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Fr, 17. April 2026, 12:18 Uhr

Rettet China die Weltwirtschaft vor der Rezession?


15.11.22 14:40
Merck Finck

München (www.aktiencheck.de) - China könnte trotz seiner gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwäche bald wieder zur Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft werden, so Robert Greil, CFA, Chefstratege der Merck Finck A Quintet Private Bank.

Die heute veröffentlichten Zahlen zu Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätzen hätten zwar unter den Erwartungen gelegen und würden vor allem die Lockdown-bedingte aktuelle binnenwirtschaftliche Schwäche zeigen. Doch 2023 könnte China positiv überraschen. Ein wesentlicher Faktor sei aus unserer Sicht, dass Peking die Wirtschaft weiterhin mit vielen, oft kleineren und bei uns weniger wahrgenommenen Maßnahmen stützen wird - die jetzt in Aussicht gestellten 16 Maßnahmen zur Unterstützung des Immobiliensektors sind nur ein Beispiel dafür, so Greil.

Aktuell noch wichtiger sei die jetzt in Aussicht gestellte etwas flexiblere Handhabung der "Null-Toleranz-Politik" in Sachen Covid-19, die nach Erachten von Greil als Vorbereitung einer möglichen weitgehend vollständigen Wiederöffnung im Laufe des ersten Halbjahres 2023 interpretiert werden könne. Erste dabei jetzt beschlossene Maßnahmen (insgesamt 20), wie die leichte Lockerung von Quarantäne-Regelungen für Reisende, würden auf eine schrittweise für die Regierung gesichtswahrende Distanzierung von der Null-Covid-Politik hindeuten. Eine weiterreichende Öffnung des Landes im ersten Halbjahr des nächsten Jahres könnte dann der Startschuss für eine echte chinesische Konjunkturerholung sein.

Für den Moment und wohl auch in den nächsten Wochen und Monaten noch kämpfe China zwar mit einer schwächelnden Binnennachfrage und zudem mit einer nachlassenden Exportnachfrage wegen der schwächeren europäischen und US-Konjunktur. Das Land dürfte dadurch aber kaum in eine Rezession rutschen - und damit wesentlich dazu beitragen, dass eine Rezession auf Ebene der Weltwirtschaft ebenfalls vermieden werde.

Auch wenn eine Eskalation des Taiwan-Konflikts ein mögliches Szenario bleibe, halte Greil dies eher für ein länger- als kurzfristiges Risiko - in der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage dürfte China kein Interesse daran haben, sich absehbar massiven Sanktionen des Westens auszusetzen. Dies gelte umso mehr, da die wirtschaftlichen Folgen solcher Sanktionen den sozialen Friedens im Land gefährden könnten, was Peking unbedingt vermeiden wollen dürfte.

Eine zentrale gute Nachricht aus China gibt es mit Blick auf die westlichen Inflationstrends: So sanken die chinesischen Fabrikpreise im Oktober erstmals seit Ende 2020 wieder, was für eine rückläufige Güterinflation auch bei uns spricht, so Greil. Seit dem Höchststand beim Anstieg der chinesischen Produzentenpreise vor einem Jahr - im Oktober 2021 seien 13,5% (im Vergleich zum Vorjahresmonat) gemeldet worden - habe die Dynamik jeden einzelnen Monat abgenommen und dürfte in den kommenden Monaten erst einmal noch weiter ins Minus rutschen. Dies sollte zeitverzögert auch bei uns zu einem rückläufigen Inflationstrend im Jahr 2023 beitragen, so Greil. Das heute noch sehr schwache Licht am Ende des Inflationstunnels dürfte damit heller werden - nach den USA etwas zeitverzögert auch in Deutschland. (15.11.2022/ac/a/m)