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Fr, 17. April 2026, 19:24 Uhr

USA: Konjunktur verlangsamt sich - in Zeitlupe


01.06.24 11:40
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Spannende Konjunkturdaten in den USA stehen zum Monatsauftakt an, so die Analysten der Helaba.

Obwohl eine Zinssenkung der FED im Juni vom Tisch sei: Bleibe der Weg frei für eine erste Lockerung im (Spät-)Sommer?

Das seit längerem zu beobachtende Phänomen, dass die Stimmung laut den Einkaufsmanagerindices des ISM schlechter sei als die Lage laut den "harten" Zahlen wie Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Beschäftigten, dauere an. Im ersten Quartal habe die US-Wirtschaft um 3% gegenüber Vorjahr zugelegt. Dies sei deutlich mehr als die ISM-Indices hätten erwarten lassen.

Nun laufe seit einiger Zeit eine Diskussion darüber, ob das BIP und die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft zuletzt vielleicht ein zu positives Bild der "wahren" Situation gezeichnet hätten. Allerdings dürfte das Ausmaß einer möglichen Verzerrung vergleichsweise überschaubar sein. Am Arbeitsmarkt würden viele andere Daten gut zum Narrativ einer nur sehr graduellen Abkühlung passen.

Die Gesamtwirtschaft habe 2023 von der sehr expansiven Fiskalpolitik profitiert, die in einem überraschenden Maße die deutlich restriktivere Geldpolitik kompensiert habe. 2024 entfalle der Impuls von der Finanzpolitik bzw. er werde sogar negativ. Der Leitzins verharre hingegen wohl für den Großteil des Jahres nahe seinem Hoch. Monat für Monat würden niedrigverzinste Kredite auslaufen und müssten durch teurere ersetzt werden. Die Analysten würden daher weiter davon ausgehen, dass sich die aktuelle Schere zwischen ISM-Indices und BIP auch durch eine Verlangsamung des Wachstums schließen werde.

Der Rückgang des Dienstleistungsindex unter die Expansionsmarke von 50 im April sei sogar ein Warnsignal, dass die konjunkturelle Abkühlung stärker als erwartet ausfallen könnte. Bleibt es nicht bei einem Ausreißer, wäre unsere Prognose eines grob dem Trend entsprechenden Wachstums für den Rest des Jahres zu hinterfragen, so die Analysten der Helaba. Die Analysten würden allerdings damit rechnen, dass der Dienstleistungsindex im Mai wieder über 50 steige. In der Industrie dürfte der ISM-Index hingegen im Kontraktionsbereich bleiben.

Am Arbeitsmarkt würden die meisten Indikatoren wie die Zahl der Jobsucher pro unbesetzter Stelle, die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die Arbeitslosenquote und die Zahl der geleisteten Stunden eine graduelle Entspannung anzeigen. Mit 3,9% bleibe die Quote aber nahe ihres 50-Jahrestiefs von rund 3,5%. Die Erstanträge seien relativ zur Zahl der Beschäftigten sogar am Allzeittief. Kassandrarufe einer angeblich bevorstehenden deutlichen Verschlechterung der Lage, die angeblich von der Stellenzahl in der Haushaltsumfrage angekündigt worden sei, hätten sich bislang als falsch erwiesen.

Allerdings sollte das Signal der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft aus der Unternehmensumfrage derzeit mit Vorsicht genossen werden. Eine mögliche Interpretation dieser Zahlen wäre nämlich, dass die Dynamik 2024 wieder leicht angezogen habe. Die Analysten würden jedoch davon ausgehen, dass der Stellenabbau in den kommenden Monaten im Schnitt unter 200.000 bleiben werde, so auch im Mai. Die Quote dürfte noch 2024 die 4%-Marke übersteigen. (01.06.2024/ac/a/m)