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Sa, 18. April 2026, 11:16 Uhr

Rentenmärkte Trends setzen sich weiter fort


20.07.09 15:13
Conrad Hinrich Donner Bank

Hamburg (aktiencheck.de AG) - Die bereits im ersten Quartal einsetzenden Trends im Bereich der Staatsanleihen haben sich weiter fortgesetzt, so die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank.

Die Renditen bei Anleihen mit einer kurzen Laufzeit seien gefallen, während die Renditen länger laufender Anleihen im Quartalsvergleich gestiegen seien. Zwischenzeitlich habe eine 10-jährige Bundesanleihe mit 3,75% p.a. rentiert. Dagegen könnten Investoren mit Anleihen des gleichen Emittenten mit einer Laufzeit bis zu 24 Monaten zurzeit nur historisch niedrige Renditen in Höhe von ca. 1,00% p.a. erzielen. Bundesschatzbriefe würden im ersten Laufzeitjahr sogar nur mit 0,75% rentieren. Somit habe sich das Renditegefüge innerhalb von 18 Monaten vollständig geändert. Vor dem Ausbruch der Finanzkrise hätten Investoren ca. 4,00% p.a. in jedem Laufzeitensegment erzielen können. Die aggressiven Zinssenkungen der Notenbanken hätten jedoch zu einer Erosion insbesondere der kurzfristigen Zinsen geführt.

Es sei aber zu erwarten, dass die aktuelle Situation nicht lang andauern werde. Eine möglicherweise auflebende Inflation könnte ebenso wie Zinserhöhungen durch die Notenbanken zu steigenden Renditen in allen Laufzeiten führen. Die Empfehlung der Analysten, Kursgewinne bei länger laufenden Anleihen zu realisieren und die Umschichtung in Staatspapiere mit geringerer Restlaufzeit vorzunehmen, habe daher noch immer Gültigkeit.

Die inzwischen oft zitierte Kreditklemme habe die Unternehmen erreicht. Banken würden den Unternehmern immer weniger Kredite zur Verfügung stellen. Kredite würden aber in dieser Phase dringend gebraucht, um sich weiterhin finanzieren zu können. Probleme in der Finanzierung größerer Projekte - wie z.B. Unternehmensübernahmen - würden offen zu Tage treten. Prominente Beispiele wie Schaeffler oder Porsche würden hier nur die Spitze des Eisberges zeigen. Somit würden immer mehr Unternehmen auf die Refinanzierung am Kapitalmarkt ausweichen und Anleihen emittieren. Allein im ersten Halbjahr 2009 seien mehr als 150 Mrd. EUR an Unternehmensanleihen ausgegeben worden. Dieser Wert übersteige das Gesamtvolumen der Jahre 2007 (130 Mrd. EUR) und 2008 (80 Mrd. EUR).

Für Kapitalanleger seien Unternehmensanleihen zu Beginn des Jahres eine der attraktivsten Anlagemöglichkeiten gewesen. Hohe Risikoprämien hätten geringen Renditen von Staatsanleihen gegenübergestanden. Für die Höhe der Risikoaufschläge sei dabei nicht nur das Rating, sondern auch die Zugehörigkeit zu bestimmten Industriesektoren maßgeblich gewesen. So hätten konjunktursensible Automobilkonzerne höhere Prämien zahlen müssen, als vergleichsweise konjunkturunabhängige Versorgungsunternehmen.

In den folgenden Monaten habe die Beruhigung an den Kapitalmärkten jedoch zu einem Rückgang der Risikoaufschläge geführt und Investoren hätten zum Teil deutliche Kursgewinne verbuchen können. Die Aufschläge hätten sich inzwischen auf ein Niveau zurückgebildet, welches ähnlich hohe Kursgewinne unwahrscheinlich werden lasse. Dennoch empfehlen die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank, ausgewählte Unternehmensanleihen aufgrund der Mehrrendite gegenüber Staatsanleihen im Portfolio zu belassen. Aufgrund der herrschenden Unsicherheit über den weiteren Konjunkturverlauf sollte die Laufzeit dieser Anleihen fünf Jahre nicht übersteigen.

Das Segment der Hochzins- (bzw. High-Yield-)Anleihen umfasse Unternehmens- oder Staatsanleihen mit einer nicht erstklassigen Bonität. Als Maßstab für diese Klassifizierung gelte beispielsweise ein Rating der internationalen Rating-Agentur S&P, welches schlechter als BBB sei. Die gerade beschriebene Entwicklung bei den Risikoprämien habe bei Hochzins-Anleihen noch deutlicher beobachtet werden können.

In dieser Finanzkrise sei die Ausfallwahrscheinlichkeit von Unternehmensanleihen zu Beginn des Jahres aus heutiger Sicht deutlich überschätzt worden. Die Vermeidung von jeglichen Risiken habe gerade auch bei Anleihen mit einer schlechteren Bonität zu einem Ausverkauf geführt. In dieser Situation könnten Investoren, welche diese Anleihen kaufen würden, mit Kursgewinnen rechnen, wenn sich die Lage an den Kapitalmärkten beruhige. Diese Beruhigung sei zum Teil schon eingetreten, allerdings liege die Risikoprämie bei High-Yield-Anleihen mit einer Restlaufzeit von fünf Jahren noch immer bei ca. 7,50%. Ein langfristiger Durchschnittswert notiere demgegenüber bei ca. 5,00%. Die Analysten würden daher empfehlen, einem ausgewogenen Anleiheportfolio High-Yield-Fonds beizumischen.

In den letzten Jahren hätten diese Banken großvolumige Anleihen (Jumboanleihen) emittiert, welche sich aufgrund ihrer Ausstattungen (zusätzliches Pfandrecht an Grundstücken oder anderen Vermögensgegenständen bei Ausfall der Bank) hoher Beliebtheit erfreut hätten und rege gehandelt worden seien. Aktuell sei ein Handel jedoch nur erschwert möglich, da ein großer Teil dieser Anleihen zwischenzeitlich bei der EZB als Kreditsicherheit hinterlegt worden sei bzw. die Nachfrage nach diesen Papieren kaum vorhanden sei. Die dadurch hervorgerufene Preisverzerrung werde sich aus Sicht der Analysten mittelfristig lösen, weshalb Bestände in dieser Anlagegattung gehalten bzw. weiter aufgestockt werden sollten.

Eine vergleichbare Situation sei bei Wandelanleihen zu verzeichnen. Diese relativ gering verzinslichen Anleihen würden bei steigenden Aktienkursen ein Wandlungsrecht bieten, welches alternativ die Rückzahlung in Aktien vorsehe. Der Wert dieses Wandlungsrechtes drücke sich im Kurs der Anleihe aus. Da die Analysten in den kommenden Monaten weitere Kursgewinne an den Aktienmärkten erwarten würden, würden sie mit moderaten Kursgewinnen auch bei Wandelanleihen rechnen. Wie bei Pfandbriefen habe die allgemeine Risikoaversion hier zu einem regelrechten Ausverkauf geführt. Die Folge seien teilweise deutliche Kursverluste gewesen. Damit würden sich in diesem Bereich die Möglichkeiten ergeben, attraktive Renditen mit moderaten Risiken zu verbinden.

Angesichts der aktuell niedrigen Zinsen bei Staatsanleihen seien höhere Renditen nur unter Inkaufnahme von größeren Risiken erzielbar. Daher empfehlen die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank ein gut diversifiziertes Anleiheportfolio mit einer kurzen durchschnittlichen Restlaufzeit. Da am jetzigen Markt historisch hohe Risikoprämien gezahlt würden, sollten Anleger mit einem mittelfristigen Anlagehorizont den Kauf von höher rentierlichen Anleihen aus den genannten Segmenten erwägen. (Ausgabe 3. Quartal 2009) (20.07.2009/ac/a/m)