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Fr, 17. April 2026, 13:51 Uhr

USA: Eine echte "landing challenge“ für die Konjunktur


25.10.24 15:26
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - "Soft", "hard" oder "no landing"? Die Diskussion hierüber dauert in den USA an, so die Analysten der Helaba.

Die Daten der Berichtswoche würden Anleger der Antwort hoffentlich wieder ein Stück näherbringen.

Piloten und Nutzer von realistischen Flugsimulatoren würden den sogenannten Bodeneffekt kennen, durch den das Flugzeug direkt über der Landebahn scheinbar der Schwerkraft widerstehend wieder Auftrieb erhalte. In der Diskussion um eine "Landung" der US-Konjunktur auf ihrem Potenzialpfad könne man derzeit ein ähnliches Phänomen beobachten. Trotz aller Anstrengungen des Chef-Piloten Jay Powell von der Fed wolle der Jumbo "US-Wirtschaft" nicht so richtig "herunterkommen."

Wichtigstes Instrument beim Landeanflug seien die Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP), bei denen nun die Werte für das dritte Quartal 2024 veröffentlicht würden. Ein Spoiler sei, dass die seit langem thematisierte und von vielen prognostizierte deutliche Abkühlung diesmal wohl wieder nicht komme. Das langfristig normale Wachstum der USA liege nach den meisten Schätzungen unter 2%. Man rechne für Q3 real mit einem annualisierten Vorquartalswachstum von 2,5%, der Konsens sogar mit 3%. Dabei bleibe der Konsum trotz der deutlich höheren Zinsen robust. Im Quartalsschnitt dürften die Ausgaben der privaten Haushalte wohl um knapp 3% zugelegt haben.

Mindestens ein Auge hätten die Piloten bei der Fed aber auf dem Arbeitsmarkt. Zwar habe dieser in den vergangenen Wochen bei manchen für Sorgen über einen möglicherweise zu steilen Anflugwinkel gesorgt, aber der durchweg positiv überraschende Bericht zum September, sowohl bei Beschäftigung, Arbeitslosenquote als auch bei Löhnen, habe dies geändert. Damit sei der vorherige Trend eines sich abschwächenden Stellenaufbaus und steigender Arbeitslosigkeit zumindest temporär unterbrochen worden.

Die Daten hätten die zuvor aufgekommenen Ängste über eine mögliche "harte Landung" der US-Wirtschaft vertrieben. Für Oktober dürften die Zahlen, trotz der Hurricanes am Monatsanfang, nur etwas schwächer ausfallen. Man erwarte eine unveränderte Arbeitslosenquote bei 4,1% und einen Lohnanstieg um 0,3% im Vergleich zum Vormonat. Nur bei der Beschäftigung solle sich das starke Plus von 254.000 im September als Ausreißer erweisen - hier rechne man für Oktober mit 150.000.

Anders zeigten sich hingegen die Stimmungsindikatoren für das Verarbeitende Gewerbe, allen voran der Einkaufsmanagerindex des ISM. Dieser liege seit Monaten auf Niveaus, die eigentlich mit deutlich geringeren Zuwächsen beim realen BIP verbunden sein sollten als sie die Statistiker tatsächlich meldeten. Teilweise könne das die Folge einer Sonderkonjunktur in der Industrie sein, unter der ja auch Deutschland aktuell leide. Aber früher oder später werde sich die Schere zwischen dem US-BIP und den Einkaufsmanagerindizes wieder schließen.

Man gehe davon aus, dass die Bewegung von beiden Seiten kommen werde: einer tendenziellen Erholung in der Industrie und einer "echten Landung" der Konjunktur in den nächsten Quartalen. Im Oktober dürfte man beim ISM-Index davon allerdings noch wenig sehen. Man prognostiziere zwar einen leichten Anstieg auf 48 (nach 47,2 im September), aber der Index bleibe unter der Expansionsmarke von 50. (25.10.2024/ac/a/m)