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Fr, 17. April 2026, 13:54 Uhr

USA keine Zinserhöhung erwartet


01.04.04 16:17
WGZ-Bank

Die US-Wirtschaft wächst derzeit dynamisch, so die Analysten der WGZ-Bank.

In den vergangenen beiden Quartalen sei die Wirtschaftleistung im Durchschnitt um jeweils 1,5% Q/Q gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr habe das BIP Ende 2003 um 4,3% höher gelegen. Das Wachstum sei im Wesentlichen von dem robusten Privaten Konsum und den kräftig anziehenden Investitionen getragen worden. Der Private Konsum habe sein ohnehin hohes Wachstumstempo gestützt durch die Steuersenkungen in den letzten beiden Quartalen 2003 noch steigern können und sei um durchschnittlich 1,25% Q/Q gewachsen. Bei den Investitionen habe die deutlich verbesserte Ertragslage der US-Unternehmen sowie die günstigen Finanzierungskonditionen für einen kräftigen Anstieg gesorgt.

Nachdem die Investitionsausgaben bereits in der ersten Jahreshälfte Tritt gefasst hätten, hätten sie in der zweiten Jahreshälfte mit Raten von jeweils 3% zulegen können. Vor dem Hintergrund der kräftigen Wachstumsdynamik sei die anhaltende Schwäche des US-Arbeitsmarktes bemerkenswert. Trotz Wachstumsraten von annualisiert 4% und mehr gelinge es der US-Wirtschaft nur in geringem Maße neue Stellen zu schaffen. Die Beschäftigungsentwicklung im laufenden Konjunkturzyklus sei sogar deutlich hinter der der "Jobless Recovery" Anfang der 90er Jahre zurückgeblieben. Seit Ende der Rezession im Herbst 2001 seien per saldo noch rd. 700 Tsd. Stellen verloren gegangen, während im Durchschnitt der Aufschwungphasen bis zu diesem Zeitpunkt bereits rd. 4 Mio. neue Stellen geschaffen worden seien und selbst in der "Jobless Recovery" ein Beschäftigungszuwachs von 2,1 Mio. erzielt worden sei.

Die schwache Beschäftigungsentwicklung sei derzeit die Achillesferse der US-Wirtschaft. Sollte es im Laufe dieses Jahres nicht gelingen, ein spürbares und vor allem nachhaltiges Beschäftigungswachstum von rd. 150 Tsd. Stellen pro Monat zu erzielen, stehe hinter den längerfristigen Wachstumsaussichten der US-Wirtschaft ein großes Fragezeichen. Ohne deutliche Einkommenszuwächse dürfte es nicht gelingen, das robuste Wachstum der Konsumnachfrage langfristig weiter aufrechtzuerhalten. In diesem Jahr werde der Private Konsum insbesondere in der ersten Jahreshälfte noch durch die 2003 beschlossenen Steuersenkungen gestützt - dieser Effekt dürfte aber bereits in der zweiten Jahreshälfte spürbar an Wirkung verlieren.

Solange sich am Arbeitsmarkt keine deutliche Belebung abzeichne und noch ausreichend Kapazitätsspielraum in der US-Wirtschaft vorhanden sei, dürfte die US-Notenbank keine Zinswende einleiten. Die Analysten würden entsprechend bis zum Jahresende unveränderte Leitzinsen in den USA sehen. Erst Anfang des nächsten Jahres dürfte die FED die Leitzinsen erstmals wieder moderat anheben. In 12 Monaten erwarte man die FED Funds bei 2,0%. Am Rentenmarkt dürfte die geldpolitische Wende bereits im Jahresverlauf antizipiert werden. Auf Jahressicht sehe man am US-Bondmarkt am langen Ende einen Renditeanstieg von etwas mehr 100 Bp. Die 10-jährigen US-Staatanleihen dürften dann bei einer Verzinsung von rd. 5,0% notieren.