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Fr, 17. April 2026, 12:13 Uhr

Nikkei unter 10.000 Punkten


17.09.01 12:43
LB Schleswig-Holstein

Nach Angaben der Analysten der LB Schleswig-Holstein ist der Nikkei unter den Stand von 10.000 Punkten gefallen.

Auch der bisher schon arg gebeutelte japanische Aktienmarkt sei von den Folgen der Ereignisse vom Dienstag nicht verschont geblieben. Schlagartig sei der Index der 225 größten Aktien um 682 Zähler gefallen und habe zum Tokioter Börsenschluss am 12. September mit 9.610 Punkten notiert. Nach einem Jahrzehnt der Baisse seien durch das nachhaltige Durchbrechen der psychologisch wichtigen 10.000 Punkte-Marke sämtliche Hoffnungen auf eine baldige Erholung zunichte gemacht worden. Der Nikkei notiere damit auf einem 17-Jahres-Tief.

Das erneute deutliche Absacken des Nikkei sei für die japanische Wirtschaft von höchster Brisanz. Experten befürchteten eine neue Welle von Konkursen, da ein solch niedriges Niveau des Nikkei die faktische Überschuldung zahlreicher verschuldeter und miteinander verflochtener Unternehmen nach sich ziehen könnte. Tatsächlich sei ein solches "Konkurs-Szenario" nicht auszuschließen, da die durchschnittliche Eigenkapitalquote der japanischen Banken mit 6,6% deutlich unter dem von der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) geforderten Richtwert liege.

Die Gründe für dieses Jahrzehnt der Baisse seien dagegen hausgemacht. Zum einen sei die japanische Ökonomie Anfang der Neunziger in einen Abwärtssog geraten, welcher sich in einem verlangsamten BIP-Wachstum niedergeschlagen habe. Nachdem das BIP bis 1991 noch mit knapp 10% gewachsen sei, habe sich das Wachstum in den darauf folgenden Jahren drastisch verlangsamt. Seit 1996 habe das BIP nahezu vollkommen stagniert. Zusätzlich hätte eine deflationäre Preisentwicklung das Wachstum in Form einer niedrigen Konsumneigung gehemmt. Zum anderen hätten in den Banken milliardenschwere unsichere Kredite gelauert, die nach und nach ans Tageslicht gekommen seien, mit der Folge, dass zahlreiche Kreditinstitute Konkurs angemeldet hätten.

Eine weitere Welle der Pleiten habe die japanischen High-Techs ereilt, die im Zuge der Neubewertung der New-Economy starke Kurseinbrüche hätten hinnehmen müssen. Die Handlungsmöglichkeiten der Regierung seien stark eingeschränkt, da eine Staatsverschuldung in Höhe von 140% des BIP eine fiskalpolitische Belebung der Nachfrage nahezu ausschließe. Weitere Zinssenkungen seien auf dem gegenwärtigen Nullzins-Niveau ebenso wirkungslos wie eine Ausweitung der Geldmenge vor dem Hintergrund des Liquiditätsüberschusses. Volkswirte würden in dieser Situation von der Liquiditätsfalle sprechen. Aufgrund dieser fundamentalen Probleme dürfte Japan relativ zu den anderen Industrieländern schwächer wachsen. Für das reale BIP würden Wachstumsraten von 0,2% für 2001 und 1,5% für 2002 prognostiziert.

Die Erkenntnis, dass strukturelle Reformen, wie z.B. die Verschärfung der Bilanzierungs- und Abschreibungsvorschriften oder die Kürzung von Subventionen, der einzige Weg aus der Krise seien, habe sich auch in Japan durchgesetzt. Nun hoffe die Bevölkerung auf den frischgebackenen Premier Koizumi, der für die konsequente Umsetzung der Reformvorhaben seiner LD-Partei eintrete. Trotz der jüngsten Bestätigung Koizumis im Oberhaus am 29. Juli seien jedoch ernste Zweifel an der tatsächlichen Umsetzung dieser Pläne angebracht. Die Vergangenheit zeige, dass unbequeme Reformpolitiker in Japan über kurz oder lang dasselbe Schicksal ereile: Man tausche sie einfach aus.