Brexit-Prozess: Finanzmärkte sind weitgehend vorbereitet
07.10.20 11:15
Merck Finck Privatbankiers
München (www.aktiencheck.de) - Am 15. Oktober läuft das Ultimatum ab, das der britische Premierminister Boris Johnson der EU für die Einigung auf ein Brexit-Abkommen gesetzt hat, so Robert Greil, Chefstratege bei der Merck Finck Privatbankiers AG.
Während die Gemüter der Verhandlungsparteien trotz der offensichtlichen Möglichkeit einer Verlängerung dieser Frist erhitzt seien, würden die Märkte relativ gelassen bleiben. Denn ein großer Teil des Brexit-Prozesses erscheine bereits eingepreist. Selbst ein mageres Minimalabkommen wäre für den Finanzmarkt wahrscheinlich kaum noch ein größerer Aufreger.
Für Unternehmen und Märkte bestünden zwar weiterhin Unsicherheiten über die genaue Ausgestaltung des Brexit - und das wohl auch über den 15. Oktober hinaus. Doch hätten sie inzwischen viel Zeit gehabt, sich an das Thema zu gewöhnen und mögliche Strategien zum Umgang mit den Unsicherheiten zu entwickeln. Das unterscheide den Brexit von den meisten anderen politischen Risiken: Der Brexit sei ein Prozess, kein einmaliges überraschendes Ereignis.
Die zwei realistischen Optionen, die verblieben seien, lägen auf dem Tisch: entweder ein mageres Minimalabkommen, das nur wenige Details abschließend regele - oder aber ein harter "No-Deal"-Brexit, dem dann weitere Verhandlungen über die Ausgestaltung der Beziehungen folgen würden. Aktuell sei ein mageres Abkommen, das womöglich im letzten Moment noch geschlossen werde, aus Sicht der Experten etwas wahrscheinlicher als ein No-Deal-Brexit. Die Risiken, die mit beiden Optionen verbunden seien, würden in den Märkten mindestens zu großen Teilen eingepreist zu sein erscheinen - solange es nicht zu einem vollständigen Zerwürfnis von beiden Seiten komme, mit dem Keinem gedient wäre.
Im Falle des Minimalabkommens würde die Wirtschaft in Großbritannien nach Schätzungen der Experten im kommenden Jahr immerhin noch um rund fünf Prozent wachsen. Dabei handle es sich jedoch primär um einen technischen Effekt aufgrund der vor allem corona-bedingten tiefen Rezession im laufenden Jahr. Im Falle eines ungeregelten Brexit würde die Erholung voraussichtlich nur marginal ausfallen. Einem ernsten Einbruch würde wohl die Bank of England mit einer weiteren Leitzinssenkung auf null Prozent und einer erneuten Ausweitung ihres Anleihekaufprogramms um 100 Milliarden Pfund gegensteuern.
In dieser Hinsicht habe es sogar Vorteile, dass der Brexit in die Zeit der Covid19- Pandemie falle: Zentralbanken und Regierungen hätten schon massiv Geld in die Wirtschaft gepumpt - und hätten den Finger weiterhin am Abzug. Wenn es überhaupt eine günstige Zeit für den Brexit gebe, dann jetzt. (07.10.2020/ac/a/m)
Während die Gemüter der Verhandlungsparteien trotz der offensichtlichen Möglichkeit einer Verlängerung dieser Frist erhitzt seien, würden die Märkte relativ gelassen bleiben. Denn ein großer Teil des Brexit-Prozesses erscheine bereits eingepreist. Selbst ein mageres Minimalabkommen wäre für den Finanzmarkt wahrscheinlich kaum noch ein größerer Aufreger.
Die zwei realistischen Optionen, die verblieben seien, lägen auf dem Tisch: entweder ein mageres Minimalabkommen, das nur wenige Details abschließend regele - oder aber ein harter "No-Deal"-Brexit, dem dann weitere Verhandlungen über die Ausgestaltung der Beziehungen folgen würden. Aktuell sei ein mageres Abkommen, das womöglich im letzten Moment noch geschlossen werde, aus Sicht der Experten etwas wahrscheinlicher als ein No-Deal-Brexit. Die Risiken, die mit beiden Optionen verbunden seien, würden in den Märkten mindestens zu großen Teilen eingepreist zu sein erscheinen - solange es nicht zu einem vollständigen Zerwürfnis von beiden Seiten komme, mit dem Keinem gedient wäre.
Im Falle des Minimalabkommens würde die Wirtschaft in Großbritannien nach Schätzungen der Experten im kommenden Jahr immerhin noch um rund fünf Prozent wachsen. Dabei handle es sich jedoch primär um einen technischen Effekt aufgrund der vor allem corona-bedingten tiefen Rezession im laufenden Jahr. Im Falle eines ungeregelten Brexit würde die Erholung voraussichtlich nur marginal ausfallen. Einem ernsten Einbruch würde wohl die Bank of England mit einer weiteren Leitzinssenkung auf null Prozent und einer erneuten Ausweitung ihres Anleihekaufprogramms um 100 Milliarden Pfund gegensteuern.
In dieser Hinsicht habe es sogar Vorteile, dass der Brexit in die Zeit der Covid19- Pandemie falle: Zentralbanken und Regierungen hätten schon massiv Geld in die Wirtschaft gepumpt - und hätten den Finger weiterhin am Abzug. Wenn es überhaupt eine günstige Zeit für den Brexit gebe, dann jetzt. (07.10.2020/ac/a/m)
