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Sa, 18. April 2026, 5:18 Uhr

OPEC+: Ende der freiwilligen Förderbeschränkungen im September


07.06.24 14:30
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die OPEC+-Entscheidung vom letzten Wochenende überraschte teilweise, wenngleich die Reaktionen an den Ölmärkten zu Wochenbeginn und in den letzten Tagen verhalten blieben, so die Analysten der Helaba.

Das erweiterte Kartell der OPEC+ habe die bestehenden Förderkürzungen zunächst noch einmal bis inklusive September verlängert. Marktbeobachter seien davon ausgegangen, dass die freiwillige Beschränkung bis Jahresende dauern würde. Nun aber hätten die Kartell-mitglieder einen Kompromiss gefunden, wonach ab Oktober eine sukzessive Aufstockung der Produktion erfolgen solle. Vor allem die Emirate hätten wohl für höhere Produktionsquoten geworben. Angola sei bereits im Frühjahr aus dem Kartell ausgeschieden, um mehr Freiheit bei der geplanten Produktionsausweitung zu haben.

Laut Bloomberg werde sich das Produktionsplus bis September 2025 auf 2,4 Mio. Barrel täglich belaufen. Das Gros davon entfalle auf Saudi-Arabien mit 1 Mio. Barrel/Tag (dies entspreche einem Zuwachs von 11%), das die Hauptlast der Förderbeschränkung getragen habe und noch immer trage. Prozentual noch größer werde das Plus bei den Vereinigten Arabischen Emiraten sein, die den Ausstoß um fast 16% steigern würden und eine Quotenausweitung von 300.000 Barrel/Tag zugestanden bekommen hätten.

Die anderen großen Mitglieder des erweiterten Kartells könnten mit 5 bis 6% mehr Förderung rechnen, auch Russland, was den geringsten Zuwachs verbuchen werde und damit in der globalen Produktionsrangliste hinter Saudi-Arabien auf Platz drei zurückfalle. Die ab Herbst avisierten Produktionsausweitungen würden jedoch nicht zu den Niveaus zurückführen, die 2023 oder gar 2022 erreicht worden seien. Zudem stagniere die US-Produktion seit Monaten. Diese liege zwar weiterhin in der Nähe des Rekordhochs, offenbar sei aber der Aufwärtstrend im Permian Basin, der wichtigsten Ölregion in den USA, zum Stillstand gekommen.

Die Beschlüsse hätten an den Rohölmärkten nicht zu einer Neubewertung der Situation geführt. Anfängliche deutliche Verluste hätten die Ölnotierungen teilweise wieder aufgeholt. Anzumerken sei dabei die zuletzt vermehrte Shortspekulation, was auf ein kurzfristiges Erholungspotenzial hinweise. Die Analysten würden an ihren mittelfristigen Öl-prognosen festhalten. Zum einen habe die Produktionsentwicklung in den USA zuletzt enttäuscht, was die Risiken eines Überangebots schmälere, zum anderen seien die Lagerbestände in den USA und in Europa verhältnismäßig niedrig.

Mit der erwarteten Erholung der globalen Wirtschaftsaktivitäten im zweiten Halbjahr und 2025 dürfte auch die Ölnachfrage zulegen. Die OPEC+-Ausweitung könnte dann verhindern, dass die Ölpreise zu stark steigen würden. Die Analysten würden weiterhin ein nur allmähliches Anziehen der Notierungen auf 91 USD/Fass per Jahresende erwarten. (07.06.2024/ac/a/m)