Ukraine-Krise: Markt preist nach wie vor Risiken ein
16.02.22 11:15
Merck Finck
München (www.aktiencheck.de) - Anbei der aktuelle "Blitzlicht" der Woche von Robert Greil, Chefstratege bei Merck Finck a Quntet Private Bank:
Wie stark hätten die Märkte eine Eskalation der Ukrainekrise schon eingepreist?
Die Nervosität der Marktteilnehmer sei in den vergangenen Tagen spürbar gewesen. Trotz Entspannungsanzeichen bleibe auch jetzt das Risiko in einem spürbaren Maß eingepreist. Eine weitere Entspannung dürfte daher auch zu einer weiteren Erholung etwa der Aktienmärkte führen. Im Falle einer Verschärfung oder sogar einer Invasion Russlands rechne Greil erst einmal mit zunehmender Volatilität, wobei es auf den Eintritt geopolitischer Risiken in der Vergangenheit oft zu Markterholungen gekommen sei. Gut diversifizierte Anleger sollten aus seiner Sicht in solchen Phasen die Ruhe bewahren und das Ganze, sprich die sich derzeit in der Expansionsphase befindliche Weltwirtschaft, und die konjunkturellen und geldpolitischen Rahmenbedingungen im Auge behalten.
Wer habe bei dem Konflikt am meisten zu verlieren?
Für Russland mache eine Invasion in der Ukraine in einer rationalen Risiken/Chancen-Abwägung aus Greils Sicht wenig Sinn, da das Land derzeit mit einer steigenden Inflation zu kämpfen habe und schmerzhafte Sanktionen drohen würden, die voraussichtlich den Handel und das Wachstum beeinträchtigen würden. Ein Konflikt würde die russische Zentralbank wahrscheinlich dazu bewegen, ihren Leitzins weiter anzuheben, was die sich erholende Wirtschaft in eine Rezession stürzen könnte. Im Gegensatz dazu hätte der Westen, einschließlich der Eurozone, angesichts der Handelsbeziehungen zwischen der EU und Russland (mit Ausnahme von Rohstoffen) bei einer Invasion der Ukraine voraussichtlich weniger zu verlieren. Die russischen Ausfuhren in die EU würden 32% der Gesamtausfuhren ausmachen, während weniger als 2% der EU-Ausfuhren nach Russland gehen würden. Als beispielsweise Russland 2014 die Krim annektiert habe, sei die russische Wirtschaft in eine Rezession geraten, während die Wirtschaft der Eurozone wenig beeinflusst worden sei.
Was passiere mit den Energiepreisen?
Eine Invasion Russlands würde einen weiteren Angebotsschock auslösen, der im Falle eines länger andauernden Konfliktes die Inflation nach oben treiben könnte. Russland sei ein wichtiger Rohstoffexporteur, und die EU sei in hohem Maße von russischer Energie abhängig. Der Angebotsschock würde auch über Europa hinaus wirken, denn steigende Ölpreise würden die Inflation auch andernorts in die Höhe treiben, sich schließlich negativ auf das Wachstum auswirken und mit der Zeit möglicherweise in einem desinflationären Schock münden. Ein Teil dieser Risiken drohte bzw. droht sich bereits durch die momentane Unsicherheit zu materialisieren, da die Preise bereits jetzt massiv gestiegen sind, so Greil. Rohöl der Sorte Brent habe sich seit Jahresbeginn um rund ein Fünftel verteuert und sich der psychologischen Marke von 100 US-Dollar je Barrel genähert. Im späteren Jahresverlauf erwarte Greil aber bei einer Beruhigung der Lage eine Normalisierung des Ölpreises in Richtung 85 US-Dollar je Barrel per Jahresende 2022.
Wie würden die Zentralbanken reagieren?
Je länger der Konflikt anhält und die Energiepreise weiter steigen würden, desto mehr würden die Inflationssorgen zunehmen. Die Zentralbanken dürften das mit Sorgen beobachten. Greil gehe aber davon aus, dass ein vorübergehendes Überschießen der Energiepreise in der vermutlichen Annahme einer baldigen Normalisierung von der EZB erst einmal toleriert würde. Eine schnellere Leitzinserhöhung wäre vor allem dann wahrscheinlich, wenn die Energiepreise absehbar auf erhöhtem Niveau bleiben würden, weil sich der Konflikt voraussichtlich für längere Zeit verschärfe. (16.02.2022/ac/a/m)
Wie stark hätten die Märkte eine Eskalation der Ukrainekrise schon eingepreist?
Die Nervosität der Marktteilnehmer sei in den vergangenen Tagen spürbar gewesen. Trotz Entspannungsanzeichen bleibe auch jetzt das Risiko in einem spürbaren Maß eingepreist. Eine weitere Entspannung dürfte daher auch zu einer weiteren Erholung etwa der Aktienmärkte führen. Im Falle einer Verschärfung oder sogar einer Invasion Russlands rechne Greil erst einmal mit zunehmender Volatilität, wobei es auf den Eintritt geopolitischer Risiken in der Vergangenheit oft zu Markterholungen gekommen sei. Gut diversifizierte Anleger sollten aus seiner Sicht in solchen Phasen die Ruhe bewahren und das Ganze, sprich die sich derzeit in der Expansionsphase befindliche Weltwirtschaft, und die konjunkturellen und geldpolitischen Rahmenbedingungen im Auge behalten.
Wer habe bei dem Konflikt am meisten zu verlieren?
Was passiere mit den Energiepreisen?
Eine Invasion Russlands würde einen weiteren Angebotsschock auslösen, der im Falle eines länger andauernden Konfliktes die Inflation nach oben treiben könnte. Russland sei ein wichtiger Rohstoffexporteur, und die EU sei in hohem Maße von russischer Energie abhängig. Der Angebotsschock würde auch über Europa hinaus wirken, denn steigende Ölpreise würden die Inflation auch andernorts in die Höhe treiben, sich schließlich negativ auf das Wachstum auswirken und mit der Zeit möglicherweise in einem desinflationären Schock münden. Ein Teil dieser Risiken drohte bzw. droht sich bereits durch die momentane Unsicherheit zu materialisieren, da die Preise bereits jetzt massiv gestiegen sind, so Greil. Rohöl der Sorte Brent habe sich seit Jahresbeginn um rund ein Fünftel verteuert und sich der psychologischen Marke von 100 US-Dollar je Barrel genähert. Im späteren Jahresverlauf erwarte Greil aber bei einer Beruhigung der Lage eine Normalisierung des Ölpreises in Richtung 85 US-Dollar je Barrel per Jahresende 2022.
Wie würden die Zentralbanken reagieren?
Je länger der Konflikt anhält und die Energiepreise weiter steigen würden, desto mehr würden die Inflationssorgen zunehmen. Die Zentralbanken dürften das mit Sorgen beobachten. Greil gehe aber davon aus, dass ein vorübergehendes Überschießen der Energiepreise in der vermutlichen Annahme einer baldigen Normalisierung von der EZB erst einmal toleriert würde. Eine schnellere Leitzinserhöhung wäre vor allem dann wahrscheinlich, wenn die Energiepreise absehbar auf erhöhtem Niveau bleiben würden, weil sich der Konflikt voraussichtlich für längere Zeit verschärfe. (16.02.2022/ac/a/m)
Werte im Artikel

