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Fr, 17. April 2026, 7:19 Uhr

Investmentausblick zur Jahresmitte 2023


14.06.23 16:48
Merck Finck

München (www.aktiencheck.de) - Der globale Konjunkturausblick für das zweite Halbjahr wird von mehreren Faktoren bestimmt, so Robert Greil, Leiter Investment & Client Solutions bei Merck Finck.

Die Inflation dürfte ihren Scheitelpunkt hinter sich lassen, insbesondere in den USA, wo sie sich von einem hohen Niveau aus weiter abschwäche; die Notenbanken würden wohl, angeführt von der FED, bei der Anhebung ihrer Leitzinssätze eine Pause einlegen würden; und der Asien-Pazifik-Raum sollte auf breiter Front von der anhaltenden Wachstumserholung in China getragen werden. In der Eurozone dürfte die EZB, die später ihren Leitzinsanhebungszyklus als ihr US-Pendant eingeleitet habe, allerdings angesichts des anhaltenden Inflationsdrucks noch weitere Zinsschritte nach oben beschließen.

Das seien die zentralen Einschätzungen von Robert Greil, Leiter Investment & Client Solutions bei Merck Finck und deren Muttergesellschaft Quintet, in ihrem Ausblick für die Weltwirtschaft, die Finanzmärkte und die wichtigsten Anlageklassen zum Halbjahr 2023.

"Vom Hoch bei 9,1% Mitte des letzten Jahres ist die US-Inflation mittlerweile auf unter 5% gesunken und bewegt sich weiter nach unten", so Greil. "Dieser Rückgang vom Inflationsgipfel verleiht der US-Notenbank die Möglichkeit, bei ihrer im März 2022 begonnenen Politik der aggressiven Zinsanhebungen eine Pause einzulegen. Allerdings erwarten wir erste Leitzinssenkungen im Jahr 2024."

Auch wenn die Inflation in Europa noch immer hoch sei, dürfte sie sich dem Chefstrategen von Merck Finck zufolge in den kommenden Monaten weiter abschwächen. Er erwarte aus diesem Grund, dass die Europäische Zentralbank und die Bank of England zu einem späteren Zeitpunkt dieses Jahres bei ihren Anhebungszyklen eine Pause einlegen und der FED letztlich folgen würden.

"Generell sind die westlichen Volkswirtschaften mit strafferen Finanzierungsbedingungen und somit Belastungen für die Wachstumstrends konfrontiert", sage Greil. "Im Osten ist hingegen oft eine Konjunkturerholung zu beobachten. Insbesondere in China und Japan gibt es mehr Spielraum für eine anhaltende Erholung. In Kombination dürften diese Trends zu einer Wachstumsdivergenz und zur Entstehung asynchroner Marktzyklen führen."

Da die Inflation ihren Scheitelpunkt erreicht habe, die Leitzinsanhebungen ausgesetzt werden dürften und sich das Wachstum abschwäche, würden die Märkte für hochwertige Anleihen attraktiv erscheinen, denn laut Greil würden sie unter solchen Bedingungen tendenziell besser abschneiden als Aktien, wie die Vergangenheit zeige. "In einer Zeit, in der US-Staatsanleihen mit sechs Monaten Laufzeit etwa die gleiche Gewinnrendite aufweisen wie der S&P 500, erscheint das Risiko-Rendite-Profil von Aktien im Vergleich zu Anleihen hoher Qualität ungünstig."

Für den Rentenbereich erwarte der Chefstratege von Merck Finck, dass europäische Investmentgrade-Anleihen unter Druck geraten würden, da die EZB und auch die Bank of England ihre Leitzinssätze zumindest auf kurze Sicht weiter anheben dürften. Staatsanleihen und Investmentgrade-Anleihen aus den USA würden hingegen vergleichsweise attraktiv erscheinen, weil die FED ihre Zinsanhebungen beenden dürfte. In Bezug auf US-Hochzinsanleihen bleibe Greil in Anbetracht der Erwartungen, dass die Risikoaufschläge sich infolge strengerer Kreditvergabekriterien, höherer Ausfallquoten und einer schwächeren Wirtschaftslage ausweiten würden, jedoch vorsichtig.

Im Hinblick auf Aktien sage Greil: "Die von uns erwartete spätzyklische Volatilität begrenzt das Aufwärtspotenzial bei der Wertentwicklung von Aktien. Aus diesem Grund ist nach unserer Überzeugung nicht die Zeit, um in den Portfolios wieder mehr Risiko einzugehen." Darüber hinaus seien laut Greil defensivere Aktien mit niedriger Volatilität vergleichsweise attraktiv, denn sie könnten das Abwärtsrisiko mindern und das Aufwärtspotenzial zumindest teilweise mitnehmen.

Dies gelte grundsätzlich für Aktien der Eurozone, die nach Greils Überzeugung gegenwärtig etwa angemessen bewertet seien. "Wenn es zu einem Anstieg der Volatilität oder einem Abschwung kommt, dürfte sich eine gute Mischung aus Aktien der Eurozone und defensiven Märkten wie zum Beispiel der Schweiz in Verbindung mit einem größeren Engagement in defensiven Sektoren wie zum Beispiel Gesundheit und dem Basiskonsum besser als der Markt entwickeln."

Er betone zudem, dass die Aktienmärkte im Fernen Osten im Vergleich zum teureren US-Markt attraktiv bewertet seien. "In Asien ist die Inflation oft niedrig und die Erholung der chinesischen Wirtschaft nach der Covid-19-Pandemie schreitet voran. Aktien aus dem Asien-Pazifik-Raum erscheinen attraktiv bewertet und bieten ein regionales Engagement in den starken nachpandemischen Trends der Wiederöffnung. Insbesondere japanische Aktien sind aus Sicht der Bewertungen reizvoll und werden durch eine robuste Profitabilität der Unternehmen, das wieder dynamischere Wirtschaftswachstum, eine lockerere Geldpolitik und infolge struktureller Reformen gestützt."

Beim Währungsausblick erwarte der Chefstratege von Merck Finck für den Rest des Jahres keine signifikanten Änderungen. "Da der US-Dollar gegenwärtig überbewertet erscheint, könnte die erwartete Pause bei den Zinsanhebungen der FED zu einem wieder etwas schwächeren US-Dollar führen", so Greil. "Wenn die FED pausiert, dürfte sich die Differenz bei den realen Zinssätzen zwischen den USA einerseits und der Eurozone und dem Vereinigten Königreich andererseits verringern. Wir erwarten daher, dass der Euro und das Pfund Sterling gegenüber dem US-Dollar aufwerten, wenn auch in Anbetracht des schwachen Binnenwachstums nur moderat. Gold hingegen dient indes weiterhin als wertvolle strategische Absicherung im Portfolio." (14.06.2023/ac/a/m)





 
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