Europäische versus US-Bankentitel - Momentum versus Strukturelles Setup
08.02.23 14:44
Merck Finck
München (www.aktiencheck.de) - Nachdem die großen US Banken bereits im Januar ihre Quartalsergebnisse veröffentlicht hatten, befinden wir uns nun in der heißen Phase für die Berichte ihrer europäischen Pendants, so Marc Decker, Stellvertretender Leiter Aktien bei Quintet Private Bank, Muttergesellschaft von Merck Finck.
Fast die Hälfte der im STOXX 600 Europe (ISIN: EU0009658202, WKN: 965820) gelisteten europäischen Finanzinstitute habe seine Ergebnisse veröffentlicht; ganz aktuell die französischen Großbanken BNP Paribas (ISIN: FR0000131104, WKN: 887771, Ticker-Symbol: BNP, Euronext Paris-Symbol: BNP) und Société Générale (ISIN: FR0000130809, WKN: 873403, Ticker-Symbol: SGE, EN Paris: GLE, Nasdaq OTC-Symbol: SCGLF) und morgen die norwegische DNB (ISIN: NO0010161896, WKN: A2QG6Z, Ticker-Symbol: D1NC).
In einer ersten Zwischenbilanz sehe man, dass fast 80 Prozent von ihnen teils deutlich die jeweiligen Gewinnschätzungen übertroffen hätten - im Schnitt um circa 21%. Zudem hätten auch fast zwei Drittel der Institute mit einem im Schnitt um fünf Prozent höheren Gewinn überrascht. Fast unisono hätten die Finanzinstitute eine deutliche Verbesserung ihres Nettozinsergebnisses vermelden können.
Diese Zahlen würden deutlich besser aussehen als die der US-Finanzinstitute. Dort hätten bisher fast 90% der Institute berichtet und knapp 60% von ihnen hätten die Gewinnerwartungen übertreffen können; im Schnitt aber nur um circa 1,4%. Ihren tatsächlichen Gewinn hätten nur gut die Hälfte der Institute gesteigert. Im Aggregat seien die Gewinne sogar im Schnitt um circa 14% zurückgegangen. Für das nächste Quartal hätten sich die Schätzungen für das Gewinnwachstum deutlich eingetrübt - ganz im Gegensatz zu europäischen Banken.
Mache dies nun die europäischen Geldhäuser für Investoren wieder relativ attraktiver?
Zum einen müsse festgehalten werden, dass der Zinsanstieg dies- und jenseits des Atlantiks den Finanzinstituten massiv bei der Rückgewinnung von Ertragskraft geholfen habe. Dies habe bereits die sehr positive Kursentwicklung des breiten europäischen Bankenindex (Bloomberg 500 Banks and Financial Services Index) von circa +35% seit den Tiefstständen im Oktober 2022 reflektiert - im Vergleich zum breiten europäischen Aktienmarkt mit circa +19%, aber auch gegenüber ihren US-amerikanischen Pendants. Zum anderen hätten die steigenden Inflationsdaten im letzten Jahr die Bankentitel unterstützt, da hier eine davon abgeleitete bzw. vorgezogene Kreditnachfrage die Ergebnisse unterstützt habe.
Die zunehmenden Diskussionen über ein in Sicht kommendes Ende des Zinserhöhungszyklus als auch der zunehmende Wettbewerb der Banken um Kundeneinlagen könnten wieder zu einem Abflauen des Wachstums bei den Nettozinsergebnissen führen. Aber so einfach sei dieser Zusammenhang nicht herzustellen. Das Zinsergebnis entwickele sich typischerweise nachlaufend, da sich erst mit der Zeit Kredite und Investments an das entsprechende Zinsniveau angleichen würden. Es scheine, als würden die Marktteilnehmer diese Entwicklung nicht vollständig in ihre Bewertungen einkalkulieren.
Der Hauptrisikofaktor für den Bankensektor bestehe eher in der Ausprägung der erwarteten Rezession. Je nach Heftigkeit und Dauer würden nämlich die Kreditausfallraten steigen und damit zu Ertragseinbußen führen. Zumindest was die Ausleihungen an private Haushalte betreffe, befürchte Merck Finck jedoch derzeit kein Hochschnellen von Kreditausfallraten. Sowohl die Bilanzen der Privathaushalte als auch die Arbeitsmärkte würden weiterhin robust erscheinen. Zudem würden gerade europäische Institute über Puffer aus bisher nicht aufgelösten Rückstellungen im Rahmen der Covid-Krise verfügen. Einen weiteren Risikofaktor stelle das Erlahmen des Immobiliensektors mit dem entsprechenden Rückgang von Neukreditabschlüssen und steigenden Ausfallraten dar.
Im Vergleich zum US-amerikanischen Bankensektor erscheine uns also der europäische Bankensektor günstiger bewertet: Er bewege sich nach wie vor unterhalb seines langfristigen Bewertungsniveaus und werde von einem derzeit dynamischeren Momentum beflügelt. Gerade die positiven Effekte auf die Nettozinserträge sollten hier weiterhin zum Tragen kommen. Allerdings: Aufgrund der Fragmentierung und lokalen Besonderheiten stelle sich die Auswahl von den richtigen Bankentiteln in Europa als nicht trivial dar. Allerdings halte Merck Finck den US-Bankensektor nach wie vor strukturell besser aufgestellt - wenn auch relativ hoch bewertet. (08.02.2023/ac/a/m)
Fast die Hälfte der im STOXX 600 Europe (ISIN: EU0009658202, WKN: 965820) gelisteten europäischen Finanzinstitute habe seine Ergebnisse veröffentlicht; ganz aktuell die französischen Großbanken BNP Paribas (ISIN: FR0000131104, WKN: 887771, Ticker-Symbol: BNP, Euronext Paris-Symbol: BNP) und Société Générale (ISIN: FR0000130809, WKN: 873403, Ticker-Symbol: SGE, EN Paris: GLE, Nasdaq OTC-Symbol: SCGLF) und morgen die norwegische DNB (ISIN: NO0010161896, WKN: A2QG6Z, Ticker-Symbol: D1NC).
In einer ersten Zwischenbilanz sehe man, dass fast 80 Prozent von ihnen teils deutlich die jeweiligen Gewinnschätzungen übertroffen hätten - im Schnitt um circa 21%. Zudem hätten auch fast zwei Drittel der Institute mit einem im Schnitt um fünf Prozent höheren Gewinn überrascht. Fast unisono hätten die Finanzinstitute eine deutliche Verbesserung ihres Nettozinsergebnisses vermelden können.
Diese Zahlen würden deutlich besser aussehen als die der US-Finanzinstitute. Dort hätten bisher fast 90% der Institute berichtet und knapp 60% von ihnen hätten die Gewinnerwartungen übertreffen können; im Schnitt aber nur um circa 1,4%. Ihren tatsächlichen Gewinn hätten nur gut die Hälfte der Institute gesteigert. Im Aggregat seien die Gewinne sogar im Schnitt um circa 14% zurückgegangen. Für das nächste Quartal hätten sich die Schätzungen für das Gewinnwachstum deutlich eingetrübt - ganz im Gegensatz zu europäischen Banken.
Zum einen müsse festgehalten werden, dass der Zinsanstieg dies- und jenseits des Atlantiks den Finanzinstituten massiv bei der Rückgewinnung von Ertragskraft geholfen habe. Dies habe bereits die sehr positive Kursentwicklung des breiten europäischen Bankenindex (Bloomberg 500 Banks and Financial Services Index) von circa +35% seit den Tiefstständen im Oktober 2022 reflektiert - im Vergleich zum breiten europäischen Aktienmarkt mit circa +19%, aber auch gegenüber ihren US-amerikanischen Pendants. Zum anderen hätten die steigenden Inflationsdaten im letzten Jahr die Bankentitel unterstützt, da hier eine davon abgeleitete bzw. vorgezogene Kreditnachfrage die Ergebnisse unterstützt habe.
Die zunehmenden Diskussionen über ein in Sicht kommendes Ende des Zinserhöhungszyklus als auch der zunehmende Wettbewerb der Banken um Kundeneinlagen könnten wieder zu einem Abflauen des Wachstums bei den Nettozinsergebnissen führen. Aber so einfach sei dieser Zusammenhang nicht herzustellen. Das Zinsergebnis entwickele sich typischerweise nachlaufend, da sich erst mit der Zeit Kredite und Investments an das entsprechende Zinsniveau angleichen würden. Es scheine, als würden die Marktteilnehmer diese Entwicklung nicht vollständig in ihre Bewertungen einkalkulieren.
Der Hauptrisikofaktor für den Bankensektor bestehe eher in der Ausprägung der erwarteten Rezession. Je nach Heftigkeit und Dauer würden nämlich die Kreditausfallraten steigen und damit zu Ertragseinbußen führen. Zumindest was die Ausleihungen an private Haushalte betreffe, befürchte Merck Finck jedoch derzeit kein Hochschnellen von Kreditausfallraten. Sowohl die Bilanzen der Privathaushalte als auch die Arbeitsmärkte würden weiterhin robust erscheinen. Zudem würden gerade europäische Institute über Puffer aus bisher nicht aufgelösten Rückstellungen im Rahmen der Covid-Krise verfügen. Einen weiteren Risikofaktor stelle das Erlahmen des Immobiliensektors mit dem entsprechenden Rückgang von Neukreditabschlüssen und steigenden Ausfallraten dar.
Im Vergleich zum US-amerikanischen Bankensektor erscheine uns also der europäische Bankensektor günstiger bewertet: Er bewege sich nach wie vor unterhalb seines langfristigen Bewertungsniveaus und werde von einem derzeit dynamischeren Momentum beflügelt. Gerade die positiven Effekte auf die Nettozinserträge sollten hier weiterhin zum Tragen kommen. Allerdings: Aufgrund der Fragmentierung und lokalen Besonderheiten stelle sich die Auswahl von den richtigen Bankentiteln in Europa als nicht trivial dar. Allerdings halte Merck Finck den US-Bankensektor nach wie vor strukturell besser aufgestellt - wenn auch relativ hoch bewertet. (08.02.2023/ac/a/m)
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