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Fr, 17. April 2026, 11:29 Uhr

Zur Lage am deutschen Aktienmarkt


24.11.00 00:00
LB Schleswig-Holstein

„Crash am Neuen Markt“, „Aktienmärke im Abwärtssog“: Mit diesen oder ähnlichen Überschriften wird der Anleger dieser Tage morgens von seiner Tageszeitung begrüßt, berichten die Analysten der Landesbank Schleswig-Holstein.

Die Aktienmärkte weltweit, allen voran aber der Neue Markt der Frankfurter Wertpapierbörse, würden sich wieder einmal in aller Munde befinden. Im Gegensatz zum Frühjahr, als die Zeitungen fast jeden Tag neue Rekordstände zu vermelden hatten, schlage das Pendel jetzt in die andere Richtung. Der Nemax 50, Index der 50 größten Unternehmen am Neuen Markt, habe mit 3.116 Punkten zuletzt den tiefsten Stand seit seiner Gründung ausgewiesen. Der Index befinde sich damit rund 70% unter seinem Höchststand vom März diesen Jahres. Der Kursrutsch gehe bei weitem über das hinaus, was von den meisten Experten und Analysten als „gesunde“ Korrektur gefordert und erwartet worden sei.

Vor dem Hintergrund der Entwicklung sei sogar das erfolgreiche Börsendebüt der Deutsche Post World Net verblasst. Nach einem Ausgabepreis von 21 EUR sei das Papier in den Folgetagen um gute 10% auf über 23 EUR geklettert. Die Gründe für die schlechte Performance an den Märkten seien vielfältig. Aus Sicht der Analysten seien hier jedoch zuerst die teilweise abgehobenen Erwartungen an die Entwicklung vieler Werte zu nennen, die nun bei Betrachtung der nackten Zahlen enttäuscht würden. Besonders viele der jungen Technologie- und Medienunternehmen hätten den Ansprüchen der Investoren mit ihren Ergebnissen nicht gerecht werden können. Diese Kurskorrektur entwickele zusammen mit den negativen Nachrichten aus Israel und dem Gezerre um den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl eine Eigendynamik, die nun in z.T. panikartigen Verkäufen ende.

Viele Fonds würden sich jetzt gezwungen sehen, die noch verbliebenen Gewinne in einigen Werten zu sichern und würden damit zusätzlich auf den Markt drücken. Mit dem fundamentalen Umfeld hätten die derzeitigen Kursbewegungen wenig zu tun. Die meisten der europäischen Blue-Chips und auch viele Titel des Neuen Marktes hätten gute und solide Zahlen vorgelegt und würden auch in den kommenden Jahren weiter ein kräftiges Wachstum erwarten. Die deutschen Unternehmen würden dabei zusätzlich von der im nächsten Jahr greifenden Steuerreform profitieren. Die Analysten würden daher weiterhin raten, das niedrige Niveau zu Käufen zu nutzen, sofern dies noch nicht geschehen sei. Besonders im Segment der Wachstumswerte solle der Anleger jedoch Unternehmen bevorzugen, die gute Zahlen vorgelegt hätten und bereits Gewinne erwirtschaften würden.

Im Muster-Depots habe man daher in dieser Woche eine Änderung vorgenommen. Aufgrund der inzwischen kräftig gestiegenen Bewertung habe man die Fresenius Vz. verkauft. Mit den frei gewordenen Mitteln habe man die Position in Applied Materials verdoppelt. Die Analysten seien nach wie vor von den guten Aussichten bei dem Zulieferer der Halbleiterindustrie überzeugt und würden das reduzierte Kursniveau zur Bestandsaufstockung nutzen. Des weiteren habe man ThyssenKrupp neu in das Depot aufgenommen.