US-Konjunktur sinkende Wachstumsraten
11.10.06 10:10
Conrad Hinrich Donner Bank
Hamburg (aktiencheck.de AG) - Während die Konjunktur im Euroraum im Verlauf dieses Jahres spürbar an Fahrt gewinnen konnte, stellten sich in den USA sinkende Wachstumsraten ein, berichten die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank.
Deutschland als größte Volkswirtschaft der europäischen Wirtschaft habe im zweiten Quartal erstmals seit fünf Jahren wieder höhere Wachstumsraten zu verzeichnen gehabt als die USA. So sei das Wachstum in Deutschland mit einer jährlichen Rate von 3,60% vergleichsweise hoch ausgefallen. Auch andere große Volkswirtschaften der EU wie Frankreich und Großbritannien hätten mit überraschend positiven Konjunkturdaten im Jahresverlauf glänzen können. Dagegen sei die Wirtschaft in den USA im zweiten Quartal nur noch mit einer jährlichen Rate von 2,50% gegenüber 5,60% im ersten Quartal gewachsen. Diese gegensätzlichen ökonomischen Entwicklungen würden eine gewisse Unabhängigkeit der europäischen Wirtschaft von der amerikanischen Konjunkturlokomotive zeigen.
Die schwächere US-Nachfrage nach europäischen Gütern und Dienstleistungen habe durch die wachsende Bedeutung asiatischer Volkswirtschaften als Absatzmarkt europäischer Unternehmen kompensiert werden können. Eine langfristige Abkoppelung der Konjunkturentwicklung Europas von den USA sei trotz der Erschließung neuer Absatzmärkte dennoch nicht zu erwarten. Als Hauptabnehmer asiatischer Wirtschaftsleistungen habe die konjunkturelle Lage in den USA maßgeblichen Einfluss auf die Wachstumsraten in Asien. Von einer nachhaltigen Abkühlung der amerikanischen Wirtschaft werde daher auch ein negativer Impuls für den asiatischen und europäischen Wirtschaftsraum ausgehen.
Knapp 70% der gesamten Wirtschaftsleistung der USA würden durch die private Binnennachfrage erwirtschaftet. Das Konjunkturwachstum in den USA werde somit in erheblichem Maße durch die Konsumnachfrage des US-Verbrauchers getragen. Dies würden auch die jüngsten Konjunkturdaten aus dem ersten Halbjahr 2006 belegen. Der Wachstumsbeitrag der Konsumkomponente des BIP sei im zweiten gegenüber dem ersten Quartal um 1,60 Prozentpunkte gesunken. Dies bedeute, dass mehr als 50% der Wachstumsverlangsamung auf die gesunkene Konsumfreude der US-Bürger zurückzuführen seien.
Aus der Sicht der Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank deute einiges darauf hin, dass sich der schwächere Konjunkturtrend in den USA im Verlaufe dieses Jahres und auch im nächsten Jahr fortsetzen werde. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen würden aktuell auf eine weitere Eintrübung des Konsumklimas in den kommenden Quartalen schließen lassen. Hier sei zunächst auf die Marktentwicklung bei Immobilien privater Nutzung hinzuweisen. Der in den USA viel beachtete Housing Market-Index - ein guter Frühindikator für Neubauaktivitäten im privaten Sektor - habe zuletzt deutlich nach unten gezeigt. Seit Jahresfrist sei der durchschnittliche Verkaufspreis bestehender Einfamilienhäuser bereits deutlich gesunken. Sinkende Nachfrage spiegle sich auch in Preisrückgängen und einer abnehmenden Verkaufszahl bestehender Einfamilienhäuser wider.
Es sei anzunehmen, dass der sich abzeichnende Preisverfall am nichtgewerblichen Immobilienmarkt eine geringere Nachfrage des privaten Sektors nach Hypothekendarlehen bewirken werde. Ein dämpfender Nachfrageeffekt bei Hypothekendarlehen dürfte zusätzlich von dem rapiden Anstieg des Zinsniveaus in den letzten zwölf Monaten ausgehen. Infolge der sinkenden Kreditnachfrage privater Haushalte sollte sich die private Sparquote zu Lasten des Konsums erhöhen. Wegen der verzögerten Wirkung von Vermögenseffekten werde die einsetzende Abkühlung am Immobilienmarkt voraussichtlich erst im nächsten Jahr zu einer merklichen Einschränkung der allgemeinen Konsumneigung beitragen.
Zur genaueren Einschätzung des zukünftigen Kaufverhaltens der US-Bürger empfehle sich eine Betrachtung der einschlägigen Konsumfrühindikatoren. Der Consumer Confidence-Index und der von der Michigan Universität veröffentlichte Consumer Sentiment-Index würden einen Blick auf die Konsumbereitschaft in den kommenden sechs bis zwölf Monaten erlauben. Beide Indikatoren würden zurzeit ein recht pessimistisches Stimmungsbild für die allgemeine Kaufzuversicht zeichnen. So würden beide unterhalb ihrer langfristigen Mittelwerte notieren. Zudem würden die langfristigen Trends im 6-Monats-Bereich nach unten zeigen.
In der Regel werde das Konsumentenvertrauen stark durch die aktuelle Börsensituation beeinflusst. So sei die negative Stimmungslage der Verbraucher auch vor dem Hintergrund der relativ schwachen Aktienmarktentwicklung in den USA zu sehen.
Einen weiteren entscheidenden Faktor für das Kaufverhalten stelle das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte dar. Hier sei die Lage am Arbeitsmarkt von besonderer Bedeutung. Dort zeige sich momentan ein zweigeteiltes Bild. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen befinde sich seit dem zweiten Quartal in einem leichten Aufwärtstrend. Zudem stagniere seit einigen Monaten die Zahl der neu geschaffenen Stellen im außeragrarwirtschaftlichen Bereich. Auch ein anerkannter Frühindikator für das US-Beschäftigungsniveau - der Help-Wanted Advertising-Index - deute auf eine Abkühlung am Arbeitsmarkt hin. Der Index, der die Anzahl der Stellenanzeigen in den großen Tageszeitungen messe, habe zuletzt deutlich nach unten gezeigt.
Diesen negativen Rahmenbedingungen stehe eine Reihe positiver Arbeitsmarktdaten gegenüber. So würden sich die durchschnittlichen Stundenlöhne nach wie vor in einem Aufwärtstrend befinden. Das lasse auf eine weiterhin hohe Nachfrage nach Arbeitskräften schließen. Diese Annahme werde auch durch einen seit einem Jahr anhaltenden Aufwärtstrend in der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit unterstützt. Die Lohn- und Arbeitszeitentwicklung zeige trotz der genannten Unsicherheitsfaktoren eine nach wie vor robuste Verfassung des US-Arbeitsmarktes an. Mit einer Stagnation oder gar einem Rückgang des verfügbaren Einkommens rechne man daher aktuell nicht.
Unabhängig von den Erwartungen der Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank hinsichtlich des Konsumklimas gebe der inverse Verlauf der Zinsstrukturkurve Anlass zur Konjunktursorge. In der Vergangenheit habe eine inverse Zinsstrukturkurve in 85% der Fälle eine spürbare Abkühlung der US-Konjunktur nach sich gezogen. Zwar sei eine Beeinflussung der Zinsstrukturkurve durch die hohe Nachfrage asiatischer Notenbanken nach US-Staatsanleihen vorstellbar, jedoch sollte die inverse Zinsstrukturkurve vor dem Hintergrund der erwarteten Eintrübung des Konsumklimas ein Warnsignal darstellen. Die aktuelle Lage veranlasse die Analysten dazu, die Erwartungen für das BIP-Wachstum in den USA für das Jahr 2007 gegenüber ihrer letzten Prognose zurückzunehmen. Sie würden nunmehr mit einem Wirtschaftswachstum von 2,50% rechnen.
Der erwartete Nachfragerückgang in den USA sollte im nächsten Jahr auch einen dämpfenden Effekt für die Wirtschaft im Euroraum haben. Insbesondere die deutsche Wirtschaft dürfte wegen ihrer exportorientierten Ausrichtung von rückläufigen Wachstumsraten ihres transatlantischen Nachbarn betroffen sein. Die Erwartung einer Konjunkturabschwächung in Deutschland in den kommenden sechs Monaten werde auch durch den ZEW-Konjunkturindikator bekräftigt, dessen Erwartungskomponente sich aktuell auf dem niedrigsten Stand seit Januar 1999 befinde.
Der sich in dem Index widerspiegelnde Konjunkturpessimismus führender Volkswirte gründe sich neben externen Effekten auch auf hausgemachte Probleme wie die geplante Einführung der Mehrwertsteuer und der Gesundheitsreform. Man erwarte für die BIP-Ausweitung in Deutschland im nächsten Jahr 1,25%. Für den Euroraum liege die Schätzung der Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank bei 2,00%. ( Ausgabe 4. Quartal 2006)(11.10.2006/ac/a/m)
Deutschland als größte Volkswirtschaft der europäischen Wirtschaft habe im zweiten Quartal erstmals seit fünf Jahren wieder höhere Wachstumsraten zu verzeichnen gehabt als die USA. So sei das Wachstum in Deutschland mit einer jährlichen Rate von 3,60% vergleichsweise hoch ausgefallen. Auch andere große Volkswirtschaften der EU wie Frankreich und Großbritannien hätten mit überraschend positiven Konjunkturdaten im Jahresverlauf glänzen können. Dagegen sei die Wirtschaft in den USA im zweiten Quartal nur noch mit einer jährlichen Rate von 2,50% gegenüber 5,60% im ersten Quartal gewachsen. Diese gegensätzlichen ökonomischen Entwicklungen würden eine gewisse Unabhängigkeit der europäischen Wirtschaft von der amerikanischen Konjunkturlokomotive zeigen.
Die schwächere US-Nachfrage nach europäischen Gütern und Dienstleistungen habe durch die wachsende Bedeutung asiatischer Volkswirtschaften als Absatzmarkt europäischer Unternehmen kompensiert werden können. Eine langfristige Abkoppelung der Konjunkturentwicklung Europas von den USA sei trotz der Erschließung neuer Absatzmärkte dennoch nicht zu erwarten. Als Hauptabnehmer asiatischer Wirtschaftsleistungen habe die konjunkturelle Lage in den USA maßgeblichen Einfluss auf die Wachstumsraten in Asien. Von einer nachhaltigen Abkühlung der amerikanischen Wirtschaft werde daher auch ein negativer Impuls für den asiatischen und europäischen Wirtschaftsraum ausgehen.
Knapp 70% der gesamten Wirtschaftsleistung der USA würden durch die private Binnennachfrage erwirtschaftet. Das Konjunkturwachstum in den USA werde somit in erheblichem Maße durch die Konsumnachfrage des US-Verbrauchers getragen. Dies würden auch die jüngsten Konjunkturdaten aus dem ersten Halbjahr 2006 belegen. Der Wachstumsbeitrag der Konsumkomponente des BIP sei im zweiten gegenüber dem ersten Quartal um 1,60 Prozentpunkte gesunken. Dies bedeute, dass mehr als 50% der Wachstumsverlangsamung auf die gesunkene Konsumfreude der US-Bürger zurückzuführen seien.
Aus der Sicht der Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank deute einiges darauf hin, dass sich der schwächere Konjunkturtrend in den USA im Verlaufe dieses Jahres und auch im nächsten Jahr fortsetzen werde. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen würden aktuell auf eine weitere Eintrübung des Konsumklimas in den kommenden Quartalen schließen lassen. Hier sei zunächst auf die Marktentwicklung bei Immobilien privater Nutzung hinzuweisen. Der in den USA viel beachtete Housing Market-Index - ein guter Frühindikator für Neubauaktivitäten im privaten Sektor - habe zuletzt deutlich nach unten gezeigt. Seit Jahresfrist sei der durchschnittliche Verkaufspreis bestehender Einfamilienhäuser bereits deutlich gesunken. Sinkende Nachfrage spiegle sich auch in Preisrückgängen und einer abnehmenden Verkaufszahl bestehender Einfamilienhäuser wider.
Es sei anzunehmen, dass der sich abzeichnende Preisverfall am nichtgewerblichen Immobilienmarkt eine geringere Nachfrage des privaten Sektors nach Hypothekendarlehen bewirken werde. Ein dämpfender Nachfrageeffekt bei Hypothekendarlehen dürfte zusätzlich von dem rapiden Anstieg des Zinsniveaus in den letzten zwölf Monaten ausgehen. Infolge der sinkenden Kreditnachfrage privater Haushalte sollte sich die private Sparquote zu Lasten des Konsums erhöhen. Wegen der verzögerten Wirkung von Vermögenseffekten werde die einsetzende Abkühlung am Immobilienmarkt voraussichtlich erst im nächsten Jahr zu einer merklichen Einschränkung der allgemeinen Konsumneigung beitragen.
In der Regel werde das Konsumentenvertrauen stark durch die aktuelle Börsensituation beeinflusst. So sei die negative Stimmungslage der Verbraucher auch vor dem Hintergrund der relativ schwachen Aktienmarktentwicklung in den USA zu sehen.
Einen weiteren entscheidenden Faktor für das Kaufverhalten stelle das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte dar. Hier sei die Lage am Arbeitsmarkt von besonderer Bedeutung. Dort zeige sich momentan ein zweigeteiltes Bild. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen befinde sich seit dem zweiten Quartal in einem leichten Aufwärtstrend. Zudem stagniere seit einigen Monaten die Zahl der neu geschaffenen Stellen im außeragrarwirtschaftlichen Bereich. Auch ein anerkannter Frühindikator für das US-Beschäftigungsniveau - der Help-Wanted Advertising-Index - deute auf eine Abkühlung am Arbeitsmarkt hin. Der Index, der die Anzahl der Stellenanzeigen in den großen Tageszeitungen messe, habe zuletzt deutlich nach unten gezeigt.
Diesen negativen Rahmenbedingungen stehe eine Reihe positiver Arbeitsmarktdaten gegenüber. So würden sich die durchschnittlichen Stundenlöhne nach wie vor in einem Aufwärtstrend befinden. Das lasse auf eine weiterhin hohe Nachfrage nach Arbeitskräften schließen. Diese Annahme werde auch durch einen seit einem Jahr anhaltenden Aufwärtstrend in der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit unterstützt. Die Lohn- und Arbeitszeitentwicklung zeige trotz der genannten Unsicherheitsfaktoren eine nach wie vor robuste Verfassung des US-Arbeitsmarktes an. Mit einer Stagnation oder gar einem Rückgang des verfügbaren Einkommens rechne man daher aktuell nicht.
Unabhängig von den Erwartungen der Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank hinsichtlich des Konsumklimas gebe der inverse Verlauf der Zinsstrukturkurve Anlass zur Konjunktursorge. In der Vergangenheit habe eine inverse Zinsstrukturkurve in 85% der Fälle eine spürbare Abkühlung der US-Konjunktur nach sich gezogen. Zwar sei eine Beeinflussung der Zinsstrukturkurve durch die hohe Nachfrage asiatischer Notenbanken nach US-Staatsanleihen vorstellbar, jedoch sollte die inverse Zinsstrukturkurve vor dem Hintergrund der erwarteten Eintrübung des Konsumklimas ein Warnsignal darstellen. Die aktuelle Lage veranlasse die Analysten dazu, die Erwartungen für das BIP-Wachstum in den USA für das Jahr 2007 gegenüber ihrer letzten Prognose zurückzunehmen. Sie würden nunmehr mit einem Wirtschaftswachstum von 2,50% rechnen.
Der erwartete Nachfragerückgang in den USA sollte im nächsten Jahr auch einen dämpfenden Effekt für die Wirtschaft im Euroraum haben. Insbesondere die deutsche Wirtschaft dürfte wegen ihrer exportorientierten Ausrichtung von rückläufigen Wachstumsraten ihres transatlantischen Nachbarn betroffen sein. Die Erwartung einer Konjunkturabschwächung in Deutschland in den kommenden sechs Monaten werde auch durch den ZEW-Konjunkturindikator bekräftigt, dessen Erwartungskomponente sich aktuell auf dem niedrigsten Stand seit Januar 1999 befinde.
Der sich in dem Index widerspiegelnde Konjunkturpessimismus führender Volkswirte gründe sich neben externen Effekten auch auf hausgemachte Probleme wie die geplante Einführung der Mehrwertsteuer und der Gesundheitsreform. Man erwarte für die BIP-Ausweitung in Deutschland im nächsten Jahr 1,25%. Für den Euroraum liege die Schätzung der Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank bei 2,00%. ( Ausgabe 4. Quartal 2006)(11.10.2006/ac/a/m)
