US-Wirtschaft Wachstumsverlangsamung
16.01.07 07:40
Conrad Hinrich Donner Bank
Hamburg (aktiencheck.de AG) - Das Wirtschaftswachstum in den USA hat sich im Verlauf des letzten Jahres bereits deutlich verlangsamt, berichten die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank.
Während die US-Konjunktur im ersten Quartal 2006 noch mit einer vergleichsweise hohen Rate von 5,60% (annualisiert) habe zulegen können, habe im zweiten und dritten Quartal die erwartete Wachstumsverlangsamung eingesetzt. Mit einem Anstieg des Bruttoinlandproduktes (BIP) von 2,60% (Q2) und 2,00% (Q3) sei das langfristige Produktionspotenzial von etwa 3,00% klar verfehlt worden. Diese etwas schwächere Tendenz werde sich in diesem Jahr fortsetzen, so dass die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank für 2007 an ihrer bisherigen Wachstumsschätzung von 2,50% festhalten würden.
Im Euroraum und in Asien würden sich die Aussichten für das Jahr 2007 deutlich besser darstellen, jedoch werde das Stottern der US-Konjunkturlokomotive einen dämpfenden Wachstumseffekt auf diese Regionen ausüben. Unter den bedeutenden Wirtschaftsnationen sehe man insbesondere für Deutschland positiv in die Zukunft, was sich auf eine weitere Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stütze. Die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank würden daher ihre letzte Wachstumsprognose für das BIP nach oben anpassen und nunmehr von einem Anstieg der Wirtschaftsleistung in 2007 von mindestens 1,30% ausgehen. Vor diesem Hintergrund sei ihre bisherige Erwartung für die Konjunkturdynamik im Euroraum mit einem BIP-Zuwachs von circa 2,00% eher als eine vorsichtige Schätzung zu sehen.
Die Abkühlung der US-Konjunktur im dritten Quartal 2006 habe sich im Wesentlichen auf einen starken Anstieg der Importe und einen rapiden Investitionsrückgang am Markt für Wohnimmobilien gegründet. Nachdem die Investitionen schon in der Vorperiode um 11% gefallen seien, sei im dritten Quartal ein weiterer Investitionsrückgang von 19% hinzugekommen. So habe die Investitionszurückhaltung allein im dritten Quartal einen negativen Wachstumsbeitrag von 1,20 Prozentpunkten am BIP geliefert und so eine stärkere Expansion der US-Wirtschaft verhindert.
Eine weitere zentrale Ursache der einsetzenden Wachstumsschwäche sei eine deutlich geringere Zunahme des privaten Konsums der US-Bürger. Eine noch stärkere Eintrübung des Konsumklimas habe in erster Linie durch die einsetzende Talfahrt der weltweiten Rohstoffmärkte in der zweiten Jahreshälfte 2006 vermieden werden können. Der Preisverfall am Ölmarkt habe zu erheblichen Kosteneinsparungen beim Energieverbrauch geführt und zusätzliches Geld in die Portemonaies der privaten Haushalte gespült. Während die US-Bürger ihre Konsumausgaben im Jahr 2006 noch um etwa 3% gegenüber dem Vorjahr erhöht hätten, werde dieser Wert in 2007 aller Voraussicht nach nur noch gut 2% betragen und damit zur maßgeblichen Expansionsbremse der Konjunktur werden.
Die grundlegende Ursache für die merkliche Konjunkturabkühlung in den USA liege in der restriktiven Geldpolitik der amerikanischen Notenbank (FED) in den letzten zwei Jahren. Nach Erachten der Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank habe die FED bereits leicht "übersteuert". Die verzögerte Wirkung der bisherigen Zinsanhebungen werde erst im ersten Halbjahr 2007 vollständig auf die Konjunktur durchschlagen. Um ein "hard landing" zu verhindern, gehe man daher von einer Lockerung der geldpolitischen Zügel seitens der FED im zweiten Halbjahr 2007 aus. Die daraus entstehende Zinsentlastung dürfte sowohl den Konsum als auch die Investitionen langsam wieder ankurbeln.
In Deutschland zeichne sich zurzeit ein sehr positives Stimmungsbild für die konjunkturelle Entwicklung im Jahr 2007 ab. Sowohl die Bürger als auch ein großer Teil der Unternehmen würden mit Zuversicht auf die kommenden zwölf Monate blicken. Diese ungeteilt positive Stimmungslage sei vor dem Hintergrund zusätzlicher Belastungen wie der Mehrwertsteuererhöhung und weiter steigender Abgaben im Gesundheitsbereich bemerkenswert. Insbesondere das deutlich gestiegene Konsumentenvertrauen in Deutschland signalisiere einen breiten wirtschaftlichen Aufschwung. So habe Deutschland im Jahr 2006 nach Jahren der Kaufzurückhaltung erstmals wieder eine nachhaltige Belebung des privaten Konsums mit einem Zuwachs von etwa 1,00% verzeichnen können.
Diese Entwicklung stütze sich vor allem auf eine Trendwende am Arbeitsmarkt. So habe sich zum Einen die Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land positiv auf das Beschäftigungsniveau ausgewirkt, zum Anderen sei neben diesem Sondereffekt auch eine nachhaltigere Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt festzustellen. So sei die Zahl der Arbeitslosen im November 2006 erstmals wieder unter die Marke von vier Millionen gesunken.
Nach der Einschätzung der Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank könnte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiter verbessern, da viele Unternehmen für die kommenden Monate die Schaffung neuer Stellen angekündigt hätten. Dieses ausgesprochen positive Investitionsklima zeige sich aktuell in weiten Teilen der deutschen Unternehmenslandschaft. Der ifo-Geschäftsklimaindex, der die aktuelle und zukünftig erwartete wirtschaftliche Situation von 6.000 in Deutschland ansässigen Unternehmen erfasse, sei im Dezember auf den höchsten Stand seit seiner Einführung im Januar 1991 gestiegen.
Die Zuversicht deutscher Unternehmenslenker werde durch viel versprechende realwirtschaftliche Daten wie volle Auftragsbücher und eine hohe Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe untermauert. Dass die Konjunkturdynamik in Deutschland trotz der positiven Vorgaben im Jahr 2007 nicht das Vorjahresniveau erreichen werde, könne einerseits auf die Mehrwertsteuererhöhung und andererseits auf die Abkühlung der US-Konjunktur zurückgeführt werden. So werde der Steuereffekt trotz eines verbesserten Konsumklimas die Kaufkraft der Deutschen und infolgedessen auch die Nachfrageausweitung schmälern. Die nachlassende US-Wirtschaft werde sich in niedrigeren Exportraten niederschlagen und dadurch ein stärkeres Wachstum der exportorientierten deutschen Wirtschaft verhindern.
Seit Mai 2006 würden insbesondere in den USA Inflationsängste für Konjunkturpessimismus sorgen. Ein steigender Ölpreis in Kombination mit dem restriktiven geldpolitischen Kurs der amerikanischen Notenbank könnte den US-Konjunkturmotor "abwürgen", so die Befürchtung vieler Marktteilnehmer. Nach wie vor halte man die Gefahr eines langfristig unerwünschten Preisauftriebes für gering. Immerhin drei Viertel der weltweiten Ölnachfrage würden von den USA ausgehen. Trete die für 2007 prognostizierte Wachstumsverlangsamung der US-Konjunktur ein, so falle eine wesentliche Unterstützung für einen erneuten Höhenflug des Rohölpreises weg. Auch Verknappungen des Ölangebots sollten dem Rohölpreis keine nachhaltig positiven Impulse verleihen.
Ein Blick in die Vergangenheit zeige, dass kein signifikanter Zusammenhang zwischen den OPEC-Förderquoten und der Ölpreisentwicklung festzustellen sei. Dass die überzogenen Inflationserwartungen bereits gedämpft worden seien, bestätige die jüngste Beendigung des Zinserhöhungszyklus seitens der FED. Für die Wirtschaft im Euroraum gehe das Risikopotenzial hauptsächlich von der weiteren Wechselkursentwicklung des Euro gegenüber dem US-Dollar aus. Sollte die FED in 2007, wie von den Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank erwartet, die Zinsen senken, schmelze die Zinsdifferenz zwischen den USA und dem Euroraum weiter zusammen. Kapitalströme aus den USA zugunsten europäischer Zinstitel wären die Folge.
Eine anhaltende Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar scheine daher aus heutiger Sicht wahrscheinlich. Sollte diese Aufwertung stärker als von einem Großteil der Unternehmen und Marktbeobachter erwartet ausfallen, also beispielsweise die Marke von 1,40 US-Dollar je Euro überschreiten, würde dies die Gewinnaussichten exportorientierter Branchen zweifelsohne belasten. (Ausgabe vom 1. Quartal 2007) (16.01.2007/ac/a/m)
Während die US-Konjunktur im ersten Quartal 2006 noch mit einer vergleichsweise hohen Rate von 5,60% (annualisiert) habe zulegen können, habe im zweiten und dritten Quartal die erwartete Wachstumsverlangsamung eingesetzt. Mit einem Anstieg des Bruttoinlandproduktes (BIP) von 2,60% (Q2) und 2,00% (Q3) sei das langfristige Produktionspotenzial von etwa 3,00% klar verfehlt worden. Diese etwas schwächere Tendenz werde sich in diesem Jahr fortsetzen, so dass die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank für 2007 an ihrer bisherigen Wachstumsschätzung von 2,50% festhalten würden.
Im Euroraum und in Asien würden sich die Aussichten für das Jahr 2007 deutlich besser darstellen, jedoch werde das Stottern der US-Konjunkturlokomotive einen dämpfenden Wachstumseffekt auf diese Regionen ausüben. Unter den bedeutenden Wirtschaftsnationen sehe man insbesondere für Deutschland positiv in die Zukunft, was sich auf eine weitere Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stütze. Die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank würden daher ihre letzte Wachstumsprognose für das BIP nach oben anpassen und nunmehr von einem Anstieg der Wirtschaftsleistung in 2007 von mindestens 1,30% ausgehen. Vor diesem Hintergrund sei ihre bisherige Erwartung für die Konjunkturdynamik im Euroraum mit einem BIP-Zuwachs von circa 2,00% eher als eine vorsichtige Schätzung zu sehen.
Die Abkühlung der US-Konjunktur im dritten Quartal 2006 habe sich im Wesentlichen auf einen starken Anstieg der Importe und einen rapiden Investitionsrückgang am Markt für Wohnimmobilien gegründet. Nachdem die Investitionen schon in der Vorperiode um 11% gefallen seien, sei im dritten Quartal ein weiterer Investitionsrückgang von 19% hinzugekommen. So habe die Investitionszurückhaltung allein im dritten Quartal einen negativen Wachstumsbeitrag von 1,20 Prozentpunkten am BIP geliefert und so eine stärkere Expansion der US-Wirtschaft verhindert.
Eine weitere zentrale Ursache der einsetzenden Wachstumsschwäche sei eine deutlich geringere Zunahme des privaten Konsums der US-Bürger. Eine noch stärkere Eintrübung des Konsumklimas habe in erster Linie durch die einsetzende Talfahrt der weltweiten Rohstoffmärkte in der zweiten Jahreshälfte 2006 vermieden werden können. Der Preisverfall am Ölmarkt habe zu erheblichen Kosteneinsparungen beim Energieverbrauch geführt und zusätzliches Geld in die Portemonaies der privaten Haushalte gespült. Während die US-Bürger ihre Konsumausgaben im Jahr 2006 noch um etwa 3% gegenüber dem Vorjahr erhöht hätten, werde dieser Wert in 2007 aller Voraussicht nach nur noch gut 2% betragen und damit zur maßgeblichen Expansionsbremse der Konjunktur werden.
Die grundlegende Ursache für die merkliche Konjunkturabkühlung in den USA liege in der restriktiven Geldpolitik der amerikanischen Notenbank (FED) in den letzten zwei Jahren. Nach Erachten der Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank habe die FED bereits leicht "übersteuert". Die verzögerte Wirkung der bisherigen Zinsanhebungen werde erst im ersten Halbjahr 2007 vollständig auf die Konjunktur durchschlagen. Um ein "hard landing" zu verhindern, gehe man daher von einer Lockerung der geldpolitischen Zügel seitens der FED im zweiten Halbjahr 2007 aus. Die daraus entstehende Zinsentlastung dürfte sowohl den Konsum als auch die Investitionen langsam wieder ankurbeln.
Diese Entwicklung stütze sich vor allem auf eine Trendwende am Arbeitsmarkt. So habe sich zum Einen die Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land positiv auf das Beschäftigungsniveau ausgewirkt, zum Anderen sei neben diesem Sondereffekt auch eine nachhaltigere Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt festzustellen. So sei die Zahl der Arbeitslosen im November 2006 erstmals wieder unter die Marke von vier Millionen gesunken.
Nach der Einschätzung der Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank könnte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiter verbessern, da viele Unternehmen für die kommenden Monate die Schaffung neuer Stellen angekündigt hätten. Dieses ausgesprochen positive Investitionsklima zeige sich aktuell in weiten Teilen der deutschen Unternehmenslandschaft. Der ifo-Geschäftsklimaindex, der die aktuelle und zukünftig erwartete wirtschaftliche Situation von 6.000 in Deutschland ansässigen Unternehmen erfasse, sei im Dezember auf den höchsten Stand seit seiner Einführung im Januar 1991 gestiegen.
Die Zuversicht deutscher Unternehmenslenker werde durch viel versprechende realwirtschaftliche Daten wie volle Auftragsbücher und eine hohe Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe untermauert. Dass die Konjunkturdynamik in Deutschland trotz der positiven Vorgaben im Jahr 2007 nicht das Vorjahresniveau erreichen werde, könne einerseits auf die Mehrwertsteuererhöhung und andererseits auf die Abkühlung der US-Konjunktur zurückgeführt werden. So werde der Steuereffekt trotz eines verbesserten Konsumklimas die Kaufkraft der Deutschen und infolgedessen auch die Nachfrageausweitung schmälern. Die nachlassende US-Wirtschaft werde sich in niedrigeren Exportraten niederschlagen und dadurch ein stärkeres Wachstum der exportorientierten deutschen Wirtschaft verhindern.
Seit Mai 2006 würden insbesondere in den USA Inflationsängste für Konjunkturpessimismus sorgen. Ein steigender Ölpreis in Kombination mit dem restriktiven geldpolitischen Kurs der amerikanischen Notenbank könnte den US-Konjunkturmotor "abwürgen", so die Befürchtung vieler Marktteilnehmer. Nach wie vor halte man die Gefahr eines langfristig unerwünschten Preisauftriebes für gering. Immerhin drei Viertel der weltweiten Ölnachfrage würden von den USA ausgehen. Trete die für 2007 prognostizierte Wachstumsverlangsamung der US-Konjunktur ein, so falle eine wesentliche Unterstützung für einen erneuten Höhenflug des Rohölpreises weg. Auch Verknappungen des Ölangebots sollten dem Rohölpreis keine nachhaltig positiven Impulse verleihen.
Ein Blick in die Vergangenheit zeige, dass kein signifikanter Zusammenhang zwischen den OPEC-Förderquoten und der Ölpreisentwicklung festzustellen sei. Dass die überzogenen Inflationserwartungen bereits gedämpft worden seien, bestätige die jüngste Beendigung des Zinserhöhungszyklus seitens der FED. Für die Wirtschaft im Euroraum gehe das Risikopotenzial hauptsächlich von der weiteren Wechselkursentwicklung des Euro gegenüber dem US-Dollar aus. Sollte die FED in 2007, wie von den Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank erwartet, die Zinsen senken, schmelze die Zinsdifferenz zwischen den USA und dem Euroraum weiter zusammen. Kapitalströme aus den USA zugunsten europäischer Zinstitel wären die Folge.
Eine anhaltende Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar scheine daher aus heutiger Sicht wahrscheinlich. Sollte diese Aufwertung stärker als von einem Großteil der Unternehmen und Marktbeobachter erwartet ausfallen, also beispielsweise die Marke von 1,40 US-Dollar je Euro überschreiten, würde dies die Gewinnaussichten exportorientierter Branchen zweifelsohne belasten. (Ausgabe vom 1. Quartal 2007) (16.01.2007/ac/a/m)
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