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Fr, 17. April 2026, 12:46 Uhr

Vorsicht mit der Dividenden-Euphorie!


30.03.23 13:28
Merck Finck

München (www.aktiencheck.de) - Bevor die Dividendensaison in ihre heiße Phase geht, überschlagen sich viele Analysten wieder einmal mit Erwartungen für Rekorddividenden und euphorischen Ausblicken, so Marc Decker, Leiter Aktien bei Quintet Private Bank, Muttergesellschaft von Merck Finck.

Hier sei Vorsicht geboten, denn das Bild sei durchwachsener als es der breite Markt wahrhaben wolle. Vor allem sektorspezifische Unterschiede sollten nicht unterschätzt werden.

Richtig sei: Nach den Dividendenkürzungen im Zuge der Corona-Pandemie sei es mit den Ausschüttungen in 2022 wieder bergauf gegangen. Allerdings sei das Jahr 2022 geprägt gewesen von einem sehr negativen Aktienmarktumfeld aufgrund der Krieges in der Ukraine und des ansteigenden Zinsniveaus. Was bedeute dies nun für die Dividendenausschüttungen in 2023? Aus Sicht von Merck Finck dürften die Unterschiede zwischen den Branchen und einzelnen Titeln eklatant ausfallen.

Gerade globale Marktführer hätten den Preisdruck weitergeben und ihre Ertragsseite oftmals sogar verbessern können. Auf der anderen Seite müssten insbesondere Aktien aus dem Immobiliensektor aufgrund ihrer hohen Verschuldungsgrade im Lichte der Zinssteigerungen nun sinnvollerweise erst einmal ihre Bilanzen verbessern. Die Folge: Sie würden ihren Dividenden kürzen. Eine Korrektur der Dividendenerwartungen hätten wir auch im unter Druck geratenen Bankensektor gesehen, welcher traditionell für hohe Dividendenausschüttungen stehe. Unter dem Strich erwarte Merck Finck aber ein weiterhin positives Wachstum der Ausschüttungen, wenn auch mit spürbar nachlassender Dynamik.

Auch wenn Merck Finck den Unternehmen in der Gesamtbetrachtung also durchaus einen Anstieg der Dividendenzahlungen gegenüber dem Vorjahr zutraue, glaube man, dass vielerorts zu hohe Erwartungen im Markt eingepreist seien. Da Merck Finck von einem insgesamt eingetrübten makroökonomischen Gesamtbild ausgehe, sollten auch die Dividendenzahlungen in 2023 sukzessive nach unten revidiert werden. Merck Finck erwarte, dass der positive Gewinnrevisionszyklus nun eine Ende habe, was perspektivisch auch zu niedrigeren Dividendenausschüttungen führen sollte. Zugleich könnte es einzelne positive Überraschungen geben, da Merck Finck einige Unternehmen beobachte, die mangels attraktiver Investitionsmöglichkeiten ihren Cashflow lieber in höhere Ausschüttungen ummünzen würden. Dies könne allerdings auch ein Warnzeichen sein, denn wenn ein Unternehmen keine attraktiven Möglichkeiten zur Investition sehe, seien womöglich auch die Wachstumspotenziale für den Moment erschöpft.

Mit Blick auf den DAX (ISIN: DE0008469008, WKN: 846900) erwarte Merck Finck in Übereinstimmung mit den Konsensschätzungen ein Ausschüttungsvolumen von über 56 Mrd. EUR und eine Dividendenrendite von ca. 3,5 Prozent. Lege man die Dividendenrendite als Maßstab an, sehe in erster Linie Versicherungs- und Bankenwerte sowie Unternehmen aus dem Autosektor attraktiv aus. Gerade diese Branchen würden allerdings auch zeigen, dass Anleger ihre Investitionsentscheidungen tunlichst nicht nur an der Dividendenrendite ausrichten sollten. Schließlich könne eine hohe Dividendenrendite auch einfach einen am Boden liegenden Aktienkurs widerspiegeln - und damit die Tatsache, dass der Markt im jeweiligen Unternehmen keine besonders rosige Zukunft sehe.

Ausschüttungen könnten einem Portfolio gerade in turbulenten Zeiten ein gewisses Maß an Stabilität geben, aber sie würden Investoren nicht von der Pflicht entheben, sich jedes Unternehmen fundamental anzuschauen und ganzheitlich zu bewerten. (30.03.2023/ac/a/m)