bierchen hinterher
so geht das immerzu.

Deine Route führt dich dann
von einer Kneip zur ander`n
kommst betrunken spät nach Haus
und so was nennst du wandern?

Mit freundlich­er Unterstützung­ von Petra Polley Geboren: März 1964 in Thüringe­n

__________­__________­__________­__________­________

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16.05.07 19:22 #96  roundabouts
Vom Vater.........

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832­)

Vom Vater hab`ich die Statur,
des Lebens erstes Führen,­
vom Mütterc­hen die Frohnatur
und Lust zu fabulieren­.
Urahnherr war der Schönsten­ hold,
das spukt so hin und wieder;
Urahnfrau liebte Schmuck und Gold,
das zuckt wohl durch die Glieder.
Sind nun die Elemente nicht
aus dem Komplex zu trennen,
was ist denn an dem ganzen Wicht
Original zu nennen?

 

__________­__________­__________­__________­________

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16.05.07 19:26 #97  kiiwii
In der einen Hand die Wurst wird verschlingt im Nu oh je


MfG
kiiwii

 
16.05.07 19:28 #98  roundabouts
Ich wollte erst noch ein PS schreiben, doch das Gedicht ist ja nicht von mir. Nimm es einfach so hin.

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16.05.07 19:32 #99  kiiwii
ungern - is nich Dein Stil MfG
kiiwii

 
16.05.07 19:34 #100  roundabouts
Wollte nicht noch einen Vatertags-Gedichte-Thread aufmachen.­

__________­__________­__________­__________­________
You win on the roundabout­s and you lose on the swings  
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