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Sa, 18. April 2026, 4:57 Uhr

Rückgang der Konjunkturbarometer ist ein Echo von Japan


21.06.11 14:55
Bank Sarasin & Cie AG

Basel (aktiencheck.de AG) - Es mag niemanden überraschen, dass der seit zwei Jahren anhaltende Aufschwung nun seinen vorläufigen Zenit erreicht hat. Doch die sich andeutende erstaunlich rasche Verlangsamung wirft Fragen auf, so Dr. Jan A. Poser, Chefökonom der Bank Sarasin & Cie AG.

Der US-Einkaufsmanagerindex sei allein im Mai von einem Boomwert von 60,4 auf einen Wert von 53,5 nahe dem langjährigen Durchschnittswert heruntergefallen, der europäische Einkaufsmanagerindex von 58 auf 54,6. Hauptgrund dafür sei ein Sonderfaktor. Der Ausfall der Produktion von Hochtechnologiegütern im Zuge des Erdbebens von Japan habe zu einem Unterbruch in den internationalen Lieferketten geführt, der sich nun mit Verzögerung in Europa und den USA niederschlage. Der Rückgang der Stimmungsindikatoren erscheine wie ein Echo des Absturzes des japanischen Einkaufsmanagerindex im Zuge der Dreifachkatastrophe.

Insbesondere die Autoindustrie scheine davon besonders betroffen. Die kürzlich veröffentlichten Daten aus den USA würden zeigen, dass die Produktion von Autos im April um 6,5% und im Mai noch einmal um 1,5% zurückgegangen sei. Da weniger Autos produziert worden seien, hätten auch weniger verkauft werden können. Die US-Autoabsätze seien seit März um 5% gefallen. Autohändler hätten offenbar die Angebotsbeschränkung zu unüblich starken Preiserhöhungen von 0,8% in jedem der letzten drei Monate bis Mai nutzen können. Dies spreche dafür, dass es sich bei den Autos weniger um ein Nachfrage- als um ein Angebotsproblem handle, das in einigen Monaten behoben sein sollte und bis ins vierte Quartal 2011 wieder ein rascher Anstieg der Konjunkturbarometer zu erwarten sei.

Unsere Erwartung eines Rückpralleffektes sollte jedoch nicht zu viel Optimismus schüren, so die Analysten der Bank Sarasin & Cie AG. Die Unsicherheit um die Prognose der Analysten habe sich massiv erhöht. Es bestehe das Risiko, dass die Erholung schwächer ausfalle und auch nicht allzu lange anhalten werde. Erstens könne nicht der gesamte Rückgang der europäischen und amerikanischen Stimmungsbarometer auf die Autoindustrie zurückgeführt werden. Analysen von Goldman Sachs würden ergeben, dass deren Anteil auf nur 30% beziffert werden könne.

Zweitens scheine es plausibel, dass der Anstieg der Benzinpreise die Konsumenten geschockt habe. Aus dem Jahr 2008, als der Ölpreis auf 140 USD/Fass gestiegen sei, wisse man, dass solche Käuferstreiks länger anhalten könnten und durch Multiplikatoreffekte auf Einkommen und Beschäftigung einen Abschwung auslösen könnten.

Drittens sollte man während des Rückpralls auch die Entwicklung bis ins Jahr 2012 im Auge behalten. Die Phase starken Wachstums in den letzten zwei Jahren sei durch einen erheblichen geld- und fiskalpolitischen Stimulus ausgelöst worden. Dieser laufe nun aus. Jeder Rückprall der Stimmungsindikatoren müsse im Kontext einer einige Quartale dauernden Verlangsamung betrachtet werden.

Der Rückgang der Stimmungsindikatoren zwingt uns in jedem Fall zu einer Abwärtsrevision des Weltwirtschaftswachstums, so die Analysten der Bank Sarasin & Cie AG. Auch wenn man bis ins vierte Quartal mit einem erneuten Anstieg der Konjunkturbarometer rechne, würden die Konjunkturrisiken bis ins Jahr 2012 wieder ansteigen und zu erhöhter Wachsamkeit mahnen. (21.06.2011/ac/a/m)




 
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