Brent Crude Rohöl ICE Rolling
WKN: COM062 / ISIN: XC0009677409Würgt Öl die Weltwirtschaft ab?
05.04.11 13:37
Bank Sarasin & Cie AG
Basel (aktiencheck.de AG) - Der Nahe Osten kommt nicht zur Ruhe: Nach dem Sturz der Regime in Tunesien und Ägypten schwelt in Libyen ein Bürgerkrieg mit internationaler Partizipation - ist dies der Beginn eines globalen Ölschocks, so Jan A. Poser, Chefökonom bei der Bank Sarasin & Cie AG.
Betrachte man die Relationen in der internationalen Ölförderung, erkenne man, dass Tunesien und Ägypten vernachlässigbar seien. Auch wenn Libyen mit zwei Prozent der globalen Ölförderung immerhin auf Platz 18 der Rangliste stehe, habe Saudi-Arabien, das mehr als zwölf Prozent des globalen Ölverbrauchs decke, angekündigt, im Fall von Lieferengpässen einzuspringen. Nur wenn die Unruhen auf die größten Ölproduzenten, nämlich Saudi-Arabien, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Irak und Kuwait überschwappen, entstünde ein ernsthaftes Risiko von Lieferengpässen, welche die Wirtschaft ihrer Produktionsmöglichkeiten berauben könnten. Dafür gebe es jedoch bisher keine Anzeichen. So sei der Ölpreisanstieg vor allem auf eine gestiegene Risikoprämie zurückzuführen.
Um die Risikoprämie abzuschätzen, vergleiche die Bank Sarasin den Ölpreis mit dem Kupferpreis, der zwar auch konjunkturabhängig sei, aber nicht von den Unruhen im Nahen Osten beeinflusst werde. Beide Preise hätten sich seit Anfang des Jahres 2009 fast parallel entwickelt. Erst in den letzten acht Wochen habe sich eine Schere ergeben, die als Risikoprämie zu deuten sei. Sie betrage ungefähr 15 US-Dollar pro Fass.
Doch auch eine Risikoprämie könne in der Wirtschaft Schaden anrichten, weil sie die Preise erhöhe. Die Bank Sarasin erachte die Wahrscheinlichkeit einer durch Ölpreise ausgelösten inflationären Spirale für gering: Die Preissetzungsmacht der Unternehmen werde durch unterausgelastete Industriekapazitäten begrenzt, die Marktmacht der Gewerkschaften sei angesichts hoher Arbeitslosenquoten gering.
Doch auch wenn man keine Zweitrundeneffekte fürchten müsse, sei der momentane Ölpreisanstieg verantwortlich für einen Inflationsanstieg um einen Prozentpunkt, der die Kaufkraft der Konsumenten entsprechend dämpfen würde. Würde der Ölpreis nicht temporär sondern permanent auf diesem Niveau verharren, hätte dies eine einmalige Wachstumsreduktion in Höhe der Konsumquote zur Folge - in den USA wären das 0,7 und in der Eurozone ca. 0,55 Prozentpunkte Wachstumseinbuße.
Diese Überschlagsrechnung stimme jedoch nur, wenn wirklich alle anderen Faktoren gleich bleiben würden. Tatsächlich sei der weltwirtschaftliche Schwung momentan dynamischer als erwartet. Belebt von staatlicher Unterstützung sei die Konsumentenstimmung weltweit auf einem hohen Niveau. In den USA würden sich die Kaufpläne für neue Autos auf dem höchsten Stand seit dem Boomjahr 1999 befinden. Dies liege vor allem daran, dass sich der Arbeitsmarkt so stark erhole. Die Geschäftsklimaindikatoren würden sich in den USA und Europa auf einem Rekordniveau befinden.
Die Risikoprämie in den Ölpreisen sei kaum hoch genug, um das wirtschaftliche Momentum zu bremsen. Im Gegenteil: Die Dynamik sollte den kürzlich erfolgten Ölpreisanstieg bald auch fundamental rechtfertigen. Nur eine Eskalation der Lage im Nahen Osten und ein damit einhergehender heftiger Anstieg der Ölpreise würde vom Gegenteil überzeugen. (05.04.2011/ac/a/m)
Betrachte man die Relationen in der internationalen Ölförderung, erkenne man, dass Tunesien und Ägypten vernachlässigbar seien. Auch wenn Libyen mit zwei Prozent der globalen Ölförderung immerhin auf Platz 18 der Rangliste stehe, habe Saudi-Arabien, das mehr als zwölf Prozent des globalen Ölverbrauchs decke, angekündigt, im Fall von Lieferengpässen einzuspringen. Nur wenn die Unruhen auf die größten Ölproduzenten, nämlich Saudi-Arabien, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Irak und Kuwait überschwappen, entstünde ein ernsthaftes Risiko von Lieferengpässen, welche die Wirtschaft ihrer Produktionsmöglichkeiten berauben könnten. Dafür gebe es jedoch bisher keine Anzeichen. So sei der Ölpreisanstieg vor allem auf eine gestiegene Risikoprämie zurückzuführen.
Um die Risikoprämie abzuschätzen, vergleiche die Bank Sarasin den Ölpreis mit dem Kupferpreis, der zwar auch konjunkturabhängig sei, aber nicht von den Unruhen im Nahen Osten beeinflusst werde. Beide Preise hätten sich seit Anfang des Jahres 2009 fast parallel entwickelt. Erst in den letzten acht Wochen habe sich eine Schere ergeben, die als Risikoprämie zu deuten sei. Sie betrage ungefähr 15 US-Dollar pro Fass.
Doch auch wenn man keine Zweitrundeneffekte fürchten müsse, sei der momentane Ölpreisanstieg verantwortlich für einen Inflationsanstieg um einen Prozentpunkt, der die Kaufkraft der Konsumenten entsprechend dämpfen würde. Würde der Ölpreis nicht temporär sondern permanent auf diesem Niveau verharren, hätte dies eine einmalige Wachstumsreduktion in Höhe der Konsumquote zur Folge - in den USA wären das 0,7 und in der Eurozone ca. 0,55 Prozentpunkte Wachstumseinbuße.
Diese Überschlagsrechnung stimme jedoch nur, wenn wirklich alle anderen Faktoren gleich bleiben würden. Tatsächlich sei der weltwirtschaftliche Schwung momentan dynamischer als erwartet. Belebt von staatlicher Unterstützung sei die Konsumentenstimmung weltweit auf einem hohen Niveau. In den USA würden sich die Kaufpläne für neue Autos auf dem höchsten Stand seit dem Boomjahr 1999 befinden. Dies liege vor allem daran, dass sich der Arbeitsmarkt so stark erhole. Die Geschäftsklimaindikatoren würden sich in den USA und Europa auf einem Rekordniveau befinden.
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