Geringes Risiko einer erneuten Gaskrise im nächsten Winter
19.07.23 10:10
Merck Finck
München (www.aktiencheck.de) - Entgegen aller Befürchtungen ist es im vergangenen Jahr in Deutschland gelungen, Engpässe in der Gasversorgung zu vermeiden, so Robert Greil, Chefstratege bei Merck Finck a Quintet Private Bank.
Nicht zuletzt durch den teils drastischen Preisanstieg, aber auch begünstigt vom milden Winter, habe sich die Gasnachfrage in Europa gegenüber dem Jahr 2021 um 11 Prozent reduziert.
Gelinge es auch dieses Jahr, die Gasversorgung durchgehend sicherzustellen? Nachfrageseitig scheine die Industrie nach ihren Einsparungen im Vorjahr, abgesehen von Effekten der laufenden Konjunkturabschwächung, an Grenzen zu stoßen: Laut der "McKinsey Energy Insights European Gas Buyers Survey" würden 57 Prozent des verarbeitenden deutschen Gewerbes sagen, dass sie nicht in der Lage sein würden, den Gasverbrauch weiter zu senken und gleichzeitig die Produktion in den nächsten zwei Jahren aufrechtzuerhalten.
Trotzdem würden die Experten glauben, dass es gute Gründe dafür gebe, dem nächsten Winter entspannt entgegen zu sehen:
- Das Sparverhalten gerade auch auf Seiten der privaten Haushalte sei gelernt und dürfte weitgehend anhalten.
- Auf Basis der heute in Deutschland zu 84 Prozent gefüllten Gasspeicher (2022 seien es zu dieser Zeit erst 65 Prozent gewesen) würden weitgehend volle Gasspeicher bis zum Anfang der kalten Jahreszeit realistisch erscheinen.
- Grundsätzlich hätten die aus Russland ausgefallenen Gasmengen primär durch Gasimporte - allen voran aus Norwegen, Algerien, Großbritannien, Belgien und den Niederlanden - sowie durch Flüssiggaslieferungen insbesondere aus den USA gut ausgeglichen werden können.
Zwar könne ein erneut stärkerer Anstieg des sehr volatilen europäischen Gas-Benchmarkpreises TTF (in der Spitze im Sommer 2022 über 300 Euro/MWh und heute wieder deutlich unter 30 Euro/MWh) nicht ausgeschlossen werden, allerdings sollten die Schwankungen wesentlich geringer ausfallen. Unter dem Strich gebe es damit heute keinen Grund für eine erneute "Gaspreispanik" oder Ähnliches - allerdings sollte die Entwicklung genau beobachtet werden. Denn selbst wenn es gelingen sollte, die Gasnachfrage noch einmal etwas zu reduzieren, werde das Gleichgewicht am Markt auch von Faktoren wie dem Wetter oder der Stabilität der LNG-Importe abhängen.
Ein besonders kalter Winter bleibe - gerade wenn die Gasspeicher dann geringer als heute zu erwarten gefüllt sein sollten - ein Risiko. Und die Versorgung mit Flüssiggas hänge auch davon ab, wie sich die Nachfrage in Asien entwickeln werde. Deshalb gelte es, den Gasmarkt genau im Auge zu behalten. (19.07.2023/ac/a/m)
Nicht zuletzt durch den teils drastischen Preisanstieg, aber auch begünstigt vom milden Winter, habe sich die Gasnachfrage in Europa gegenüber dem Jahr 2021 um 11 Prozent reduziert.
Gelinge es auch dieses Jahr, die Gasversorgung durchgehend sicherzustellen? Nachfrageseitig scheine die Industrie nach ihren Einsparungen im Vorjahr, abgesehen von Effekten der laufenden Konjunkturabschwächung, an Grenzen zu stoßen: Laut der "McKinsey Energy Insights European Gas Buyers Survey" würden 57 Prozent des verarbeitenden deutschen Gewerbes sagen, dass sie nicht in der Lage sein würden, den Gasverbrauch weiter zu senken und gleichzeitig die Produktion in den nächsten zwei Jahren aufrechtzuerhalten.
Trotzdem würden die Experten glauben, dass es gute Gründe dafür gebe, dem nächsten Winter entspannt entgegen zu sehen:
- Auf Basis der heute in Deutschland zu 84 Prozent gefüllten Gasspeicher (2022 seien es zu dieser Zeit erst 65 Prozent gewesen) würden weitgehend volle Gasspeicher bis zum Anfang der kalten Jahreszeit realistisch erscheinen.
- Grundsätzlich hätten die aus Russland ausgefallenen Gasmengen primär durch Gasimporte - allen voran aus Norwegen, Algerien, Großbritannien, Belgien und den Niederlanden - sowie durch Flüssiggaslieferungen insbesondere aus den USA gut ausgeglichen werden können.
Zwar könne ein erneut stärkerer Anstieg des sehr volatilen europäischen Gas-Benchmarkpreises TTF (in der Spitze im Sommer 2022 über 300 Euro/MWh und heute wieder deutlich unter 30 Euro/MWh) nicht ausgeschlossen werden, allerdings sollten die Schwankungen wesentlich geringer ausfallen. Unter dem Strich gebe es damit heute keinen Grund für eine erneute "Gaspreispanik" oder Ähnliches - allerdings sollte die Entwicklung genau beobachtet werden. Denn selbst wenn es gelingen sollte, die Gasnachfrage noch einmal etwas zu reduzieren, werde das Gleichgewicht am Markt auch von Faktoren wie dem Wetter oder der Stabilität der LNG-Importe abhängen.
Ein besonders kalter Winter bleibe - gerade wenn die Gasspeicher dann geringer als heute zu erwarten gefüllt sein sollten - ein Risiko. Und die Versorgung mit Flüssiggas hänge auch davon ab, wie sich die Nachfrage in Asien entwickeln werde. Deshalb gelte es, den Gasmarkt genau im Auge zu behalten. (19.07.2023/ac/a/m)
