Kurzlaufende Bundesanleihen werden bevorzugt
24.04.09 12:02
Conrad Hinrich Donner Bank
Hamburg (aktiencheck.de AG) - Wie erwartet, haben sich deutsche Staatsanleihen mit Restlaufzeiten von bis zu fünf Jahren im ersten Quartal 2009 besser entwickelt als ihre länger laufenden Pendants, so die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank.
So hätten Anleger mit einer 2-jährigen Bundesanleihe eine Wertentwicklung in Höhe von 1,98% verbuchen können, während eine Anleihe mit einer 10-jährigen Restlaufzeit lediglich eine Rendite in Höhe von 0,83% verzeichnet habe. Neben dem anteiligen Kupon für drei Monate hätten bei kurzen Laufzeiten auch Kursgewinne zu der guten Wertentwicklung beigetragen.
Die Zinspolitik einer Zentralbank sei der entscheidende Treiber der Kurse im Bereich kurzlaufender Staatsanleihen. Dabei würden sinkende Leitzinsen zu steigenden Kursen bestehender Anleihepositionen führen, während steigende Zinsen fallende Kurse bewirken würden. Ursächlich für die steigenden Notierungen in den vergangenen Monaten seien daher weitere Zinssenkungen der EZB gewesen. Da die Europäische Zentralbank in den kommenden Monaten noch mindestens eine weitere Zinssenkung vornehmen dürfte, würden die Analysten nach wie vor den Bereich der Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von maximal drei Jahren empfehlen.
Bei länger laufenden deutschen Staatsanleihen überwiege angesichts der aktuellen Rendite in Höhe von 3,16% das Risiko von Kursverlusten gegenüber der Chance weiterer Gewinne. Die Kurse in diesem Laufzeitensegment würden besonders sensibel auf Inflationserwartungen der Marktteilnehmer reagieren. In einem inflationären Umfeld würden Anleger beim Kauf einer langlaufenden Anleihe eine höhere Verzinsung verlangen, da ein Teil der zu erwartenden Nominalverzinsung durch die Inflation aufgezehrt werde. Auch wenn kurzfristig eher deflatorische Tendenzen vorherrschen würden, dürfte die steigende Staatsverschuldung mittelfristig für steigende Inflationserwartungen und damit auch für ein steigendes Zinsniveau am langen Ende sorgen.
Sollte die Erwartung steigender Zinsen im Bereich langer Laufzeiten und sinkender Zinsen bei kurzlaufenden Anleihen eintreten, würde dies eine weitere Versteilung der Zinsstruktur zur Folge haben. Historisch betrachtet sei diese Situation zumeist ein guter Frühindikator für eine sich abzeichnende konjunkturelle Erholung aufgrund einer steigenden Kreditvergabeaktivität der Banken. Diese würden Fristentransformation betreiben, d.h. langfristige Kredite an Unternehmen vergeben und diese kurzfristiger am Kapitalmarkt refinanzieren. Eine steile Zinsstruktur sei damit die Voraussetzung für die Rentabilität dieses Geschäftes und somit für die Ausweitung des Kreditangebotes.
Gleichzeitig würden die gesunkenen Leitzinsen idealerweise für eine Stimulierung der konjunkturellen Entwicklung sorgen, so dass die Nachfrage nach Krediten durch die Unternehmen steige. Da dieser Mechanismus zurzeit aufgrund der anhaltenden Finanzmarkt- und Konjunkturkrise noch nicht wirke, werde die EZB die Leitzinsen zunächst noch weiter senken, weshalb kurzlaufende Anleihen der bevorzugte Bereich bleiben würden.
Mitte März 2009 habe die US-Notenbank FED für eine Sonderkonjunktur bei US-Staatsanleihen gesorgt. Während die Zinsen langlaufender Anleihen seit Anfang des Jahres bis zu diesem Zeitpunkt leicht gestiegen seien, sei es durch die Ankündigung der FED, zukünftig am Rentenmarkt massiv als Käufer von Anleihen aufzutreten, zu einer beispiellosen Kurssteigerung innerhalb eines Tages gekommen. Die Rendite einer 10-jährigen US-Staatsanleihe sei dadurch von 3,00% auf 2,53% gefallen.
Die vorher bestehenden Ängste der Anleiheinhaber vor einer steigenden Staatsverschuldung schienen plötzlich nicht mehr vorhanden zu sein, so die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank. Dieser Effekt dürfte jedoch nur vorübergehend sein, so dass dies aus Sicht der Analysten kein Grund für den Erwerb von US-Staatsanleihen sei. Mittelfristig dürfte hier analog zu der Situation in Europa eher die Gefahr von Kursverlusten angesichts steigender Inflationsängste bestehen. Hinzu komme aus Sicht eines europäischen Anlegers das erhebliche Währungsrisiko durch die Anlage in US-Dollar. Mit der massiven Ausweitung der Geldmenge jenseits des Atlantiks steige auch die Gefahr einer Abwertung der US-Währung gegenüber dem Euro, durch die positive Renditen der Anleihen mehr als kompensiert werden könnten.
Auch in weiteren Segmenten der Staatsanleihemärkte habe es zum Teil deutliche Preisverwerfungen gegeben. So liege die Rendite einer 10-jährigen österreichischen Anleihe zurzeit etwa 100 Basispunkte über der Rendite einer deutschen Bundesanleihe mit gleicher Laufzeit. Da beide Staaten dem Euroraum angehören würden und in der Vergangenheit nahezu vergleichbare Renditeniveaus gehabt hätten, sei diese Konstellation bemerkenswert. Offensichtlich würden die Marktakteure aktuell die Bonität Österreichs schlechter als die Deutschlands bewerten. Ursächlich dafür seien die starke Verflechtung und die damit hohe Abhängigkeit der österreichischen Wirtschaft von Osteuropa, wo die Wirtschaftskrise besonders starke Auswirkungen zeige.
Auch mit niederländischen Staatsanleihen seien zurzeit ähnliche Renditen zu erzielen. Nach Erachten der Analysten bestehe nicht die Gefahr, dass ein dem Euroraum angehörendes Land seine Schulden nicht zurückzahlen könne. Im Zweifel dürften andere Staaten des gemeinsamen Währungsraumes dafür Sorge tragen, dass eine mögliche Zahlungsunfähigkeit verhindert werde. Dies sei unumgänglich, wenn der Fortbestand des Euro nicht gefährdet werden solle. Daher seien Beimischungen ausgewählter Staatsanleihen aus diesen Ländern eine sinnvolle Alternative zur Generierung einer höheren Rendite in risikoarmen Portfolien, auch wenn mit zwischenzeitlichen Schwankungen gerechnet werden müsse.
Die Analystenempfehlung einer Beimischung von Unternehmensanleihen habe sich im bisherigen Jahresverlauf noch nicht ausgezahlt. Aufgrund der noch immer sehr hohen Risikoprämien in diesem Bereich würden die Analysten jedoch an dem Segment festhalten. Eine Beruhigung der Situation an den Kapitalmärkten sollte sich auch positiv auf viele Unternehmensanleihen auswirken. Geringere Risiken würden Anleger beim Kauf staatsgarantierter Unternehmensanleihen eingehen. Bei diesen sei das Ausfallrisiko mit dem einer deutschen Bundesanleihe vergleichbar. Daher seien allerdings auch die Renditen nur leicht höher. (Ausgabe 2. Quartal 2009) (24.04.2009/ac/a/m)
So hätten Anleger mit einer 2-jährigen Bundesanleihe eine Wertentwicklung in Höhe von 1,98% verbuchen können, während eine Anleihe mit einer 10-jährigen Restlaufzeit lediglich eine Rendite in Höhe von 0,83% verzeichnet habe. Neben dem anteiligen Kupon für drei Monate hätten bei kurzen Laufzeiten auch Kursgewinne zu der guten Wertentwicklung beigetragen.
Die Zinspolitik einer Zentralbank sei der entscheidende Treiber der Kurse im Bereich kurzlaufender Staatsanleihen. Dabei würden sinkende Leitzinsen zu steigenden Kursen bestehender Anleihepositionen führen, während steigende Zinsen fallende Kurse bewirken würden. Ursächlich für die steigenden Notierungen in den vergangenen Monaten seien daher weitere Zinssenkungen der EZB gewesen. Da die Europäische Zentralbank in den kommenden Monaten noch mindestens eine weitere Zinssenkung vornehmen dürfte, würden die Analysten nach wie vor den Bereich der Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von maximal drei Jahren empfehlen.
Bei länger laufenden deutschen Staatsanleihen überwiege angesichts der aktuellen Rendite in Höhe von 3,16% das Risiko von Kursverlusten gegenüber der Chance weiterer Gewinne. Die Kurse in diesem Laufzeitensegment würden besonders sensibel auf Inflationserwartungen der Marktteilnehmer reagieren. In einem inflationären Umfeld würden Anleger beim Kauf einer langlaufenden Anleihe eine höhere Verzinsung verlangen, da ein Teil der zu erwartenden Nominalverzinsung durch die Inflation aufgezehrt werde. Auch wenn kurzfristig eher deflatorische Tendenzen vorherrschen würden, dürfte die steigende Staatsverschuldung mittelfristig für steigende Inflationserwartungen und damit auch für ein steigendes Zinsniveau am langen Ende sorgen.
Sollte die Erwartung steigender Zinsen im Bereich langer Laufzeiten und sinkender Zinsen bei kurzlaufenden Anleihen eintreten, würde dies eine weitere Versteilung der Zinsstruktur zur Folge haben. Historisch betrachtet sei diese Situation zumeist ein guter Frühindikator für eine sich abzeichnende konjunkturelle Erholung aufgrund einer steigenden Kreditvergabeaktivität der Banken. Diese würden Fristentransformation betreiben, d.h. langfristige Kredite an Unternehmen vergeben und diese kurzfristiger am Kapitalmarkt refinanzieren. Eine steile Zinsstruktur sei damit die Voraussetzung für die Rentabilität dieses Geschäftes und somit für die Ausweitung des Kreditangebotes.
Mitte März 2009 habe die US-Notenbank FED für eine Sonderkonjunktur bei US-Staatsanleihen gesorgt. Während die Zinsen langlaufender Anleihen seit Anfang des Jahres bis zu diesem Zeitpunkt leicht gestiegen seien, sei es durch die Ankündigung der FED, zukünftig am Rentenmarkt massiv als Käufer von Anleihen aufzutreten, zu einer beispiellosen Kurssteigerung innerhalb eines Tages gekommen. Die Rendite einer 10-jährigen US-Staatsanleihe sei dadurch von 3,00% auf 2,53% gefallen.
Die vorher bestehenden Ängste der Anleiheinhaber vor einer steigenden Staatsverschuldung schienen plötzlich nicht mehr vorhanden zu sein, so die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank. Dieser Effekt dürfte jedoch nur vorübergehend sein, so dass dies aus Sicht der Analysten kein Grund für den Erwerb von US-Staatsanleihen sei. Mittelfristig dürfte hier analog zu der Situation in Europa eher die Gefahr von Kursverlusten angesichts steigender Inflationsängste bestehen. Hinzu komme aus Sicht eines europäischen Anlegers das erhebliche Währungsrisiko durch die Anlage in US-Dollar. Mit der massiven Ausweitung der Geldmenge jenseits des Atlantiks steige auch die Gefahr einer Abwertung der US-Währung gegenüber dem Euro, durch die positive Renditen der Anleihen mehr als kompensiert werden könnten.
Auch in weiteren Segmenten der Staatsanleihemärkte habe es zum Teil deutliche Preisverwerfungen gegeben. So liege die Rendite einer 10-jährigen österreichischen Anleihe zurzeit etwa 100 Basispunkte über der Rendite einer deutschen Bundesanleihe mit gleicher Laufzeit. Da beide Staaten dem Euroraum angehören würden und in der Vergangenheit nahezu vergleichbare Renditeniveaus gehabt hätten, sei diese Konstellation bemerkenswert. Offensichtlich würden die Marktakteure aktuell die Bonität Österreichs schlechter als die Deutschlands bewerten. Ursächlich dafür seien die starke Verflechtung und die damit hohe Abhängigkeit der österreichischen Wirtschaft von Osteuropa, wo die Wirtschaftskrise besonders starke Auswirkungen zeige.
Auch mit niederländischen Staatsanleihen seien zurzeit ähnliche Renditen zu erzielen. Nach Erachten der Analysten bestehe nicht die Gefahr, dass ein dem Euroraum angehörendes Land seine Schulden nicht zurückzahlen könne. Im Zweifel dürften andere Staaten des gemeinsamen Währungsraumes dafür Sorge tragen, dass eine mögliche Zahlungsunfähigkeit verhindert werde. Dies sei unumgänglich, wenn der Fortbestand des Euro nicht gefährdet werden solle. Daher seien Beimischungen ausgewählter Staatsanleihen aus diesen Ländern eine sinnvolle Alternative zur Generierung einer höheren Rendite in risikoarmen Portfolien, auch wenn mit zwischenzeitlichen Schwankungen gerechnet werden müsse.
Die Analystenempfehlung einer Beimischung von Unternehmensanleihen habe sich im bisherigen Jahresverlauf noch nicht ausgezahlt. Aufgrund der noch immer sehr hohen Risikoprämien in diesem Bereich würden die Analysten jedoch an dem Segment festhalten. Eine Beruhigung der Situation an den Kapitalmärkten sollte sich auch positiv auf viele Unternehmensanleihen auswirken. Geringere Risiken würden Anleger beim Kauf staatsgarantierter Unternehmensanleihen eingehen. Bei diesen sei das Ausfallrisiko mit dem einer deutschen Bundesanleihe vergleichbar. Daher seien allerdings auch die Renditen nur leicht höher. (Ausgabe 2. Quartal 2009) (24.04.2009/ac/a/m)
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