Die Energiewende wird an Fahrt gewinnen
09.03.22 12:50
Merck Finck
München (www.aktiencheck.de) - Die Bundesregierung setzt weiterhin auf Energieimporte aus Russland, so Robert Greil, Chefstratege der Merck Finck A Quintet Private Bank und Pinaki Das, Head of Thematic Research der Quintet Private Bank.
Aus ökonomischer Sicht sei das nachvollziehbar. Denn kurzfristig würden weder Deutschland noch Europa vollständig auf fossile Energieträger aus Russland verzichten können. Politisch allerdings werde sich Europa die Abhängigkeit von Moskau nicht dauerhaft leisten können. Dies sei allen Beteiligten klar. Vor diesem Hintergrund spreche viel dafür, dass die Bemühungen der EU-Staaten, alternative Energiequellen auszubauen, künftig noch stärker forciert würden.
Sicherlich werde nun auch darüber diskutiert werden, im Sinne einer pragmatischen Lösung übergangsweise in gewissem Rahmen wieder auf Energieträger wie Gas, Kohle oder Atomkraft zu setzen. Dies könne jedoch nur eine Zwischenlösung sein. Am forcierten Ausbau alternativer Energien führe kein Weg vorbei. Alles andere wäre sicherheitspolitisch, energiepolitisch und klimapolitisch nicht zu vermitteln.
Ähnlich entschlossen habe Europa schon einmal gewirkt. Als nach dem Ölembargo von 1973 der Ölpreis in weniger als sechs Monaten um 300 Prozent angestiegen sei, sei der Ruf nach Energieunabhängigkeit laut geworden. Es habe sich aber damals im Grunde nicht viel verändert. Dieses Mal jedoch sei die Situation eine andere. Denn der Weg in die Energiewende und damit zur mehr Autarkie sei seit Jahren bereits geebnet und organisiert. Vor allem aber habe es in den 1970er-Jahren noch keine Technologien gegeben, die den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen hätten möglich machen können. Heute sei das anders. Die notwendigen Technologien stünden vielfach bereits zur Verfügung, andere würden sich in der Entwicklung befinden. In den nächsten Jahren könne der Aufbau einer neuen Infrastruktur für den Import von Flüssiggas und die Wiederaufnahme der Gasspeicherung dafür sorgen, den Druck zu mindern und die Risiken für die Energiesicherung zu verringern. Deutschland habe bereits angekündigt, neue LNG-Terminals zu bauen, und die EU wolle ihre Kapazitäten zur Gasspeicherung vor dem nächsten Winter verdoppeln.
In der EU gebe es bereits ehrgeizige Pläne für einen Umstieg auf saubere Energie. Dazu gehöre, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Der Wandel beim Stromerzeugungs-Mix schreite bereits zügig voran. Bis Ende dieses Jahrzehnts könnte die EU potenziell etwa 85% ihrer Elektrizität aus kohlenstofffreien Ressourcen beziehen - im Jahr 2020 seien es lediglich 60% gewesen. In anderen Bereichen, wie der Wärmeversorgung, dem Transportwesen und dem Chemiesektor, gebe es jedoch noch einiges zu tun.
Einige Szenarien würden davon ausgehen, dass Europa seine Abhängigkeit von Russland bis zum Jahr 2030 erheblich reduzieren könnte, indem es, angetrieben von Offshore-Windanlagen, Wasserstoff und Elektrofahrzeugen, auf lokal erzeugte saubere Energie umsteige. Um die Abhängigkeit von Ölimporten zu verringern, könnte das Transportwesen bis dahin elektrifiziert werden oder man steige mit sehr viel größerer Entschlossenheit auf grünen Wasserstoff um. Die Wärmeversorgung könnte auf einen Mix aus Elektrizität und grünem Wasserstoff umgestellt werden, der wiederum lokal aus erneuerbarer Energie bezogen werde. Technologien wie Verbundnetze, Energiespeicherung, intelligente Netze und eine dezentrale Energieerzeugung könnten den Umstieg auf saubere Energie in Europa weiter begünstigen.
Mehr denn je werde dazu in Europa das Geld privater Investoren erforderlich sein. Für sie sei der Markt für Energieinfrastruktur immer schon interessant gewesen. Er dürfte jetzt an Attraktivität noch zunehmen. (09.03.2022/ac/a/m)
Aus ökonomischer Sicht sei das nachvollziehbar. Denn kurzfristig würden weder Deutschland noch Europa vollständig auf fossile Energieträger aus Russland verzichten können. Politisch allerdings werde sich Europa die Abhängigkeit von Moskau nicht dauerhaft leisten können. Dies sei allen Beteiligten klar. Vor diesem Hintergrund spreche viel dafür, dass die Bemühungen der EU-Staaten, alternative Energiequellen auszubauen, künftig noch stärker forciert würden.
Sicherlich werde nun auch darüber diskutiert werden, im Sinne einer pragmatischen Lösung übergangsweise in gewissem Rahmen wieder auf Energieträger wie Gas, Kohle oder Atomkraft zu setzen. Dies könne jedoch nur eine Zwischenlösung sein. Am forcierten Ausbau alternativer Energien führe kein Weg vorbei. Alles andere wäre sicherheitspolitisch, energiepolitisch und klimapolitisch nicht zu vermitteln.
In der EU gebe es bereits ehrgeizige Pläne für einen Umstieg auf saubere Energie. Dazu gehöre, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Der Wandel beim Stromerzeugungs-Mix schreite bereits zügig voran. Bis Ende dieses Jahrzehnts könnte die EU potenziell etwa 85% ihrer Elektrizität aus kohlenstofffreien Ressourcen beziehen - im Jahr 2020 seien es lediglich 60% gewesen. In anderen Bereichen, wie der Wärmeversorgung, dem Transportwesen und dem Chemiesektor, gebe es jedoch noch einiges zu tun.
Einige Szenarien würden davon ausgehen, dass Europa seine Abhängigkeit von Russland bis zum Jahr 2030 erheblich reduzieren könnte, indem es, angetrieben von Offshore-Windanlagen, Wasserstoff und Elektrofahrzeugen, auf lokal erzeugte saubere Energie umsteige. Um die Abhängigkeit von Ölimporten zu verringern, könnte das Transportwesen bis dahin elektrifiziert werden oder man steige mit sehr viel größerer Entschlossenheit auf grünen Wasserstoff um. Die Wärmeversorgung könnte auf einen Mix aus Elektrizität und grünem Wasserstoff umgestellt werden, der wiederum lokal aus erneuerbarer Energie bezogen werde. Technologien wie Verbundnetze, Energiespeicherung, intelligente Netze und eine dezentrale Energieerzeugung könnten den Umstieg auf saubere Energie in Europa weiter begünstigen.
Mehr denn je werde dazu in Europa das Geld privater Investoren erforderlich sein. Für sie sei der Markt für Energieinfrastruktur immer schon interessant gewesen. Er dürfte jetzt an Attraktivität noch zunehmen. (09.03.2022/ac/a/m)
