Grüne Aktien hängen dem Markt hinterher - Zu Recht?
01.09.22 16:04
Merck Finck
München (www.aktiencheck.de) - Würde man sich nur die Entwicklung der Aktienmärkte in diesem und im letzten Jahr anschauen, könnte man auf die Idee kommen, bei der Geldanlage sei das "grüne" Zeitalter schon vorbei, bevor es richtig angefangen habe, so Robin Beugels, Leiter Investment Management bei Merck Finck a Quintet Private Bank.
Schließlich seien es bislang die Unternehmen aus dem Bereich fossile Energie gewesen, die alle anderen Sektoren übertroffen hätten. Nahezu 43,60 Prozent habe der Vorsprung des MSCI ACWI Oil Gas & Consumable Fuels Index gegenüber dem breiten MSCI ACWI per Ende Juli betragen, im gesamten Vorjahr seien es 15,9 Prozent gewesen.
Es sei eine Reihe von Faktoren gewesen, die die Nachfrage nach den Aktien von klassischen Energieerzeugern zulasten von Erneuerbaren getrieben habe: die allgemeine Rotation am Markt, weg von Wachstums- hin zu Substanzaktien; der starke Verbrauch an fossilen Brennstoffen nach dem Ende der Lockdowns, der auf ein knappes Angebot getroffen sei; der Druck auf die Margen im Bereich saubere Technologien (CleanTech). Aus durchaus verständlichen Gründen konzentriere sich der Markt seit Februar diesen Jahres darauf, den durch den Angriff Russlands auf die Ukraine verstärkten Angebotsschocks zu verarbeiten und den akuten Bedarf an fossilen Brennstoffen zu sichern.
Doch diese kurzfristige Betrachtung führe in die Irre. Vielmehr sollte uns gerade die durch den Krieg in der Ukraine verschärfte Energiekrise vor Augen führen, dass wir unabhängiger werden müssten von Russland im Besonderen - und fossilen Brennstoffen im Allgemeinen. Übergeordnete Ziele wie die Bekämpfung des Klimawandels würden dauerhaft höhere Investitionen in den Bereichen saubere Energie und nachhaltige Lösungen erfordern. Ein langfristiges Wiedererstarken fossiler Brennstoffe halte Beugels deshalb für sehr unwahrscheinlich. Im Gegenteil: Wenn die Nachwirkungen des Kriegs irgendwann abklingen würden, dürfte die Euphorie in Bezug auf fossile Brennstoffe wieder nachlassen.
Schon jetzt zeige sich bei einem Blick auf längere Zeiträume, dass die Investoren diese Botschaft verstanden hätten. Saubere Energie und nachhaltige Lösungen könnten sich über viele Jahre hinweg einer soliden Investitionskurve erfreuen. Sowohl Wasserstoff als auch saubere Energie würden sich langsam von den Tiefstständen erholen und würden seit Beginn des Kriegs zu den Themen mit der besten Performance gehören. Und auf das ganze letzte Jahrzehnt gesehen hätten Aktien aus dem Bereich fossile Brennstoffe schlechter abgeschnitten als die breiteren Märkte; CleanTech-Aktien hingegen besser. Seit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens im Jahr 2015 habe zum Beispiel der iShares Global Clean Energy ETF um 17,5 Prozent besser performt als der breite Markt.
In diesem Jahrzehnt könnte die Divergenz zwischen fossilen Brennstoffen und CleanTech sogar noch deutlicher ausfallen. Die rasant fortschreitende Entwicklung bei erneuerbaren Energien, Elektrofahrzeugen, Batterien, Wasserstoff sowie Energieeffizienz und -transport könnten in Kombination eine enorme Wirkung entfalten. Langfristig orientierte Anleger sollten also in ein breites Spektrum von Technologien für die Energiewende investieren. Denn die Fokussierung auf einzelne Technologien wie etwa Grüner Wasserstoff, die sich noch in einer frühen Entwicklungsphase befinden würden, setze Privatanleger vermutlich - im Vergleich zu etablierteren Themen - vorerst hohen Schwankungen aus. Und fossile Brennstoffe mögen zwar kurzfristig resilient aussehen, seien langfristig jedoch weiterhin den Risiken der großen strukturellen Veränderungen ausgesetzt. (01.09.2022/ac/a/m)
Schließlich seien es bislang die Unternehmen aus dem Bereich fossile Energie gewesen, die alle anderen Sektoren übertroffen hätten. Nahezu 43,60 Prozent habe der Vorsprung des MSCI ACWI Oil Gas & Consumable Fuels Index gegenüber dem breiten MSCI ACWI per Ende Juli betragen, im gesamten Vorjahr seien es 15,9 Prozent gewesen.
Doch diese kurzfristige Betrachtung führe in die Irre. Vielmehr sollte uns gerade die durch den Krieg in der Ukraine verschärfte Energiekrise vor Augen führen, dass wir unabhängiger werden müssten von Russland im Besonderen - und fossilen Brennstoffen im Allgemeinen. Übergeordnete Ziele wie die Bekämpfung des Klimawandels würden dauerhaft höhere Investitionen in den Bereichen saubere Energie und nachhaltige Lösungen erfordern. Ein langfristiges Wiedererstarken fossiler Brennstoffe halte Beugels deshalb für sehr unwahrscheinlich. Im Gegenteil: Wenn die Nachwirkungen des Kriegs irgendwann abklingen würden, dürfte die Euphorie in Bezug auf fossile Brennstoffe wieder nachlassen.
Schon jetzt zeige sich bei einem Blick auf längere Zeiträume, dass die Investoren diese Botschaft verstanden hätten. Saubere Energie und nachhaltige Lösungen könnten sich über viele Jahre hinweg einer soliden Investitionskurve erfreuen. Sowohl Wasserstoff als auch saubere Energie würden sich langsam von den Tiefstständen erholen und würden seit Beginn des Kriegs zu den Themen mit der besten Performance gehören. Und auf das ganze letzte Jahrzehnt gesehen hätten Aktien aus dem Bereich fossile Brennstoffe schlechter abgeschnitten als die breiteren Märkte; CleanTech-Aktien hingegen besser. Seit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens im Jahr 2015 habe zum Beispiel der iShares Global Clean Energy ETF um 17,5 Prozent besser performt als der breite Markt.
In diesem Jahrzehnt könnte die Divergenz zwischen fossilen Brennstoffen und CleanTech sogar noch deutlicher ausfallen. Die rasant fortschreitende Entwicklung bei erneuerbaren Energien, Elektrofahrzeugen, Batterien, Wasserstoff sowie Energieeffizienz und -transport könnten in Kombination eine enorme Wirkung entfalten. Langfristig orientierte Anleger sollten also in ein breites Spektrum von Technologien für die Energiewende investieren. Denn die Fokussierung auf einzelne Technologien wie etwa Grüner Wasserstoff, die sich noch in einer frühen Entwicklungsphase befinden würden, setze Privatanleger vermutlich - im Vergleich zu etablierteren Themen - vorerst hohen Schwankungen aus. Und fossile Brennstoffe mögen zwar kurzfristig resilient aussehen, seien langfristig jedoch weiterhin den Risiken der großen strukturellen Veränderungen ausgesetzt. (01.09.2022/ac/a/m)
