Konjunkturmarkt zeigt sich robust
20.07.09 14:24
Conrad Hinrich Donner Bank
Hamburg (aktiencheck.de AG) - Die Weltwirtschaft befindet sich nach wie vor in einer äußerst angespannten Lage, so die Analysten der Conrad Hinrich Donner Bank.
Das Wirtschaftswachstum sei eingebrochen und die Arbeitslosigkeit steige. Doch zeige sich die Konjunktur robust im Vergleich zu den Befürchtungen, die noch im Herbst 2008 die Börsen weltweit bewegt hätten. Mitten in der Finanzkrise seien dort extreme Depressionsszenarien eingepreist worden, wie es sich implizit aus Volatilitätsindices und Risikoaufschlägen für Unternehmensanleihen ablesen lasse. Mit den Bankenrettungsschirmen in den USA und Westeuropa sei die Panik abgeklungen und auf Grundlage der schlechten Wirtschaftsdaten einer der Situation angemessenen Risikoeinschätzung gewichen.
Es setze sich zu Recht die Sicht durch, dass diese Krise beherrschbar sei. Dieses Vertrauen stütze sich auch auf das weltweit entschlossene Vorgehen von Zentralbanken und Regierungen. Die wichtigsten Zentralbanken würden eine äußerst expansive Geldpolitik verfolgen und die Regierungen würden Konjunkturpakete in bisher unerreichtem Ausmaß auflegen. Bezüglich des Umfangs und der Schnelligkeit der Umsetzung nehme China eine Vorreiterrolle ein. Insbesondere die chinesischen Maßnahmen im Infrastrukturbereich würden die Wirtschaft beleben. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe erreiche dort ein Niveau, das eine deutliche Expansion der Konjunktur erwarten lasse.
In den USA würden größere Anteile des Konjunkturpakets auf Steuererleichterungen entfallen und ein Großteil der direkten Bauprojekte sei noch in Planung. Dennoch würden sich dort bereits die konjunkturellen Frühindikatoren verbessern. Auch in Europa sei eine Trendwende bei wichtigen Stimmungsindikatoren zu beobachten.
Für das Jahr 2009 würden die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum in den USA und Europa mit -3% bis -5% sehr niedrig bleiben. Das Wachstum in Deutschland werde sich mit einem Rückgang in Höhe von ca. 6% nicht in dieser Bandbreite halten können. Doch ab 2010 sei in den USA wie in Europa und Deutschland wieder mit einem positiven Wachstum zu rechnen. Das aktuelle konjunkturelle Umfeld zeichne sich auch durch eine Konsumschwäche aus. Entsprechend könnten die Verbraucherpreise zeitweise sinken. Dabei werde der Rückgang in den USA mit bis zu 0,6% stärker als in Europa ausfallen, da die Verbraucher dort vor einem Schuldenabbau stünden und die sozialen Sicherungssysteme weniger ausgeprägt seien.
Das amerikanische Verbrauchervertrauen habe noch letztes Jahr im Zeichen der Finanzkrise neue historische Tiefpunkte markiert. Trotz Konjunktureinbruch stelle sich jedoch aktuell für viele Haushalte die wirtschaftliche Lage besser dar als zunächst befürchtet. Der daraus folgende Rückgang des Pessimismus lasse keine weiteren dramatischen Einbrüche im Konsum erwarten. Ebenso würden die US-Unternehmen zurzeit weniger pessimistisch in die Zukunft blicken. Dieser allgemeine Stimmungsumschwung finde zwar auf einem sehr niedrigen Niveau statt, dennoch sollte dies eine Stabilisierung der Nachfrage unterstützen, zumal sich in den letzten 18 Monaten ein Nachholbedarf aufgebaut habe. Bis die privatwirtschaftliche Nachfrage wieder anziehe, sollten die Konjunkturpakete die gesamtwirtschaftliche Nachfrage beleben.
Für den weiteren Ausblick der US-Wirtschaft stimme insbesondere die Zinsstruktur positiv. In der Vergangenheit sei sie ein verlässlicher Indikator für die zukünftige Industrieproduktion gewesen. Berechnet werde die Zinsstruktur als Differenz der Rendite langlaufender Staatsanleihen und dem Zinssatz für das Interbankengeschäft. Eine hohe Differenz, das heiße eine sehr steile Zinsstruktur, habe sich positiv auf das Wachstum ausgewirkt. Die FED nehme dabei einen erheblichen Einfluss auf die Höhe dieser Differenz.
Mit ihrer expansiven Geldpolitik seit Ausbruch der Finanzkrise habe sie ihre Instrumente ausgeschöpft und damit indirekt den Interbanken-Zinssatz unter das Niveau langlaufender Staatsanleihen gesenkt. Diese Maßnahmen hätten zwar noch nicht die Kreditvergabe der Banken erhöhen können, aber sie hätten den Banken in Zeiten der Unsicherheit dringend erforderliche Liquidität zur Verfügung gestellt, und große Unternehmen hätten das gesunkene Zinsniveau genutzt, um sich über die Ausgabe von Anleihen zu finanzieren.
Neben der Zentralbank würden Angebot und Nachfrage bei langlaufenden Staatsanleihen die Steilheit der Zinsstruktur beeinflussen. Auf der Angebotsseite erhöhe die US-Regierung die Emissionstätigkeit von langlaufenden Anleihen, da sie aufgrund von Steuerausfällen und der Konjunkturprogramme neue Schulden aufnehmen müsse. Diese Schuldenausweitung sei nur um den Preis höherer Zinszahlungen möglich. Die Investoren würden die Staatsanleihen nämlich nur zu einer höheren Rendite nachfragen, da sie mittlerweile ein Ende der Rezession und eine moderate Inflation erwarten würden. Damit würden die Zinsen der langlaufenden Staatsanleihen steigen, was ebenfalls die Zinsstruktur versteilere.
Die einzelnen oben angeführten Komponenten, die diese steile Zinsstruktur bedingen würden, wie expansive Geldpolitik, Konjunkturprogramme und optimistischere Erwartungen der Investoren, würden jeweils für sich auf bessere Konjunkturaussichten schließen lassen. Darüber hinaus sei eine steile Zinsstruktur Ausdruck einer hohen Marge der Banken bei der Kreditvergabe. Ihre Refinanzierungskosten würden sich am Interbankenzinssatz orientieren, ihre Zinseinnahmen würden jedoch deutlich über der Rendite der langlaufenden Staatsanleihen liegen. Zu diesen hohen Margen sollten die Banken ein erhöhtes Interesse an der Kreditvergabe haben, auch wenn zurzeit noch Verunsicherung den Kapitalmarkt blockiere. Im Mai 2009 habe sich der Anteil der Banken, die ihre Kreditvergabekonditionen weiter verschärft hätten, immerhin schon verringert.
Wie in den USA sei die Zinsstruktur auch in Europa sehr steil und deute eine Erholung der Wirtschaft an. Von besonderer Bedeutung für das Wachstum seien die Investitionen. In Zeiten hoher Wachstumsraten würden die Investitionsaktivitäten der Unternehmen hauptsächlich von Umsatzprognosen bestimmt, in einer Rezession jedoch würden Finanzierungsrestriktionen in den Vordergrund rücken. Diese hätten sich laut EZB noch im ersten Quartal 2009 erhöht. Doch die Rate nehme zügig ab und bei verbesserten Wirtschaftsaussichten würden die Banken wieder großzügiger Kredite vergeben. Positiv sei in diesem Zusammenhang, dass die Unternehmen von den Zinssenkungen der EZB profitieren würden und die Finanzierungskosten im ersten Quartal von 4,7% auf 4,4% (Quelle: EZB) hätten senken können.
Während für die Unternehmen die Finanzierung eine Herausforderung darstelle, hätten die Regierungen der EU ihre Verschuldung für die umfangreichen Konjunkturpakete ohne Restriktionen ausweiten können. Als Folge würden in den nächsten zwei Jahren nur drei Länder den Maastrichter Referenzwert von 3% für das Haushaltsdefizit einhalten. Aus diesem Grunde mahne die EZB die Beibehaltung der Maastrichtkriterien an, um bei der wachsenden Staatsverschuldung die zukünftige Handlungsfähigkeit nicht zu gefährden.
Neben der Wahrung der Preisniveaustabilität sei eine der vorrangigen Aufgaben der FED die Maximierung des Beschäftigungsstandes. Dieses Ziel habe die FED in der Vergangenheit konsequent verfolgt. Auf ein Nachlassen der Konjunktur und eine steigende Arbeitslosigkeit habe sie zügig mit einer expansiven Geldpolitik reagiert und mit Zinsanhebungen gewartet, bis die Arbeitslosigkeit erkennbar zurückgegangen sei.
Da die Arbeitslosigkeit meist ein halbes Jahr später die konjunkturelle Entwicklung nachvollziehe, werde die FED den Leitzins auch bei einem Konjunkturaufschwung 2010 zunächst auf niedrigem Niveau belassen. Das Hauptziel der EZB beschränke sich gegenüber der FED auf die Preisniveaustabilität. Doch sei auch 2010 nur mit einer moderaten Inflation zu rechnen, so dass für die EZB nächstes Jahr nur geringe Veranlassung bestehe, den Leitzins anzuheben. (Ausgabe 3. Quartal 2009) (20.07.2009/ac/a/m)
Das Wirtschaftswachstum sei eingebrochen und die Arbeitslosigkeit steige. Doch zeige sich die Konjunktur robust im Vergleich zu den Befürchtungen, die noch im Herbst 2008 die Börsen weltweit bewegt hätten. Mitten in der Finanzkrise seien dort extreme Depressionsszenarien eingepreist worden, wie es sich implizit aus Volatilitätsindices und Risikoaufschlägen für Unternehmensanleihen ablesen lasse. Mit den Bankenrettungsschirmen in den USA und Westeuropa sei die Panik abgeklungen und auf Grundlage der schlechten Wirtschaftsdaten einer der Situation angemessenen Risikoeinschätzung gewichen.
Es setze sich zu Recht die Sicht durch, dass diese Krise beherrschbar sei. Dieses Vertrauen stütze sich auch auf das weltweit entschlossene Vorgehen von Zentralbanken und Regierungen. Die wichtigsten Zentralbanken würden eine äußerst expansive Geldpolitik verfolgen und die Regierungen würden Konjunkturpakete in bisher unerreichtem Ausmaß auflegen. Bezüglich des Umfangs und der Schnelligkeit der Umsetzung nehme China eine Vorreiterrolle ein. Insbesondere die chinesischen Maßnahmen im Infrastrukturbereich würden die Wirtschaft beleben. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe erreiche dort ein Niveau, das eine deutliche Expansion der Konjunktur erwarten lasse.
In den USA würden größere Anteile des Konjunkturpakets auf Steuererleichterungen entfallen und ein Großteil der direkten Bauprojekte sei noch in Planung. Dennoch würden sich dort bereits die konjunkturellen Frühindikatoren verbessern. Auch in Europa sei eine Trendwende bei wichtigen Stimmungsindikatoren zu beobachten.
Für das Jahr 2009 würden die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum in den USA und Europa mit -3% bis -5% sehr niedrig bleiben. Das Wachstum in Deutschland werde sich mit einem Rückgang in Höhe von ca. 6% nicht in dieser Bandbreite halten können. Doch ab 2010 sei in den USA wie in Europa und Deutschland wieder mit einem positiven Wachstum zu rechnen. Das aktuelle konjunkturelle Umfeld zeichne sich auch durch eine Konsumschwäche aus. Entsprechend könnten die Verbraucherpreise zeitweise sinken. Dabei werde der Rückgang in den USA mit bis zu 0,6% stärker als in Europa ausfallen, da die Verbraucher dort vor einem Schuldenabbau stünden und die sozialen Sicherungssysteme weniger ausgeprägt seien.
Das amerikanische Verbrauchervertrauen habe noch letztes Jahr im Zeichen der Finanzkrise neue historische Tiefpunkte markiert. Trotz Konjunktureinbruch stelle sich jedoch aktuell für viele Haushalte die wirtschaftliche Lage besser dar als zunächst befürchtet. Der daraus folgende Rückgang des Pessimismus lasse keine weiteren dramatischen Einbrüche im Konsum erwarten. Ebenso würden die US-Unternehmen zurzeit weniger pessimistisch in die Zukunft blicken. Dieser allgemeine Stimmungsumschwung finde zwar auf einem sehr niedrigen Niveau statt, dennoch sollte dies eine Stabilisierung der Nachfrage unterstützen, zumal sich in den letzten 18 Monaten ein Nachholbedarf aufgebaut habe. Bis die privatwirtschaftliche Nachfrage wieder anziehe, sollten die Konjunkturpakete die gesamtwirtschaftliche Nachfrage beleben.
Mit ihrer expansiven Geldpolitik seit Ausbruch der Finanzkrise habe sie ihre Instrumente ausgeschöpft und damit indirekt den Interbanken-Zinssatz unter das Niveau langlaufender Staatsanleihen gesenkt. Diese Maßnahmen hätten zwar noch nicht die Kreditvergabe der Banken erhöhen können, aber sie hätten den Banken in Zeiten der Unsicherheit dringend erforderliche Liquidität zur Verfügung gestellt, und große Unternehmen hätten das gesunkene Zinsniveau genutzt, um sich über die Ausgabe von Anleihen zu finanzieren.
Neben der Zentralbank würden Angebot und Nachfrage bei langlaufenden Staatsanleihen die Steilheit der Zinsstruktur beeinflussen. Auf der Angebotsseite erhöhe die US-Regierung die Emissionstätigkeit von langlaufenden Anleihen, da sie aufgrund von Steuerausfällen und der Konjunkturprogramme neue Schulden aufnehmen müsse. Diese Schuldenausweitung sei nur um den Preis höherer Zinszahlungen möglich. Die Investoren würden die Staatsanleihen nämlich nur zu einer höheren Rendite nachfragen, da sie mittlerweile ein Ende der Rezession und eine moderate Inflation erwarten würden. Damit würden die Zinsen der langlaufenden Staatsanleihen steigen, was ebenfalls die Zinsstruktur versteilere.
Die einzelnen oben angeführten Komponenten, die diese steile Zinsstruktur bedingen würden, wie expansive Geldpolitik, Konjunkturprogramme und optimistischere Erwartungen der Investoren, würden jeweils für sich auf bessere Konjunkturaussichten schließen lassen. Darüber hinaus sei eine steile Zinsstruktur Ausdruck einer hohen Marge der Banken bei der Kreditvergabe. Ihre Refinanzierungskosten würden sich am Interbankenzinssatz orientieren, ihre Zinseinnahmen würden jedoch deutlich über der Rendite der langlaufenden Staatsanleihen liegen. Zu diesen hohen Margen sollten die Banken ein erhöhtes Interesse an der Kreditvergabe haben, auch wenn zurzeit noch Verunsicherung den Kapitalmarkt blockiere. Im Mai 2009 habe sich der Anteil der Banken, die ihre Kreditvergabekonditionen weiter verschärft hätten, immerhin schon verringert.
Wie in den USA sei die Zinsstruktur auch in Europa sehr steil und deute eine Erholung der Wirtschaft an. Von besonderer Bedeutung für das Wachstum seien die Investitionen. In Zeiten hoher Wachstumsraten würden die Investitionsaktivitäten der Unternehmen hauptsächlich von Umsatzprognosen bestimmt, in einer Rezession jedoch würden Finanzierungsrestriktionen in den Vordergrund rücken. Diese hätten sich laut EZB noch im ersten Quartal 2009 erhöht. Doch die Rate nehme zügig ab und bei verbesserten Wirtschaftsaussichten würden die Banken wieder großzügiger Kredite vergeben. Positiv sei in diesem Zusammenhang, dass die Unternehmen von den Zinssenkungen der EZB profitieren würden und die Finanzierungskosten im ersten Quartal von 4,7% auf 4,4% (Quelle: EZB) hätten senken können.
Während für die Unternehmen die Finanzierung eine Herausforderung darstelle, hätten die Regierungen der EU ihre Verschuldung für die umfangreichen Konjunkturpakete ohne Restriktionen ausweiten können. Als Folge würden in den nächsten zwei Jahren nur drei Länder den Maastrichter Referenzwert von 3% für das Haushaltsdefizit einhalten. Aus diesem Grunde mahne die EZB die Beibehaltung der Maastrichtkriterien an, um bei der wachsenden Staatsverschuldung die zukünftige Handlungsfähigkeit nicht zu gefährden.
Neben der Wahrung der Preisniveaustabilität sei eine der vorrangigen Aufgaben der FED die Maximierung des Beschäftigungsstandes. Dieses Ziel habe die FED in der Vergangenheit konsequent verfolgt. Auf ein Nachlassen der Konjunktur und eine steigende Arbeitslosigkeit habe sie zügig mit einer expansiven Geldpolitik reagiert und mit Zinsanhebungen gewartet, bis die Arbeitslosigkeit erkennbar zurückgegangen sei.
Da die Arbeitslosigkeit meist ein halbes Jahr später die konjunkturelle Entwicklung nachvollziehe, werde die FED den Leitzins auch bei einem Konjunkturaufschwung 2010 zunächst auf niedrigem Niveau belassen. Das Hauptziel der EZB beschränke sich gegenüber der FED auf die Preisniveaustabilität. Doch sei auch 2010 nur mit einer moderaten Inflation zu rechnen, so dass für die EZB nächstes Jahr nur geringe Veranlassung bestehe, den Leitzins anzuheben. (Ausgabe 3. Quartal 2009) (20.07.2009/ac/a/m)
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