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So, 19. April 2026, 17:27 Uhr

Wohin gehen die Märkte?


25.04.02 17:26
Gontard & MetallBank

Das Handelsgeschehen geht an die Grenze der Fantasie der Börsenteilnehmer. Wann sehen wir wieder eine eindeutige Richtung in den Märkten? Diese Frage beschäftigt uns jeden Tag aufs Neue, so die Analysten der Gontard & MetallBank.

Trotz deutlicher Kursgewinne beim DAX-Schwergewicht Siemens um gut 3,6% auf 65,86 Euro am heutigen Donnerstag morgen, sei der Gesamtmarkt schwächer in den Handel gegangen. Der Siemens-Konzern habe im abgelaufenen Quartal trotz Restrukturierungskosten das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorquartal fast verdoppelt. Das habe selbst die Erwartungen der Analysten übertroffen. Vor allem die eher klassischen Sparten wie Energieerzeugung und Medizintechnik seien die Zugpferde gewesen. Die Mobilfunksparte habe vor Steuern die schwarzen Zahlen wieder erreichen können, was als ein kleiner Meilenstein in der Langzeit - Strategie von Siemens-Chef Heinrich von Pier gewertet werden könne. Das Problemfeld Netzwerke habe das Gesamtbild nicht verhageln könne, jedoch habe diese Sparte unter der Nachfrageschwäche der Telekomindustrie gelitten. Hier sei ein Abbau von 6.500 Arbeitsplätzen für die kommenden Quartale bekannt gegeben worden.

Der Fresenius Konzern wolle seine Aktivitäten des derzeitigen Kerngeschäftes Dialyse zu gleichwertigen Sparten neben der Fresenius Medical Care aufbauen. Die Aktie der Deutschen Telekom habe am gestrigen Nachmittag auf Grund einer Studie des US Investmenthauses Goldman Sachs zeitweise mehr als 3% verloren und sei unter die Marke von 16 Euro gefallen. Die Analysten hätten angekündigt ihre Schätzungen für den Umsatz und das Ergebnis revidieren zu wollen, da es Bedenken zur Entwicklung des Geschäftfeldes T-Com gäbe.

Der heute bekannt gewordene Ifo-Geschäftsklima-Index für die gewerbliche Wirtschaft in Westdeutschland sei von 91,5 auf 90,5 gefallen. Der durchschnittliche Stand sei von Analysten auf 92,1 geschätzt worden. Angesichts der allgemein schlechten Stimmung habe auch die positive Überraschung bei Siemens den DAX nicht zu Kursgewinnen verhelfen können. Keine klare Richtung für die Aktienmärkte habe am Mittwoch die US-Notenbank gegeben. So habe der monatlich veröffentliche Konjunkturbericht "Beige Book" einen positiven Ton enthalten, da sich in nahezu allen Fed-Distrikten die Wirtschaftsaktivität verbessert hatte und vor allem stabile oder gar steigende Einzelhandelsumsätze Grund zum Optimismus geliefert hätten. Allerdings hätten die US-Notenbanker auf die bestehenden Sorgen über das Tempo der konjunkturellen Erholung und die mögliche Intensität des erwarteten Aufschwungs hingewiesen. Der bisher recht robuste US-Bausektor weise erste Anzeichen von Schwäche auf, was kein gutes Bild auf die Konjunkturvorzeichen werfe. Der Absatz von neuen Eigenheimen sei im März um 3,1% gesunken. Das sei zwar nicht alarmierend, jedoch gebe es den Konjunkturzweifeln neue Nahrung.

Der weltgrößte Medien und Internet-Konzern AOL Time Warner habe den bisher stärksten Quartalsverlust verzeichnen müssen. Der Konzern weise einen Verlust von 54,2 Mrd. Dollar aus. Der US-Reifenhersteller Goodyear habe im ersten Quartal u.a. auf Grund von Produktionskürzungen seinen Verlust ausgeweitet. Gleichzeitig habe der Konzern mit einem Fehlbetrag von 63,2 Mil. Dollar die Markterwartungen verfehlt.

Die Verunsicherung der Anleger am Neuen Markt sitze tief. Das sei wohl auch ein Auslöser der allergischen Reaktion gewesen weshalb die Aktie von Thiel Logistik ins Trudeln gekommen sei. "Es ist möglich, dass Thiel das erste unschuldige Opfer misstrauischer Anleger ist", sagt Markus Straub , Vorstandsmitglied bei der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. " Doch bisher war es am Neuen Markt immer so, dass an Gerüchten irgend etwas dran war". So würden wohl viele Anleger denken und aus der Aktie fliehen, da sie sich nicht darauf verlassen wollen, dass sich die Gerüchte wieder in Luft auflösen. Auch der angekündigte Aktienrückkauf durch die Gesellschaft habe die Kursverluste nicht bremsen können. Analysten würden mutmaßen, dass Thiel bei der Übernahme von Birkart Globistics ein Risiko übersehen haben könnte. Der Wirtschaftsprüfer, der den Jahresabschluss von Thiel testierte, halte nichts von diesem Verdacht und halte es für "absoluten Quatsch". Dagegen sei in der Zeitung "die Welt" heute zu lesen gewesen, dass die Prüfungsgesellschaft KPMG 45 Jahresabschlüsse von Unternehmen am Neuen Markt nochmals testen wolle. Es werde noch viel Wasser die Flüsse hinunter fließen, bis das Vertrauen wieder hergestellt sei.

Derzeit würden offenbar die zweitgrößte US-Börse Nasdaq mit dem größten europäischen Markt, der Londoner Börse, in Fusionsverhandlungen stehen. Das berichte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf verhandlungsnahe Kreise. Doch eine solche Vereinbarung könnte noch mehrere Wochen auf sich warten lassen- oder eben auch scheitern.





 
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