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Fr, 17. April 2026, 18:03 Uhr

Die Gewinnwarnung von SAP als Fanal für die Berichtssaison?


29.10.20 15:42
Merck Finck Privatbankiers

München (www.aktiencheck.de) - Bisher galten Unternehmen aus dem Bereich Informationstechnologie als Krisengewinner der Covid-19-Pandemie, so Marc Decker, Head of Asset Management bei Merck Finck Privatbankiers.

Die jüngste Gewinnwarnung habe jedoch den deutschen Vorzeige-Konzern SAP (ISIN: DE0007164600, WKN: 716460, Ticker-Symbol: SAP, Nasdaq OTC-Symbol: SAPGF) einen Tagesverlust von -22 Prozent gekostet und angesichts der hohen Gewichtung im DAX (ISIN: DE0008469008, WKN: 846900) (von fast 10 Prozent) den deutschen Leitindex um über 200 Punkte nach unten gedrückt. Ein Warnsignal für die bevorstehende Saison der Quartalsberichte, in der bisher nur einige wenige Unternehmen aus dem DAX ihre Zahlen vorgelegt hätten?

Im europäischen Aktienmarkt hätten zumindest trotz - absolut gesehen - schlechter Zahlen bislang die relativen Überraschungen bei den Unternehmensgewinnen für deutliche Kursgewinne gesorgt. Von den zyklischen Sektoren Energie, Industrie und Grundstoffe hätten die Anleger angesichts der Corona-Krise auch wenig erwartet.

Anders jedoch im Technologiesektor. Die starken Kursanstiege und Bewertungsausweitungen der Technologiekonzerne würden eine Resistenz gegen die globale Wirtschaftskrise vermuten lassen. Durch die hohen und robusten Gewinne würden Investoren den Technologiekonzernen immer höhere Bewertungsprämien zugestehen - ähnlich wie früher bei Pharmaunternehmen wie Roche (ISIN: CH0012032113, WKN: 851311, Ticker-Symbol: RHO, SIX Swiss Ex: RO, Nasdaq OTC-Symbol: RHHBF) oder Basiskonsumgüterkonzernen wie Nestlé (ISIN: CH0038863350, WKN: A0Q4DC, Ticker-Symbol: NESR, SIX Swiss Ex: NESN, Nasdaq OTC-Symbol: NSRGF). Und immer weiter dynamisch steigende Gewinne schienen diese Prämien auch zu rechtfertigen.

Doch nun sei den Anlegern die Illusion genommen worden, dass sich Unternehmen, die Kunden in allen Teilen der Wirtschaft hätten, von den Entwicklungen der globalen Weltwirtschaftskrise lösen könnten. SAP verdiene sein Geld unter anderem mit dem Lizenzgeschäft von Software. Diese Software müsse allerdings auch teils aufwendig beim Kunden implementiert werden. Je länger die Covid-19-Pandemie die globale Wirtschaft und den Berufsalltag beeinträchtige, desto stärker würden auch in diesem Geschäft Auswirkungen in Erscheinung treten. Nicht zuletzt würden auch die IT-Budgets bei vielen Unternehmen in Krisenzeiten rigoros zusammengestrichen werden. So erkläre sich der schwache Ausblick bei Deutschlands größtem börsengehandelten Konzern, der einen Hauch Silicon Valley ins sonst stark durch die Industrie und den Mittelstand geprägte Deutschland bringe - aber auch das riesige Enttäuschungspotenzial bei Nichterfüllen der hohen Erwartungen.

Umso mehr, als es bis zuletzt so ausgesehen habe, als könnten wir dank der Maßnahmenpakete der Notenbanken und Regierungen die globale Wirtschaftskrise innerhalb von wenigen Quartalen hinter uns lassen. Doch nun komme es für die bevorstehende Berichtssaison vor allem darauf an, je nach Sektor zu differenzieren. Nach wie vor gebe es Sektoren, in denen über mehrere Quartale hinweg die Auswirkungen der Pandemie wenig ausgeprägt seien. So beispielsweise im Bereich Healthcare und Consumer Staples. Aber je länger die Pandemie andauere, desto stärker werde sie auf alle Wirtschaftsbereiche durchschlagen. Die einzige Lösung, sie in den Griff zu bekommen, scheine derzeit ein flächendeckend verfügbarer Impfstoff zu sein. Bis dahin werde die globale Wirtschaft weiter belastet, was am Ende zu Kaufkraftverlust und Wohlstandsverlust führe und alle Unternehmen treffe.

Weil viele Unternehmen selber die vor ihnen liegenden Quartale noch nicht richtig einschätzen könnten, stünden auch die Prognosen der Analysten auf wackligen Beinen. Das mache sie anfällig für Enttäuschungen, sodass es im Zuge der vor uns liegenden Berichtssaison noch zu deutlichen Ausschlägen kommen könne. Langfristig jedoch würden die Merck Finck Privatbankiers dank der umfangreichen - und vielleicht sogar überdimensionierten - Maßnahmenpakete der Notenbanken und Regierungen die Aussichten für die Unternehmen im DAX für sehr positiv halten. (29.10.2020/ac/a/m)




 
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