Rentenmärkte starke Kursverluste in Q2/2008
29.07.08 12:22
Conrad Hinrich Donner Bank
Hamburg (aktiencheck.de AG) - Während die Welt aus Sicht eines Rentenanlegers im ersten Quartal noch mehr als in Ordnung war, änderte sich die Situation seit April schlagartig, so die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank.
In den ersten Monaten des Jahres seien festverzinsliche Wertpapiere die Gewinner der zunehmenden Unsicherheiten an den internationalen Kapitalmärkten gewesen. Geld sei aus risikoreichen Anlagen abgezogen und besonders in vermeintlich sicheren Staatsanleihen angelegt worden. Dies habe die Kurse nach oben getrieben, so dass sich Anleger neben der Verzinsung zusätzlich über relativ hohe Kursgewinne hätten freuen können.
Mit dem Beginn des zweiten Quartals sei dann jedoch zunehmend das Thema der in den vergangenen Monaten stark gestiegenen Inflationsraten auf die Tagesordnung der Marktteilnehmer gekommen. Die Folge seien erhebliche Kursverluste innerhalb sehr kurzer Zeit gewesen. Gemessen an den ansonsten eher schwankungsarmen Anleihemärkten sei die Wertentwicklung deutscher Staatsanleihen außergewöhnlich negativ gewesen. So habe der Käufer einer beispielhaften 10-jährigen Bundesanleihe innerhalb von drei Monaten einen Wertverlust in Höhe von 4,31% zu verzeichnen gehabt.
Die für diesen Zeitraum angefallene Verzinsung der Anleihe sei dabei berücksichtigt worden, habe jedoch das sehr schlechte Ergebnis kaum verbessern können. Da sich steigende Inflationsängste besonders auf Anleihen mit langen Laufzeiten negativ auswirken würden, hätten sich kürzer laufende Renten - wie von den Analysten erwartet - relativ besser entwickeln können. Verluste hätten jedoch auch in diesem Segment nicht völlig vermieden werden können. Somit verbleibe seit Jahresanfang kaum noch eine positive Wertentwicklung im Bereich deutscher Staatsanleihen.
Die deutlich gestiegene Rendite von Anleihen mit längeren Laufzeiten habe dafür gesorgt, dass sich der Renditeabstand zu kurzfristigen verzinslichen Anlagen abgebaut, aber noch nicht ganz aufgelöst habe. Zwar würden damit die mit dem Kauf einer länger laufenden Anleihe verbundenen höheren Kursrisiken noch immer nicht adäquat entlohnt, jedoch spreche die sehr negative Wertentwicklung des zweiten Quartals für einen besseren Kursverlauf in den kommenden Monaten.
Die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Leitzinssenkung erscheine nach der letzten Zinserhöhung durch die EZB und der damit verbundenen Stellungnahme, die auf die Risiken einer weiter steigenden Inflation hingewiesen habe, zunächst sehr gering. Die Zinsentwicklung am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve dürfte damit weiterhin von der Situation am Interbankengeldmarkt geprägt sein. Da sich hier noch immer keine Normalisierung eingestellt habe - die von den Banken für gegenseitige Ausleihungen zu zahlenden Zinssätze lägen immer noch deutlich höher als die Leitzinsen der EZB - dürfte das Potenzial einer möglichen Senkung des Marktzinses im Bereich kurzer Laufzeiten sehr begrenzt sein.
Während die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank sehr risikoarmen Anlegern weiterhin zum Kauf von Anleihen mit kürzeren Laufzeiten raten, empfehlen sie risikobewussteren Kunden eine Verlängerung der durchschnittlichen Restlaufzeit ihres Anleiheportfolios. Diese könnten von einer möglichen Erholung der Rentenmärkte in den kommenden Wochen profitieren.
Entscheidend für den weiteren Kursverlauf der Anleihen mit einer langen Restlaufzeit werde die weitere Einschätzung der Marktteilnehmer zu den langfristigen Inflationsaussichten sein. Sollte wie bisher die Erwartung der Anleger weiterhin auf steigende Inflationsraten ausgerichtet sein, seien nach einer Zwischenerholung weitere Kursverluste zu erwarten. Nach Erachten der Analysten sollte sich jedoch eher die Einsicht durchsetzen, dass in einer Phase sich abkühlender konjunktureller Entwicklungen auch auf der Seite der Inflation eine gewisse Entlastung zu erwarten sei.
Käufer von Unternehmensanleihen würden gegenüber dem Erwerb von Staatsanleihen eine höhere Rendite erwarten. Da Unternehmen in der Regel ein höheres Ausfallrisiko als Staaten hätten, würden Anleger ihr Geld an Unternehmen nur gegen die Zahlung einer Risikoprämie - also eines Zinsaufschlages im Vergleich zu Staatsanleihen - ausleihen.
Dieser Risikoaufschlag sei vor der Subprime-Krise kaum noch vorhanden gewesen. Die Ausfallraten im Segment der Unternehmensanleihen hätten sich jahrelang auf sehr niedrigen Niveaus befunden. Zudem habe es weltweit sehr viel Liquidität gegeben, die zu einem großen Teil in dieses Segment investiert worden sei. Die Folge seien steigende Notierungen der Anleihekurse und immer geringere Risikoprämien gewesen. Mit der starken Ausweitung der Risikoscheu der Anleger im Zuge der seit Mitte 2007 schwelenden Hypothekenkrise in den USA, die sich zu einer weltweiten Bankenkrise entwickelt habe, seien auch die Risikoprämien deutlich angestiegen.
Ein großer Teil der weltweit begebenen Unternehmensanleihen werde von Banken und Versicherungen emittiert. Viele Anleger hätten in den letzten Monaten nicht nur ihre Aktien aus diesem Segment verkauft, sondern auch gleichzeitig deren Anleihen veräußert. Auch dies erkläre den deutlichen Anstieg der Risikoprämien.
Wenn auch in diesem Bereich noch mit einigen Schwankungen zu rechnen sei, würden die Analysten Anlegern erste Investitionen empfehlen. Käufer von Unternehmensanleihen könnten damit doppelt profitieren. Zum einen würden die Kurse aufgrund sinkender langfristiger Zinsen steigen. Zum anderen würden sinkende Risikoprämien steigende Notierungen bedeuten. Um die vorhandenen unternehmensspezifischen Risiken bei dem Erwerb einer Unternehmensanleihe zu verringern, sollte dabei auf den Kauf eines breit gestreuten Portfolios aus verschiedenen Schuldnern unterschiedlicher Branchen - zum Beispiel über einen Investmentfonds - zurückgegriffen werden.
Interessant bleibe in dieser - auch für Anleiheinvestoren sehr schwankungsreichen - Marktphase die Beimischung von so genannten Absolute Return Rentenfonds. Deren Zielsetzung sei die Erreichung von positiven Renditen unabhängig von der Entwicklung des Marktes. Nicht alle Fonds hätten diesem Anspruch in der Vergangenheit genügen können, jedoch gebe es einige Manager, die mit diesem Ansatz einen deutlichen Mehrwert in einem breit gestreuten, risikoarmen Portfolio hätten bieten können. (Ausgabe 3. Quartal 2008) (29.07.2008/ac/a/m)
In den ersten Monaten des Jahres seien festverzinsliche Wertpapiere die Gewinner der zunehmenden Unsicherheiten an den internationalen Kapitalmärkten gewesen. Geld sei aus risikoreichen Anlagen abgezogen und besonders in vermeintlich sicheren Staatsanleihen angelegt worden. Dies habe die Kurse nach oben getrieben, so dass sich Anleger neben der Verzinsung zusätzlich über relativ hohe Kursgewinne hätten freuen können.
Mit dem Beginn des zweiten Quartals sei dann jedoch zunehmend das Thema der in den vergangenen Monaten stark gestiegenen Inflationsraten auf die Tagesordnung der Marktteilnehmer gekommen. Die Folge seien erhebliche Kursverluste innerhalb sehr kurzer Zeit gewesen. Gemessen an den ansonsten eher schwankungsarmen Anleihemärkten sei die Wertentwicklung deutscher Staatsanleihen außergewöhnlich negativ gewesen. So habe der Käufer einer beispielhaften 10-jährigen Bundesanleihe innerhalb von drei Monaten einen Wertverlust in Höhe von 4,31% zu verzeichnen gehabt.
Die für diesen Zeitraum angefallene Verzinsung der Anleihe sei dabei berücksichtigt worden, habe jedoch das sehr schlechte Ergebnis kaum verbessern können. Da sich steigende Inflationsängste besonders auf Anleihen mit langen Laufzeiten negativ auswirken würden, hätten sich kürzer laufende Renten - wie von den Analysten erwartet - relativ besser entwickeln können. Verluste hätten jedoch auch in diesem Segment nicht völlig vermieden werden können. Somit verbleibe seit Jahresanfang kaum noch eine positive Wertentwicklung im Bereich deutscher Staatsanleihen.
Die deutlich gestiegene Rendite von Anleihen mit längeren Laufzeiten habe dafür gesorgt, dass sich der Renditeabstand zu kurzfristigen verzinslichen Anlagen abgebaut, aber noch nicht ganz aufgelöst habe. Zwar würden damit die mit dem Kauf einer länger laufenden Anleihe verbundenen höheren Kursrisiken noch immer nicht adäquat entlohnt, jedoch spreche die sehr negative Wertentwicklung des zweiten Quartals für einen besseren Kursverlauf in den kommenden Monaten.
Die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Leitzinssenkung erscheine nach der letzten Zinserhöhung durch die EZB und der damit verbundenen Stellungnahme, die auf die Risiken einer weiter steigenden Inflation hingewiesen habe, zunächst sehr gering. Die Zinsentwicklung am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve dürfte damit weiterhin von der Situation am Interbankengeldmarkt geprägt sein. Da sich hier noch immer keine Normalisierung eingestellt habe - die von den Banken für gegenseitige Ausleihungen zu zahlenden Zinssätze lägen immer noch deutlich höher als die Leitzinsen der EZB - dürfte das Potenzial einer möglichen Senkung des Marktzinses im Bereich kurzer Laufzeiten sehr begrenzt sein.
Entscheidend für den weiteren Kursverlauf der Anleihen mit einer langen Restlaufzeit werde die weitere Einschätzung der Marktteilnehmer zu den langfristigen Inflationsaussichten sein. Sollte wie bisher die Erwartung der Anleger weiterhin auf steigende Inflationsraten ausgerichtet sein, seien nach einer Zwischenerholung weitere Kursverluste zu erwarten. Nach Erachten der Analysten sollte sich jedoch eher die Einsicht durchsetzen, dass in einer Phase sich abkühlender konjunktureller Entwicklungen auch auf der Seite der Inflation eine gewisse Entlastung zu erwarten sei.
Käufer von Unternehmensanleihen würden gegenüber dem Erwerb von Staatsanleihen eine höhere Rendite erwarten. Da Unternehmen in der Regel ein höheres Ausfallrisiko als Staaten hätten, würden Anleger ihr Geld an Unternehmen nur gegen die Zahlung einer Risikoprämie - also eines Zinsaufschlages im Vergleich zu Staatsanleihen - ausleihen.
Dieser Risikoaufschlag sei vor der Subprime-Krise kaum noch vorhanden gewesen. Die Ausfallraten im Segment der Unternehmensanleihen hätten sich jahrelang auf sehr niedrigen Niveaus befunden. Zudem habe es weltweit sehr viel Liquidität gegeben, die zu einem großen Teil in dieses Segment investiert worden sei. Die Folge seien steigende Notierungen der Anleihekurse und immer geringere Risikoprämien gewesen. Mit der starken Ausweitung der Risikoscheu der Anleger im Zuge der seit Mitte 2007 schwelenden Hypothekenkrise in den USA, die sich zu einer weltweiten Bankenkrise entwickelt habe, seien auch die Risikoprämien deutlich angestiegen.
Ein großer Teil der weltweit begebenen Unternehmensanleihen werde von Banken und Versicherungen emittiert. Viele Anleger hätten in den letzten Monaten nicht nur ihre Aktien aus diesem Segment verkauft, sondern auch gleichzeitig deren Anleihen veräußert. Auch dies erkläre den deutlichen Anstieg der Risikoprämien.
Wenn auch in diesem Bereich noch mit einigen Schwankungen zu rechnen sei, würden die Analysten Anlegern erste Investitionen empfehlen. Käufer von Unternehmensanleihen könnten damit doppelt profitieren. Zum einen würden die Kurse aufgrund sinkender langfristiger Zinsen steigen. Zum anderen würden sinkende Risikoprämien steigende Notierungen bedeuten. Um die vorhandenen unternehmensspezifischen Risiken bei dem Erwerb einer Unternehmensanleihe zu verringern, sollte dabei auf den Kauf eines breit gestreuten Portfolios aus verschiedenen Schuldnern unterschiedlicher Branchen - zum Beispiel über einen Investmentfonds - zurückgegriffen werden.
Interessant bleibe in dieser - auch für Anleiheinvestoren sehr schwankungsreichen - Marktphase die Beimischung von so genannten Absolute Return Rentenfonds. Deren Zielsetzung sei die Erreichung von positiven Renditen unabhängig von der Entwicklung des Marktes. Nicht alle Fonds hätten diesem Anspruch in der Vergangenheit genügen können, jedoch gebe es einige Manager, die mit diesem Ansatz einen deutlichen Mehrwert in einem breit gestreuten, risikoarmen Portfolio hätten bieten können. (Ausgabe 3. Quartal 2008) (29.07.2008/ac/a/m)
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