Böse Überraschungen für Anleger in Europa?
13.10.22 15:20
Merck Finck
München (www.aktiencheck.de) - Die gerade gestartete Berichtssaison könnte einige Anleger auf den harten Boden der Realität zurückholen, so Marc Decker, Stellvertretender Leiter Aktien bei Quintet Private Bank, Muttergesellschaft von Merck Finck.
Dies gelte insbesondere für die Investoren europäischer Firmen. Die beiden vorangegangenen Berichtssaisonen hätten noch deutlich mehr positive Überraschungen bereitgehalten als zu erwarten gewesen wäre. Viele Firmen hätten die Energiekrise und die schwierige makroökonomische und geopolitische Großwetterlage besser als gedacht gemeistert. Doch nun scheine das Potenzial für positive Überraschungen weitgehend ausgereizt.
Auf den ersten Blick könnte man annehmen, die Lage sei weiter entspannt, würden doch viele Unternehmen auf Hochtouren aufgelaufene Aufträge abarbeiten und könnten vielfach sogar die Preissteigerungen aus ihrer Lieferkette an ihre Kunden weitergeben. Sogar die die Arbeitslosenquoten lägen nach wie vor auf niedrigen Niveaus. Nicht umsonst seien in den letzten vier Wochen die Schätzungen des Gewinnwachstums durch die Analysten für den europäischen Aktienmarkt (STOXX Europe 600, (ISIN: EU0009658202, WKN: 965820)) um circa sechs Prozent je Aktie angehoben worden. So hätten Analysten im Durchschnitt ein Gewinnwachstum je Aktie von 25 Prozent in Q3 gegenüber dem Vorjahreszeitraum erwartet.
Dagegen seien die Erwartungen für das Gewinnwachstum für den US-Aktienmarkt (S&P 500, (ISIN: US78378X1072, WKN: A0AET0)) nur geringfügig angehoben worden - auf sechs Prozent Gewinnwachstum je Aktie in Q3 gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ohne Berücksichtigung des Energiesektors würden diese Zahlen sogar noch negativer aussehen. Diese Diskrepanz zwischen Europa und den USA sei vor allem deswegen überraschend, da die US-Unternehmen insgesamt und gerade im Hinblick auf die Bewältigung der Energiekrise deutlich robuster aufgestellt seien als die europäischen Firmen. Merck Finck gehe davon aus, dass die Normalisierung der Gewinnschätzungen in den USA schlichtweg früher eingesetzt habe.
Diesen schmerzhaften Weg hätten die Unternehmen in Europa noch vor sich. Merck Finck halte die Erwartungen an die europäischen Unternehmen für im Durchschnitt zu hoch und deutlich zu optimistisch. Auch hier dürfte eine Normalisierung erfolgen und die Bewertungen der Unternehmen unter Druck setzen. Im Vergleich mit den USA würde der europäische Aktienmarkt dann weiter ins Hintertreffen geraten.
Trotz dieses düsteren Gesamtbilds sei auch in Europa mit einzelnen positiven Ausnahmen zu rechnen. Gerade diejenigen Unternehmen, die international ausgerichtet seien und über Preissetzungsmacht verfügen würden, könnten für überraschend hohe positive Gewinnrevisionen gut sein. Dies gelte insbesondere dann, wenn sie große Teile ihres Geschäfts in US-Dollar abwickeln würden, denn der Greenback befinde sich in einer Phase ausgeprägter Stärke.
Solche Ausnahmen würden jedoch nichts an unserer Einschätzung des europäischen Aktienmarkts insgesamt ändern: Merck Finck rechne hier mit nachlassendem Gewinnwachstum und hohem Druck auf die Margen der Unternehmen. Wenn dies nicht schon in den Q3-Zahlen zum Tragen kommet, dann spätestens im nächsten Quartal. Dies dürfte dann zu einer Neubewertung vieler Geschäftsmodelle und damit zu weiterem Druck auf die Aktienkurse führen. Gerade zyklische Sektoren sollten mit großer Vorsicht betrachtet werden.
Investoren, die vorausschauend agieren würden, sollten zudem besonderes Augenmerk auf die Ausblicke für 2023 legen, weniger auf die aktuellen Quartalszahlen. Auch im nächsten Jahr dürften Qualitätsaktien, welche sowohl über robuste Bilanzen als auch über Preissetzungsmacht verfügen würden, das Mittel der Wahl sein, um das Aktienportfolio durch die rauen Gewässer zu manövrieren. (13.10.2022/ac/a/m)
Dies gelte insbesondere für die Investoren europäischer Firmen. Die beiden vorangegangenen Berichtssaisonen hätten noch deutlich mehr positive Überraschungen bereitgehalten als zu erwarten gewesen wäre. Viele Firmen hätten die Energiekrise und die schwierige makroökonomische und geopolitische Großwetterlage besser als gedacht gemeistert. Doch nun scheine das Potenzial für positive Überraschungen weitgehend ausgereizt.
Auf den ersten Blick könnte man annehmen, die Lage sei weiter entspannt, würden doch viele Unternehmen auf Hochtouren aufgelaufene Aufträge abarbeiten und könnten vielfach sogar die Preissteigerungen aus ihrer Lieferkette an ihre Kunden weitergeben. Sogar die die Arbeitslosenquoten lägen nach wie vor auf niedrigen Niveaus. Nicht umsonst seien in den letzten vier Wochen die Schätzungen des Gewinnwachstums durch die Analysten für den europäischen Aktienmarkt (STOXX Europe 600, (ISIN: EU0009658202, WKN: 965820)) um circa sechs Prozent je Aktie angehoben worden. So hätten Analysten im Durchschnitt ein Gewinnwachstum je Aktie von 25 Prozent in Q3 gegenüber dem Vorjahreszeitraum erwartet.
Diesen schmerzhaften Weg hätten die Unternehmen in Europa noch vor sich. Merck Finck halte die Erwartungen an die europäischen Unternehmen für im Durchschnitt zu hoch und deutlich zu optimistisch. Auch hier dürfte eine Normalisierung erfolgen und die Bewertungen der Unternehmen unter Druck setzen. Im Vergleich mit den USA würde der europäische Aktienmarkt dann weiter ins Hintertreffen geraten.
Trotz dieses düsteren Gesamtbilds sei auch in Europa mit einzelnen positiven Ausnahmen zu rechnen. Gerade diejenigen Unternehmen, die international ausgerichtet seien und über Preissetzungsmacht verfügen würden, könnten für überraschend hohe positive Gewinnrevisionen gut sein. Dies gelte insbesondere dann, wenn sie große Teile ihres Geschäfts in US-Dollar abwickeln würden, denn der Greenback befinde sich in einer Phase ausgeprägter Stärke.
Solche Ausnahmen würden jedoch nichts an unserer Einschätzung des europäischen Aktienmarkts insgesamt ändern: Merck Finck rechne hier mit nachlassendem Gewinnwachstum und hohem Druck auf die Margen der Unternehmen. Wenn dies nicht schon in den Q3-Zahlen zum Tragen kommet, dann spätestens im nächsten Quartal. Dies dürfte dann zu einer Neubewertung vieler Geschäftsmodelle und damit zu weiterem Druck auf die Aktienkurse führen. Gerade zyklische Sektoren sollten mit großer Vorsicht betrachtet werden.
Investoren, die vorausschauend agieren würden, sollten zudem besonderes Augenmerk auf die Ausblicke für 2023 legen, weniger auf die aktuellen Quartalszahlen. Auch im nächsten Jahr dürften Qualitätsaktien, welche sowohl über robuste Bilanzen als auch über Preissetzungsmacht verfügen würden, das Mittel der Wahl sein, um das Aktienportfolio durch die rauen Gewässer zu manövrieren. (13.10.2022/ac/a/m)
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