USA: Wachstumsstütze Nettoexporte?
08.03.24 16:10
Helaba
Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Seit dem Frühjahr 2022 haben die USA keinen negativen Wachstumsbeitrag vom Außenhandel mehr verzeichnet, wie er seit Jahrzehnten für das Land der Normalzustand war, so die Analysten der Helaba.
Eine so lange ununterbrochene Zeit ohne Minus habe es zuletzt vor 15 Jahren gegeben. Wirke hier die protektionistische Politik Donald Trumps nach? Komme zum Tragen, dass die USA vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur von Energie geworden seien? Hätten die US-Verbraucher etwa ihren fast sprichwörtlichen Hunger für importierte Konsumgüter verloren?
Die Analysten der Helaba werfen einen Blick auf die Fakten. Der Außenbeitrag ergebe sich aus der Saldierung von zwei Größen, den Exporten und den Importen. Da die Einfuhren in den USA erheblich höher seien als die Ausfuhren, sei es normal, dass der Beitrag der Nettoexporte zum Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) negativ ausfalle. Der Außenbeitrag beziehe sich auf das reale BIP, so dass Preiseffekte hier keine direkte Rolle spielen würden.
Der handelsgewichtete Dollar habe seit Anfang 2022 per saldo sogar tendenziell aufgewertet, was in realer Betrachtung die Ausfuhren hätte dämpfen und die Importe stimulieren sollen. Auch die relative konjunkturelle Dynamik widerspreche eigentlich der beobachteten Entwicklung des Außenbeitrags: Die US-Wirtschaft habe 2023 "outperformt". Den dort verzeichneten 2% Wachstum der Inlandsnachfrage stehe beispielsweise nur ein anämisches Plus von 0,3% in der Eurozone gegenüber. China kämpfe mit größeren binnenwirtschaftlichen Schwierigkeiten. Eine vergleichsweise höhere Dynamik der US-Binnennachfrage vis-à-vis den Handelspartnern würde ebenfalls eher negativere Beiträge vom Außenhandel erwarten lassen. Das Rätsel über die positiven Zahlen werde also größer, je genauer man hinsehe.
Letztlich scheine die Erklärung für das Phänomen aber recht simpel - und verglichen mit den oben genannten Thesen wenig spektakulär. Es handle sich, wie derzeit so vieles, um eine Spätfolge der Pandemie. Konkreter: In den Jahren 2020 und 2021 hätten Lockdowns in den Industrieländern zu schwächelnden Exporten und einem Sprung bei den Importen (vor allem aus China), getrieben von fiskalpolitischem Stimulus und einer Verschiebung der Nachfrage von den Dienstleistungen hin zu Waren geführt. Dies habe auch in den USA den Wachstumsbeitrag des Außenhandels tief(er) in die roten Zahlen gedrückt. Die darauffolgende Verbesserung der Kennziffer spiegele daher primär eine andauernde Normalisierung bei Ein- und Ausfuhren wider. Tatsächlich sei der Beitrag von Ex- und Importen zu diesem "Swing" fast völlig symmetrisch, wenn man ihre unterschiedliche absolute Höhe berücksichtige. Ihr Beitrag habe seit 2022 jeweils fast genauso weit über dem Vor-Pandemie-Schnitt gelegen wie er 2020 bis 2021 darunter gelegen habe. Es sei also keine Sonderentwicklung bei den Ein- oder Ausfuhren, die überproportional die Schwankungen des Außenbeitrags insgesamt erklären würde.
Da es sich bei dem beobachteten Phänomen offenbar um einen Normalisierungsprozess handle, werde es wohl in absehbarer Zeit vorbei sein. Wann genau dies passiere, sei schwer zu quantifizieren. Die Analysten würden aber davon ausgehen, dass die quartalsweisen Wachstumsbeiträge bereits im laufenden Jahr wieder ins Negative drehen würden. Damit wäre in dieser Dimension die "Normalität" wiederhergestellt - und ein Faktor, der üblicherweise das Wachstum in den USA dämpfe, melde sich zurück. Mögliche Sorgen in Europa, in den Nettoexporten der USA komme eine vermeintlich erfolgreichere Industriepolitik der Regierung Biden bzw. ein "Reshoring" der Produktion zum Ausdruck, wären also verfehlt.
Im Außenhandel der USA seien derzeit aber noch andere interessante Entwicklungen zu beobachten - auch im Kontext laufender Preise, der ja letztlich für den Devisenmarkt wichtiger sein sollte. Hierzu zähle die Tatsache, dass sich die nominale Handelsbilanz trotz der lange positiven Außenbeiträge nur wenig verbessert habe. (08.03.2024/ac/a/m)
Eine so lange ununterbrochene Zeit ohne Minus habe es zuletzt vor 15 Jahren gegeben. Wirke hier die protektionistische Politik Donald Trumps nach? Komme zum Tragen, dass die USA vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur von Energie geworden seien? Hätten die US-Verbraucher etwa ihren fast sprichwörtlichen Hunger für importierte Konsumgüter verloren?
Die Analysten der Helaba werfen einen Blick auf die Fakten. Der Außenbeitrag ergebe sich aus der Saldierung von zwei Größen, den Exporten und den Importen. Da die Einfuhren in den USA erheblich höher seien als die Ausfuhren, sei es normal, dass der Beitrag der Nettoexporte zum Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) negativ ausfalle. Der Außenbeitrag beziehe sich auf das reale BIP, so dass Preiseffekte hier keine direkte Rolle spielen würden.
Letztlich scheine die Erklärung für das Phänomen aber recht simpel - und verglichen mit den oben genannten Thesen wenig spektakulär. Es handle sich, wie derzeit so vieles, um eine Spätfolge der Pandemie. Konkreter: In den Jahren 2020 und 2021 hätten Lockdowns in den Industrieländern zu schwächelnden Exporten und einem Sprung bei den Importen (vor allem aus China), getrieben von fiskalpolitischem Stimulus und einer Verschiebung der Nachfrage von den Dienstleistungen hin zu Waren geführt. Dies habe auch in den USA den Wachstumsbeitrag des Außenhandels tief(er) in die roten Zahlen gedrückt. Die darauffolgende Verbesserung der Kennziffer spiegele daher primär eine andauernde Normalisierung bei Ein- und Ausfuhren wider. Tatsächlich sei der Beitrag von Ex- und Importen zu diesem "Swing" fast völlig symmetrisch, wenn man ihre unterschiedliche absolute Höhe berücksichtige. Ihr Beitrag habe seit 2022 jeweils fast genauso weit über dem Vor-Pandemie-Schnitt gelegen wie er 2020 bis 2021 darunter gelegen habe. Es sei also keine Sonderentwicklung bei den Ein- oder Ausfuhren, die überproportional die Schwankungen des Außenbeitrags insgesamt erklären würde.
Da es sich bei dem beobachteten Phänomen offenbar um einen Normalisierungsprozess handle, werde es wohl in absehbarer Zeit vorbei sein. Wann genau dies passiere, sei schwer zu quantifizieren. Die Analysten würden aber davon ausgehen, dass die quartalsweisen Wachstumsbeiträge bereits im laufenden Jahr wieder ins Negative drehen würden. Damit wäre in dieser Dimension die "Normalität" wiederhergestellt - und ein Faktor, der üblicherweise das Wachstum in den USA dämpfe, melde sich zurück. Mögliche Sorgen in Europa, in den Nettoexporten der USA komme eine vermeintlich erfolgreichere Industriepolitik der Regierung Biden bzw. ein "Reshoring" der Produktion zum Ausdruck, wären also verfehlt.
Im Außenhandel der USA seien derzeit aber noch andere interessante Entwicklungen zu beobachten - auch im Kontext laufender Preise, der ja letztlich für den Devisenmarkt wichtiger sein sollte. Hierzu zähle die Tatsache, dass sich die nominale Handelsbilanz trotz der lange positiven Außenbeiträge nur wenig verbessert habe. (08.03.2024/ac/a/m)
