Suchen
Login
Anzeige:
Fr, 17. April 2026, 9:31 Uhr

Renten teurer als Aktien


23.03.01 00:00
LB Schleswig-Holstein

Vor wenigen Wochen schrieben die Analysten der LB Schleswig-Holstein noch, dass die Nacht vor Sonnenaufgang am dunkelsten sei.

Man habe dabei leider übersehen, dass der Tag auch mit einer Sonnenfinsternis beginnen kann. Der Deutsche Aktienindex DAX habe den Analysten der LB Schleswig-Holstein jedenfalls nicht den Gefallen getan wieder zu steigen, er habe sogar noch seine Abwärtsbewegung beschleunigt und sei heute bis unter 5.500 Punkte gefallen. Damit habe der DAX seine Gewinne aus dem Jahr 1999/2000 wieder komplett abgegeben. Dabei sei der Aktienmarkt in Deutschland derzeit fundamental gut abgesichert. Auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr errechne sich momentan ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 20. Vergleiche man dieses Niveau mit einer Alternativ-Anlage am Rentenmarkt, so sehe das Bild sogar noch besser aus. Am Rentenmarkt würden die Zinsen derzeit bei 4,60% für zehnjährige Bundestitel liegen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis am Rentenmarkt betrage daher 100/4,6 = 21,75. Dies bedeute, dass das KGV am Rentenmarkt in diesen Tagen höher als das am Aktienmarkt sei.

Mit anderen Worten: Renten würden derzeit höher bewertet als Aktien. Eine solche Konstellation trete nur selten auf: Das letzte Mal im Herbst 1998 zum Höhepunkt der Asienkrise, und das seien die idealen Kaufkurse für den Anleger gewesen. Vor diesem Hintergrund dürften die aktuellen Kurse für den langfristigen Privatanleger eine gute Einstiegsbasis sein. Bei der Titelauswahl sollte sich der Anleger jedoch auf die großen Standardwerte mit intakter Gewinnentwicklung konzentrieren, da gerade bei kleinen Unternehmen die Unsicherheit über die Gewinnentwicklung und die Illiquidität der Aktien weitere böse Überraschungen bereithalten könnten.

Die Analysten der LB-Schleswig-Holstein würden im aktuellen Börsenumfeld etablierte Unternehmen wie die Deutsche Bank, Bayer, Siemens oder die Allianz zum Kauf empfehlen. Im Hochtechnologiebereich sollten Neuengagements bis zum Ende der Abwärtsbewegung zurückgestellt werden. Der private Anleger sollte lieber auf die ersten Prozente der Erholung verzichten, als dass er weitere Kursrückgänge riskiert. Verkäufe würde man in diesem Sektor auf dem aktuellen Kursniveau jedoch auch nicht empfehlen, zumal Siemens heute auf der Cebit ein Ende der Handy-Flaute für das zweite Quartal diesen Jahres erwartet. Wann sich diese gute Nachricht in den Kursen der Handy-Hersteller niederschlägt, bleibe jedoch abzuwarten.