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Fr, 17. April 2026, 21:03 Uhr

US-Konjunktur wird weiter an Dynamik verlieren


22.10.07 11:56
Conrad Hinrich Donner Bank

Hamburg (aktiencheck.de AG) - Die US-Konjunktur wird im zweiten Halbjahr 2007 weiter an Dynamik verlieren, so die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank.

Für das Gesamtjahr 2007 würden die Analysten an ihrer Wachstumsprognose von 2% (Quelle: Datastream) festhalten. Damit liege der Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in diesem Jahr deutlich unterhalb des Wachstums von durchschnittlich 3% über die letzte Dekade. Als Hauptbelastungsfaktor der US-Wirtschaft würden sich die andauernde Krise am US-Immobilienmarkt und die davon ausgehende Bremswirkung für die gesamtwirtschaftliche Produktionsdynamik erweisen.

Der Abschwung am Immobilienmarkt werde die Konjunktur nach Einschätzung der Analysten bis in das kommende Jahr hinein belasten, so dass sie für 2008 nur von einer leicht stärkeren Expansion des US-BIP von 2,40% (Quelle: Datastream) ausgehen würden. Einhergehend mit der sich abzeichnenden Abkühlung der US-Wirtschaft würden sie für den Verlauf des Jahres von einer weiterhin moderaten Inflation ausgehen. Die niedrige Teuerung sollte der US-Notenbank (FED) weiteren Zinssenkungsspielraum zur Konjunkturbelebung eröffnen.

Der seit etwa 18 Monaten einsetzende Abschwung am Markt für Wohnimmobilien werde die US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2007 stärker belasten als noch im vorangegangenen Halbjahr. Sinkende Absatzzahlen bei bestehenden und neuen Einfamilienhäusern hätten zu Beginn des Jahres zu einer rückläufigen Investitionstätigkeit insbesondere im Bausektor geführt. Der durch den Preisverfall am Wohnungsmarkt von den Analysten erwartete negative Vermögenseffekt für den US-Verbraucher sei zunächst ausgeblieben.

Ein robuster Arbeitsmarkt in Verbindung mit einem Anstieg der verfügbaren Einkommen habe ein Übergreifen der Krise auf den Konsum und damit auch auf andere Wirtschaftszweige außerhalb des Immobiliensektors verhindert. Doch bereits im zweiten Quartal sei die Kaufbereitschaft der US-Bürger deutlich gesunken, so dass der private Konsum - dieser bilde mit einem Anteil von mehr als zwei Dritteln am BIP die wichtigste Säule der amerikanischen Wirtschaft - nur noch mit einer weit unterdurchschnittlichen Rate von 1,40% gegenüber dem Vorquartal habe zulegen können.

Aus Sicht der Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank sprächen auch in den kommenden Monaten mehrere Faktoren für eine anhaltende Kaufzurückhaltung jenseits des Atlantiks. Eine Wende am Immobilienmarkt zeichne sich aktuell nicht ab, insbesondere die Verkaufszahlen von Einfamilienhäusern befänden sich nach wie vor im freien Fall.

Ein vom Immobilienmarkt ausgehender Bremseffekt auf den Arbeitsmarkt deute sich zurzeit bereits an. Die Arbeitslosenquote sei seit dem Erreichen ihres historischen Tiefststandes von 4,40% im März 2007 bereits wieder um 0,30 Prozentpunkte auf 4,70% im September 2007 angestiegen. Im außeragrarwirtschaftlichen Bereich seien im August dieses Jahres per Saldo erstmals seit vier Jahren wieder Stellen gestrichen worden, wobei der durchschnittliche Stellenzuwachs bei etwa 120.000 Arbeitsplätzen liege. Dieser leicht negative Trend am Arbeitsmarkt werde die Konsumfreude spürbar dämpfen.

Ein zunehmender Pessimismus unter den Verbrauchern zeige sich auch in dem für das zukünftige Kaufverhalten der US-Amerikaner richtungsweisenden Frühindikator der Universität von Michigan. Die Erwartungskomponente des Consumer Sentiment Indexes, der die geplanten Konsumausgaben der privaten Haushalte über die kommenden sechs Monate abbilde, habe im August auf dem niedrigsten Stand seit über einem Jahr notiert und deute auf ein eingetrübtes Verbraucherklima hin.

Eine zusätzliche Belastung stelle die angespannte Lage an den Kreditmärkten dar, die durch eine Vielzahl von Hypothekenkreditausfällen im Bereich der bonitätsschwachen Schuldner (Subprime) ausgelöst worden sei. Die Subprime-Krise habe vor dem Hintergrund einer stark gesunkenen Risikobereitschaft fast aller Kapitalmarktakteure zu einem deutlichen Anstieg der Kreditzinsen geführt. Zudem hätten die Banken ihre Kreditvergabe deutlich eingeschränkt.

Die höheren Zinssätze sowie die restriktivere Kreditvergabe der Banken sollten in den kommenden Monaten auch das Segment der Konsumentenkredite belasten. Eine Erhöhung der privaten Sparquote - wie schon in den letzten Monaten zu beobachten - zulasten des fremdfinanzierten Konsums dürfte die Folge sein. Die insgesamt eher ungünstigen Rahmenbedingungen für US-Verbraucher würden in diesem Jahr aufgrund der hohen Bedeutung des Konsums für die US-Wirtschaft ein stärkeres Wachstum verhindern.

Mit der Leitzinssenkung um 50 Basispunkte im September dieses Jahres habe die FED auf die deutliche Verknappung der Liquidität im Zuge der Subprime-Krise reagiert. Mit dem Zinsschritt sollte insbesondere Kreditnehmern der Zugang zum Kreditmarkt erleichtert werden. Mit dem Zinsentscheid hätten die Währungshüter zugleich signalisiert, dass die Wahrung eines stabilen Wachstums derzeit die zentrale Rolle bei der geldpolitischen Beurteilung der wirtschaftlichen Lage einnehme. Damit liege das Hauptaugenmerk des Offenmarktausschusses nicht mehr wie bisher auf der Inflation.

Die Kerninflationsrate sei im August auf 1,80% gefallen und befinde sich damit in der von der FED avisierten Zone von ein bis zwei Prozent. Vor dem Hintergrund des verhaltenen Konjunkturszenarios der Analysten für die USA werde der primäre Fokus der Geldpolitik auch in den kommenden Quartalen der Wachstumsdynamik gelten. Man erwarte daher eine weitere Zinssenkung um voraussichtlich 25 Basispunkte bis zum Jahresende.

Trotz der jüngsten Turbulenzen am US-Immobilienmarkt und der bekannten Folgewirkungen für die Kreditmärkte würden die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank an ihrer positiven Einschätzung für die Konjunkturentwicklung in Deutschland festhalten. Mit einem erwarteten Wachstum von 2,70% in diesem und 2,30% (Quelle: Datastream) im nächsten Jahr befinde sich die deutsche Wirtschaft weiter auf Expansionskurs.

Die wichtigsten Stützen des nachhaltigen Aufschwungs würden die Binnennachfrage und der Export bilden. Die seit letztem Jahr wieder deutlich sinkende Arbeitslosigkeit habe zu einem Anstieg des privaten Konsums beigetragen - im Jahr 2006 hätten deutsche Haushalte ihren Verbrauch so stark gesteigert wie schon seit sieben Jahren nicht mehr - und damit wesentlich die Belebung der Binnennachfrage angeschoben. Der selbsttragende Aufschwung werde auch in den kommenden Quartalen die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse ankurbeln, so dass im kommenden Jahr eine Arbeitslosenquote von durchschnittlich nur noch 8,50% (Quelle: Datastream) realistisch erscheine. Diese Entwicklung sollte dem Verbrauch weiteren Auftrieb verleihen.

Das zweite Standbein des Aufschwungs bilde das hohe Exportwachstum. Habe die Warenausfuhr im letzten Jahr bereits um 15,30% gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden können, so würden die Exportraten des ersten Halbjahres 2007 erneut auf ein zweistelliges, wenn auch etwas niedrigeres Ergebnis hindeuten. Das rasante Wachstum asiatischer Volkswirtschaften wie Indien und China führe zu einer ungebrochen hohen Nachfrage nach deutschen Gütern und Dienstleistungen. Die Hauptprofiteure seien indes deutsche Industrieunternehmen, die den hohen Bedarf an Ausrüstungsinvestitionen asiatischer Unternehmen bedienen würden. Auch im nächsten Jahr werde die deutsche Industrie von der andauernd hohen Nachfrage aus den Schwellenländern profitieren.

Ungeachtet der positiven wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und im Euroraum würden die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank die Inflationsgefahr nach wie vor für sehr begrenzt halten. Die derzeitigen Rekordnotierungen der Rohölpreise um die 80 US-Dollar würden für das Produzierende Gewerbe vor dem Hintergrund der anhaltenden Aufwertung des Euro nur eine begrenzte zusätzliche Kostenbelastung darstellen.

Ein Ausufern der Erzeugerpreisanstiege und eine daraus resultierende unerwünschte Teuerung seien daher nicht zu erwarten. Der im September zu beobachtende Verbraucherpreisanstieg von 2,50% sei auf Basiseffekte zurückzuführen und berge damit langfristig kein erhöhtes Inflationspotenzial. Mit Blick auf die nachlassende Konjunkturdynamik im kommenden Jahr erwarte man seitens der EZB keine weiteren Zinserhöhungen. (Ausgabe 4. Quartal 2007) (22.10.2007/ac/a/m)




 
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